Betrachtung zu Anleihen: Sind die guten Zeiten vorbei ? (Teil 1)

Ein Gastkommentar von Tokay

Der berühmte Anleihen-Guru Bill Gross publizierte kürzlich im Wall Street Journal einen Artikel mit dem Titel „Are The Good Times Over ?“. Er beantwortete die im Titel gestellte Frage dahingehend, dass das Jahr 2015 für Anleiheninvestoren wohl mit einem Minuszeichen enden werde. Man liest darüber hinaus jedoch auch immer wieder Artikel, in denen die grosse Zinswende beschworen wird, da sich eine Blase am Anleihenmarkt gebildet hätte und Anleihen somit maßlos überteuert wären. Entsprechen solche Vorstellungen der Realität? Sind Anleihen tatsächlich überteuert ? Und woran könnte man das festmachen ?

Man kann sich dazu ja einmal ein paar Bezugspunkte anschauen. Der erste Bezugspunkt ist die Aktienentwicklung. Wenn man sich grundsätzlich die Frage stellt, investiert man in Anleihen oder in Aktien, liegt ein solcher Bezugspunkt nahe. Glücklicherweise haben wir in Deutschland mit dem DAX- und mit dem REX-Performanceindex eine direkte Vergleichsmöglichkeit. Während der DAX Kurse und Dividendenzahlungen der dreißig größten deutschen Aktien mißt, erfaßt der deutsche Rentenindex REX ebenfalls dreißig Titel. Und zwar für den Anleihenmarkt charakteristische Staatsanleihen unterschiedlicher Laufzeit. Gemessen werden Zinscoupon Kursgewinn oder -verlust, und dies bereits seit 1967. Da es auch für den DAX bzw. dessen Vorläufer zurückberechnete Indexwerte gibt(seit 1959), ist ein direkter Vergleich ab 1967 möglich.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden Indizes liegt darin, daß den DAX-Unternehmen Dividendenausschüttungen aus den Jahresgewinnen zugrundeliegen, die Zinscouponzahlungen für Staatsanleihen sich hingegen nach der allgemeinen Situation auf dem Kapitalmarkt bemessen. Der Zinscoupon schwankt weitaus weniger stark als die Jahresdividende, obschon solide Unternehmen normalerweise sehr bestrebt sind, eine möglichst gleichmäßige Dividende zu bezahlen. Doch hängt die Entwicklung des DAX nicht nur von den Unternehmensgewinnen ab, sondern ebenfalls von den Marktzinsen. Mit denen werden die Gewinne abdiskontiert. Damit ist der DAX von vornherein viel größeren Schwankungen unterworfen als der REX - dies umso mehr, als die DAX-Entwicklung maßgeblich von den Erwartungen(oder auch von den Erwartungen über die Erwartungen ;-)) der Marktteilnehmer abhängt und nicht so sehr von tatsächlichen Couponzahlungen.

Betrachten wir einmal die Entwicklung des DAX und des REX seit Anfang 1967:

REX vs DAX 1967-2014

Diese Zahlen sind beeindruckend. Und zwar beeindruckend insofern, als der REX mit einem annualisierten Wertzuwachs von 6,8 Prozent nur unwesentlich schwächer abschnitt als der DAX, welcher einen jährlichen Zuwachs von 7,3 Prozent zu verzeichnen hatte. Und das bei einem weitaus geringeren Risiko! Es waren tatsächlich gute Zeiten für Anleiheninvestoren, wenn diese bei vergleichsweise sehr geringem Risiko beinahe soviel an Wertzuwachs erzielten wie Aktieninvestoren. Das wäre jedenfalls dann so gewesen, wenn man das jeweilige Marktportfolio angepasst und auf dick und dünn durchgehalten hätte, auch wenn das sicherlich eine etwas idealisierte Annahme ist.

Zugleich zeigt der Vergleich zwischen DAX und REX an, wann Aktien gemessen an Anleihen billig oder teuer waren. Ende der Sechziger Jahre waren Aktien gemessen an Anleihen teuer; Anfang der Achtziger Jahre waren sie sehr billig. Anfang 2000 und 2007 waren sie wieder teuer, Anfang 2003 und 2009 wieder billig. Im Moment scheint man wieder „auf Normal“ angekommen zu sein. Aktien sind nicht mehr billig, Anleihen sind es allerdings noch weniger. Die großen Schwankungen am Aktienmarkt können auch so interpretiert werden, dass die Bewertungsunterschiede durch den Abfluß von Anlagemitteln aus Aktien in Anleihen und umgekehrt sukzessive abgebaut werden.

Der zweite Bezugspunkt ist die Performance des REX in Verbindung mit der allgemeinen Kapitalmarktentwicklung. Ein hoher Kapitalmarktzins ist für Anleihenbesitzer etwas sehr angenehmes, da ein hoher Zinscoupon vereinnahmt wird, Noch angenehmer ist ein Kapitalmarktzins, der von hohem Niveau aus sinkt, denn dann kann neben einem hohen Coupn auch noch ein Kursgewinn kassiert werden, was die Gesamtperformance anhebt. Das Gegenteil ist natürlich bei tiefen Kapitalmarktzinsen der Fall, wie wir sie derzeit haben. Allerdings haben wir in 2014 gesehen, dass ein tiefer Marktzins jene Lügen strafen kann, die glauben, daß ein bereits sehr niedriger Marktzins nicht mehr weiter fallen könne. Aber in 2014 ist genau das passiert.

Wir haben im vergangenen Jahr die Performance des US-Aktienmarktes nach dem sogenannten Shiller-CAPE untersucht. Machen wir einmal bei Anleihen etwas ähnliches und schauen uns einmal die Einjahresperformance des REX in Abhängigkeit von der Entwicklung des Anleihen-KGV's, also des Kehrwertes der Umlaufrendite für 10-jährige Anleihen an:

REX-Performance 1 Jahr in Abh v Kurs-Rendite-Verh

Wir sehen hier, daß die Performance des REX anhand des Anleihen-KGV's bzw. der Umlaufrendite praktisch nicht prognostiziert werden kann. Die Korrelation zwischen der Jahresperformance des REX und dem Anleihen-KGV liegt nahezu bei Null. Der Jahresertrag des REX hängt nicht nur von der Zinshöhe ab, sondern auch von der Veränderung des Zinsniveaus. Das Zinsniveau wiederum hängt von verschiedenen makroökonomischen Größen ab, wozu in Teil 2 etwas gesagt werden wird. Doch ist die Natur dieser makroökonomischen Größen so beschaffen, daß auf kurze Sicht genau wie bei den Aktien keine gehaltvolle Prognose möglich ist. Auch gibt es seit Beginn der monetären Expansion nicht genügend Beobachtungspunkte, die sich in die Entwicklung der Vergangenheit einreihen.In jedem Fall kann auf Jahressicht nicht von einem bestimmten Anleihen-KGV aus auf eine bestimmte jährliche Anleihenperformance geschlossen werden. Bezüglich der Jahresprognosen von Banken sollte man daher auch bei Anleihen sehr vorsichtig sein, und ebenso bei den Prognosen von Bill Gross.

Deutlich besser sieht es hingegen für die lange Frist aus:

REX-Performance 10 Jahre  in Abh v Kurs-Rendite-Verh

Die langfristige Performance des REX kann langfristig überwiegend durch das Anleihen-KGV erklärt werden. Eine gute Anleihenperformance war in den meisten Fällen mit einer relativ hohen Anleihenrendite und damit einem tiefen Anleihen-KGV verbunden und umgekehrt. Zu keinem Zeitpunkt allerdings hat es so etwas wie eine „Anleihen-Blase“ gegeben. Das liegt ganz einfach daran, dass qualitativ erstklassige Anleihen – und um solche handelt es sich bei den Komponenten des REX - im allgemeinen zu 100 Prozent zurückgezahlt werden. Gewisse Kuchwankungen sind zwar möglich, insbesondere bei Anleihen mit längerer Laufzeit, aber die Kuchwankungen werden sich normalerweise in Grenzen halten. Auf lange Sicht sollte es daher in aller Regel bei deutschen Anleihen einen positiven Jahresertrag geben oder doch zumindest keine nominalen Verluste.

Somit kommen wir bei Anleihen erstaunlicherweise zum gleichen Ergebnis wie bei der Analyse der Aktienperformance anhand des Shiller-CAPE. Die Anleihenbewertung gemessen an der Umlaufrendite ist kurzfristig für die Prognose der Wertentwicklung vollständig ungeeignet. Auf lange Sicht kann die Anleihenperformance jedoch überwiegend anhand der aktuellen Bewertung erklärt werden. Und zwar je länger, desto besser.

Hat Anleihe-Guru Gross also recht oder unrecht? Nun, für Amerika könnte er recht haben, bei Europa ist es nicht so ganz eindeutig. Und ob er auf lange Sicht recht hat, hängt von den langfristigen Einflußfaktoren des Kapitalmarktzinses ab. Um die geht es in Teil 2.

Tokay

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Gabor Steingarts brilliante Bestandsaufnahme des Journalismus

Da sitze ich hier, Einzelkämpfer, Blogger, Journalist und Geschäftsführer einer kleinen Medien-GmbH. Jeden Artikel schreibe ich: selber. Redigieren muss ich: selber. Die Buchhaltung vorbereiten muss ich: selber. Mit Lesern kommunizieren und diskutieren tue ich: selber. Technische Probleme behebe ich: selber. Die IT Infrastruktur baut wer auf ? Ich selber. Und so weiter, Sie ahnen den Fortgang der Geschichte. Achja .... und eigentlich ist das nur meiner zweiter Job neben dem ersten - dem eigenen Handel an den Märkten.

Und wenn an den Märkten etwas Bedeutendes passiert, wie zuletzt, als das Janet Yellen Statement in dem Markt leckte, dann schreibe ich dazu in der Regel zeitnah im Premium-Bereich, manchmal noch nach 22 Uhr. Und habe meistens schon kurz danach einen originären Gedanken dazu für Sie parat. Und eine dreistellige Zahl an Lesern schätzt das mittlerweile und bezahlt für diese Qualität.

Schaue ich dann in die breiten Medien, gefüttert von Heerscharen von Journalisten, ein kleiner Kern davon auch mit festen Gehältern auf sicheren Stühlen in warmen Redaktionsstuben, findet man vielleicht 1 Stunde nach dem Ereignis eine freudlose Nacherzählung, die zu oft den Geruch verbreitet, einfach vom Wall Street Journal übernommen worden zu sein.

Wie kann das sein ? Jetzt findet sich natürlich auch in den grossen Medien immer wieder Brilliantes und Durchdachtes, bei dem man merkt, dass der Autor wirklich etwas zu sagen hat. Aber zu oft geht das in einem Meer an Kopiertem, Geschwafeltem und Aufgeblasenem unter.

Warum ich Ihnen das hier in einem Finanz- und Börsenblog schreibe ? Weil ich Sie dazu motivieren möchte, die wirklich brilliante und unbedingt lesenswerte Bestandsaufnahme des gegenwärtigen Journalismus von Gabor Steingart zu lesen.

Gabor Steingart, ehemals Chefredakteur des Handelsblatt und nun Herausgeber, wendet sich anlässlich einer Veranstaltung in München direkt an seine Kollegen. Lesen und geniessen Sie eine brilliante Rede hier:

---------- UNBEDINGT LESEN:

Dem ist wirklich nichts hinzu zu fügen. Da sitzt jeder Punkt. Wichtig sind auch seine Aussagen zur Ursünde der Kostenlos(un)Kultur im Internet. Wer von den Lesern nicht bereit ist, guten Journalismus zu bezahlen, muss sich auch nicht wundern, wenn ihm die Medien eine populistische Einheitssosse unappetitlichen Erregungsjournalismus bieten. Denn mit Erregungsjournalismus produziert man Klickzahlen. Nur wer Journalisten unabhängig von Klickzahlen bezahlt, kann auch originäre Gedanken abseits des Mainstreams auf den Titelseiten erwarten.

Erinnern Sie sich doch an die teilweise unterirdische Berichterstattung zur Bundestagswahl. Während bei den Kernfragen unseres Landes zum Euro, zur Notenbankpolitik und zu Deutschlands Platz in Europa, eine von der Kanzlerin vermutlich begrüsste Totenstille der Alternativlosigkeit auch in den großen Medien herrschte, wurden wir mit Manierismen und bewusst gesetzten Erregungszyklen wie Steinbrücks "Stinkefinger" bei Laune gehalten - den ich übrigens gut fand. 😉

Und auch nach der Wahl geht es weiter, erst vor kurzem konnten wir als Leitartikel vieler Online-Medien lesen, dass eine gewisse Manuela Schwesig (SPD) wegen Differenzen bei der Homo-Ehe die grosse Koalition in Frage stellt. Oh mein Gott ! Ich habe ja überhaupt kein Problem mit dem Thema, aber es gehört nicht auf Seite 1 und kann auch nicht die Wohl- und Wehe-Frage einer neuen Regierung sein - dieses Land hat weitaus wichtigere Probleme !

Jetzt höre ich gleich wieder Journalisten sagen, sie würden ja nur berichten und es sei ihre Pflicht solche Entwicklungen wiederzugeben. Mit Verlaub, völliger Unsinn. Wie Gabor Steingart schon darstellt, sind einige Hauptstadt-Journalisten eine Art Symbiose mit der Politik eingegangen. Und die Politik weiss genau, mit welchem Kasperletheater sie auf die Titelseite kommen kann. Würden die Journalisten auf diese Erregungszyklen gar nicht anspringen, würde die Politik sie auch nicht produzieren. Die Macht guten Journalismus ist weit höher, als sie von manchem Hofberichterstatter ausgeschöpft wird und was Journalisten schreiben, beeinflusst massiv, was Politiker überhaupt an Text produzieren. Um sich aber als Journalist über Hofberichterstattung zu erheben, muss man erst einmal einen originären Gedanken haben und das ist eben nicht jedem gegeben und kann man auch nicht einfach auf der Journalisten-Schule lernen. Dafür muss man im Leben stehen und das Thema selber mit Herzblut atmen, von dem man schreibt.

So liegt es letztlich an uns - den Lesern - dafür zu sorgen, dass sich der Journalismus ändert und mehr begreifen, wie recht Gabor Steingart hat, dem ich für seine wahren Worte meine Hochachtung aussprechen möchte.

Es liegt an uns, gute Inhalte zu bezahlen und damit sicher zu stellen, dass auch morgen originäre Gedanken von qualifizierten Autoren in den Medien zu lesen sind. Und es liegt an uns, dem Klickraten-Erregungsjournalismus unseren eigenen "Stinkefinger" zu zeigen, in dem wir diese Medien meiden, wie der Teufel das Weihwasser. Und ich bin sicher, am Ende wird sich die Qualität durchsetzen - zumindest bei den gebildeteren Lesern.

Auf jeden Fachjournalisten kommen locker 100 Bürger, die in dem Thema noch fitter sind, sich noch besser auskennen und mindestens ebenso gut schreiben können. Und diese Bürger können sich durch das Internet nun leicht Gehör verschaffen.

Die Journalisten alter Prägung haben daher die Wahl: entweder diese unbändige Kraft der bürgerlichen Intelligenz für sich nutzbar zu machen, in dem sie sich mit den Lesern verbünden und eine neue Rolle für sich finden - oder unterzugehen. Guter Journalismus wird aber weiter dringend benötigt, originäre Gedanken haben immer Konjunktur !

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Der Mund des Bernanke und die Ruhe des Hari

Die nächsten 2 Wochen werden Artikel hier etwas spärlicher werden, denn ich erlaube mir - nachdem ich nun fast 12 Monate ohne Pause und Urlaub durchgearbeitet habe - mal eine Zeit der Erholung. Eine Zeit, in der ich nicht mehr jeden Tag rund um die Uhr vor dem Schirm sitze.

Wie ich ja an verschiedener Stelle kommuniziert habe, habe ich mein eigenes Exposure zum Markt nun deutlich reduziert. Verblieben ist alleine ein Teil meiner "Investitionen", in denen ich mich nicht so sehr nach den Bewegungen des Marktes richte.

Trotzdem können Sie auch in diesen 2 Wochen immer mal wieder mit einer Wortmeldung und vielleicht auch mal mit einem Artikel meinerseits rechnen. Kommentare und administrative Aufgaben werden auch in dieser Zeit zuverlässig erledigt. Allerdings kann es auch mal etwas länger als sonst dauern, bis ich mich rühre. Das Forum läuft natürlich ohne Pause weiter.

Anfang Juli bin ich dann wieder voll für Sie da.

Zum Abschluss daher noch ein paar allgemeine Hinweise zum Markt:

Im Premium Bereich habe ich schon heute früh darauf hingewesen, der "Mund Bernankes" Jon Hilsenrath, hat im Wall Street Journal dem Markt grünes Licht gegeben. Es ist an der Wallstreet ein offenes Geheimnis, das die FED über Jon Hilsenrath den Markt vorbereitet. Die FED wird also nächste Woche wohl bestätigen, dass das Ende der Geldschwemme noch weit weg ist. Lesen Sie selbst:

Damit ist viel von der Spannung vor der nächste Woche aus dem Markt genommen. Diese Nachricht tut dem Markt natürlich gut, von dieser Seite ist ein erneuter Schub bis zu den Höchstständen durchaus möglich.

Ob es dazu kommt, wird wesentlich auch davon abhängen, wie sich die grossen Währungen bewegen. Wenn der Yen wieder zu fallen beginnt, sollten sich die Geldströme wieder umkehren und der Carry Trade wieder kommen. Und damit die alten Favoriten und Dividenden-Bluechips ihre Bewegung wieder aufnehmen. Achten Sie also auf die Währungen und insbesondere das USDJPY Währungspaar.

Wenn allerdings der Markt trotz des grünen Lichts von der FED belieben sollte, durch die starke Unterstützung bei 1600 im S&P500 und 8000 im DAX nach unten zu rollen, dann ist höchste Vorsicht und striktes Risikomanagement geboten.

Das nach meiner Analyse aufgrund der aktuellen Marktsituation für die kommenden Wochen wahrscheinlichste Szenario, ist eine volatile Seitwärts-Bewegung zwischen 1600-1700 im S&P500 und 8000-8500 im DAX, die Bullen und Bären gleichermassen frustrieren wird und in der letztlich, ausser für Daytrader die die täglichen Swings ausschöpfen, nicht viel zu holen ist.

Lassen wir uns überraschen.

Über den Sommer hinweg zu sehen ist seriös nicht möglich. Ein wesentliches Datum auch für die Weltbörsen! wird die Bundestagswahl sein. Denn an Deutschland hängt der Euro und am Euro eine Menge mehr. Ich bin fest davon überzeugt, dass die EZB und Brüssel alles mögliche und mehr dafür tun werden, dass die Eurozone bis dahin für Deutschlands Bürger stabil erscheint. Auch das BVG wird sein Urteil möglicherweise erst nach der Wahl sprechen, wobei der Markt da eher ein "Durchwinken mit gesichtswahrendem aber inhaltlich irrelevantem erhobenem Zeigefinger" erwartet. Insofern haben wir hier möglicherweise ein paar Monate einen "Draghi-Put" im Markt, der zu starke Abwärtsbewegungen konterkarieren dürfte, soweit möglich. Was nach der Wahl dann passiert, ist eine ganz andere Geschichte.

So weit das ganz grobe Bild, wie es sich mir im Moment darstellt. Wir sprechen uns irgendwann im Laufe der nächsten Woche an dieser Stelle.

Ihr Hari

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Börsenregeln reloaded III – Never Catch A Falling Knife !

Ein Gastartikel von Tokay

Börsenregeln reloaded III - Never Catch A Falling Knife !

Seit dem Frühjahr gibt es Befürchtungen bei den Börsenbeobachtern über bevorstehende Kurskorrekturen. Diese Mutmaßungen sind weitgehend eingetroffen. Auch wenn der Satz „Sell in May“ der längerfristigen Betrachtung nicht standhält, in diesem Jahr hat er sich leider bewahrheitet. Der DAX ist im Frühjahr über die 7.000er Marke geklettert und befindet sich seither im Sinkflug. Wird dieser Rückgang weiter gehen und gar in einem Crash enden? Oder handelt es sich nur um eine vorübergehende Konsolidierung? Können einem hier die alten Börsenregeln weiterhelfen?

Eine sehr alte Börsenstrategie ist die sogenannte Dow-Theory, die von Charles Dow, dem Begründer des „Dow Jones Index“ wie auch des „Wall Street Journals“ erdacht wurde. Demnach kauft man, sehr grob gesprochen, den Markt, wenn der Dow Jones Index seinen 200-Tage-Durchschnitt nach oben kreuzt und man verkauft ihn, wenn der Dow Jones unter diese Linie fällt.

Im folgenden Diagramm sehen wir die entsprechenden Entwicklungen im DAX seit 1991. Wir handhaben diese Regel von Dow ein wenig restriktiver und bauen noch einen Sicherheitspuffer ein, um die Anzahl der Fehlsignale zu verkleinern.Wir verkaufen also erst dann wenn der DAX den 200-Tage Durchschnitt abzüglich 2 Prozent dieses Durchschnittes unterschreitet(dargestellt durch die gelbe Linie). Umgekehrt würde erst dann gekauft werden, wenn der DAX höher steigt als der 200-Tage-Durchschnitt 2 Prozent vom gleitenden Durchschnitt(Überschreiten der grünen Linie). Innerhalb des Korridors entstünde keine Aktivität.

Die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich:

  • In den 90er Jahren, aber auch während der Hausse 2003-2007 gab es sehr oft Fehlsignale. Verkaufte man den DAX, dann begann er kurz danach zu steigen und man musste zu höheren Kursen wieder einsteigen um die danach einsetzende Hausse nicht zu verpassen. Somit hieß es: The trend is your friend.
  • In trendlosen Zeiten(sie sind häufiger, als man glaubt), auch und gerade in den 90er Jahren, z.B. 1994 oder 1998, führte diese Regel dazu, dass man verkauft hätte und die Kurse weder nennenswert gestiegen oder gefallen wären. Die passende Börsenregel dazu: Hin und her macht Taschen leer.
  • Ein durchgreifender Wechsel passierte in den 200ern, denn dreimal, nämlich in 2000, 2008 und in 2011 hätte das Befolgen dieser Regel dazu geführt, dass einem schwere Verluste erspart geblieben wären. Somit also: Greife nicht ins fallende Messer!

Es ist offensichtlich, dass diese unterschiedlichen Entwicklungen mit den jeweiligen Bedingungen im Börsenumfeld zusammenhängen. So waren z.B. die Einbrüche 1998 nach der Asien-Krise nur von kurzer Dauer, da das Makroumfeld in den westlichen Ländern nach wie vor eindeutig positiv geprägt war. Eine Verkaufsentscheidung, die anhand der Dow Theory getroffen wurde, wäre demnach eine Fehlentscheidung gewesen.Die 2000er Jahre hingegen waren gekennzeichnet von der Korrektur der ins unermessliche gestiegenen Erwartungen der Investoren gegen Ende der 90er Jahre. Und in 2011wurden die Märkte von der Eurokrise dominiert, welche die Risikoabschläge insbesondere für den Finanzsektor dramatisch ansteigen ließ.

Betrachten wir anhand der besonders einprägsamen Jahre 2000 und 2011, wie sich damals das „fallende Messer“ abgespielt hat:

Hier sehen wir den DAX-Verlauf von Mitte März 2000 bis Mitte September 2000, als die Untergrenze des 200-Tage-Durchschnitts unterschritten und somit das Verkaufssignal ausgelöst wurde. Der DAX korrigierte damals bereits seit einem halben Jahr(Strecke AB). Der gleitende Durchschnitt, also die orangefarbene Linie dem Pufferbereich stieg jedoch bis dahin noch an. Bei Punkt C, also am 13. September 2000, unterschritt der DAX die gelbe Linie, somit also die Untergrenze des 200-Tage-Durchschnitts. Die Baisse, die danach entstand, kam erst im Frühjahr 2002 zum Stillstand. Was auffällt, ist die stark divergierende Entwicklung der Kurse kurz vor diesem Einbruch. Der kurzfristige Trend war bis dahin negativ, der langfristige Trend des DAX aber positiv, welch letzterer damit gebrochen wurde.

Recht ähnlich war die Entwicklung im August 2011, als sich die Eurokrise zuspitzte:

Die Entwicklung verlief hier zunächst gleichförmig,wurde dann durch die Reaktor-katastrophe von Fukushima jäh unterbrochen. Jedoch nicht abgebrochen, wie sich zeigte: Zwar wurde die 200-Tage-Linie knapp unterschritten, nicht jedoch die Signallinie! Man wäre also trotz der Katastrophe im Markt geblieben. Hätte man dennoch verkauft, so wäre kurz darauf ein Kaufsignal geliefert worden, als der DAX die grüne Linie überschritt. Man kann dies so interpretieren, daß aus Marktsicht die fundamentalen Bedingungen nach wie vor intakt waren.

Und nun kam es im August 2011 zum Aufeinandertreffen(Punkt B) zwischen der Halbjahres-Trendlinie(Strecke AB) und dem 200-Tage-Durchschnitt. Das Unterschreiten von Punkt B mochte noch nicht zum Auslösen eines Verkaufssignals führen, dies war aber spätestens am 02. August 2011 der Fall, als die gelbe Linie unterschritten wurde. Auch hier hatten wir eine auffällige Divergenz zwischen kurzfristig rückläufiger Trendlinie und der längerfristig wirkenden 200-Tage-Linie, aus der sich eine negative Dynamik entwickelte.

Der Nachteil dieser einfachen Methode liegt darin, dass man einen Teil des Rückgangs hinnehmen muss, da man nur schwer abschätzen kann, ob er von Dauer ist. Ihr Vorteil liegt darin, dass bei Abwärtsbewegungen mit großer Dynamik das Kapital weitgehend gesichert werden kann. Dies gilt, wenn die Kurse weiter fallen, aber auch dann, wenn sie wieder ansteigen, denn dann kann man nach der gleichen Methode wieder in den Markt einsteigen, hat aber die vorhergehenden Verluste vermieden.

Und nun werden sich die Leser sicher fragen, ob man mit dieser Analyse die Entwicklung der kommenden Wochen und Monate abschätzen kann? Hier ist sie:

Hier haben wir nun eine umgekehrte Gemengelage: Denn wir hatten im vergangene Jahr eine deutlich positive Entwicklung(Strecke AB), im wesentlichen bedingt durch verringerte Risikoabschläge und durch positive Gewinnüberraschungen. Aufgrund der Eurokrise des Sommers 2011, welche nun wieder erneut aufgeflackert ist, haben wir einen längerfristig negativen Trend. An Punkt B, den wir noch nicht erreicht haben, begänne die Entwicklung kritisch zu werden. Sollte auch noch die gelbe Toleranzlinie nach unten durchschritten werden, dann wäre dies höchste Alarmstufe. Somit ist die Entscheidung über die kommende Entwicklung zwar noch nicht gefallen, aber sie steht wohl in Kürze bevor. Daraus folgt, dass die kommenden Handelstage und -wochen mit größter Aufmerksamkeit beobachtet werden müssen. Dies gilt insbesondere auch für Nachrichten bezüglich der Eurokrise, bei der möglicherweise grundlegende Weichenstellungen kurz bevor stehen.

Tokay

Hari´s Märkte am Abend – 08.03.12 – die Angst der FED

22 Uhr - Handelsschluss

Es scheint fast so, als hätte die gute FED eine Menge Angst davor, die Märkte auf Entzug zu setzen. Da hatte Ben Bernanke doch am 29.02. Aussagen gemacht, die man mit Phantasie so interpretieren konnte, dass ein QE3 nicht mehr beabsichtigt sei.

Und prompt hatte ihm der nach billigem Geld drogensüchtige Mr. Market die rote Karte gezeigt, am 29.02. sofort Gold und Silber abverkauft und in Folge dann zur Korrektur angesetzt. Und was passiert ? Kurz danach tauchen über das "Wall Street Journal" Gerüchte auf, nach denen doch ein neuartiges Programm zum Ankauf von Anleihen im Gespräch sein soll. Und es werden Details mitgeliefert, die in meinen Augen eigentlich nur aus der FED kommen können. Und was macht König Mr. Market ? Er nimmt das gnädig zur Kenntnis und bequemt sich wieder nach oben zu laufen.

Das zeigt mir erneut, dass die FED die Assetpreise auf jeden Fall und um jeden Preis hoch halten wird. Wer in diesem Jahr also auf grundlegend fallende Kurse setzt, wettet damit in meinen Augen gegen den erklärten Willen der FED. Wer das tun will, mag das tun, ich gehöre nicht dazu und ganz gleich wie ich über diese FED Massnahmen denke, ich sehe diese Hinweise neuer Massnahmen als erneuten Beweis, dass die Asset-Preise so oder so aufgeblasen werden.

In dem Zusammenhang schauen Sie auch mal in Blogeintrag von Joshua Brown, dessen lesenswerten Blog Sie bei mir unter "Hilfreiche Links" finden. Zitat: "The Fed is not playing games, guys, they want this market rolling higher. Fight it at your own peril."

Das beantwortet uns natürlich nicht die Frage, ob noch kurzfristig Teil 2 der Korrektur vor uns liegt. Aber es gibt zumindest einen klaren Hinweis, dass Korrekturen weiterhin wohl Kaufgelegenheiten sind !

Zusätzlich zu der unterstützenden Kommunikation der FED schoben dann die zunehmend positiven Aussagen rund um die Annahmequote des griechischen Schuldenschnitts heute den Markt an. Laut Nachrichten von heute Abend sollen schon mindestens 75% der Gläubiger beim Schuldenschnitt mitmachen. Damit sind gestern noch diskutierte Horroszenarien eines völlige Scheiterns wie erwartet vom Tisch und es geht nur noch um die Frage ob der Schuldenschnitt bei einer Annahmequote von 90% ganz sicher ist, oder bei bestimmten Gläubigern noch ein längeres "Armdrücken" statt finden wird. Das endgültige Ergebnis soll Freitag früh bekannt gegeben werden. Aber im heutigen späten Handel liefen schon Gerüchte um ein 90% Annahmequote durch den Markt. Wir werden sehen ....

Was den theoretischen zweiten Teil der Korrektur angeht, sieht es ja im Moment wirklich nicht danach aus. Vielleicht ist es dieser eine Korrektur-Tag am Dienstag wirklich schon wieder gewesen, ich würde das bedauern, weil die Luft noch nicht so richtig bereinigt wurde. Mir fehlt idealerweise noch die kurze Phase der Panik, in der die zu frühen "Buy-the-Dip"-Käufer noch einmal rasiert werden und alle sich fragen, ob das nicht doch die nachhaltige Wende nach unten ist. So eine Sentimentlage wäre dann ein ganz klares Kaufsignal, aber das haben wir leider nicht bekommen.

Aber was ich mir wünsche ist nicht relevant, relevant sind die Signale des Marktes und die sagen: "Verkaufsdruck nicht vorhanden, es geht wieder nach oben !" Nur einen kleinen Stachel des Zweifels habe ich doch noch in mir. Sie erinnern sich sicher daran, wie gerne Mr. Market den "Weg des maximalen Schmerzes" geht. Und was wäre der im Moment ?

Ich denke der würde ungefähr so ablaufen: der Markt läuft hoch, signalisiert die Korrektur ist schon zu Ende, zieht damit das zögernde Geld von der Seite in den Markt, ereicht marginal neue Höchststände und schaut kurz über 7000 ..... nur um genau dann richtig nach unten zu drehen, abzusacken und zur echten Korrektur anzusetzen, die Ben Bernanke dann ein paar Wochen später mit der Notenpresse beendet.

Ich betone, ich habe absolut Null objektive Indikatoren die auf diesen Ablauf hindeuten, es ist nur so ein komisches Gefühl in der Magengrube, nicht mehr aber auch nicht weniger. Ich werde also bestimmt aufmerksam und vorsichtig bleiben - sozusagen auf den Zehenspitzen - mein Handeln am Markt lasse ich aber von solchen Ahnungen nicht bestimmen.

Was Einzelaktien angeht, war für mich heute die Deutsche Post (WKN 555200) die Aktie des Tages. Gute Zahlen, guter Ausblick und Dividendenerhöhung sorgten für ein Kurs von 5%. Auch wenn die Geschäfte weiter gut aussehen, die Logistik ein Wachstumsmarkt bleibt und die Bewertung moderat ausschaut, drängt sich mir eine Investition gerade nicht auf. Denn ich würde nun erst einmal abwarten, ob es die Deutsche Post wirklich schafft die Zone um 14€ hinter sich zu lassen, die sich seit Jahren nun als obere Begrenzung heraus kristallisiert hat. Die Deutsche Post im Herbst letzten Jahres zu kaufen war weitsichtig, jetzt muss es in meinen Augen nicht mehr zwingend sein.

Sehr stark waren heute auch die hier schon mehrfach besprochenen ST Microelectronics (WKN 893438) , Daimler (WKN 710000) und Leoni (WKN 540888) - alle heute mit einem Anstieg um die 5% ! Aber auch "alte Verdächtige" wie Rheinmetall (WKN 703000), Continental (WKN 543900) oder Veolia (WKN 501451) haben heute mit stattlichen Gewinnen meine These bestätigt, dass noch keine Sektor-Rotation im Gange ist, sondern die Favoriten der Phase Januar bis Februar auch jetzt im März noch die Favoriten des Marktes sind.

Morgen haben wir um 14.30 Uhr die Arbeitsmarktdaten in den USA auf dem Radar, auf die der Markt nun schon positiv eingestimmt ist. Das eröffnet etwas Raum für eine negative Überraschung, aber nicht eindeutig genug, um darauf schon eine Positionierung einzugehen.

Für den weiteren Verlauf gelten die alten Aussagen, oberhalb DAX 7000 lauern eine Menge an Widerständen, die bestimmt nicht so schnell überwunden werden. Und ein erneuter Absacker macht den Weg Richtung DAX 6400 wohl frei.

Warten wir also demütig ab, was Mr. Market´s unermesslicher Ratschluss ergibt - ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !