JPYUSD oder was der japanische Yen mit der aktuellen Korrektur zu tun hat

Nachdem der Markt seit Jahresanfang nach einer Richtung suchte, haben wir gestern Abend in den US Indizes zum ersten Mal seit langer Zeit echten Abgabedruck erlebt.

Ein Abgabedruck, der auf mich wie ein frischer Regen nach einer zu langen Trockenperiode wirkte. Denn so sehr wir doch alle Sonne mögen, zu viel Sonne ist dann auch nicht gut. 😉

Diese gestrige Schwäche wurde dabei wieder einmal durch den japanischen Yen indiziert, den man sich am besten im Währungspaar JPYUSD zum Dollar anschaut.

Denn der Yen ist seit 2012 in einer strukturellen Schwächephase, die durch die "Abenomics" des japanischen Premierministers Shinzō Abe ausgelöst wurde. Eine Schwächephase die gewollt ist, weil so die japanische Exportwirtschaft gefördert und die Zinsen niedrig gehalten werden sollen.

Auch das Chart mit Tageskerzen zeigt eindrucksvoll den massiven Abwärtstrend in JPYUSD seit 2012. Das massive, monatelang zulaufende Dreieck, hat diesen Trend deutlich untermauert und der Kurs ist dann auch, wie aus dem Lehrbuch, nach unten aus dem Dreieck ausgebrochen und hat neue Tiefststände generiert.

Yen 14.01.14

Allerdings liegt hier auch das Problem. Die Bewegung ist so eindeutig, dass die Yen Schwäche grosser Konsens bei den institutionalen Anlegern ist. Die Herde setzt also auf einen weiteren Verfall des japanischen Yen.

Und damit ist der Yen auch wieder zum Vehikel massiver "Carry Trades" geworden, mit denen Kapital generiert wurde, das dann in andere Märkte - insbesondere in den US Aktienmarkt - investiert wurde.

Ein "Carry Trade" funktioniert dabei so, dass man sich Geld im japanischen Yen zu Minizinsen leiht, um dieses Kapital dann in anderen - höher rentierlichen - Märkten zu investieren. Wenn man Recht hat und der Yen weiter abwertet, generiert man einen zusätzlichen Gewinn, wenn man das geliehene Geld später im dann abgewerteten Yen zurück zahlt.

Solange der Abwärtstrend im Yen andauert, ist so also leichtes Geld zu machen und gleichzeitig wird so die weltweite Anlageliquidität erhöht. Der Carry Trade wirkt also wie ein Boom-Programm für die Finanzmärkte und erzeugt damit mittelbar weitere Kursgewinne in den grossen Indizes

Umgedreht, wenn dieser Carry Trade aufgelöst werden muss weil der Yen anzieht, wird das den Märkten massiv Anlagekapital entziehen. Die Folge sind dann mit hoher Wahrscheinlichkeit fallende Kurse. Denn nach wie vor gilt: Liquidity rules !

So war die vorangegangene Stärke im Yen schon vorgestern ein erstes Warnsignal. Und als gestern der Yen auch die wichtige Zone erreichte und temporär durchschlug, die durch das alte Tief des Dreiecks von Mai 2013 gekennzeichnet ist, setzen dann auch die Abgaben im Aktienmarkt ein. Und heute in der Frühe war auch der japanische Markt logischerweise sehr schwach. Im grösser aufgelösten, obigen Chart wird das Geschehen noch deutlicher:

JPYUSD 14.01.14

Der starke Yen der letzten Tage hat diese Korrektur also indiziert. Und deshalb haben wir hier im Premium-Bereich auch ein Auge auf die weitere Entwicklung. Denn wenn der Yen nun nicht an dieser Widerstandszone dreht, sondern weiter nach oben läuft, dürfte der Carry Trade in Gefahr geraten und ein Schwächeanfall der Weltaktienmärkte ist dann höchst wahrscheinlich.

Umgedreht, wenn der Yen nun doch weiter fällt und den Widerstand nicht überwinden kann, besteht zumindest von dieser Seite weiter grünes Licht für die aktuelle Rally.

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Solar Sektor auf dem Weg zur Kaufgelegenheit ?

Der Solar Sektor korrigiert nun deutlich. Ein Sektor, der uns hier auf surveybuilder.info dieses Jahr viel Freude machte und über den ich hier oft geschrieben habe. Diese temporäre Topbildung deutete sich im US Branchen-ETF schon vor Wochen mit Erreichen der 40 USD Marke an und kommt nicht überraschend.

Fundamentale Auslöser dieser Korrektur sind kaum zu bemerken. Es gab hier und da bei einigen Unternehmen nicht ganz so berauschende Quartalszahlen, die grundlegend sehr positiven Aussichten des Sektors in der Welt, sind aber nach meiner Einschätzung völlig unverändert.

Insofern kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass hier Gewinnmitnahmen zum Jahresende eine Rolle spielen, denn die Gewinne, die man dieses Jahr im Sektor machen konnte, waren dreistellig und sehr beeindruckend.

Deshalb könnte diese laufende Korrektur nun möglicherweise auch eine attraktive Kaufgelegenheit für das Jahr 2014 schaffen. Schaut man auf das langfristige Chart des TAN mit Wochenkerzen, sieht man die perfekte Umkehrformation und die ausserordentlich bullische Struktur.

Solar TAN Woche 10.12.13

Schaue ich auf Art, Umfang und Dynamik der laufenden Korrektur, erscheint mir eine Bewegung herab bis etwas über 30 USD - zum 23,6er Fibonacci Retracement - durchaus logisch und denkbar. Aber auch dort wäre der Aufwärtstrend völlig ungefährdet und dort könnte sich möglicherweise dann auch eine schöne Kaufgelegenheit auftun.

Sollte der TAN aber schon früher ein deutliches SwingLow hinlegen, könnte auch das schon ein Kaufsignal sein. Die Stops wären dann jeweils unter das SwingLow zu legen.

Summa Summarum dürfte der Sektor nach meiner Einschätzung eher am Anfang eines mehrjährigen Booms stehen, denn die Nutzung der Solarenergie wird in sonnenreichen Weltregionen immer wirtschaftlicher, auch ohne Subventionsorgien ala EEG. Auch China drückt massiv auf das Tempo, denn mit billiger werdender Batteriespeicher-Technologie, wird die Solarenergie auch zur idealen, autonomen Energieform für Infrastruktur, fernab der grossen Überlandleitungen. Und von solchen Orten hat die Welt noch mehr als genug.

Der Hauptschub des Marktes kommt nun aber aus den USA und China. Und diese Entwicklung steht eher am Anfang, als am Ende. Um die langfristigen Aussichten des Sektors muss einem also voraussichtlich nicht Bange sein. Einzelne Unternehmen können immer durch Missmanagement in eine Pleite rutschen und auch Technologiesprünge werden immer wieder einen Generationswechsel bei den führenden Unternehmen erzwingen. Der Sektor als Ganzes aber, steht nach meiner Einschätzung vor eher "sonnigen" Aussichten in den kommenden Jahren.

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Food-for-thought bei der ING-DiBa

Ein "Sponsored Article" von Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-DiBa

Die Weltwirtschaft ächzt und krächzt noch immer. Die USA haben gerade mal wieder den Kopf aus der Schlinge gezogen und ihre Schuldenkrise um drei bis vier Monate vertagt, Europa kämpft noch immer mit den Problemen der Krise und auch in Deutschland fragt man sich, wie es in den kommenden Jahren weiter gehen soll. Bleibt Deutschland der Wachstumsmotor im Euroraum oder schlafwandeln wir uns gerade wieder zum kranken Mann des Europas 2020?

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Große Fragen, die am 15. Oktober anlässlich des vom Europäischen Wirtschaft Verlags ausgerichteten „Wirtschaftsdialog 2013“, welcher im LEO-Gebäude der ING-DiBa stattfand, diskutiert wurden.
Der Abend bei der ING-DiBa fand in einem illustren Kreis von gut 200 Unternehmern, Managern und Bankern statt und war gespickt mit etlichen Reden und einer Paneldiskussion. Das eigentliche Thema des Abends war „Finanzplatz Deutschland“, aber schnell sollte deutlich werden, dass diese Perspektive zu eindimensional ist. Den Finanzplatz Deutschland kann es nur in einem funktionierenden europäischen Umfeld und mit einer starken deutschen Konjunktur geben.

Überraschenderweise gab es eine große Übereinstimmung über die Notwendigkeit weiterer europäischer Integration. Der Mangel an einer Vision für Europa und der Befragung der Bürger wurde allerdings kritisiert. Wie nicht anders zu erwarten, gab es natürlich die verschiedensten Rezepte für eine tragfähige Zukunft Europas. Vom reinen Verbund nationaler Staaten bis hin zum europäischen Superstaat, alles scheint möglich. Interessant war vielleicht noch der Blick auf die andere Seite des Atlantiks. Die USA sind die einzige funktionierende Währungsunion, die es im Augenblick gibt, und könnten Europa zumindest die Richtung angeben. Elemente der amerikanischen Währungsunion sind nämlich u.a. regionale Schuldenbremsen, ein gemeinsamer Bankenabwicklungsfonds, eine gemeinsame Einlagensicherung, eine gemeinsame Sprache, ein zentraler Haushalt und Banken, die nicht in regionale Anleihen sondern Bundesanleihen investieren. Einige dieser Elemente gibt es mittlerweile im Euroraum, andere werden noch kontrovers diskutiert. Natürlich muss Europa nicht per se den amerikanischen Weg gehen. Ein Blick über den großen Teich ist aber auf jeden Fall die Mühe wert.

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Die Renovierung des europäischen Hauses ist jedoch nicht die einzige Herausforderung für Deutschland und auch die neue Bundesregierung in den kommenden Jahren. Deutschland muss auch seine eigenen Hausarbeiten erledigen. In den letzten Jahren hat sich unbemerkt wieder ein kleiner Reformstau aufgebaut. In aktuellen OECD-Studien zur Durchführung neuer Reformen rangiert Deutschland langsam wieder am Ende. Die vielleicht größte Aufgabe ist wahrscheinlich das Schließen der Investitionslücke. Die neue Regierung hat die einmalige Chance endlich mal in guten Zeiten neue Reformen anzustoßen und nicht erst auf die schlechten Zeiten warten zu müssen. Dabei müssen wir natürlich nicht an neue Anlageinvestitionen denken, sondern vielmehr an Investitionen in Bereichen wie Energie, Verkehrsinfrastruktur und Bildung.

Die große Frage ist jedoch, wie und ob die Investitionslücke geschlossen werden kann ohne Steuererhöhungen und neue Verschuldung. Die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen, dass Deutschland gerade in den letzten Jahren an den Finanzmarkten gewonnen hat mit solider Haushaltspolitik sollte nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.

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Die Antwort auf „wer soll das bezahlen“ erfordert also einige Kreativität. Ein Lösungsansatz besteht zum Beispiel darin, nicht alle Verantwortung für neue Investitionen beim Staat zu legen, sondern auch den Privatsektor zu involvieren. Hierbei könnte der Staat unterstützend auftreten. In diesem Zusammenhang wurde eine Idee längere Zeit diskutiert: wie kann man Privatvermögen für Realinvestitionen frei machen. In der aktuellen Niedrigzinsperiode gibt es eine immer grösser werdende Suche nach Rendite. Mehr Rendite bedeutet natürlich auch mehr Risiko, aber es ist vorstellbar, dass vorhandenes Kapital z.B. bei Versicherungen und Privaten eingesetzt wird für neue Investitionsprojekte. Diese Umverteilung von Kapital hat viel Charme. In der Diskussion wurde aber auch deutlich, dass die Geister sich bei der praktischen Ausführung noch scheiden. Wie wahrscheinlich so häufig an solchen Abenden wurden leider wieder mal keine Krisen gelöst. Denkanstöße und food-for-thought gab es jedoch zu Genüge.

Carsten Brzeski ist Chefvolkswirt der . Davor war er unter anderem als Senior Economist bei ABN Amro und als Economist bei der Europäischen Kommission tätig.

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Über Algos, unfreie Märkte und die Guillotine der Kurse

Kurz vor Handelsstart an diesem Mittwoch, haben wir noch einen Tag bis zum Erreichen der Schuldengrenze in den USA. Und keine wirklich Einigung in Sicht. Die Parteien sind in ihren Schützengräben eingegraben.

Der Markt hält aber störrisch an seiner Sicht fest, das es keinen Grund gibt sich zum US Debt Limit Fiasko sorgen. Wahrscheinlich ist bei vielen Marktteilnehmern die Sorge grösser, die nächste Rally zu verpassen, als die Sorge vor einem Desaster an den Anleihenmärkten. Der Markt ist durch die Eingriffe der Notenbanken nun wie ein pawlowscher Hund dressiert, jeden Dip kompromisslos zu kaufen.

Zwei weitere Faktoren spielen bei der Gelassenheit des Marktes sicher auch eine Rolle:

Auf der einen Seite die immer mehr dominierenden Algos, die stur nach technischen Parametern agieren und so die Trends verstärken. Und der Trend ist aufwärts. Die Algos interessiert nicht, was wir Menschen über die politische Dysfunktionalität in Washington denken und welche langfristigen Folgen wir dem beimessen. Die Algos starren auf die Kurse und die steigen.

Und auf der anderen Seite gibt es noch den Recency Bias des Marktes, der dieses politische Kasperletheater schon mehrfach erlebt hat. Und der immer wieder erlebt hat, dass sich dann doch in der letzten Sekunden geeinigt wurde. Warum soll es dieses Mal also anders sein ?

Ausserdem ist da ja noch die FED. Die wird sowieso aus allen Rohren schiessen wenn nötig, das Wort "Tapering" dürfte nun auf die Liste der bedrohten Arten kommen. Und es gibt vielleicht auch noch eine kleine Wildcard, um das Problem im schlimmsten Fall "kreativ" lösen zu können.

Denn die FED ist ja durch die Ankäufe der Staatsanleihen ein grosser Gläubiger der US in einer Grössenordnung von Billionen Dollar. Diese "Schulden" der US sind für die FED aber einfach ein Buchungsposten in ihrer Bilanz. Und klar, wenn der einfach ausgebucht wird, kommt die FED Bilanz wohl in Schieflage, aber interessiert das irgend jemanden ? Die FED ist ja kein Wirtschaftsunternehmen, sondern hat unbegrenzten "Kredit" und zwar bei ihren eigenen Gelddruckmaschinen.

Würde die FED auf diese Forderungen gegen den US Staat verzichten, wäre das Debt Limit auf einen Schlag weit weg und den Extremisten bei den Republikanern wäre ihr Druckmittel aus der Hand geschlagen. Jetzt würde so ein Schritt unzählige juristische und fiskalpolitische Fragen aufwerfen. Und die FED würde damit endgültig den Boden seriöser Notenbankpolitik verlassen. Aber hat sie das nicht schon längst ? Die eher vorsichtigen FED Gouverneure werden so einen Schritt aber sicher nur dann andenken, wenn es wirklich keinen anderen Ausweg mehr gibt und dieser Tag ist (noch) nicht heute.

Ein Notausgang könnte dieses Szenario aber schon darstellen. Viele gute Gründe für den Markt also, trotz des Wahnsinns der politischen Kaste in Washington ruhig zu bleiben.

Nun hat der Markt in der Regel recht. Aber manchmal - sehr selten, aber es kommt vor - liegt der Markt in einer Form kollektiver Illusion auch völlig daneben. Und das sind diese Momente, in denen die grossen Abstürze einsetzen, wenn der Markt seine Fehleinschätzung plötzlich bemerkt. Und dieses Risiko besteht aktuell.

Denn die Parteien in Washington sind so ineinander verbissen, dass es nun schon eher wahrscheinlich als unwahrscheinlich ist, dass der Default zumindest technisch für ein paar Tage eintreten wird, bevor man irgend eine "Pseudolösung" zusammen schustert.

Und hier kommen wieder die Algos ins Spiel. Es würde jetzt reichen, dass eine der grossen Adressen der Wallstreet heute oder morgen oder übermorgen beschliesst: "jetzt reicht es". Die dann folgenden Verkäufe würden die Algos sofort erkennen und selber verkaufen. Und so setzt sich eine Kettenreaktion in Gang. Eine Kettenreaktion die im Jahr 2013 mit seiner Dominanz der algorithmischen Handelssysteme noch schneller und härter ablaufen würde als 2008.

Wir müssen uns einfach klar machen, dass auch wenn der Markt mit seiner Ruhe wahrscheinlich wieder Recht hat, diese Möglichkeit nun ganz real besteht. Und wer nun ungesichert und mit Dollars in den Augen voll Long im Markt investiert ist, legt seine Hand sozusagen unter eine Guillotine, deren scharfes Messer von dünnen, angewetzten Fäden gehalten wird.

Und einen weiteren Aspekt sollten Sie nicht übersehen. Das institutionelle Geld, das auf eine Lösung und eine anschliessende Rally setzt, ist wohl weitgehend im Markt. Wenn die Lösung dann kommt, kann es gut sein, dass es gar nicht mehr so viele potentielle Käufer gibt und die Rally dann in einer klassischen "Sell the News" Reaktion ausfällt. Das ist um so wahrscheinlicher, als mit jedem Tag an dem die US tiefer ins Schlamassel geraten, die Chance für eine saubere, langfristig tragbare Lösung geringer wird. Was dann unter Not zusammen geschustert wird, dürfte eher ein "Quick Fix" sein, der das Problem nur verschiebt.

Summa Summarum gibt es gute und rationale Gründe, das derzeitige Kursniveau zur Absicherung und Reduktion der Risiken zu nutzen. Auf die Short-Seite sollte man aber erst wechseln, wenn der Markt wirklich fällt. Und ob das passieren wird, ist in Anbetracht der riesigen Geschützrohre der FED die auf uns gerichtet sind, äusserst fragwürdig.

Mit einem gesunden, freien, in sich aufgrund wirtschaftlicher Parameter schwingenden Markt, hat das auf jeden Fall alles nichts mehr zu tun, was wir hier dank der permanenten Interventionen von Politik und Notenbanken im Jahre 2013 erleben dürfen. Freie Märkte ? Das ich nicht lache !

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Zur Marktkapitalisierung – warum ich Pennystocks nicht anfasse

Anmerkung: Dieser Artikel zu Pennystocks und Marktkapitalisierung erschien schon vor einem guten Jahr am 13.03.2012. Er ist aber sehr grundsätzlicher Natur und es dürften ihn viele nicht gesehen haben. Daher erlaube ich mir, ihn nach einem Jahr erneut hochzuschieben, in der Hoffnung er möge mehr Leser finden.

Mit diesem Artikel möchte ich Ihnen einen Einblick geben, wie und warum das Kriterium der Marktkapitalisierung in meine Entscheidungen einfliesst.

Zunächst einmal muss ich dabei auf ein Grundgesetz der Börsen-Anlage hinweisen. Im Lichte einer prinzipiell unbestimmten Zukunft, stehen wir mit unseren Entscheidungen immer im Wettbewerb mit anderen Marktteilnehmern um zukünftige Entwicklungen abzuschätzen.

Denn wenn alle anderen einen wichtigen Sachverhalt schon begriffen haben, wir aber als einzige noch nicht, dann sind die anderen alle schon positioniert und uns bleibt nichts übrig als hinterher zu rennen, was dann mit Verlusten endet.
Umgedreht, wenn wir wie ein Insider Zukunfts-Wissen haben, das die anderen noch nicht besitzen, haben wir einen entscheidenden Vorteil (Edge), den wir leicht zu hohen Gewinnen umformen können.

Bei jeder kurz- und mittelfristigen Anlage ist also die Frage wichtig, ob wir tatsächlich "mehr" wissen oder die Zukunft besser einschätzen können, als die anderen Marktteilnehmer. Wenn wir diese Frage nicht beantworten können, sollten wir uns keiner Illusion hingeben - wir können dann auch einmal Zufallstreffer landen, über die Zeit werden wir aber nicht in der Lage sein den Markt zu schlagen und wären dann mit einem Index-ETF wahrscheinlich besser beraten.

Und wenn sich ein derartiger Informationsvorsprung jetzt als fast unmöglich anhört, er ist es nicht. Er hat aber immer mit Fleiss und Informationsverarbeitung zu tun. Und es gibt unzählige Wege sich so einen Vorteil zu verschaffen. So schafft es der rein technische Trader zum Beispiel, in dem er sich auf wenige Titel beschränkt und bei diesen spezialisiert. Nach einiger Zeit kennt er die typischen Bewegungen und Muster des Titels so gut, dass alleine das einen Vorteil gegenüber den anderen Marktteilnehmern darstellt. Und ein Warren Buffet hat sich in seine Investitionen immer im Vorfeld so hinein gewühlt, dass er das Unternehmen manchmal besser als das Management selber verstand.

Ein ganz entscheidender Faktor in diesem Spiel ist dabei die Informationsversorgung. Wie kann ich denn zum Beispiel glauben, ich hätte bei einer chinesischen Aktie einen Vorteil gegenüber Millionen anderen Marktteilnehmern, wenn ich die Sprache nicht spreche und daher die Mehrzahl der Medienberichte gar nicht mitbekomme, von kulturellem Unverständnis ganz zu schweigen. Und dann erscheint einmal im Jahr in einer Anlegerpostille ein Jubelbericht zu der Aktie und nun bilde ich mir in meiner Selbstüberschätzung ein, ich hätte deswegen einen Vorteil ?

Nein, damit ist man eher die Sau die sich freiwillig zur Schlachtbank bewegt. Er vor kurzem berichtete die Wirtschaftswoche von aktuellen Ermittlungen (endlich!) der Münchener Staatsanwaltschaft gegen einen Ring von Aktien-Pushern, dabei wird laut Presse auch gegen einen ehemaligen Redakteur von Focus-Money ermittelt, der dort in der Vergangenheit viele "heisse" Aktientips zum besten gegeben hat.

Informationsversorgung ist also ein ganz entscheidendes Kriterium für Erfolg an den Märkten. Und das gilt sogar für den rein technisch agierenden Daytrader, denn auch der muss wissen um wieviel Uhr seine Aktie die Bilanzpressekonferenz macht und wie die Markterwartungen sind. Und wer über Wochen oder Monate Aktien halten will, kommt um ein grundlegendes Wissen um die "Mechanismen" des Geschäftes der Aktie nicht herum.

Und genau hier, bei der Informationsversorgung, kommt unter anderem die Marktkapitalisierung ins Spiel. Dabei gibt es mehrere Parameter die es zu beachten gilt:

Sprache: nur wenn man die Sprache spricht in der das Unternehmen die Informationen heraus gibt, hat man die Chance an ungefilterte Informationen zu gelangen. Bei mir sind das Deutsch und Englisch die ich fliessend spreche und verstehe. Das schränkt meine ideale Zone auf den deutsch und englischsprachigen Raum ein.

Kulturelle Nähe: um eine Nachricht einschätzen zu können, muss man auch den kulturellen Kontext verstehen, da wichtige Schlussfolgerungen oft zwischen den Zeilen gezogen werden. Hier ist mir die "westliche Welt" nahe, darüber hinaus fehlt es mir an ausreichender Kompetenz aus eigener Erfahrung.

Darüber hinaus kann auch räumliche Nähe zur Aktie von Vorteil sein. Wenn ich von grossen Investitionsplänen eines Konzerns in Brasilien lese, kann ich mangels kultureller Nähe dazu nur die Schultern zucken. Wird diese Investition aber hier in Bayern geplant, weiss ich genau wie stark mit Gegenwehr von Bürgerbewegungen etc. zu rechnen ist und wie die lokale Situation wirklich aussieht. Das verschafft mir einen Vorteil gegenüber anderen Anlegern in der Welt.

Grösse: Je grösser ein Unternehmen ist, desto mehr andere Marktteilnehmer beschäftigen sich damit. Und desto mehr Informationen gibt es auch. Gleichzeitig steigt der Druck und die Überwachung des Managements sich an die Regeln zu halten, während in kleinen, wenig beachteten Unternehmen viel mehr mit Informationen gespielt werden kann. Umgedreht wird es bei ganz grossen Unternehmen natürlich immer schwieriger sich einen Vorteil zu verschaffen, denn wenn 500 kluge Leute zum Beispiel die Commerzbank analysieren, was berechtigt mich dann zu der Annahme, dass ich da etwas neues erkennen kann ? Aber nur ein grösseres Unternehmen liefert so viele Informationen, dass ich damit als Aussenstehender "arbeiten" kann. Insofern macht eine Anlage nur Sinn, wenn genügend Informationen aus erster Hand verfügbar sind.

Insider: Jedes Unternehmen hat weit mehr "Insider", als der rechtliche Insiderbegriff fassen kann. Denn um die formalen "Insider", das Management herum, gibt es Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Partnerunternehmen, Lieferanten, Mitbewerber etc. etc. die alle einen tieferen Einblick in die wirkliche wirtschaftliche Situation haben als ein Aussenstehender. Es reicht doch schon als regelmässiger Lieferant anhand der Bestellmengen einen Einblick in den Rohwarenverbrauch des Unternehmens zu haben, um die wirtschaftliche Situation einschätzen zu können. Bestimmte Hedgefonds die in konkreten Titeln aggressiv investiert sind, setzen daher auch alle denkbaren Mittel ein (die Mittel die man auch aus der Spionage kennt, inklusive der Honigfalle) um an verwertbare Informationen zu kommen. Wenn eine schöne Nacht mit einem gutaussehenden "Mächtigen" einem ein paar Einsichten verschafft, die man dann an den Märkten zu Millionen machen kann, dürfte die moralische Hürde halt recht niedrig werden.

Wir als Aussenstehende dürfen also nie vergessen, dass wir gegen diese Insider antreten und die gibt es bei grossen wie bei kleinen Unternehmen. Der Unterschied ist, bei einem Grosskonzern verdient dieser Hedgefond vielleicht gutes Geld, der Kurs des Grosskonzerns wird dadurch aber nicht wesentlich zu meinen Ungunsten beeinflusst. Denn wenn am Tag die Aktie einen Umschlag von einer Milliarde € hat, dann geht auch der Hedgefond mit seinen 20 Millionen Profit im Rauschen unter. Wenn aber bei einem Pennystock Insider am Werk sind, verlieren wir als redliche Anleger immer und massiv ! Und der Wissensvorsprung der Insider ist bei Pennystocks gewaltig. Dort werden sich die "Analysten-Kommentare" manchmal sogar "erkauft", denn wer verplempert schon freiwillig seine Zeit mit solchen Aktien ? Am Ende ist aber immer der Aussenstehende der Dumme, denn da wo Informationen von wenigen Personen kontrolliert und selektiv nach aussen gegeben werden, kann man nur verlieren.

Jetzt will ich damit nicht alle Pennystocks perse unter Generalverdacht stellen, auch dort gibt es seriöse Unternehmen und seriöses Management. Die Risiken sind aber für uns Anleger so viel höher und die Möglichkeit das von aussen einzuschätzen so viel kleiner, dass man sich die Frage stellen sollte, warum man sich überhaupt in dieses Spiel begibt.

Dieses alles verstehend, habe ich mir daher ein paar Regeln zur Marktkapitalisierung und zum Aktienuniversum gegeben, in dem ich überhaupt aktiv bin. Ich habe dabei meine Aktienwelt in 4 Kategorien eingeteilt, wobei die unten genannten Grenzen nicht als harte Grenzen zu verstehen sind, sondern als Grössenordnungen, die ich bei meinen Entscheidungen mit pragmatischem Augenmass berücksichtige.

Kategorie A: Aktien aus dem deutschen Sprachraum (Deutschland, Österreich, Schweiz): Mindestens 100 Millionen MarketCap - ab 500 Millionen keine Bedenken mehr.

Kategorie B: Aktien aus dem angelsächsischen Sprachraum (USA, Grossbritannien, Kanada, Australien etc): Mindestens 500 Millionen MarketCap - ab 1 Milliarde keine Bedenken mehr.

Kategorie C: Europäisches Ausland (Frankreich, Spanien, Italien etc.): Nur die Aktien aus den Top-Indizes, also Frankreich zb CAC. Bei allen anderen ist mangels Übersetzung ins englische oder deutsche die Sprache eine so hohe Hürde, dass ich Hintergrundinformationen nicht richtig mitbekommen kann.

Kategorie D: Alle anderen Märkte (China, Indien, Brasilien etc.): Grundsätzlich keine Einzelaktien, mangels kultureller und sprachlicher Nähe. Nur ganze Märkte in Form von voll replizierenden ETFs.

Mit dieser Kategorisierung habe ich für meine Anlagestrategie guter Erfahrungen gemacht und sie bewahrt mich auch davor bestimmten vermeintlich "heissen" Aktien hinterher zu laufen, die gerade mal wieder gepusht werden.

Die für meine Anlagestrategie idealen Unternehmen sind dabei die mittelgrossen, mit einer Marktkapitalisierung im unteren einstelligen Milliardenbereich. Die sind gross genug um professionell zu agieren und von einigen anderen beobachtet zu werden. Und klein genug um noch einen Wissensvorsprung gegenüber dem breiten Markt haben zu können, inklusive der Chance von den Grosskonzernen aufgekauft zu werden.

Ich hoffe ich konnte Ihnen mit dieser Erklärung ein paar gute Hinweise gebe und wünsche Ihnen weiter viel Erfolg im harten Wettbewerb um Informationen an den Börsen.

Ihr Hari

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Gold nach dem Absturz – Grosses Chartupdate – 04.01.13

Nach dem Handelsschluss an der Wallstreet, möchte ich mich noch einmal in Ruhe und ohne die Hektik des Handelstages, der Entwicklung beim Goldpreis widmen. Unter anderem, weil die heutige Entwicklung einfach laut danach schreit. 🙂 Zu deutlich kann man heute sehen, wie die Anleger von technisch agierenden Programmen hin und her geworfen werden.

Im voran gegangenen Artikel habe ich ja deutlich gemacht, dass ich die Entwicklung des Goldpreises seit November fundamental nicht mehr verstehe. Dem ist auch nichts hinzu zu fügen. Das sollte uns aber nicht hindern, einfach mal ganz unvoreingenommen auf den Chart zu schauen.

Hier ist er also der gleiche Stundenchart von XAUUSD, den ich Ihnen heute um 12 Uhr gezeigt habe, nun nur ein paar Stunden später.

Gold 04.01.12 1

So ein schöne inverse Schulter-Kopf-Schulter Formation haben Sie auch schon lange nicht mehr gesehen, oder ? Die schreit ja geradezu danach bis 1680 USD weiter zu laufen.

Was war passiert ? Wie technisch abzusehen, fand gegen 12 Uhr eine Stabilisierung wegen schlichter technischer Überdehnung statt, die ich auf dem Chart des früheren Artikels mit dem roten Kreis beim RSI indiziert hatte.

Dann ging der Goldpreis in Wartestellung bis zu den US Arbeitsmarktdaten um 14.30 Uhr. Und als diese nicht mit einer Verringerung der Arbeitslosenquote kamen, ging es stark nach oben. Denn nach der neuen FED Kommunikation, bedeutet ja eine sinkende Arbeitslosenquote eine schnellere Beendigung der QE Massnahmen, was schlecht für Gold wäre - zumindest wenn man glaubt, dass die FED überhaupt aus der Geldflut wieder rauskommt und die Zinsen tatsächlich anheben könnte. Ich glaube es eher nicht, weil es wegen der Bondrenditen und damit Zinslast der USA gar nicht geht und am völlig überdehnten Anleihenmarkt ein Desaster auslösen würde, aber das ist eine andere Geschichte.

Wäre die Arbeitslosenquote stark gefallen, hätte es heute wohl ein Schlachtfest im Goldkurs gegeben. So wurde das Reversal in Gang gesetzt und das lief mal wieder nach technischem Lehrbuch. Die Formation ist auf jeden Fall aktiviert und das Kursziel rechnerisch ca. 1680 USD.

Schön ist auch zu sehen, wie durch diese volatile Bewegung zwischen dem 02.01. und dem 04.01. wahrscheinlich jede Menge menschlicher, mittelfristiger Trader rausgekegelt wurden, gewonnen haben wohl primär die Maschinen. "Whipsawed to Death" nennt man das im Amerikanischen und am Ende ist im Kurs gar nichts passiert, ausser das die Menschen Geld verloren haben.

Wenn Sie jetzt aber glauben in Sachen Gold "Hosianna" rufen zu können und alles sei in Butter, möchte ich daran erinnern, das genau diese technischen Formationen wie die inverse SKS seit November nicht mehr funktionieren. Schauen wir doch mal auf das gleiche Chart, nur aus Tagessicht:

Gold 04.01.12 2

Mit rotem Pfeil habe ich die Stelle im November markiert, die nicht hätte passieren dürfen und ohne Vorwarnung den neuen Abwärtstrend definierte, statt zu neuen Höchstständen hoch zu laufen. Und ich habe Ihnen zwei Trendlinien für einen Abwärtstrend eingemalt und auch gleich erneut den grünen Pfeil der aktuellen inversen SKS Formation.

Bei so viel technisch induzierten Abläufen, werden Sie nun auch nicht mehr überrascht sein, dass das rechnerische Ziel der SKS (der grüne Pfeil) bei 1680 USD ziemlich genau mit der ersten fallenden Trendlinie zusammen fällt. Wirklich spannend wird es aber in meinen Augen erst, wenn wir auch die zweite Trendlinie knacken (den grünen Stern) und Gold wieder über 1700 USD zieht. Wenn das mit bis dahin weiter funktionierender Markttechnik unterlegt ist, werde ich ab dem grünen Punkt einen Long-Trade wieder ernsthaft in Erwägung ziehen. Aber nicht vorher.

Hoffnung macht aber die grosse Trendlinie die ich Ihnen eingezeichnet habe, die nun seit dem Mai 2012 als Unterstützung eines übergeordneten Aufwärtstrend dient, der mit der heutigen riesigen Fahne auch erneut bestätigt wurde. Aus dieser Perspektive sieht das Bild des Goldkurses also gar nicht so schlecht aus.

Auch die Fibonacci-Retracements erlauben interessante Aussagen, denn der "Whipsaw" der letzten Tage war ein fast perfektes Pingpong zwischen dem 62er und 38er Retracement des grossen Anstiegs seit Mai 2012. Ich habe diese Retracements aber nicht mehr in den Chart integriert, da er ansonsten jede Lesbarkeit verloren hätte. Ich bin ein Fan der optischen Konzentration auf das Wesentliche. Aber auch die Fibo-Retracements zeigen eindrücklich, wie stark hier Algos gezielt im Spiel sind.

Ich erinnere aber erneut daran, dass wir seit 2 Monaten nun so hin und her geworfen werden wie in den letzten beiden Tagen. Also Vorsicht mit technischen Schlussfolgerungen. Und wir haben nun ein zulaufendes Dreieck im Tageschart, dass zwar statistisch öfter nach oben aufgelöst wird als nach unten, aber was ist bei Gold derzeit schon normal ?

Ich persönlich warte die 1700 USD ab und wenn ich dann vorher noch einen grossen "Buying on Weakness" Print im ETF GLD sehen würde und so wüsste, das Big Money wirklich wieder einsteigt, dann lasse ich mich auch gerne wieder überzeugen. Aber zunächst mal hat mir nun der Goldpreis was zu beweisen, denn der hat mich zuletzt nur an der Nase herum geführt.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

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Aktientipp – 03.01.12 – Grammer (WKN 589540) bricht aus !

Ein Gastkommentar von Johann

Nachfolgend möchte ich die nicht nur aus charttechnischer Sicht interessante Aktie der mittelständischen Firma Grammer (WKN 589540) aus Bayern vorstellen.

Die GRAMMER AG ist spezialisiert auf die Entwicklung und Herstellung von Komponenten und Systemen für Pkw-Innenausstattung sowie von Fahrer- und Passagiersitzen für Offroad-Nutzfahrzeuge, Lkw, Busse und Bahnen. Weltweit mehr als 8.000 Mitarbeiter befinden sich in ausländischen Niederlassungen wie China, Spanien, Slowenien, Japan, Großbritannien, Brasilien und den USA.

Am 17.12.2012 meldet Grammer die Gründung eines Joint Venture für Lkw-Sitze in China mit der Firma Yuhua. Bei einem Umsatz von 1,09 Mrd Euro weist die Firma eine Marktkapitalisierung von nur 189 Mio Euro auf. Das KGV liegt bei ca. 6,4 und die Dividendenrendite wird mit etwa 4,6% erwartet.

Nachstehend das Chartbild auf Wochenbasis mit den gleitenden Durchschnitten von 10 und 50 Wochen. Zur weiteren Information ist das Fibonacci Retracement zwischen Hoch und Tief im Jahr 2011 eingetragen. Die beiden eingezeichneten Linien stellen die Begrenzung für Aufwärts-bzw. Abwärtstrend dar.

Deutlich lässt sich erkennen, wie sie dabei ein spitz zulaufendes Dreieck bildet, was meist auf einen bevorstehende Ausbruch hindeutet, wobei es schwierig ist abzuschätzen, für welche Richtung sich Mr. Market entscheiden wird.

Sehr interessant finde ich außerdem, dass sich die Gerade des Abwärtstrends Anfang Dezember 2012 mit dem 50% FiboRT schneidet und genau zu diesem Zeitpunkt der Kurs scheinbar mühelos nach oben geht.

Wenige Tage danach wird das chinesische Joint Venture veröffentlicht. Es scheint fast so, als hätte sich Mr. Market für den aus seiner Sicht leichteren Weg nach oben entschieden. 😉

chart grammer 2

Liebe Grüße
Johann

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Politisches Gezerre in den USA – Der Fisch stinkt vom Kopf

Zunächst einmal wünsche ich Ihnen ein gutes neues Jahr ! Und uns allen viel Erfolg und das richtige Händchen an den Märkten, um dem fiesen Mr. Market dieses Jahr mal so richtig zu zeigen, wo "Barthel den Most holt". 😉

Gestern hatte ich eine Art Aha-Erlebnis. Es trat ein, als ich gestern Abend der Pressekonferenz Präsident Obamas zuschaute, während Vizepräsident Biden und der republikanische Senats-Führer McConnell noch in den letzten Zügen ihrer Verhandlungen steckten, um auf den allerletzten Drücker die schlimmsten Auswirkungen der Fiskalklippe für Amerikas Mittelschicht abzuwenden.

Sie wissen ja, die Sicht der deutschen Öffentlichkeit auf Obama und das politische Ringen in den USA ist eher schlicht. Obama ist da der gerechte, ehrliche, gütige Held, der einer Horde erzkonservativer "Ganoven" gegenüber sitzt, deren ganze Bildung aus dem Bibel-TV stammt. Da wird Obama "blockiert" und Obama "drängt" - das Bild ist also immer das eines Präsidenten, der eigentlich das aus europäischer Sicht Richtige tun will, aber leider nicht kann.

Ich weiss nicht woher dieses Zerrbild kommt und warum die Presse in Deutschland unisono an Obama so einen Narren gefressen hat, einem Obama der sich für Europa eher nicht interessiert und dessen Blick nach Asien gerichtet ist. Einem Obama, der in seiner ersten Amtszeit eher wenig auf "die Reihe" bekommen hat. Bei mir ist dieses Zerrbild aber gestern mit einem lauten "Plopp" geplatzt. Auch bei unserer Bundeskanzlerin muss man auf die feinen Zwischentöne hören und auf das was sie nicht tut und nicht sagt, mit Obama ist sie nach meinem persönlichen Eindruck nie so richtig warm geworden.

Und gestern habe ich begriffen, warum die politische Landschaft in Amerika so zerrissen ist und die Politik bis zur allerletzten Minute braucht um selbst einen Minimalkompromiss zu formen: Der Fisch stinkt vom Kopf. Das Problem des mangelnden politischen Grundkonsens in den USA hat neben der "Tea Party" einen weiteren Namen: Obama.

Natürlich, da gibt es in der republikanischen Partei eine starke gewordene Minderheit - die "Tea Party Bewegung" - für die das Bild vom bibeltreuen, ideologisch und religiös "gefestigten" Erzkonservativen durchaus passt, der am liebsten wie weiland in Dodge City die Verbrecher am nächsten Baum aufknüpfen würde. Diese radikale Minderheit wird aufgrund ihres Blockagepotentials ja immer als Grund für den politischen "Stalemate" in den USA angeführt. Und bis gestern habe ich das auch geglaubt.

Nur, diese Bewegungen hat es in Amerika immer gegeben, nicht umsonst wird der Mittlere Westen der "Bibelgürtel" genannt. Und diese Denkschule war auch immer mit Abgeordneten vertreten. Aber, in Senat und Repräsentantenhaus haben nach wie vor moderate, vernünftige Kräfte der "politischen Mitte" ein klare Mehrheit. Die "Tea Party" ist nur eine Minderheit, selbst in der republikanischen Partei und erst Recht im ganzen Land.

Warum also können diese gemässigten Kräfte nicht mehr zum Wohle des Landes zusammen arbeiten ? Warum lehnen so viele liberale, intelligente, politisch moderate und völlig unreligiöse US-Blogger, deren Blogs ich regelmässig lese, Barack Obama so vehement und mit Aggressivität ab ?

Gestern habe ich es begriffen. Gestern trat ein Präsident in einer offiziellen Pressekonferenz im Weissen Haus auf, der während die Verhandlungen auf Messers Schneide standen nichts Besseres zu tun hatte, als sich von Anhängern peinlich feiern zu lassen. Der nichts Besseres zu tun hatte, als mitten in den Verhandlungen öffentlich gegen die Republikaner nachzutreten, eine absolute Totsünde bei jedem ernsthaften Einigungsversuch. Der nichts Besseres zu tun hatte, als sich mit einem Grinsen öffentlich in seinem vermeintlichen Erfolg zu sonnen und auf Kosten der "Verlierer" Witze zu machen.

Und da fiel mir wieder ein, dass schon im Spätsommer 2011 als die USA ihr Top-Rating verloren und gegen die Defizit-Grenze rannten, Vizepräsident Biden den Kompromiss herbei geführt hatte. Und nicht Obama. Und auch jetzt wieder war Obama über Wochen nicht in der Lage selber einen Kompromiss in die Wege zu leiten, es brauchte wieder Biden.

Dabei ist Obama nun in der zweiten Amtszeit. Er muss keinen Wahlkampf mehr führen. Und er muss sich auch nicht mehr wie ein Wahlkämpfer feiern lassen, ausser sein Ego braucht das, was ich als ziemlich ärmlich empfinden würde. Obama könnte seine ganze Energie darauf richten, sein Land nach vorne zu bringen.

Und er könnte und müsste der überparteiliche Präsident sein, den das Land nun unbedingt braucht. Dazu aber muss man auch auf der politischen Gegenseite Vertrauen und Vertraute aufbauen. Man muss still und leise die Mehrheiten organisieren und sich jeden lauten Triumph-Geheuls enthalten. Der Gentleman geniesst und schweigt sozusagen. Es kann mir niemand weissmachen, dass ein überparteilich agierender Präsident nicht in der Lage wäre, die entscheidenden Spieler rechtzeitig, still und leise ins Weisse Haus zu holen und auf Basis von Vertraulichkeit einen Deal zum Wohle der amerikanischen Mittelschicht zu zimmern.

Aber Obama konnte es nicht. Er konnte es nicht, obwohl er mit Mehrheitsführern in den beiden Häusern arbeitet, die keineswegs aus der Teaparty stammen, sondern die durchweg alte Haudegen sind, die das politische Geschäft in Washington seit Jahrzehnten beherrschen und mit anderen Präsidenten auch Kompromisse zu Stande brachten.

Gestern, durch seinen für mich persönlich als bizarr empfundenen Auftritt auf einer Pressekonferenz mitten in den Verhandlungen, habe ich begriffen warum die US Politik so blockiert ist: weil Barack Obama immer noch den Wahlkämpfer gibt, statt den überparteilichen Präsidenten der er sein müsste. Und weil er scheinbar nicht begreift, dass ein guter Verhandler seinen "Gegnern" Raum gibt und darauf achtet, dass diese nicht ihr Gesicht verlieren. Und schon gar nicht Witze auf deren Kosten macht.

So werden die USA nun einen Minimalkonsens erzielen, der die Mittelschicht vor den schlimmsten Auswirkungen der Fiskalklippe schützt. Ein Kompromiss dem sich die Republikaner nicht entgegegen stellen konnten, was ihre Verhandlungsposition schwächte. Schon in 2 Monaten werden die USA aber vor der Defizit-Grenze stehen wie im Spätsommer 2011. Und wieder wird Obama die Republikaner brauchen, um das Problem zu lösen.

Und dann - davon gehe ich nun fest aus - werden die Rechnungen beglichen und die Wunden gerächt, die Barack Obama hier ohne Grund wieder geöffnet hat. Wäre ich Verhandlungspartner von Obama, ich hätte seit gestern auch das Messer in der Tasche auf und würde Obama dafür später bluten lassen.

Wir als Anleger sollten uns also darauf einstellen, dass wir nach kurzer Beruhigung von ein paar Wochen schon ab Februar in den USA vor einem weit schlimmeren Problem stehen, das wie im Spätsommer 2011 für weltweite Verwerfungen geeignet ist.

Und ich habe seit gestern begriffen, dass Barack Obama dabei nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems ist. Sicher ist er nicht das alleinige Problem und ja, die Tea-Party macht die Lage nicht leichter, aber er ist Teil des Problems. Weil er immer noch nicht im Amt angekommen zu sein scheint, und sich nach meinem Eindruck immer noch als Wahlkämpfer aufführt. Ein guter Wahlkämpfer ist halt nicht zwangsläufig ein guter Präsident, Kanzler, Minister - eine Erkenntnis die wir in Deutschland auch schon hatten, Westerwelle anyone ?

Das aus den USA kommende, unruhige politische Fahrwasser, wird uns als auf Jahre erhalten bleiben. Denn Vertrauen und Konsens ist mühsam zu erarbeiten und schnell zu zerstören.

Und Barack Obama ist nicht der "Held" und "weisse Ritter", zu dem ihn weite Teile der deutschen Presse gemacht haben.

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