Hari´s Märkte am Abend – 24.05.12 – Non-Event

22 Uhr - Handelsschluss

Das war irgendwie ein komischer Tag an den Börsen. Nachdem ich gestern damit rechnete, dass der EU Gipfel als Katalysator dafür sorgen würde, dass sich Mr. Market für eine Richtung entscheidet, hat es die Politik nun geschafft aber wirklich exakt und auf den Punkt die Erwartung des Marktes zu treffen.

Und die lautete wohl: da kommt nicht viel bei raus, aber es kommt auch nicht zum offenen Konflikt zwischen Deutschland und Frankreich. Denn genau das ist passiert und Mr. Market reagierte heute mit einem vernehmlichen Gähnen. Es ging zwar Intraday etwas runter, aber am Ende hat es der S&P500 Future geschafft, exakt auf Vortagesniveau zu schliessen. Das war heute also ein "Non-Event".

Damit sehe ich aber meine Sicht bestätigt, dass es dem Markt gar nicht um Griechenland geht, Griechenland ist irrelevant und abgehakt. Denn andernfalls müsste die Angst sofort wieder losgehen, es wurde ja nichts entschieden was beruhigen könnte. Es geht Mr. Market aber primär um die Zukunft der Euro-Zone, die im Tauziehen zwischen Frankreich und Deutschland gestaltet wird. Der Markt hat nur deshalb Angst vor einem "Grexit", weil er (nicht ganz zu Unrecht) befürchtet, dass Panik und Chaos dann auf andere Länder wie Portugal und Spanien überschwappen und damit die ganze Eurozone gefährdet würde. Es geht also nicht um Griechenland, sondern um die möglichen Kollateralschäden in der Eurozone, für die ein "Grexit" nur der Auslöser wäre.

Wenn meine Sicht richtig ist, leitet sich daraus aber auch ab, dass es Europa theoretisch leicht fallen könnte einen "Grexit" zu beherrschen. Und zwar dann, wenn Frankreich und Deutschland sich sichtbar unterhaken und Einigkeit demonstrieren würden, einen "Grexit" um jeden Preis zu beherrschen. Wenn...

Denn damit ist traurigerweise nicht zu rechnen, da Hollande unbedingt auch noch die Parlamentswahlen gewinnen muss, damit er nicht schon frühzeitig in seiner Präsidentschaft gegen eine "feindseliges" Parlament regieren müsste. Bis dahin ist von Hollande also weiter Wahlkampfrhetorik zu erwarten. Und nun raten Sie mal, wann die Parlamentswahlen sind ? Am 10. und 17.06.12. Richtig, genau dem 17.06., an dem auch Griechenland wählt. Tragisch oder ? Es gibt also leider wenig Chance auf "Unterhaken" und ein starkes Signal der Einigkeit vor den Wahlen in Griechenland.

Nebenbei bemerkt will Hollande nach Presseberichten vor den Parlamentswahlen nun wohl auch ganz schnell sein "Rente mit 60" Versprechen einlösen. Wie das bezahlt werden soll ist scheinbar egal. Eine öffentliche Diskussion, die sich primär an dem Renteneintrittsalter festmacht, ist für mich ein Ärgernis, auch hier in Deutschland wird oft ähnlich plump argumentiert. Ich gönne jedem seine frühe Rente und ich würde auch gerne mit 50 in den "Ruhestand" gehen, wie so mancher Staatssekretär einer abgewählten Partei. Aber die Finanzierbarkeit einer Rentendauer hängt halt primär von dem Verhältnis der Beitragsjahre zu den Rentenjahren ab und das gilt unabhhängig davon ob man ein Umlage- oder Kapitalverfahren hat. Das ist simpelste Grundschul-Mathematik, aber selbst die scheinen nicht alle zu begreifen.

Früher haben die Menschen 40 Jahre eingezahlt, wurden 75 Jahre alt und hatten daher 10-15 Jahre Rentenbezugszeit. Die jetzige Generation wird aber im Schnitt 90 Jahre alt werden und hat daher 20-30 Jahre Rentenbezugszeit. Kann mir jetzt mal bitte jemand erklären, wie das bei immer noch 40 Jahren Anspardauer funktionieren soll, ohne dass entweder die Leistungen massiv gekürzt werden oder signifikant mehr in der Ansparphase eingezahlt wird ? Ich finde derartige Versprechungen deswegen in höchstem Masse unseriös. Ich habe nichts dagegen, den Menschen weiterhin eine Rente mit 60 zu gönnen, dann muss die Politik aber auch die Seriosität besitzen, den Wählern die Konsequenzen zu erklären: entweder mehr ansparen oder niedrigere Renten. Im Falle unseres Generationenvertrages würde sich die Last des "mehr ansparen" dann auf unsere Kinder verlagern, was es aber auch nicht besser macht, ausser das Wohl unserer Kinder wäre uns egal. Mathematik lässt sich halt nicht populistisch bestechen.

Ganz übel wird solche Wohltatenpolitik dann aber, wenn gleichzeitig Eurobonds verlangt werden, die defacto eine Vergemeinschaftung der Schulden und damit der Staatsfinanzierung wären. Als Ergebnis würde dann der deutsche Rentner der mit 67 in die Rente geht, die Rente mit 60 des französischen Rentners finanzieren. Das ernsthaft zu verlangen ist für mich eine Frechheit. Als Konsequenz sollten wir dann die Rente mit 50 einführen um den Spiess umzudrehen. Worauf die anderen mit der Rente mit 40 antworten. Wohin das führt, sollte selbst der verbohrteste Ideologe sehen, auf jeden Fall nicht zu mehr Wohlstand in Europa.

Ich habe auch nichts gegen Eurobonds, aber bitte nachdem wir in Europa alle die gleichen Sozial- und Steuersysteme haben und wir nach dem demokratischen Prinzip "ein Mensch eine Stimme" alle darüber abstimmen können, wenn jemand seine Wähler mit Geschenken beglücken will. Wenn die Eurozone so weit ist, dann sofort her mit den Eurobonds, dann bin ich sofort dafür. Davon sind wir aber noch Jahrzehnte entfernt.

Interessant ist in diesem Zusammenhang zu sehen, dass auch SPD-Chef Gabriel nun scheinbar begriffen hat, welche Sprengkraft das Thema bei den deutschen Wählern hat. War Hollande bisher sein Held und wurde gefeiert, so heisst es nach einer Präsidiumssitzung der SPD, in der laut Presse Franz Müntefering seine Stimme erhob, nun plötzlich: der (Hollandes) Vorschlag sei "skurril". Lesen Sie zum Beispiel in der FAZ. Naja kann ich dazu nur sagen, besser eine späte Erkenntnis als nie.

Nun aber genug auf unsere "sozialistischen Freunde" in Frankreich geschimpft, kommen wir zurück zum Markt. Eben weil Hollande bis zum 17.06.12 Wahlkampf machen wird, dürfte das Ergebnis in Griechenland höchst riskant sein, weil es auf keine geeinte Eurozone trifft. Und deshalb dürfte auch die klare Botschaft der EU an die griechischen Wähler im Vorfeld der Wahl fehlen.

Insofern bin ich Stärke des Marktes gegenüber weiterhin eher skeptisch eingestellt. Und ich werde mich auch so weit es geht aus der Eurozone heraus halten, Anlagen erfolgen also primär im Dollarraum. Denn bis zur Entscheidung in Griechenland halte ich einen nachhaltigen Anstieg des Marktes für unwahrscheinlich, ausser die Umfragen würden schon vor der Wahl eine klare Mehrheit der Parteien vorausssagen, die die Vereinbarungen weiter honorieren wollen.

Da wir aber alle wissen, dass Griechenland so oder so keine Vereinbarungen einhalten kann - denn das würde vor allem anderen eine grundlegende Reform der staatlichen Institutionen mit Massenentlassungen bei Staatsbediensteten erfordern - hoffe ich persönlich zum Wohl der Eurozone, dass nach der Wahl endlich der "Grexit" kommt, die Folgen halte ich für beherrschbar, wenn man wirklich will. Eine Eurozone der 16 ohne diese schwelende Wunde hätte dann tatsächlich die Chance die Reihen zu schliessen. Und Griechenland könnte man dann gerne mit einer Art Marshallplan helfen. Denn nachdem die ganzen Illusionen der griechischen Radikalen dann endlich an der Realität gescheitert sind, würde man dann vielleicht ein Land vorfinden, dass sich wirklich helfen lassen will, statt den Helfern als Dank ins Gesicht zu spucken oder wie in Berlin beim Leiter der Griechenland-Task-Force geschehen, ihre Autos anzuzünden. Das wäre eine Chance für einen echten Neuaufbau zum Wohle des griechischen Volkes. Manchmal müssen die Dinge halt erst schlimmer werden, bevor sie besser werden können. So traurig das auch ist.

In dem Zusammenhang habe ich dank eines Leserkommentar in obigem FAZ Artikel einen Hinweis auf ein tolles Zitat zum Thema gefunden:
--------------------------------------------
Der Staatshaushalt muß ausgeglichen sein.
Die öffentlichen Schulden müssen abgebaut, die Arroganz der Behörden muß gemäßigt und kontrolliert werden.
Die Zahlungen an ausländische Regierungen müssen verringert werden, wenn der Staat nicht bankrott gehen soll.
Die Leute sollen wieder lernen zu arbeiten, statt auf öffentliche Rechnung zu leben.
Der Staatsdienst muß zum Nutzen derer geführt werden, die ihm anvertraut sind, nicht zum Nutzen derer, denen er anvertraut ist.

--------------------------------------------

Und jetzt raten Sie mal, von wem das ist: Marcus Tullius Cicero, Römischer Redner, Politiker und Schriftsteller, 106-43 v. Chr. Kaum zu glauben wie sich Geschichte immer wiederholt.....

Kommen wir zu dem, was man in so einer dramatischen Phase mit seinem Kapital machen kann.

Zunächst einmal ist Kapitalerhalt und Schutz allererste Anlegerpflicht, wie ich hier schon mehrfach schrieb. Das ist in meinen Augen definitiv nicht die Zeit für aggressive Wetten egal in welche Richtung, zu unsicher und erratisch ist die politische Grosswetterlage.

Ich will deswegen aktuell auch gar keine Tips oder Hinweise zu konkreten Anlagen geben, zu gross ist das Risiko durch eine politische Volte innerhalb 24 Stunden völlig falsch zu liegen. Statt dessen finden Sie es aber vielleicht interessant zu lesen, was ich persönlich in den letzten Tagen für Depotbewegungen vorgenommen habe. Ziehen Sie daraus Ihre eigenen Schlüsse.

Hier ist also als Premiere (*Fanfare* ;-)), die grobe Liste meiner Aktivitäten von Montag bis Donnerstag dieser Woche:

(1)
Positionen in den Gold- und Silberminen wurden teilweise verdoppelt und zwar im ETF GDX und in Einzelaktien.

(2)
Erste kleine Basis-Positionen bei Ölkonzernen wurden aufgebaut, nachdem ich diese vor ein paar Wochen fast auf Null herunter gefahren hatte. Im Depot sind nun wieder:
BP (WKN 850517), Apache (WKN 857530), Statoil (WKN 675210), Repsol (WKN 876845), Suncor (WKN A0NJU2).

(3)
Der Düngemittelsektor wurde ausgebaut, neben K+S (WKN KSAG88) sind nun auch Mosaic (WKN A1JFWK) und Yara (WKN A0BL7F) wieder im Depot. Darüber hinaus Bunge (WKN 762269) als Wette auf den Agrarsektor.

(4)
Erste kleinere Basis-Positionen bei Bluechips des NASDAQ wurden wieder aufgebaut, nachdem ich seit Wochen dort fast nicht mehr investiert war. Im Depot sind nun wieder: Sandisk (WKN 897826), Cisco (WKN 878841) und Broadcom (WKN 913684).

(5)
Short Euro im Verhältnis zur Norwegischen Krone aufgebaut, also Short EURNOK.

(6)
Heute (Donnerstag) bei S&P500 > 1320: Short auf die breiten Indizes S&P500 und DAX wieder aufgebaut. Stop bei S&P500 1345 und DAX 6620.

An obigen Bewegungen der bisherigen Woche sehen Sie, dass ich mich im Moment komplett aus dem europäischen Aktienmarkt fern halte, auch aus der DAX Familie. Ich habe zwar einige Positionen in Deutschland, die baue ich aber nicht aus und warte ab. In den US und im Bereich Öl und Agrar traue ich mich aber schon wieder einen ersten Zeh in den Markt zu stecken, aber auch nicht mehr. Meine Shortpositionen sind primär ein Hedge, ich bin in Summe aktuell 25% Net-Long, weit überwiegend im Dollarraum.

So weit so gut zu meiner aktuellen Aufstellung. Bedenken Sie dabei, dass ich meine Meinung blitzschnell ändern kann und wenn Morgen zum Beispiel im Ölsektor etwas passiert, was ich als "Gamechanger" betrachte, bin ich auch schneller wieder draussen, als ich hier im Blog "buh" schreiben kann. Treffen Sie also Ihre eigenen Entscheidungen, es ist Ihr wertvolles Kapital. Tun Sie alles dafür, es zu erhalten - wenn Sie das schaffen und damit lange genug im Spiel bleiben, kommt der Ertrag irgendwann von ganz alleine !

Zum Schluss vielleicht noch ein Hinweis: es gibt eine wichtige psychologische Voraussetzung so eine Phase gut zu überstehen. Man muss sich von der Angst lösen, nach oben etwas zu verpassen. Ich denke wir kennen alle den Reflex "oh es dreht, schnell noch aufspringen". Bedenken Sie, solche massiven Bewegungen wie aktuell enden nicht "mal eben". Und wie ich schon in einem Kommentar schrieb, in 9 von 10 Fällen stellt sich das "Oh es dreht" Gefühl als Bullenfalle heraus. Und selbst wenn Sie ein paar Prozent des Wiederanstiegs verpassen sollten, es bleibt danach immer noch genug Zeit Geld zu verdienen. Denken Sie an letzten Herbst, das Gezappel im Bereich 5000-5500 hätte man sich sparen können. Es hätte gereicht, gelassen bei 6000 einzusteigen als sich der Trend nach oben etablierte und gelassen bei 7000 auszusteigen.

In diesem Sinne, lassen Sie uns unser Kapital erhalten und gelassen auf bessere Börsenzeiten warten - glauben Sie mir, Sie werden definitiv kommen !

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

** Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- ! **

Hari´s Märkte am Abend – 16.05.12 – Schwache Gegenbewegung

22 Uhr - Handelsschluss

Es gibt Tage, an denen gibt es nicht viel zu sagen, weil nichts wirklich Neues passiert ist. Und heute ist so ein Tag.

Die leichte Stärke die wir heute im DAX gesehen haben, war nicht mehr als eine ganz typische technische Reaktion. Leider war sie auch wenig überzeugend, nach dem tagelangen Absturz hätten die Bullen hier eigentlich weit mehr Kraft zeigen müssen. Ein Schnauben der Bullen war aber heute wieder nicht zu hören, eher das zögerliche Vortasten von Hasenfüssen. Auch die Tatsache, dass der SDAX erneut sehr schwach war, bestätigte schon während der Handelszeit des DAX das Bild, das unter der Decke weiter deutlicher Abgabedruck herrscht und das die Indizes heute nur optisch ganz brauchbar aussahen, weil bestimmte Sektoren eine technische Gegenbewegung zeigten.

Und so kam es nach 18 Uhr wie es kommen musste, die Nachrichten das die
sorgten für weitere Schwäche. Vertrauen schaffende Nachrichten sehen auf jeden Fall anders aus. Selbst die "FOMC Minutes" die um 20 Uhr heraus kamen und in die CNBC zunächst Hinweise auf ein QE3 hinein interpretierte, konnten den Trend nicht drehen.

Insofern bestätigte die heutige anämische Gegenbewegung nur, dass die Bären immer noch die volle Kontrolle über den Markt haben. Wir hängen weiter am Rand der Klippe und der heutige Tag hat die Risiken eines dramatischen Absturzes nicht verringert, sondern eher erhöht, weil er etwas von der technischen Überdehnung nach unten weggenommen hat. Anerkennen muss man auch, dass wir im S&P500 nun klare Trends nach unten haben und zwar egal wo und wie man die Linien zieht. Schauen Sie auf den Chart, die Serie tieferer Hochs ist wohl überdeutlich !

Kapitalerhalt ist also nach wie vor das wichtigste Ziel, das jeder in dieser Phase des Marktes haben sollte. In so einer Phase sollte man nicht jeden kleinen Bounce als Beginn einer Rally interpretieren und dabei "wishfull thinking" in seine Anlageentscheidungen einfliessen lassen. Eine Rally ist erst dann für mich ernst zu nehmen, wenn sie die im Chart sichtbare dicke Trendlinie überzeugend nach oben durchbricht.

Ich hebe mir aggressive Long-Wetten daher bis auf seltene Ausnahmen wie bei "UNG" für die Zeit auf, in der der Markt wieder einen deutlichen Trend nach oben hat. Das ist aktuell definitiv nicht der Fall und gegen den Trend wette ich nicht.

Auch zu einzelnen Aktien und Themen heute nur ein paar Stichworte:

(1) Von den hier mehrfach besprochenen Titeln waren in Deutschland heute relativ stark: Rheinmetall (WKN 703000) nach dem Dividendenabzug mit mehr als 2% Plus, HeidelbergCement (WKN 604700) auch mit mehr als 2% Plus und Stada (WKN 725180) mit 5% Plus. Bis auf Stada, wo ich den Auslöser der Bewegung nicht kenne, sind das wenig überraschende Gegenbewegungen nach starkem Absturz und haben darüber hinaus wohl keine Aussagekraft. Und am DAX Ende war heute - Überraschung! - ThyssenKrupp (WKN 750000). 😉

(2) Beeindruckend auch erneut Continental (WKN 543900), die die 70€ Zone einfach nicht aufgeben wollen. Immer wenn es so aussieht als ob der Kurs abkippt, kommt die Gegenbewegung Richtung 70.

(3) Der bullische Ausbruch bei US Gas (ETF: UNG) wurde heute mit über 5% Plus eindrucksvoll bestätigt - das ist derzeit eines der wenigen klar nach oben trendenden Assets und ein erfreulicher grüner Fleck in meinem Handelssystem. 😉

(4) Bei den Goldminen (ETF: GDX) geschah heute bemerkenswertes. Bei Handelsstart zeigten die Goldminen mal wieder relative Stärke, wie schon so oft die letzten Tage. Im Verlauf des Handelstages bröselte diese Stärke aber wieder weg und der GDX drohte ins Minus zu kippen, wie schon so oft die letzten Tage. Dann aber, gegen 21 Uhr, kamen plötzlich Kaufaufträge in den Markt und trieben den GDX bis zu 1,6% Plus, obwohl Gold im Minus stand. Am Ende reichte es für ein kleines Plus. Das ist deshalb bemerkenswert, weil die Trends im späten Handel eine höhere Bedeutung haben als die im frühen, da "Big Money" typischerweise in der letzten Handelsstunde unterwegs ist. Ob das heute mehr als eine Eintagsfliege war, werden wir bald sehen. Eigentlich rechne ich schon noch damit, dass Gold noch die 1520 USD testet und das dürfte den Minen wohl nicht gut tun.

(5) Bemerkenswert ist auch, wie die Erdöllagerbestände in den US steigen und steigen. Das drückt auf den Ölpreis und die Kurse der Ölaktien, zumal das Iran-Thema aktuell aus dem Blickfeld der Börsen verschwunden ist (was es aber nicht weniger gefährlich macht). Mittelfristig sind niedrigere Ölpreise eine weitere gute Nachricht für die US Konjunktur, für die ich in der zweiten Jahreshälfte nach wie vor eher optimistisch bin.

Mehr gibt es für mich heute nicht zu sagen. Kapital schützen und defensiv agieren, ist für Anleger nach wie vor das Gebot der Stunde. Und wenn uns Griechenland oder die Eurozone nicht mit positiven Nachrichten überraschen sollte, fürchte ich auch, dass es das Gebot der nächsten Wochen bleibt !

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

** Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- ! **

Hari´s Märkte am Abend – 11.05.12 – Wochenabschluss – Marktlage aus Chartsicht

22.00 Uhr - Handelsschluss

Heute habe ich mich zum Wochenabschluss für ein "Chart-Fest" zur Marktlage entschieden, da es bei einzelnen Titeln wenig Aufregendes zu berichten gibt.

Wie so oft war der Handel im DAX am Vormittag zunächst zäh wie Kaugummi und bewegte sich ohne Richtung in einer engen Zone um 6500 herum. Mit der Eröffnung der Wallstreet kam dann "Leben in die Bude" und der DAX wurde noch bis 6580 hoch gekauft, bevor im späten Handel wieder Vorsicht einsetzte und wir erneut in die Zone 6400-6550 zurück kehrten, die im DAX die ganze Woche bestimmt hat.

Diese Aufwärtsbewegung der Wallstreet ging von der 1350er Zone im S&P500 aus, die von den Bullen offensichtlich massiv verteidigt wird. Denn mittlerweile hat sich eine gewaltige Top-Formation gebildet, deren Nackenlinie im Bereich dieser 1340-1350 liegt. Sollte diese Nackenlinie durchbrochen werden, hätten wir ein rechnerisches Ziel im Bereich 1270-1280, ein Bereich der interessanter Weise mit den Hochs des letzten Oktober/November korreliert. Und wir wissen ja nun, wie hart die Algos solche Muster traden, wenn sie einmal nachhaltig etabliert sind.

Viele gute Gründe für die Bullen also, die Zone 1340-1350 mit aller Kraft zu verteidigen. Schauen Sie sich den Tageschart des S&P500 seit letzten Herbst an, der spricht für sich selbst.

Insofern halte ich die heutige temporäre Stärke des Marktes für reine Markttechnik, ich konnte keine fundamentale Ursache erkennen. Die Bewegung heute war aber auch zu schwach um das Risiko des schweren Absturzes vom Tisch zu nehmen. Insofern geht das Spiel nächste Woche weiter und wir können uns auf eine weitere volatile, ängstliche Woche einstellen. Auch das Verhalten des Marktes im späten Handel spricht eine ähnliche Sprache, niemand wollte sich mehr positionieren, weswegen die anfänglichen Gewinne wieder langsam wegbröselten und wir am Ende nur knapp oberhalb der 1350er Zone schlossen.

Abwarten ist nun für alle das Gebot der Stunde, auch für mich.

Und sollten nächste Woche doch mal gute Nachrichten kommen, wird unseren griechischen "Geiselnehmern" schon noch etwas einfallen, um die Märkte wieder in Unsicherheit zu stürzen. 😉 Manchmal kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, Mr. Market hätte in Anbetracht der Tatsache, dass Griechenland die Märkte und die Eurozone defacto als Geiseln genommen hat, schon ein "Stockholm-Syndrom" entwickelt. Denn diesem zerfallenden Kleinstaat wird weit mehr Aufmerksamkeit geschenkt, als ihm zusteht oder seiner Bedeutung entspricht.

Schauen wir uns doch im Vergleich auch einmal das Bild des DAX im Stunden-Chart an:

Sie sehen schnell, dass der DAX gerade dabei ist eine inverse Umkehrformation zu bilden, deren Ziel uns dann in den Bereich von 6800 bringen würde. Wichtig ist aber nicht zu vergessen, dass diese Formation noch nicht bestätigt ist, weil wir die Nackenlinie noch nicht durchschlagen haben und im späten Handel dann sogar wieder bis 6520 gefallen sind. Erst eine Bewegung am Montag Richtung 6600, würde diese Umkehrformation vollenden und das grobe Ziel 6800 in Bewegung setzen. Ob so eine Bewegung am Montag kommt, weiss nur der liebe Gott oder Griechenland.

Wenn Sie jetzt denken, dass diese positive Möglichkeit ja ein Widerspruch zu obigem Chart des S&P500 sei, haben Sie die unterschiedlichen Zeithorizonte übersehen. Der S&P500 Chart war auf Tagesbasis, die mögliche Topformation wird uns also wohl noch auf Wochen begleiten, wenn sie nicht durch eine massive Gegenbewegung zu neuen Höchstständen ausser Kraft gesetzt wird. Der DAX Chart ist aber auf Stundenbasis, die Umkehrformation wird sich also direkt Anfang kommender Woche bestätigen oder negiert werden.

Insofern transportieren diese beiden Charts das Bild, das kurzfristig in den kommenden Tagen Raum für eine technische Erholung besteht, wir mittelfristig in den kommenden Wochen aber wohl weiter nahe am Abgrund balancieren müssen. Ein Bild, das durchaus auch mit anderen Signalen der Markttechnik konform geht und dem ich insofern eine gute Wahrscheinlichkeit zubillige.

Trotzdem müssen wir uns im Klaren sein, dass wir uns wieder in einem politischen Markt befinden und jede überraschende Nachricht diese obigen Muster komplett auf den Kopf stellen kann. Ach war das erste Quartal doch schön, wo der Markt einfach mal in Ruhe machen konnte was er wollte und daher auch die Aussagekraft meiner Tools und Techniken wesentlich höher war. Aber wenn alles davon abhängt, was ein paar Politiker in griechischen Hinterzimmern auskochen, dann sind Prognosen halt schwierig bis unmöglich. Leider können wir uns den Markt nicht aussuchen und insofern müssen wir wohl weiter mit wilden Swings leben.

Bei Einzelaktien gab es heute wenig Erwähnenswertes, wir müssen nun einfach Geduld haben. Denn in Griechenland läuft ja nun alles auf Neuwahlen im Juni zu und das hält den Markt auf Trab und in Unsicherheit. Im optimalen Fall halten DAX 6400 und S&P500 1350 und wir laufen noch bis Juni volatil oberhalb dieser Marken hin und her. Dann wäre der Boden für einen guten Börsensommer bereitet, wenn in Griechenland endlich eine vernünftige Regierung existierten sollte, Ben Bernanke sich zur Nachfolge des "Twist"-Programms geäussert hat und alle schwachen Hände schon im Sinne "Sell in May" verkauft haben. All das sollte sich im Juni klären und insofern hat der Juni das Potential den Höhepunkt der derzeitigen Unsicherheitsphase darzustellen.

Wenn der Rauch dann verzogen ist, dann würde im Sommer aber weder ein Grund zum Verkaufen da sein, noch wären Marktteilnehmer auf der Long-Seite engagiert, die noch Lust zum verkaufen hätten. Das Ergebnis wäre dann ein langsam und genüsslich hochschiebender Markt. Und wenn das "A-Team" der Investmentbanken und Hedgefonds Anfang September an die Schreibtische der Wallstreet zurück käme, würde es erstaunt auf höhere Kurse schauen. Schauen wir mal, ob sich meine Wach-Träume erfüllen. 😉

Was die Goldminen (ETF GDX) angeht, habe ich mich heute zu einem Kompromiss entschlossen. Ich habe bei einigen Positionen die Positionsgrössen verringert und so Risiko heraus genommen, werde aber die Basispositionen nun bis auf weiteres halten. Denn trotz erneuter Schwäche, hat mir nicht missfallen, was ich heute im Sektor gesehen habe. Obwohl Gold mit einem GAP nach unten eröffnete, hielten sich die Verluste im GDX in Grenzen und wandelten sich zweitweise sogar in ein kleines Plus, bevor die Minen im späten Handel wieder mit dem breiten Markt absackten. Dabei waren die Minen über lange Strecken stärker als der Goldpreis selber. Noch in den Wochen vorher, hätte 1% Minus im Goldpreis zu 3% Minus bei den Minen geführt, diese Zeit scheint vorbei zu sein.

Beim Goldpreis (XAUUSD) selber ist es aber gut möglich, dass wir noch einmal bis 1520 USD abtauchen, wo das Tief vom Dezember 2011 liegt. Aber das wären nun nur noch 4% Bewegung nach unten und in Anbetracht der sich für mich nun deutlich aufbauenden relativen Stärke der Minen, verbunden mit deren massiver Unterbewertung, rechtfertigt das für mich keinen Ausstieg mehr. Das Risiko nach oben den Zug zu verpassen ist in diesem Segment nach meiner Erwartung nun höher, als das Risiko eines weiteren grossen Absturzes - wiewohl mir bewusst ist, dass auch letzteres keineswegs ausgeschlossen ist.

Alles in allem ist diese mögliche Bodenbildung im Edelmetallbereich sehr komplex, mit etwas Phantasie könnte man auf dem obigen Tageschart des Goldpreises sogar eine sich entwickelnde, gewaltige inverse Umkehrformation ausmachen. Abgesehen davon haben wir immer noch das deutlich zulaufende Dreieck im Spiel, dass von der Wahrscheinlichkeit eher für eine Fortsetzung des Trends nach oben spricht. Dauer und Komplexität dieser Konsolidierung im Edelmetallbereich sprechen aber für eine dynamische Bewegung, sobald sich ein neuer Trend etabliert. Insofern neige ich dazu, mich von dem derzeitigen Desinteresse am Thema und der Lethargie des Marktes nicht einlullen zu lassen. Wenn ein Asset wie Gold - das sich immer noch in einem langfristigen Aufwärtstrend befindet - von den Märkten nicht mehr beachtet, ja tot gesagt wird, genau dann wird es nach meiner Erfahrung am spannendsten !

Wenn Sie dagegen mal eine spannende Trendwende sehen wollen, an der es wenig herum zu rätseln gibt, dann schauen Sie sich mal den Tages-Chart des US Gas Preises (ETF UNG) an.

Schon -> hier <- am 30.04. hatte ich Ihnen das ja als potentielle Trendwende nahe gebracht und diese Sicht hat sich seitdem eindeutig bestätigt. Spannend ist nun, dass der Kurs gerade auch die zweite Trendlinie knackt, die noch aus dem Mai 2011 stammt. Hier spricht in meinen Augen vieles für eine nachhaltige Wende und das könnte ein höchst spannender Trade sein, wenn man über einen international agierenden Broker Zugang zu diesen US ETFs hat. Ich bin im Handelssystem seit einigen Tagen Long UNG.

Zum Abschluss noch ein Hinweis auf einen interessanten technischen Artikel von Peter L. Brandt zum Thema HFT. Lesen Sie

Und noch ein Hinweis, da doch einige neue Leser hinzu gekommen sind:
Vielleicht schauen Sie mal auf der rechten Seite des Blogs auf meine "Hilfreichen Links".

Diese Liste ist inklusive erklärender Tooltips von mir bewusst handverlesen, um Ihnen im Kampf mit Mr. Market zu helfen. Die Liste wird auch einmal im Monat auf den neuesten Stand gebracht, insofern lohnt es sich immer mal wieder drauf zu schauen. Vielleicht finden auch Sie dort ja die eine oder andere wichtige Information.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

** Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- ! **