DAX 2012 und was wir daraus lernen können

Der folgende Beitrag erschien schon Montag 02.03.15 09:50 in Hari Live

Nein, wir haben *nicht* 2012! Und Nein, 2015 wird auch nicht so laufen wie 2012! Ich halte wenig davon, aus Verläufen der Vergangenheit, konkrete Vorhersagen für die Zukunft abzuleiten.

Trotzdem hat ein Blick zurück einen Wert. Denn er kann Bewegungen in eine Perspektive stellen, weil man in der Vergangenheit halt sehen kann, was "danach" kam. Und der Blick in die Vergangenheit verdeutlicht auch typische Muster, in denen der Markt schwingt. Denn Nein, es ist dieses mal *nicht* anders und auch dieser Markt 2015 wird nicht wie ein Strich ohne Halt nach oben gehen!

Aber 2012 war das nächstgelegene Jahr in der Vergangenheit, in dem wir völlig analog zu 2015 auch einen ganz ausgezeichneten Januar und Februar hatten. Und insofern lohnt sich doch ein Blick zurück:

DAX 2012

Wir sehen, wie der Markt Anfang März einen Einbruch vortäuschte, dann zurück kam, neue Hochs generierte, nur um doch im März eine temporäre Topbildung zu absolvieren.

Wir sehen aber auch, wie der Markt nach Ablauf der Korrektur, die im Juni die Werte des Jahresanfangs wieder erreichte, auf einem höheren Tief drehte und danach eine sehr gute zweite Jahreshälfte folgte.

Erneut, eine unmittelbare Vorlage für 2015 wird das nicht werden, zu unterschiedlich sind die Rahmenbedingungen. 2015 hat ganz andere Rahmenbedingungen als 2012.

Der Vergleich verdeutlicht aber, dass auch starke Märkte korrigieren und auch in starken Jahren, mal eine deutliche Schwächephase enthalten sein kann.

Ob diese ab März einsetzt oder der Markt vorher noch etwas weiter hoch schmilzt, wissen wir letztlich nicht. Das Risiko für eine Korrektur bzw Konsolidierung ist nun aber so hoch, wie seit letzten Herbst nicht mehr. Und das sollten wir im Hinterkopf behalten und unser Risikomanagement nicht vernachlässigen, während wir mit beiden Händen Gewinne scheffeln.

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Apple Pay und die Kreditkarten – Das Ende für Mastercard, Visa und Co.?

Der folgende Beitrag erschien schon letzte Woche Freitag 30.01.15 09:30 in Hari Live

Ich möchte heute mal ein strategisches Thema adressieren und zwar Apple Pay und ähnliche Dienste wie Google Wallet und ihre langfristigen Auswirkungen in den kommenden Jahren. Und damit im Zusammenhang die Frage, ob wir bei den grossen Kreditkartengesellschaften vielleicht gerade eine historische Top-Bildung erleben und es von nun an nur noch nach unten gehen wird.

Schauen wir zunächst einmal auf den Status von Apple Pay, dargestellt unter anderem hier:
.

Sie sehen, in den US scheint der Dienst wirklich Fahrt aufzunehmen und ein Erfolg scheint absehbar. Dass wir hier in Europa davon noch nicht viel merken ist ganz normal, was sich in den US durchsetzt, schwappt dann 1-2 Jahre später auch hierher.

Apple steigt logischerweise durch Kooperationen in den Markt ein und dockt sich sozusagen an alle Bezahldienstleister an. So bekommt man einen perfekten Markteinstieg.

Die Frage ist aber, was passiert, wenn Apple Pay mal in ein paar Jahren etabliert ist? Aus Sicht des Endkunden sieht der dann nur noch sein Apple Device und bezahlt damit. Braucht es dann im Hintergrund immer noch Kreditkartenunternehmen, ausser als reine, margenschwache Abwickler? Ist Apple Pay nicht ein trojanisches Pferd, dass die Kreditkartenbranche am Ende wie bei Alien von innen her kannibalisieren wird?

Die Kreditkartenbranche ist dabei besonders angreifbar, weil sie mit hohen Gebühren operiert, die dem Handel eigentlich ein Dorn im Auge sind. Was wird wohl passieren, wenn 90% der Menschen mit ihren Smartphones bezahlen und die Riesen wie Apple und Google dann den gesamten Prozess selbst organisieren und so die Margen der Kreditkartenkonzerne zwischen Handel und sich aufteilen?

Den direkten Zugang zum Endkunden haben die Kreditkartenunternehmen dann schon verloren, denn der hat keine Karte mehr in der Hand mit der er bezahlt und sieht nur noch sein Smartphone. Der Rest sind irgendwelche Dienste und Verträge im Hintergrund, für die sich der Endkunde nicht mehr interessiert.

Sicher wird eine Apple nicht den ganzen Zahlungsverkehr neu aufbauen wollen, das braucht sie aber auch nicht und greift auf spezialisierte Dienstleister zu, die die Kreditkarten-Unternehmen dann immer noch sein dürfen. Wer aber keinen Zugang zum Endkunden mehr hat und sich gleichzeitig auch nicht unentbehrlich machen kann, wird entweder unter massiven Margendruck geraten oder schlicht vom Markt verschwinden.

Schauen wir auf die langfristigen Charts der grossen Kreditkartenkonzerne, sehen wir durchweg, welch gigantische Rally diese seit 2011 hingelegt haben. Die Titel notieren auf historischen Hochs und haben massiv vom Aufstieg des E-Commerce profitiert.

V 2

MA 2

axp 2

Schauen wir aber auf die mittelfristigen Charts, sehen wir durchweg die Strukturen einer Topbildung, egal ob bei Visa (VA), Mastercard (MA) oder American Express (AXP). Und das ist besonders bemerkenswert zu einem Zeitpunkt, wo die Stimmung der Verbraucher in den US zunehmend gut wird und Retail boomt.

V 30.01.15

MA 30.01.15

AXP 30.01.15

Nun hat auch der starke Dollar zuletzt zu diesem Problem beigetragen und die Gewinne der US Unternehmen wie AXP verhagelt. Und Visa hat gestern eigentlich ganz gute Zahlen geliefert - Mastercard ist heute dran.

Trotzdem finde ich eine Frage hoch spannend und die ist, ob wir hier nicht Zeuge einer historischen Topbildung sind, von der es für die Konzerne in den kommenden Jahren prinzipiell nur noch abwärts geht. Der Aufstieg der Smartphone-basierten Zahldienste wäre dafür der Katalysator.

Ich weiss nicht, ob es so kommen wird. Ich habe aber diesen Gedanken und bin interessiert, dazu Ihre Meinung im Forum zu hören.

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Indus Holding (620010) – Ablauf einer perfekten Topbildung

Der folgende Artikel erschien in Hari Live schon am 14.10.14 11:30

Vielleicht erinnern Sie sich ja an meinen Artikel in Hari Live vor nicht mal einem Monat am Donnerstag 18.09.14 16:15: "Indus Holding (620010) – nun ist es auch mal gut!"

Darin habe ich eine sich entwickelnde Topbildung bei diesem Wert thematisiert, die bei ca. 38€ Realität werden würde. Schauen Sie noch einmal rein.

Was danach kam war ein Klassiker. Verfolgt habe ich das in Hari Live am Dienstag 23.09.14 14:55 und am Mittwoch 24.09.14 09:25.

Zunächst war da der initiale Bruch, dann die Gegenbewegung, die wieder nach oben führte und alles wie eine grosse Bärenfalle aussehen liess. Und dann im zweiten Anlauf der grosse Absturz in klassischer Manier:

Indus 14.10.14

Heute nun hat die Aktie in einem grossen Ausverkauf, auch die 200-Tage-Linie verloren. Dieser Ausverkauf birgt aber in den kommenden Tagen auch die Chance für einen kurzfristigen Rebound in sich und passt daher zu anderen Eindrücken von überverkauften deutschen Industrieaktien. wie den erwähnten Leoni und Rheinmetall.

Der Blick auf das Wochenchart offenbart aber auch, dass nach einer Gegenbewegung immer noch viel Luft nach unten ist und es verfrüht sein könnte, auf ein Ende der Abwärtsbewegung zu setzen:

Indus 14.10.14 2

In sofern könnte Indus durchaus "Blueprint" für DAX & Co. sein. Kurzfristig Stabilisierung, danach weitere Risiken.

Und eine Lehre können Sie von Indus mitnehmen: man kann sehr wohl Topbildungen erkennen und ihnen aus dem Weg gehen. Man muss sich nur konsequent an die Muster und die Price-Action halten. So richtig schwierig ist das eigentlich gar nicht, wenn man zwei Augen im Kopf und klare Gedanken hat. Und ich habe es ja vor Ihren Augen sozusagen "Live" bei Indus getan.

Das wirkliche Problem, ist wie fast immer aber die Disziplin bei der Umsetzung!

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

DAX Korrektur – Erste Warnung und sonst: Nichts !

Der DAX hat die schärfste Korrektur seit August diesen Jahres gestartet, über die Ursachen habe ich gestern geschrieben. Die Schärfe der Korrektur hat dabei direkt mit dem langen, gnadenlosen Anstieg vorher zu tun. Das ist die Theorie des Gummibandes - je weiter man es dehnt, desto stärker schnappt es zurück.

Heute will ich mich daher mit der Frage beschäftigen, wie wir mit so einer Korrektur umgehen sollten. Denn ich kann sozusagen durch die Internetleitung spüren ;-), wie nun ganz viele grübelnd vor dem Schirm sitzen und sich diese Schwarz/Weiss Fragen stellen, die da lauten:

- Kommt nun der grosse Crash ?

- Soll ich jetzt mit allem raus aus dem Markt ?

Diese ganze, digitale Fragestellung im Sinne rein/raus ist aber völlig falsch und verfehlt !

So zu denken ist unproduktiv und macht uns nur nervös. Der Markt ist nie schwarz/weiss, er ist jederzeit eine Menge von Wahrscheinlichkeiten, die sich verschieben. Und die Zukunft ist und bleibt unbestimmt !

Was wir statt dessen tun sollten, ist unser Risiko zu managen. Was bedeutet Stück für Stück und Schritt für Schritt vorsichtiger zu werden, je stärker das Risiko steigt. Und in diesem Sinne langsam und Stück für Stück Gewinne mitzunehmen, falls die Korrektur voran schreitet.

Denn das Risiko eines Crashs - vor dem wir so Angst haben - ist eben nicht nahe am Höhepunkt am grössten. Das Risiko erreicht seinen Höhepunkt erst später, falls der Markt keinen Boden mehr findet und bröselt und bröselt.

Und das will ich Ihnen am Musterbeispiel des Crashs 2008 zeigen, der perfekt abgelaufen ist:

DAX 2008 Crash

Sie sehen die erste Phase, die Topbildung, in der der Markt keine signifikanten Höchststände mehr generieren kann. Vielleicht sind wir in dieser Phase, sicher ist das aber noch nicht !

Sie sehen dann den ersten Einschlag, das erste Warnzeichen sozusagen. Vielleicht haben wir das gerade erlebt. Bestenfalls dort, bei (2) befinden wir uns aktuell, wenn man nun einen Crash erwartet.

Auf (2) folgt aber in der Mehrzahl der Fälle erst einmal eine Phase, in der der Markt immer mehr Leben verliert und langsam vor sich hin bröselt. In dieser Phase (3) steigt das Risiko für einen Crash massiv, denn irgendwann verlieren die Marktteilnehmer die Geduld und wollen alle gleichzeitig zum Ausgang.

Worauf sich mit (4) dann der echte Crash anschliesst. Und dann in (5) eine Phase des Nachschwingens folgt, bevor der Markt in (6) den Tiefpunkt findet, der typischerweise nach einem Crash eine Übertreibung nach unten ist.

So weit der typische Ablauf. Diese Struktur ist universell und können Sie auch oft auf kleineren Zeitebenen finden, es muss nicht immer der grosse Crash sein. Und eigentlich will ich Ihnen damit klar machen, dass bisher im DAX noch nichts passiert ist und erst weiteres Abwärts-Bröseln die Risiken stark erhöht.

Jetzt weiss ich aber auch um die Macht der Bilder und mir ist klar, dass Sie bei Betrachten des obigen Charts nun emotional denken: "Oh Gott, schnell raus, wenn das danach kommt und wir erst bei (2) sind !"

Deswegen will ich Ihnen als "Cooldown" unbedingt auch noch den aktuellen Chart des S&P500 in diesem Jahr zeigen.

S&P500 05.12.13

Und da sehen Sie, wie oft wir schon ein "(2) Erste Warnung" hatten. Und jedes Mal hat der Markt dieses Jahr wieder V-förmig nach oben gedreht. Daran waren die Notenbanken ja nicht unschuldig und gerade deshalb sei die Frage erlaubt: Warum muss das dieses Mal unbedingt anders sein ?

Der Crashablauf von 2008 ist nämlich die Ausnahme und nicht die Regel. Und ein Warnzeichen ist erst einmal nur ein Warnzeichen und kein Grund schon in Panik zu verfallen.

Was ich Ihnen damit klar machen will ist:

(1) Bisher ist nichts Relevantes passiert und die Aufwärtstrends in den Indizes sind voll intakt. Es wird erst jetzt interessant, wenn und falls wir erleben sollten, dass der Markt nun keinen Boden findet und die Dip-Käufer ausbleiben.

(2) Wenn aber nun bald das Reversal kommt, wird der Trend dadurch nur bestätigt und die Korrektur war extrem gesund und legt dann die Grundlage für die Fortdauer der Hausse.

(3) Nur wenn der Markt nun weiter abgeben sollte und erste, wichtige Marken reisst, dann wird es wirklich riskant. Denn viele werden Stops unter markanten Strukturen haben und werden dann alle gleichzeitig zum Ausgang wollen. Das wäre das Ende von Phase (3). Lesen Sie in diesem Zusammenhang noch einmal den Artikel vom Montag zum Rising Wedge im S&P500, um diese Marken zu erkennen.

Was heisst das für uns ?

Wir brauchen unbedingt gedankliche Stops unter markanten Marken, mit denen wir unser Markt-Exposure Stück für Stück abbauen, falls - und nur falls - der Markt weiter nach unten bröselt.

Heute dagegen über diese "schwarz/weiss" Frage im Sinne rein oder raus zu grübeln, ist vergeudete Liebesmüh ! Und wenn Sie nun Artikel lesen, in denen Ihnen jemand erzählt, dass der Markt nun dieses oder jenes machen wird, ignorieren Sie das. Keiner kennt die Zukunft und was wir als Individuen glauben, hat keine Bedeutung, ausser im Sinne einer Massenpsychologie.

Es zählt alleine was der Markt tut. Und da ist eben wichtig zu verstehen, dass nach solchen Höchstständen ein langsames Abwärtsbröseln das Risiko erhöht. Und dieses Risiko müssen wir managen, in dem wir unser Exposure zum Markt entsprechend anpassen.

Machen Sie sich also einen Plan, wie Sie - falls der Markt weiter fällt - sukzessive Ihr Risiko verringern. Stück für Stück, im Einklang mit dem Markt. Von dem Gedanken perfekt am Top komplett auszusteigen, müssen Sie sich sowieso verabschieden. Das ist - von einem einmaligen Glücksschuss abgesehen - selbst für den besten Trader der Welt unmöglich.

Also: keine Panik und kein Herumraten. Managen Sie Stück für Stück Ihr Risiko !

Vergessen Sie den Gedanken daran, was morgen sein wird - Sie werden es sowieso erst morgen erfahren. Konzentrieren Sie sich statt dessen darauf, die Risiken der Gegenwart in Ihrem Portfolio entsprechend abzubilden.

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Elementary my dear Mr. Market: the game is afoot ! – Das Spiel hat begonnen !

Dieser Artikel ist nur für treue Leser von surveybuilder.info. Egal ob Premium oder nicht.

Woher ich das weiss ? Weil ich in den Titel keines der ziehenden Schlagwörter wie "Commerzbank, K+S, Solarworld, E.ON" hinein gepackt habe. 😉 Wären Sie alle drin, würde der Artikel tausende Klicks bekommen. Je mehr Buzzwords desto besser für die Klickrate. So wie jetzt aber - nur mit einer Hommage an Sherlock Holmes - wird niemand auf diesen Artikel klicken, wenn er oder sie nicht sowieso regelmässig bei surveybuilder.info vorbei schaut.

Das nur als kleine Anekdote am Rande, wie das Spiel um Aufmerksamkeit im Internet funktioniert. Und es funktioniert deshalb so, weil wir Menschen so ticken und mit Mustererkennung im Internet unterwegs sind. Und so neigen wir dazu, uns schon bekannte "Weisheiten" im Sinne der Bestätigung unserer Überzeugungen erneut rein zu ziehen - weil sich das so gut anfühlt. Ein Umstand, der auch bei der Preisfindung an den Märkten als "Confirmation Bias" eine wichtige Rolle spielt.

Nun aber zum Markt und da ist seit gestern Sherlock Holmes Ausruf "The game is afoot !" mehr als berechtigt.

Sie erinnern sich, ich hatte hier vorgestern aufgrund des Bollinger Band Crashs im S&P500, verbunden mit der Ernennung von Janet Yellen, schon fest mit einem Bounce gerechnet. Der kam auch - einen Tag später - und wurde durch die Anzeichen, dass man in Washington miteinander redet gestern massiv unterfeuert. Und durch die Dynamik der Bewegung, wurde der gestrige Bruch der Trendlinie auch erneut zur Bärenfalle, wie schon 5-mal seit November 2012 vorher.

Ist damit das Debt Limit Problem wirklich gelöst ? Kein bisschen natürlich, im Gegenteil - es wurde einfach im Sinne "kicking the can down the road" weiter verschoben. Das hat aber für die Kursentwicklung zunächst keine Relevanz.

Denn an dieser Stelle kommt wieder etwas zum Tragen, was wir unbedingt über die Märkte verstehen müssen: Die Märkte leben nicht in der Gegenwart. Sie leben in der Zukunft und die Preise bilden sich aus den Zukunftserwartungen aller Marktteilnehmer.

Und was waren die Erwartungen der Marktteilnehmer vor 2 Tagen ? Ganz klar, dass eine Lösung gefunden wird und dass dann eine massive "rip your face off" Rally stattfinden würde. Das war ganz klar der Konsens im Markt.

Und weil dieser Konsens war wie er war, will natürlich niemand der Letzte sein, weil dann ja die schönen Gewinne schon alle verfrühstückt sind. Und so entsteht so ein extrem positiver Tag wie gestern, weil alle schon beim ersten Anzeichen einer Einigung aufspringen, um den anderen zuvor zu kommen. Eine selbsterfüllende Prophezeiung also. Und dann werden Stops gezogen, Shorts gesqueezed usw. usw. und die Rally nährt die Rally und so ein Trendtag entsteht.

Jetzt könnte man ja meinen, man hätte da eine perfekte Methode für den nächsten Trade, aber so einfach ist das leider nicht. Denn diese Erwartungen können auch das Gegenteil auslösen. Weil alle darauf warten, tritt es nicht ein. Und wenn das zu lange dauert das Warten, werden dann die Erwartungen aus Enttäuschung aufgelöst, was genau zur entgegengesetzten Bewegung führt. Die zu hohe Erwartung war dann Ursache des Einbruches. Den Unterschied zwischen dem einen und dem anderen Szenario, macht dabei der Zeitpunkt und Charakter des Katalysators. Und der war gestern in Form des Vorschlags der Republikaner so zeitnah und durchschlagend, dass die Marktteilnehmer eine Lösung für das Debt Limit als gegeben genommen haben. Und damit den Mechanismus der selbsterfüllende Prophezeihung ausgelöst haben.

Merken Sie sich also unbedingt: die Kursbewegung kommt nicht, weil sich die Realität geändert hat. Die US sind immer noch ohne Lösung und der politische "Gridlock" ist nur verschoben, aber nicht aufgehoben. Der Markt bewegt sich aber aufgrund der Anpassungen der Erwartungen an die Zukunft. Und diese Erwartungen haben sich nun deutlich zum Positiven verändert, eine nahende Lösung ist nun als Faktum angenommen.

Es gab gestern übrigens eine weitere Erwartungskomponente, die die Rally befeuert hat und über die hatte ich auch schon gestern im Premium-Bereich geschrieben. Die derzeitige Blockade wirkt sich natürlich negativ auf Arbeitslosenzahlen und das Wachstum in den USA aus. Und damit dürfte das Thema des "Tapering" für dieses Jahr endgültig vom Tisch sein. Entsprechende Äusserungen des FED Mitglieds Bullard hatte ich auch gestern im Premium-Bereich verlinkt.

Das gefällt Mr. Market natürlich ganz besonders, denn einerseits sind die negativen Wirkungen auf das Wachstum ja nur temporär und nicht strukturell, andererseits ist ungehemmter Stimulus nun weiter gesichert. Besser geht es für die Wallstreet nicht, die mal wieder auf ganzer Linie bekommen hat, was sie sich wünscht.

Und so hat das Spiel begonnen. Das Spiel der Weihnachtsrally im 4. Quartal, bei der keiner der Letzte sein will, der aufspringt.

S&P500 11.10.13

Aufmerksame Leser werden jetzt natürlich sofort bemerken, dass die Medaille zwei Seiten hat. Wenn jetzt in den Erwartungen des Marktes eine Lösung zum Debt Límit schon verfrühstückt wird und sich alle für eine "4th Quarter Rally" positionieren, bleibt kein Erwartungshub mehr übrig, wenn die Lösung dann tatsächlich kommt.

Und genau so ist es. Wenn die Lösung kommt, wird der Markt schon weiter in die Zukunft schauen. Und wenn sie doch nicht kommt, wird Mr. Market um so erstaunter und wütender korrigieren.

Kurzfristig ist mit dem gestrigen Schub nun aber ein bullisches Signal gegeben worden. Wir müssen heute zwar noch abwarten, ob es noch zu einem bösen Reversal wie beim Pop nach der "No Taper" Entscheidung der FED Mitte September kommt. Unmöglich ist das nicht. Mein Eindruck ist aber eher nein.

Dann wird der Markt mit guter Wahrscheinlichkeit die Hochs im S&P500 bei 1730 testen. Aber erst was danach passiert, wird wirklich das Schicksal des 4. Quartals bestimmen. Denn es gibt viele Anzeichen für eine grundlegende Topbildung und nachlassendes Momentum in den US Indizes. Und das es mehrere Versuche zu neuen Hochs gibt, ist in so einem Bullenmarkt mehr als normal. So ein Bulle stirbt nicht so einfach von heute auf morgen, er rafft sich vielmehr immer wieder auf, bis er irgendwann unter der eigenen Last mit einem lauten Krachen zusammen bricht.

Genau das macht es auch so schwierig so einen Markt zu shorten. Man wird x-mal auf dem falschen Fuss erwischt und mit Verlust ausgestoppt, weil sich der Bulle doch wieder aufrafft. Und wer er dann endlich stirbt, dann ist man schon so demoralisiert, dass man nicht mehr dabei ist, wenn es endlich wirklich auf der Short-Seite Geld zu verdienen gibt. Deshalb kann ich immer nur wieder dringend davon abraten, solche Märkte oder auch Momentum-Aktien "auf Verdacht" zu shorten, egal wie schön die vermeintliche Topbildung aussieht. Erst wenn der Markt wirklich fällt und technisch eindeutig nach unten zeigt, dann kann man in der Mitte der Bewegung auf der Short-Seite sinnvolle Gewinne bei mässigem Risiko einfahren.

Insofern könnte man im S&P500 nun kurzfristig Stops unter das gestrige Tief setzen und auf dem Rücken des Momentums das Spiel nach oben mitspielen, nachdem man leichte Schwäche heute abgewartet hat. Bei einem typischen Ablauf gäbe es heute also eine leichte Konsolidierung, bevor es dann nach oben weiter geht. Mittelfristig wäre ich aber nicht zu optimistisch, sondern eher vorsichtig, sobald sich der S&P500 wieder in der Nähe der alten Hochs befindet.

Europa dagegen - und damit auch der DAX - ist klar im Rallymodus und profitiert von Liquiditätszuflüssen aus anderen Märkten und zeigt klare Überperformance zu den US Indizes. Insbesondere unser "Liebling" der spanische Index IBEX35 ist einfach beeindruckend und der Trade ein Volltreffer. DAX 9.000 und IBEX 10.000 in nicht zu ferner Zukunft, ist also keineswegs besonders optimistisch, sondern eher realistisch. Auch beim DAX haben wir nun mit den Tiefs der letzten Tage schöne Niveaus zur Absicherung.

Ich wünsche viel Erfolg !

Und bitte denken Sie daran. Das Internet ist voll mit allerlei Crash-Gurus und Horrorgeschichten und einige dieser Logiken teile ich sogar, weil das Makrobild nach meiner Ansicht dabei schon richtig erkannt wird. Nein, ich bin wirklich nicht überzeugt, dass dieses historische Experiment der Notenbanken und der Politik gut ausgeht. Und ich bin ziemlich sicher, dass wir in einigen Jahren ein ganz anderes Währungssystem haben und davor noch schlimme Verwerfungen erleiden müssen.

Nur - und das ist so wichtig zu verstehen - es nützt nichts, vielleicht in 3 Jahren mal Recht zu bekommen, wenn man die ganze Zeit vorher gegen den Markt ankämpft und sein Depot dabei ruiniert. Es gibt Marktteilnehmer, die kämpfen seit 2009 gegen dieses Markt an. Und was hat es ihnen gebracht ausser Leid und Verlusten ? Wenn sie dann irgendwann Recht bekommen, werden sie sich darüber nicht mehr freuen können, falls sie dann noch überhaupt im Markt sind.

Ignorieren Sie also all diese Weissagungen und Prognosen. Die halten Sie nur vom wirklich Wichtigen ab: Im "Hier und Jetzt" Geld zu verdienen !

Ich habe es schon an anderer Stelle gesagt: wir haben keine Wahl, wir müssen auf dieser Party tanzen und das Spiel mitspielen ! Es schadet aber nichts, die Eventualitäten zu kennen und sich gedanklich darauf vorzubereiten. Nur handeln dürfen wir nicht nach Eventualitäten, sondern nur nach dem, was uns Mr. Market sagt. Und die Botschaft ist klar:

Das Spiel hat begonnen !

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

Beiersdorf (WKN 520000) – Topbildung im Gange ? – 07.02.13

Heute möchte ich Ihnen am Beispiel Beiersdorf (WKN 520000) einmal zeigen, wie sich eine ganz typische Topbildung ankündigen könnte.

Normalerweise werden ja in so Artikeln immer nur bullische Szenarien besprochen, hier will ich mit Ihnen mal ein entgegen gesetztes, potentiell bärisches, Szenario teilen.

Auch wenn nicht jeder Beiersdorf kennt, das Hauptprodukt "Nivea" kennt wohl jeder. Beiersdorf ist ein Substanzwert im DAX und kam lange, lange nicht richtig in Bewegung, weil es dem Management nicht gelang den Wert rund um "Nivea" zu heben.

Nun hat sich das seit Ende 2011 geändert und der Kurs im Wochenchart seit 2008 spricht die beeindruckende Sprache eines perfekten Aufwärtstrends. Schauen Sie selbst:

Beiersdorf Wochenchart 07.02.13

Bitte beachten Sie, dieser Aufwärtstrend ist voll intakt ! Wenn ich also hier gleich von einer Topbildung spreche, dann ist es nur eine *potentielle* Topbildung, die erst dann vollständig aktiv wird, wenn dieser Trend gebrochen wurde. Und Trends können länger dauern als man denkt, sich vor dem Bruch gegen einen Trend zu stellen, ist alles andere als klug.

Nun schauen Sie mit mir aber bitte auch auf das Stundenchart von Beiersdorf seit Anfang Januar:

Beiersdorf Stundenchart 07.02.13

Ein eindrucksvolles Bild nach Lehrbuch, wie das Momentum ausläuft und der positive Trend in einen neuen (potentiellen) kurzfristigen Abwärtstrend übergeht. Das Chart spricht wirklich Bände !

Selbst wenn der langfristige Aufwärtstrend doch noch länger erhalten bleibt, ist kurzfristig durchaus das Potential für einen Rückgang von ca. 5% bis zur langfristigen Trendlinie bei ca. 62EUR gegeben.

Das alleine würde aber noch nicht ausreichen, dass ich hier auch langfristig eine potentielle Topbildung sehe. Schauen wir auch auf die Fundamentaldaten, sehen wir bei Beiersdorf ein (halten Sie sich fest) 2013er KGV von 27 ! Ja genau, 27 ! Dazu kommt ein KBV von ca. 5 und ein Kurs-Cashflow Verhältnis von über 20.

Das ist - bei aller Begeisterung für die neue, positive Entwicklung bei Beiersdorf - in meinen Augen viel zu teuer für einen Substanzwert. Die Börse hat also schon sehr viel von der Zukunft verfrühstückt ! Und irgendwann werden diesem Trend die Käufer ausgehen. Ich vermute, dieser Punkt wird nicht mehr so lange dauern.

Hätte ich Longs in Beiersdorf, würde ich nun also mal langsam Gewinne mitnehmen. Und sollte Beiersdorf den Aufwärtstrend brechen, dürfte das ein sehr netter Short werden. Bis dahin gilt es aber ausdrücklich den Aufwärtstrend zu respektieren, solange er da ist ! Aber die potentielle Wende sieht so eindrücklich aus und ist so perfekt durch eine fundamentale Überbewertung hinterlegt, dass Beierdorf nun auf meiner Watchlist für einen Short ist. Real wird dieser aber wie gesagt erst nach Trendbruch !

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Marktupdate DAX und S&P500 – Ende der Korrektur oder Topbildung ? – 05.02.13

In Anbetracht der heutigen Geschehnisse, halte ich eine Einordnung in das grössere Bild, insbesondere für den Leitindex S&P500, für geboten.

Sie erinnern sich, dass ich schon oft sagte, dass ein derart starker Markt wie in den letzten Wochen, nicht einfach kehrt macht und zusammen bricht. Diese Wahrheit können Sie auch heute beobachten, nach dem gestrigen Absturz sind wir im S&P500 schon wieder bei 1510 und Spanien ist heute immerhin fast 3% im Plus.

Trotzdem muss man die gestrigen Geschehnisse sehr ernst nehmen. Denn mit derartigen Warnschüssen beginnt oft eine langfristige Topbildung, die sich dann in mehreren Hoch zeigt. Und wenn wir auf den aktuellen S&P500 schauen, dann offenbart sich da die Möglichkeit, (noch ist es nur eine Möglichkeit), einer sehr fiesen Schulter-Kopf-Schulter Formation. Schauen Sie selbst im 10-Minuten-Chart:

S&P500 SKS 05.02.13

Bevor jetzt hier jemand in Panik verfällt, das ist ausdrücklich nur eine Möglichkeit ! Und eine, die Mr. Market schnell und schon heute im weiteren Verlauf durch einen Anstieg über die Hochs vom 01.02.13 aus dem Rennen nehmen könnte. Aber es zeigt was nun auf dem Spiel steht.

Denn der heutige Rebound ist normal und nicht überraschend. Spannend und wichtig wird dagegen, was nun passiert. Kann der Markt neue Hochs generieren und gestern damit als Intermezzo abtun ? Oder hat hier eine Topbildung begonnen ?

Auf der Habenseite der Bullen steht nach wie vor die massive Liquidität die von den Notenbanken ausgeht und die Tatsache, dass scheinbar die Bewegung aus den Bonds in die Aktienmärkte in Bewegung geraten ist, die grosse Rotation.

Auf der Habenseite der Bären steht aber ein technisch überkaufter Markt, der reif für eine echte Korrektur ist und die Tatsache, dass die Eurokrise nun wieder in den Köpfen ist. Und das sie das ist, kann man heute am schwachen DAX beobachten oder daran, dass der MIB in Italien nicht mehr vom Fleck kommt, Berlusconi lässt grüssen !

Für den langfristigen Verlauf des Jahres ist mir nicht bange, ich sehe in der "grossen Rotation" eine gute Wahrscheinlichkeit. Aber Februar und März haben das Potential für eine giftige Korrektur rund um die Wahl in Italien. Und eine Korrektur im Frühjahr, wäre kein Widerspruch zu historischen Höchstständen im weiteren Verlauf des Jahres.

Fazit: Der Warnschuss gestern muss ernst genommen werden. Wie es weitergeht weiss niemand, nur der Markt kann es uns zeigen. Aber das Risiko einer temporären Topbildung ist nach gestern real vorhanden. Handeln Sie also mit Vorsicht und folgen Sie dem Markt, statt schon heute blind auf eine Richtung zu setzen.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Kurzkommentar – 07.12.12 – Wallstreet bremst starken DAX

Heute Abend mitten im Wallstreet Handel, ein paar Worte zur Lage im DAX.

Die Welt könnte so einfach sein. Der DAX will mit Macht hoch und auch historische Jahreshöchststände wären bei dem derzeitigen Kaufdruck keineswegs bis Jahresende ausgeschlossen.

Aber die Wallstreet hängt dem DAX wie ein Mühlstein um den Hals und zerrt ihn immer wieder runter. So auch heute. Wir hatten überraschend gute Arbeitsmarktdaten, der S&P500 wickelte den erwarteten Gapfill bei 1410 ab und bekam dann trotzdem im späten Handel erneut den "Hintern" nicht richtig hoch. Zumindest nicht bis 19.30 Uhr, dem Zeitpunkt dieses Artikels. Wenn da im späten Handel nicht noch massiv gekauft wird, scheint die 1420er Zone für den S&P500 aktuell schwer zu überwinden sein, während der DAX schon auf Jahreshöchstständen notiert.

Auch was bei Apple heute erneut geschieht, sieht bedenklich aus. Die Fortsetzung der gestrigen Rally wurde sofort wieder abverkauft und zum Zeitpunkt des Artikels notiert Apple 2,6% im Minus ! Damit ist der Doppelboden und der Swinglow bisher zwar nicht negiert, aber auch nicht bestätigt und nun hohe Vorsicht angebracht. Es zeigt erneut, wie sinnvoll es ist, bei antizipierten Wenden auf Bestätigung am Folgetag zu warten, selbst wenn einen das im positiven Fall etwas Performance kostet.

Schauen wir doch nun mal auf das langfristige Chartbild des DAX aus Wochensicht, das einen Blick zurück bis 2007 erlaubt:

Sie sehen den bullischen "Descending Broadening Wedge" der sich seit September aufbaute, den ich -> hier <- ja vor einem Monat thematisiert hatte. Ich habe ihn bewusst mal eher als parallele "Bullenflagge" eingezeichnet, weil man in diesem kleinen Massstab so besser sehen kann, wie durch einen Fakeout am 16.11. nach unten (roter Kreis) ganz klassisch Stops gezogen wurden, nur um dann richtig nach oben Fahrt aufzunehmen. "Bullflag" und "Descending Broadening Wedge" sind auch recht ähnliche Formationen.

Seit diesem Fakeout läuft der DAX massiv nach oben, man kann jeden Tag geradezu fühlen, wie Vormittags frisches Geld in den Markt strömt, während Nachmittags die Wallstreet wieder etwas nach unten zerrt. Aber trotz dieses Gegenwindes aus den USA, ist der DAX überzeugend aus dem Wedge ausgebrochen und hat Jahreshöchststände erreicht.

Betrachtet man das Momentum der Bewegung und die Grösse der Konsolidierung im "Wedge" kann man daraus ableiten, dass der DAX dieses Jahr noch lange nicht fertig ist. Die nächste Hürde wäre, das Verlaufshoch vom 02.05.2011 bei 7600,43 zu überwinden. Das dürfte vielleicht noch einmal ein wenig "ruckeln", danach wäre aber der Weg zu dem historischen Höchststand vom 09.07.2007 bei 8151,53 frei.

Ja, Sie haben richtig gehört, historischer Höchststand ! Wobei das ja aufgrund der Tatsache, dass der DAX ein "Performance-Index" ist der Dividenden inkludiert, nicht so ganz richtig und zumindest mit den meisten anderen Indizes nicht zu vergleichen ist. Gegenüber dem Jahr 2007 müsste der DAX 10-12% höher stehen als im Sommer 2007, weil nur das eine identische Marktkapitalisierung bedeutet. Denn Dividenden dürften in den 5 Jahren ungefähr in diesem Umfang aufgelaufen sein. Berücksichtigt man dann noch die Inflation, müsste der DAX eher sogar ca. 20% höher stehen, um für die Anleger den identischen realen "Wert" des Jahres 2007 zu haben.

Aber wie auch immer, der DAX hat nach meinem Eindruck für sich alleine genügend Momentum, um noch dieses Jahr oder Anfang 2013 historische Höchststände zu erreichen. Und ich kann auch politisch in den kommenden Wochen in der Eurozone nichts sehen, was diese Bewegung nachhaltig aufhalten sollte.

Wenn - ja wenn - da die Wallstreet nicht wäre ! Und die schwankt und hat durchaus Zeichen einer Topbildung. Klar wird immer die Diskussion um das Fiscal Cliff angeführt, aber ob die wirklich so entscheidend ist, bin ich gar nicht sicher.

Denn ein "kicking the can down the road" - sprich ein Verschieben der Entscheidung bis 2013 - ist doch Common Sense. Im Gegenteil, sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass die Politik der US so unverantwortlich ist, es über den Jahreswechsel hinweg "darauf ankommen zu lassen", können wir uns wohl auf einen geharnischten Absturz in den Indizes einrichten. Denn dann wird die Wallstreet der Politik zeigen, wo der Hammer hängt und danach wird ganz schnell Hektik in den beiden Abgeordneten-Häusern ausbrechen.

Um diesen Zusammenhang zu verstehen, darf man nicht von Deutschland mit seiner gesetzlichen Rentenversicherung im "Generationenvertrag" auf die USA schliessen. In den US haben breite Bevölkerungsschichten ihre Alteicherung in Form von Aktiensparplänen. Zusammen brechende Kurse kommen also sofort bei den Wählern und bei ihrer Kaufkraft an. Ganz anders als in Deutschland. Übrigens auch ein Grund, warum die FED die Kurse um jeden Preis zu stützen versucht.

Aber dieses unwahrscheinliche Szenario einer unverantwortlichen politischen Klasse, ist derzeit das einzige, für mich heute sichtbare - kleine aber bedeutende - Risiko, das einem fröhlichen Jahresabschluss im DAX im Wege steht. Abgesehen natürlich von den berühmten "schwarzen Schwänen". Aber da die eben schwarz und nicht grau sind, macht es auch keinen Sinn darüber zu spekulieren. 😉

Schaut man über den Jahreswechsel hinweg, wird es entscheidend sein, wie sich die Erwartung der Unternehmensgewinne entwickelt. Denn nach meinen Eindruck ist die Wallstreet aktuell deshalb so zögerlich, weil Sie sinkenden Gewinne bei den Firmen befürchtet - eine Topbildung eben, Apple ist da nur der Vorreiter. Und wenn sich dieser Trend fortsetzt, wird sich der kleine DAX den Bleigewichten der Wallstreet nicht entziehen können. So stark ist der DAX alleine auch nicht.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

* Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- und unsere Gedanken zur -> Fairness <- ! *