Stada und die Disziplin beim Risikomanagement

Der folgende Beitrag erschien gestern Dienstag 22.07.14 10:25 in Hari Live

Ein Musterbeispiel, wie leicht man mit wenigen Linien manchmal sinnvolles Risikomanagement betreiben kann, ist der Generika-Konzern Stada (725180). Besonders interessant ist der Titel aktuell, weil er durch sein starkes Exposure in Russland, auch ein Abbild der Geschehnisse rund um die Ukraine darstellt - im Guten wie im Schlechten.

Mein letzte Kommentar zur Aktie datiert in Hari Live vom Montag 16.06. 11:30, zu dem Zeitpunkt sah Stada sehr stark aus und man konnte damals einen Long-Trade mit Absicherung eingehen. Genau dieses Absicherungsniveau, wird auch heute wieder eine Rolle spielen, dazu aber später mehr.

Im Nachgang schob Stada dann auch tatsächlich nach oben und man hätte den Stop ins Positive auf das Ausbruchsniveau nachziehen können, der Kurs bildete dann aber am 03.07. ein ziemlich deutliches Swing-High und von da an ging es nur noch abwärts. Die Abwärtsbewegung wurde zuletzt natürlich massiv durch die Geschehnisse rund um MH017 beschleunigt. Besonders der Verfall des Rubels schadet dabei Stadas Gewinnaussichten. Schauen wir mal auf das Chart:

Stada 22.07.14

Wir sehen erstens das deutliche Swing High. Zweitens sehen wir, wie man mit zwei simplen Linien sinnvolle Stopniveaus identifizieren konnte, die untere Linie ist dabei der alte Stop vom 16.06. und die obere wäre das Ausbruchsniveau, das durch den Swing-High negiert wurde.

Drittens sehen wir, dass man alleine durch Respektierung dieser beiden klaren Stop-Niveaus, den 15.07. als klares Exit-Signal hätte identifizieren können. Und man mit einem Ausstieg spätestens am 15.07., einem guten Teil des folgenden Absturzes aus dem Weg gegangen wäre.

Viertens sehen wir in die Zukunft blickend, dass möglicherweise bald ein Swing-Low anstehen könnte, dem dann ein schneller Bounce folgen sollte. Wo exakt das Swing-Low kommt, ist nicht präzise vorher zu sehen und hängt natürlich auch von den Sanktions-Entscheidungen des Westens ab. Das dieser Swing-Low kommt ist aber wahrscheinlich, denn Stada ist ja kein Pleite-Kandidat, der nun ins Bodenlose fällt - hier wird einfach das Russland Risiko vom Markt eingepreist.

Ob dieses Swing-Low dann eine grundlegende Trendwende bedeutet oder nur den Auftakt eines temporären Rebounds darstellt, bleibt offen und dürfte auch in hohem Masse von der geopolitische Entwicklung abhängen. Klar ist, dass Stada nun eher günstig bewertet ist, falls sich die Krise um Russland verflüchtigt, harte Sanktionen ausbleiben und der Rubel sich stabilisieren sollte. Klar ist aber auch, dass Stada noch weitere Fallhöhe besitzt, falls es zu einem echten Wirtschaftskrieg des Westens mit Russland kommen sollte.

In Summe will ich mit dieser Nachbetrachtung verdeutlichen, wie einfach manchmal sinnvolle Absicherung ist, wenn man nur die Disziplin hat, sich auch tatsächlich daran zu halten. Diese Disziplin ist in der Regel das wirkliche Problem das Anleger haben, denn zu dem Zeitpunkt an dem man den Stop ziehen müsste, hier spätestens am 15.07., ist die Lage nicht wirklich so klar, wie es im Nachhinein dann aussschaut. Trotzdem war auch am 15.07. mitten im Getümmel klar zu erkennen, dass nun beide Linien ebenso wie die 50-Tage-Linie gebrochen sind und das Konsequenzen haben sollte.

Was man brauchte, war "einfach" Disziplin beim Risikomanagement. Vergessen Sie das nie !

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Stada im Rebound – Profiteur einer Entspannung rund um Russland

Der folgenden Hinweis erschien vor zwei Tagen am Mittwoch 04.06. 10:55 in Hari Live.

Ich hatte im Zuge der Ukraine Krise mehrfach in Hari Live über den Generika-Anbieter Stada (WKN: 725180) gesprochen. Denn Stada mit seinem umfangreichen Russland-Geschäft, war durch die Krise besonders vom Markt abgestraft worden, gleichzeitig war fragwürdig, ob das nicht eine Übertreibung darstellte.

Stada war also ein Musterbeispiel für die Art von Rebound-Chancen, die sich im ganzen Sektor der mit Osteuropa und Russland verbundenen Geschäfte aufgetan haben - auch eine C.A.T. Oil fällt ja in diese Kategorie.

Diese Chance hat sich in den letzten Wochen nun sehr schön realisiert und Stada hat nun ein perfektes "V" als Rebound hingelegt und vom Tief Mitte April bemerkenswerte 23% gewonnen:

Stada 04.06.14

Gleichzeitig sehen wir nun, dass auch die Abwärtstrendlinie nach oben gebrochen wurde und wir im On-Balance-Volumen erneut eine positive Momentum-Divergenz haben.

In Summe sieht das Chart daher immer noch aussichtsreich aus und ein Verlauf wie eingezeichnet, hat gute Chancen. In dem Szenario würde nun ein kleine Konsolidierung oberhalb der Trendlinie folgen, bevor die Aktie zum nächsten Schub ansetzt.

Negiert würde das obige Szenario, wenn die Aktie unter das Tief vom 16.05. fällt. Fundamental ist die Aktie sowieso nicht überbewertet und auch die Übernahme-Phantasie ist bei Stada weiterhin latent vorhanden.

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Hari´s Märkte am Abend – 16.05.12 – Schwache Gegenbewegung

22 Uhr - Handelsschluss

Es gibt Tage, an denen gibt es nicht viel zu sagen, weil nichts wirklich Neues passiert ist. Und heute ist so ein Tag.

Die leichte Stärke die wir heute im DAX gesehen haben, war nicht mehr als eine ganz typische technische Reaktion. Leider war sie auch wenig überzeugend, nach dem tagelangen Absturz hätten die Bullen hier eigentlich weit mehr Kraft zeigen müssen. Ein Schnauben der Bullen war aber heute wieder nicht zu hören, eher das zögerliche Vortasten von Hasenfüssen. Auch die Tatsache, dass der SDAX erneut sehr schwach war, bestätigte schon während der Handelszeit des DAX das Bild, das unter der Decke weiter deutlicher Abgabedruck herrscht und das die Indizes heute nur optisch ganz brauchbar aussahen, weil bestimmte Sektoren eine technische Gegenbewegung zeigten.

Und so kam es nach 18 Uhr wie es kommen musste, die Nachrichten das die
sorgten für weitere Schwäche. Vertrauen schaffende Nachrichten sehen auf jeden Fall anders aus. Selbst die "FOMC Minutes" die um 20 Uhr heraus kamen und in die CNBC zunächst Hinweise auf ein QE3 hinein interpretierte, konnten den Trend nicht drehen.

Insofern bestätigte die heutige anämische Gegenbewegung nur, dass die Bären immer noch die volle Kontrolle über den Markt haben. Wir hängen weiter am Rand der Klippe und der heutige Tag hat die Risiken eines dramatischen Absturzes nicht verringert, sondern eher erhöht, weil er etwas von der technischen Überdehnung nach unten weggenommen hat. Anerkennen muss man auch, dass wir im S&P500 nun klare Trends nach unten haben und zwar egal wo und wie man die Linien zieht. Schauen Sie auf den Chart, die Serie tieferer Hochs ist wohl überdeutlich !

Kapitalerhalt ist also nach wie vor das wichtigste Ziel, das jeder in dieser Phase des Marktes haben sollte. In so einer Phase sollte man nicht jeden kleinen Bounce als Beginn einer Rally interpretieren und dabei "wishfull thinking" in seine Anlageentscheidungen einfliessen lassen. Eine Rally ist erst dann für mich ernst zu nehmen, wenn sie die im Chart sichtbare dicke Trendlinie überzeugend nach oben durchbricht.

Ich hebe mir aggressive Long-Wetten daher bis auf seltene Ausnahmen wie bei "UNG" für die Zeit auf, in der der Markt wieder einen deutlichen Trend nach oben hat. Das ist aktuell definitiv nicht der Fall und gegen den Trend wette ich nicht.

Auch zu einzelnen Aktien und Themen heute nur ein paar Stichworte:

(1) Von den hier mehrfach besprochenen Titeln waren in Deutschland heute relativ stark: Rheinmetall (WKN 703000) nach dem Dividendenabzug mit mehr als 2% Plus, HeidelbergCement (WKN 604700) auch mit mehr als 2% Plus und Stada (WKN 725180) mit 5% Plus. Bis auf Stada, wo ich den Auslöser der Bewegung nicht kenne, sind das wenig überraschende Gegenbewegungen nach starkem Absturz und haben darüber hinaus wohl keine Aussagekraft. Und am DAX Ende war heute - Überraschung! - ThyssenKrupp (WKN 750000). 😉

(2) Beeindruckend auch erneut Continental (WKN 543900), die die 70€ Zone einfach nicht aufgeben wollen. Immer wenn es so aussieht als ob der Kurs abkippt, kommt die Gegenbewegung Richtung 70.

(3) Der bullische Ausbruch bei US Gas (ETF: UNG) wurde heute mit über 5% Plus eindrucksvoll bestätigt - das ist derzeit eines der wenigen klar nach oben trendenden Assets und ein erfreulicher grüner Fleck in meinem Handelssystem. 😉

(4) Bei den Goldminen (ETF: GDX) geschah heute bemerkenswertes. Bei Handelsstart zeigten die Goldminen mal wieder relative Stärke, wie schon so oft die letzten Tage. Im Verlauf des Handelstages bröselte diese Stärke aber wieder weg und der GDX drohte ins Minus zu kippen, wie schon so oft die letzten Tage. Dann aber, gegen 21 Uhr, kamen plötzlich Kaufaufträge in den Markt und trieben den GDX bis zu 1,6% Plus, obwohl Gold im Minus stand. Am Ende reichte es für ein kleines Plus. Das ist deshalb bemerkenswert, weil die Trends im späten Handel eine höhere Bedeutung haben als die im frühen, da "Big Money" typischerweise in der letzten Handelsstunde unterwegs ist. Ob das heute mehr als eine Eintagsfliege war, werden wir bald sehen. Eigentlich rechne ich schon noch damit, dass Gold noch die 1520 USD testet und das dürfte den Minen wohl nicht gut tun.

(5) Bemerkenswert ist auch, wie die Erdöllagerbestände in den US steigen und steigen. Das drückt auf den Ölpreis und die Kurse der Ölaktien, zumal das Iran-Thema aktuell aus dem Blickfeld der Börsen verschwunden ist (was es aber nicht weniger gefährlich macht). Mittelfristig sind niedrigere Ölpreise eine weitere gute Nachricht für die US Konjunktur, für die ich in der zweiten Jahreshälfte nach wie vor eher optimistisch bin.

Mehr gibt es für mich heute nicht zu sagen. Kapital schützen und defensiv agieren, ist für Anleger nach wie vor das Gebot der Stunde. Und wenn uns Griechenland oder die Eurozone nicht mit positiven Nachrichten überraschen sollte, fürchte ich auch, dass es das Gebot der nächsten Wochen bleibt !

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 05.04.12 – Wochenabschluss – Im Rückwärtsgang

22 Uhr - Handelsschluss

Der heutige Tag hat sich weitgehend wie gestern erwartet entwickelt. Zunächst war der DAX mal wieder ein leblose Hülle, ohne jedes Eigenleben. Niemand traute sich zu positionieren. Für Shorts schien es zu spät und für Longs reichte der Mut des Marktes nicht. So wurde einfach abgewartet, was die Leitbörse Wallstreet macht und als die nach der Eröffnung um 15.30 Uhr zum "Gap-Fill" bei S&P500 1399 ansetzte, kam auch endlich Leben in den DAX.

Und "Schwupps" ging es bis knapp unter 6800 hoch - so einfach ist das, wenn der grosse Meister Wallstreet mit den Fingern schnippt und das kleine Hündchen DAX dann brav sein Männchen macht.

Ansonsten war das heute eine ganz normale verhaltene Gegenbewegung, wie sie nach so einem Absturz nur normal ist. Sie war weder so schwach, das man daraus einen weiteren unmittelbaren Absturz ableiten könnte, noch so stark, dass man es als positives Signal interpretieren müsste.

Und es gibt nach wie vor Zeichen, dass diese Abwärtsbewegung noch nicht zu Ende ist und die Märkte im Rückwärtsgang bleiben.

(1) Der S&P500 konnte die 1400er Marke nicht halten und rutschte im späten Handel wieder darunter, es fehlte an Kaufbereitschaft.
(2) Die schwer verprügelten Rohstoffwerte drehten nach kurzer Stärke am Vormittag wieder ins Minus.
(3) Die Goldminen gaben weiter deutlich ab, selbst als der Goldpreis um 1% im Plus war.
(4) Die europäischen Banken gaben weiter ab.

In Summe spricht also einiges dafür, dass die bisherigen Trends unverändert erhalten bleiben und es deshalb weiter runter geht. Und es war wohl richtig, die heutige kleine Stärke zu nutzen, um die Defensive weiter auszubauen.

Aber bei allen Signalen, steht uns ja nun eine "Wildcard" ins Haus, die das Spiel verändern könnte - die Arbeitsmarktdaten die in den USA am morgigen Karfreitag bekannt gegeben werden. Die Reaktion der US Börsen sehen wir dann am Ostermontag. Und der DAX wird erst wieder am Dienstag nach Ostern aktiv.

Ich habe absolut keine Vorahnung wie das ausgeht, bei den Daten rechne ich mit verhalten positiven Daten, wie Mr. Market das aber dann interpretiert ist völlig unklar. Denn Mr. Market hat da eine schwer nachvollziehbare schizoide Logik. So wären zu gute Daten wahrscheinlich schlecht, weil dann die Hoffnung auf die nächste Runde billigen FED-Geldes wohl schwindet.

In solchen Phasen der Unklarheit macht es aber Sinn, sich das grosse Bild in Erinnerung zu rufen, und das lautet:

(1) Die US Börsen sind immer noch in einem etablierten Aufwärtstrend. Es gibt die obigen Signale die zur Vorsicht mahnen, mehr aber nicht.
(2) Sollten die US Börsen aber doch wegkippen, dürfte das im DAX ein Schlachtfest verursachen, da sollte man sich keiner Illusion hingeben.
(3) Der DAX ist in einem kurzfristigen Abwärtstrend, daran hat auch die kleine Stärke heute nichts geändert.
(4) In der Zone DAX 6600-6650 liegt eine erste Unterstützung für den DAX und es ist gut möglich, dass wir diese demnächst mal testen.
(5) Nach oben sehe ich in Anbetracht der überverkauften Lage kurzfristige Chancen bis ca. 6900, mit mehr rechne ich nicht.

Ich habe Ihnen heute den DAX Chart mit der abfallenden Trendlinie aus einer etwas anderen Perspektive mitgebracht. Darin habe ich zwei mögliche Szenarien eingezeichnet, die aufgrund der derzeitigen Marktlage nicht unlogisch wären.

Im besseren Szenario laufen wir am Dienstag erst einmal Richtung 6900 hoch, um danach die 6600 im DAX zu testen und von dort wieder nachhaltig nach oben zu drehen. Im schlechteren Szenario laufen wir am Dienstag direkt weiter nach unten, wonach die 6600 nicht halten und wir bis 6400 abtauchen.

Ich betone ausdrücklich, beide Szenarien sind keine Prognosen meinerseits, vielleicht laufen wir ab Dienstag ja wie ein Strich nach oben Richtung 7200. Oder wir kippen nach den Arbeitsmarktdaten am Montag in den US Indizes ab und eröffnen am Dienstag im DAX bei 6500. Vieles ist möglich, aber nicht alles wahrscheinlich. Und beide skizzierten Szenarien haben in Anbetracht der aktuellen Marktlage eine gewisse Logik und sind in meinen Augen wahrscheinlicher als der oben genannte Strich hoch bis 7200 oder der sofortige brutale Absturz. Insofern möchte ich Sie mit diesem Chart auf diese möglichen Szenarien aufmerksam machen und hier wiederholen: etwas mehr Defensive kann nach meiner Ansicht im Moment nicht schaden.

Schauen wir uns nun einmal an, welche hier schon besprochenen deutsche Aktien heute Nachmittag stärker als der breite Markt ansprangen. Denn das ist in so Korrekturen immer ein gutes Indiz für die Titel, die später beim Wiederanstieg die stärkste Bewegung haben werden. Aixtron (WKN A0WMPJ) war dabei, ebenso Salzgitter (620200), Rheinmetall (WKN 703000), Krones (WKN 633500) und ST Microelectronics (WKN 893438). Des weiteren Wacker Chemie (WKN WCH888) und Stada (WKN 725180). Bei einigen Titeln wie Salzgitter, ST Micro oder Wacker ist das kein Zeichen relativer Stärke, sondern nur das Abbild vorheriger brutaler Schwäche. Es zeigt aber, das diese Titel nun scheinbar auf Niveaus notieren, bei denen wieder deutliches Kaufinteresse in den Markt kommt.

Achja und etwas Verstörendes ist mir heute aufgefallen, das erneut zeigt, wie traurig es um die Aktienkultur in Deutschland bestellt ist.

Bei habe ich heute Nachmittag gesehen, welcher Artikel die höchste Klick-Zahl hatte. Es war, man glaubt es kaum:
"Q-Cells Kaufempfehlung" mit 4000 Lesern. Zum Vergleich, wenn man Artikel über hoch interessante Weltkonzerne mit tollem Geschäftsmodell einstellt, die über die bekannten Commerzbank & Co. hinaus gehen, bekommen solche Artikel Klickzahlen von ein paar Hundert, wenn es hoch kommt.

Natürlich weiss ich auch, dass nicht jeder der klickt auch gleich bei Q-Cells mitzockt. Ich habe ja auch geklickt, weil ich "was soll das denn ?" gedacht habe. So wird es sicher auch anderen gegangen sein. Aber 4000 versus wenige 100 zeigt trotzdem, wo der Schwerpunkt der Interessen der "Anleger" liegt und das ist verstörend genug.

Denn es gibt in meinen Augen wohl kaum eine sinnlosere Aktie, als sich nun um die insolvente Q-Cells noch Gedanken zu machen. Und wer glaubt, er hätte beim fröhlichen Raten wie das Insolvenzverfahren weitergeht irgend einen Vorteil gegenüber den Insidern, der sollte in meinen Augen sowieso wegen erwiesener Selbstüberschätzung besser nicht an den Aktienmarkt gelassen werden - ausser natürlich er hat Kontakte in den Gläubigerausschuss oder zum Insolvenzverwalter, aber wer hat das schon ?

Statt auf Q-Cells zu wetten, wäre das Geld im Kasino wahrscheinlich sinnvoller aufgehoben. Denn im Kasino weiss man wenigstens, dass die Bank nur ca. 2% bekommt und das wars dann auch, der Rest ist Zufall. Bei Q-Cells ist man aber in den Fängen eines Verfahrens, das einen ohne Vorwarnung von rechts nach links werfen wird. Und wenn mal eine Nachricht kommt, haben alle Insider und Profis die schon lange im Kurs verarbeitet, lange bevor Otto Normalzocker da auch nur zucken kann.

Angst und Gier sind halt nach wie vor die entscheidenden Treiber an den Märkten und das wird sich wohl nie ändern. Insofern ist die Frage berechtigt, warum ich hier überhaupt so predige, wenn sich diese Form von naiver Gier nie ändern wird. Die Antwort ist, weil ich mit diesem Blog den Lesern dabei helfen will, ihre Gier auf Wetten zu richten, die eine weit höhere Erfolgswahrscheinlichkeit als ein Zock auf das Insovenzverfahren bei Q-Cells haben. Denn "Greed is good" um Gordon Gekko zu zitieren. Will man aber wie Gekko reich werden, sollte man besser wissen wo man seine Gier von der Leine lässt und wo nicht.

Statt auf Q-Cells zu wetten, nehme man eine beliebige Aktie die sich in einem starken Aufwärts-Trend befindet. Dann warte man auf eine Korrektur zum Trend und warte auf den Moment, an dem die Oszillatoren wie RSI & Co. ins negative Extrem kippen. Wenn man genau in dem Moment diese trendfolgende Long-Wette eingeht, hat man statistisch eine Erfolgschance von über 50%. Das ist auch keine Sicherheit, aber besser als zu raten. Im Kasino sind es nur 48%. Und bei Q-Cells vielleicht mit Glück 30%, wenn man kein Insider des Insolvenzverfahrens ist. Warum also 4000 Klicks auf diesen Artikel ?

Soweit mein Versuch, eine bestimmte Spezies von "Anlegern" vor sich selber zu schützen, es wird wohl nichts nützen, aber das musste ich trotzdem loswerden.

Vergessen Sie bitte nicht, dass am Ostermontag in Europa die meisten Börsen geschlossen, in Asien und Amerika der Handel aber überwiegend im vollen Gange ist. Am Ostermontag dürfte der US Markt dann auch die US Arbeitsmarktdaten von Karfreitag verarbeiten, so das DAX-Anleger am Dienstag so oder so vor vollendeten Tatsachen stehen dürften.

Hier auf surveybuilder.info.de werde ich Ihnen am Ostermontag zum Handelsschluss ein kurzes Marktupdate zur Verfügung stellen. Richtig weiter geht es dann ab kommenden Dienstag.

Ich wünsche Ihnen schöne Osterfeiertage !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 29.03.12 – Von Grufties und den alten Tagen

22 Uhr - Handelsschluss

Tja, aus der grossen Quartalsrally wird wohl nichts mehr. Ehrlich gesagt war ich schon etwas erstaunt, dass die Indizes sich nun schon vor dem Quartsalsende deutlich von 7000 im DAX bzw 1400 im S&P500 nach unten weg bewegt haben. Ich kann mir daher gut vorstellen, dass das am morgigen Freitag korrigiert wird und wir am Ende das Quartal doch oberhalb beider Marken abschliessen. Im S&P500 ist es schon heute Abend passiert. Es spricht einiges für einen guten Freitag zum Abschluss des ersten Quartals.

Wie schwierig es ist einen Wendepunkt sauber zu erkennen, zeigt uns auch unsere kleine Umfrage von Gestern wieder, die ich deswegen ganz bewusst so gemacht habe. Denn auch die Leser von surveybuilder.info.de können sich scheinbar im Moment nicht einigen, ob das kurzfristig nun eine Topbildung ist oder ob es weiter hoch geht.

Dabei scheint es doch so einfach zu sein, wenn man sich etwas zurück lehnt und sich das grosse Bild im Nachhinein dann anschaut. Wir sind seit Jahresanfang um 20% ohne jede nennenswerte Korrektur gestiegen. Sollte diese Korrektur jetzt vielleicht kommen, garantiere ich Ihnen, dass die Charts im Nachhinein so eindeutig aussehen, dass sich jeder (auch Sie) an den Kopf packen wird und sagen: "Verdammt, warum war ich so blöd da nicht einfach rauszugehen".

Was man daraus lernt ist, das man hinterher immer klüger ist, aber mitten im Gefechtslärm selbst relativ naheliegende Ausstiegsszenarien wie aktuell, alles andere als eindeutig sind. Deswegen ist Markt-Timing so schwierig und wer es machen will, muss konsequent und kalt rechnend mit Wahrscheinlichkeiten operieren. Wünsche und Hoffnungen haben in dem Spiel nichts verloren. Glauben Sie ja nicht, das die Situation bei der nächsten Wende überschaubarer sein wird.

Jetzt bin ich Ihnen im Nachgang der Umfrage aber noch schuldig, was ich angeklickt habe und wie ich Stand Heute 29.03.12 den Markt sehe.

Angeklickt habe ich die Distributionsphase, was bedeuten würde, dass die Zeiten des dauerhaften Anstiegs nun temporär vorbei sind. Hätte es die Auswahl "Seitwärtsbewegung" gegeben, wäre aber auch bei mir genau das die Wahl gewesen, versehen mit dem Zusatz "volatil".

Ich bin auf meinem Weg der Risikoreduktion nun schon weit fortgeschritten und befinde mich schon wieder weitgehend in meiner Komfortzone. Das bedeutet einen Grundstock an Longs, die ich nicht verkaufen will und mit denen ich mich auch in einer theoretischen Korrektur wohl fühle, ein paar Shorts und jede Menge Cash.

Ich rechne aber nicht damit, dass wir hier nun richtig zusammen brechen, ich rechne eher mit einer volatilen Seitwärtsbewegung im DAX, die uns bis 6600 oder maximal 6400 herab führen könnte, in der Regel aber zwischen 6600 und 7100 ablaufen sollte. Das dürfte sich dann wie eine Korrektur anfühlen, würde aber den langfristigen Aufwärtstrend nicht ernsthaft in Frage stellen.

Weiterhin wäre ich verwundert, wenn wir nun ab heute wie ein Strich einfach weiter fallen. Viel typischer und zur sich bildenden Schulter-Kopf-Schulter Formation im S&P500 passend wäre es nun, wenn der Markt noch einmal richtig nach oben zieht und wieder über die 7000 schaut. So werden die ersten Shorts frustriert, die Hoffnung kehrt zurück und dann geht es wieder abwärts. Das wäre wohl mal wieder der Weg des maximalen Schmerzes und den liebt der Sadist Mr. Market ja ganz besonders.

Insofern kann es gut sein, dass wir schon Morgen hochlaufen oder wenn das nicht kommen sollte, dann zum Monatsanfang April. Ich würde einem derartigen Anstieg aber aus heutiger Sicht skeptisch begleiten und würde in meinem Investmentdepot auch nur mässig auf die Bewegung aufspringen. Nur im Trading-Depot würde ich diese Bewegung sehr kurzfristig, dafür aber aggressiv mitspielen.

Bei allem aktuellen Gerede um eine Korrektur im April bitte ich aber nicht zu vergessen, das ich den Markt dieses Jahr sehr positiv sehe und Korrekturen in meinen Augen Kaufgelegenheiten sind ! Ich hatte eigentlich mal auf einen ruhigen Sommer gehofft, aber langsam bekomme ich den Eindruck, das wird dieses Jahr wieder nichts. Denn falls wir nun im April schon deutlich korrigieren sollten und jetzt durch volatiles Fahrwasser gehen, könnte der Markt im Sommer schon wieder nachhaltig hochschieben und da muss man dann dabei sein.

Was gibt es an alternativen Szenarien ? Nun, ich hatte ja eigentlich noch den letzten Schub nach oben auf der Rechnung, den Blowoff-Top sozusagen. Zum Quartalsende ist er nicht gekommen, es ist aber durchaus denkbar, dass er in den ersten zwei Wochen des Aprils doch noch kommt, bevor die Quartalsaison losgeht.

Obwohl ich einen derartigen Hub wohl nicht mehr so perfekt mitnehmen könnte wie die ersten drei Monate, weil ich nun schon leicht defensiv aufgestellt bin, würde ich diese Entwicklung sehr begrüssen. Denn erstens ist ein Plus immer noch ein Plus, auch wenn es etwas niedriger als im Idealfall ausfällt und zweitens würde dieser Schub dann einen wirklich sauberen Ausstieg ermöglichen, weit belastbarer als die aktuell eher undurchsichtige Situation. Ein Anstieg bis ca. 7500 im April wäre dann wohl auch die Garantie für einen entspannten Sommer, denn viel mehr dürfte im Markt nicht gehen, bevor dann der September kommt.

Nach diesen vielen Worten will ich die oben diskutierten Szenarien dann auch mal in konkrete Wahrscheinlichkeiten kleiden - so wie ich das im Moment "Pi mal Daumen" sehe:

Wahrscheinlichkeiten für den April und Mai 2012 aus meiner Sicht vom 29.03.12:

5% das wir richtig abkippen und die Krise wieder zurück kommt.
5% das wir weiter steigen und steigen und schon Ende Mai neue Höchststände im DAX oberhalb 8200 haben.
60% für eine gefühlte Korrektur, die aber in Wirklichkeit nur eine sehr volatile Seitwärtsbewegung oberhalb 6600 im DAX ist.
30% für einen letzten Anstieg Anfang April, der uns bis über 7200, vielleicht sogar bis 7500 bringt, wonach die Luft bis in den Sommer dann raus ist.

Nach diesen Wahrscheinlichkeiten habe ich mich nun konsequent positioniert. Defensiv, aber ohne Panik und mit der Bereitschaft weitere Anstiege schnell taktisch mitzunehmen.

So weit zum Markt, warten wir ab, ob der "Snapper" Morgen oder zum Quartalsanfang am Montag/Dienstag kommt, der uns wieder über 7000 führt. Sollte er gar nicht kommen, würde mich das ehrlich gesagt schon wundern.

Ach ja und einen Zeitschriften-Aufreger hatte ich heute wieder. Nach Focus-Money kam heute Börse-Online. Und während man beim Titelbild gestern ja über das Timing schmunzeln konnte, der Artikel selber für mich aber ganz in Ordnung war, habe ich mich heute richtig geärgert. Denn die Schlagzeile von Börse-Online lautete: "Dividenden-Könige - Sichern Sie sich die höchsten Renditen". Diese Schlagzeile ist für mich persönlich schon sehr grenzwertig, denn sie erzeugt beim unerfahrenen Anleger nach meiner Einschätzung wieder diesen völlig falschen Eindruck, als könnte bzw müsste man den Dividendenvorteil an genau einem Tag "mitnehmen".

Falls hier Anfänger mitlesen, sei deshalb noch einmal gesagt: wenn Sie wenige Tage vor einer Dividendenausschüttung kaufen um die Dividende "mitzunehmen", gewinnen Sie dadurch genau gar nichts ! Denn am Tag der Ausschüttung fällt der Kurs der Aktie genau um den Wert der Dividende. Überlagert wird das durch normale Kursbewegungen, so dass es nicht immer perfekt zu erkennen ist, aber so ist es ! Eine gute Aktie können Sie das ganze Jahr über kaufen, es gibt keinen wirklichen Vorteil das gerade jetzt kurz vor der Ausschüttung zu machen ! Und von der Dividende der Aktie rutscht defacto jeden Tag genau ein 1/365tel in Ihr Depot, ganz egal wann Sie kaufen !

Übrigens, falls sich jemand fragt, warum ich diese Blätter überhaupt lese, wenn ich mich so oft darüber ärgere ... Die Antwort ist: aus dem gleichen Grund, aus dem auf der Regierungsbank die Bild-Zeitung gelesen wird. Man muss halt wissen, was die anderen denken. Ich lese alles, wirklich fast alles im deutschsprachigen Raum, von Handelsblatt, über diese Magazine bis zur (sehr empfehlenswerten!) schweizerischen Finanz-und-Wirtschaft.

Unter den wenigen Aktien die heute in Deutschland ein Plus produzieren konnten, stach für mich Stada (WKN 725180) heraus, mit heute 4,5% Plus bei hohem Volumen. Auslöser war ein sehr guter Ausblick des Vorstands, der eine „klare Steigerung“ des Konzernumsatzes in Aussicht stellte. Stada befindet sich in einem perfekten Aufwärtstrend und ist mit einem KGV von um die 8 immer noch attraktiv bewertet. Allerdings rechne ich damit, dass der Kurs im Bereich um 25€ nun erst einmal eine Konsolidierung einlegt, bevor Chancen auf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends bestehen.

Ach ja, einen guten Witz habe ich zum Thema Einzelaktien noch für Sie: Heute haben die Kohlewerte einen "Swing-Low" hingelegt, heisst in einem schwachen Markt haben sie U-förmig ins Plus gedreht. Das stimmt wirklich, schauen Sie sich mal beispielhaft den verrückten Chart von Peabody Energy (WKN 675266) an. So etwas sieht man selten !

Die Frage lautet nun: Ist das die Wende ? 🙂 Sie lachen ? Das Lachen wird Ihnen noch vergehen 😉

Ansonsten war der Markt an den europäischen Börsen heute mal wieder querbeet schwach, alles wurde aus den Depots geworfen und es gab mal wieder keinen Platz an dem man sich so richtig verstecken konnte. So ist das halt mit Korrekturen in der Zeit der ETFs und Algos - alles fällt gleichzeitig - leider.

"Früher war halt alles besser (an der Börse)" - hat mein Opa ja auch schon immer gesagt und da ich in Kürze 50 werde, darf ich mir als echter "Gruftie" nun auch solche Plattheiten erlauben 😉

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Schlafen Sie gut !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 02.02.12 – Deutsche Börse, Klöckner, K+S

Heute mal etwas früher und mitten im Wallstreet-Handel, weil ich heute Abend etwas weniger Zeit zum Schreiben habe. Auf Kommentare kann ich aber reagieren.

Nachdem der DAX heute gegen die Logik der Oszillatoren bis über 6650 hoch geschoben ist, realisiert sich das Szenario (1) - der "Runaway-Move" - immer mehr. Beeindruckend ist auch, wie sich der Markt über der 6600 gehalten hat und nach einer kleinen Seitwärtskonsolidierung von 24 Stunden schon wieder nach oben läuft. Rein aus der Perspektive des DAX gibt es aus meiner Marktsicht nun keinen ernsthaften Widerstand mehr, der uns daran hindern könnte die 7000 anzusteuern.

So einfach wird das aber wohl nicht, denn die Hausse des DAX wird in hohem Masse von Geldern der Wallstreet angetrieben, die im Herbst 2011 abgezogen wurden und nun zurück fliessen. Und diese Gelder hängen schon davon ab, wie sich auch der Heimat-Markt der Investoren anfühlt. Sollte es da ein Problem geben, werden die Gelder auch schnell wieder repatriiert. In den US Indizes sieht es zwar auch gut aus, aber lange nicht so rosig wie im DAX. Denn da der S&P 500 im letzten Jahr viel besser gelaufen ist, ist nun das Potential nach oben auch nicht so ausgeprägt wie am deutschen Markt. Im S&P 500 gibt es mit 1333 noch die Höchststände vom 26.01.12 zu knacken und je länger der Markt das nicht schafft, desto grösser ist in meinen Augen die Wahrscheinlichkeit, dass es auch mal wieder deutlicher runter geht. Fällig wäre eine Korrektur ja schon lange. Und kurzfristig könnte es sogar sein, dass sich im S&P500 gerade eine kleine Schulter-Kopf-Schulter Formation bildet, Vorsicht ist also geboten und ich finde es nun durchaus wahrscheinlich, dass wir kurzfristig noch etwas abgeben.

Auf den DAX übertragen entsprechen die 1333 im S&P 500 wohl ungefähr 6680-6700, weswegen es nicht weit von den jetzigen Kursen um 6650 entweder zu einer Korrektur oder zu einem Ausbruch mit Beschleunigung des Anstiegsmomentums kommen könnte. Trotz einer nicht ganz so rosigen Markttechnik im S&P500 spricht aber auch in den US Indizes vieles für die Bullen, weswegen ich es nach wie vor für wenig vernünftig finde, sich ohne Anlass schon jetzt massiv gegen den Markt zu stellen. Ich erinnere daran, dass die klassischen Oszillatoren wie RSI, Stochastik etc in einem "Runaway-Move" temporär nutzlos werden und auch nicht mehr geeignet sind den Top zu indizieren, da sie sowieso am Maximum laufen - und das in so einem Szenario eben länger als sich die meisten vorstellen können.

Wer sich aber eng absichern will - was jede Menge Sinn macht, denn so eine Bewegung wie derzeit kann jederzeit ohne Vorwarnung abbrechen - hat jetzt in meinen Augen mit der Zone direkt unter 6600 im DAX einen ganz sinnvollen Bereich für einen Stop. Nicht zu nahe um einen kleinen Abtaucher unter 6600 auszuhalten, aber auch nicht zu weit weg. Das wäre aber nur ein kurzfristiger Stop, und sollte er gezogen werden, würde ich im Falle des Falles trotzdem aufmerksam sein um den Dreher nach oben dann nicht zu verpassen - wenn er dann kommt.

Heute bin ich übrigens wieder Aktionär der Deutschen Börse (WKN 581005) geworden. Ich hatte den Vorteil der Fusion mit der NYSE nie richtig gesehen und denke persönlich, dass der Vorteil vor allem ein "gefühlter" für den Chef der Deutschen Börse Reto Francioni war, der sich dann als "grosser Chairman" hätte sonnen können, während andere die Kärnerarbeit machen. Das dabei der Finanzplatz Frankfurt über kurz oder lang zum Appendix der Wallstreet verkommen wäre, ist für mich ausgemacht. Ein kluger Redakteur des Manager Magazins hat das alles schon vor genau einem Jahr voraus gesehen, weswegen ich Artikel noch einmal zur Lektüre empfehle. Und wer lesen will, wie seine schweizer Landsleute Francioni sehen, kann mal in Artikel der Schweizer "Bilanz" hinein schauen.

Genau deswegen habe ich jetzt aber wieder Hoffnung. Endlich kann sich das Management wieder auf das operative Geschäft konzentrieren und da sieht die Ausgangslage für Frankfurt doch ausgezeichnet aus. Die Deutsche Börse ist hoch profitabel, hat dank Francionis Vorgänger Werner Seifert ein tragfähiges Geschäftsmodell und könnte sich deshalb mit ein wenig Innovationskraft gut als *der* zentrale Finanzplatz für den Euro-Raum etablieren, zumal der Sitz der EZB in Frankfurt den Finanzplatz sowieso aufwertet. Man muss halt nur wollen und bereit sein, hart daran zu arbeiten. Aber während Werner Seifert der Deutschen Börse seinen Stempel aufgedrückt hatte, sehe ich persönlich die Deutsche Börse nun seit Jahren ohne für mich erkennbares strategisches Konzept vor sich hin treiben. Insofern hoffe ich nun auf Herrn Francionis Ablösung, der Markt würde das wohl goutieren und um die Zukunft des Finanzplatzes Frankfurt müsste einem dann nicht Bange sein.

Aber selbst wenn man alle diese Überlegungen beiseite lässt, hat man hier in meinen Augen eine cash-starke Aktie mit einer Dividendenrendite von über 5% und einen Chart, der jede Menge Potential nach oben bietet.

Klöckner (WKN KC0100) sendet heute mit über 4% Plus erstaunliche Lebenszeichen, einen direkten Grund dafür kann ich nicht erkennen. Ich denke, dass nun schlicht der negative Effekt aus den kürzlichen Aussagen von Gisbert Rühl ausläuft und sich der Gedanke wieder durchsetzt, dass die Aktie selbst bei weiter schwacher Stahlkonjunktur deutlich unter Buchwert notiert. Ich habe diesen Montag Klöckner bei 10,8€ nachgekauft wie -> hier <- ja dargestellt und sehe den Tag heute daher mit Wohlgefallen. Bei Salzgitter (WKN 620200) habe ich heute - wie gestern angekündigt - die erste Hälfte der Position bei 48€ abgebaut. Die zweite Hälfte lasse ich bis über die 50€ laufen oder bei 45€ ausstoppen.

Auch die US Gas und Kohle Aktien steigen heute massiv, es kann also sein, dass da ein Zusammenhang zu Klöckner existiert, gefunden habe ich ihn in der Kürze bisher nicht. Ein Auslöser könnte vielleicht Patriot Coal (WKN A0M5QB) sein, die heute Zahlen geliefert haben die zwar schlecht, aber offensichtlich nicht so schlecht wie vom Markt befürchtet waren. Patriot steigt aktuell fast 10%.

Auch Stada (WKN 725180) und Nordex (WKN A0D655) bestätigen die vor kurzem gegebenen Signale und laufen weiter mit 4% bzw 5% hoch. Bei beiden Titeln könnte es sein, dass noch Luft nach oben existiert. Bei Stada kann man in meinen Augen im Bereich nahe 25€ aber durchaus auch mal über Gewinnmitnahmen nachdenken.

Nach langer Durststrecke durch den warmen Winter und schlechten Zahlen von Mitbewerbern, sendet auch der Kurs von K+S (WKN KSAG88) mit über 3% Plus heute endlich wieder Lebenszeichen. Hier würde ich nun genau hinschauen, denn grundsätzlich ist das für mich ein in mehrfacher Hinsicht aussichtsreicher Titel mit einer aktuell attraktiven Börsenbewertung. Wenn die Bewegung sich bestätigt, sollte der Bereich um 45€ schnell erreichbar sein. Ich bin schon seit Dezember letzten Jahres Long K+S und habe nicht vor, das kurzfristig zu ändern.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Haris Märkte am Abend – 23.01.12

Zur allgemeinen Markteinschätzung, habe ich im Marktupdate heute Mittag -> hier <- alles in meinen Augen Notwendige gesagt. Eigentlich ist eine Korrektur nun überfällig und heute gab es auch erste Versuche in den US Indizes den Markt zu drehen. Aber solange der Markt so stark ist, sollte man das respektieren und sich nicht dagegen stellen. Seine Gewinne auf diesem Niveau erst einmal abzusichern, ist aber in meinen Augen eine gute Idee. Kurzfristiges Ziel ist nun der Bereich 1330-1340 im S&P500 bzw. 6500-6600 im DAX.

Die Aktie des Tages war heute erneut die Commerzbank (WKN 803200) mit einem zweistelligen Tages. Man sieht daran, was ich ->hier<- schon zur Commerzbank und ähnlichen Situationen gesagt hatte. Es ist gar nicht so entscheidend vorher auf die richtige Richtung zu wetten. Wichtiger ist schnell und konsequent aufzuspringen, wenn sich die Richtung etabliert hat. Wer bei der Commerzbank nach dem ersten Sprung auf über 1,6€ nicht gezögert hat, hat nun in den Folgetagen trotzdem grosse Gewinne mitnehmen können. Und das bei weit geringerem Risiko, weil man einen etablierten Trend kauft, statt vorher zu raten wie das Ergebnis aussieht.

Wie der Schweinezyklus und die schizoide Logik von Mr. Market funktioniert, kann man heute wunderbar am grossen US Gas Förderer Chesapeake Energy (WKN 885725) beobachten. Chesapeake gibt eine drastisch Reduktion der Gas-Produktion bekannt und als Folge steigt der Kurs 6%. Die extrem niedrigen Preise, bedingt durch Überkapazitäten und einen warmen Winter, sind also komplett im Kurs verarbeitet. Die Produktions-Reduktion - obwohl theoretisch eine schlechte Nachricht - wird also deshalb vom Markt sehr positiv gesehen, weil sie Hoffnung auf eine Ende des Preisverfalls macht.

Ähnliches kann auch bei den US Kohle Aktien nun jederzeit passieren, da deren Preisverfall auf ähnlichen Ursachen wie bei "Natural-Gas" beruht und Kohle als Energiequelle für Industrie und Versorger im Wettbewerb mit Gas steht. Passend dazu sind die US Kohle Aktien heute in Folge von Chesapeake auch, teilweise deutlich, im Plus. Patriot Coal (WKN A0M5QB) zum Beispiel mit 8% Plus, weil sie bisher am meisten unter dem niedrigen Kohlepreis gelitten haben.

Sehr gut sah heute auch der Generika-Hersteller Stada (WKN 725180) aus, der sich nun endgültig von der Zone um 20€ lösen konnte und in meinen Augen noch Luft nach oben hat. Auch die "alten Verdächtigen" Salzgitter (WKN 620200) und Rheinmetall (WKN 703000) sind heute wieder sehr stark und bestätigen erneut den hier schon mehrfach diskutierten Aufwärtstrend. Bei beiden Aktien war es richtig, die kleine Korrektur am Freitag sofort wieder zu kaufen. Trotz des etablierten Trends sollte man nun in meinen Augen Stops nachziehen und die Gewinne bei diesen Titeln sichern.

Bei Thyssen Krupp (WKN 750000) wäre ich dagegen vorsichtiger. In meinen Augen muss man den Stahlsektor nicht unbedingt über diese Aktie spielen, weil die Probleme doch substantiell sind und möglicherweise noch über Monate für schwierigen Newsflow sorgen. Auch wenn die Aktie recht billig aussieht, setze ich persönlich im Moment lieber auf Salzgitter, bis Thyssen Krupp sein Problem in Brasilien und den USA wirklich gelöst hat und klar wird, wie hoch die Rechnung ausfällt.

Zum Abschluss noch der erneute Hinweis auf die Iran Problematik, die Strasse von Hormus und den damit verbundenen Ölpreis. Die Sprache auf beiden Seiten radikalisiert sich nun deutlich. Gleichzeitig nehmen die Märkte das Thema aber noch auf die leichte Schulter, bis auf Stärke des Ölpreises ist noch nicht viel zu merken. Ich vermute das liegt an einem allgemeinen Konsens der ungefähr lautet "ist ja sowieso nur Säbelrasseln, die werden sich doch nicht ins eigene Bein schiessen und einen Krieg anfangen".

Ein derartiger Konsens ist aber riskant, denn wenn es doch zu kriegerischen Handlungen kommt, hat das an den Märkten ganz erhebliches Überraschungs- und Korrekturpotential ! Und auch wenn ich ebenso wie die Mehrheit die "Säbbelrassel-Theorie" durchaus für wahrscheinlich halte, bin ich doch nicht so fest davon überzeugt, dass ich das Thema einfach ad acta legen könnte. Denn Rationalität ist nicht bei allen Beteiligten ausreichend vertreten und der innenpolitisch motivierte Drang zur "glorreichen Schlacht" durchaus vorhanden. Wenn eine Krise mal so weit eskaliert ist, braucht es gar keinen formalen Kriegsbeschluss der gesamten Regierung mehr, sondern es reicht das Zündeln radikaler Gruppen und schon sind die Jäger und Bomber in der Luft und die Märkte am nächsten Morgen wohl zweistellig im Minus.

Und Ölwerte wie Statoil (WKN 675213) oder Suncor (WKN A0NJU2), die ihre Vorkommen ausserhalb des Nahen Osten haben, wären dann wohl deutlich im Plus und zusammen mit ausgewählten Rüstungsaktien wohl die wenigen grünen Lichtblicke in einer ansonsten tiefroten Kurstafel !

Ich wünsche Ihnen trotzdem einen schönen Abend ! Hoffen wir, dass Vernunft und Rationalität die Oberhand behält.