Procter & Gamble und Johnson & Johnson – Das Ende der Dividende als Anleihen-Ersatz?

Ich weiss nicht, ob Ihnen aufgefallen ist, dass im Rahmen der Sektor-Umschichtungen nach der Wahl Trumps, kleine Nebenwerte, die im Russell 2000 Index zusammen gefasst sind, massiv haussiert haben - wie hier zum Beispiel im ETF IWM zu sehen, der den Russell 2000 abbildet:
(All Charts from )

iwm-21-11-16

Gleichzeitig haben aber einige klassische Dividendentitel und grosse Bluechips, teilweise deutlich korrigiert - ausser sie gehörten zu Sektoren wie dem Industrie-Sektor, die von Trumps absehbarem Infrastruktur-Programm profitieren werden.

Diese Bewegung, hat übrigens schon vor Trumps Wahl begonnen, sie wurde durch seine Wahl nur beschleunigt bzw wieder neu in Gang gesetzt. Hier sind zwei Beispiele solcher Korrekturen von gross kapitalisierten Dividenden-Bluechips:

Procter & Gamble (PG):

pg-21-11-16

Johnson & Johnson (JNJ):

jnj-21-11-16

Damit stellt sich die Frage, was sich hinter dieser Schwäche verbirgt und die Antwort ist recht einfach:

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Aktien sind Teufelszeug und die Börse ist eine Zockerbude!

Dieser Artikel richtet sich an alle, die normalerweise *nicht* auf surveybuilder.info landen würden. Nämlich an alle, die Aktien für "Teufelszeug" halten und die Börse für eine einzige "Zockerbude".

Deshalb auch dieser Titel, vielleicht konnte ich Sie ja über eine Suchmaschine hier her "locken", weil Sie Ihr Anlage-Mantra eingegeben haben und Gleichgesinnte suchen. Dann wartet nun eine Überraschung auf Sie. 😀

Wenn nicht und wenn Sie schon an Aktien interessiert sind, werden Sie nun wenig Neues lesen, aber schaden kann es bestimmt auch nicht, das dann noch einmal zu lesen. Zumal ich auch 20 konkrete Aktien nenne. 😉

Denn ich bedauere Ihnen sagen zu müssen, Ihre Haltung, die Aktien als "Teufelszeug" und die Börse als "Zockerbude" betrachtet, schadet einer Person ganz massiv: Ihnen! Und Ihrem Vermögen!

Man muss sich doch fragen, worauf Sie noch warten wollen. Schauen wir doch mal, wie es um die Geldanlage derzeit wirklich aussieht, Notenbanken und Politik sei Dank:

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Allianz Aktie – Wohin geht die Reise?

Der folgende Beitrag erschien schon Mittwoch 06.05.15 12:30 in Hari Live

Die Allianz hat heute überraschend gute Zahlen geliefert und der bisherige

Da lohnt sich doch mal wieder ein Blick auf das Chart zu werfen, um zu schauen, was das zur Lage sagt. Dieses zumal die Allianz-Aktie ja über Monate zu meinen Favoriten gehörte und ich auch den Einbruch durch den Abgang von Gross bei Pimco, für übertrieben gehalten habe. Im Nachhinein war das ja auch eine geniale Kaufgelegenheit:

Allianz 06.05.15

Was wir sehen, ist erst einmal ein Chart, das danach schreit, dass es nun von 150€ erst einmal wieder hoch geht. Zu klar ist die Unterstützung und zu überverkauft die Lage. Die guten Zahlen sind nun ein Katalysator, der eine Wendeformation in Gang setzen sollte.

Berücksichtigen Sie aber bei der Betrachtung bitte den morgigen, massiven Dividendenabschlag, der dieses Chart-Bild optisch zerstören wird, ohne dass dem Einbruch ein wirklicher Vermögensverlust gegenüber steht. Nehmen Sie also bitte nicht 150€ als Stop. 😉

Nur wohin geht die Reise, nach dem dieser initiale Schub nach den Zahlen dann ausgelaufen ist? Dabei bin ich nun erst einmal latent skeptisch und kann mir einen Verlauf wie eingezeichnet gut vorstellen, der aber natürlich nur ein Szenario unter vielen ist.

Zwei Faktoren sind dabei dominant:

Erstens wäre die Allianz wohl eine der Hauptleidtragenden, falls sich der beginnende Anstieg der Renditen der Staatsanleihen weiter fortsetzt. Die Allianz ist durch regulatorische Anforderungen, wie andere europäische Versicherer, bis zur Halskrause mit Staatsanleihen voll geladen. Bis letzten Monat konnten diese Anleihen durch die sinkenden Zinsen Buchgewinne erzielen, nur was passiert in der Gegenrichtung? Und wie sind diese Buchgewinne bilanziert?

Denn die Interessen der Lebensversicherungskunden und der Aktionäre der Allianz sind nicht gleich gerichtet. Die extrem gefallenen Renditen sind gefährlich für die bestehenden Lebensversicherungsverträge, deren dauerhafte Tragfähigkeit in Frage gestellt werden könnte, wenn die Nullzinsphase lange andauern sollte. Für die Bewertung der riesigen Bestände an Staatsanleihen bei den Versicherern aber, waren die fallenden Renditen aber kurzfristig erst einmal positiv und das tat den Aktionären gut.

Langfristig werfen die Niedrigzinsen aber auch für die Aktionäre Fragen auf, denn wenn der temporäre Effekt der Buchgewinne ausgelaufen ist bleibt die Frage, wo denn die Erträge her kommen sollen. Das bei wieder steigenden Anleihen-Renditen auf die Versicherungskonzerne aber bilanzielle Fragezeichen zukommen, die die Börsen dann nicht kalt lassen werden, erscheint mir zumindest wahrscheinlich.

Aber auch ein zweiter Faktor ist am Werk und dass ist die Tatsache, dass der langjährige Chef Michael Diekmann nun seinen Abschied genommen hat und natürlich mit einer guten Zahlenbilanz. Es ist eine reine Vermutung meinerseits, aber es wäre nicht der erste Fall, bei dem zu so einer Abschlussbilanz dann allerlei "optimiert" wird, um das Bild zum Abschluss besonders gut aussehen zu lassen. Natürlich nur im legalen Gestaltungsrahmen, der ist aber im Bereich IFRS erheblich und gibt grossen Spielraum. Lesen Sie im Zweifel -> hier <-.

Und neue Chefs machen - wenn sie klug sind - dann am Anfang sowieso erst einmal ein bilanzielles "Grossreinemachen", weil sie bei den ersten Quartalen dafür noch nicht in persönliche Haftung genommen werden.

Beide Faktoren zusammen gemahnen in meinen Augen zur Vorsicht und das Risiko ist daher für mich da, dass wir am 13.04. bei 170€ bei der Allianz ein zumindest mittelfristiges Hoch gesehen haben.

Deswegen muss man nun nicht ins andere Extrem kippen und die Allianz zu einem Short erklären, dafür sehe ich keine Grundlage. Aber für mich ist die Allianz nun also kein zwingender Favorit mehr, sondern ich rechne eher damit, dass die Aktie dem Markt in den kommenden Monaten vielleicht sogar hinter hinken wird.

Wer in der Aktie drin ist, sollte den absehbaren Anstieg nach den guten Zahlen, nun also vielleicht kritisch beobachten.

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Betrachtung zu Anleihen: Sind die guten Zeiten vorbei ? (Teil 1)

Ein Gastkommentar von Tokay

Der berühmte Anleihen-Guru Bill Gross publizierte kürzlich im Wall Street Journal einen Artikel mit dem Titel „Are The Good Times Over ?“. Er beantwortete die im Titel gestellte Frage dahingehend, dass das Jahr 2015 für Anleiheninvestoren wohl mit einem Minuszeichen enden werde. Man liest darüber hinaus jedoch auch immer wieder Artikel, in denen die grosse Zinswende beschworen wird, da sich eine Blase am Anleihenmarkt gebildet hätte und Anleihen somit maßlos überteuert wären. Entsprechen solche Vorstellungen der Realität? Sind Anleihen tatsächlich überteuert ? Und woran könnte man das festmachen ?

Man kann sich dazu ja einmal ein paar Bezugspunkte anschauen. Der erste Bezugspunkt ist die Aktienentwicklung. Wenn man sich grundsätzlich die Frage stellt, investiert man in Anleihen oder in Aktien, liegt ein solcher Bezugspunkt nahe. Glücklicherweise haben wir in Deutschland mit dem DAX- und mit dem REX-Performanceindex eine direkte Vergleichsmöglichkeit. Während der DAX Kurse und Dividendenzahlungen der dreißig größten deutschen Aktien mißt, erfaßt der deutsche Rentenindex REX ebenfalls dreißig Titel. Und zwar für den Anleihenmarkt charakteristische Staatsanleihen unterschiedlicher Laufzeit. Gemessen werden Zinscoupon Kursgewinn oder -verlust, und dies bereits seit 1967. Da es auch für den DAX bzw. dessen Vorläufer zurückberechnete Indexwerte gibt(seit 1959), ist ein direkter Vergleich ab 1967 möglich.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden Indizes liegt darin, daß den DAX-Unternehmen Dividendenausschüttungen aus den Jahresgewinnen zugrundeliegen, die Zinscouponzahlungen für Staatsanleihen sich hingegen nach der allgemeinen Situation auf dem Kapitalmarkt bemessen. Der Zinscoupon schwankt weitaus weniger stark als die Jahresdividende, obschon solide Unternehmen normalerweise sehr bestrebt sind, eine möglichst gleichmäßige Dividende zu bezahlen. Doch hängt die Entwicklung des DAX nicht nur von den Unternehmensgewinnen ab, sondern ebenfalls von den Marktzinsen. Mit denen werden die Gewinne abdiskontiert. Damit ist der DAX von vornherein viel größeren Schwankungen unterworfen als der REX - dies umso mehr, als die DAX-Entwicklung maßgeblich von den Erwartungen(oder auch von den Erwartungen über die Erwartungen ;-)) der Marktteilnehmer abhängt und nicht so sehr von tatsächlichen Couponzahlungen.

Betrachten wir einmal die Entwicklung des DAX und des REX seit Anfang 1967:

REX vs DAX 1967-2014

Diese Zahlen sind beeindruckend. Und zwar beeindruckend insofern, als der REX mit einem annualisierten Wertzuwachs von 6,8 Prozent nur unwesentlich schwächer abschnitt als der DAX, welcher einen jährlichen Zuwachs von 7,3 Prozent zu verzeichnen hatte. Und das bei einem weitaus geringeren Risiko! Es waren tatsächlich gute Zeiten für Anleiheninvestoren, wenn diese bei vergleichsweise sehr geringem Risiko beinahe soviel an Wertzuwachs erzielten wie Aktieninvestoren. Das wäre jedenfalls dann so gewesen, wenn man das jeweilige Marktportfolio angepasst und auf dick und dünn durchgehalten hätte, auch wenn das sicherlich eine etwas idealisierte Annahme ist.

Zugleich zeigt der Vergleich zwischen DAX und REX an, wann Aktien gemessen an Anleihen billig oder teuer waren. Ende der Sechziger Jahre waren Aktien gemessen an Anleihen teuer; Anfang der Achtziger Jahre waren sie sehr billig. Anfang 2000 und 2007 waren sie wieder teuer, Anfang 2003 und 2009 wieder billig. Im Moment scheint man wieder „auf Normal“ angekommen zu sein. Aktien sind nicht mehr billig, Anleihen sind es allerdings noch weniger. Die großen Schwankungen am Aktienmarkt können auch so interpretiert werden, dass die Bewertungsunterschiede durch den Abfluß von Anlagemitteln aus Aktien in Anleihen und umgekehrt sukzessive abgebaut werden.

Der zweite Bezugspunkt ist die Performance des REX in Verbindung mit der allgemeinen Kapitalmarktentwicklung. Ein hoher Kapitalmarktzins ist für Anleihenbesitzer etwas sehr angenehmes, da ein hoher Zinscoupon vereinnahmt wird, Noch angenehmer ist ein Kapitalmarktzins, der von hohem Niveau aus sinkt, denn dann kann neben einem hohen Coupn auch noch ein Kursgewinn kassiert werden, was die Gesamtperformance anhebt. Das Gegenteil ist natürlich bei tiefen Kapitalmarktzinsen der Fall, wie wir sie derzeit haben. Allerdings haben wir in 2014 gesehen, dass ein tiefer Marktzins jene Lügen strafen kann, die glauben, daß ein bereits sehr niedriger Marktzins nicht mehr weiter fallen könne. Aber in 2014 ist genau das passiert.

Wir haben im vergangenen Jahr die Performance des US-Aktienmarktes nach dem sogenannten Shiller-CAPE untersucht. Machen wir einmal bei Anleihen etwas ähnliches und schauen uns einmal die Einjahresperformance des REX in Abhängigkeit von der Entwicklung des Anleihen-KGV's, also des Kehrwertes der Umlaufrendite für 10-jährige Anleihen an:

REX-Performance 1 Jahr in Abh v Kurs-Rendite-Verh

Wir sehen hier, daß die Performance des REX anhand des Anleihen-KGV's bzw. der Umlaufrendite praktisch nicht prognostiziert werden kann. Die Korrelation zwischen der Jahresperformance des REX und dem Anleihen-KGV liegt nahezu bei Null. Der Jahresertrag des REX hängt nicht nur von der Zinshöhe ab, sondern auch von der Veränderung des Zinsniveaus. Das Zinsniveau wiederum hängt von verschiedenen makroökonomischen Größen ab, wozu in Teil 2 etwas gesagt werden wird. Doch ist die Natur dieser makroökonomischen Größen so beschaffen, daß auf kurze Sicht genau wie bei den Aktien keine gehaltvolle Prognose möglich ist. Auch gibt es seit Beginn der monetären Expansion nicht genügend Beobachtungspunkte, die sich in die Entwicklung der Vergangenheit einreihen.In jedem Fall kann auf Jahressicht nicht von einem bestimmten Anleihen-KGV aus auf eine bestimmte jährliche Anleihenperformance geschlossen werden. Bezüglich der Jahresprognosen von Banken sollte man daher auch bei Anleihen sehr vorsichtig sein, und ebenso bei den Prognosen von Bill Gross.

Deutlich besser sieht es hingegen für die lange Frist aus:

REX-Performance 10 Jahre  in Abh v Kurs-Rendite-Verh

Die langfristige Performance des REX kann langfristig überwiegend durch das Anleihen-KGV erklärt werden. Eine gute Anleihenperformance war in den meisten Fällen mit einer relativ hohen Anleihenrendite und damit einem tiefen Anleihen-KGV verbunden und umgekehrt. Zu keinem Zeitpunkt allerdings hat es so etwas wie eine „Anleihen-Blase“ gegeben. Das liegt ganz einfach daran, dass qualitativ erstklassige Anleihen – und um solche handelt es sich bei den Komponenten des REX - im allgemeinen zu 100 Prozent zurückgezahlt werden. Gewisse Kuchwankungen sind zwar möglich, insbesondere bei Anleihen mit längerer Laufzeit, aber die Kuchwankungen werden sich normalerweise in Grenzen halten. Auf lange Sicht sollte es daher in aller Regel bei deutschen Anleihen einen positiven Jahresertrag geben oder doch zumindest keine nominalen Verluste.

Somit kommen wir bei Anleihen erstaunlicherweise zum gleichen Ergebnis wie bei der Analyse der Aktienperformance anhand des Shiller-CAPE. Die Anleihenbewertung gemessen an der Umlaufrendite ist kurzfristig für die Prognose der Wertentwicklung vollständig ungeeignet. Auf lange Sicht kann die Anleihenperformance jedoch überwiegend anhand der aktuellen Bewertung erklärt werden. Und zwar je länger, desto besser.

Hat Anleihe-Guru Gross also recht oder unrecht? Nun, für Amerika könnte er recht haben, bei Europa ist es nicht so ganz eindeutig. Und ob er auf lange Sicht recht hat, hängt von den langfristigen Einflußfaktoren des Kapitalmarktzinses ab. Um die geht es in Teil 2.

Tokay

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Prokon, die Bundesregierung und warum Risiko gut ist !

Heute muss ich in der Frühe mal wieder einen persönlichen Kommentar zu einem finanzpolitischen Thema los werden. Denn was ich heute in den Medien lese und laut Medien wohl vom neuerdings SPD geführten Justizministerium ausgehen soll, lässt meine Zornesader schwellen:

Jetzt riecht das natürlich auch wieder nach so einer typisch politischen Reaktion, wie sie nach medialer Aufmerksamkeit heischend, auch oft nach publikumswirksamen Gewalttaten kommt. Dann wird gerne von erhöhten Strafen schwadroniert und sobald das Thema von den Schlagzeilen verschwunden ist, kümmert sich keiner mehr so richtig darum.

Hier lese ich persönlich aber aus der politischen Absicht auch eine Geisteshaltung heraus, die ungefähr so lautet: Risiko ist schlecht und muss verboten werden ! Der Bürger muss vor sich selber geschützt werden ! Der liebe Staat weiss schon, was gut für Dich Bürger ist !

Die Gängelung und Bevormundung des Bürgers, tritt für mich damit in eine völlig neue Dimension. Eine Dimension, die wir mündige Bürger nach meiner Ansicht zum Wohle unseres Gemeinwesens nicht mehr so einfach hinnehmen dürfen.

Denn die Wahrheit ist: Risiko ist gut ! Unser Fortschritt, unsere Wirtschaft und damit auch die von Steuereinnahmen finanzierten Gehälter, die diese Damen und Herren in den Ministerien jeden Monat auf ihrem Konto haben, sind das Resultat davon, dass Menschen in der Vergangenheit ins Risiko gegangen sind und geforscht, gegründet und investiert haben !

Alle grossen Erfindungen, jedes neues Medikament, jeder Fortschritt, musste erst einmal finanziert werden. Denn vorher ist es ja noch nicht da. Und um etwas zu finanzieren, braucht es Geldgeber, die ins Risiko gehen. Und die dann - wenn es ein Erfolg wird - zu Recht grosse Gewinne einstreichen können. Und wenn es scheitert, ihre Investition abschreiben müssen. Das nennt man Wirtschaft und Fortschritt !

Wenn Elon Musk vor dem Börsengang von Tesla Motors, im Rahmen einer Beteiligungsgesellschaft mit "Genussrechten" um private Geldgeber geworben hätte, wäre das ohne jede Frage ein hoch riskantes Investment gewesen, das auch hätte schief gehen können. Denn erst hinterher ist man klüger !

Nach der Logik, nach der riskante Finanzprodukte für private Anleger zu verbieten sind, hätte dann aber keine deutsche Privatperson bei Tesla Motors investieren dürfen. Weil das liebe Justizministerium und/oder die Bafin "weiss" ja, dass das riskant ist. Ich lache mich tot ! Mit Verlaub, der ganze Gedankengang ist absurd. Und wenn er wirklich ernst gemeint sein sollte und nicht nur von der Süddeutschen verdreht oder übertrieben dargestellt wurde, müsste man sich ernsthaft die Frage stellen, ob man im Angesicht solcher Verantwortlichen, nicht schnellstens aus diesem Land auswandern sollte.

Richtig ist am Finanzmarkt etwas ganz anderes. Die Verbraucher sind nicht vor Risiko zu schützen, sie sind vor Betrug zu schützen ! Denn Risiko hat seinen Preis und das ist gut so. Wer ein sehr riskantes Investment anbietet, muss für den Erfolgsfall eine viel höhere Rendite anbieten, als jemand mit einer vergleichsweise sicheren Anlageform.

Andernfalls wird er keine Geldgeber finden, ausser die "Dummen", denen man sowieso alles andrehen kann, wenn man es nur lecker genug mit einer Schleife verpackt. Will das Justizministerium jetzt auch Dummheit und mangelnde Bildung verbieten ? Ich meine, ich fände es ja toll, wenn beides vom Erdboden verschwinden würde, aber mit einem Verbot erreicht man das nicht, sondern nur mit dem, worin der Staat aktuell versagt: den jungen Bürgern schon in der Schule wirtschaftliche und finanzielle Grundbildung zu vermitteln !

Die entscheidende Frage ist also nicht, wie riskant eine Anlage ist, sondern ob diese Risiken angemessen und vollständig dargestellt wurden. Und wenn das mit Vorsatz nicht passiert, dann darf man das Wort "Betrug" in den Mund nehmen und davor ist der Bürger tatsächlich zu schützen, nicht aber vor Risiko !

Nur blöderweise gibt es die Gesetze alle schon, die Betrug bei Finanzanlagen unter Strafe stellen und es gibt mehr als genügend Formulare und Regularien, daran mangelt es Deutschland nicht. Darauf zu verweisen, würde aber natürlich keine schöne Schlagzeile in der Süddeutschen generieren. Sicher gibt es in Details Verbesserungsbedarf bei den regulatorischen Anforderungen an solche Beteiligungen, das ist aber immer so und keine Schlagzeile wert.

Woran es aber im Lande in Finanzdingen wirklich strukturell mangelt, ist finanzielle Eigenverantwortung und finanzielle Bildung ! Da steht der Staat in einer Verantwortung in Schulen und sonstigen Bildungseinrichtungen. Denn wer glaubt, man bekäme im aktuellen Finanzumfeld irgendwo ohne jedes Risiko 6, 7 oder sogar 8% Rendite, die sich dann auch noch "gut" und "nachhaltig" anfühlt, ist mit Verlaub ziemlich naiv. Aber das ist ja kein Problem - unser liebes, uns an seine erstickende Mutterbrust drückende Justizministerium - verbietet dann auch Naivität. Wer hier Sarkasmus findet, ist auf dem richtigen Dampfer !

Spannend würde auf jeden Fall zu beobachten sein, welche Finanzprodukte, die in dem Fall nicht zu beneidende Bafin, dann als "zu riskant" für normale Bürger vom Markt nehmen müsste. Fangen wir - mit leichtem Augenzwinkern - doch mal mit drei Kandidaten an:

- Aktien der Commerzbank ? Ich meine "riskant" waren sie, oder ? 😉

- Oder vielleicht eine Beteiligung an Solarworld. Auch die war offensichtlich riskant, oder ? 😉

- Staatsanleihen ? Insbesondere für Mittelmeer-Anrainerstaaten der Eurozone ? Nein, das kann nicht sein, die sind ja total sicher. Oder doch nicht ? Nach welchem Kriterium eigentlich ? 😉

Soll ich weitermachen ? Was glauben Sie, was bei der Prüfung der obigen Anlagen vor Jahren heraus gekommen wäre, wenn die arme Bafin hier hätte prüfen müssen, ob das Finanzprodukt zu riskant ist ?

Ich denke, ich habe meinen Punkt gemacht. Erstaunlich ist nur, dass man so etwas überhaupt schreiben muss und das nicht selbstverständlich ist.

Abschliessen will ich meine Wutrede daher versöhnlich. Denn glücklicherweise gibt es da draussen auch noch Verantwortliche mit Verstand. Und deshalb zitiere ich hier aus dem oben verlinkten Artikel der Süddeutschen, stellvertretend die Präsidentin der Bafin Elke König:

"Jeder Anleger müsse bedenken, dass es einen Zusammenhang zwischen der versprochenen Rendite und dem Ausfallrisiko eines Wertpapiers gebe und dass die Anbieter auf den Finanzmärkten keine Wohltäter seien. Man sollte nur in Produkte investieren, die man versteht, und eine gesunde Skepsis an den Tag legen"

Danke ! Da habe ich überhaupt keinen Widerspruch. So ist es.

Risiko ist gut ! Es muss nur gegenüber dem Anleger angemessen, vollständig und wahrheitsgerecht dargestellt werden, damit dieser eine mündige Entscheidung treffen kann.

Das war aber schon immer so und ist nichts Neues und schon lange gesetzlich verankert.

Und um zum konkreten Fall Prokon zu kommen, hat es an Warnungen und kritischen Kommentaren zum Geschäftsmodell ja nun wirklich nicht gemangelt. Wer sich über diese hinweg gesetzt hat, hat eine eigenverantwortliche Entscheidung getroffen und ist ins Risiko gegangen. Nun muss dieser Anleger die Konsequenzen tragen. Hätte die Anlage zu riesigen Gewinnen geführt, hätte der Anleger diese ja auch alleine vereinnahmen wollen.

Ihr Hari

PS: Sehr passend zum dem Themenkomplex, will ich auch an meinen älteren Artikel -> Die Legende von der bösen Spekulation <- erinnern.

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Wende am Bondmarkt – oder die Angst der FED

Ich habe die potentielle Wende am Bondmarkt hier ja zuletzt immer wieder thematisiert. So zum Beispiel mit -> diesen <- Charts vom 15.07. diesen Sommer.

Nun scheint die Entwicklung weiter zu eskalieren, die Bondrenditen in den US steigen weiter und das trotz der Tatsache, dass die FED weiterhin pro Monat 85 Milliarden für Aufkäufe verwendet.

Man kann langsam den Eindruck gewinnen, dass der FED die Kontrolle der Bondmärkte entgleitet und das hätte für die Märkte weltweit erhebliche und zum Teil dramatische Konsequenzen.

Machen Sie sich bitte klar, dass die allermeisten Staaten der westlichen Welt - Deutschland eingeschlossen - strukturell gar nicht mehr in der Lage sind Zinsniveaus wie Anfang der 90er Jahre auszuhalten. Zu stark sind die Schulden seit dem angeschwollen.

Machen Sie sich bitte auch klar, dass höhere Renditen bei Staatsanleihen früher oder später auch in die anderen Kreditmärkte diffundieren und damit auch Kredite für Bürger und Unternehmen verteuern. Ist doch auch ganz klar, warum soll den ein Kreditgeber einem Bürger ein Darlehen für X Prozent gewähren, wenn er gleichzeitig zum identischen Zinssatz einem Staat das Geld leihen könnte. Steigende Zinsen sind also bestimmt keine Unterstützung für das gerade in den US nun zart und langsam wachsende Pflänzchen eines Aufschwungs.

Deshalb bin ich sicher, dass Charts wie die beiden, die ich Ihnen nun zeige, bei der FED aktuell grosse Sorge hervor rufen, auch wenn man sich nach aussen gelassen gibt. Und es könnte deshalb sein, dass es auch nicht mehr lange dauern wird, bis die Notenbanken erneut "zucken" und die FED wahrscheinlich einfach die Dosis der bekannten Medizin für den kranken Patienten erhöht - noch mehr Stimulus eben. Das Thema Tapering könnte so schnell wieder von der Agenda verschwinden.

Was passiert aber, wenn man bei einem Patienten, bei dem die ursprüngliche Medizin nicht wirklich zur Genesung geführt hat, einfach die Dosis weiter erhöht ? Wird eine höhere Dosis nun dazu führen, dass endlich "alles gut" wird ? Wohl kaum.

Mit den möglichen Folgen für die Märkte und wie man davon profitieren kann, beschäftigen wir uns täglich im Premium-Bereich. Hier zeige ich Ihnen nur zwei der eindrucksvollen Charts.

Zunächst den ETF TLT der langlaufenden US Staatsanleihen mit Wochenkerzen seit 2009. Man sieht, wie es Ben Bernanke im Juli trotz all seiner Reden als "Taube" nicht gelungen ist, die Lage zu stabilisieren. Der Abverkauf geht weiter und die Renditen steigen weiter.

Dann das ebenso "gruselige" Chart des ETF LQD mit Wochenkerzen seit 2009. Im LQD sind liquide Unternehmensanleihen grosser US Bluechips mit Investment Grade enthalten. Man sieht wie die Entwicklung am Corporate Bondmarkt den Staatsanleihen etwas nachläuft, die Richtung ist aber ebenso eindeutig wie erschreckend.

TLT 20.08.13

LQD 20.08.13

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Charts des Sommers – Zeitenwende am Bondmarkt ?

Von privaten Anlegern wird dem Bondmarkt viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, obwohl ja eine direkte Beziehung zu den Aktienmärkten existiert, denn ein Investitions-Euro oder Dollar kann ja nur einmal ausgegeben werden.

Jahrelang musste man auch nicht besonders auf den Bondmarkt schauen, denn der hatte nur eine Richtung: Dank der Notenbanken fielen die Renditen und die Kurse stiegen.

Nun aber könnte seit Anfang 2013 eine bedeutende Zeitenwende am Bondmarkt im Gange zu sein. Und das trotz der Notenbanken, die nach wie vor dagegen halten. Man kann dazu diverse Charts zeigen, ich möchte Sie hier aber überhaupt einmal auf die Geschehnisse aufmerksam machen und dafür sensibilisieren.

Mit dem heutigen Tag beginnt damit hier auf surveybuilder.info.de auch eine Serie der "Charts des Sommers", in denen ich Sie ohne viele Worte auf bestimmte, wichtige Entwicklungen aufmerksam machen möchte. Entwicklungen die unter der Dauerberieselung mit Spekulationen zu Commerzbank, Solarworld und Co. leider medial viel zu kurz kommen, obwohl sie eine viele höhere Bedeutung für uns alle haben.

Der erste Chart zeigt in Tagessicht den ETF iShares Euro High Yield Corporate Bond (WKN A1C8QT) seit 2010. Darin sind Unternehmensanleihen von Unternehmen unterhalb des "Investmentgrade" enthalten, also von so "Erfolgsunternehmen" wie Commerzbank, Thyssenkrupp, RBS oder Fiat. Siehe .

Der Chart spricht für sich selbst:

EUNW A1C8QT 15.07.13

Und nun das umgedrehte Bild. Sie sehen einen der wenigen in Deutschland verfügbaren Short-ETFs auf Staatsanleihen, hier den ETF db X-Trackers Short Sovereigns Eurozone (WKN: DBX0AW) seit 2011. Darin sind europäische Staatsanleihen enthalten, primär also aus Italien, Frankreich, Deutschland. Siehe .

Auch dieser Chart spricht für sich selbst:

DBX0AW 15.07.13

Im Premium-Bereich besprechen wir diese Entwicklungen und ihre Bedeutungen auch im Detail und betrachten, welche Konsequenzen daraus erwachsen und wie man diese Entwicklungen traden kann.

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Die schöne neue Welt der Notenbanken – Charts ohne Worte

Manchmal braucht es viele Worte. So wie gestern in dem langen Artikel, in dem ich Ihnen dargestellt habe, wie ein normal arbeitender Anleger mehr System und Disziplin in seine Anlageentscheidungen bringen kann.

Manchmal braucht es aber auch nur ein paar Bilder. Denn die sagen manchmal mehr als tausend Worte.

Wer nur lokal auf den DAX schaut, wird sich vielleicht wundern, warum ich über den Sommer nun Risiko heraus nehme und von einem schlechteren Chance-Risiko-Verhältnis spreche. Und warum ich so gegen die Eingriffe von Staaten und Notenbanken in die Preisfindung an den Märkten wettere.

Deshalb zeige ich Ihnen heute einfach 4 aktuelle Charts, die für sich sprechen. Und die gut zum heutigen Wiwo passen, in dem auch das Thema war. Achten Sie auf die Geschehnisse der letzten Wochen. Dann wissen Sie, dass die Dinge weltweit nicht so stabil stehen, wie sie sollten.

Und glauben Sie mir, diese Charts haben mit Deutschland und unserer exportlastigen Wirtschaft jede Menge zu tun ! Schauen Sie selbst und ziehen Sie Ihre Schlüsse. Ohne Worte:

(1) Amerikanische langlaufende 20+ Staatsanleihen seit 2008 in Form des ETFs TLT (iShares Barcleys 20+ Year Treasury Bonds)

TLT 12.06.13

(2) Staatsanleihen der Emerging Markets Weltweit seit 2010 in Form des ETFs WKN: A0RFFT (iShares JPMorgan $ Emerging Market Bond)

iShares Emerging Market Bond

(3) Japanische Aktien seit 2009 in Form des Nikkei 225 Index

Japan Nikkei 225 12.06.13

(4) Brasilianische Aktien seit 2008 in Form des ETFs WKN: A0HG2M (iShares MSCI Brazil)

iShares MSCI Brazil 12.06.13

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