Hari´s Märkte am Abend – 04.04.12 – DAX im Abwärtstrend

22 Uhr - Handelsschluss

Autsch, das war kein schöner Tag - ausser für Permabären. Während sich die Verluste der US Indizes mit einem knappen Prozent noch im Rahmen hielten, wurde der DAX ebenso wie der gesamte Rohstoffsektor erneut zerlegt.

In dem Zusammenhang, sollten wir uns die Definition eines Abwärtstrend erneut in Erinnerung rufen: Immer tiefere Tiefs und tiefere Hochs. Und nun schauen Sie sich mal den DAX im Stunden-Chart seit Anfang März an. Ich habe noch ein Szenario hinzugefügt, wie der DAX ganz grob weiterlaufen könnte, falls der Trend nach unten nun erst einmal erhalten bleibt.

Noch Fragen ? Ich denke das Bild erklärt sich von selbst. Schwierig ist es auch nicht, das zu erkennen - viel schwieriger ist es für die meisten Anleger, das psychologisch zu akzeptieren und daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen.

Und jetzt stelle ich den DAX mal in der gleichen Skalierung dem wichtigsten Index, dem S&P 500 gegenüber - der Chart ist von 21.30 Uhr:

Eindrucksvoll oder ? Besser als im direkten Vergleich kann man die brutale Schwäche des DAX wohl nicht deutlich machen. Von Abwärtstrend im S&P 500 keine Spur, eher eine Seitwärtsbewegung mit steigenden Tiefs.

Was lernen wir also daraus ?

1. Der "First of Month Jumper" vom 02.04.12 war im DAX eine Bullenfalle und mein Artikel vom 27.03.12 unter der Überschrift "Vom Aufhören, wenn es am Schönsten ist" hatte ein gutes Timing.

2. Der Presse-Contra-Indikator mit DAX 8000 und DAX 10000 auf den Titelblättern, hat mal wieder sein perfektes Timing bewiesen.

3. Warnzeichen gab es im DAX genug, erinnern Sie sich an das Thema der Schwäche der Banken ? Oder die 2 merkwürdigen, massiven Abstürze mitten im Handel in den letzten Tagen ? Die Zeichen waren an der Wand und haben wir hier besprochen. Klarer als die letzten Tage sind die Zeichen nie und immer hat man Zweifel und immer gibt es auch widerstreitende Signale, das ist ganz normal. Niemand sollte sich einbilden, das das beim nächsten Mal eindeutiger oder einfacher wird.

4. Die Warnzeichen ernst zu nehmen und danach dann auch zu agieren, das ist die wirklich schwierige Aufgabe für uns, an der nun bestimmt einige gescheitert sind. Und selbst ich, der ich schon letzte Woche wie hier kommuniziert abgebaut hatte und nur noch mit kleinem Geld auf den letzten Schub gelauert hatte, hätte im Nachhinein noch aggressiver abbauen müssen. Aber hinterher ist man halt immer klüger.

5. In den US Indizes ist die Welt noch in Ordnung. Der aktuelle Absturz findet primär in Europa und im Bereich der Rohstoffaktien statt - nicht aber in den USA. Und das spricht bisher dagegen, dass wir es hier mit einer schweren Krise zu tun haben - solange es der US Wirtschaft gut geht, kann es dem Rest der Welt nicht schlecht gehen.

Wie geht es jetzt weiter, das dürfte Ihre drängende Frage sein.

Mittelfristig ist damit mein 60% Szenario aus der Umfrage vom 28.03.12 voll aktiv. Das heisst volatile Swings im DAX in der Zone zwischen 6600 und 7100 mit einer Tendenz nach unten. Unterstützungen im DAX liegen im Bereich um 6600 und 6400.

Kurzfristig bestehen gute Chancen, das es morgen eine Gegenbewegung geben könnte, denn wir sind nun ziemlich überverkauft und haben in den US Indizes schon leicht gedreht. Bleibt das Prinzip des Abwärtstrend aber im DAX intakt, sollte diese Bewegung irgendwo oberhalb 6900 auslaufen, wenn sie die 6900 überhaupt noch erreicht.

Ansonstens gibt es heute in Anbetracht des Offensichtlichen nicht viel zu sagen. Es lohnt sich heute auch nicht, über einzelne Aktien zu reden, es war ein Blutbad und das ist wohl offensichtlich. Das war mal wieder so ein Tag an dem man sich nirgendwo verstecken konnte, weil wirklich alles abverkauft wurde - selbst Apple (WKN 865985) war heute im Minus, wenn auch mit nur einem Prozent Minus noch zu den stabileren Aktien gehörend.

Ich möchte Sie am heutigen Tag nur noch einmal daran erinnern, dass man mit "Hoffen" kein Geld verdienen kann, sondern nur arm wird. Jetzt ist also scheinbar die Zeit erst einmal Risiko heraus zu nehmen, ich habe das schon getan und wer nun noch voll investiert ist, tut in meinen Augen gut daran, nun einen Gang zurück zu schalten. Ich habe zwar heute im Handelssystem ein paar Titel taktisch in die Schwäche hinein gekauft, werde diese aber Morgen wieder abgeben, das ist ein kurzfristiger Trade. Und sollte Morgen ein starker Tag werden, was ich mir gut vorstellen kann, werde ich den Tag nutzen, um meine Defensive weiter zu verstärken.

Denken Sie bitte daran, Trends dauern in diesem Markt immer länger als man denkt. Das gilt ausdrücklich auch für Abwärtstrends !

Allerdings dürfen wir bei allem Reden über Risikoreduktion auch das mittelfristige Bild nicht vergessen. Dieser kurzfristige Abwärtstrend im DAX ist bisher nur eine Episode in einem übergeordneten Aufwärtstrend ! Und ich glaube an diesen Aufwärtstrend und an höhere Kurse im zweiten Halbjahr. Sollte der DAX die 6600er Zone erreichen, werde ich aus heutiger Sicht zukaufen. Und sollte der DAX bis 6400 herunter gehen, werde ich wohl erneut zukaufen !

Insofern gibt es heute keinen Grund für Verzweiflung, in dieser Phase liegen grosse Chancen begründet. Und statt sich über die Fehler zu grämen, die man vielleicht gerade gemacht hat, gilt es nun nach vorne zu schauen und die nächsten Chancen besser zu ergreifen. Und glauben Sie mir, diese Chancen liegen schon um die nächste Ecke herum für Sie bereit !

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

PS: Einen guten Witz zur Nacht habe ich noch: Unter allen hier regelmässig besprochenen Aktien gab es eine, die heute im Plus schloss - Sie werden es nicht glauben - es war ... Fanfare ... Arch Coal (WKN 908011) !

Hari´s Märkte am Abend – 29.03.12 – Von Grufties und den alten Tagen

22 Uhr - Handelsschluss

Tja, aus der grossen Quartalsrally wird wohl nichts mehr. Ehrlich gesagt war ich schon etwas erstaunt, dass die Indizes sich nun schon vor dem Quartsalsende deutlich von 7000 im DAX bzw 1400 im S&P500 nach unten weg bewegt haben. Ich kann mir daher gut vorstellen, dass das am morgigen Freitag korrigiert wird und wir am Ende das Quartal doch oberhalb beider Marken abschliessen. Im S&P500 ist es schon heute Abend passiert. Es spricht einiges für einen guten Freitag zum Abschluss des ersten Quartals.

Wie schwierig es ist einen Wendepunkt sauber zu erkennen, zeigt uns auch unsere kleine Umfrage von Gestern wieder, die ich deswegen ganz bewusst so gemacht habe. Denn auch die Leser von surveybuilder.info.de können sich scheinbar im Moment nicht einigen, ob das kurzfristig nun eine Topbildung ist oder ob es weiter hoch geht.

Dabei scheint es doch so einfach zu sein, wenn man sich etwas zurück lehnt und sich das grosse Bild im Nachhinein dann anschaut. Wir sind seit Jahresanfang um 20% ohne jede nennenswerte Korrektur gestiegen. Sollte diese Korrektur jetzt vielleicht kommen, garantiere ich Ihnen, dass die Charts im Nachhinein so eindeutig aussehen, dass sich jeder (auch Sie) an den Kopf packen wird und sagen: "Verdammt, warum war ich so blöd da nicht einfach rauszugehen".

Was man daraus lernt ist, das man hinterher immer klüger ist, aber mitten im Gefechtslärm selbst relativ naheliegende Ausstiegsszenarien wie aktuell, alles andere als eindeutig sind. Deswegen ist Markt-Timing so schwierig und wer es machen will, muss konsequent und kalt rechnend mit Wahrscheinlichkeiten operieren. Wünsche und Hoffnungen haben in dem Spiel nichts verloren. Glauben Sie ja nicht, das die Situation bei der nächsten Wende überschaubarer sein wird.

Jetzt bin ich Ihnen im Nachgang der Umfrage aber noch schuldig, was ich angeklickt habe und wie ich Stand Heute 29.03.12 den Markt sehe.

Angeklickt habe ich die Distributionsphase, was bedeuten würde, dass die Zeiten des dauerhaften Anstiegs nun temporär vorbei sind. Hätte es die Auswahl "Seitwärtsbewegung" gegeben, wäre aber auch bei mir genau das die Wahl gewesen, versehen mit dem Zusatz "volatil".

Ich bin auf meinem Weg der Risikoreduktion nun schon weit fortgeschritten und befinde mich schon wieder weitgehend in meiner Komfortzone. Das bedeutet einen Grundstock an Longs, die ich nicht verkaufen will und mit denen ich mich auch in einer theoretischen Korrektur wohl fühle, ein paar Shorts und jede Menge Cash.

Ich rechne aber nicht damit, dass wir hier nun richtig zusammen brechen, ich rechne eher mit einer volatilen Seitwärtsbewegung im DAX, die uns bis 6600 oder maximal 6400 herab führen könnte, in der Regel aber zwischen 6600 und 7100 ablaufen sollte. Das dürfte sich dann wie eine Korrektur anfühlen, würde aber den langfristigen Aufwärtstrend nicht ernsthaft in Frage stellen.

Weiterhin wäre ich verwundert, wenn wir nun ab heute wie ein Strich einfach weiter fallen. Viel typischer und zur sich bildenden Schulter-Kopf-Schulter Formation im S&P500 passend wäre es nun, wenn der Markt noch einmal richtig nach oben zieht und wieder über die 7000 schaut. So werden die ersten Shorts frustriert, die Hoffnung kehrt zurück und dann geht es wieder abwärts. Das wäre wohl mal wieder der Weg des maximalen Schmerzes und den liebt der Sadist Mr. Market ja ganz besonders.

Insofern kann es gut sein, dass wir schon Morgen hochlaufen oder wenn das nicht kommen sollte, dann zum Monatsanfang April. Ich würde einem derartigen Anstieg aber aus heutiger Sicht skeptisch begleiten und würde in meinem Investmentdepot auch nur mässig auf die Bewegung aufspringen. Nur im Trading-Depot würde ich diese Bewegung sehr kurzfristig, dafür aber aggressiv mitspielen.

Bei allem aktuellen Gerede um eine Korrektur im April bitte ich aber nicht zu vergessen, das ich den Markt dieses Jahr sehr positiv sehe und Korrekturen in meinen Augen Kaufgelegenheiten sind ! Ich hatte eigentlich mal auf einen ruhigen Sommer gehofft, aber langsam bekomme ich den Eindruck, das wird dieses Jahr wieder nichts. Denn falls wir nun im April schon deutlich korrigieren sollten und jetzt durch volatiles Fahrwasser gehen, könnte der Markt im Sommer schon wieder nachhaltig hochschieben und da muss man dann dabei sein.

Was gibt es an alternativen Szenarien ? Nun, ich hatte ja eigentlich noch den letzten Schub nach oben auf der Rechnung, den Blowoff-Top sozusagen. Zum Quartalsende ist er nicht gekommen, es ist aber durchaus denkbar, dass er in den ersten zwei Wochen des Aprils doch noch kommt, bevor die Quartalsaison losgeht.

Obwohl ich einen derartigen Hub wohl nicht mehr so perfekt mitnehmen könnte wie die ersten drei Monate, weil ich nun schon leicht defensiv aufgestellt bin, würde ich diese Entwicklung sehr begrüssen. Denn erstens ist ein Plus immer noch ein Plus, auch wenn es etwas niedriger als im Idealfall ausfällt und zweitens würde dieser Schub dann einen wirklich sauberen Ausstieg ermöglichen, weit belastbarer als die aktuell eher undurchsichtige Situation. Ein Anstieg bis ca. 7500 im April wäre dann wohl auch die Garantie für einen entspannten Sommer, denn viel mehr dürfte im Markt nicht gehen, bevor dann der September kommt.

Nach diesen vielen Worten will ich die oben diskutierten Szenarien dann auch mal in konkrete Wahrscheinlichkeiten kleiden - so wie ich das im Moment "Pi mal Daumen" sehe:

Wahrscheinlichkeiten für den April und Mai 2012 aus meiner Sicht vom 29.03.12:

5% das wir richtig abkippen und die Krise wieder zurück kommt.
5% das wir weiter steigen und steigen und schon Ende Mai neue Höchststände im DAX oberhalb 8200 haben.
60% für eine gefühlte Korrektur, die aber in Wirklichkeit nur eine sehr volatile Seitwärtsbewegung oberhalb 6600 im DAX ist.
30% für einen letzten Anstieg Anfang April, der uns bis über 7200, vielleicht sogar bis 7500 bringt, wonach die Luft bis in den Sommer dann raus ist.

Nach diesen Wahrscheinlichkeiten habe ich mich nun konsequent positioniert. Defensiv, aber ohne Panik und mit der Bereitschaft weitere Anstiege schnell taktisch mitzunehmen.

So weit zum Markt, warten wir ab, ob der "Snapper" Morgen oder zum Quartalsanfang am Montag/Dienstag kommt, der uns wieder über 7000 führt. Sollte er gar nicht kommen, würde mich das ehrlich gesagt schon wundern.

Ach ja und einen Zeitschriften-Aufreger hatte ich heute wieder. Nach Focus-Money kam heute Börse-Online. Und während man beim Titelbild gestern ja über das Timing schmunzeln konnte, der Artikel selber für mich aber ganz in Ordnung war, habe ich mich heute richtig geärgert. Denn die Schlagzeile von Börse-Online lautete: "Dividenden-Könige - Sichern Sie sich die höchsten Renditen". Diese Schlagzeile ist für mich persönlich schon sehr grenzwertig, denn sie erzeugt beim unerfahrenen Anleger nach meiner Einschätzung wieder diesen völlig falschen Eindruck, als könnte bzw müsste man den Dividendenvorteil an genau einem Tag "mitnehmen".

Falls hier Anfänger mitlesen, sei deshalb noch einmal gesagt: wenn Sie wenige Tage vor einer Dividendenausschüttung kaufen um die Dividende "mitzunehmen", gewinnen Sie dadurch genau gar nichts ! Denn am Tag der Ausschüttung fällt der Kurs der Aktie genau um den Wert der Dividende. Überlagert wird das durch normale Kursbewegungen, so dass es nicht immer perfekt zu erkennen ist, aber so ist es ! Eine gute Aktie können Sie das ganze Jahr über kaufen, es gibt keinen wirklichen Vorteil das gerade jetzt kurz vor der Ausschüttung zu machen ! Und von der Dividende der Aktie rutscht defacto jeden Tag genau ein 1/365tel in Ihr Depot, ganz egal wann Sie kaufen !

Übrigens, falls sich jemand fragt, warum ich diese Blätter überhaupt lese, wenn ich mich so oft darüber ärgere ... Die Antwort ist: aus dem gleichen Grund, aus dem auf der Regierungsbank die Bild-Zeitung gelesen wird. Man muss halt wissen, was die anderen denken. Ich lese alles, wirklich fast alles im deutschsprachigen Raum, von Handelsblatt, über diese Magazine bis zur (sehr empfehlenswerten!) schweizerischen Finanz-und-Wirtschaft.

Unter den wenigen Aktien die heute in Deutschland ein Plus produzieren konnten, stach für mich Stada (WKN 725180) heraus, mit heute 4,5% Plus bei hohem Volumen. Auslöser war ein sehr guter Ausblick des Vorstands, der eine „klare Steigerung“ des Konzernumsatzes in Aussicht stellte. Stada befindet sich in einem perfekten Aufwärtstrend und ist mit einem KGV von um die 8 immer noch attraktiv bewertet. Allerdings rechne ich damit, dass der Kurs im Bereich um 25€ nun erst einmal eine Konsolidierung einlegt, bevor Chancen auf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends bestehen.

Ach ja, einen guten Witz habe ich zum Thema Einzelaktien noch für Sie: Heute haben die Kohlewerte einen "Swing-Low" hingelegt, heisst in einem schwachen Markt haben sie U-förmig ins Plus gedreht. Das stimmt wirklich, schauen Sie sich mal beispielhaft den verrückten Chart von Peabody Energy (WKN 675266) an. So etwas sieht man selten !

Die Frage lautet nun: Ist das die Wende ? 🙂 Sie lachen ? Das Lachen wird Ihnen noch vergehen 😉

Ansonsten war der Markt an den europäischen Börsen heute mal wieder querbeet schwach, alles wurde aus den Depots geworfen und es gab mal wieder keinen Platz an dem man sich so richtig verstecken konnte. So ist das halt mit Korrekturen in der Zeit der ETFs und Algos - alles fällt gleichzeitig - leider.

"Früher war halt alles besser (an der Börse)" - hat mein Opa ja auch schon immer gesagt und da ich in Kürze 50 werde, darf ich mir als echter "Gruftie" nun auch solche Plattheiten erlauben 😉

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Schlafen Sie gut !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 27.03.12 – Vom Aufhören, wenn es am schönsten ist …

22 Uhr - Handelsschluss

Der heutige Tag an den Märkten war lange eher ereignislos, an dem grossen Bild hat sich nichts geändert. Die heutige leichte Schwäche empfand ich nach dem gestrigen Tag als prinzipiell normal. Lange haben auch die alten Hochs im Bereich 1414 im S&P500 gehalten, was wichtig war um eine klare Grundlage für einen weiteren Schub nach oben zu legen.

In den letzten Handelsminuten wurde dieser Bereich dann leider doch nach unten durchbrochen, was das Bild für Morgen früh etwas eintrübt und ein paar Fragezeichen aufwirft. Überbewerten muss man das aber auch nicht, von grossem Abgabedruck konnte keine Rede sein. Insofern bleibt uns nichts weiter, als unserer Linie treu zu bleiben und abzuwarten.

Ich möchte daher die Gelegenheit ergreifen, den Blick über die aktuelle Woche hinaus auf das 2. Quartal zu richten und Ihnen zu zeigen, wie ich mich dafür aufstelle.

Die Überschrift ist natürlich mit Bedacht gewählt, denn ich bin tatsächlich der Ansicht, dass es nun langsam Zeit wird, defensiver zu agieren.

Sie wissen, dass ich im Gegensatz zu den meisten Marktbeobachtern seit Jahresanfang auf dem Gaspedal war, mal stärker, mal vorsichtiger, aber letztlich immer mit dem Blick nach oben. Zum Erfolg an den Börsen gehört aber nicht nur die Fähigkeit zum richtigen Zeitpunkt auf eine Bewegung aufzuspringen, genau so wichtig ist es auch, den rechtzeitigen Absprung zu schaffen. Denn solange wir das nicht schaffen, sind alle vermeintlichen Gewinne im Depot nichts als Hoffnung, erst der Verkauf der Position macht den wirklichen Profit wahr. Und wie im richtigen Leben, ist auch an der Börse der beste Zeitpunkt zum aufhören immer dann, wenn es am schönsten ist.

Schauen wir uns doch einmal an, wie ich den Markt kurz- und mittelfristig sehe:

Diese Woche, zum Quartalsende hin, halte ich es für unwahrscheinlich, dass wir uns stark nach unten bewegen. Denn ich bin überzeugt, dass die Indizes von Big Money verteidigt werden, zu viel hängt an den Indexständen in Form von Boni und Gewinnen. Ob wir diese Woche noch einen grossen Schub nach oben bekommen, der uns dann bis DAX 7500 tragen könnte, kann ich Ihnen nicht sagen. Es ist gut möglich, aber nicht sicher. Genau so möglich ist, dass wir nun einfach weiter seitwärts laufen und das Quartal irgendwo zwischen 7000 und 7200 beschliessen.

Anfang April könnte auch noch eine gute Zeit für die Börsen sein, zumindest bis Mitte April die Quartalsberichtssaison wieder beginnt. Und auch die Dividendensaison bis in den Mai hinein, hat die Tendenz den Markt zu stützen, da viele private Anleger die Dividende "noch mitnehmen" wollen, bevor sie verkaufen. Was natürlich grober Unfug ist und von einem eklatanten Mangel an Verständnis zeugt, aber letztlich den Markt leicht stützt, weil die privaten Anleger erst nach der Dividendensaison so richtig ans verkaufen denken. Insofern kann es gut sein, dass sich die aktuelle Stärke noch ein paar Wochen in das zweite Quartal hinein fortsetzt.

Nicht vergessen dürfen wir aber, dass wir im DAX seit Jahresanfang nun 20% gestiegen sind und niemand sollte glauben, dass das einfach so weitergeht. Ich persönlich halte ja sogar Höchststände im Bereich DAX 8500 zum Jahresende für möglich, eine gleichmässige, ruhige Bewegung nach oben über das ganze Jahr wird das aber bestimmt nicht. Natürlich ist alles möglich und auch das ist denkbar, es ist aber sehr unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist bald eine neue Phase der Volatilität, die uns dann auch mal wieder unter 7000 drücken würde.

Wichtig ist auch, die Erlebnisse der nahen Vergangenheit im Auge zu haben, denn die Mehrzahl der Marktteilnehmer wertet diese höher als ältere Ereignisse und zeigt so durchaus berechenbares Verhalten, in dem die Vergangenheit fortgeschrieben wird. Und was hatten wir an Erlebnissen der nahen Vergangenheit ?

Ganz einfach - egal ob institutioneller oder privater Anleger - alle hatten eine Art "Nahtot-Erfahrung" letzten August mitten im Sommer. Und alle haben bitter bereut, nicht schon im Frühjahr aus dem Markt gegangen zu sein und haben das mit einem versauten Sommerurlaub teuer bezahlt.

Alle diese Geschädigten des letzten Jahres werden diese Jahr wohl "klüger" sein wollen und deshalb rechtzeitig aus dem Markt gehen wollen, was in Anbetracht der Indexstände ja auch rational vernünftig ist. Und weil das so ist und keiner der letzte sein will, rechne ich damit, dass die Absatzbewegung der Institutionellen dieses Jahr schon viel früher beginnt, schon ab Mitte April. Diese Verkäufe der Institutionellen werden dann von den Privaten aufgesogen, die gierig nach Dividenden sind und sobald auch die Privaten gesättigt sind - irgendwann im April oder Mai - bleiben die Käufer aus und dann kann ein Markt nur noch fallen.

Umgedreht, weil ich denke dass heuer schon früher als sonst aus dem Markt gegangen wird, dürfte die Phase des grossen Risikos schon im Hoch-Sommer vorbei sein - genau dann wenn wieder der August kommt, an den sich nun alle mit Schrecken erinnern, dürften die Verkäufe alle schon getätigt sein und der Markt hat vielleicht die Grundlage um zu einer guten zweiten Jahreshälfte anzusetzen.

Das beste was mir also nun passieren könnte, wäre ein BlowOff-Top in den nächsten Tagen. Das heisst ein starker Anstieg mit einer finalen dynamischen Bewegung nach oben, die irgendwo oberhalb DAX 7400 oder höher ausläuft und Intraday dann wieder abverkauft wird. Dieser "Swing-High" wäre das perfekte Signal für mich, umgehend Gewinne mitzunehmen und auf die Seitenlinie zu wechseln.

Passiert das nicht und laufen wir nun seitwärts oberhalb 7000, wird es schwierig bis unmöglich den Tag der Wende perfekt zu treffen. In diesem Fall macht es Sinn sukzessive Risiko aus dem Depot zu nehmen und die noch laufenden Positionen eng abzusichern. Damit man am Tag der Abrechnung nicht mit herunter gelassenen Hosen erwischt wird 😉

Bedeutet das, das ich nun ab nächster Woche ganz aus dem Markt gehe ? Definitiv nein, das werde ich nicht tun. Es gibt eine Reihe von Nachzüglern im Markt - einige haben wir hier auch besprochen - die auch bei einer Korrektur nicht mehr all zu viel abgeben sollten. Ausserdem kann man seine Long-Positionen ja auch absichern (hedgen). Aber ich werde mein Long-Exposure nun Schritt-für-Schritt verringern und generell Risiko aus dem Depot nehmen. Dabei werde ich in den nächsten Tagen und Wochen sehr viel mit Trailing-Stops operieren, die sich in einem nach oben laufenden Markt mitschieben. So kann ich von einem weiteren Anstieg noch genug mitnehmen und bin dann schnell aus dem Markt, wenn es nötig ist.

Und warum bin ich mir so sicher, dass der Hauptteil des Anstiegs nun verfrühstückt ist ? Kann es nicht sein, das wir Ende Mai bei über 8000 im DAX stehen ? Die Antwort ist: sicher bin ich mir gar nie und nirgends. Wer im Markt irgend etwas für "sicher" hält, ist ein Idiot. 😉 Auch 8000 im Mai ist durchaus möglich und wenn es passiert, muss ich halt damit leben, dass ich diesen Teil der Bewegung dann nicht mehr vollständig mitgemacht habe. Es ist aber nach all meiner Erfahrung eher unwahrscheinlich, wahrscheinlicher ist, dass wir nun nach einem letzten Schub irgendwo bis maximal DAX 7500 erst einmal auslaufen. Das bedeutet nicht zwingend, dass es danach stark nach unten gehen muss, vielleicht schwanken wir den ganzen Sommer seitwärts, bevor es wieder nach oben geht, wer weiss. Und vielleicht ändere ich meine Sicht auch im Mai schon wieder, wer weiss welche Überraschungen vor uns liegen.

Aber hier und jetzt, Ende März 2012, nach 20% Anstieg im DAX, finde ich es vernünftiger nun langsam Schritt für Schritt Risiko aus dem Depot zu nehmen und defensiver zu werden, statt nun erst recht aggressiv auf steigende Kurse zu wetten.

Mit dem Markt hochlaufen kann und sollte man ja weiterhin, nur vorsichtiger und besser abgesichert als bisher.

Zum Abschluss noch ein paar Worte zum Thema "Hedgen": Sie wissen ja, dass ich von Optionscheinen für die Privatanleger eigentlich gar nichts halte. Denn der Market-Maker der im Handel "auf der Leitung" sitzt, optimiert seinen eigenen Gewinn. Er ist Preisrichter und Handelspartner zugleich, dieser Interessenkonflikt wird nach meiner Erfahrung in der Regel zu Lasten des Privatanlegers aufgelöst. Optionsscheine sind mir in der Preisstellung einfach zu intransparent, als das ich damit etwas zu tun haben wollte, ich habe in meiner Karriere da schon zu viel übles Zeug erlebt.

Wer als kleiner Anleger unbedingt gehebelt wetten will, sollte dazu in meinen Augen besser CFDs nehmen - und zwar von einem zuverlässigen, grossen Anbieter der Kutellung eins-zu-eins nach den Futures garantiert. Und die Profis handeln sowieso mit echten, wirklich börsengehandelten Terminkontrakten zum Beispiel an der Eurex - bei denen der Preis sich wirklich aus Angebot und Nachfrage ergibt, wie es sich gehört, und nicht der Willkür und Gier des alleinigen Marketmakers unterliegt, wie bei Optionsscheinen.

Aktuell haben wir aber eine Situation, in der ausnahmsweise und trotz ihrer eklatanten Nachteile auch klassische Optionsscheine einen Blick als "Hedge" wert sein könnten. Das liegt daran, dass in die Bewertung eines Optionsscheines auch die Schwankungsanfälligkeit des Marktes - die Volatilität - einfliesst. Bei CFDs ist das völlig irrelevant, die bilden (bei den richtigen Anbietern) 1-zu-1 den darunter liegenden Future ab und sind genau deswegen so transparent bei der Preisstellung.

Für Put-Optionsscheine gilt daher, das diese sehr billig sind, wenn die Volatilität (wie derzeit) sehr niedrig ist. Und sehr teuer mitten im Absturz, wenn die Volatilität nach oben schiesst. Im Moment kann man eine Absicherung über einen Put-Optionsschein also eher günstig bekommen. Und wenn in den nächsten Wochen die Vola steigen sollte, müsste der Markt gar nicht stark nach unten laufen, damit der Optionsschein an Wert gewinnt.

Neben der Volatilität ist bei einem Optionschein aber auch die Restlaufzeit ein entscheidender Faktor und mit jedem Tag der vergeht, ohne das der Kurs sich in die gewünschte Richtung bewegt, verliert ein Optionsschein an Wert, das sollte man bitte nicht vergessen. Mit einem Optionsschein kann man also nur dann Geld verdienen, wenn der Markt in absehbarer Zeit genau die erwartete Bewegung macht. In allen anderen Fällen - auch bei richtungsloser Seitwärtsbewegung - wird man nur Verluste produzieren.

Aber wie auch immer, wenn jemand wirklich versteht, wie solche Optionsscheine funktionieren, und wenn er/sie wirklich weiss, was da im Depot liegt, dann könnte in der jetzigen Marktphase mit geringer Volatilität ein Hedging über Put-Optionsscheine durchaus bedenkenswert sein. Denn so muss man seine liebevoll ausgewählten Aktien nicht anfassen und bekommt trotzdem weniger Risiko ins Depot. Wer dieses Wissen aber nicht hat, sollte nach meiner Ansicht besser die Finger von solchen Derivaten lassen, das geht in der Regel nach hinten los. Die beste Absicherung ist für den unerfahrenen Anleger der Cash auf dem Tagesgeldkonto.

Man könnte das Thema Optionsscheine ganz umgehen, wenn man Volatilität direkt handeln könnte, also den VDAX (den Volatilitätsindex des DAX) kaufen oder verkaufen. Es gibt dazu auch ein paar Zertifikate und erste ETFs, ich habe aber bisher noch kein überzeugendes Produkt gesehen, bei dem die Rollverluste in ihrem negativen Effekt eingegrenzt wären. Solange lasse ich die Finger von solchen Produkten.

Fazit: Jeder muss selber wissen, ob er jetzt noch aggressiv auf einen steigenden Markt wetten will. Ich werde nun aber langsam auf Defensive schalten und werde das zunächst mit Trailing-Stops umsetzen. Sobald ich glaube einen kurzfristigen Top identifiziert zu haben, werde ich zusätzlich massiv mit Hedging arbeiten.

Seit Anfang 2012 war ich auf dem Gaspedal. Es sei hiermit laut und deutlich vermerkt, dass ich ab Ende dieser Woche den Fuss vom Gas nehme und den Wagen nur noch mit dem vorhandenen Schwung rollen lasse - den Fuss bremsbereit aufgestellt.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 26.03.12 – Tesla Motors hebt ab, Gold gibt Kaufsignal

22 Uhr - Handelsschluss

Es ist doch einfach schön und befriedigend, wenn der Markt exakt macht, was man erwartet hat und heute war so ein Tag. Gab es am Anfang noch ein kleines Spiel um die 7000er Marke im DAX, setzten sich mit der näher kommenden Eröffnung der Wallstreet nachhaltig die Bullen durch und brachten uns erneut nahe an 7100 heran. Im Future im späten Handel sind wir nun sogar schon über 7100. Auch der S&P500 markierte mit 1416 neue Höchststände in der Aufwärtsbewegung.

Damit hat sich auch der immense "Buying on Weekness" Tag von letztem Donnerstag als richtiges Signal bestätigt. "Big Money" hat sich uns kleine Anleger am letzten Freitag also tatsächlich zurecht gelegt und so gute Einstiegskurse gefunden.

Technisch gesehen hat der S&P500 mit dem heutigen Schlussstand die Grundlage für eine bullishe Cup&Handle Formation gelegt, deren Kursziel bei 1441 liegen würde. Das wären 2% höher als heute, im Dax also ein Wert über 7200. Wenn die Algos weiter so berechenbar agieren wie zuletzt, kann es gut sein, dass wir dieses Ziel von 1441 im S&P500 schon bald auf den Punkt erleben werden.

Der (angenehme) Seiteneffekt so eines Tages ist, es gibt nichts, was man Neues sagen müsste. Insofern habe ich heute zu meinen Aussagen des letzten Reports von Freitag nichts hinzufügen. Lesen Sie im Zweifel noch einmal -> hier <-. Ich versuche von dieser Bewegung nach oben nun so viel mitzunehmen wie ich kann.

Erfreulich war für mich heute auch, wie sich meine Favoriten Continental (WKN 543900), Daimler (WKN 710000) und Rheinmetall (WKN 703000) entwickelten, die heute alle um die 3% zulegten und damit klar stärker als der Markt waren. Es bestätigt sich erneut, dass man bei fundamental gut dastehenden Unternehmen, die sich in einer Aufwärtsbewegung befinden, einen Dip konsequent kaufen sollte. Und Kurse unter 45€ bei Daimler oder unter 43€ bei Rheinmetall waren einfach Kaufkurse.

An die -> hier <- ausführlich vorgestellte Tesla Motors (WKN A1CX3T) möchte ich noch einmal erinnern. Zum Produktionsstart des Model S gab es gute Nachrichten, weil Analysten von "Wunderlich Securities" vor Ort in der Nähe der Produktionshallen waren und als Folge das Kursziel von Tesla von 30 auf 49! USD angehoben haben. Ergebnis war heute ein Kuteigerung um ca. 10%, so dass Tesla seit der Vorstellung hier nun schon ca. 20% zugelegt hat. Einen Kurzbericht zum Thema können Sie bei Barron´s nachlesen.


Source:

Die Kernfrage bei Tesla ist, ob der Produktionsstart des Model S gelingt, des ersten Modells, das Tesla komplett in eigener Verantwortung in Serie produziert. Der Markt war da bisher noch sehr skeptisch, weswegen es Tesla bisher noch nicht gelungen war, sich von den alten Höchstständen aus November 2010 zu lösen, obwohl das Unternehmen heute fundamental viel weiter ist.

Hier liegt aber auch genau die Chance. Denn sollte der Produktionsstart gelingen, dürfte bei Tesla eine komplette Neubewertung der Aktie anstehen. Denn dann ist Tesla ein vollwertiger Autobauer mit eigener Produktion und ich rechne für den Fall mit jeder Menge Phantasie, die dann in den Titel eingepreist wird. Die von Wunderlich genannten knapp 50 USD kann auch ich mir dann sehr gut vorstellen ! Der heutige Tag mit 10% Plus hat einen ersten Vorgeschmack einer derartigen Neubewertung gegeben, alles hängt nun von der operativen Entwicklung beim Produktionsanlauf ab.

Diese Aktie ist also komplett durch Unternehmensnachrichten getrieben, charttechnische Betrachtungen machen in meinen Augen hier wenig Sinn. Ich bin mit einer kleinen "Fun-Position" Long bei Tesla, weil ich an dieser spannenden Story einfach teil haben will, egal wohin sie mich führt. Denn ich glaube an die unternehmerischen Fähigkeiten von Elon Musk und bei derartigen Newcomern in etablierten Märkten kommt es halt entscheidend auf die Fähigkeiten des Managements an.

Gold stieg heute dynamisch über 1670 USD, erreichte 1692 USD und bestätigte damit deutlich die Bewegung, die ich letzten Freitag schon identifiziert und hier kommuniziert hatte. Damit hat Gold ein kurzfristiges Kaufsignal gegeben. Das Feuerzeug an der Lunte war wohl mal wieder der "Meister des Helikoptergeldes" Ben Bernanke, mit einer Rede, die Mr. Market als einen versteckten Hinweis auf ein QE3 gedeutet hat. Wer daran interessiert ist, kann die Rede nachlesen.

Trotzdem würde ich in die Bewegung des Goldpreises noch nicht zu viel hinein interpretieren. Diese Bewegung ist gut, um wieder in den Bereich oberhalb 1700 USD vorzustossen. Um ein ganz klares mittelfristiges Kaufsignal zu geben, müsste Gold aber über 1800 USD steigen, wo die Nackenlinie einer möglichen inversen Schulter-Kopf-Schulter Formation und die alten Hochs von November 2011 und Februar 2012 liegen.

Ich bin noch skeptisch, ob Gold das kurzfristig gelingt und ich bin auch von der inversen SKS Formation nicht völlig überzeugt, da die linke Schulter für mich keine war, wenn man berücksichtigt, dass Gold am 26.09. bis fast 1530 USD gefallen ist. Diese "Fahne" war aber so schmal, dass man sie mit weniger guter Datenversorgung leicht übersieht und von einer weit höheren Wende oberhalb 1600 ausgeht. Ich sehe Gold derzeit eher in einer Seitwärts-Range zwischen 1500 und 1800 - solange bis mich Gold durch einen Ausbruch eines besseren belehrt.

Aber wie auch immer, 1800 USD ist für Gold nun die wichtige Marke, die einen neuen Hub in Richtung Höchststände definieren könnte. Damit es dazu kommt, braucht es aber nach meiner Ansicht eine Eintrübung des positiven Sentiments am Aktienmarkt oder eine neue Runde von Inflations- bzw. Euro-Ängsten. Insofern kann man die aktuelle positive Bewegung nun spielen, sollte aber in meinen Augen nicht zu gierig werden und immer zum Absprung bereit sein, solange wir die 1800 USD nicht nachhaltig hinter uns gelassen haben.

So weit so kurz heute, freuen wir uns, dass ich über keine neuen Katastrophen berichten muss und der Markt nun zum ausgezeichneten Wetter passend, deutlich nach oben schiebt. Und als täglicher Leser von Mr. Market, waren Sie ja in der glücklichen Lage, den heutigen Tag schon vorher antizipieren zu können. Geniessen Sie also mit mir die Reise nach oben, man soll die Feste feiern wie sie fallen ! 😉

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !
Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 23.03.12 – Wochenabschluss – In der Hand der Algos

21 Uhr - Handelsschluss

Was für ein verrückter Tag. Wer am heutigen Tag als "normaler" Anleger versuchte zu verstehen was da los war, konnte nur verzweifeln und konnte nur Geld verlieren. Denn heute war der Markt rein von der Technik getrieben und völlig in der Hand der Algos. Ermöglicht wurde das heute auch durch das geringe Volumen, ideales Jagdrevier für die Algos um den Markt nach ihren Wünschen zu bewegen.

Es ging schon am frühen Morgen los. In der ersten Handelsstunde taten die normalen Anleger das, was in diesem Moment logisch war, nach der Korrektur kauften Sie den Markt über 7000. Und was machten die Institutionellen mit ihren Algos ? Sie verkauften die Bewegung brutal und drückten den Markt herunter bis 6920, verbreiteten bei den normalen Anleger Angst und Schrecken und trieben diese aus ihren Positionen. Nachdem das gelungen war, ging es wieder hoch und wir schwangen uns bei DAX 6960 ein, da wo wir schon gestern gewesen waren. Im Grunde war also gar nichts passiert, nur das die Algos mal eben die Bullen rasiert und danach die Ängstlichen aus dem Markt heraus geschüttelt hatten. Und damit jede Menge Profit gemacht hatten - alles ohne relevante Nachrichten.

Und dann kam die Wallstreet. Und von dem Moment an verlor der DAX wieder jedes Eigenleben und war nur noch das Abbild dessen, was im S&P500 passierte. Der hatte aber noch ein technisches Target aus einer H&S Formation bei 1386 zu schliessen, was er auch punktgenau tat, nur um danach wieder hoch zu laufen. Danach ergab sich eine bullishe Cup&Handle Formation mit Target 1402, was auch den Gap-Fill der gestrigen Handelseröffnung darstellen würde. Ganz geschafft haben wir es nicht mehr, aber mit 1397 schlossen wir nahe dran. Und im DAX schlossen wir nur knapp unter der 7000er Marke und stiegen als Folge des S&P500 im DAX Future dann etwas über 7000 hinaus.

Unglaublich, wie der Markt diese Marken abarbeitet ? Nein, genau das ist die Art wie die Algos programmiert sind. Die technischen Muster werden also durch die Computer verstärkt. Wir haben eine Art selbsterfüllende Prophezeihung klassischer Muster wie Head&Shoulder oder Cup&Handle durch das Handeln der Algos, denen ja eigentlich Emotionen egal sind - schöne neue Welt 😉 Diese Berechenbarkeit ist für uns als (immer noch) intelligentere Menschen eine grosse Chance, allerdings haben diese Muster nur im alles dominierenden Index, dem S&P500, wirklich durchschlagende Wirkung. Ein Muster im DAX steht immer in der Gefahr durch die Entwicklungen an der Wallstreet überrollt zu werden und ist daher nach meiner Erfahrung weit unzuverlässiger zu traden, als die Muster im S&P500.

Und wie ist es mir heute ergangen ? Ich wurde von der Heftigkeit des Abverkaufs heute früh ab 10 Uhr auch überrascht, einen erneuten Taucher unter 7000 hatte ich durchaus auf der Rechnung, nicht aber 6920 im DAX. Dann hatte ich um den Mittag herum ein Phase, wo ich mit dem DAX auch nichts so richtig anfangen konnte und mir sehr unschlüssig war. Ich kenne aber Regel 2 von unten gut und beachte diese und insofern habe ich dann einfach abgewartet. Erst mit dem Beginn der Wallstreet begann das dann alles wieder Sinn zu machen, und das Bild entstand, das ich Ihnen oben geschildert habe und das mich dann auch gut durch den Tag gebracht hat.

Was lernen wir grundsätzlich aus diesem Tag ?

1. Handele wenn Du es vermeiden kannst, nie in der ersten Handelsstunde. Das ist die Zeit der privaten Anleger die hektisch - im Glauben etwas zu verpassen - ihren Emotionen folgen. Die "Big Boys" mit ihren grossen Kanonen steigen erst danach in den Markt ein und machen sich einen profitablen Spass daraus, die Privaten ins Messer laufen zu lassen. Das gilt für DAX wie für S&P500.

2. Wenn Du merkst, dass Du unschlüssig bist und keine klare Richtung erkennst, steh lieber mal auf und mach einen Spaziergang oder leg die Hände unter den Hintern. Versuche aber nie, ins Unklare hinein zu agieren und zu raten - das macht Dich garantiert nur ärmer.

3. Unterschätze niemals die Macht der dunklen Seite ähhh... der Algos - Entschuldigung 😉 Da diese von Menschen programmiert sind, traden diese genau die klassischen Chartmuster und zwar vor allem in den grossen US Indizes.

Und was sagt uns das zur nächsten Woche und zum grossen Bild ?

Für mich spricht einiges dafür, das mein Bild der Quartalsendrally voll intakt ist und "Big Money" sich gestern und heute uns "dumme" Privatanleger so richtig zurecht gelegt hat, um in den Markt einzusteigen und nächste Woche abzusahnen. Es gibt dafür auch ein weiteres Indiz, wir hatten gestern einen gewaltigen "Buying on Weakness" Tag im SPY (ETF des S&P500) - zu besichtigen .

Das bedeutet etwas vereinfacht: Obwohl der SPY gestern deutlich im Minus lag, war das Volumen der Orders bei denen der SPY stieg grösser, als das Volumen der Orders bei denen der SPY fiel. Das ist meistens ein Zeichen dafür, dass "Big Money" in die Abgaben der kleinen Privaten hinein akkumuliert, denn "Big Money" hat einfach die grösseren Geschütze, sprich grössere Einzelorders. Ich habe diese Daten gestern erst am späten Abend gesehen und sie konnten daher nicht mehr in die gestrigen Märkte am Abend einfliessen. Der Indikator ist nicht perfekt und läuft einer Entwicklung auch mal ein paar Tage voraus. Ein derart grosser Wert kommt aber sehr selten vor und ist daher ein deutliches Indiz für die Theorie der Quartalsendrally.

Für mich gibt es also keinen Grund, von der bisherigen Erwartung abzuweichen. Ich rechne weiter eher mit Stärke zum Quartalsende, die sich bin in den Anfang April hinein fortsetzt. Und in diese Stärke hinein will ich bestimmte, gut gelaufene Sektoren mal ernsthaft abbauen und Gewinne mitnehmen.

Wie immer kann alles auch anders kommen, aber das sind die Signale die mir der Markt heute Abend sendet und ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, diesen Signalen konsequent zu folgen. Solange bis andere Signale kommen. 😉

Auch die Einzelaktien wurden heute naturgemäss hin und her geworfen, insofern gibt es nicht viel Neues zu sagen. Viele der in den vergangenen Tagen genannten Werte, waren auch heute bei denen, die selbst bei DAX 6920 noch im Plus waren und relative Stärke zeigten. Ich habe es an meinem Depot gesehen, dass sich im Gegensatz zum Index selbst heute Mittag nicht ins Minus bewegte.

Sie erinnern sich vielleicht in Sachen Veolia (WKN 501451) an meine -> hier <- geäusserte Vermutung, dass sich mit den Wechseln im Management nun der CEO Antoine Frérot endgültig gegen seinen Vorgänger durchgesetzt hat und nun das grosse Aufräumen im Management beginnt ? Leider konnte oder wollte keiner der französisch sprechenden Leser mir zu dieser These direktes Feedback aus der französischen Wirtschafts-Presse liefern - schade ! Nun sehe ich einen Bericht der Börsenzeitung unter der Überschrift . Ich scheine also mit meiner Vermutung genau auf den Punkt richtig gelegen zu haben.

Diese Bestätigung ist für mich sehr bedeutend. Denn das erklärt auch das bisherige, langsame Fortschreiten der Restrukturierung mit Widerständen des alten Managements. Diese Entwicklung ist für den Kurs der Veolia Aktie in meinen Augen eine sehr gute Nachricht, denn nun kann mit zügigen Erfolgen und grösserer Geschwindigkeit bei der Restrukturierung gerechnet rechnen. Ich denke, dass der starke Anstieg der letzten Tage genau durch diese Sicht des Marktes ausgelöst wurde, wir befinden uns mangels französischer Originalquellen hier halt etwas im Blindflug. Der Markt hat das also wohl schon eingepreist, was wir nun endlich begreifen. Veolia ist damit für mich weiterhin ein klarer Kauf mit einem Kursziel von 17,5€ bis Jahresende, das wären gut 40% über dem aktuellen Kurs.

Und eine Entwicklung sollte heute noch erwähnt werden. Gold hatte gestern ein "Swing Low", das heute bestätigt wurde. Sprich es kann sehr gut sein, das wir nun einen Boden im Edelmetallsektor haben. Der Chart des Goldpreises macht das sehr deutlich ! Zur endgültigen Bestätigung sollte Gold am Montag über 1670 USD steigen. Gelingt das am Montag nicht, stände das Signal heute im Zweifel.

Auch die Minen sprangen heute deutlich an. Und das Sentiment für Gold hat sich erheblich eingetrübt und viele haben die Edelmetalle nicht mehr so richtig auf dem Radar. Alles Faktoren, die dafür sprechen, dass wir nun einen kurzfristigen Boden haben oder nicht mehr weit davon entfernt sind. Ich bin im Sektor nun gut investiert und wenn sich dieser Boden nächste Woche bestätigen sollte, werde ich dieser Bewegung auch folgen - sprich der Edelmetallsektor wird von mir Ende März/ Anfang April dann nicht abgebaut, der Nachholbedarf ist einfach zu gross.

Da wir am Sonntag auch auf Sommerzeit umstellen, gelten ab nächster Woche wieder die normalen Handelszeiten für die Wallstreet - Eröffnung um 15.30 Uhr und Schlussglocke um 22 Uhr. Hari´s Märkte am Abend werden entsprechend dann wieder ab 22Uhr erscheinen.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 21.03.12 – Tag 2 der Konsolidierung – Siemens und die Macht des Gerhard Cromme

21 Uhr - Handelsschluss

Erneut agiert der Markt heute wie erwartet. Im S&P500 haben wir heute die 1400 von oben getestet und im DAX waren wir nur minimal von der 7000er Marke entfernt. Aber erneut kam dann Kaufinteresse in den Markt, weswegen für mich der in den letzten Tagen beschriebene Setup immer wahrscheinlicher wird. Mit jedem Tag den wir auf diese Weise konsolidieren, ohne wirklich nach unten wegzubrechen, steigen für mich die Chancen, dass sich dann eine starke Bewegung nach oben zum Quartalsende anschliesst. Diese Bewegung werde ich dann aber zum temporären Ausstieg nutzen, denn der Markt ist nun zu schnell zu weit gelaufen, eine scharfe Korrektur in den nächsten Monaten ist in meinen Augen unvermeidlich. Die Frage ist nur, ob diese Korrektur eher bei DAX 7200 oder DAX 7500 startet.

Ich lasse mich bisher von der aktuellen Schwäche nicht nervös machen, sondern nutze diese um mich zu repositionieren und vorzubereiten. Nachdem wir heute aber nicht weit von den Marken 1400 und 7000 weg gekommen sind, könnte es Morgen einen erneuten Test der Marken geben. Noch nicht einmal ein kurzer Taucher unter DAX 7000 würde mich aber nervös machen, wenn er im Laufe des Handelstages wieder über 7000 gekauft würde. Erst eine Bewegung unter DAX 7000, die ohne grosse Gegenwehr der Bullen dann auch unter 7000 schliesst, würde mich doch zu mehr Defensive veranlassen. Denn dann dürfte man die Frage stellen, ob wir vielleicht doch schon den kurzfristigen Top gesehen haben.

Kommen wir also gleich zu den Einzelaktien, denn an der grundlegenden Strategie zum Markt gibt es keinen Änderungsbedarf.

Ein Quentchen Glück war natürlich dabei, gestern im Anstieg nach der Pressekonferenz bei der Metro (WKN 725750) Gewinne mitzunehmen. Denn heute war Metro mit zeitweise Minus 4% der schwächste Wert im DAX. Scheinbar hat der Markt ein bischen länger gebraucht, um zum Schluss zu kommen, dass die Aussagen des neuen Managements wenig inspirierend waren. Immerhin hat der neue CEO Olaf Koch aber heute laut "Directors Dealings" Mitteilung 20.000 Metro Aktien zu knapp unter 30€ gekauft. In Summe also ein Investment von fast 600.000€, das man durchaus als positives Signal werten darf.

Dagegen hat ein Analyst der Citigroup heute mit seinem Sell-Rating für Metro und einem herab gesetzten Kursziel auf 22,5€, für mich so etwas wie das maximale Risiko der Metro definiert, sollte es dieses Jahr weiterhin keinerlei positive Nachrichten geben. Ich halte es aber eher mit dem Management als mit den Analysten und werde darüber nachdenken wieder einzusteigen, sobald die aktuelle Bewegung nach unten ausgelaufen ist. Denn bei der Metro dürfte nach meiner Ansicht schon eine einzige positive Nachricht - zum Beispiel zum Thema Kaufhof - ausreichen, um den Kurs deutlich nach oben zu bewegen.

Weniger perfekt war dagegen mein gestriger - Herrn Francioni geschuldeter - Ausstieg bei der Deutschen Börse (WKN 581005) bei etwas über 50€, denn der Titel war heute ohne grosse Nachricht bis auf über 51€ im Plus. Mitgeholfen hat dabei wohl ein positiver Kommentar der Commerzbank, der gegen 15 Uhr den Markt erreichte. Allerdings lautet das Kursziel der Commerzbank nur 54€, was sich ja weitgehend mit meinem -> hier am 10.02 <- genannten maximalen Kursziel von 55€ deckt. Ich sehe meinen leicht verfrühten Ausstieg daher erst einmal gelassen.

In der FTD gab es einen Artikel zur Personalpolitik von Gerhard Cromme in Sachen Aufsichtsrat bei Siemens (WKN 723610). Damit wird das Bild einer möglichen Annäherung von ThyssenKrupp (WKN 750000) und Siemens deutlicher, auch in der Capital soll Morgen dazu ja ein Artikel erscheinen. Sie als Leser dieses Blogs konnten davon aber -> hier <- schon am 14.02.12 lesen, in einem Artikel, in dem ich mich sehr kritisch mit dem Thema aus der Sicht von ThyssenKrupp auseinander gesetzt habe. Auf die Dementis aus den Unternehmen gebe ich dabei eher wenig, denn die Vorstände dürften auch nicht wissen, was Herr Cromme im stillen Kämmerlein alles so plant - wie sollen sie auch. Nur ein hartes Dementi von Herrn Cromme selber wäre für mich überzeugend, genau das habe ich aber bisher nicht feststellen können.

Mich macht die Machtpolitik des Herrn Cromme auch weiterhin nachdenklich, denn unabhängig von der Person Cromme - zu der ich mir mangels persönlicher Bekanntschaft kein Urteil erlauben kann - ist mir da nun zu viel Macht in einer Person vereinigt. Weswegen für mich weder Siemens noch ThyssenKrupp zu den Aktien gehören, in denen ich langfristig investiert sein möchte. Denn dieser Drang zu immer grösseren Fusionen schafft in meinen Augen keine Werte für die Aktionäre und keinen Vorteil für die Volkswirtschaft, weder bei der Deutschen Börse noch bei ThyssenKrupp oder Siemens.

Bei diesen Grossfusionen spielt für mich zu oft das Ego der Handelnden eine gewichtige Rolle, leider auch immer wieder zum Nachteil der Unternehmen - wer erinnert sich in Sachen Daimler noch an die "Hochzeit im Himmel" ? Und als "grosser Vereiniger" der beiden ruhmvollen Konzerne ThyssenKrupp und Siemens wäre ein Platz in den Geschichtsbüchern wohl ebenso sicher, wie Ruhm zur Lebenszeit. Unklar ist aber leider, ob eine solche Vereinigung nicht am Ende dann Deutschland ganz von derartiger Industrie entkernen würde. Denn auch die von Herrn Cromme 1999 massgeblich mit beförderte Fusion von Thyssen und Krupp hat am Ende im Sinne 1+1 leider nicht wie erhofft 2,5, sondern eher 1,5 ergeben, wie wir ja an ThyssenKrupp und seinen Problemen heute unschwer erkennen können.

Ich bedauere immer noch, dass der engagierte Klaus Kleinfeld unter Aufsichtsratchef Cromme als CEO von Siemens abtreten musste, obwohl ihm nie auch nur eine Kleinigkeit im Zusammenhang mit dem Schmiergeldskandal angehängt werden konnte. Sein Nachfolger Peter Löscher konnte dann vieles von dem ernten, was Kleinfeld bei Siemens angestossen hatte und Kleinfeld ist heute als CEO von Alcoa (WKN 850206) einer der ganz wenigen Deutschen, die einen der grossen amerikanischen Konzerne im Kernbereich führen und mit den grossen Namen von Obama bis Buffet verkehren.

Erstaunlich, das dieser Klaus Kleinfeld in Deutschland kaum bekannt ist, denn in den USA ist er ausserordentlich angesehen und hat damit geschafft, was nur den allerwenigsten Deutschen gelingt. Ich habe ein gut geschriebenes Portrait des Comebacks von Klaus Kleinfeld in der Capital von 2010 gefunden, das ich Ihnen wirklich ans Herz legen möchte - es lohnt sich zu lesen. Denn dieser Artikel geht über Kleinfeld hinaus und erhellt gut geschrieben wesentliche Unterschiede der deutschen und amerikanischen Geschäftswelt. Vielleicht, das ist meine höchst subjektive Vermutung, war Klaus Kleinfeld einfach zu unabhängig, selbstständig und gut vernetzt - und damit zu gefährlich - um als Siemens CEO weiter gewünscht zu sein.

Ob die grosse politische Korrektheit, mit der Siemens aus meiner Sicht heute sein sehr fokussiertes Geschäft definiert, wirklich ein langfristig erfolgreicher Weg ist, muss sich erst noch zeigen - ich persönlich betrachte diese Verengung des Geschäfts auf weniger Felder in Anbetracht der permanenten Umbrüche in der Welt mit Sorge. Das es Siemens schon seit über 150 Jahren gibt, war immer das Ergebnis einer sehr breiten Aufstellung, wie sie eine GE oder eine Toshiba heute noch haben, kein Geschäftsfeld war je dauerhaft erfolgreich - auch nicht bei Siemens. Diese Breite hat zwar mal kurzfristig Rendite gekostet, den Konzern aber durch unzählige schwere Umbrüche gelotst. Das bedeutet nicht das man alles mitschleppen muss, Breite hat aber einen Wert und der lautet: Stabilität.

Aktuell ist die Siemens-Aktie in meinen Augen durchaus attraktiv bewertet, da Siemens auf die derzeit politisch "angesagten" Themen im Bereich Cleantech und Energie setzt, weswegen ich eine kurzfristige Investition bei Kursen unter 80€ gut nachvollziehen kann. Langfristig sind für mich die strategischen Fragezeichen unter der Ägide Löscher/Cromme aber eher grösser als kleiner geworden.

Einen riesen Sprung von über 4% nach oben machte heute Mittag der spanische Ölkonzern Repsol (876845), nachdem die Verstaatlichung der Beteiligung an YPF seitens des argentinischen Staates vom Tisch sein soll. Sollte sich das bestätigen - der Markt ist in Anbetracht der unberechenbaren politischen Volten da zu Recht noch skeptisch - dürfte Repsol noch weiteres Potential nach oben haben, da der Kurs schon länger unter dem Thema leidet.

Schon gestern war auffällig, wie die Goldminen trotz schwachem Goldpreis nach oben drehten und auch heute bleibt der Kurs vieler Goldminen-Aktien stabil. Die dazugehörigen ETFs wie der GDX verzeichnen deutliche Mittelzuflüsse - siehe . Ich bin gestern zum Kurs von 32,6€ bei Barrick Gold (WKN 870450) wieder eingestiegen, um diese Bewegung zu spielen. Ob das eine dauerhafte Trendwende bei den Goldminen ist, betrachte ich aber als keineswegs sicher, ich persönlich rechne noch nicht damit. Denn solange die normalen Aktienmärkte so gut laufen, wird weiter Geld aus den "Risk Off" Anlagen im Bond- oder Edelmetall-Bereich abgezogen. Erst wenn es wieder Angst machende Einschläge oder deutliche steigende Inflationszahlen gibt, wird sich das Blatt wenden. Dann haben die Minen allerdings nach der langen Schwächeperiode einen grossen Aufholbedarf, der voller Chancen steckt.

Ich persönlich schleppe mich seit Wochen, wie meine ganze Familie, mit einer nicht enden wollenden Kette von Infektionen der Atemwege durch die Gegend, weswegen ich jetzt auch aufhöre, mich aufs Sofa lege und Ihnen einen schönen Abend wünsche !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 19.03.12 – Mehr vom Gleichen

21 Uhr - Handelsschluss

Es gibt so Tage, an denen gibt es wenig zu berichten und man fragt sich, was man gross schreiben sollte. Und heute ist für mich so ein Tag.

Wir hatten heute relative Schwäche im DAX, was nach den Tagen vorher nun wirklich nicht überraschend ist. Mehrmals haben wir die 7100 von oben getestet, aber immer wieder kam sofort Kaufinteresse in den Markt. Und am Ende haben wir mehr oder weniger auf dem Niveau von Freitag geschlossen. Ein Bärenmarkt sieht wirklich anders aus. 😉

Der S&P 500 lief auch weiter hoch und hat sein kurzfristiges technisches Ziel von 1412 aus einer Cup&Handle Formation abgearbeitet. Wenig überraschend ist in diesem Zusammenhang die kleine Schwäche, die sich zum Handelsende anschloss. Wir dürfen nie vergessen, dass die Algos den Markt dominieren und die traden diese Muster. Und deswegen werden derzeit diese Muster eher berechenbarer als unberechenbarer - dank der Computer im Markt. Erst wenn die Algos mehr künstliche Intelligenz enthalten, wird das wohl anders werden.

Was gibt es also heute Neues zu sagen ? Eigentlich nichts. Wenn wir Schwäche in den Markt bekommen, dann ist diese Woche der richtige Zeitpunkt. Denn nächste Woche, die Woche vor dem Quartalsende, könnte von Window-Dressing geprägt sein. Insofern könnte jede Schwäche heute, morgen oder übermorgen eine Kaufgelegenheit mit Blick auf nächste Woche sein. Und genau diese Tage sind nun eine kleine Chance für die Bären, um mal etwas mehr als 50 Punkte im DAX nach unten zu schaffen. Da aber nicht nur ich das so erwarte, sondern sehr viele im Markt, fallen die Korrekturen sehr gering aus und es wird sofort gekauft, wie auch heute wieder zu beobachten.

Morgen haben wir dann unser Freund Ben Bernanke um 17.45 Uhr mit einer Rede, das dürfte wie immer für Volatilität sorgen. Am Donnerstag stehen dann Draghi und Bernanke auf der Agenda. Meine Meinung, dass man nach dem Quartalsende Ende nächster Woche aber mal mehr auf Defensive spielen sollte, verfestigt sich aber im Moment. Das kurzfristig einfache Geld ist wohl schon gemacht und der Zeitraum April-Juli könnte holperig werden. Bis dahin, versuche ich aber noch aus dem Markt zu holen was geht. Und ich glaube, zum Quartalsende geht vielleicht noch was. 😉

Auch bei den Einzelaktien brauchen Sie nur noch einmal zu lesen, was ich hier letzte Woche schon zu einzelnen Titel schrieb. Ob Klöckner, Veolia, Commerzbank, Salzgitter, K+S, Lufthansa, Metro - die allermeisten dieser Liste, bis auf die Metro, sahen heute erneut gut aus. Und wie richtig es war, den Automobilsektor nun mal temporär links liegen zu lassen, wurde heute auch bestätigt.

Ich bleibe also am Ball und nutze die Chancen die mir der Markt bietet ! Ein Jahresanfang mit ca. 20% Plus kommt nicht alle Jahre, das sollte man nicht verpassen.

Noch kurz erwähnenswert sind für mich heute Nokia (WKN 870737), die heute die 4€ Markte hinter sich lassen und die -> hier <- schon besprochene Verbund (WKN 877738), die heute nach oben dreht.

Obwohl ich mich ja zu den wenig aussagekräftigen Bankbilanzen hinlänglich und despektierlich geäussert habe, scheint der europäische Bankensektor mir rein aus charttechnischer Sicht nun attraktiv. Schauen Sie dazu mal auf den einzigen voll replizierenden ETF, der diesen Sektor abdeckt, den iShares EuroStoxx Banks (WKN 628930). Enthalten sind darin die klassischen Branchengrössen der Euro-Zone, also Banco Santander, BNP Paribas, Deutsche Bank usw. usw.

Der ETF steht kurz davor ein deutliches Kaufsignal zu senden. Wenn Sie also davon überzeugt sind, dass die EZB durch ihr Füllhorn an Liquidität die Bankenkrise in der Euro-Zone abgewendet hat - und wenn Sie sich darüber hinaus nicht an einzelne Banken rantrauen, weil Ihnen die Bilanzen zu unberechenbar sind - dann könnte dieser ETF aus rein taktischer Sicht vielleicht einen Blick wert sein. Mehr als einen gut abgesicherten, taktischen Trade würde ich persönlich aber in dem Sektor nicht machen wollen, dafür ist mir das Bankensystem einfach zu unberechenbar.

Bermerkenswert finde ich heute auch noch, dass der Rohstoffsektor heute erneut ruhig und ohne Volatilität stabil geblieben und bei einigen Titeln weiter nach oben gelaufen ist. Damit haben wir nun mehrere Tage Pluszeichen hintereinander und damit steigen die Chancen, das hier die Trendwende auch im Gange ist. Denn derart ruhige, mehrtägige, leichte Anstiege stehen oft eher am Anfang einer Aufwärtsbewegung. Das Ende einer Bewegung oder eine kurze Gegenrally in einem fallenden Markt, ist dagegen eher durch viel mehr Volatilität geprägt. Lesen Sie im Zweifel noch einmal -> diesen <- Artikel vom 05.03.12, der viele der Aktien erwähnt, die nun nach meiner Ansicht chancenreich sein könnten.

Übrigens, auch die Kohletitel halten sich heute ganz gut, obwohl das Gerücht um Warren Buffet sich wie erwartet nicht realisiert hat. Ich würden den Rohstoffsektor und auch die Kohleaktien nun also ganz genau im Auge behalten !

So weit so kurz für heute, bis morgen in alter Frische !
Ihr Hari

Marktupdate 03.02.12 – Griechische Defensive Reloaded

Ein kurzes Update um 8.20 Uhr.  Wir haben heute um 14.30 Uhr die Arbeitsmarktdaten in den US die traditionell den Markt erheblich bewegen. In Anbetracht des sehr gut gelaufenen Marktes wäre eine Enttäuschungsreaktion nun keine Überraschung. Und am Montag geht es mit der endlosen Geschichte Griechenland weiter.

Bei der Reaktion des Marktes heute Nachmittag sollte man unbedingt die alten Höchststände im S&P500 von 1333 beachten. Sollten wir nach den Daten darüber hinweg nach oben laufen, ist das wohl ein Ausbruch und die Märkte nehmen dann wohl noch einen guten Schluck aus der Flasche. Der DAX dürfte dann über 6700 ziehen. Können die alten Hochs aber nicht geknackt werden, steigt die Wahrscheinlichkeit dramatisch, dass es kurzfristig erst einmal nach unten geht.

Ich werde daher heute die selbe Strategie wie letzte Woche anwenden und über das Wochenende defensiver agieren und im Laufe des Tages einige meiner Positionen glatt stellen. Short gehe ich nicht, dass mache ich erst wenn im DAX die 6400 nach unten gebrochen werden und der Markt damit signalisiert, dass er die 6200 wieder ins Visier nimmt. Denn einen derart starken Markt shorte ich nicht, ohne dass der Markt selber schon erste Risse zeigt.

Ich wünsche einen erfolgreichen Tag !