Marktupdate – 08.10.12 – Angst vor den Quartalszahlen

16:30 Uhr

Ein sehr kurzes Update.

Angst vor den anstehenden Quartalsergebnissen - bei denen die Mehrzahl der Marktteilnehmer schlechte Zahlen erwartet - erzeugt leicht Schwäche im Markt.

Solange wir in in der Konsolidierungszone in den Indizes bleiben, betrachte ich das als positiv, denn es bietet Raum für positive Überraschungen bei den Quartalszahlen.

Insofern bleibt meine Einschätzung gegenüber Freitag unverändert und uns bleibt nichts übrig als abzuwarten.

Bemerkenswert ist heute, dass Apple nun die Nackenlinie der Schulter-Kopf-Schulter Formation durchschlagen hat und damit nun klares Abwärtspotential in den Bereich 600-606 USD besitzt, je nachdem wie man die Nackenlinie zeichnet. Allerdings nur, wenn wir zum Tagesschluss immer noch unter der Nackenlinie stehen. Sollte Apple Intraday wieder drehen, ist das Setup wohl invalidiert.

Bemerkenswert ist insbesondere im DAX erneut, dass der Index viel besser aussieht, als das, was bei der Mehrzahl der Aktien passiert. Bei vielen Titeln sehen wir heute ein Minus von 2%. Einige wenige Schwergewichte halten aber den Index zusammen. Man sieht daran erneut die grossen Nachteile eines Index, der nur auf 30 Titeln fusst.

Übrigens einer der Gründe warum ich einen grossen Bogen um den Dow Jones Industrial Average mache und nur den breiteren S&P500 betrachte. Abgesehen davon hat der DJIA dann auch noch eine ziemlich absurde (weil kursbasierte) Art und Weise, die Gewichtung zu berechnen. Denn er ist preisgewichtet, was zu einer absurden Überbetonung von Aktien mit einem zahlenmäßig hohen Wert führt. Ich kann den DJIA daher nicht wirklich ernst nehmen.

Bei Gold wird die anfängliche Schwäche auch schon wieder gekauft, ich bin gespannt wie es weitergeht, eine Konsolidierung herab bis 1700 USD ist keineswegs unmöglich, dann aber möglicherweise eine schöne Kaufgelegenheit.

Des weiteren fällt heute der Kohlesektor mal wieder mit Stärke auf, die Gründe sind mir Stand 16:30 Uhr noch unklar.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg !

Ihr Hari

* Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- und unsere Gedanken zur -> Fairness <- ! *

Gastkommentar: Technisches Trading mit „The Trend is your friend“

Technisches Trading mit "The Trend is your friend" - Ein Gastkommentar von "Jacky"

Mit diesem Beitrag möchte ich zeigen, dass die Börsenregel "the trend is your friend" helfen kann Verluste einzugrenzen oder einen eventuell höheren Gewinn mitzunehmen, als man durch subjektives Trading erreichen kann (hier betrachteter Zeithorizont beträgt Tage bis einige Monate).

Bei der Beobachtung von Aktien überkommt viele Privatanlegern das Gefühl, dass einige Aktien, in die man investieren möchte, bereits seit einiger Zeit fallen und es gar nicht mehr tiefer gehen kann. Also investiert man. Und aller subjektiver Beurteilung zum trotz fällt sie weiter. Das gleiche gilt für Aktien in die man investiert ist: soll man sie verkaufen, da sie seit ein oder zwei Wochen fallen oder ununterbrochen angestiegen sind?

Es zeigt sich jedoch, dass Aufwärts- und Abwärtstrends viel länger anhalten können, als man dies antizipiert. Zu der Definition eines Trendanfangs/-ende: Als positive Trendwende bezeichne ich zwei aufeinanderfolgende Hochs, wobei das letztere Hoch höher ist UND zwei aufeinander folgende Tiefs wobei wiederum der letzte höher ist. Ein positiver Trend hält solange an, bis sowohl das neueste Hoch als auch das neueste Tief tiefer liegt, als die jeweils früheren, d.h. es entsteht eine negative Trendwende.

Mit dieser Definition kann man historische Daten analysieren. Der unten gezeigte Graph zeigt exemplarisch den S&P500 (Tageschart) seit 2011 wobei der farbliche Balken am unteren Bildende, den zu dem Zeitpunkt vorhandenen Trend darstellt (grün: Aufwärtstrend; rot: Abwärtstrend). Den Trend kann man einfach erhalten, in dem man die einzelnen aufeinander folgenden Hochs und Tiefs analysiert (hier via Matlab)

Die interessante Frage ist jetzt natürlich: wie lange hält ein Trend an? Dazu habe ich die Trends des S&P 500 seit 1990 analysiert und sehe, dass die durchschnittliche Trendlänge für einen positiven Trend 37 Börsentage ist (ca 7 Wochen) und für einen negativen Trend 22 Börsentage (ca 4 Wochen) ist. Der jetzige Trend läuft meiner Analyse zu Folge übrigens seit dem 15.Juni 2012 und der S&P500 Index hat seit dem 6.7% zugelegt. Man sieht ebenfalls, dass der S&P 500 sich gerade (wieder einmal) an einem aus Trendsicht wichtigem Punkt befindet: steigt er in der nahen Zukunft, ist der Trend intakt, ansonsten wird es ein neues Tief geben, was tiefer liegt als das letzte - was eine eventuelle Trendwende ankündigt.

Der folgende Graph zeigt seit 1990 alle Trends, die mein Programm im SP500 gefunden hat. Das schwarze Kreuz ist der Punkt, an dem wir uns gerade befinden (28.09.2012). Das dritte Subpanel beschreibt zudem den durchschnittlichen prozentualen Gewinn bei positiven Trends (grün) und den durchschnittlichen Verlust bei negativen Trends (rot) als Funktion der Trendlänge.

Hierbei erkennt man deutlich, dass Trends sehr kurz sein können (Bären/Bullenfallen), aber auch sehr lange andauern können (z.B. das gesamte zweite Halbjahr 2006). Um die Wichtigkeit der Börsenregel weiter zu verdeutlichen: hätte man am 01.01.2007 eine bestimmte Summe in den SP500 Index investiert, würde das Depot heute immer noch den gleichen Betrag besitzen (zwischenzeitlich weitaus weniger). Folgt man dem Trend und wäre nur während eines positiven Trends in dem SP500 investiert, hätte man heute mindestens 50% Gewinn (Annahme bei jedem Kauf und Verkauf je 0.2% Orderkosten).

Der Gewinn hängt davon ab wie gut man die Trends erkennt - vor allem wann ein Trend beginnt oder endet. Oft ist ein Tief plötzlich tiefer ist als das letzte und danach etabliert ein höheres Hoch den Trend wieder etc. Wie lange Trends anhalten hängt auch von den Aktien ab: sind sie volatil oder eher nicht? Der untere Graph zeigt für einen sehr passiven Trendanalysator die prozentuale Depotgrösse über die Zeit seit 2007 im Vergleich zu der Buy and hold Strategie für den SP500. Hätte man alle Trends richtig erkannt (was bei historischen Daten nachträglich natürlich möglich ist), würde man heute trotz Orderkosten ca 250% des Einstiegswert besitzen.

Noch eine technische Anmerkung: Es wurden keine Dividendenausschüttungen berücksichtigt, die Analyse erfolgt auf Basis der Tagesschlusskurse, in dem Tradingbeispiel seit 2007 ging ich von einem vollen Reinvest der zu handelnden Positionsgrösse aus (was natürlich nicht immer 100% möglich ist) und zudem konnte ich keine Buy/Sell spreads in die Analyse einfliessen lassen.

"The trend is your friend" sollte man also im Hinterkopf behalten. Zum Schluss möchte ich Ihnen noch die viel diskutierte Commerzbank Aktie zeigen und die Interpretation des Graphes Ihnen überlassen. Seit 1990 ist die durchschnittliche positive Trendlänge übrigens ca 4 Wochen, die durchschnittliche negative Trendlänge jedoch mit ca. 6 Wochen deutlich länger.

Viele Grüße,
Jacky

** Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- ! **

Marktupdate – 28.09.12 – Von DAX und Gold – Die wichtigen Lehren des Marktes

09:00 Uhr

Heute möchte ich ein paar Lehren aus dem gestrigen Tag ziehen. Sie haben den gestrigen, sehr spannenden Tag ja anhand meines Artikels und der "Live Tips" gut Schritt für Schritt nachvollziehen können. Und Sie bemerken sicher auch, dass ich einer der ganz Wenigen bin, die schon "vorher" mit einer Tendenz den Kopf heraus strecken, statt hinterher klug daher zu reden - was jeder kann.

Welche Schlüsse sollte man in meinen Augen aus dem gestrigen Tag ziehen ?

Markttechnik funktioniert !

Sie haben ja meine Prognose gestern gesehen und ich habe ja auch wieder die Skepsis bei vielen von Ihnen gespürt, weil ich damit gegen die "gefühlte" Situation stand. Auch in anderen Blogs war eher Verzweiflung ob der plötzlich schlechten Nachrichtenlage zu spüren. Verzweiflung und Ärger, die einem den Blick für die Chancen verstellt. Denn diese Emotionen sind immer prozyklisch und damit schon in den Kursen enthalten. Diese Emotionen sind der grösste Feind auf dem Weg zum Erfolg !

Aber wie vorhergesagt kam dann die Wende. Und sie kam genau aus den vorhergesagten Gründen und genau zum erwarteten Zeitpunkt. Schlechte Nachrichten wurde positiv gewertet, nicht weil sie positiver wurden, sondern weil der Markt nach Tagen der Schwäche nun positiv denken wollte. Und das konnte man an der Art wie der Markt auf die 14.30 Uhr Daten reagierte schon ablesen.

Wenn ich gestern also wieder auf den Punkt den Ablauf des Tages antizipierte habe, dann lag das nicht daran, dass ich eine Glaskugel habe. Es lag daran, dass ich rational die Fakten der Markttechnik zur Leitlinie meines Handelns gemacht habe, statt mich von Emotionen treiben zu lassen.

Nachrichten beeinflussen Kurse zwar, sie machen sie aber nicht. Ein Unterschied, den man unbedingt begreifen muss. Wer glaubt in die Richtung der Nachrichten traden zu können, wird ganz schnell arm werden. Denn Mr. Market antizipiert Nachrichten schon im Vorfeld. Was also zählt, ist nicht die Nachricht, sondern die schon eingepreisten Erwartungen im Angesicht der Nachricht.

Bauernregeln funktionieren !

Sie erinnern sich daran, dass ich an dem Reversal von Gold und Öl vorgestern Abend ein folgendes Reversal des Aktienmarktes festmachte ? Genau so ist es gekommen, ziemlich genau 24 Stunden nachdem Gold und Öl ihre Tiefststände sahen.

Der Vorlauf dieser beiden Assets bei Wenden im Markt ist eine klassische Bauernregel, empirisch aus Erfahrung bewiesen, aber nicht rational begründbar. Aber man tut gut daran, solche Regeln zu beachten - ganz pragmatisch so lange, bis sie nicht mehr funktionieren.

Übrigens: zu erkennen, dass beispielhaft Gold vorgestern eine bedeutende Wende hinlegte, ist keineswegs eine Geheimwissenschaft. Das hätten Sie problemlos auch gekonnt und massiv davon profitieren können. Schauen Sie mit mir doch mal auf das 30 Minuten Chart von Gold (XAUUSD):

Am späten Abend des 26.09.12, also vorgestern, habe ich meine beim "Swing High" vom 24.09. taktisch aufgelösten Positionen wieder gekauft und sogar noch oben drauf gelegt. Sie erinnern sich sicher an -> den <- Artikel vom 24.09.12.

Und jetzt frage ich Sie, wer sieht jetzt die Wende bei Gold ? Eben: nun wohl alle. 😉 Worauf sich die Frage anschliesst, warum Sie das nicht schon vorgestern Abend oder spätestens gestern Morgen gesehen haben und eingestiegen sind ? Möglicherweise weil Sie nicht so genau hingeschaut haben, sich aber statt dessen mit ihren Gefühlen, ihrer Angst und ihrer Gier, beschäftigt haben. Woraus sich wieder die Lehre ableitet, die ich hier gebetsmühlenartig mehrfach die Woche herunter leiere: Folgen Sie dem Markt !

Ich weiss, ich höre mich jetzt hier wie ein Oberlehrer an und die mag keiner mit ihrer Rechthaberei. Aber ich betreibe diesen Blog um Ihnen zu mehr Erfolg am Markt zu verhelfen. Und wenn Sie nicht aufhören zu raten und sich vom allgemeinen Sentiment prozyklisch beeinflussen zu lassen, wenn Sie nicht anfangen einfach dem Markt und seinen Signalen zu folgen, wird das nichts werden mit ihrem Erfolg ! Hier Süssholz zu raspeln, macht ihr Depot nicht dicker !

Topping Prozess oder Anlauf zu neuen Höchstständen ?

Keine Ahnung, beides ist möglich und man sollte gedanklich offen sein. Ich habe aus grundsätzlichen Überlegungen eine Tendenz für ein gutes 4. Quartal und einen Lauf zu neuen Höchstständen. Das ist aber definitiv keine Prognose, sondern nur die Wertung der Wahrscheinlichkeiten der mir im Moment vorliegenden Fakten. Und Fakten können sich ändern.

Es wird für mich wichtig sein zu sehen, wie der Markt auf die bald anstehende Quartalssaison reagiert um den Blick aufs Jahresende schärfer einstellen zu können. Eine gewisse Schwäche Mitte Oktober (im DAX durchaus bis knapp unter 7000) würde mich weder überraschen, noch meine grundlegende Sicht deswegen in Frage stellen.

Ist Gold und Silber schon zu weit gelaufen ?

Das könnte man meinen, wenn man die Gewinne sieht, die sich seit Juli kummuliert haben. Hier habe ich aber aufgrund diverser Analysen eher die gegenteilige Meinung. In meinen Augen war gestern Tag 1 eines neues Zyklus, der durch die seichte Korrektur mit dem folgenden "Swing-Low" von vorgestern seinen Abschluss fand.

Nun könnten uns möglicherweise mehrere Wochen starken Momentums im Sektor bevorstehen. Ein "heisser Herbst" sozusagen, was die Edelmetalle angeht. Ich bin seit vorgestern Abend im Sektor wieder massiv investiert und bin insbesondere bei 51 USD wieder massiv in den GDX gesprungen. Nun werde ich die Gewinne laufen lassen. Um das sicher zu stellen, werde ich die Stops weit entfernt lassen, selbst auf die Gefahr hin, dass ich am Ende einen guten Teil der Gewinne wieder verliere. Aber im Sektor erscheint mir das Risiko, einen massiven "Runaway-Move" zu verpassen nun höher. Und Sie wissen ja, Gewinne sollte man laufen lassen, nur Verluste müssen begrenzt werden !

Und jetzt geniessen Sie mit mir das Ende eines sehr guten Quartals. Anfang kommender Woche reviewen wir dann unsere Anfang Juli ausgewählten "Sommer Aktien". @ "Jacky", es wäre toll, wenn Du uns nach Handelsschluss mit den Daten zum Ende September versorgen könntest.

Nächste Woche werde ich dann auch noch etwas intensiver in das 4. Quartal hinein schauen. Ich wünsche einen erfolgreichen Tag !

Ihr Hari

** Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- ! **

Marktupdate – 27.09.12 – Long DAX und S&P500 ins Quartalsende ?

08:45 Uhr

Heute früh möchte ich Ihnen kurz erklären, warum ich nun - hin zum Quartalsende - "Long" im Markt bin.

  1. Der Leitindex S&P500 ist nun seit dem Hoch von vor ca. 2 Wochen an 7 von 8 Tagen im Minus und damit ganz klar überverkauft. In der Historie führte das fast immer zu Gewinnen an den Folgetagen.
  2. Wir hatten gestern erneut - nach den letzten Tagen - einen "Buying on Weakness" Tag im SPY. Und diesmal mit 384 Millionen USD einen gewaltigen Print. Das heisst: "Big Money" akkumuliert unter der Decke.
  3. Die Diskussionen ob der Markt ein Top ausbildet, breiten sich aus. Viele kluge und ernst zu nehmende Marktbeobachter wie Dave Landry oder James DePorre werden skeptischer. Vielleicht haben Sie mittelfristig recht, ich bin allerdings überzeugt: kurzfristig "not yet". Denn Tops brauchen lange um sich zu formen und eine weiterer (dann scheiternder) Anlauf auf die Hochs gehört in der Regel dazu.
  4. Gold und Öl, die beide dem Aktienmarkt typischerweise in einem Bottoming-Process etwas voran laufen, sehen beide so aus, als ob sie die Tiefs gestern gesehen haben.

Ziehen Sie Ihre eigenen Schlüsse, ich habe auf jeden Fall meine Hedges reduziert und setze auf Stärke heute und morgen. Meine Meinung werde ich schnell ändern, wenn der DAX heute mit Momentum unter 7250 taucht und die 7200 ins Visier nimmt. In diesen Bereichen der gestrigen Tiefs liegen auch viele meiner Stops für die Longs, mit denen ich nun zum Ende der Woche im Markt bin.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

** Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- ! **

Wie geht es weiter mit DAX & Co. – 26.09.12 – Über die Bedeutung der USD Entwicklung

09:00 Uhr

Gestern setzten im späten Handel der Wallstreet Gewinnmitnahmen ein, die den S&P500 bis fast 1340 herunter brachten. Damit stellt sich die Frage, ob das Quartalsende bis Freitag nun von weiteren Gewinnmitnahmen geprägt ist und wie es darüber hinaus weitergeht.

Was die kommenden Tage bis Freitag angeht, bin ich relativ leidenschaftslos. Ich denke es wird auf der einen Seite weitere Gewinnmitnahmen geben und deswegen ist heute weitere Schwäche gut möglich. Auf der anderen Seite werden aber unterinvestierte Marktteilnehmer diese Gelegenheit nutzen um einzusteigen bzw "Window-Dressing" zu betreiben.

So hatten wir am Montag und Dienstag in der Schwäche schon wieder "Buying on Weakness" Prints, die Sie nachlesen können.

Insofern rechne ich persönlich eher nicht mit gewaltigen Abwärtsbewegungen. DAX 7200 und S&P500 1420 sind aber gut drin, ohne irgend einen Schaden anzurichten. Im Gegenteil, es wäre sogar sehr gesund für den Markt !

Schauen wir darüber hinaus ins 4. Quartal, ist meine bullische Grundannahme weiterhin intakt. Zwei wesentliche Argumente kennen Sie schon:

  • Das insbesondere in Europa noch sehr negative Sentiment stützt die Kurse, weil es zeigt wie unterinvestiert Teile des Marktes sind.
  • Die Geldflut der Notenbanken weltweit wird im 4. Quartal ihre Wirkung zeigen, wenn die Programme scharf geschaltet sind. Alles andere wäre historisch der "diesmal ist es anders" Fall. Auch der kann eintreffen, darauf wetten würde ich aber fuglich nicht !

Es gibt aber noch ein weiteres, signifikantes technisches Argument und das kommt aus dem Dollarindex. Denn die Assetklassen, insbesondere im Bereich Industrie, Rohstoffe und Edelmetalle sind massiv von den Bewegungen in den Währungspaaren zum Dollar abhängig. Ein schwacher Dollar führt fast zwangsläufig zu einer weltweiten "Risk-On" Rally, die dann selbst währungsbereinigt in EUR noch Gewinne übrig lässt.

Nun schauen Sie mit mir mal auf das langfristige Wochenchart des EURUSD Währungspaars seit 2008:

Man sieht sofort, dass der Chart uns eine massive und langfristige Umkehrformation im Sinne einer inversen Schulter-Kopf-Schulter Formation zeigt. Ebenso wichtig ist aber die aktuelle Bullenflagge, die sich auszubilden scheint. Deutlicher kann man die im Tageschart von EURUSD erkennen:

Das sieht ganz klar nach einer Bullenflagge aus und wir sind darüber hinaus kurz davor die 200-Tage-Linie zu touchieren.

Noch einmal zum Verständnis, solche Chartformation sind erst dann bestätigt, wenn Sie vollzogen sind - hier also wenn sich die Bullenflagge nach oben auflöst. Im Vorfeld wie heute ergeben diese sich abzeichnenden Strukturen nur eine leicht erhöhte Wahrscheinlichkeit, nicht mehr. Aber das ist doch auch schon was. 😉

Wenn Sie übrigens eine Parallelität zur Anschauung einer Bullenflagge in EURUSD wollen, schauen Sie einfach im Wochenchart, wie EURUSD Mitte 2010 aus dem Tief kam. Die Bullenflagge und was danach passiert ist deutlich zu sehen. Wie dagegen eine weit ernster zu betrachtende Umkehrformation aussieht, können Sie Ende 2008 beobachten. Eine derartige bärische Fahne haben wir aber weder heute noch hatten wir sie 2010.

Insofern würde ich dieser Tage nun ganz genau auf EURUSD schauen. Sollte sich die Bullenflagge bewahrheiten, werden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit in den "Risk-On" Assets weiter hochlaufen. Insbesondere die aktuelle Konsolidierung bei den Edelmetallen und Minen dürfte dann eine Kaufgelegenheit sein, die man nicht verpassen sollte.

Trotz meiner mittelfristig klar bullischen Orientierung, dürfen wir aber nie die Demut verlieren zu wissen, dass Mr. Market auch komplett andere Pläne haben kann. Alles was ich hier zu bieten habe sind Wahrscheinlichkeiten, keine Gewissheiten. Dafür gibt es aber Stops, die man ideal unter die aktuelle Konsolidierungszone legen kann. Im DAX wären das aktuell ca. 7270. Wem das zu nahe an den aktuellen Kursen ist und wer nicht dumm ausgestoppt werden will, kann auch das letzte signifikante Tief von Ende August bei 6869 als Stopmarke nehmen. Das sind gute 6% maximaler Verlust nach unten, lässt dem Trade aber Raum um zu atmen.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

** Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- ! **

Marktanalyse – 21.09.12 – Wie wird das vierte Quartal für DAX, S&P500 und Co. ?

09:30 Uhr

Heute - am "Hexensabbat" in Deutschland und nahe am Quartalsende - möchte ich mit Ihnen einen ausführlicheren Blick auf das 4. Quartal richten.

Schauen wir als erstes Mal auf das langfristige Wochenchart des Leitindex S&P500:

Wir sehen, wie der Index seit dem Tief Anfang 2009 einen klassischen Aufwärtstrend hingelegt hat, der sich durch immer höhere Tiefs und immer höhere Hochs auszeichnete. Im Nachhinein dürfte sich da mancher fragen, warum er nicht Anfang 2009 "All In" eingestiegen ist und danach all das Durcheinander rund um Fukujima, Flash Crash und Eurokrise verschlafen hat. Eine Verdoppelung des Einsatzes wäre so ohne Mühen möglich gewesen. Aber hinterher ist man halt immer klüger. 😉

Sie sehen aber auch die roten Pfeile, die eine besondere Bedeutung haben. Der von mir sehr geschätzte Service misst regelmässig den "Smart Money / Dumb Money Confidence Spread". Dieser misst in Kurzform die Marktsicht der Marktprofis (Smart Money) im Verhältnis zu den privaten Anlegern (Dumb Money). Wenn dieser zu Gunsten des "Dumb Money" sehr hoch ist, bedeutet das, dass "Dumb Money" euphorisch und positiv gestimmt ist, während bei "Smart Money" schon (wieder) die Skepsis überwiegt.

Genau das ist der aktuelle Zustand des US Marktes und dieser Indikator hat nun den höchsten Wert seit März diesen Jahres erreicht. Die roten Pfeile auf dem Chart zeigen Ihnen nun die Zeitpunkte seit 2010, an denen dieser Indikator einen ebenso hohen - oder noch höheren - Wert hatte. In allen Fällen war nach oben nicht mehr viel zu holen.

Die Werte zum Sentiment bestätigen die Entwicklung, liefern aber ein differenzierteres Bild. Wir haben nicht mehr die "einfache" Situation von Mitte Juli, wo der Markt fast nur noch steigen konnte, weil niemand da war, der daran glaubte. Aber wie haben auch noch keine überzogene Euphorie.

Auch wenn man auf das Chart oben schaut, sieht man auch, dass ein derartiger Wert nicht zwingend ein sofortiges Top bedeutet. Im Gegenteil, eine Topbildung die 6 Monate dauert wie in der ersten Jahreshälfte 2011, ist durchaus typisch. Insofern ist es eher unwahrscheinlich, dass der Markt heute auf dem Fuss wendet und sofort nach unten läuft.

Noch besser, es gibt eine Ausnahme in dem Bild, den grünen Pfeil. Und genau diese Ausnahme entspricht am Besten der aktuellen Situation. Denn im September 2010 - vor genau 2 Jahren - wurde das erste QE angekündigt. Auch dort erreichte der Smart Money/Dumb Money Spread einen hohen Wert, bevor eine kleine Korrektur einsetzte. Dann aber begann die Geldflut zu wirken und wir bekamen ein hervorragendes 4. Quartal.

Von allen Möglichkeiten erscheint mir daher die Wiederholung des 4. Quartals 2010 immer noch als die, mit der grössten Wahrscheinlichkeit. Insofern signalisiert das Chart oben, dass man nun mit mehr Vorsicht zu Werk gehen muss. Die Zeit des bullischen "All In" von Juli ist vorbei. Zuviel Pessimismus könnte aber auch verfrüht sein und einem schöne Gewinne im 4. Quartal verbauen. Es bricht also wieder die Zeit der Stops und des taktischen Tradens an.

Und sollten wir nun doch vor einem bedeutenden Top stehen, dürfte das von nun an ein Prozess sein, den man in Ruhe beobachten kann. Im Moment wird jeder "Dip" im Markt sofort gekauft. Typisch für langfristige Tops ist, dass sich dieses Verhalten langsam ändert, die Käufer "trocknen" sozusagen aus. Sollten wir dergleichen beobachten, sollten Dips nicht mehr sofort gekauft werden, dann und nur dann sollten wir wesentlich vorsichtiger und skeptischer werden und ein bedeutendes Top ernsthaft in Erwägung ziehen. Da sind wir im Moment aber noch nicht. Und wenn die Kurse demnächst nach oben ausbrechen, würde das Gegenteil und eher das Analog zum Herbst 2010 damit indiziert.

Schauen wir im gleichen Massstab, als Wochenchart, auf den DAX seit 2008, sehen wir ein anderes Bild:

Es ist eindeutig zu erkennen, dass der Aufwärtstrend seit 2008 durch die Eurokrise gebrochen wurde. Und der DAX hat das noch nicht vollständig aufholen können und hat im Vergleich zum S&P500 nach wie vor erhebliches Nachholpotential.

Deutlich unterstrichen wird das erneut durch die Sentimentdaten von , die ich erneut zum Studium empfehle. Die Skepsis sitzt in Deutschland und auch in Europa nach wie vor tief. Vor diesem Hintergrund und während gleichzeitig alle Notenbanken "All In" gehen, besteht im DAX nach wie vor erhebliches Aufwärtspotential und auch ein Short-Squeeze zum Quartalsende ist im Rahmen des Möglichen.

Diese Analyse dürfte nicht nur für den DAX, sondern für die europäischen Aktienmärkte generell gelten. Gerade in Spanien und Italien findet man schwer verprügelte Indizes vor, die nun aber durch Mario Draghi Unterstützung bekommen. Sollte es der EZB gelingen die Probleme der Eurozone temporär mit frischem Geld zuzudecken, könnten diese Aktienmärkte vor einer bedeutenden Erholung stehen.

Fazit: Die Lage ist nicht mehr so eindeutig bullisch wie Mitte Juli, zu weit sind wir - insbesondere im S&P500 - gelaufen. Trotz aller Sentimentdaten ist aber die reale "Price-Action" der bedeutendste Faktor für Entscheidungen. Und die ist nach wie vor eindeutig bullisch. Auch die Seitwärtskonsolidierung seit Anfang dieser Woche ist bullisch zu werten, insbesondere da nun das Quartalsende bevor steht. Insofern bestehen nach wie vor gute Chancen auf ein starkes 4. Quartal. Wenn es den Notenbanken gelingt, die Eurokrise nachhaltig in den Hintergrund zu drücken, dürften die höchsten Gewinne dann in den europäischen Aktienmärkten zu finden sein.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen und viel Erfolg,

Ihr Hari

** Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- ! **

Marktupdate – 07.09.12 – Gewinnmitnahmen zum Wochenende

13:45 Uhr

Da war er gestern, der grosse Trendtag. Und es war eine beeindruckende Rally, die heute bestätigt wurde. Wie von mir erwartet, hat sich die Chartstruktur des S&P500 eher als Bullenflagge herausgestellt und nicht als Doppeltop.

Prinzipiell haben wir damit die Tür für weitere Gewinne aufgestossen und auch absolute Höchststände in beiden Indizes sind nun im Laufe des Herbst im Bereich des Möglichen. Alles Notwendige dazu habe ich den letzten Tagen schon gesagt.

Deshalb nun nur ein sehr kurzfristiger Blick in die Zukunft. Vor dem Wochenende ist es nun sehr wahrscheinlich, dass wir heute noch Gewinnmitnahmen sehen. In der ersten Handelsstunde der Wallstreet ist ein weiterer Schub möglich, der den S&P500 über 1440 schauen lassen könnte. Der DAX könnte noch einmal über 7250 schauen. Dann - irgendwann um 16-17 Uhr - würde ich aber mit den Höchstständen des Tages rechnen und mich auf Gewinnmitnahmen zum Wochenende einstellen. In dem Zusammenhang ist auch bemerkenswert, dass wir heute einen POMO Sell Operation Tag mit 7-8 Milliarden USD haben.

Wenn Sie bisher noch nicht ausreichend an der Rally teil hatten, ist heute Nachmittag also wohl nicht der beste Tag um noch aufzuspringen. Ich rechne nun mit Konsolidierung bis in die nächste Woche und erst nach BVG und FED dürfte der nächste grosse Schub auf der Agenda stehen. Beachten Sie auch, dass am Sonntag jede Menge wichtige Wirtschaftsdaten aus China kommen, die den Markt am Montag beeinflussen dürften.

An meiner grundsätzlich bullischen Lageeinschätzung ändert das nichts. Kurzfristig dürfte nun aber der Kuchen erst einmal verspeist sein und eine Korrektur bzw Konsolidierung keine Überraschung. Sollte diese Konsolidierung ausbleiben und wir weiter hochschieben, wäre das ein so extrem bullisches Signal, das selbst ich Optimist dann überrascht wäre.

Ich wünsche Ihnen eine gutes Händchen,

Ihr Hari

PS: Am Samstag Abend erscheint dann wieder ein Grundsatzartikel von Tokay zur Lage, schauen Sie mal am Wochenende rein.

** Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- ! **

Marktupdate – 05.09.12 – Doppeltop oder Bullenflagge – S&P500 am Scheideweg

09:00 Uhr

Wir nähern uns mit Macht einer entscheidenden Phase in den Märkten, die den Ton für den Rest des Jahres 2012 bestimmen könnte. Ich möchte mit Ihnen daher heute mal einen Blick auf das grössere Bild werfen, perfekt sichtbar am Leitindex S&P500.

Schauen wir mal auf den Tageschart des S&P 500:

Man sieht sofort die entscheidende Weichenstellung die nun ansteht. Entweder haben wir ein Doppeltop im Bereich um 1420 ausgebildet, dann dürfte die Reise zum Jahresende massiv nach unten gehen und wir haben erhebliche Fallhöhe. Oder wie bilden gerade eine Bullenflagge aus, die das Sprungbrett für weit höhere Kurse und eine massive Herbstrally darstellt. Unmittelbares Kursziel wäre dann 1546 im S&P500, ein Wert der sich rechnerisch aus dem Ausbruch aus dem massiven Dreieck ergibt, das wir vor Tagen besprochen haben.

Zwei Monate lang konnten wir nun einen ruhigen, latent positiven Sommer geniessen. Mit diesem Artikel will ich Ihnen zurufen:
Aufwachen aus der Lethargie und höchste Aufmerksamkeit ! Es wird ernst !

Die entscheidenden Stellschrauben dürften dabei die Notenbanken in der Hand halten. Primär die EZB am Donnerstag, die den Markt auf keinen Fall enttäuschen sollte. Aber auch die FED sollte man nicht vergessen. Denn es mehren sich die Stimmen, die der Ansicht sind, dass QE3 schon längst (seit Juli) im "Stealth-Modus" läuft. Jim Rogers ist einer der Prominentesten mit dieser Meinung, lesen Sie .

So irreal sich dieser Gedanke auf den ersten Blick anhört, so wird er bei genauerer Überlegung doch bedenkenswert. Denn Bernanke will stimulieren, daran hat er nie einen Zweifel gelassen. Sein ganzes akademisches Leben beruht auf dem Gedanken der Stimulierung, um eine erneute Weltwirtschaftskrise wie in den 30er Jahren zu vermeiden. Kurz vor der Präsidenten-Wahl, bewegt er sich aber auch in einem politischen Minenfeld, das ihm nicht erlaubt zu aggressiv vorzugehen.

So könnte es jede Menge Sinn machen, die FED Bilanz ohne grosse Ankündigung zu dehnen und massiv Anleihen zu kaufen. Zumindest das Verhalten einer Reihe von notenbank-sensiblen Assets wie Gold seit Juli stützt diese These. Und schaut man auf die US Bonds - zb in Form des ETFs "TLT" - dann zeigen die US Bonds eine erstaunliche Stabilität im Licht der Rally am Aktienmarkt. Irgendwer muss da massiv kaufen. Glaubt man den grossen Investoren von Soros über Eichhorn bis Paulson, sind die es nicht. Wer dann ?

Aber wie auch immer, egal ob QE3 schon läuft oder noch nicht. Die Notenbanken halten den Schlüssel in der Hand. Und wenn die Notenbanken in einer konzertierten Aktion aufs monetäre Gaspedal treten, dann werden die Märkte zum Jahresende steigen, ganz egal was sonst passiert. Don´t fight the FED - vergessen Sie nie diese immer wieder bewiesene Tatsache !

Aus diesem Grund - denn in meinen Augen machen die Notenbanken gerade ernst - ebenso wie aus Sicht des nach wie vor mittelfristig skeptischen Sentiments, gebe ich der Bullenflagge eine etwas höhere Wahrscheinlichkeit als der Variante des Doppeltops. Mir ist bewusst, dass beides möglich ist und ich bin bereit, sofort in "Bärenmarkt-Modus" zu wechseln, wenn mir der Markt das signalisiert. Die Chance der Herbst-Rally verliere ich aber nicht aus dem Auge.

Denn wenn man sich vor Augen führt, welches Szenario sich aktuell niemand vorstellen kann, dann ist es meinen Augen ein Szenario, in dem wir nun zu einer brutalen, mehrmonatigen Rally ansetzen, die ohne Pause läuft und uns im DAX über 8000 und im S&P500 Richtung 1600 schiebt. Das kann sich kaum jemand vorstellen, während alle möglichen Katastrophenszenarien x-fach durchdacht sind. Eine solche Rally dürfte immensen Schmerz verursachen, denn sehr viele Institutionelle hängen in der individuellen Performance des Jahres 2012 massiv den Indizes hinterher und sind aktuell erneut nur mässig investiert. Die müssten dann irgendwann verzweifelt kaufen, was die Rally weiter befeuert. Denken Sie in diesem Zusammenhang auch an die Cognitrend Analyse von letztem Mittwoch.

Ob es so kommt, wir werden sehen. Warten wir demutsvoll auf Draghis Weissagungen am Donnerstag. Aber übersehen sollte man diese Möglichkeit der massiven Rally nicht, sie ist realer als man meint.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

** Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- ! **