High Yield Anleihen signalisieren Risiko

Der folgende Artikel erschien schon Dienstag 29.09.15 17:10 in Hari Live und reiht sich in eine Kette von Beobachtungen zum Thema ein.

Aber auch im freien Bereich habe ich den Indikator schon 2013 im Artikel -> Die Märkte und der Junk Indikator <- eingeführt und davon abgeleitet, dass damals noch keinerlei Gefahr für die strukturelle Rally bestand - was dann ja auch eintrat.

Nun, im Herbst 2015 ist die Lage aber anders. Lesen Sie hier:

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Ich habe schon oft über die High Yield Anleihen als Indikator dafür geschrieben, ob wir ein ernst zu nehmendes Problem haben, oder nur eine "Garden Variety" (Feld- Wald und Wiesen) Korrektur vor uns, die man schnell abhaken und deren Dip man mit guten Chancen kaufen kann.

Am Mittwoch 29.07.15 hatte ich vor der Urlaubsphase im Premium Bereich unter dem Titel "Trade with Carl - Short Junk" einen Beitrag, der sich mit dem Shorten des ETFs JNK befasste, der die US High Yielder umfasst und dabei besonders die bedrängten Energie-Unternehmen im Fracking-Bereich im Fokus hat.

Dieser Trade war sehr erfolgreich, wie wir dem folgenden Chart entnehmen können:

JNK 29.09.15

Wir hatten eine perfekte, bärische Gegenbewegung nach dem 24.08., die es aber nicht bis zum Widerstand geschafft hat und dann ging es wie erwartet wieder runter.

Und nun hat der JNK im Gegensatz zum S&P500 schon neue Tiefs erreicht, was unterstreicht, dass wir es aktuell im Markt mit einer ernst zu nehmenden Korrektur zu tun haben, hinter der substantielle Sorgen stehen.

Dass der JNK nun so viel Boden verloren hat und schon zu neuen Tiefs aufgebrochen ist, sollten wir als deutliches Warnsignal nehmen, dass wir in keinem gefahrlosen Bullenmarkt mehr sind, in dem früher oder später jeder Dip zu kaufen ist.

Und dass das in einer Phase passiert, in der die Notenbanken einen guten Teil ihres Pulvers ohne nennenswerte Effekte auf die Realwirtschaft schon verschossen haben, sollte uns im langfristigen Bild nur noch vorsichtiger machen, auch wenn es kurzfristig stark nach Rebound riecht.

Auch die FuW, hat das im zum Thema gemacht und wenn wir da von gestiegenen CDS Prämien hören, kommen alten Hasen schnell ungute Erinnerungen an 2007 hoch.

Ich will aber noch einen darauf setzen und die aktuelle Korrektur über den JNK mal in die grössere Perspektive stellen:

JNK 29.09.15 2

Sie sehen eindeutig, dass es nun - im Gegensatz zum Oktober 2014 - "ernst" ist. Wir haben bei den High Yieldern schon heute einen Einbruch, der sich nur noch mit der Lage 2010 zum "Flash Crash" bzw der "Griechenland 1.0 Krise" und mit der Lage 2011 zur Eurokrise vergleichen lässt.

Bei aller berechtigten Erwartung an eine denkbare Wende und ein bald bevorstehendes "Undercut & Rebound" Szenario an den Aktienmärkten, das dann zu einer Jahresendrally führt, sollte uns das vorsichtig genug machen um zu verhindern, dass wir zu gierig jedem Bounce gleich nachlaufen.

Die langsame und stufenweise Erweiterung des Depots mit Qualitätsaktien, lässt sich sicher auch heute rechtfertigen. Dafür sind die Kurse tief genug.

Um aber aus Überzeugung nun Kaufkurse auszurufen, wie das viele Mainstream-Medien in Deutschland schon letztes Wochenende getan haben, ist es nach meiner Einschätzung noch zu früh.

Das endgültige Urteil über diese Korrektur steht noch aus und wir wissen noch nicht, welchen Namen wir beim Fragezeichen mal in der Zukunft hinschreiben werden.

Das nur zur Einordnung für alle, die nun zu gierig nur nach oben schauen. Man kann zur Lage auch kurz und knapp sagen:

Kurz- und Mittelfristige Chancen? Ja!

Es spricht nun viel für eine Jahresendrally, die sich bald (im Oktober) in Bewegung setzen könnte. Und auch ein potentieller Doppelboden entsprechend der -> 2011er Analogie <- hat nun gute Chancen. Der JNK dürfte also kurzfristig auch wieder steigen und eine Gegenbewegung einleiten.

Generelles Feuer frei? Nein!

Auch wenn wir nun eine Jahresendrally sehen sollten und der JNK eine Gegenbewegung vollzieht, kann diese im grossen Bild immer noch nur die rechte Schulter eine Topbildung sein. Auch 2007 kamen die Märkte zum Jahresende noch einmal in die Nähe der Höchststände, bevor es dann 2008 richtig abwärts ging.

Der "Junk Indikator" signalisiert ganz klar strukturelle Gefahr und das sollten wir nicht einfach ignorieren.

Ihr Hari

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Grundlagen des Shortens – Wat is en Dampfmaschin?

Im Premium Bereich habe ich auf Wunsch der Mitglieder eine Reihe zu den Grundlagen des Shortens (für Anfänger) begonnen.

Hier ist der erste Artikel vom Montag 13.10.14 13:00 Uhr, der erklärt, was es eigentlich mit der "Wertpapierleihe" auf sich hat und wie ein Leerverkauf funktioniert.

Die weiteren Artikel der Reihe, bis hin zu konkreten Instrumenten, bleiben dem Premium-Bereich vorbehalten.

Im Forum war Ende letzter Woche von unserern Mitgliedern der Wunsch vorhanden, ob ich nicht mal einen Grundsatzartikel zum Shorten schreiben könnte, um die Grundlagen zu erklären für die, die das noch nie gemacht haben.

Das will ich gerne tun. Beim Nachdenken darüber, wie ich das "didaktisch" am Besten anfasse, wurde mir schnell klar, dass das Thema zu umfangreich für einen einzigen Artikel ist.

Mit dem heutigen Tage beginne ich daher eine Serie "Shorten", in der ich in lockerer Folge die Grundlagen vermitteln will, je nachdem wann ich dazu Zeit und Lust finde.

Zu Beginn denke ich, ich muss erst einmal erklären, was ein Leerverkauf überhaupt ist und was es mit der Wertpapierleihe auf sich hat. Und warum man als normaler Anleger von all dem wenig merkt, wenn man zum Beispiel mit einem CFD einfach Short geht.

Denn wenn Otto Normalverbraucher oder die Politik - deren intellektuelles Niveau zu dem Thema auch nicht weiter als das von Joe SixPack ist - die Worte "Leerverkauf" hört, dann löst das ja sofort Schnappatmung aus und Bilder von Zigarren rauchenden Zockern wabern durch das Hirn. Zocker, die wie der Gottseibeiuns, nur Böses im Schilde führen und treue und ehrlich arbeitende Firmen "manipulieren" wollen. Ganz zu schweigen von den bösen Zockern, die ja an den Nahrungsmittelpreisen Schuld sein sollen - irgendwie halt, so richtig fassen kann Joe SixPack das zwar nicht, aber wird schon irgendwie die Richtigen treffen. 😉

Da wir uns mit so Plattheiten hier aber nicht zufrieden geben wollen, müssen wir mal die Grundsatzfrage stellen:
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Äh .. Entschuldigung, ich meinte natürlich "Wat is en Leerverkauf", aber so oder so: "Da stelle mer uns janz dumm!" 😉

Wir begeben uns daher in einem Gedankenspiel zurück in das Jahr 1850, in das schöne Land Kalifornien, in dem gerade ein Goldrausch tobt. Sie haben einen Bekannten, der einen kleinen Claim ergattern konnte und tatsächlich ist es ihm gelungen so viel Gold heraus zu holen, dass er das nun in einen 10-Unzen Barren pressen konnte, den er nun wie seinen Augapfel hütet - "mein Schatzzzzzz" halt. 😉

Sie als kundiger und rationaler Beobachter, sind aber der festen Überzeugung, dass die aktuell aufgerufenen Goldpreise viel zu hoch sind und bald wieder zusammen klappen werden. Ihr Bekannter sieht das aber ganz anders herum, er ist euphorisiert und glaubt, dass der Goldpreis nur den Weg nach oben kennt, weswegen er seinen Barren auch nicht hergeben will.

Sie aber, würden so gerne aus Ihrem Wissen, dass Gold bald fallen wird, Kapital schlagen. Nur wie sollen Sie das tun? Es gibt kein Internet und noch nicht einmal Telefon. Mit wem sollen Sie denn handeln? Sie können auch zu keiner Bank gehen, die Ihnen einen "Short" auf Gold anbieten kann und als Gegenpartei dient. Das Einzige was Sie haben, ist so ein Goldhändler in der Kleinstadt, der jeden Tag am Nachmittag einen Kurs raushängt, der (hoffentlich) von einer Börse im fernen New York abgeleitet ist. Dieser Kurs ist Ihr einziger Massstab, nur wie wollen Sie damit von Ihrem Wissen um einen fallenden Goldpreis profitieren?

Da fällt Ihnen wieder Ihr Bekannter ein und Sie haben eine innovative Idee. Sie bieten Ihrem Bekannten an, seinen Goldbarren von ihm zu leihen und garantieren ihm, ihm den Goldbarren genau drei Monate später wieder zu geben. Sobald Sie den Barren geliehen haben, gehen Sie zum Händler und verscherbeln den Barren für Dollar. Da Sie ja davon ausgehen, dass der Barren drei Monate später weniger wert ist, rechnen Sie damit, dass Sie einen Barren zum Zurückliefern an Ihren Bekannten dann in 3 Monaten beim Händler billiger zurück kaufen können. Die Differenz ist Ihr Gewinn!

Theoretisch ist das eine superbe Idee. So könnten Sie von fallenden Kursen profitieren, weil Sie heute etwas verkaufen, das Sie sich geliehen haben, um es dann in der Zukunft billiger zurück zu kaufen.

Das Dumme ist nur, warum sollte Ihr Bekannter da mitmachen? Er hat den Barren doch heute schon und hat keinen Vorteil davon, Ihnen den zu leihen und damit sogar noch ein Risiko zu gehen, dass Sie ein Betrüger sein könnten und mit dem Barren einfach verschwinden. Und ohne einen realen Barren den Sie über den Tresen schieben, wird Ihnen der Goldhändler heute kein Geld auszahlen.

Um Ihrem Bekannten den Deal schmackhaft zu machen, müssen Sie ihm also etwas anbieten und das ist sinnvollerweise ein Zins oder eine Gebühr dafür, dass er Ihnen den Barren leiht. Sie bieten ihm also einige Prozent des Barrenwertes für die Leihdauer an, die sie ihm sofort zahlen werden. Diese "Leihgebühr" schmälert zwar am Ende Ihren Gewinn, aber immerhin, das überzeugt Ihren Bekannten.

Denn er hat jetzt (vermeintlich) auch nur Vorteile, er hat seinen geliebten Barren weiter und kann langfristig an dessen (vermeintlicher) Wertsteigerung partizipieren und bekommt dazwischen noch einige Prozent Leihgebühr für ein paar Monate.

Alle sind also happy und wer am Ende der drei Monate dann happy ist, werden wir sehen. 😉

Genau das ist ein Leerverkauf mit Wertpapierleihe! Und es ist die einzige Art und Weise, um bei Assets seriös von fallenden Kursen zu profitieren. Man muss halt eine Sache (hier Gold) verkaufen, um es später (hoffentlich billiger) zurück zu kaufen. Der Begriff "leer" bedeutet hier also nicht, dass Sie kein reales Gold real verkauft haben. Er bedeutet nur, dass Sie den Barren zu diesem Zweck nur geliehen haben und ihn später wieder zurück geben müssen. Es müsste hier also eigentlich "Leihverkauf" heissen. 😉

Dieser Leerverkauf ist in jeder Hinsicht völlig seriös und unproblematisch, weil hier wird ja ein echter Goldbarren ganz real (beim Händler) verkauft. Und die negativen "Zockergedanken" die so etwas bei Joe Sixpack auslöst, sind in dem Fall völlig deplaziert und nur der puren Ahnungslosigkeit geschuldet.

Wer so sauber leer verkauft, kann an Menge nie mehr verkaufen, als real am Markt vorhanden ist. Das genau ist ein (gedeckter) Leerverkauf und von den Grundprinzipien her die Grundlage jedes sauberen Short-Geschäftes. Natürlich gibt es von dem Prinzip unzählige Abarten, die leicht anders funktionieren. Ich versuche hier aber keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern Ihnen ein Gefühl für das dahinter stehende Grundprinzip zu vermitteln und dafür genügt dieses eine Beispiel.

Nun sind wir ja aber im Jahr 2014 und uns bieten Banken diverse derivative Konstruktionen an - zum Beispiel einen CFD - um "Short" zu gehen, ohne dass wir uns als Anleger um Wertpapierleihen Gedanken machen müssen. Über diese realen Produkte werde ich in einem weiteren Beitrag der Reihe "Shorten" irgendwann in der Zukunft schreiben.

Hier und Heute ist aber wichtig für Sie zu verstehen, dass wenn Ihnen ein seriöser Broker zum Beispiel via CFD anbietet nun bei einer DAX Aktie Short zu gehen, der Broker sich sofort wenn Sie die Position eingegangen sind, im Hintergrund per echtem Leerverkauf - wie oben - refinanziert.

Das bedeutet also, in Wirklichkeit machen Sie auch einen echten Leerverkauf mit Wertpapierleihe, wie oben im Jahr 1850 beschrieben. Sie merken nur nichts davon, weil Ihr Broker diese Kompexität für Sie verbirgt und dafür eine Gebühr kassiert.

Ein seriöser Broker wird daher auch nie gegen Sie wetten, denn wenn er sich sofort am Markt refinanziert, ist ihm der Ausgang Ihrer kleinen Wette egal, er verdient an der Marge und fertig.

Ausserdem wird der seriöse Broker Ihnen nur dann eine Short Position via CFD auf eine Aktie anbieten, wenn er sich auch wirklich refinanzieren kann - sprich eine Aktie zum Verkauf am Markt leihen kann. Wenn keine leihfähigen Aktien am Markt mehr zu bekommen sind, weil zum Beispiel schon massive Short-Positionen existieren, wird der seriöse Broker Ihre CFD Short Positon ablehnen. Denn würde er sie annehmen, ohne sich zu refinanzieren, würde er ja gegen Sie wetten und abgesehen davon, de facto eine *ungedeckte* Short-Position (naked short selling) ermöglichen.

Bei meiner primären Handelsbank, die ich zu den seriösen Brokern zähle, habe ich schon mehrfach erlebt, wie Short CFDs auf Einzelaktien gesperrt waren und es waren (wie einmal bei Tesla) fast immer Aktien, die schon kräftig am Markt geshortet wurden - sprich zu leihende Aktien waren nicht mehr vorhanden. Dieses Verhalten ist das Verhalten eines seriösen Brokers, auch wenn man sich in dem Moment vielleicht ärgert, weil der Short auf Tesla nicht mehr geht.

Gerade bei kleineren CFD Anbietern dürfte es nach meiner Vermutung aber auch Fälle geben, die sich nicht refinanzieren und als Gegenpartei damit gegen Sie wetten. Dass diese Broker dann natürlich ein Interesse daran haben, Kurse mal schief zu stellen, Orders liegen zu lassen oder Stops abzufischen, dürfte klar sein. Ein Broker der gegen Sie wettet, ist kein Broker, sondern eher ein Buchmacher in einem Wettbüro. Und schlimmer noch, dieser Buchmacher stellt dann auch noch Ihre Kurse. Lassen Sie die Finger davon!

Sie sehen an der Darstellung auch den Unterschied zwischen einem seriösen Leerverkauf und einem fragwürdigen ungedeckten (nackten) Leerverkauf. Letztere sind in meinen Augen ein unnötiger Auswuchs eines wild gewordenen Finanzsystems und dienen letztlich nur der Grossfinanz.

Gerade bei Gold an der Comex kann man das wunderbar beobachten. Hier können ungedeckten Wetten eingegangen werden und damit können die "grossen Jungs" den Preis eigentlich beliebig hin und her schicken, mit dem physikalischen Angebot und Nachfrage hat das nicht notwendigerweise viel zu tun. Um ins Jahr 1850 zurück zu gehen, müsste der Goldhändler Ihnen also Geld für den zu verkaufenden Goldbarren geben, nur auf ihre Versicherung hin, dass Sie "irgendwo" tatsächlich einen Barren besitzen. Dass das der Manipulation Tür und Tor öffnet, dürfte offensichtlich sein.

Gedeckte Leerverkäufe sind also seriös und haben für einen Markt eine hohe (positive) Bedeutung, weil sie helfen den Markt gesund zu halten und Übertreibungen zu reduzieren. Die "Shorties" die gegen überzogene Kurse wetten, sind keine finsteren Gestalten, sondern eher wie eine Gesundheitspolizei, die keine übertriebenen Bewertungen zulässt. Und in dem die Politik Leerverkäufe generell verbietet (warum eigentlich?) macht man einen Markt nicht stabiler, sondern instabiler.

Ganz anders sind ungedeckte Leerverkäufe zu werten, in denen eine Partei "aus dem Nichts" beschliesst, nun mal Mengen eines Assets zu verkaufen, die die Partei gar nicht besitzt. Damit können Marktpreise tatsächlich manipuliert werden, weil am Ende mehr verkauft werden kann, als physikalisch überhaupt existiert und das reale Angebot und der reale Bedarf seinen Einfluss auf die Preisfindung verliert. Ungedeckte Leerverkäufe sehe ich sehr kritisch und bin sicher, dass der Markt ein Besserer wäre, wenn diese Auswüchse unterbunden würden.

So weit der erste Teil zum Thema Shorten und die Erklärung, "wat en Dampfmaschin" ist. Ich hoffe es hat geholfen die Begrifflichkeiten besser zu verstehen.

Ihr Hari

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Gold und der Weg des maximalen Schmerzes

Der folgende Artikel erschien schon gestern Montag 06.10.14 09:40 in Hari Live

Gold hat in USD nun heute Nacht endlich das getan, was schon länger absehbar war: die Tiefs bei 1180 USD wurden erneut getestet:

Gold 06.10.14

Damit ist ein temporärer Bounce nun höchst wahrscheinlich geworden. In Summe erleben wir nun seit Monaten, wie Gold sich exakt so bewegt, wie wir das schon seit Anfang des Jahres hier als grossen "Gameplan" mehrfach skizziert haben.

Zu klar war einfach die zu positive Erwartung der Gold-Bugs, die aus reiner Hoffnung heraus, auf einen Rebound gesetzt haben und unbedingt eine Umkehrformation sehen wollten, wo in Wirklichkeit ein grosses fallendes Dreieck war, das nach Auflösung nach unten schrie.

Ich erinnere in diesem Zusammenhang an den Artikel -> Gold zwischen Mythen und Propaganda <-, der auch Links zu den anderen Artikeln zum Thema hat.

Nun ändert sich der mediale Konsens am Markt aber merkbar, die diversen Börsenbriefe der „Gold-Bugs“ schwenken um und selbst die härtesten Gold-Bullen, nehmen nun einen Absturz bis 1000 USD ins Visier - zu deutlich ist einfach die aktuelle Schwäche, als dass man da noch gegen an schreiben kann. Natürlich wird der Absturz auf 1000 USD mit dem „Twist“ versehen, dass das dann der finale Absturz sei, aber der Konsens richtet seinen Blick nun klar nach unten und das Sentiment ist sauer wie selten.

Und damit kommt nun wieder die Reflexivität zum Tragen und wir, die wir diese Mechanismen verstehen, tun nun gut daran, uns auch andere Alternativ-Szenarien zu durchdenken, als den Absturz auf 1000 USD, den wir schon so lange auf dem Radar haben.

Sie wissen in diesem Zusammenhang, dass ich ein Freund der Theorie vom „Weg des maximalen Schmerzes“ bin, dem Weg, den der Markt systemimmanent gerne nimmt. Man könnte es auch schlichter den Weg des geringsten Widerstandes nennen, weil das der Weg ist, auf dem niemand positioniert ist und damit Widerstand leisten kann. Ein Weg, den niemand auf der Rechnung hat, ist aber auch ein Weg voller Schmerz für die Marktteilnehmer.

Gerade bei Gold, ist die Tendenz diesen Weg zu nehmen besonders ausgeprägt, weil bedingt durch die Struktur der COMEX und die Möglichkeit dort ohne physische Hinterlegung gehebelt zu handeln, der Goldpreis von den ganz grossen Jungs beliebig hin und her geschickt werden kann. Da bietet es sich doch geradezu an, die normalen Anleger mal wieder abzufischen und erneut auf dem falschen Fuss zu erwischen.

Und wie würde so ein mögliches Szenario des maximalen Schmerzes nun aussehen?

Nun, es würde nach einem anämischen Bounce, der sich nun anschliessen könnte, einen Einbruch unter 1180 erfordern. Dieser Einbruch würde dann die letzten Gold-Bullen demoralisieren und der ganze Markt würde auf die 1000 USD starren. Wenn dann, irgendwo zwischen 1100 und 1150 USD, ein Rebound orchestriert wird, dürfte das den gesamten Markt auf dem falschen Fuss erwischen und zu einem brutalen Short-Squeeze führen:

Gold 06.10.14 2

Bedenken Sie aber bitte, das ist nur ein Szenario unter vielen. Aber eines das ebenso Sinn macht, wie der Einbruch bis 1000 USD. Und bedenken Sie bitte, dass Gold in diesem Szenario unbedingt einen schwächeren Dollar für den Rebound braucht. Aber auch aus dieser Sicht könnte das Szenario vom Timing her Sinn machen, denn wenn nach einer kurzen Gegenbewegung im Dollar, in den kommenden Wochen noch eine weitere Phase der Dollarstärke kommen sollte, könnte sich diese Bewegung dann auch in ein paar Monaten erschöpft haben. Das wäre wohl notwendige Voraussetzung, um eine Stabilisierung beim Goldpreis zu bekommen.

Gehen wir nun also kurzfristig von einem schwachen, bis bestenfalls durchwachsenen Bounce bei Gold aus, der im Maximum vielleicht bis 1250-1260 USD tragen könnte. Und gehen wir davon aus, dass die 1180 USD dann in den kommenden Monaten trotzdem nach unten gebrochen werden.

Dann aber wird es richtig interessant und wenn die ganze Herde auf der einen (Short-) Seite des Bootes hängt, müssen wir uns nicht auch noch auf diese Seite begeben. Eine Veränderung der Positionierung der Commercials im COT-Report, wird uns wohl den Weg weisen.

Ihr Hari

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Charts des Sommers – S&P500 – Würden Sie diesen Chart shorten ?

Heute möchte ich Ihnen in einem Beitrag zum S&P500 typische psychologische Fallen vermitteln, in die wir menschliche Anleger und Trader typischerweise tapsen, wenn wir einen Top im Markt treffen wollen.

Schauen wir dazu auf das Chart des Leitindex S&P500 (hier der Future), auf dem wir das Hoch vom 22.05.13 sehen, das Tief vom 24.06.13 und den erneuten Anstieg auf Hochs bis zum heutigen Zeitpunkt.

Trendfortsetzung oder Doppeltop, werden sich viele jetzt wieder fragen und es wird einigen in den Fingern jucken, diese Markt nun zu shorten.

S&P500 18.07.13

Da sitzt er nun also, "Hans Anleger". Privatmann, gebildet, börseninteressiert ... aber immer noch von Emotionen zu stark beeinflusst, die ihm permanent einflüstern, was der Markt nun wegen diesem und jenem machen müsste. Und sein Ego füttern, wenn es denn mal zufällig klappt. Und wegschauen und verdrängen und so sein Ego schützen, wenn es - wie so oft - nicht klappt.

Und diesen "Hans Anleger" gibt es nicht nur bei charttechnisch orientierten Anlegern. Nein, bei denen die sich naiv für etwas "besseres" halten, weil sie ja nur auf "fundamentale" Daten gehen und diesen "Hokuspokus" mit Charts nicht mitmachen, ist dieser Effekt sogar noch schlimmer. Dort entblöden sich viele noch nicht einmal der Einbildung, den zukünftigen Effekt einer aktuellen ökonomischen Entwicklung besser als alle anderen (die den Markt bilden) einschätzen zu können. Es fühlt sich halt so toll für das Ego an, klüger als die "dumme Masse" zu sein - nur macht es die Taschen später nicht voll, aber das ist eine andere Geschichte. Und dann hat man auch schon wieder ein anderes Thema gefunden um sich gut zu fühlen und daran zu wärmen. 😉

Zurück zu Hans Anleger, der diesen Runaway-Move im S&P500 seit November 2012 sieht und sich immer und immer wieder denkt: "Das kann so nicht ewig weiter gehen". Recht hat Hans Anleger, das Dumme ist nur, der Zeitpunkt wann es endet ist unbestimmt. 😉

Da Hans Anleger durchaus erste Erfahrungen hat, mit Oszillatoren wie dem RSI umgehen kann und auch ansonsten aus den Charts einiges heraus lesen kann, startet er also an Punkt (1) den ersten Short-Versuch. Durchaus nicht ohne Logik und das konnte man machen.

Leider beliebt Mr. Market aber nicht, sich entsprechend der Annahmen von Hans Anleger zu verhalten. Und da Hans Anleger auch weiss, wie wichtig Verlustbegrenzung ist - er ist also wirklich schon ein fortgeschrittener Anleger mit gutem Grundwissen - steigt er mit einstelligem Verlust aus dem Trade wieder aus. So weit so gut und völlig in Ordnung. Bisher kein grober Fehler.

Da Hans Anleger ja aber seine Überzeugung nicht ablegt, wird mit den weiter steigenden Kursen die Überzeugung nur stärker. Das "kann" nicht mehr so weiter gehen. Also versucht er es bei (2) und (3) erneut mit entsprechend negativem Ergebnis.

Und nun beginnt der eigentliche psychologische Fehler. Nun ist Hans Anleger gefrustet und um sich und sein Selbstbewusstsein zu schützen, schaut er nun ganz bewusst woanders hin und würdigt den S&P500 erst einmal keines Blickes mehr. Das ist ein unbewusster psychologischer Schutz-Reflex, den man überhaupt erst einmal in die Bewusstseinsebene hoch heben muss.

So passiert es, dass Hans Anleger den grossen ersten Einschlag gar nicht mitbekommt und erst bei (4) zur Kenntnis nimmt. Nun greift der zweite psychologische Fehler, sofort kommt der Gedanke: "Mist, Absturz verpasst. Das lohnt sich jetzt nicht mehr." Unbewusst bestätigt sich Hans Anleger also die Entscheidung, auf den S&P500 nicht mehr zu schauen.

Und so hat Hans Anleger keinerlei Chance, den ersten wirklich guten Punkt zu bemerken, an dem das CRV - ohne raten zu müssen - für einen Short spricht. Es ist der Punkt (5) nach dem auslaufenden Rebound. Auch so ein Rebound ist keine Garantie für einen Short, nichts ist eine Garantie im Markt, aber in so einer Struktur sind die Chancen sehr hoch, dass es zumindest eine zweite deutliche Abwärtsphase gibt.

Was also ist der psychologische Fehler ?

Erstens der Versuch die Zukunft zu erraten ! Das funktioniert einfach nicht ! Die Shorts (1) - (3) waren zwar nicht völlig unlogisch, aber sie waren trotzdem raten. Denn noch hatte der Markt nicht die Richtung gewechselt und ein Oszillator wie der RSI ist keine Garantie.

Zweitens ist der Fehler, nach mehreren Fehlversuchen in die Verdrängung zu wechseln um das eigene Ego zu schützen und damit die Augen vor dem zu verschliessen was weiterhin passiert. Denn genau dann ist oft genug das beste Chance-Risiko-Verhältnis im Markt ! Oft hatte man eigentlich recht, nur nicht genügend Geduld.

Drittens ist der Fehler, nach der ersten verpassten Bewegung sofort zu denken das wäre es schon gewesen. Wenn sich ein Trend dreht, dann gibt es mit hoher Wahrscheinlichkeit noch mindestens einen Versuch zu den alten Hochs zurück zu kommen. Erst wenn auch dieser Versuch scheitert, entsteht wirklich eine Gelegenheit für einen Short.

Versuchen Sie sich statt dessen andere Denkstrukturen anzugewöhnen. Beim Betrachten einer bestimmten Chartstruktur muss Ihr Augenmerk darauf liegen, was die Wahrscheinlichkeiten sind, die in einer gegenwärtigen Struktur begründet sind. Erfolg am Markt beruht nicht auf wilden Prognosen für eine unbestimmte Zukunft. Er beruht auf einem intelligenten Spiel mit Wahrscheinlichkeiten und Risikomanagement ! All das Grübeln wann der Top kommt, hätte man sich in dem Beispiel sparen können, wenn man einfach auf den ersten Einschlag gewartet hätte. Der Markt sagt einem schon was er will, man muss nur hören.

Wenn Sie also irgendwo wieder so ein Banner anblinkt, wo Ihnen der "Crash 2013" oder "200% Gewinn" von einem selbst ernannten Guru geweissagt wird, machen Sie einen grossen Bogen darum. Ausser Sie sind gerne ein Schaf, das von anderen geschoren wird. Dann wünsche ich einfach viel Vergnügen bei der Rasur. Ihr Geld ist am Ende ja auch nicht weg, es hat halt nur ein anderer - das ist bestimmt tröstlich. 😉

Wenn aber nach einem heftigen, ersten Einschlag der teilweise Rebound kommt, der dann ausläuft, dann sollten Sie ganz wach und aufmerksam sein, denn das sind die Momente, in denen gute Chancen auf der Short-Seite liegen könnten.

Also noch einmal meine Frage, würden Sie diesen Chart des S&P500 heute nun shorten ?

Ihr Hari

PS: Und damit das ganz klar ist. Ich kann über diese psychologischen Mechanismen deshalb so gut schreiben, weil ich sie alle am eigenen Leib kenne und erlebt habe. Und so auch Chancen verpasst und Verluste produziert habe. Die Leistung die Sie bringen müssen, ist sich Ihre eigenen psychologischen Prozesse in die Bewusstseinsebene zu heben und dann Mechanismen, Systeme und Tricks zu entwickeln, mit diesen umzugehen.

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Neue Setups – Neue Chancen

Fünf Setups haben wir ja derzeit im Setup-Monitor des Premium-Bereiches laufen, von denen sich vier positiv entwickelt haben, während eines immer noch nicht ausgelöst wurde.

Mit dem heutigen Tag lösche ich all diese Setups, um Raum und Aufmerksamkeit für neue Themen zu schaffen. Das bedeutet nicht, dass diese Setups nun inaktiv wären. Im Gegenteil, da sind welche dabei, die noch lange das Potential für schöne Gewinne haben.

Nein, der Setup Monitor hat ja einen Sinn. Und der ist nicht monatelang den selben Trends zu folgen, das können Sie dann selber ohne mich, sondern Sie an das Arbeiten mit Setups zu gewöhnen. Und mit den eher ruhigen letzten Wochen habe ich Ihnen gezeigt, dass das Arbeiten mit solchen Setups keineswegs hektisch und von permanentem Rein- und Raus geprägt sein muss.

Insofern entlasse ich die aktiven Setups nun in Ihre individuelle Obhut und stelle Ihnen heute schon zwei Neue vor. Weitere werden in der nahen Zukunft folgen. Schauen wir uns das im Detail an.

Weiterlesen ...Neue Setups – Neue Chancen

Risk Off – Warum auch die Seitenlinie ein guter Platz ist, um dem Spiel zuzuschauen

Erinnern Sie sich an den August 2011, als die Märkte plötzlich im Zuge der Eurokrise zusammen brachen ? Erinnern Sie sich an den September 2008 und den Lehmann-Moment ?

Wenn Sie schon länger im Markt unterwegs sind, dann erinnern Sie sich. Und Sie werden sich im Nachhinein fragen, warum Sie damals nicht einfach auf die Seitenlinie getreten sind oder sogar Short gegangen sind. Hinterher erscheint das ja auch ganz logisch und einfach.

Aber Live - mittendrin - ist das alles nicht so einfach, wie es hinterher ausschaut. Trotzdem waren damals die Zeichen an der Wand. Und wer sie lesen konnte wusste, dass das Chance-Risiko-Verhältnis damals nicht mehr übermässig positiv war. Dass der Zusammenbruch dann kam, konnte niemand vorher sehen. Das es schon bessere Zeitpunkte gab um aggressiv Long zu sein, war aber sichtbar, wenn man die Augen und Ohren offen hielt.

Und so sehe ich heute früh zum Handelsstart des 04. April auch immer mehr die aktuelle Lage. Und möchte Sie daher nicht im Unklaren darüber lassen, dass ich mit meinen eigenen Longs zunehmend aus dem Markt gehe.

Es ist jetzt schon wieder eine gute Woche her, dass ich mich im Artikel -> vom Aufhören, wenn es am schönsten ist <- schon dazu geäussert habe. Im Gedankenmodell des Artikels liefen die Märkte noch bis zu den Höchstständen und darüber hinaus, bevor dann im späten April oder Mai eine echte Korrektur einsetzt.

Nun haben wir im S&P500 die historischen Höchststände fast erreicht. Es mehren sich aber schon jetzt die Zeichen, dass der Markt Momentum verliert. Der "First of Month Jumper" am Montag war ausserordentlich schwach. Und der gestrige schwache Tag in Anbetracht einer grossen FED Buy Operation und in Anbetracht der Höchststände im Visier, ist ein klares Zeichen an der Wand. Auch der US Transportsektor, der ein guter Leading-Indikator ist, hat gestern seine 50-Tage-Linie verloren. Auch das ein Zeichen an der Wand. Und grosse Bluechips wie Johnson & Johnson haben derart brutale Aufwärtsbewegungen hinter sich, dass diese gerade zu nach einer Korrektur schreien. Noch mehr Zeichen an der Wand.

Erinnern Sie sich bitte daran, dass eine Topbildung ein langer Prozess ist und solch starken Märkte nicht auf einem Fuss drehen. Insofern kann es immer noch sein, dass wir noch einmal zu Höchstständen laufen und es kann auch sein, dass wir noch Wochenlang seitwärts schwingen. Aber die kurzfristige Chance nach oben ist wohl begrenzt und das Risiko nach unten zunehmend erheblich. Denn wenn der Markt nach so einem Runaway-Move mal korrigiert, dann wird er innerhalb weniger Tag die Gewinne des ersten Quartals wieder abgeben. Das wird dann "Aua" für alle, die nicht an der Seitenlinie stehen.

Umgedreht sehe ich die Wahrscheinlichkeit als hoch an, dass wir im Verlaufe des 2. Quartals eine 10% Korrektur erleben und damit unter den heutigen Kursen liegen werden, selbst und erst recht wenn der Markt nun noch einmal nach oben läuft.

Auf der anderen Seite ist es Faktum, dass die ganze Rally seit November im wesentlichen von den Notenbanken - im wesentlichen der FED - orchestriert wurde. 85 Milliarden USD jeden Monat frisch in den Markt ziehen eben ihre Schleifspur und so sind die Indizes nahe der Höchststände, obwohl die weltweite Konjunktur das eigentlich gar nicht hergibt.

Und diese 85 Milliarden USD pro Monat gehen erst einmal weiter und das wird jede Korrektur schnell beenden bzw abflachen. Insofern sehe ich auch keine Grund nun in Panik zu geraten, für einen Zusammenbruch des Marktes ala 2008 oder 2011 gibt es aktuell keinerlei Indikatoren.

Aber das Chance-Risiko-Verhältnis war mittelfristig schon mal besser als Heute. Und kluge Anleger wissen, dass man manchmal auch von der Seitenlinie aus, das Spiel auf dem Platz ganz gut beobachten kann.

Kurzfristig ist heute ein kleiner Bounce sehr wahrscheinlich. Einfach weil die Anleger nun so auf "Buy the Dip" konditioniert sind, dass diese das auch dieses Mal wieder praktizieren werden. Aber in der zweiten Hälfte der Session an der Wallstreet - also heute Abend - würde ich vorsichtig werden. Vor den morgigen Arbeitsmarktdaten ist weiterer Druck auf die Indizes keineswegs unwahrscheinlich.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen

Ihr Hari

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Salzgitter – oder: Markttechnik funktioniert tatsächlich ! – 27.03.13

Vor genau drei Wochen, hatte ich im Artikel -> man beachte die Trendlinie <- auf die entscheidende Wegscheide hingewiesen, an der Salzgitter damals stand: Trendfortsetzung oder Bärenflagge ?

Nun, Mr. Market hat sich ganz eindeutig für eine Bärenflagge entschieden. Nun soll es ja immer noch Anleger geben, die beseelt von den schlichten Weisheiten diverser "Gurus", die ganze Markttechnik für Unfug halten. Und die dem Irrglauben aufsitzen, es seien alleine die Fundamentaldaten, die die Märkte bewegen. Gerade unter gebildeten Anfängern - also im sonstigen Leben gut ausgebildeten, rational denkenden Menschen, die aber an den Märkten zu den Laien gehören - verfangen diese einfachen Denkstrukturen sehr schnell und bestimmte "Gurus" basieren darauf ihr Geschäftsmodell.

Wäre ja auch schön, wenn man vermeintlich "objektiv", mit so oberflächlichen Bilanz-Parametern wie KBV und Co., eine Anlageentscheidung treffen könnte. Diese Erwartung passt zu einer rationalen Denkstruktur, Markttechnik scheint da nur Hokuspokus zu sein. Leider ist Mr. Market aber überhaupt nicht rational, wie regelmässige Leser dieses Blogs sehr gut verstehen. Und erleichtert wird diese Fehleinschätzung durch diverse Scharlatane, die mit bunten Linien tatsächlich Vorhersagen treffen, die die Markttechnik gar nicht hergeben kann. So wird die technische Analyse in Misskredit gebracht, weil es zu einfach ist eine bunte Linie zu zeichnen und sich "Chartanalyst" zu nennen.

Aber trotz all dieser Schwierigkeiten und all dem Unfug, der im Mantel der Charttechnik verbreitet wird: Markttechnik funktioniert ! Und Salzgitter ist dafür ein tolles Beispiel. Deshalb schauen wir uns nun den gleichen Chart wie vor drei Wochen mit der damals eingezeichneten Trendlinie an. Sie erinnern sich, ich hatte darauf hingewiesen, dass der Bruch dieser Trendlinie massive Bedeutung haben würde. Ich hatte nicht vorhergesagt, ob die Linie hält oder nicht, das tun nur Scharlatane, denn die Zukunft ist unbestimmt. Schauen Sie selbst:

Salzgitter Trendbruch 27.03.13

Ganz eindeutig kann man nun sehen, welche Bedeutung die Trendlinie hatte. Und wer dem gefolgt ist, was ich im Artikel vor drei Wochen kommuniziert hatte, ist sofort ausgestiegen, nachdem der Versuch vom 18.03. die Trendlinie wieder zu erobern, am 19.03. endgültig scheiterte. Spätestens aber nach Bruch der 200-Tage-Linie, wäre ein Exit zwingend gewesen. Haben Sie es gemacht ? Oder sind Sie sogar Short gegangen ? Dann Gratulation. Wenn nicht, sollten Sie sich dieses Chartbild an die Wand hängen. Als Lehre, was ein Trendbruch bedeutet. Denn nur aus Schmerzen lernt man wirklich. Kinder lernen durch die zu heisse Herdplatte und erwachsene Anleger eben durch monetäre Verluste. Aber man lernt nur dann, wenn man sich auch den eigenen Fehlern stellt und eine Fehlentscheidung nicht zur Investition umdefiniert, um das eigene Ego zu schonen.

Und übrigens, Salzgitter ist nun so extrem nach unten überdehnt, dass ein Bounce wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen wird. Auf diesem Niveau ist auf jeden Fall die gesamte Hoffnung auf eine bessere Stahlkonjunktur in 2013 wieder abverkauft worden. Der Aufwärtstrend von Juli 2012 ist aber nun gebrochen, insofern muss man abwarten, wie sich die Aktie nun über den zwangsläufigen Bounce hinweg weiter entwickelt. Prognosen dazu habe ich keine zu bieten. Warten wir es ab.

Ihr Hari

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Warum 2012 ein leichtes und schwieriges Jahr war – und was uns das über Trends sagt

Manchmal muss man einen Schritt zurück gehen um den Wald vor lauter Bäumen zu sehen. Denn wer das Jahr 2012 Tag für Tag erlebt hat und sich die einzelnen Bäume betrachtet, weiss das es ein schwieriges Börsenjahr war.

Ein Jahr das von permanenter politischer Intervention geprägt war. Und politische Intervention ist perse schwierig, weil kaum zu antizipieren.

Und ein Jahr bei dem der DAX mit um die 30% Plus eines der besten Jahre seiner Geschichte hingelegt hat und damit mit ganz an der Spitze der weltweiten Indizes stand. Gleichzeitig uns aber permanent so schwere Verwerfungen drohten, dass man diese Bewegung nur mit einem apathischen Gemüt hätte gelassen und ohne Sicherungsnetz mitnehmen können.

Ja, es war ein stressiges und anstrengendes Börsenjahr. Aber eigentlich war es auch ganz einfach.

Warum ? Treten wir dazu mal einen Schritt zurück, vergessen wir die täglichen Verwirrungen und betrachten den Wald. Um sein Kapital in 2012 um 70% zu erhöhen - ja 70% Performance ! - musste man nur 4 Trades auf den DAX machen. Und sich dazwischen statt im Büro an einem Strand in der Südsee vergnügen. Schauen Sie selbst auf das Jahr 2012 im DAX:

DAX 2012

Etwas vereinfacht also: Long Q1, Short Q2 und Long Q3. Das hätte locker für 60% Plus gereicht. Dann noch als I-Tüpfelchen den "Runaway-Move" im DAX seit Mitte November erwischen und die 70% Gewinn mit einem DAX ETF wären eingebucht gewesen.

Faszinierend oder, wie einfach das Jahr im Nachhinein aussieht. Und wer hat das so geschafft ? Ich vermute niemand. Ich auf jeden Fall trotz guter Performance nicht in dem Umfang und das obwohl ich die drei Bewegungen der ersten Quartale hier ziemlich genau getroffen habe. Die politischen und fiskalischen Atombomben über unseren Köpfen waren aber in 2012 zu gross, um ohne Vorsicht diese Bewegungen zu spielen.

Und was lernen wir daraus ? Erstens, dass man hinterher immer klüger ist. Überraschung ! 😉 Und zweitens, wie mächtig Trends sind und dass es das Beste ist was man tun kann, solchen Trends einfach zu folgen !

In 2013 machen wir das mit den Trends dann noch besser. Oder ? 😉

Ihr Hari

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