Buffett, Berkshire Hathaway, IBM & Deere

Der folgende Artikel erschien schon Mittwoch 18.02.15 09:50 in Hari Live

Es ist immer wieder interessant, im Nachhinein zu sehen, was Warren Buffett mit seiner Berkshire Hathaway Holding so treibt. Sicher, durch die zeitliche Verzögerung bei den SEC Filings, ist das schon Schnee von gestern, wenn man das lesen kann. Aber da Berkshire eher langfristig agiert und eine eingegangene Position nicht im Folgequartal gleich wieder verkauft, steckt trotzdem eine Menge wichtiger Information in der Offenlegung der Daten bei der SEC.

Nun sind wieder die veröffentlich worden und die offenbaren einige interessante Details.

Erstens hat Buffett seine Beteiligungen an Ölfirmen deutlich reduziert. Das sollte allen zu denken geben, die nun grosse Chancen im Sektor riechen, weil der Ölpreis so stark gefallen ist. Und es schlägt in die gleiche Kerbe, in die ich hier im Premium-Bereich auch immer schlage, wenn ich darauf hinweise, dass eine längere, volatile Seitwärtsbewegung des Ölpreises auf niedrigem Niveau nun viel wahrscheinlicher ist, als ein schneller Rebound in die alten Regionen.

Zweitens hat Buffett seine Beteiligung bei IBM deutlich erhöht. Er sieht scheinbar etwas, was auch ich zu sehen glaube und in einem Artikel vom Montag 26.01.15 16:40 hier im Premium-Bereich ausführlich dargestellt habe - gewürzt mit meiner persönlichen Erfahrung als "alter IBMer".

Drittens - und das finde ich sehr spannend - teilt Buffett scheinbar meine langfristige Begeisterung für den Agrotechnik-Sektor. Wir beobachten hier schon länger Agco (888282, AGCO) intensiv und ich habe mehrfach argumentiert, dass dieser Sektor weit mehr ist, als langweilige Traktorenbauer, sondern ein High-Tech Sektor, in dem Robotics auch schon bald zum Tragen kommen wird.

Das Schöne am Sektor aus Sicht eines langfristigen Investments ist halt, dass es überhaupt keinen Zweifel am langfristigen Bedarf für diese Maschinen gibt. Selbst eine Apple ist da "wackeliger", es kann theoretisch technische Umbrüche geben, die Apple vielleicht verpasst und die die heutigen Cash-Cows - wie das iPhone - in einigen Jahren obsolet machen. Das ist zwar unwahrscheinlich, aber keineswegs undenkbar - ich erinnere an Nokia und Blackberry.

Die Vorstellung aber, dass die Welt keine intensive Landwirtschaft mehr braucht, ist völlig unrealistisch. Das Gegenteil ist der Fall aus dem schlichten Grund, weil immer mehr Menschen ernährt werden müssen, während gleichzeitig die Böden immer mehr auszehren und die Wasserversorgung schwieriger wird.

Insofern gibt es in meinen Augen kaum etwas, was langfristig krisensicherer ist, als dieser Sektor. Klar, es ist ein Investitionssektor, der auch Zyklen unterliegt und in einer Währungskrise, werden auch die Bauern neue Anschaffungen in die Zukunft verschieben und so die Aktien des Sektors nach unten schicken. Nur ist ganz sicher, dass diese Investitionen später nachgeholt werden - aufgeschoben ist halt nicht aufgehoben und gegessen und geerntet werden, muss immer.

Vor diesem Hintergrund ist es hoch spannend, dass Buffett nun seit dem dritten Quartal eine grosse Position im Marktführer Deere (850866, DE) aufgebaut hat - und das bewusst unter der Decke, er hat sich dafür eine Sondergenehmigung der SEC geholt, sonst hätte er die Position schon vor drei Monaten veröffentlichen müssen.

Wenn wir auf das langfristige Chart von Deere seit 2008 schauen, sehen wir schnell, wie attraktiv das aussieht. Ich habe mit zwei blauen Linien, zusätzlich die dominante Struktur eingezeichnet, die eher einen Ausbruch nach oben impliziert:

DE 19.02.15

Wer dagegen in den ganzen Agrar-Sektor, inklusive Düngemittel, investieren will, bei dem dann die Agrartechnik ala Deere und Agco aber nur eine kleine Untermenge ist, kann das gut mit dem tun.

Noch ein wichtiger Hinweis. Bitte schauen Sie sich die Charts dieses Sektors unbedingt in Dollar an. Die Charts in Euro sind durch die Euroschwäche massiv verzerrt und implizieren schon laufende, massive Ausbrüche, die es in der Realität gar nicht gibt, denn der Sektor notiert weitgehend in Dollar und rechnet auch überwiegend in Dollar ab.

Auch der obige IS0C steht in Dollar kurz vor einem Ausbruch und ist keineswegs schon nach oben ausgebrochen, wie das das Chart in Euro impliziert.

Aber egal, wie Sie persönlich an den Sektor heran gehen, in einem langfristig angelegten Investment-Depot, darf er nach meiner festen Überzeugung nicht fehlen. Und seit heute ist klar, dass auch Warren Buffett diese Sicht teilt. Bei mir ist der Sektor auf jeden Fall schon länger im Investmentdepot vertreten.

Ihr Hari

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Apple und GDX: zweimal Flash Crash und niemanden interessiert es

Was wir davon zu halten haben, wenn von der Politik immer wieder beschworen wird, dass unser Finanzsystem ja durch die diversen regulativen Eingriffe "stabiler" geworden sei, konnten wir diese Woche wieder bewundern. Die Antwort ist nämlich: Nichts!

Schon am Montag gab es bei Apple einen unerklärlichen Flash Crash, bei dem temporär mehr als 40 Milliarden USD in Sekunden vernichtet wurden. Nun hatten wir gestern Abend in der letzten Minute beim Goldminen ETF GDX das ähnliche Spiel. Der GDX brach in der letzten Handelsminute 10% ein, nur um Sekunden später wieder hoch zu schnellen.

Zero Hedge hat die dazu gehörenden Charts schon zusammen gestellt, insofern erspare ich mir, das híer erneut nachzuerzählen. Schauen Sie sich aber unbedingt die Charts im Artikel an!

Das Thema verdient unsere Aufmerksamkeit. Denn in beiden Fällen riecht das für mich geradezu danach, als ob jemand - typischerweise ein Computer - bewusst einen Circuit Braker am Handelsplatz ausgelöst hat.

In der alten Welt würde das keinen Sinn machen, weil wer real den Kurs so drückt, der danach wieder hoch schnellt, würde ja massive Verluste machen. In der schönen neuen Welt des Hochfrequenzhandels (HFT), ist die Lage aber nicht mehr so einfach. Ich kann hier nur spekulieren, mir aber sehr gut Szenarien vorstellen, mit denen man in der Lage ist, einen so grossen Stein ins Wasser zu werfen, dass man danach mit den zwangsläufig folgenden Wellen Geld machen kann.

Auf jeden Fall sind diese Circuit Breaker berechenbares Verhalten und mit berechenbarem Verhalten Dritter, können kluge Marktteilnehmer Geld machen - das war schon immer so. Und wenn dieser Marktteilnehmer in Millisekunden tausende Orders in den Markt geben und direkt danach wieder canceln kann - dann erst recht.

Was aber auch immer konkret dahinter steht, vier Schlussfolgerungen erscheinen mir wichtig:

1) Mit der viel beschworenen Stabilität der Börsen ist es nicht weit her und wirklich gelernt hat niemand.

2) Die Behauptung von HFT, man würde für Liquidität sorgen, wurde erneut als Unsinn enttarnt. Wäre echte, belastbare Liquidität im System, dürfte es bei der liquidesten Aktie der Welt - Apple - so einen Einbruch wie am Montag gar nicht geben.

3) Erschreckend ist für mich das scheinbare Desinteresse der Regulatoren. Wo bitte ist nun die SEC oder interessiert das niemanden mehr, was hier passiert? Da verliert Apple über 40 Milliarden Marktkapitalisierung in Sekunden und die SEC zuckt nicht einmal? Hallo ist da jemand?

4) Für uns Anleger wird damit klar, dass Stops im System nicht mehr tragbar sind. Gleichzeitig führt aber nach wie vor kein Weg an einem verlässlichen Risikomanagement vorbei. Das heisst, dass man mit gedanklichen Stops arbeiten muss, was geht, aber noch höhere Disziplin vom Anleger erfordert, wozu viele emotional nicht wirklich in der Lage sind. Oder man muss mehr mit Positionsgrössen und Hedging operieren, was aber nur bei grösseren Depots wirklich Sinn macht.

Ich finde es auf jeden Fall erschreckend zu sehen, wie traurig nach wie vor die Stabilität der Börsen ist. Und noch erschreckender ist, dass es kaum mehr jemanden aufregt. Solange bis ein ganzer Index mal so abraucht wie Apple und GDX. Dann ist das Jammern und Wehklagen wieder gross.

O Tempora O Mores!

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Dark Pools und schädliche Marktfragmentierung

Ich verfolge die zunehmende Fragmentierung des Marktes durch das Aufkommen der Dark Pools ja schon länger mit Unbehagen und habe das zuletzt Ende 2013 in meiner Kolumne in der Wirtschaftswoche unter dem Titel thematisiert.

Nun geraten die Dinge aber bei der amerikanischen Aufsichtsbehörde SEC in Bewegung, woran auch Michael Lewis mit seinem Bestseller "Flash Boys" seinen Anteil haben dürfte, denn dadurch ist auch die US-Politik auf das Thema aufmerksam geworden. Ohne medialen Druck geht in Demokratien halt selten etwas.

Und ich habe gestern bei der schweizer "Finanz und Wirtschaft" ein interessantes Chart gesehen, das sofort Assoziationen zum Thema aufkommen lässt:

Denn was hier nicht gesagt wird, bestimmt aber auch seinen Teil zum Gesamtbild beiträgt, ist die Tatsache, dass der Markt immer mehr zwischen verschiedenen Handelsplätzen (Dark Pools) fragmentiert. Und hier im Chart sind mit hoher Wahrscheinlichkeit nur die offiziellen Börsen gelistet. Denn genau diese Volumendaten sind ja von Dark Pools nicht zugänglich.

Gut aufbereitet wird das Thema im aktuellen Artikel . Allerdings nur lesbar für Abonennten der FuW. Denn die SEC scheint mal wieder schneller ernst zu machen, als die Regulierer in Europa.

Hier als Ergänzung noch ein ein paar Tage alter, aber guter Hintergrundartikel des WSJ: . Die in US eingeschlagene Richtung halte ich für genau richtig, auch wenn man über Details ohne Frage diskutieren kann. Und es wäre wichtig, dass auch hier in Europa mal etwas in diese Richtung passiert.

Um das noch einmal klar zu stellen, der Begriff "Dark Pool" impliziert zwar durch seine Wortwahl "dunkle, böse Absichten", aber das ist keinesfalls so zu sehen, sondern einfach eine ziemlich ungeschickte Begrifflichkeit. Im Nachhinein ist es schon ein Stück aus Absurdistan, dass sich die Finanzindustrie mit so einer Wortwahl selber zum leichten Ziel macht, wo man ansonsten doch so genau auf Euphemismen achtet.

Nein, Dark Pools sind einfach ganz profan intransparente (dark) Handelsplätze (Pools) abseits der regulierten Börsen. Viele der Broker, die zum Beispiel mit "Binary Options" und ähnlichen Konstrukten auf Kundenfang gehen, sind auch sozusagen "Dark Pools für den kleinen Mann". Selbst die neue Plattform IEX, die sich in den US als Gegenmodell des Hochfrequenzhandels positioniert, gilt offiziell noch als "Dark Pool", weil die Zulassung als offizielle Börse noch fehlt - aber nachgeholt werden soll.

Das Problem sind also nicht perse "dunkle, böse Geschäfte", die meisten Dark Pools dürften ebenso seriös, wie professionell agieren. Das Problem ist einfach die Intransparenz und Fragmentierung des Marktes, die aus dem Aufkommen all dieser ausserbörslichen Handelsplätze resultiert.

Denn diese Fragmentierung behindert immer mehr das, wofür Börsen da sind: volkswirtschaftlich wichtige Preisfindungsorgane für Unternehmensbeteiligungen und Finanzinstrumente zu sein. Durch die Fragmentierung wird diese Preisfindung schlechter, das Volumen an den regulierten Börsen sinkt und die Spreads werden höher. Gleichzeitig steigen die Risiken, dass Fehlentwicklungen an den Märkten unerkannt bleiben und es wird eine Mehrklassengesellschaft an den Märkten zementiert, die auch dem Grund-Gedanken jeden freien Marktes, des "Level Playing Fields", völlig entgegen läuft.

All das schadet am Ende freien Märkten und ich sehe keinen sinnvollen volkswirtschaftlichen Grund, das zuzulassen. Klar möchten grosse Adressen ihre Transaktionen vor den Augen der Welt verstecken und Auswirkungen ihrer grossen Orders auf die Preisfindung vermeiden, ich verstehe das gut. Nur ist damit nicht die Frage beantwortet, warum man das volkswirtschaftlich zulassen sollte. Bis ins letzte Jahrzehnt hat die Börsen-Welt auch gut ohne diese Fragmentierung gelebt.

Insofern begrüsse ich die Richtung sehr, in die sich die SEC nun bewegt. Jetzt müssen wir nur noch die europäischen Aufsichtsbehörden zum Jagen tragen....

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