Gedanken zum Runaway-Move im S&P500 – 10.04.13

Es sieht so aus, als ob die Bollinger Band Kontraktion ihre Energie erneut nach oben in Form einer Expansion auslöst. Was den Leitindex S&P500 angeht, macht dieser Markt wirklich keine Gefangenen. Der Liquiditätsdruck ist einfach gewaltig und das Geld, das aus Europa abgezogen wurde und dem DAX seit Tagen fehlt, scheint direkt in US Aktien zu fliessen.

Das ist ein klassischer Runaway-Move, den wir hier seit November 2012 in den US Indizes sehen, bei dem jede kleine Korrektur sofort massiv gekauft wird. Wer es nicht glaubt, dem zeige ich das Baby noch einmal im Tageschart, schauen und staunen Sie selbst:

S&P500 10.04.13

Und der Auslöser ist eindeutig, 85 Milliarden USD jeden Monat von Seiten der FED. Das habe ich -> hier <- schon Anfang des Jahres nachgewiesen. Das Gefährliche an der Situation ist das Wissen, dass diese Bewegungen in der Regel übel enden. Denn wenn dann - irgendwann - ein Dip doch mal nicht gekauft wird, dann werden alle gleichzeitig zum Ausgang rennen. Und die Gewinne von Wochen und Monaten werden in Tagen und Stunden eliminiert.

Nur wissen wir nicht *wann* dieser Moment kommt. Deshalb ist es auch richtig, bei den ersten kleinen Brüchen im Markt vorsichtiger zu werden. Man muss dann aber auch gedanklich schnell wieder umschalten und von der Rally mitnehmen was geht. Wie in den letzten Tagen. Geistige Flexibilität ist Trumpf !

Und nun sagt diese Struktur eindeutig, dass die 1600 im S&P500 wohl bald auf den Radar kommen. Rein von den technischen Parametern her, ist die Korrektur von letzter Woche nun endgültig abgeschlossen und der Weg nach oben frei !

Leicht ist dieser Markt aber nur für Anleger mit "sonnigem Gemüt". Weswegen auch die Mehrzahl der institutionellen Anleger und Hedgefonds zuletzt den Markt unterperformt hat, die sich ja alle viele, viele Gedanken machen. Für Anleger aber, die aber von all dem nichts wissen und einfach mit sonnigem Gemüt wie selbstverständlich davon ausgehen, dass jeder Dip konsequent gekauft wird, ist dieser Markt im Moment total einfach. So ist das aber immer bei einem Runaway-Move. Manchmal ist Unwissen einfach herrlich ..... bis dann irgendwann von Mr. Market doch der Hammer heraus geholt wird. Nur wann wird das sein ?

Die relative Schwäche des DAX scheint im übrigen anzuhalten, hier gibt es eindeutig abfliessende Gelder, die sich im US Markt dann wiederfinden. Der DAX hat in den letzten Tagen locker relativ 400 Punkte gegenüber den US Indizes verloren, das ist eine Menge. Werden sich diese negativen Geldströme aus der EU heraus bald ändern ? Kaum zu prognostizieren, teilweise dürften es die von mir kommunizierten Langfristeffekte des Umgangs der EU mit Konten im Zuge der Zypern-Krise sein. Aber nach der Regel, nach der Trends immer länger dauern als man glaubt, würde ich nicht mit einem schnellen Wechsel des Trends rechnen. Was auch bedeutet, dass die Trendwenden der stark gelaufenen deutschen Industrieaktien in der zweiten Reihe, wie eine Dürr oder Kuka, sich nach dem aktuellen Bounce fortsetzen könnten.

Wenn man Short sein will um sein Depot zu hedgen, finden sich da teilweise ganz attraktive Charts mit Top-Strukturen. Aber mehr als eine Anreicherung und ein Hedge des sonstigen Depots sollten Shorts in diesem Markt weiterhin nicht sein. Es ist einfach keine gute Idee, sich gegen den Druck der Notenbanken zu stellen. Und dieser Druck schiebt alles nach oben !

Für das zweite Quartal bleibt meine am Montag -> hier <- geäusserte Erwartung bestehen. Nach kurzer Schwäche Anfang der Woche, ein Anlauf auf neue Höchststände. Den erleben wir gerade. Und dann eine volatile Seitwärtsbewegung im 2. Quartal. Ich nehme diese Rally also selektiv bei bestimmten Werten mit, hechte aber nicht mehr mit vollem Risiko den Kursen hinterher. Dafür will ich nun einfach eine deutlichere Korrektur sehen. Und wenn mich diese Vorsicht nun im 2. Quartal doch ein paar Prozent Performance kostet, dann ist es halt so. Es gibt Schlimmeres. Das ist mir der entspannte Schlaf wert.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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Risk Off – Warum auch die Seitenlinie ein guter Platz ist, um dem Spiel zuzuschauen

Erinnern Sie sich an den August 2011, als die Märkte plötzlich im Zuge der Eurokrise zusammen brachen ? Erinnern Sie sich an den September 2008 und den Lehmann-Moment ?

Wenn Sie schon länger im Markt unterwegs sind, dann erinnern Sie sich. Und Sie werden sich im Nachhinein fragen, warum Sie damals nicht einfach auf die Seitenlinie getreten sind oder sogar Short gegangen sind. Hinterher erscheint das ja auch ganz logisch und einfach.

Aber Live - mittendrin - ist das alles nicht so einfach, wie es hinterher ausschaut. Trotzdem waren damals die Zeichen an der Wand. Und wer sie lesen konnte wusste, dass das Chance-Risiko-Verhältnis damals nicht mehr übermässig positiv war. Dass der Zusammenbruch dann kam, konnte niemand vorher sehen. Das es schon bessere Zeitpunkte gab um aggressiv Long zu sein, war aber sichtbar, wenn man die Augen und Ohren offen hielt.

Und so sehe ich heute früh zum Handelsstart des 04. April auch immer mehr die aktuelle Lage. Und möchte Sie daher nicht im Unklaren darüber lassen, dass ich mit meinen eigenen Longs zunehmend aus dem Markt gehe.

Es ist jetzt schon wieder eine gute Woche her, dass ich mich im Artikel -> vom Aufhören, wenn es am schönsten ist <- schon dazu geäussert habe. Im Gedankenmodell des Artikels liefen die Märkte noch bis zu den Höchstständen und darüber hinaus, bevor dann im späten April oder Mai eine echte Korrektur einsetzt.

Nun haben wir im S&P500 die historischen Höchststände fast erreicht. Es mehren sich aber schon jetzt die Zeichen, dass der Markt Momentum verliert. Der "First of Month Jumper" am Montag war ausserordentlich schwach. Und der gestrige schwache Tag in Anbetracht einer grossen FED Buy Operation und in Anbetracht der Höchststände im Visier, ist ein klares Zeichen an der Wand. Auch der US Transportsektor, der ein guter Leading-Indikator ist, hat gestern seine 50-Tage-Linie verloren. Auch das ein Zeichen an der Wand. Und grosse Bluechips wie Johnson & Johnson haben derart brutale Aufwärtsbewegungen hinter sich, dass diese gerade zu nach einer Korrektur schreien. Noch mehr Zeichen an der Wand.

Erinnern Sie sich bitte daran, dass eine Topbildung ein langer Prozess ist und solch starken Märkte nicht auf einem Fuss drehen. Insofern kann es immer noch sein, dass wir noch einmal zu Höchstständen laufen und es kann auch sein, dass wir noch Wochenlang seitwärts schwingen. Aber die kurzfristige Chance nach oben ist wohl begrenzt und das Risiko nach unten zunehmend erheblich. Denn wenn der Markt nach so einem Runaway-Move mal korrigiert, dann wird er innerhalb weniger Tag die Gewinne des ersten Quartals wieder abgeben. Das wird dann "Aua" für alle, die nicht an der Seitenlinie stehen.

Umgedreht sehe ich die Wahrscheinlichkeit als hoch an, dass wir im Verlaufe des 2. Quartals eine 10% Korrektur erleben und damit unter den heutigen Kursen liegen werden, selbst und erst recht wenn der Markt nun noch einmal nach oben läuft.

Auf der anderen Seite ist es Faktum, dass die ganze Rally seit November im wesentlichen von den Notenbanken - im wesentlichen der FED - orchestriert wurde. 85 Milliarden USD jeden Monat frisch in den Markt ziehen eben ihre Schleifspur und so sind die Indizes nahe der Höchststände, obwohl die weltweite Konjunktur das eigentlich gar nicht hergibt.

Und diese 85 Milliarden USD pro Monat gehen erst einmal weiter und das wird jede Korrektur schnell beenden bzw abflachen. Insofern sehe ich auch keine Grund nun in Panik zu geraten, für einen Zusammenbruch des Marktes ala 2008 oder 2011 gibt es aktuell keinerlei Indikatoren.

Aber das Chance-Risiko-Verhältnis war mittelfristig schon mal besser als Heute. Und kluge Anleger wissen, dass man manchmal auch von der Seitenlinie aus, das Spiel auf dem Platz ganz gut beobachten kann.

Kurzfristig ist heute ein kleiner Bounce sehr wahrscheinlich. Einfach weil die Anleger nun so auf "Buy the Dip" konditioniert sind, dass diese das auch dieses Mal wieder praktizieren werden. Aber in der zweiten Hälfte der Session an der Wallstreet - also heute Abend - würde ich vorsichtig werden. Vor den morgigen Arbeitsmarktdaten ist weiterer Druck auf die Indizes keineswegs unwahrscheinlich.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen

Ihr Hari

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S&P500 und DAX Marktupdate – Game-Changer durch die FED ? – 21.02.13

Die gestern um 20 Uhr veröffentlichten FOMC Minutes der FED von Ende Januar stellen einen potentiellen "Game-Changer" für die Märkte dar. Grund genug, uns die aktuelle Situation in S&P500 und DAX mal genauer anzuschauen.

Die Wallstreet reagierte auf die gestrigen FOMC Minutes auf jeden Fall mit deutlichen Abgaben und erzeugte damit den ersten wirklich schwachen Handelstag des Jahres 2013 ! Derartige Warnschüsse müssen unbedingt ernst genommen werden, denn sie haben das Potential der Beginn einer Änderung der Gezeiten an den Märkten zu sein.

Ursache der Schwäche waren Passagen in den FOMC Minutes, die eine zunehmend kontrovers geführte Diskussion darum deutlich machen, ob die FED ihre Assetkäufe wirklich so unbegrenzt und abhängig von den Arbeitsmarktzahlen weiter führen sollte. Das der Markt gerade die Marke um 1525 erobert hatte, machte Gewinnmitnahmen für die Marktteilnehmer noch dazu um so logischer.

Riskant ist diese Diskussion, da sich der Markt seit November 2012 eindeutig in einem durch die FED Liquidität induzierten Runaway-Move befindet. Und wir wissen, dass solche Bewegungen gerne mit einem sehr üblen, dynamischen Einbruch enden, der wochenlange Gewinne in wenigen Tagen auslöscht. Wenn Sie auf den Tageschart des S&P500 schauen, sehen Sie auch das Risiko:

S&P500 Runaway-Move 21.02.13

Ich habe Ihnen in Blau den Trendkanal des Runaway-Moves eingezeichnet, der nur kurz durch die Verwirrung um das Fiscal Cliff unterbrochen wurde. Sie sehen leicht, dass diese Steigung nicht ewig durchgehalten werden kann. Sie sehen allerdings auch, dass wir schon am 04.02.13 einen schwachen Tag hatten, der aber am Folgetag sofort wieder negiert wurde.

Es ist also keineswegs ausgeschlossen, dass auch die gestrige Schwäche wieder nur ein "One-Day-Wonder" ist. Und das es heute Nachmittag schon wieder hoch geht und der Runaway-Move erhalten bleibt, wie im grünen Pfeil im Chart dargestellt.

Nur gibt es einen Unterschied zum 04.02.13: die FED Thematik hat das Potential die Stimmung des Marktes dauerhaft zu ändern. Sehr wahrscheinlich ist also, dass wir heute - möglicherweise schon vor Eröffnung der Wallstreet in den Futures - die entscheidende Unterstützung bei 1495 (im Chart der schwarze waagerechte Strich) testen.

Und was dann passiert, hat Bedeutung über den Tag hinaus. Können wir heute die 1495 nicht halten, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die richtige, lange erwartete Korrektur nun da ist !

Das Potential dieser Korrektur habe ich auch eingezeichnet. Es wäre nur logisch und entspräche der Korrektur zwischen September und November 2012, wenn wir ungefähr bis zum 50er Fibonacci Retracement des Runaway-Moves zurück kommen. Also bis in eine Zone zwischen 1435 und 1440.

Und das dürfte dann sehr schnell gehen, möglicherweise noch schneller, als im Chart eingezeichnet. So ist das nun einmal, wenn ein Runaway-Move in sich zusammen fällt und alle gleichzeitig zum Ausgang rennen.

Bleibt also die entscheidende Frage, wie Mr. Market heute die FED Debatte nach dem gestrigen Schrecken einordnen wird. Wie Sie aus unzähligen Hinweisen meinerseits wissen, ist die Bestätigung am Folgetag bei Trendwenden von grösster Bedeutung und sollte abgewartet werden !

Die Frage wie Big Money das heute einordnet, kann ich Ihnen natürlich auch nicht beantworten - auch ich habe keine Kristallkugel. Aber ein paar Beobachtungen und Gedanken kann man sich schon machen:

  1. Was in der FED kontrovers diskutiert wird, ist nicht das aktuelle Programm abzubrechen, sondern nur nach welchen Kriterien man es beendet. Und ob dieses Ende abprupt oder langsam schleichend erfolgen soll. An den 85 Milliarden frischer Liquidität pro Monat ändert sich also erst einmal gar nichts. Wenn dem Markt das klar wird, begrenzt das das kurzfristige Abwärtspotential doch deutlich.
  2. Die ausstehenden politischen Entscheidungen in Washington () und die Wahl in Italien am Wochenende, machen es aber auch unwahrscheinlich, dass der Markt dieses Mal sofort wieder zurück kommt und alle Ängste fallen lässt. Vor der Wahl in Italien sollte man an den europäischen Märkten von weiterer Vorsicht und Gewinnmitnahmen ausgehen - Berlusconi lässt grüssen.
  3. Auch wenn die FED über einen vorzeitigen Ausstieg aus den Assetkäufen redet, wirklich tun wird sie es nicht können. Denn wie sollen sonst die amerikanischen Anleihen bedient werden ? Zinssteigerungen sind ein NoGo und die USA - wie die meisten westlichen Staaten - in einer Situation, wo die Zahlungsfähigkeit nur durch die Druckerpresse aufrecht erhalten werden kann.
  4. Marktechnisch haben sehr viele institutionelle Marktteilnehmer diesen Anstieg aus Vorsicht nicht richtig mitgenommmen und warten nun händeringend, auf den Zug wieder aufsteigen zu können. Jede Korrektur wird also schnell auf Kaufinteresse treffen, diese Korrektur wird geradezu herbeigewünscht. Das macht es aber auch unwahrscheinlich, dass wir zu tief einbrechen.

Summa Summarum werden wir also wohl erst Anfang kommender Woche klar sehen. Wenn Sie jetzt wissen wollen, was für mich persönlich das wahrscheinlichere Szenario ist, dann ist das weder der obige Einbruch, noch eine Fortsetzung des Runaway-Moves.

Ich kann mir gut vorstellen, dass wir kurz unter 1495 schauen, nur um die schwachen Hände heraus zu schütteln. Und nur, um dann doch wieder zu drehen, aber auch keine neuen Höchststände zu erreichen. Der Markt würde in dem Szenario also in eine qualvolle Seitwärtsbewegung eintreten, einen "wait and see" Modus sozusagen. Bevor der Markt dann im Laufe des Jahres doch nach oben läuft. Aber auch die echte Korrektur herab bis zum 50er Fibonacci Retracement kann ich mir gut vorstellen. Das wir heute schon wieder dynamisch steigen dagegen weniger - aber "who knows" ? Mr. Market macht selten das, was man sich so vorstellt. 😉

Und was das für den DAX bedeutet ? Mehr oder weniger von der Tendenz her das Gleiche. Ob der DAX dabei gegenüber dem S&P500 relativ schwächer oder stärker ist, dürfte stark mit den Entwicklungen in Italien zusammen hängen. Eine Sperrminorität für Berlusconi würde den europäischen Aktienmärkten sicher gar nicht gut tun.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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DAX & S&P500 – Das Röhren der Bullen – 28.01.13

Heute nur ein kurzer Kommentar zum Markt und zum deutlich hörbaren Röhren der Bullen.

Ich habe am Freitag anhand des -> Indecision Doji <- den Punkt gemacht, dass der S&P500 nun entweder endlich korrigiert oder in einen "Runaway-Move" übergeht.

Nun haben wir den Salat ;-), es scheint als ob sich Mr. Market für den Runaway Move entschieden hat. Der Liquiditätsdruck ist scheinbar einfach zu gross, um eine Korrektur zuzulassen.

Faktum ist, wir haben keinerlei bärische Setups in den Indizes, nur bullische Setups, die uns bis zu historischen Höchstständen und darüber hinaus führen könnten. Wir haben jede Menge Einzelaktien, die in massiven Breakouts sind und endlich die Tiefen der Eurokrise nachhaltig verlassen. Wir haben zwar eine überkaufte Markttechnik die nach einer Korrektur schreit, Oszillatoren spielen aber in einem Runaway Move keine Rolle. Und wir haben ein gewaltiges Momentum im Markt, jeder Dip wird gekauft.

Nach meiner Erfahrung wäre es ein Fehler dem Markt in so einer Situation mit zu grosser Skepsis zu begegnen. Natürlich kann jederzeit ein Einschlag kommen, vielleicht schon in einer Stunde, niemand weiss das ! Aber solange der Markt so massiv nach oben drängt, spielt man lieber mit der Bullenherde mit, statt sich dagegen zu stellen und zu versuchen klüger als der Markt zu sein.

Für uns Trader und Anleger bedeutet das nun wie folgt :

(1)
Der Markt ist so bullisch wie schon lange nicht mehr und man sollte mitnehmen was man kriegen kann ! Zu grosse Skepsis halte ich in solchen Momenten nicht für angesagt. Bedenken Sie, es spricht nun viel dafür, dass wir in S&P500 und DAX bald historische Höststände sehen. Unterschätzen Sie nie das Momentum, wenn die Herde der Bullen mal richtig in Bewegung gerät. Und Kraft-Futter haben die Bullen dank der Notenbanken mehr als genug.

(2)
Seien wir uns gleichzeitig bewusst, dass das Ende von derartigen Runaway Moves schnell und ohne Vorwarnung kommen kann. Und wenn es kommt, geht es dramatisch nach unten. Ich erinnere erneut an meinen Artikel zur -> Technik eines Runaway Moves <- !

(3)
Keiner, kein Mensch und kein Tool kann uns sagen, wann der Markt diesen Einschlag bekommt, der ihn aus seiner bullischen Euphorie heraus holt. Das kann schon übermorgen bei DAX 7900 sein oder erst Ende Februar bei vielleicht DAX 8500 ! Mein Gefühl spricht eher für das 8500er Szenario, aber das ist nur ein Gefühl und nichts wert !

Das Beste was wir nun also nach meiner Erfahrung tun können, ist mutig und aggressiv die bullischen Setups zu spielen, die uns der Markt bietet. Und gleichzeitig kompromisslos mit gedanklichen "Trailing Stops" zu operieren, die wir immer unter jeden kleinen Rücksetzer ziehen, sobald er hinter uns liegt.

Gedankliche Trailingstops meine ich, weil ich in solchen Situation von den automatischen Trailing Stops nichts halte, die mit festem Abstand mitlaufen. Da wird man nur dumm ausgestoppt. Besser ist mit normalen Stops zu operieren und die jeden Tag "per Hand" nachzuziehen, so dass defacto ein Trailing Stop entsteht. Denn so kann man die immer unter die letzte Mini-Korrektur nachziehen. Denn es kommt einfach darauf an, erst dann per Stop aus dem Markt geworfen zu werden, wenn der Runaway Move sich seinem Ende nähert. Und per Definitionem lässt ein Runaway Move niemanden von der Seitenlinie mehr einsteigen. Wenn also das erste Mal ältere Tiefs wieder unterboten werden, ist der Zeitpunkt gekommen auf die Seite zu treten.

In Summe werde ich also eher aggressiv agieren und gleichzeit kompromisslos absichern. So habe ich die Chance, so viel wie möglich von dieser Bullen-Stampede mitzunehmen. Und zwar so lange sie andauert, egal ob noch einen Tag oder 2 Monate !

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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S&P500 mit Indecision Doji – Korrektur oder Runaway Move ? – 25.01.13

S&P500 auf Steroiden. Das wäre wohl eine korrekte Beschreibung der aktuellen Situation, denn eigentlich hätte schon lange eine kleine Korrektur laufen müssen. Es sieht fast so aus, als befinden wir uns in einem sogenannten "Runaway Move".

Es erscheint mir also dringend nötig die Geschehnisse im Leitindex S&P500 in ein grösseres Bild zu rücken. Ansonsten läuft man Gefahr sich in Details zu verlieren und den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen.

Schauen wir doch mal auf das Tageschart des S&P500 seit Anfang 2012:

S&P500 25.01.13

Das erste was man sofort sieht ist, wie überkauft dieser Markt nun ist und wie sehr er nach einer Korrektur schreit. Beachten Sie dazu die beiden roten Kreise. Nachdem der S&P500 gestern die runde Marke von 1500 erreicht hatte, bildete der Markt einen sogenannten "Indecision Doji" aus. Dieser tritt vermehrt bei bedeutenden Richtungsänderungen des Marktes auf. Beachten Sie auch wie hoch der RSI nun gelaufen ist. Auf diesem Niveau kommt es fast immer schon bald zu Gewinnmitnahmen. "Fast" immer, es gibt eine Ausnahme und das ist der Runaway Move, dazu aber später mehr.

Nun sollten Sie sich aber auch den Charakter der Aufwärtsbewegung seit November 2012 anschauen. Und vergleichen Sie diese Bewegung bitte mit dem bullischen Trend von Juni bis September 2012.

Man muss ganz klar sagen, die Bewegung von Juni bis September war eine gesunde Aufwärtsbewegung, die ganz typisch wellenartig in einem Trendkanal aufwärts führte. Starke Anstiege und technische Überdehnung wurden immer mit einer Gegenbewegung beantwortet. Das ist der Charakter eines gesunden Marktes, das "Gummiband" funktioniert.

Ganz anders dagegen die Bewegung seit November 2012. Diese Bewegung ist auf "Steroiden". Es gibt keinerlei Erholungsphasen. Die Korrektur zum Jahresende kann man ignorieren, dass war ein singulärer Event getrieben durch die "Fiscal Cliff" Ängste. Sobald diese Ängste verschwanden, nahm der S&P500 wieder seinen Anstieg auf als ob nichts passiert wäre.

Dieser Anstieg ohne jemals Luft zu holen, hat ganz eindeutig mit den Multimilliarden zu tun, die die FED nun jeden Tag in den Markt kippt, ohne diese wieder abzuschöpfen. Erinnern Sie sich bitte, dass genau zum Start dieser Bewegung im November 2012 die Liquidität aus QE3 den Markt erreichte und dann die FED sogar noch ein QE4 oben drauf gesetzt hat. So gibt es in diesem Januar jeden Tag Buy Operationen der FED, auch heute ist wieder eine grosse POMO Buy Operation.

Ich erinnere in diesem Zusammenhang noch einmal an meinen Artikel von vor 2 Wochen -> Ein kurzer Rückblick auf QE3 <-, in dem ich die Mechanismen dargestellt habe.

Das Ergebnis kann man in der Gnadenlosigkeit der aktuellen Aufwärtsbewegung erkennen. Jeden Tag fliesst frische Liquidität in den Markt und das ist ein Treibsatz wie eine Rakete. Wahrlich ein Markt auf Steroiden !

Wie geht es nun weiter ?

Erstens bleiben die Liquiditätsinjektionen der FED dauerhaft erhalten, der Treibsatz ist weiter da und stützt die Kurse.

Zweitens macht eine solche Bewegung fast nie auf dem Fuss kehrt. In einem gesunden Markt eigentlich nie. Wie eine normale Topbildung aussieht, kann man im Chart im September/Oktober 2012 beobachten: mehrere fallende Hochs, bevor es dann richtig abwärts ging. Es ist also eher unwahrscheinlich, dass der Markt von dem aktuellen Niveau aus einfach massiv nach unten dreht. Auch hier wäre der Runaway Move aber wieder die bösartige Ausnahme von der Regel.

Drittens ist auch das AAII Sentiment in den US nun auf dem höchsten (bullischen) Level seit 2 Jahren. Das ist nicht perse negativ, indiziert aber auch einigen Raum für einen "Durchschnaufer" des Marktes.

Viertens sind wir nun technisch so überkauft und der Indecision Doji so eindeutig, dass sehr viel für eine kurzfristige Korrektur spricht. Diese wird aber wohl von kurzer Dauer sein und nur die überkaufte Markttechnik bereinigen.

Summa Summarum sieht mein wahrscheinlichstes Szenario für den S&P500 also so aus:

In Kürze einsetzende Gewinnmitnahmen, die für geringe Schwäche in den kommenden Tagen führen. Dann ein erneuter Schub nach oben im S&P500. Der DAX dürfte so die untere Begrenzung des gestern skizzierten fallenden Keils testen, bevor auch er sich zu einem erneuten Anstieg aufschwingt.

Das wäre das Verhalten eines normalen, gesunden Marktes.

Leider gibt es ein Alternativszenario, das weniger positiv ist. Es kann sein, dass der Liquiditätsdruck zu stark ist, um überhaupt eine Korrektur zuzulassen. Wenn der S&P500 selbst hier unter 1500 nun nicht in den Korrektur-Modus wechselt, haben wir eindeutig einen Runaway-Move.

Ein Runaway-Move in dieser Situation ist aber keine gute Nachricht. Denn die Risiken der Bewegung steigen dann immens und erlauben eigentlich nicht mehr, die Bewegung beruhigt mitzugehen. Wie böse ein Runaway Move oft ausgeht, habe ich in einem Artikel zur -> Technik eines Runaway Moves <- ausführlich dargestellt.

Auf wenn es sich etwas verdreht anhört, es wäre jetzt sehr wünschenswert, dass der Leitindex S&P500 nun zu einer kleinen Korrektur ansetzt. Das wäre Zeichen eines gesunden Marktes. Läuft der Index von hier aber weiter hoch, steigen die Risiken auf ein kaum tragbares Niveau und ein kleiner Funke kann zu einem gewaltigen Rutsch führen.

Sie müssen den Markt immer mit einem Gummiband vergleichen. Ein gesunder Markt schnappt zurück, wenn das Gummiband zu sehr gedehnt ist. In seltenen Fällen dehnt sich das Gummiband aber ohne Pause immer weiter. Das Ergebnis ist dann ein plötzliches Reissen des Gummibandes - ohne jede Vorwarnung. Und aufgrund dieses Risikos ist es immens schwer, am Ende eines Runaway Moves als Trader wirklich Geld zu verdienen. Denn Stops sind dann aufgrund des immensen Overnight-Risikos weitgehend wertlos.

In diesem Sinne wünsche ich uns nun eine kleine, gesunde Korrektur und Ihnen gute Entscheidungen ! Mr. Market interessiert sich aber nicht für meine Wünsche, vergessen Sie das nie !

Ihr Hari

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Warum 2012 ein leichtes und schwieriges Jahr war – und was uns das über Trends sagt

Manchmal muss man einen Schritt zurück gehen um den Wald vor lauter Bäumen zu sehen. Denn wer das Jahr 2012 Tag für Tag erlebt hat und sich die einzelnen Bäume betrachtet, weiss das es ein schwieriges Börsenjahr war.

Ein Jahr das von permanenter politischer Intervention geprägt war. Und politische Intervention ist perse schwierig, weil kaum zu antizipieren.

Und ein Jahr bei dem der DAX mit um die 30% Plus eines der besten Jahre seiner Geschichte hingelegt hat und damit mit ganz an der Spitze der weltweiten Indizes stand. Gleichzeitig uns aber permanent so schwere Verwerfungen drohten, dass man diese Bewegung nur mit einem apathischen Gemüt hätte gelassen und ohne Sicherungsnetz mitnehmen können.

Ja, es war ein stressiges und anstrengendes Börsenjahr. Aber eigentlich war es auch ganz einfach.

Warum ? Treten wir dazu mal einen Schritt zurück, vergessen wir die täglichen Verwirrungen und betrachten den Wald. Um sein Kapital in 2012 um 70% zu erhöhen - ja 70% Performance ! - musste man nur 4 Trades auf den DAX machen. Und sich dazwischen statt im Büro an einem Strand in der Südsee vergnügen. Schauen Sie selbst auf das Jahr 2012 im DAX:

DAX 2012

Etwas vereinfacht also: Long Q1, Short Q2 und Long Q3. Das hätte locker für 60% Plus gereicht. Dann noch als I-Tüpfelchen den "Runaway-Move" im DAX seit Mitte November erwischen und die 70% Gewinn mit einem DAX ETF wären eingebucht gewesen.

Faszinierend oder, wie einfach das Jahr im Nachhinein aussieht. Und wer hat das so geschafft ? Ich vermute niemand. Ich auf jeden Fall trotz guter Performance nicht in dem Umfang und das obwohl ich die drei Bewegungen der ersten Quartale hier ziemlich genau getroffen habe. Die politischen und fiskalischen Atombomben über unseren Köpfen waren aber in 2012 zu gross, um ohne Vorsicht diese Bewegungen zu spielen.

Und was lernen wir daraus ? Erstens, dass man hinterher immer klüger ist. Überraschung ! 😉 Und zweitens, wie mächtig Trends sind und dass es das Beste ist was man tun kann, solchen Trends einfach zu folgen !

In 2013 machen wir das mit den Trends dann noch besser. Oder ? 😉

Ihr Hari

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surveybuilder.info Tops und Flops 2012

Liebe surveybuilder.info Community,

ich will mich nun zu einem Jahresrückblick auf die Tops und Flops dieses Blogs im Jahr 2012 hinreissen lassen. Es gehört ja zu den eher fragwürdigen Gepflogenheiten vieler die wirtschaftlich von Aktienempfehlungen leben, sich am Ende des Jahres selber zu loben ob der vermeintlich so perfekten Voraussagen. Ist ja auch verständlich, der Anschein guter Prognosen ist Grundlage des Geschäftsmodells.

Das funktioniert auch ganz gut, weil man dabei auf die Vergesslichkeit der Menschen setzen kann, denn wer macht sich die Mühe mal das Vergangene zu lesen und zu überprüfen, ob da die Welt mit dem Marketingpinsel nicht arg zu rosa gepinselt wurde ? Was ich grundsätzlich von der Prognoseindustrie halte, habe ich ja schon in meiner -> Anlagephilosophie <- deutlich gemacht.

Auch empririsch dürfte schnell klar sein, dass wir es hier eher mit einer rosa gefärbten Marketing-Veranstaltung zu tun haben. Denn wir haben ja auf der einen Seite die öffentlichen Fonds, deren Performance für jederman eindeutig nachzulesen ist. Die weit überwiegende Mehrheit dieser Fonds - durchweg geführt von Profis, denen weit bessere Daten- und Nachrichtenquellen zur Verfügung stehen als uns - schafft es nicht das relevante Marktsegment zu schlagen. Auf der anderen Seite haben wir die "Prognoseindustrie", die nach eigenen Angaben im Nachhinein natürlich immer ganz tolle Performance mit ihren "Empfehlungen" erzielt. Kann man ja auch leicht behaupten, weil es sowieso niemand überprüfen kann.

Beides könnte nur dann zusammen passen, wenn in den öffentlichen Fonds alle Idioten versammelt sind und in der "Prognoseindustrie" dagegen die ganz grossen Marktempathiker. Entscheiden Sie selber, ob das eine realistische Annahme ist. 😉

Ich möchte mich daher so weit das geht mal an einen einigermassen objektiven Jahresrückblick heran wagen. Ich bin durch die Titel aller meiner Artikel des Jahres 2012 durchgegangen und habe die heraus gepickt, in denen ich mich im Titel zu einer Aktie oder dem Markt mit deutlicher Tendenz geäussert habe. Um diesen Jahresrückblick nicht ausufern zu lassen, beschränke ich mich auf die Themen die mir einen eigenen, vollen Artikel wert waren und gehe über Teilanalysen innerhalb grösserer Artikel oder über die Livetips hinweg. Eine Berücksichtigung dieser Menge an Detail-Informationen würde den Rahmen sprengen.

Aber auch alleine mit dieser Selektion bekommt man ein ganz gutes Bild darüber, was im Nachhinein auf surveybuilder.info treffend war und was nicht. Ich habe daher jeden Fall in die Kategorie TOP oder FLOP eingeordnet, je nachdem ob die Aussagen des Artikels im nachhinein treffend waren oder nicht. Die Fälle im Graubereich die weder eindeutig in die eine oder andere Richtung ausschlugen, habe ich der Übersichtlichkeit wegen weggelassen. Und anhand der von mir genannten Daten, können Sie die alten Artikel aus dem Archiv ziehen und selber überprüfen, ob Sie meine Einschätzung teilen oder nicht. Insofern ist der folgende Rückblick wenigstens halbwegs objektiv.

Soweit der Vorrede, hier kommen die wesentlichen Tops und Flops dieses Blogs in 2012:

FLOP 16.01.12 "Cameco Weltmarktführer in Uran": Ich hatte Ihnen Cameco vorgestellt, verbunden mit der Erwartung, dass sich der Uranpreis in 2012 nachhaltig erholt. Auch wenn der Trade kurzfristig für ein paar Wochen gut funktioniert hat, hat sich die generelle Annahme als unzutreffend heraus gestellt. Der Kurs von Cameco war das ganze Jahr in einer Seitwärtsrange und dümpelt heute auf ähnlichem Niveau wie vor fast einem Jahr herum.

TOP 17.01.12 ff "Zur Taktik in Bullenmärkten": Einer der bedeutendsten Treffer diesen Jahres war es, die Tendenz der ersten drei Quartale frühzeitig und eindeutig zu erkennen, lange bevor die Mehrheit auf den Zug aufgesprungen ist. Nur mit dem 4. Quartal konnte ich nie so richtig "warm" werden, hier fehlte mir zuletzt die klare Tendenz. So habe ich schon am 17.01.12, mitten in der anhaltenden Depression nach dem 2011er Absturz, von einem Bullenmarkt gesprochen und Sie erinnern sich sicher an die zahllosen Artikel im ersten Quartal zum laufenden "Runaway Move", eine Sicht die in der breiten Presse erst sickerte, als die Bewegung im März schon wieder dem Ende zu ging.

TOP und FLOP 24.01.12 "Temenos - Chancen mit Bankensoftware": TOP war das insofern, als die Aktie kurz nach der Besprechung durch die Übernahmegespräche mit Misys zu einem gewaltigen Höhenflug ansetzte. Wer drin war und mit Stop absicherte, konnte schnelle und schöne Gewinne mitnehmen. FLOP insofern, als es danach nicht weiterging und die Aktie nach Scheitern der Fusion für den Rest des Jahres nicht mehr richtig ans Laufen kam.

TOP 26.01.12 "Kaufpanik oder das Reh im Scheinwerferlicht"und 01.02.02 "Zur Technik eines "Runaway Move": Weitere Beispiele für die klar erkannte Richtung des ersten Quartals. Weitere Zitate der zahllosen Artikel zum Thema übergehe ich im folgenden.

TOP 30.01.12 "Hecla Mining - Seriosität in Silber": Das ist ein Top mit Einschränkung. Das Timing war nicht ganz perfekt und es ging nach dem Artikel noch etwas weiter runter. Aber die Tendenz und grundlegende Sicht war richtig und ist es heute fast ein Jahr später immer noch.

TOP 02.02.12 "Vom Elend der Charttechnik und der Börsenkultur - Eine Wutrede": Hier habe ich mich mit spitzer Zunge über die vier Chartisten mokiert, die zum Frankfurter Gespräch beim Handelsblatt zusammen kamen. Meine Erwartung, dass die Aussagen der Herren eher Kontraindikatoren sein werden, hat sich in den folgenden 2 Monaten perfekt bewahrheitet. Auch 2013 freue ich mich schon wieder auf diesen recht zuverlässigen Kontraindikator. 😉

06.02.12 "Das Beste für Griechenland - ein Kommentar aus tiefstem Herzen": Tja, Top oder Flop ? Eigentlich bin ich immer noch dieser Ansicht und die seitdem vergangenen 10 Monate haben die Sicht auf Griechenland ja wiederholt bestätigt. Da die Politik den von mir gewünschten Weg aber nicht eingeschlagen hat, ist es müssig zu spekulieren ob das wirklich der bessere Weg gewesen wäre. Ich glaube es noch immer.

TOP 13.02.12 "Tesla Motors - die Zukunft des Automobils": Ein Top mit Einschränkung. Tesla setzte nach dem Artikel zu einer gewaltigen Rally an, die schnell 20% Plus brachte. Der Rest des Jahres war dann aber eher volatile Seitwärtsbewegung und aktuell steht Tesla einige Prozent höher als Anfang diesen Jahres.

TOP 14.02.12 "ThyssenKrupp - Vom Donnerhall zum Anlagenbauer": Die deutlich artikulierte sehr negative Sicht auf die Aktie und insbesondere auf die verantwortlichen Organe rund um Gerhard Cromme war mehr als treffend, wie der weitere Verlauf des Jahres ja nachhaltig bewiesen hat.

TOP 01.03.12 "Aixtron - ein Management im Blindflug": Während die diversen Medien noch der Hoffnung bei Aixtron das Wort redeten, habe ich mich in deutlichen Worten über ein Management mokiert, das öffentlich über Hoffnung für die zweite Jahreshälfte daherredet, gleichzeitig aber mit dem eigenen Geld nicht bereit ist auf das eigene Unternehmen zu setzen. Die weitere Entwicklung des Jahres hat dieser negativen Sicht mehr als Recht gegeben. Nun redet keiner mehr über Aixtron. Sollten jetzt Insiderkäufe kommen, dürfte das ein Einstiegssignal sein.

"05.03.12 "Salzgitter – Kaufgelegenheit ?": Auch wenn die grundlegende Erwartung bei Salzgitter sehr treffend war und eher unter die Kategorie "Top" fallen würde, war das folgende Kurs-Loch, obwohl prinzipiell antizipiert, dann doch tiefer als erwartet. Kurse unter 30€ konnte ich mir damals nicht vorstellen. Insofern keine eindeutige Bewertung für diesen Punkt.

FLOP 05.03.12 "China und die Rohstoffe": Auch wenn vieles in dem Artikel treffend war, hat sich die grundlegende Annahme, dass die Rohstoffnachfrage aus China wieder ans Laufen kommt doch als unzutreffend heraus gestellt. Mit den im Artikel genannten Aktien liess sich in 2012 kaum Geld verdienen und Rio Tinto notiert zum Beispiel aktuell wieder auf dem Niveau von Anfang März. Es spricht zwar viel dafür, dass sich das in den kommenden Monaten ändert, weil China endlich in Bewegung gerät. Für das letzte Jahr war das aber eindeutig ein Flop.

TOP 08.03.12 "Deutsche Bank - zerschlagt sie endlich !": Das Thema ist ja wohl aktueller denn je. Ich kann es nur wiederholen: zerschlagt sie endlich !!

TOP 27.03.12 "Vom Aufhören, wenn es am schönsten ist ...": Mit diesem Artikel habe ich mit perfektem Timing die Korrektur des zweiten Quartals ins Auge genommen, genau zu dem Zeitpunkt, als die bekannten Verdächtigen anfingen über DAX 8000 zu schwadronieren. Und hatte auch schon die Sommerrally im Auge. Lesen Sie doch einfach noch einmal. 🙂 Eine derartige Marktsicht war zu dem Zeitpunkt für mich woanders weit und breit nicht zu sehen. Erinnern Sie sich auch an die Umfrage am 28.03. ? Die Hälfte der Leser von surveybuilder.info wollte dieser Sicht auf das 2. Quartal auch nicht folgen, ein Quartal, in dem der DAX dann über 1000 Punkte gegenüber Ende März verlor.

TOP 30.03.12 "Warum ich Microsoft nun aus meinem Depot verbanne": Volltreffer. Der Artikel ist auch 9 Monate später unverändert gültig und auch das war eine Sicht, die man damals kaum irgendwo hören konnte. Seitdem ist Microsoft um 16% gefallen (32,4 -> 27) und die Verkäufe von Windows 8 sind genau so wie erwartet: schlecht. An so Themen sieht man dann doch, dass es einen Unterschied macht, wenn man sich in einem Segment sehr gut auskennt, was im Bereich Software bei mir durch berufliche Historie der Fall ist.

FLOP 17.04.12 "Daimler im Visier der Investmentbanken": Die von mir gesehenen Kaufoptionen bei den Investmentbanken hatten im Nachhinein keine Auswirkung. Keine Ahnung was damit passiert ist und wofür sie letztlich da waren. Die antizipierte Bewegung durch einen Einstieg eines Investors hat sich auf jeden Fall nicht realisiert, insofern klarer Flop.

TOP 09.05.12 "Bedeutende Wende bei den Goldminen": Am 16.05. - 5 Handelstage nach dem Artikel - markierte der GDX sein absolutes Tief bei 39,08 USD. Am 18.05. habe ich das unter der Überschrift "Gold und Goldminen bestätigen Wende !" noch einmal deutlich gemacht. Danach setzte der GDX langsam aber gewaltig zu einer Sommerrally an, die den GDX bis zum 21.09. auf 55,25 USD brachte, ein Anstieg von 41% in 4 Monaten, das darf man wohl Top nennen. 😉

TOP 12.06.12 "Kursziel 1400 im S&P500 ?": Mit einer technischen Betrachtung habe ich meine positive Sicht auf das dritte Quartal und die Sommerrally eingeläutet und am 15.06. mit "Cup&Handle im S&P500 kurz vor Aktivierung" verstärkt. Im Nachhinein war es tatsächlich so, dass der S&P500 sein absolutes Tief am 04.06. erreicht hatte. Diese Betrachtung, die auch schon DAX 7000 erwähnte während der DAX bei 6100 stand, war also sehr treffend.

29.06.12 "Ein historischer Tag - Das Ende Deutschlands, wie wir es kennen.": Top oder Flop ? Ich überlasse das Ihnen. Ich befürchte aber nach wie vor, dass ich völlig Recht hatte.

TOP 02.07.12 "US Kohlesektor - Monatelanger Abwärtstrend bald durchbrochen ?": Eher Top, aber nicht so eindeutig. Der Sektor definierte seinen absoluten Tiefpunkt am 26.07., insofern war die Annahme des Artikels grundlegend richtig. Seitdem ist der Sektor im Aufwärtstrend. Allerdings verläuft der Gegenanstieg bisher nicht so richtig überzeugend. Insofern ein verhaltenes Top.

FLOP 05.07.12 "Warum man die Porsche Aktie nun nicht mehr haben muss": Nach dem Artikel setzte der Kurs von Porsche zu einer massiven Rally an, insofern klarer Flop. Andererseits bin ich weiter von der inhaltlichen Sicht überzeugt, dass man in VW sein muss und nicht in Porsche, weil die Entwicklung des Porsche Kurses ein reines Lotteriespiel ist, auf das nur Herr Piech wirklich Einfluss hat. Als Aktionär sitzt man da sozusagen an einem gezinkten Kartentisch. Ich gebe mich nicht der Illusion hin zu durchdringen, was in der Porsche Bilanz alles passiert und nicht passiert. Und mit VW konnte man ja dann auch gutes Geld verdienen. Trotzdem, rein vom Kursverlauf her klarer Flop.

TOP 10.07.12 "Linde, SAP, ABB - drei substanzstarke Aktien, die ich nun für Buy&Hold interessant finde": Volltreffer. SAP seitdem 36% Plus. Linde 20% Plus. ABB 21% Plus. Und das alles in einem halben Jahr und ohne grosses Risiko bei sehr geringer Volatilität. Besser gehts kaum. Und ich halte alle drei Aktien auch für 2013 weiter für aussichtsreich.

TOP 18.07.12 "Wohin uns die Sommerrally führen könnte" und 19.07.12 "Dieser Bulle hat noch Kraft in den Lenden !": Eine im Nachhinein sehr treffende Sicht auf das 3. Quartal, inklusive der schon formulierten Erwartung der Herbststürme, die dann auch ab Ende September einsetzten.

TOP 31.07.12 "Aufbau eines Trades – Am Beispiel Silber": Zwischen dem Artikel und dem Hoch Ende September legte Silber eine 25% Rally hin.

TOP 08.08.12 "Goldminen – Erneut mit relativer Stärke gegenüber Gold": Nach dem Artikel legte der GDX innerhalb 6 Wochen eine 24% Rally hin.

TOP 28.08.12 "Chart der Woche – Hecla Mining": Nach dem Artikel legte HL innerhalb von nur 4 Wochen eine Rally von knapp 30% hin !

TOP 29.08.12 "Kurztipp – Kinross Gold": Nach dem Artikel legte Kinross innerhalb von nur 5 Wochen eine Rally von über 30% hin !

10.09.12 "Bijou Brigitte (522950) - Modeschmuck im Strudel der Eurokrise": Der mittelfristig angelegte Trade scheint zu funktionieren die Aktie steht nun über 10% höher als beim Artikel. Ein endgültiges Urteil will ich mir aber noch nicht erlauben.

FLOP 18.09.12 "Gold – Das für mich wahrscheinlichste Szenario der nächsten Wochen": Meine Leiden an Gold im 4. Quartal wurden hiermit eingeläutet. Und bis heute ist es so, dass ich auch im Nachhinein - auf Basis der damals vorhandenen Daten - an meiner Einschätzung keinen grundlegenden Fehler erkennen kann. Es ist trotzdem völlig anders gekommen und was mich am meisten irritiert ist, dass ich bis heute nicht verstehe warum. Insofern ist mein Edelmetall Trade des 4. Quartals für mich nach wie vor mein "Flop des Jahres !" Zwar habe ich dank gutem Risikomanagement da nur minimal Geld verloren, frustrierend waren die letzten 2 Monate aber schon.

21.09.12 "Marktanalyse - Wie wird das vierte Quartal für DAX, S&P500 und Co. ?": In dieser Marktanalyse scheinen die Schwierigkeiten des kommenden Quartals schon auf. Der Artikel ist auch Indikator dafür, dass ich mich im 4. Quartal nun schwerer tue den Markt "zu greifen".

FLOP 11.10.12 "Silber – Warum die Markttechnik nach einem bullischen Ausbruch riecht !": Auch hier setzt sich mein schlechter Edelmetall-Trade fort, der Kommentar zum 18.09.12 gilt auch hier. Da hat mich Mr. Market einmal kräftig an der Nase herum geführt.

TOP 14.10.12 "Marktupdate - DAX & Co.: Vom Weg des maximalen Schmerzes": Das war schon sehr prophetisch und die ersten zwei Phasen, inklusive des Tauchers unter 7000 im DAX, traten auch perfekt ein. Nur die ganz grosse Rally am Schluss über 8000 wurde uns verwehrt, ich bin aber recht sicher, ohne die Fiscal Cliff Verwirrung wäre die drin gewesen.

Mit Mitte Oktober will ich meinen Rückblick auch schliessen. Die weiteren Artikel sind in der Regel zu nahe an der Gegenwart um schon ein Urteil fällen zu können.

Abgesehen davon verschafft diese Liste auch so schon einen ganz treffenden Eindruck über das, was im Jahr 2012 auf surveybuilder.info.de gelaufen ist. Sicher musste ich vieles weglassen, insbesondere wichtige kleine Kommentare und Tips, um diesen Artikel nicht endgültig zu lang werden zu lassen. Trotzdem kann man nachvollziehbar sagen, dass das Jahr 2012 von vielen sehr guten Treffern geprägt war, die erhebliche Gewinne ermöglichten.

Insbesondere die in x Artikeln immer wieder konsistent thematisierte Marktsicht auf die grossen Entwicklungen der drei Quartale (Q1 bullisch, Q2 bärisch, Q3 bullisch), hat denen schöne Gewinne ermöglicht, die das verstanden haben. Dazwischen tummelten sich aber auch ein paar Flops, nobody is perfect. Würde mir jemand einen fehlerlosen Trackrecord präsentieren, würde ich es auch nicht glauben. Wir alle haben Fehleinschätzungen und niemand hat eine Kristallkugel. Der Unterschied ist, ob man daraus lernt und ob man in der Lage ist, die Risiken zu begrenzen.

Ich wünsche Ihnen allen einen guten Rutsch und uns weiter so viele Treffer in 2013 !

Ihr Hari

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Gastkommentar – DAX mit “Runaway Move”

[Redaktionelle Anmerkung Hari: Wer den Begriff des "Runaway Move" nicht kennt, findet -> hier <- Erklärung und Beispiel.]

Ein Gastartikel von Tokay

DAX mit "Runaway Move"

Die seit Mitte September laufende Konsolidierungsbewegung ABCD wurde Ende November mit einem „fake out“ aufgelöst und wir befinden uns seither in der vielzitierten Jahresendrally, markiert durch die Linie DE. Diese Rally trägt die Züge eines „runaway move“, denn es fand in dieser Bewegung keinerlei Konsolidierung statt. Wer die Bewegung verpasste und darauf hoffte, die Schwäche zu kaufen, der hoffte vergeblich.

Die mittelfristige Aufwärtsbewegung seit Sommer wird gestützt durch die Basis FG und liegt bei etwa 6800/6850 Punkten. Es kann also theoretisch eine Konsolidierung bis zu dieser Linie erfolgen, ohne dass die Aufwärtsbewegung in Frage gestellt wäre.

The runaway move

Der „runaway move“ ist offenbar auf die bullische Grundstimmung vieler Marktteilnehmer zurückzuführen, aber wohl auch auf das Bestreben, die Jahresbilanz etwas aufzuhübschen. Die Nachrichtenlage insbesondere bezüglich USA und Italien hat aber das Potenzial, die allgemeine Risikowahrnehmung zu erhöhen. Eine reibungslose Fortsetzung der kurzfristigen Aufwärtsbewegung ist damit gefährdet. Das mittel- und langfristige Aufwärtspotenzial indes bleibt weiter intakt. Die Politik rettet wieder einmal, was ohne sie womöglich gar nicht gerettet werden müsste.

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