Gedanken zum langfristigen Vermögensaufbau und zum Zerrbild des Value-Investing

Der folgende Artikel entstand aus der Kombination eines am 29.01.14 in Hari Live erschienenen Artikels, sowie eines Forenkommentar zum Thema "Value Investing" vom 13.04.14.

Womit beginnt man denn eigentlich den langfristigen Vermögensaufbau ?

Dazu kann man Bücher schreiben, ich will deshalb nur einen kleinen Teilaspekt heraus greifen. Wer hier im Blog ist, hat dann bestimmt auch erkannt, dass zu einem langfristigen Vermögensaufbau die Beteiligung an Produktivkapital gehört und der nicht nur mit Tagesgeld erreicht werden kann. Denn sonst wären Sie wohl nicht hier. 😉

Ich betone auch ausdrücklich, es macht für jeden Anleger jede Menge Sinn, ein Basisdepot zu haben, dass er unter langfristigen Aspekten verwaltet und damit bei geringen Risiken einen langfristigen Aufbau erzielen kann. Wenn man dieses Depot hat, dann kann man sich auch mal mit einem kleineren Teil an eigene Anlagen wagen und dabei auch mal höhere Risiken eingehen.

Aber diese ruhige, stabile Basis ist für jeden privaten Anleger ganz wichtig, davon bin ich überzeugt. Wer als junger Mensch versucht, diesen Schritt zu überspringen und sozusagen mit den ersten 10.000€ im Sparstrumpf versucht, gleich durch Trading "reich" zu werden, wird zu 99,99% scheitern. Und die 0,01% sind dann halt echte Genies. Die soll es geben. 😉

Auch ich lebe diese Zweiteilung. Ich besitze ein ruhiges, langfristig orientiertes Investmentdepot und ein weit aggressiver verwaltetes Trading-Depot, mit dem ich eine Überrendite erziele.

Beginnen Sie also - gerade als junger Mensch - mit einer guten, langfristigen Basis in Ihrem Depot. Und dann, wenn Sie diese haben, beginnen Sie selber mehr zu wagen und Ihre Fähigkeiten zu testen. Und dazu will ich Ihnen heute einen vielleicht überraschenden Rat geben.

Denn wenn wir über diese Basis reden, stellt sich ja gleich die Frage: welche Aktien sollten Sie für so ein Basis-Depot wählen ?

Die Antwort ist offensichtlich und dazu gibt es unzählige sinnvolle Darstellungen. Es sind natürlich die grossen Bluechips mit positivem Cashflow, die auch Generationen überdauern, weil sie ein Geschäftsmodell haben, das immer trägt. Es sind Namen wie Nestle, Unilever, Roche, Novartis, General Electric, Siemens und so weiter und so fort.

Sie können jetzt längliche Diskussionen darüber führen, ob als Industrietitel im Moment ABB, Siemens oder GE die bessere Wahl wäre. Oder als Pharmatitel Roche, Novartis oder doch Sanofi. Sie werden dazu viele Meinungen lesen und wenn Sie zu viel Zeit haben, können Sie auch anfangen, die gigantischen Geschäftsberichte dieser Unternehmen zu lesen, im Irrglauben, daraus einen Vorteil für Ihre Anlage ziehen zu können.

Für den Trader sind diese Unterschiede auch sehr wichtig, weil der richtige Moment und die richtige Aktie mit der richtigen Markttechnik macht auf der mittleren Zeitebene schnell mal 10% Gewinn aus, die die andere Aktie dann nicht hat.

Für Sie, der Sie mit diesen Aktien einen langfristigen Vermögensaufbau betreiben wollen, sind diese Unterschiede aber nicht ganz so wichtig. In 2 Jahren hat vielleicht das Management gewechselt und dann ist sowieso alles anders. Als Lesestoff sind diese Geschäftsberichte ja interessant und es schadet nicht, wenn ein Aktionär weiss, was in seinem Unternehmen los ist. Als Entscheidungsgrundlage für die langfristige Auswahl können Sie das aber eher vergessen. Zumal die Qualität der Bilanzzahlen in den Zeiten des IFRS sowieso teilweise fragwürdig ist.

Und an dieser Stelle greift deshalb auch mein Rat. Ich kann nicht sehen, dass Sie für Ihr langfristiges Depot einen grossen Vorteil damit erzielen, dass Sie sich nun um die Aktienselektion dieser Bluechips für Ihren langfristigen Vermögensaufbau intensiv bemühen. Wie gesagt, es schadet auch nicht, aber es wird bei der Performance keinen grossen Unterschied machen.

Warum ? Ganz einfach, weil hunderte, ja tausende - in der Regel besser als Sie qualifizierte Vermögensberater und Fondmanager - sich genau diese Gedanken für ihre Fonds machen. Denn diese Titel sind in hunderten und tausenden Fonds und ETFs enthalten. Glauben Sie wirklich, dass Sie diese Selektion besser als diese Profis vornehmen können ? Was bringt es Ihnen, den Geschäftsbericht auch noch zu lesen, wenn die Profis es alle schon getan haben und deren Reaktion darauf, schon im Kursverlauf verarbeitet ist ?

Ich kann das Dilemma perfekt am Grossmeister der Geldanlage Warren Buffett festmachen. Den kennen Sie ja bestimmt und bewundern oder schätzen ihn. Nun wäre es für Sie ja ein Leichtes, Ihr kleines Vermögen von "Warren himself" verwalten zu lassen. Sie müssen dafür nur seine Beteiligungsholding Berkshire Hathaway (WKN: A0YjQ2) an der Börse kaufen. Und schon wird Ihr Geld vom grossen Warren verwaltet und Sie haben indirekt Wells Fargo, Coca Cola und Co. im Depot.

Warum also glauben Sie, bei der Auswahl von Aktien im Bereich dieser Bluechips auch noch Warren Buffett schlagen zu können ? Klar ich weiss, man ist als privater Anleger agiler, Buffett wird ja durch die Grösse des Riesentankers Berkshire sehr eingeschränkt und da ist ja auch noch das Fragezeichen, wie es mit Berkshire weiter geht, wenn er mal nicht mehr ist.

Ich will mit Berkshire ja auch nur einen Punkt machen. Es gibt auch in Deutschland richtig gute Fonds und Vermögensverwalter, die wissen was sie tun. Und denen Sie ihr Geld anvertrauen können und wissen, dass es dort professionell verwaltet wird. Und sich in Ihrem Depot genau die Art von Aktien finden, die ich oben beispielhaft erwähnt habe. Und Sie haben auch als Kleinanleger Zugang zu diesen Vermögensverwaltern, weil die in der Regel an der Börse notierte Fonds haben. Ich will hier keine konkrete Werbung machen, aber einige der guten Adressen wurden hier im Forum schon besprochen. Oder eben Sie gehen zu dem grossen Buffett selber, um Ihr Geld verwalten zu lassen.

Mein Punkt und Rat ist:

Geben Sie den langfristigen Vermögensaufbau in gute Hände. Wählen Sie eine Handvoll guter Fonds von seriösen Top-Leuten aus, die genau in die Aktien investieren, die für einen langfristigen Vermögensaufbau geeignet sind.

Oder - wenn Sie in Ihrer Börsen-Erfahrung etwas weiter sind - wählen Sie selber gezielt grosse ETFs aus, die voll replizierend die oben genannten Aktien kaufen. Und mischen Sie vielleicht noch Warren Buffet direkt bei. 😉 Und dann sparen Sie da an und lassen diese Positionen langsam akkumulieren.

Das ist dann Ihre ruhige Basis im Depot und die brauchen Sie, wenn Sie einen langfristigen Vermögensaufbau erreichen wollen. Und investieren Sie darüber hinaus in Ihr Wissen und Können rund um die Märkte. Und genau dafür, hat diese Community für Sie ein attraktives Angebot.

Konzentrieren Sie aber Ihre eigene Energie nicht darauf, besser als Warren Buffett sein zu wollen. Lassen Sie sich nicht von einem trivialisierten Zerrbild des "Value-Investing" blenden, das gerade in Deutschland allenthalben herum gereicht wird, weil es sich für die Anleger so gut anfühlt. Die Unmöglichkeit für Sie, mit Buffett zu konkurrieren, liegt gar nicht mal daran, dass Buffett so "einmalig" ist. Das man ihn heute nicht mehr 1zu1 kopieren kann, liegt auch daran, dass er seine grossen Erfolge in einer ganz anderen Zeit mit anderen Voraussetzungen hatte. Er würde heute selber grösste Probleme haben, sich selbst zu kopieren, weil viele seiner Aktionen damals (wie die Übernahme der Textilfabrik Berkshire) heute viel stärker beobachtet würden. Damals lief er damit noch weitgehend unter dem Radar, von der Lokalpresse mal abgesehen.

Und über Benjamin Grahams Ansatz ist sowieso die Zeit hinweg gegangen, weil viele Daten mit deren Ermittlung er sich noch einen Edge erarbeiten konnte, heute in der Welt des Internets als "Common Sense" mit einem Klick ablesbar sind. Von der Verbiegung ehedem verlässlicher Bilanzkennzahlen durch das IFRS mal ganz abgesehen. Die Welt ist halt anders geworden. Grahams Grundideen vom "Intelligent Investor" sind zeitlos und immer noch gültig. Und es ist deshalb immer noch eines der wichtigsten Bücher zum Investieren überhaupt. Aber so wie er damals, kann man das heute einfach nicht mehr 1zu1 umsetzen. Und Graham wäre mit seiner Intelligenz der Erste, der das begreifen würde.

Aber es gibt auch heute - unter anderen Rahmenbedingungen - richtig gute Value-Investoren, die durchaus in einer Liga mit dem früheren Buffett spielen, nur halt mit etwas anderer Methodik. Und insofern ist Buffett so einmalig nicht.

Mein Punkt dreht sich also nicht um Value-Investing an sich, das funktioniert durchaus, sondern um die Illusion vieler Privatanleger, es mit geringem Aufwand selbst tun zu können. Denn dieser Investmentansatz ist von allen, der mit den höchsten Anforderungen an fachliche Fähigkeiten, zeitlichen Einsatz und Kapitalkraft.

Nehmen wir mich selber als Rohmodell. Ich war Vorstandschef einer AG und auch im M&A Bereich tätig. Und war im M&A Umfeld mittendrin, wo börsennotierte Unternehmen zerlegt und veräussert wurden. Ich verstehe also, wie Investoren eine Firmenbewertung vornehmen und bin dazu selber in der Lage. Ich habe also die fachlichen und erfahrungstechnischen Voraussetzungen, um eine Safety Margin überhaupt kompetent identifizieren zu können.

Weiterhin arbeite ich Fulltime an den Märkten, habe also auch theoretisch die Zeit dazu, diese anspruchsvollen Bewertungsfragen vorzunehmen und mich inhaltlich mit den Geschäftsmodellen auseinander zu setzen. Ich habe also wahrscheinlich eher als 99,9% der privaten Anleger, die fachlichen und zeitlichen Voraussetzungen dafür, Value-Investing zu betreiben.

Und trotzdem versuche ich es nicht, weil mir bewusst ist, dass mir ein entscheidender Baustein fehlt, um es erfolgreich umsetzen zu können. Mir fehlt die Kapitalkraft hinter mir, damit ich direkten Zugang zu den Unternehmen und zum Management bekomme.

Und ohne diesen Zugang geht es nicht. Eine seriöse Firmenbewertung ohne Kenntnis des Managements vorzunehmen, ist fast unmöglich. Buffett hat es meines Wissens nie in seinem Leben ohne diesen Zugang getan. Und kein einziger Finanzinvestor der Welt, wird einen Cent in ein Unternehmen stecken, wenn er nicht vorher einen Eindruck vom Management hat. Nur einem direkten Mitbewerber kann das egal sein, weil die wirft er einfach raus. Aber selbst in dem Fall, ist das hoch riskant und wird von den übernehmenden Unternehmen vermieden.

Ich könnte also trotz meiner fachlichen Qualifikation nur dann einen Value-Investing Ansatz verfolgen, wenn ich zumindest Fonds-Manager wäre oder einem grossen Family-Office vorstehe, so dass mich die Firmen als Gesprächspartner empfangen und ernst nehmen. Ich habe diese Voraussetzung nicht. Und "Max Müller" auf der Strasse schon gar nicht. Value-Investing alleine vom Bürostuhl aus mit dem passiven Studieren von Bilanzkennziffern auszuüben, ist ein Zerrbild - Buffett ist so definitiv nicht reich geworden.

Wenn man sich das klar macht, wie jemand mit meinem Background das Thema sieht, kann man wirklich nur schmunzeln, wenn private Anleger mit normalem Beruf, am Feierabend dann ihre in der Grundschule erworbene Fähigkeit des Lesens von Zahlen einsetzen, um Werte wie KBV abzulesen, nach dem Motto "kleiner 1 ist gut" einzuordnen und sich dann als Value-Investor zu fühlen. Das ist schlicht absurd. Statt dieser Illusion aufzusitzen, wären sie besser beraten, ihr Kapital in einen Fonds eines echten Value-Investors zu stecken. Oder eben das Vermögen auf passive, voll replizierende ETFs zu verteilen. Man muss halt erst einmal von einer Sache etwas verstehen, um dann überhaupt zu wissen, was man nicht weiss. 😉

Value-Investing funktioniert also. Aber nur für Profis mit Kapital im Rücken, Fleiss, Zeit und fachlichen Fähigkeiten bei der Firmenbewertung. Die übergrosse Mehrheit der Anleger hat diese Voraussetzungen nicht.

Und deshalb sollten Sie sich - wenn Sie über Ihre Basisanlagen hinaus einen eigenen Mehrwert erzielen wollen - auf die Stellen konzentrieren, an denen Sie als Privatanleger tatsächlich in der Lage sind, sich mit vertretbarem Zeitaufwand und Wissen einen kleinen Edge zu erarbeiten.

Und das sind die Techniken der Markttechnik und insbesondere Trendfolge, die wir hier im Blog immer wieder thematisieren.

Durchaus auch bei den gleichen Titeln wie oben, aber eben aus einem ganz anderen Blickwinkel, dem Markttiming mit den Mitteln der Markttechnik. Und dabei das zu lernen, will Ihnen dieser Blog und seine Community helfen.

Schaffen Sie sich also eine Basis in Ihrem Vermögen, über die Sie sich keine Gedanken machen brauchen, weil das Vermögen in guten Händen ist. Und konzentrieren Sie sich dann als Ergänzung mit Ihrer Energie auf die Bereiche, in denen Sie eine realistische Chance haben, überdurchschnittliche Erfolge zu erzielen. Als 2 millionster Leser des Geschäftsberichts von Nestle ist das eher unwahrscheinlich. Lassen Sie den Geschäftsbericht von Ihren Fondsmanagern lesen. 😉

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Novartis bricht nach oben aus – Langfristig gute Aussichten

Zuletzt am 22.10.13, hatte ich in Hari Live auf das zulaufende Dreieck bei Novartis (WKN: 904278) hingewiesen, das schon damals auf einen kommenden Ausbruch nach oben hindeutete.

Mit den heutigen Nachrichten zum einem Aktien-Rückkaufprogramm, scheint dieser Ausbruch endgültig im Gange zu sein. In der schweizerischen "Finanz und Wirtschaft", lesen Sie wie immer alles kompetent zu den Fakten, die ich deshalb hier nicht nacherzählen muss.

Das langfristige Chart mit Wochenkerzen seit 2009, macht die positive Entwicklung deutlich:

Novartis 22.11.13

Und die Aktie hat nach meiner Ansicht weiter Potential nach oben, und zwar aus Sicht der Charttechnik ebenso, wie aus fundamentalen Gründen. Denn nach einem Jahrzehnt der Depression, befindet sich die Pharmabranche in einem neuen, positiven Zyklus. Ein Zyklus, der erst am Anfang stehen dürfte und ganz wesentlich durch die Entwicklungen im Biotech Bereich angefeuert wird. Neben Novartis, hat auch der zweite grosse schweizerische Pharmakonzern, Roche (WKN: 851311), eine interessante Pipeline und langfristig gute Aussichten.

Beide Aktien sind nach meiner Ansicht sinnvolle Basisinvestments, die einem langfristig aufgestellten Investment-Depot gut zu Gesicht stehen.

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Strategieupdate – 14.06.12 – Vor der Woche der Entscheidung

10.30 Uhr

Der Markt schwankt aktuell ohne Richtung hin und her. Kein Wunder in Anbetracht der richtungsweisenden Ereignisse, die uns in Form der Griechenland Wahl und der FED Sitzung am kommenden Mittwoch erwarten.

Die Bedeutung der Griechenland-Wahl brauche ich hier nun bestimmt nicht mehr zu erklären, die besondere Bedeutung der FED Sitzung ist aber dadurch begründet, dass es die letzte Sitzung sein wird, in der die FED vor der Präsidentenwahl im November noch Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung nehmen kann.

Natürlich gibt es auch im Herbst noch Sitzungen, aber da jede Massnahme Zeit braucht, bis sie sich am Markt wirklich auswirkt, schliesst sich das vernünftige Zeitfenster für neue Massnahmen in diesem Sommer. Historisch hat die FED eher den aktuellen Präsidenten gestützt, schon alleine weil das Schicksal des FED-Präsidenten oft mit dem Wahlschicksal des Präsidenten verknüpft war.

Deshalb lautet die Erwartung des Marktes an nächsten Mittwoch: "Jetzt oder Nie !". Wenn Bernanke noch liefern will, dann jetzt !

Vor diesem Hintergrund ist es völlig normal, dass der Markt diese Woche nun nicht mehr in der Lage ist eine klare Richtung einzuschlagen und richtungslos hin- und her schwingt. Ich kann daher nur davor warnen, auf diese aktuellen Bewegungen zu viel zu geben und es lohnt sich auch nicht, sich mit einzelnen Aktien zu beschäftigen. Wir müssen einfach das Wochenende abwarten und bis dahin die Füsse still halten. Ich halte aktuell auch etwas mehr Abstand von der Börse und geniesse heute und morgen lieber die Sonne, die nächste Woche wird sicher noch intensiv und aufregend genug.

Um aber mit der "richtigen" Aufstellung in diese entscheidende Woche zu gehen, will ich hier mal rational die aus meiner Sicht wesentlichen Faktoren mit Ihnen durchgehen.

(1) Bewertung:

Erinnern wir uns, als die weltweiten Aufträge im Zuge der Lehman-Krise innerhalb von Wochen zusammen brachen, notierte der DAX bei 3600. Und er wäre wohl noch um einiges tiefer gefallen, wenn die FED damals nicht massiv die Geldschleusen geöffnet hätte. Erinnern wir uns weiter, als letzten Herbst die Eurokrise schon einmal gespielt wurde, notierte der DAX bei 5000.

Daraus lässt sich leicht ableiten, dass bei einem DAX Stand von aktuell 6100 ein ernsthaftes Problem der Weltkonjunktur noch nicht eingepreist ist !

Lassen Sie sich deshalb auch nicht von dem Gerede von "attraktiv bewerteten" Aktien den Blick vernebeln. Sicher sehen viele konjunkturabhängige Aktien auf Basis der KGVs und der Buchwerte aktuell attraktiv bewertet aus. Das waren sie aber im Sommer 2008 teilweise auch schon wieder. Das liegt nur daran, dass die Weltkonjunktur aktuell ganz gut läuft und die Gewinne vieler Firmen (siehe deutsche Autobauer) auf Rekordniveau notieren, was die KGVs niedrig aussehen lässt.

Das ist aber Schnee von gestern und interessiert nicht mehr. Mr. Market schaut nach vorne und interessiert nur, wie sich die Weltkonjunktur in Folge der Ereignisse der kommenden Woche entwickeln wird. Und wenn die Weltkonjunktur abreissen sollte, was in Folge einer ernsten Eskalation der Eurokrise sicher passieren würde, schmelzen die Gewinne der konjunkturabhängigen Firmen wie der Schnee in der Sommersonne ! Insofern sind die extrem niedrigen KGVs gerade einiger deutscher Exportwerte möglicherweise eher eine Problembeschreibung als eine Einladung bei vermeintlichen "Schnäppchen" zuzugreifen.

Auch vor einer Überbewertung des Buchwertes möchte ich warnen, der von einigen selbst ernannten "Value-Päpsten" ja gerne zur Monstranz aufgeblasen wird. Wieviel das Gerede wert ist, konnten wir ja zuletzt bei Praktiker beobachten, die schon bei einem Kurs von 6€ unter Buchwert notierten, was sie aber nicht daran hinderte bis 1€ zu fallen. Der Buchwert war mal eine ganz wichtige und verlässliche Grösse, vor den Änderungen der Bilanzierungsregeln ala IFRS. Mit IFRS steckt in den Bilanzen vieler Konzerne aber nun jede Menge "Goodwill" aus M&A Massnahmen. Wenn jetzt die Börsen zusammen brechen, muss auch dieser Goodwill irgendwann nach dem Prinzip "Mark to Market" marktgerecht aufgelöst werden. Und dann kann ein nominaler Buchwert mal schnell um einen zweistelligen Prozent-Wert zusammen klappen. Ich will den Buchwert damit nicht als nutzlos erklären, er ist immer noch ein wichtiges Bewertungskriterium, ich warne nur davor, ihn überzubewerten !

Fassen wir also zusammen: im Bereich der Bewertung haben die Börsen bei einer Eskalation der Krise für die kommenden Monate massives Potential nach unten. Und dieses absolute Potential ist höher, als das kurzfristige Potential nach oben, wenn sich die Krise verziehen sollte. Das ist aber keinerlei Aussage über die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses - siehe nächster Punkt.

(2) Wahrscheinlichkeit einer Eskalation:

Erstens haben wir eine FED, die ganz klar kommuniziert hat, dass sie sofort und massiv in den Markt geht, sobald sich die Lage der US Konjunktur deutlich verschlechtert. Dieser "Bernanke Put" stützt den Markt nach unten ab.

Zweitens haben wir eine politische Führung in der Europäische Union und eine EZB, deren Existenz vom Überleben der bestehenden Strukturen abhängen. Man sollte sich keiner Illusion hingeben, wenn es ans "Eingemachte" geht - und da sind wir noch nicht - werden diese Institutionen "um sich schlagen". Dann werde auch Verträge nicht mehr zählen und es wird alles Denkbare getan um die aktuelle Struktur zu stützen, über das Bezahlen der Rechnung können sich dann andere Gedanken machen. Diese Institutionen haben durchaus noch Feuerkraft, weswegen auch von dieser Stelle, wie bei der FED, der Markt nach unten gestützt ist.

Drittens geht der Markt in Sachen Griechenland wohl realistisch von einem Szenario aus, dass die radikalen Linken gewinnen, es aber in Folge nicht zu einem sofortigen Austritt, sondern zu wochenlangem Geschacher in Brüssel kommt. Nur bei einem sofortigen Austritt Griechenlands aus dem Euro, dürfte es zu einem kurzfristigen Rückgang aus Unsicherheit kommen, der aber nach meiner Erwartung dann schnell einer Erleichterung weicht und die Kurse eher nach oben katapultieren sollte. Umgedreht sollte es bei einem Sieg der Nea Demokratia wohl am Montag zu einer Erleichterungsrally kommen. Aufgrund dieser Erwartungen ist das kurzfristige Abwärtspotential aus der Griechenland-Wahl nach meiner Ansicht wohl überschaubar.

Viertens geht der Markt in Sachen FED Sitzung eher von neuen Massnahmen aus und hat da hohe Erwartungen an Bernanke. Das birgt ein gewisses Enttäuschungspotential, unter anderem auch bei Gold, dass sich aber frühestens am Mittwoch realieren sollte.

(3) Marktechnik

Vergisst man all die obigen Rahmenbedingungen und schaut nur auf die Charts und die Markttechnik, drängt sich der Eindruck eines Marktes auf, der nun wieder nach oben will. Ich habe das zuletzt anhand des S&P500 -> hier <- dargestellt. Rein technisch gesehen hat sich die Kraft der Bären nun etwas erschöpft und wenn wir nun ohne obige politische Rahmenbedingungen wären, würde ich anhand der Marktechnik eher zu weiter steigenden Kursen und einem Test der Jahreshöchststände im Verlauf des 3. Quartals tendieren.

Und ein weiterer Faktor der aus der Marktpsychologie kommt ist bedeutend. Alle diese Risiken und Sorgen oben sind dem Markt bekannt und mehr oder minder eingepreist. Wir sterben aber in der Regel nicht aufgrund von Ereignissen, um die wir uns intensiv Sorgen machen. Wir sterben aufgrund von Ereignissen, die wir uns nicht vorstellen konnten ! Es spricht also viel dafür, dass das gesamte Szenario rund um den Euro ausreichend ausgelutscht ist, viel mehr Sorgen sollte man sich um die dunklen Risiken machen, die unerkannt um die Ecke lauern. Insofern bin ich sicher, dass wir in den nächsten Monaten einige Überraschungen erleben werden.

So könnte zum Beispiel der der in den US zum Jahresende droht, das Augenmerk des Marktes ganz plötzlich und unerwartet weg von Europa verschieben. Machen Sie sich also auf ein paar Überraschungen gefasst: Das was alle erwarten, tritt selten ein !

So weit meine ganz persönliche Sicht auf die aktuelle Lage, was bedeutet das nun als:

Fazit für die nächsten 3 Monate:

Wir haben in meinen Augen ein aysmetrisches Risiko im Markt:

-> Auf der einen Seite eine weit höhere Wahrscheinlichkeit steigender Kurse aufgrund einer Deeskalation der Krise, deren Kurs-Potential in den Indizes aber beschränkt ist und im Bereich von maximal 20% nach oben liegen dürfte.

-> Auf der anderen Seite eine weit geringere Wahrscheinlichkeit einer weiteren Eskalation der Krise, deren Kurs-Potential in den Indizes aber hoch ist und durchaus 50% nach unten von den heutigen Indexständen ausmachen könnte.

Wie stellt man sich in Anbetracht dieser Lage auf ?

Darauf müssen Sie Ihre eigene Antwort finden, denn diese Frage hat auch mit Ihrer Anlagestrategie, Ihrer Risikotoleranz und Ihrer Liquidität zu tun. Ich kann Ihnen aber sagen, wie ich in die kommende Woche gehe:

Ich habe aktuell:

  • Einen Grundstock an Aktien aus der Kategorie "Wertaufbewahrungscontainer", also Titel wie Unilever, Johnson&Johnson, Roche aber auch Tech-Schwergewichte wie Apple.
  • Ein paar selektive Longs in ausgewählten Segmenten mit positiven Trends wie zb den Goldminen - mit Stops abgesichert.
  • Ein paar Shorts als Hedge - auch mit Stops abgesichert.
  • Jede Menge (mehr als 50%) Cash.

So gehe ich in die kommende Woche und warte ab, welche Trends sich etablieren. Und auf diese Trends werde ich dann massiv aufsatteln, denn "The Trend is your Friend !"

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit dieser Analyse helfen und wünschen Ihnen das richtige Händchen bei Ihren Entscheidungen !

Ihr Hari

** Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- ! **

Hari´s Wochenausblick – 04.06.12 – Politische Funkstille

13 Uhr

Wie Sie letzte Woche an meinen drei Marktupdates bemerkt haben, war ich doch recht präsent an den Märkten, habe es aber trotzdem etwas langsamer angehen lassen.

Deswegen möchte ich den ersten grösseren Beitrag der Woche heute einmal für das grössere politische Bild nutzen und Ihnen am Schluss drei Marktsegmente nahelegen, in denen ich mich aktuell, trotz aller Sorgen um die Euro-Zone, vergleichsweise wohl fühle. Bemerkenswert ist vielleicht auch, dass ich meine bisher negativen Markterwartungen mit dem heutigen Tag leicht aufhelle. Dieser Beitrag ersetzt heute die Märkte am Abend um 22 Uhr, die nur erscheinen, falls sich am Markt heute noch etwas grundsätzlich neues oder besonders bemerkenswertes ereignet.

Zunächst zur Grosswetterlage.

Der nun über Wochen andauernde Absturz der Märkte ohne echte Gegenwehr liegt nach meiner Ansicht im Wesentlichen an einem Grund: Der Unsicherheit um die Zukunft der Eurozone. Und diese eskaliert nur deshalb so sehr, weil Politik und Notenbanken seit Wochen keine Anstalten machen, durch klare Signale dem Markt "Futter" für Hoffnung zu liefern. Eine Führung der Eurozone ist nicht mehr sichtbar, wie sie noch zu Zeiten "Merkozy" durchaus Eindruck auf die Märkte gemacht hat. Mr. Market kommt mit fast allem gut klar, auch mit schlechten Nachrichten, aber Unsicherheit und Unklarheit hasst Mr. Market wie die Pest !

Der Grund für die "politische Funkstille" dürfte in dem Powerplay liegen, dass derzeit um die Zukunft Europas läuft und auf allen Kanälen ausgetragen wird. Die südlichen Länder haben ein Interesse daran, so schnell wie möglich die nördlichen Länder - vor allem Deutschland - zu einer unbeschränkten, gemeinschaftlichen Haftung zu veranlassen. Denn das erspart den Südländern manche Schmerzen und verschafft schnelle Linderung. Gerne wird dafür auch die mediale Unterstützung aus der Obama Administration angezapft, der es aber auch nicht um die "richtige" Lösung für Europa gehen dürfte, sondern nur darum, kurzfristig brauchbare Wirtschaftsdaten in den US vorzuweisen, deren Fehlen die eigenen Wiederwahl massiv gefährden. Insofern sind Aussagen der Obama Administration zu Europa in meinen Augen höchst eigennützig und ohne Wert für Europas grundlegende Fragen.

Umgedreht ist genau die unbeschränkte Haftung ohne Durchgriffsrechte gegen das Interesse der nördlichen Länder und das gilt nicht nur für Deutschland. Hollande wurde das beim letzten EU Gipfel ja eindrucksvoll vorgeführt, als eine Reihe kleinerer Länder weit aggressiver als Deutschland gegen Euro-Bonds argumentierten.

Die Wahl in Frankreich hat diesen Schwebezustand verschärft, weil die vertraute Eintracht Merkozys nun Geschichte ist und Hollande sich an der Realität erst die Hörner abstossen muss. Bis zur Parlamentswahl am 17.06. ist von der Seite wenig Realitätssinn zu erwarten. Ganz typisch für ihren Stil, hat sich Frau Merkel scheinbar dafür entschieden, Hollande erst einmal gegen die Wand laufen zu lassen und verhält sich bewusst passiv, bis die Märkte Frankreich die Grenzen aufgezeigt haben. Die Schweigsamkeit aus Deutschland in Sachen Europa ist doch aktuell mit den Händen zu greifen und steht im krassen Gegensatz zur Merkozy Ära. Taktisch und machtpolitisch ist das wohl eine gute Strategie Merkels und so hat sie ja schon einige Männer ins Leere laufen lassen, die zunächst mit grossen Ankündigungen starteten.

Für die Märkte ist diese Strategie aber Gift, denn so frisst sich die Unsicherheit durch. Am Ende ist völlig unklar, wie dieses Powerplay ausgeht. Trotz allem bin ich mir einer Sache höchst sicher: Staaten wie Notenbanken werden die Eurozone nicht einfach ins Chaos abgleiten lassen, dafür steckt zuviel politisches Kapital in dem Projekt. Es wird daher nach meiner Ansicht mit grosser Wahrscheinlichkeit einen neuen massiven Rettungsversuch geben. Und der Zeitpunkt dafür dürfte nicht mehr zu weit entfernt sein, ich reche im Juni fest mit massiven Interventionen, vielleicht schon diese Woche.

Schaut man sich die überverkaufte, ja teilweise panische Lage der Märkte an, dürfte eine derartige Aktion - gleich welchen Inhalts - zu einem brutalen Shortsqueeze führen und den DAX um hunderte Punkte nach oben katapultieren.

Glaube ich, dass mit einer erneuten Intervention ala QE3 oder LTRO2 die grundlegenden Probleme gelöst werden können ?

Definitiv nein, die Lebenslügen des Euros bleiben bestehen und die Scheerkräfte die aus den unterschiedlichen Produktivitäten resultieren, werden weiter wachsen und letztlich zum Zerfall des Euro führen, wenn nicht schnell eine weit tiefer integrierte und homogenere Wirtschaftszone entsteht, was wohl nur höchst undemokratisch möglich wäre und deswegen sehr unwahrscheinlich ist. Aber für eine mehrmonatige Beruhigung bis zur US Wahl könnten Massnahmen ala LTRO sehr wohl sorgen. Das sollte man nicht unterschätzen, wenn man nun nur noch schwarz sieht, weil man sich zu sehr von der allgemeinen Stimmung anstecken lässt.

Wichtig ist auch zu sehen, dass aufgrund der grossen Abhängigkeit von Interventionen der Notenbanken und Politik, technische Marken in ihrer Aussagekraft weiter deutlich herab gesetzt. Auch der bedeutende Bruch der 200 Tage Linie, der heute letztlich technisch bestätigt wurde, sollte in meinen Augen zwar ernsthaft zur Kenntnis genommen, aber auch nicht überbewertet werden. Derartige Indikatoren sind dann sehr mächtig und verlässlich, wenn der Markt ruhig "im eigene Saft" schwingt. Das ist aber aktuell definitiv nicht der Fall, wir befinden uns in historisch unerforschten Gewässern.

Stellen Sie sich alleine vor, morgen würde es von Seiten Merkel Signale geben, dass man dem Gedanken einer Bankenunion - also einer Vergemeinschaftung der Banken-Risiken - aufgeschlossen gegenüber sei. Ich gehe fest davon aus, dass der DAX dann innerhalb 48 Stunden wieder bei 6400 stehe würde. 200 Tage Linien interessieren dann niemanden mehr. Bedenken Sie also dieses massive "Headline-Risiko", wenn Sie aktuell rein aufgrund technischer Signale agieren wollen. Das bedeutet nicht, dass die Signale wertlos wären, man sollte nur wissen wo die Grenzen der Methode in einer historisch so einmaligen Lage wie aktuell sind.

Auch statistisch ist das leicht zu verifizieren, betrachtet man die 200-Tage-Linie 10 Jahre im Tageschart zurück bis 2002 und zählt die Fälle, in denen die Linie wie aktuell von oben geschnitten wurde, hatten wir:

  • 3 signifikante Fälle, in denen ein Bruch der 200-Tage-Linie eine neue signifikante Baisse ankündigte. Und zwar 02/02, 01/08 und 08/11.
  • aber auch 5 Fälle, in denen ein Bruch der 200-Tage-Linie um mindestens 100 Punkte trotzdem innerhalb weniger Tage und Wochen zum Fehlsignal wurde. Und zwar 08/04, 06/06, 05/10, 08/10 und 03/11.

Bei aller Bedeutung, die auch ich einem solchen Bruch der 200-Tage-Linie beimesse, sollte man also nicht glauben, hier nun einen Indikator zu haben, dem man blind folgen kann. So einfach macht es einem Mr. Market nie, wäre es anders, könnte jeder an der Börse reich werden.

Insofern wird es in meinen Augen nun zunehmend riskant auf der Short-Seite zu stehen bzw gar nicht im Markt investiert zu sein. Umgedreht sind aggressive Long-Wetten gegen den Trend immer noch Harakiri und Kapitalerhalt die erste Anlegerpflicht, denn das Risiko eines echten Zusammenbruchs der Märkte ist nicht von der Hand zu weisen. Trotzdem glaube ich, dass man nun auch mal langsam wieder in "Chancen" denken darf, solange man für sachgerechte Absicherung der Position sorgt.

Sie wissen, dass ich seit Ende März hier im Blog immer wieder eine Tendenz zu weiter fallenden Kursen kommuniziert habe, die sich eindrucksvoll bestätigt hat. Falsch lag ich nur beim Ausmass der Bewegung, denn das wir nun sogar unter 6000 schauen, hatte ich Ende März nicht auf dem Radar, 6400 und maximal 6200 waren aber sehr wohl auf meinem Radar, wie Sie als regelmässige Leser wissen.

Es sei hiermit vermerkt, dass sich diese bärische Tendenz bei mir nun langsam wendet ! Ich kann mir noch gut vorstellen, dass der DAX kurzfristig noch die 5800 testet und der S&P500 die 1250, spätestens dann steigt aber die Wahrscheinlichkeit eines massiven Bounce erheblich. Schon aktuell habe ich eine leichte Tendenz zu höheren Kursen im Juni, sozusagen 60:40 für Long-Positionen bis Ende Juni.

In dieser unklaren Lage zwischen Chancen und "Crash-Risiken" muss jeder seinen eigenen Weg finden, der zum eigenen Risikoprofil passt. Für Marktteilnehmer wie mich, die den Markt permanent im Auge haben, sind gut abgesicherte Long-Positionen nun durchaus denkbar und bergen teilweise interessante Chancen. "Otto-Normalanleger" der nicht schnell genug reagieren kann, wenn der Markt dann doch gegen ihn läuft, sollte wohl besser komplett an der Seitenlinie stehen, bis sich wirklich ein neuer Trend etabliert hat. Denn auch 40% sind ziemlich wahrscheinlich. 😉

Fazit:

Ich gehe fest von massiven Interventionen der Politik und Notenbanken im Juni aus. Egal was der Inhalt ist und egal ob diese Interventionen langfristig irgend etwas lösen, haben sie das Potential den Markt in einem gewaltigen Short-Squeeze nach oben zu drücken. Der Zeitpunkt ist aber unklar und bis dahin dürfte der Abwärtstrend erhalten bleiben.

Bedenken Sie auch, dass die Reihenfolge fast immer ist: der Markt dreht massiv und die guten Nachrichten kommen dann hinterher. Die Fähigkeit Mr. Markets Trendwenden in der realen Welt frühzeitig zu erahnen, ist ungebrochen, was schon alleine daran liegt, dass es eben sehr viele smarte "Defacto-Insider" gibt, die so nah an Politik und Institutionen dran sind, dass sie viele Entscheidungen erahnen können.

Insofern kann ich nur raten, die europäischen Banken, zb in Form des ETF iShares Eurostoxx Banks (WKN 628930) genau im Auge zu behalten. So wie der ETF den Absturz der Weltbörsen seit Mitte März vorweg genommen hat, könnte ein deutliche Stabilisierung dort ein Signal sein, dass der breite Aktienmarkt auch nicht mehr weit von einem Boden entfernt ist.

Nach Betrachtung all der Probleme, will ich deshalb heute auch einmal Marktsegmente auflisten, die nach meiner Ansicht im positiven Sinne einen Blick wert sein könnten, gerade auch mitten in der Krise:

(1) Gold und Goldminen habe ich hier ja zu genüge thematisiert. Wenn man sich einen Stop unter die Tiefs von Mitte Mai legt, ist man sauber abgesichert und kann entspannt verfolgen, ob sich die Trendwende weiter materialisiert. Auch Silber sollte profitieren, allerdings ist hier die Lage aufgrund der Funktion von Silber als Industriemetall komplizierter, weswegen ich bei Silber zwar grosse Chancen aber auch grössere Unsicherheit ob der weiteren Entwicklung sehe.

(2) US Industrieaktien profitieren von einer anlaufenden neuen Industrialisierung der USA, die unter anderem von billigem Erdgas befeuert wird. Aber auch der starke Dollar hilft, die Einfuhren in die US zu verbilligen. Die ideale Aktie erzielt also ihre Umsätz primär in Dollar (ist also von der Konjunktur in Europa wenig abhängig) und bezieht gleichzeitig viele Vorprodukte aus Übersee, die nun durch den aufwertenden Dollar billiger werden und/oder profitiert von den niedrigen Energiekosten.

(3) Internationale Bluechips für Grundbedürfnisse , also beispielsweise Titel wie Nestle (WKN A0Q4DC), Unilever (WKN A0JMZB), Johnson&Johnson (WKN 853260) oder Roche (WKN 851311) , profitieren davon, dass bei sich weiter verschärfender Krise, genau diese Titel die idealen "Wertaufbewahrungs-Container" sind, mit denen man Kapital vor Totalverlust und Bankrun schützen kann. Schon jetzt halten sich diese Aktien ausgezeichnet, bei Verschärfung der Krise dürfte der Vorteil dieser Aktien weiter wachsen. Nur wer daran glaubt, dass sich die Krise bald in Luft auflöst, kann in meinen Augen auf derartige Depotpositionen verzichten.

Mit Titeln aus diesen drei Segmenten, fühle ich mich persönlich auch mitten im aktuellen Absturz sehr wohl. Verbunden mit genügend Cash, kann ich die aktuelle Lage so vergleichsweise entspannt betrachten. Sobald Anzeichen für eine Intervention der Politik und Notenbanken auftauchen, wird der freie Cash dann in die "üblichen Verdächtigen" im konjunktursensiblen Bereich der Autos, Rohstoffe etc investiert, die in den vergangenen Wochen ja genügend verprügelt wurden.

So weit mein grobe Strategie zur aktuellen Lage. Ich hoffe, ich war ein wenig hilfreich. Sollte sich heute noch etwas bedeutendes ereignen, kommt noch ein Marktupdate um 22 Uhr. Ansonsten wünsche ich Ihnen einen erfolgreichen Tag !

Ihr Hari

** Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- ! **