Vom Affengehirn am Beispiel Tesla Motors – Wie die Angst unsere Chancen auffrisst

Ein für surveybuilder.info Leser grossartiges Börsenjahr geht langsam in die Schlussrunde. Grossartig war dieses Jahr, weil wir hier eine ganze Reihe richtig massiver Gewinnsträhnen frühzeitig erkannt haben, lange bevor breite Anlegerschichten auch auf den Zug aufgesprungen sind.

Wer hatte denn schon im Frühjahr den weltweiten Solarsektor so auf der Rechnung und konnte damals einen Branchen-ETF wie den TAN buchstabieren ? Seitdem ist der Sektor in einen massiven Rallymodus eingetreten und hat denen grosse Gewinne generiert, die von Anfang an dabei waren. Und der Sektor steht nach meiner Ansicht immer noch eher am Anfang eines weltweiten neuen Booms, als am Ende - auch wenn jetzt eine Korrektur mal überfällig ist. Wer hatte denn schon im Frühjahr den europäischen Telekomsektor auf der Rechnung, der nun auch massiv zum Leben erwacht ist und den Anlegern dicke zweistellige Gewinne generiert. Wer wusste denn am Anfang des Jahres etwas mit Aktien wie iRobot anzufangen ? Ich könnte lange so weiter machen. Und auch ein paar "Gurken" wie K+S waren dabei, die aber im Vergleich kaum mehr ins Gewicht fallen, zumal wir die Verluste dort konsequent begrenzt haben und nicht in die Falle gegangen sind, die neue Welt der Kali-Preise zu negieren und uns schön zu reden, wie die, die sich gedanklich nicht schnell genug von einer überholten Bewertungslogik lösen können.

Und trotzdem bin ich sicher, dass einige der Leser mit ihren Depots nicht zufrieden sind und dem Markt hinterher hinken, möglicherweise überhaupt mit der Nulllinie kämpfen. Wie kann das sein, wenn so grosse Gewinnkracher mit teilweise dreistelligen Prozentgewinnen dabei waren, von denen jeder locker fünf negative Anlagen kompensieren könnte, wenn man Verluste konsequent begrenzt ?

Die Antwort auf diese Frage ist wie immer individuell und hat vor allem mit uns selbst zu tun. Ich glaube aber, ich kenne zumindest einen Teil der Antwort, denn diese hat mit unserem "Affengehirn" zu tun, das uns bei der Geldanlage eher im Wege steht, als hilfreich zu sein. Mit dem prägnanten Begriff "Affengehirn" meine ich dabei keinen medizinischen Fachbegriff, sondern die evolutionären und damit auch emotionalen Reflexe, die der Menschheit beim Überleben in der Savanne dienlich waren, aber nicht für reflexive Märkte der Gegenwart geeignet sind. Mit der exponentiellen Entwicklung der Wissensgesellschaft, kommt aber die biologische Evolution zeitlich einfach nicht mehr mit, wir gehen sozusagen als biologischer Urmensch in die komplexe Zukunft.

Und dieses Affengehirn leitet uns an der Börse oft in die falschen Geldanlagen, weil es uns in den falschen Momenten Ängste vermittelt, während es uns in den ebenso falschen Momenten wohl und sicher fühlen lässt.

Und wo könnte ich das Problem deutlicher machen, als bei unserem grössen "Kracher" in diesem Jahr: Tesla Motors (WKN: A1CX3T). Sie wissen ja, wir waren am Thema schon seit Frühjahr 2012 intensiv dran. Und so sassen wir sozusagen in der ersten Reihe, als der Kurs dann im April diesen Jahres abzuheben begann.

Werfen wir einen Blick zurück auf den 30.04. und meinen Artikel -> Tesla Motors, eine Ohrfeige für Winterkorn, Piech, Zetsche und Co. <-.

In diesem Artikel war das folgende Chart enthalten:

Tesla 29.04.13

Und nun sage ich uns auf den Kopf zu, was viele von uns zu diesem Zeitpunkt gedacht haben und warum viele damals wohl nicht eingestiegen sind. Nicht eingestiegen, obwohl ich in dem Artikel nun wirklich eine Lobeshymne auf Elon Musk und Tesla losgelassen habe.

Die Gründe dürften sein, dass denen der Kurs schon zu weit weggelaufen war. Zu so einem Zeitpunkt noch bei einem wackeligen "Startup" einsteigen, über das viele schreiben, dass es den Sprung zum Autobauer sowieso nicht schaffen kann ? Und dann noch angeführt von einem "Verrückten" mit "Visionen", bei denen man laut Altbundeskanzler Schmidt lieber zum Arzt gehen sollte ? Nein - die Angst war zu gross, hier in Verluste zu laufen. Viele hatten Verlustaversion im Anblick eines Kurses, der gerade in den Himmel schoss. Und haben sich nicht getraut auch noch einzusteigen. Und wer doch drin war, hat schnell wieder Angst bekommen, die kleinen Gewinne abzugeben und hat diese lieber gesichert.

Soweit so gut. Und nun kann ich uns das Chart von Tesla Motors Stand heute nicht ersparen:

Tesla 28.10.13

Sie sehen nun den Zeitpunkt, an dem die Verlustaversion kam. Es war der dümmste Zeitpunkt, den man sich nur vorstellen kann. Denn mein Artikel erschien exakt genau vor dem grossen Schub, an dem der breite Markt in das Thema eingestiegen ist, wunderbar am Volumen zu erkennen. Seit dem hat sich der Kurs fast vervierfacht - wenn man am 29.04.13 eingestiegen wäre. Wir hatten also alle einen Elfmeter auf dem Punkt liegen, bei dem der Torwart sozusagen nicht im Tor stand. Und viele haben sich trotzdem nicht getraut zu schiessen. Wenn Sie dazu gehörten, stellen Sie sich unbedingt die Frage warum !

Fairerweise muss man feststellen, das es fast unmöglich ist, solche Bewegungen vollständig mitzugehen und dann auf dem Hochpunkt auszusteigen. Auch ich bin im Nachhinein zu früh ausgestiegen, weil mir die Bewertung nun zu phantastisch wurde. Aber ich war immerhin von Anfang an dabei und habe dicke dreistellige Prozentgewinne mitgenommen und das hätten Sie auch können !

Um Ihnen zu helfen das Problem unseres "Affengehirns" zu verstehen, sollten wir uns daher mal die Gegenseite betrachten. Ich will Sie nicht weiter mit Charts beladen, aber stellen Sie sich einfach nur die allseits "geliebte" Commerzbank vor. Da war die emotionale Haltung ganz anders. Der Chart sah grauselig aus. Es ging runter und runter. Aber das war ja vermeintlich eine stabile Grossbank, die in der Vergangenheit mehr Wert war. Da war ja die Bundesregierung auch drin und der Chart war so weit gefallen, die "musste" ja wieder steigen. In der Commerzbank haben viele die Verluste leicht ertragen und diese als Kaufgelegenheiten betrachtet. Und das Web war voll von sogenannten "Analysen", in den Autoren versuchten eine Bankbilanz zu bewerten, die selbst Bilanz-Profis nicht bewerten können. Aber immerhin sind die Profis so qualifiziert zu wissen, was sie nicht wissen.

Finden Sie nicht auch ? Es ist doch eigentlich absurd, sich bei Verlusten in der Commerzbank wohl zu fühlen und aber vor einem Einstieg bei Tesla zu fürchten. Aber genau so funktioniert unser Affengehirn - "Angst fressen Chancen auf". Und wer sich das nicht bewusst macht, hat letztlich keine Chance am Markt.

Fassen wir also zusammen:

Uns Menschen fällt es typischerweise leichter, eine Verlustposition einfach zu halten und den Verlusten zuzusehen, als in eine potentiell gewinnträchtige Position einzusteigen, die mit Risiken versehen ist. Das ist so, weil die Verlustposition eine Vergangenheit der Stärke hat, an der man sich emotional wärmen kann. Die "muss" ja wieder steigen sozusagen, weil sie vorher höher stand. Anders dagegen bei dem "Hot Stock" mit neuem Geschäftsmodell. Da hier die Vergleichsdaten der Vergangenheit fehlen, erscheint uns das weit riskanter.

Auslöser dieser massiven Fehleinschätzung ist tatsächlich unser "Affengehirn", das den Erfahrungen der nahen Vergangenheit eine höhere Bedeutung einräumt. So lässt sich das Minus bei einer Aktie leicht ertragen, die man für "substantiell" hält und dabei orientiert man sich an vergangenen Werten. Etwas Neues dagegen wird zunächst mit Misstrauen betrachtet, wir bleiben instinktiv lieber beim Bewährten.

Das sind reflexartige Mechanismen in unseren Köpfen, die wir auf der bewussten Ebene gar nicht wahrnehmen. Sie bestimmen aber massiv unser Handeln. Und für die Wildnis da draussen in der Savanne, ist die Aversion vor neuen, unbekannten Risiken auch ein hervorragender Reflex, der unser Überleben sichert. Einen Pilz den man nicht kennt, sollte man auch nicht einfach in den Mund stecken. Nur funktioniert Börse eben anders, Börse bewertet Potentiale der Zukunft. Vielleicht wird aus diesem Giftpilz ja später eine tolle Medizin, darüber machen sich die Märkte Gedanken. Und deshalb ist der Giftpilz als Anlage vielleicht durchaus interessant. Diese evolutionären Reflexe stehen uns als Anleger massiv im Weg.

Deshalb ist es auch so wichtig, sich mit Stops und Absicherung zu beschäftigen. Denn natürlich liegen in so "Hot Stocks" wie Tesla auch massive Risiken. Was hoch steigt, kann auch tief fallen und ein Kursverlauf wie oben ist ja nicht garantiert, hinterher ist man immer klüger. Aber die Chancen sind so immens, das man diese ergreifen sollte. Aber eben nicht blind, sondern gut überlegt und abgesichert.

Richtig wäre es also eher gewesen, die grosse Chance bei Tesla zu ergreifen. Gleichzeitig einen Stop zu setzen der einiges nach unten entfernt ist und nur zur Absicherung eines Desasters dient. Man geht in so einer Denkstruktur also bewusst ein vielleicht 10% Verlustrisiko ein. Und tut das, um die weit grössere Chance überhaupt zu eröffnen. Wir nennen das hier ein "Setup" und besprechen diese intensiv im Premium-Bereich.

Umgedreht, bei einem gefallenen Engel ala Commerzbank, darf es für Anleger überhaupt keinen Spielraum für Verlusttoleranz geben. Solange der Kurs nach unten geht, geht er nach unten und man hat in der Aktie nichts verloren. Und dass das Unternehmen mal in der Vergangenheit weit höher bewertet war, hat ebenso wenig Relevanz wie die Tatsache, dass es Tesla vor 10 Jahren noch gar nicht auf dem Kurszettel gab.

Vergangenheit zählt nicht an der Börse, nur die Erwartungen an die Zukunft. Die Mechanismen unseres Affengehirns leiten uns aber genau in die falsche Richtung. Sie leiten das warme Gefühl von "Sicherheit" aus Erfahrungen der Vergangenheit ab. Und lassen uns daher bei Verlusten in einer Commerzbank-Position sicherer fühlen, als bei einem Einstieg in eine Zukunftshoffnung wie Tesla Motors. Was für ein Treppenwitz eigentlich, da es doch leicht ist, mit Stops einen Kursverlust zu begrenzen. Auch die Telekom war mal bei 100 EUR und niemand wurde gezwungen, den Weg bis 10 EUR mitzugehen. Und viele haben es trotzdem getan, weil "die ist doch voller Substanz, die muss doch wieder steigen". 😉 So etwas sind üble "Wohlfühlreflexe", die unsere Taschen als Anleger aber leer machen.

Mein Rat also:

Achten Sie auf Ihre Gefühle bei der Geldanlage, denn darin zeigt sich unser Affengehirn. Wenn Sie sich in einer Position "wohl fühlen" und auch bei ersten Verlusten ganz entspannt da sitzen, sollten Sie eigentlich aufspringen und sich selber eine Schlag auf den Hinterkopf geben. Denn wahrscheinlich denkt der nicht richtig. Verlustpositionen in denen man sich "wohl fühlt", sind oft sehr gefährlich für unser Depot.

Umgedreht, wenn ein Kurs signifikant zu steigen beginnt und Sie trauen sich nicht einzusteigen, brauchen Sie unbedingt den Tritt in den Allerwertesten um zumindest mal genau hinzuschauen. Denn gerade weil Sie sich nicht trauen, werden sich auch viele andere nicht trauen. Denn warum sollen die anderen Marktteilnehmer denn anders fühlen als Sie ? Man nennt das die "Wall of Worry" und die sorgt dafür, dass Kurse weiter steigen - und nicht fallen. Diese Kurse fallen erst, wenn auch der Letzte eingestiegen ist. In dem Sie sich diesen inneren Tritt schon frühzeitig geben, sind Sie bei den "Letzten" nicht dabei, vielmehr verkaufen Sie irgendwann Ihre Aktien den "Letzten" mit Gewinn.

Und nutzen Sie die Möglichkeit, mit Absicherung zu agieren. Mit einer klug gesetzten Absicherung definieren Sie im Vorfeld selber, wie viel Verlust Sie bereit sind theoretisch einzusetzen, um die Chance zu ergreifen. Dieser potentielle Verlust ist also wie eine Investition zu sehen, um die Chance überhaupt zu eröffnen. Verwechseln Sie aber eine gut entfernte Absicherung um ein Desaster zu verhindern, nicht mit dem fehlgeleiteten Versuch, erste Gewinne gleich zu sichern. Letzteres funktioniert nicht und führt nur dazu, dass Sie im falschen Moment ausgestoppt werden. Nicht jeder Stop ist sinnvoll, manche sind kontraproduktiv.

Lassen Sie unbedingt in so Situationen Ihre Gefühle Revue passieren. Dann werden Sie selber merken, wie unsere Ängste die echten Chancen auffressen. Und uns gleichzeitig dort eine Sicherheit vorgaukeln, wo das Kurs-Desaster gerade erst begonnen hat. Genau deshalb ist es so schwierig das zu tun, was theoretisch ganz leicht eine gute Depotperformance sichert: Verluste begrenzen und Gewinne laufen lassen !

Merke: Die Börse ist nicht die Savanne ! 😉

Ihr Hari

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Über Algos, unfreie Märkte und die Guillotine der Kurse

Kurz vor Handelsstart an diesem Mittwoch, haben wir noch einen Tag bis zum Erreichen der Schuldengrenze in den USA. Und keine wirklich Einigung in Sicht. Die Parteien sind in ihren Schützengräben eingegraben.

Der Markt hält aber störrisch an seiner Sicht fest, das es keinen Grund gibt sich zum US Debt Limit Fiasko sorgen. Wahrscheinlich ist bei vielen Marktteilnehmern die Sorge grösser, die nächste Rally zu verpassen, als die Sorge vor einem Desaster an den Anleihenmärkten. Der Markt ist durch die Eingriffe der Notenbanken nun wie ein pawlowscher Hund dressiert, jeden Dip kompromisslos zu kaufen.

Zwei weitere Faktoren spielen bei der Gelassenheit des Marktes sicher auch eine Rolle:

Auf der einen Seite die immer mehr dominierenden Algos, die stur nach technischen Parametern agieren und so die Trends verstärken. Und der Trend ist aufwärts. Die Algos interessiert nicht, was wir Menschen über die politische Dysfunktionalität in Washington denken und welche langfristigen Folgen wir dem beimessen. Die Algos starren auf die Kurse und die steigen.

Und auf der anderen Seite gibt es noch den Recency Bias des Marktes, der dieses politische Kasperletheater schon mehrfach erlebt hat. Und der immer wieder erlebt hat, dass sich dann doch in der letzten Sekunden geeinigt wurde. Warum soll es dieses Mal also anders sein ?

Ausserdem ist da ja noch die FED. Die wird sowieso aus allen Rohren schiessen wenn nötig, das Wort "Tapering" dürfte nun auf die Liste der bedrohten Arten kommen. Und es gibt vielleicht auch noch eine kleine Wildcard, um das Problem im schlimmsten Fall "kreativ" lösen zu können.

Denn die FED ist ja durch die Ankäufe der Staatsanleihen ein grosser Gläubiger der US in einer Grössenordnung von Billionen Dollar. Diese "Schulden" der US sind für die FED aber einfach ein Buchungsposten in ihrer Bilanz. Und klar, wenn der einfach ausgebucht wird, kommt die FED Bilanz wohl in Schieflage, aber interessiert das irgend jemanden ? Die FED ist ja kein Wirtschaftsunternehmen, sondern hat unbegrenzten "Kredit" und zwar bei ihren eigenen Gelddruckmaschinen.

Würde die FED auf diese Forderungen gegen den US Staat verzichten, wäre das Debt Limit auf einen Schlag weit weg und den Extremisten bei den Republikanern wäre ihr Druckmittel aus der Hand geschlagen. Jetzt würde so ein Schritt unzählige juristische und fiskalpolitische Fragen aufwerfen. Und die FED würde damit endgültig den Boden seriöser Notenbankpolitik verlassen. Aber hat sie das nicht schon längst ? Die eher vorsichtigen FED Gouverneure werden so einen Schritt aber sicher nur dann andenken, wenn es wirklich keinen anderen Ausweg mehr gibt und dieser Tag ist (noch) nicht heute.

Ein Notausgang könnte dieses Szenario aber schon darstellen. Viele gute Gründe für den Markt also, trotz des Wahnsinns der politischen Kaste in Washington ruhig zu bleiben.

Nun hat der Markt in der Regel recht. Aber manchmal - sehr selten, aber es kommt vor - liegt der Markt in einer Form kollektiver Illusion auch völlig daneben. Und das sind diese Momente, in denen die grossen Abstürze einsetzen, wenn der Markt seine Fehleinschätzung plötzlich bemerkt. Und dieses Risiko besteht aktuell.

Denn die Parteien in Washington sind so ineinander verbissen, dass es nun schon eher wahrscheinlich als unwahrscheinlich ist, dass der Default zumindest technisch für ein paar Tage eintreten wird, bevor man irgend eine "Pseudolösung" zusammen schustert.

Und hier kommen wieder die Algos ins Spiel. Es würde jetzt reichen, dass eine der grossen Adressen der Wallstreet heute oder morgen oder übermorgen beschliesst: "jetzt reicht es". Die dann folgenden Verkäufe würden die Algos sofort erkennen und selber verkaufen. Und so setzt sich eine Kettenreaktion in Gang. Eine Kettenreaktion die im Jahr 2013 mit seiner Dominanz der algorithmischen Handelssysteme noch schneller und härter ablaufen würde als 2008.

Wir müssen uns einfach klar machen, dass auch wenn der Markt mit seiner Ruhe wahrscheinlich wieder Recht hat, diese Möglichkeit nun ganz real besteht. Und wer nun ungesichert und mit Dollars in den Augen voll Long im Markt investiert ist, legt seine Hand sozusagen unter eine Guillotine, deren scharfes Messer von dünnen, angewetzten Fäden gehalten wird.

Und einen weiteren Aspekt sollten Sie nicht übersehen. Das institutionelle Geld, das auf eine Lösung und eine anschliessende Rally setzt, ist wohl weitgehend im Markt. Wenn die Lösung dann kommt, kann es gut sein, dass es gar nicht mehr so viele potentielle Käufer gibt und die Rally dann in einer klassischen "Sell the News" Reaktion ausfällt. Das ist um so wahrscheinlicher, als mit jedem Tag an dem die US tiefer ins Schlamassel geraten, die Chance für eine saubere, langfristig tragbare Lösung geringer wird. Was dann unter Not zusammen geschustert wird, dürfte eher ein "Quick Fix" sein, der das Problem nur verschiebt.

Summa Summarum gibt es gute und rationale Gründe, das derzeitige Kursniveau zur Absicherung und Reduktion der Risiken zu nutzen. Auf die Short-Seite sollte man aber erst wechseln, wenn der Markt wirklich fällt. Und ob das passieren wird, ist in Anbetracht der riesigen Geschützrohre der FED die auf uns gerichtet sind, äusserst fragwürdig.

Mit einem gesunden, freien, in sich aufgrund wirtschaftlicher Parameter schwingenden Markt, hat das auf jeden Fall alles nichts mehr zu tun, was wir hier dank der permanenten Interventionen von Politik und Notenbanken im Jahre 2013 erleben dürfen. Freie Märkte ? Das ich nicht lache !

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Elementary my dear Mr. Market: the game is afoot ! – Das Spiel hat begonnen !

Dieser Artikel ist nur für treue Leser von surveybuilder.info. Egal ob Premium oder nicht.

Woher ich das weiss ? Weil ich in den Titel keines der ziehenden Schlagwörter wie "Commerzbank, K+S, Solarworld, E.ON" hinein gepackt habe. 😉 Wären Sie alle drin, würde der Artikel tausende Klicks bekommen. Je mehr Buzzwords desto besser für die Klickrate. So wie jetzt aber - nur mit einer Hommage an Sherlock Holmes - wird niemand auf diesen Artikel klicken, wenn er oder sie nicht sowieso regelmässig bei surveybuilder.info vorbei schaut.

Das nur als kleine Anekdote am Rande, wie das Spiel um Aufmerksamkeit im Internet funktioniert. Und es funktioniert deshalb so, weil wir Menschen so ticken und mit Mustererkennung im Internet unterwegs sind. Und so neigen wir dazu, uns schon bekannte "Weisheiten" im Sinne der Bestätigung unserer Überzeugungen erneut rein zu ziehen - weil sich das so gut anfühlt. Ein Umstand, der auch bei der Preisfindung an den Märkten als "Confirmation Bias" eine wichtige Rolle spielt.

Nun aber zum Markt und da ist seit gestern Sherlock Holmes Ausruf "The game is afoot !" mehr als berechtigt.

Sie erinnern sich, ich hatte hier vorgestern aufgrund des Bollinger Band Crashs im S&P500, verbunden mit der Ernennung von Janet Yellen, schon fest mit einem Bounce gerechnet. Der kam auch - einen Tag später - und wurde durch die Anzeichen, dass man in Washington miteinander redet gestern massiv unterfeuert. Und durch die Dynamik der Bewegung, wurde der gestrige Bruch der Trendlinie auch erneut zur Bärenfalle, wie schon 5-mal seit November 2012 vorher.

Ist damit das Debt Limit Problem wirklich gelöst ? Kein bisschen natürlich, im Gegenteil - es wurde einfach im Sinne "kicking the can down the road" weiter verschoben. Das hat aber für die Kursentwicklung zunächst keine Relevanz.

Denn an dieser Stelle kommt wieder etwas zum Tragen, was wir unbedingt über die Märkte verstehen müssen: Die Märkte leben nicht in der Gegenwart. Sie leben in der Zukunft und die Preise bilden sich aus den Zukunftserwartungen aller Marktteilnehmer.

Und was waren die Erwartungen der Marktteilnehmer vor 2 Tagen ? Ganz klar, dass eine Lösung gefunden wird und dass dann eine massive "rip your face off" Rally stattfinden würde. Das war ganz klar der Konsens im Markt.

Und weil dieser Konsens war wie er war, will natürlich niemand der Letzte sein, weil dann ja die schönen Gewinne schon alle verfrühstückt sind. Und so entsteht so ein extrem positiver Tag wie gestern, weil alle schon beim ersten Anzeichen einer Einigung aufspringen, um den anderen zuvor zu kommen. Eine selbsterfüllende Prophezeiung also. Und dann werden Stops gezogen, Shorts gesqueezed usw. usw. und die Rally nährt die Rally und so ein Trendtag entsteht.

Jetzt könnte man ja meinen, man hätte da eine perfekte Methode für den nächsten Trade, aber so einfach ist das leider nicht. Denn diese Erwartungen können auch das Gegenteil auslösen. Weil alle darauf warten, tritt es nicht ein. Und wenn das zu lange dauert das Warten, werden dann die Erwartungen aus Enttäuschung aufgelöst, was genau zur entgegengesetzten Bewegung führt. Die zu hohe Erwartung war dann Ursache des Einbruches. Den Unterschied zwischen dem einen und dem anderen Szenario, macht dabei der Zeitpunkt und Charakter des Katalysators. Und der war gestern in Form des Vorschlags der Republikaner so zeitnah und durchschlagend, dass die Marktteilnehmer eine Lösung für das Debt Limit als gegeben genommen haben. Und damit den Mechanismus der selbsterfüllende Prophezeihung ausgelöst haben.

Merken Sie sich also unbedingt: die Kursbewegung kommt nicht, weil sich die Realität geändert hat. Die US sind immer noch ohne Lösung und der politische "Gridlock" ist nur verschoben, aber nicht aufgehoben. Der Markt bewegt sich aber aufgrund der Anpassungen der Erwartungen an die Zukunft. Und diese Erwartungen haben sich nun deutlich zum Positiven verändert, eine nahende Lösung ist nun als Faktum angenommen.

Es gab gestern übrigens eine weitere Erwartungskomponente, die die Rally befeuert hat und über die hatte ich auch schon gestern im Premium-Bereich geschrieben. Die derzeitige Blockade wirkt sich natürlich negativ auf Arbeitslosenzahlen und das Wachstum in den USA aus. Und damit dürfte das Thema des "Tapering" für dieses Jahr endgültig vom Tisch sein. Entsprechende Äusserungen des FED Mitglieds Bullard hatte ich auch gestern im Premium-Bereich verlinkt.

Das gefällt Mr. Market natürlich ganz besonders, denn einerseits sind die negativen Wirkungen auf das Wachstum ja nur temporär und nicht strukturell, andererseits ist ungehemmter Stimulus nun weiter gesichert. Besser geht es für die Wallstreet nicht, die mal wieder auf ganzer Linie bekommen hat, was sie sich wünscht.

Und so hat das Spiel begonnen. Das Spiel der Weihnachtsrally im 4. Quartal, bei der keiner der Letzte sein will, der aufspringt.

S&P500 11.10.13

Aufmerksame Leser werden jetzt natürlich sofort bemerken, dass die Medaille zwei Seiten hat. Wenn jetzt in den Erwartungen des Marktes eine Lösung zum Debt Límit schon verfrühstückt wird und sich alle für eine "4th Quarter Rally" positionieren, bleibt kein Erwartungshub mehr übrig, wenn die Lösung dann tatsächlich kommt.

Und genau so ist es. Wenn die Lösung kommt, wird der Markt schon weiter in die Zukunft schauen. Und wenn sie doch nicht kommt, wird Mr. Market um so erstaunter und wütender korrigieren.

Kurzfristig ist mit dem gestrigen Schub nun aber ein bullisches Signal gegeben worden. Wir müssen heute zwar noch abwarten, ob es noch zu einem bösen Reversal wie beim Pop nach der "No Taper" Entscheidung der FED Mitte September kommt. Unmöglich ist das nicht. Mein Eindruck ist aber eher nein.

Dann wird der Markt mit guter Wahrscheinlichkeit die Hochs im S&P500 bei 1730 testen. Aber erst was danach passiert, wird wirklich das Schicksal des 4. Quartals bestimmen. Denn es gibt viele Anzeichen für eine grundlegende Topbildung und nachlassendes Momentum in den US Indizes. Und das es mehrere Versuche zu neuen Hochs gibt, ist in so einem Bullenmarkt mehr als normal. So ein Bulle stirbt nicht so einfach von heute auf morgen, er rafft sich vielmehr immer wieder auf, bis er irgendwann unter der eigenen Last mit einem lauten Krachen zusammen bricht.

Genau das macht es auch so schwierig so einen Markt zu shorten. Man wird x-mal auf dem falschen Fuss erwischt und mit Verlust ausgestoppt, weil sich der Bulle doch wieder aufrafft. Und wer er dann endlich stirbt, dann ist man schon so demoralisiert, dass man nicht mehr dabei ist, wenn es endlich wirklich auf der Short-Seite Geld zu verdienen gibt. Deshalb kann ich immer nur wieder dringend davon abraten, solche Märkte oder auch Momentum-Aktien "auf Verdacht" zu shorten, egal wie schön die vermeintliche Topbildung aussieht. Erst wenn der Markt wirklich fällt und technisch eindeutig nach unten zeigt, dann kann man in der Mitte der Bewegung auf der Short-Seite sinnvolle Gewinne bei mässigem Risiko einfahren.

Insofern könnte man im S&P500 nun kurzfristig Stops unter das gestrige Tief setzen und auf dem Rücken des Momentums das Spiel nach oben mitspielen, nachdem man leichte Schwäche heute abgewartet hat. Bei einem typischen Ablauf gäbe es heute also eine leichte Konsolidierung, bevor es dann nach oben weiter geht. Mittelfristig wäre ich aber nicht zu optimistisch, sondern eher vorsichtig, sobald sich der S&P500 wieder in der Nähe der alten Hochs befindet.

Europa dagegen - und damit auch der DAX - ist klar im Rallymodus und profitiert von Liquiditätszuflüssen aus anderen Märkten und zeigt klare Überperformance zu den US Indizes. Insbesondere unser "Liebling" der spanische Index IBEX35 ist einfach beeindruckend und der Trade ein Volltreffer. DAX 9.000 und IBEX 10.000 in nicht zu ferner Zukunft, ist also keineswegs besonders optimistisch, sondern eher realistisch. Auch beim DAX haben wir nun mit den Tiefs der letzten Tage schöne Niveaus zur Absicherung.

Ich wünsche viel Erfolg !

Und bitte denken Sie daran. Das Internet ist voll mit allerlei Crash-Gurus und Horrorgeschichten und einige dieser Logiken teile ich sogar, weil das Makrobild nach meiner Ansicht dabei schon richtig erkannt wird. Nein, ich bin wirklich nicht überzeugt, dass dieses historische Experiment der Notenbanken und der Politik gut ausgeht. Und ich bin ziemlich sicher, dass wir in einigen Jahren ein ganz anderes Währungssystem haben und davor noch schlimme Verwerfungen erleiden müssen.

Nur - und das ist so wichtig zu verstehen - es nützt nichts, vielleicht in 3 Jahren mal Recht zu bekommen, wenn man die ganze Zeit vorher gegen den Markt ankämpft und sein Depot dabei ruiniert. Es gibt Marktteilnehmer, die kämpfen seit 2009 gegen dieses Markt an. Und was hat es ihnen gebracht ausser Leid und Verlusten ? Wenn sie dann irgendwann Recht bekommen, werden sie sich darüber nicht mehr freuen können, falls sie dann noch überhaupt im Markt sind.

Ignorieren Sie also all diese Weissagungen und Prognosen. Die halten Sie nur vom wirklich Wichtigen ab: Im "Hier und Jetzt" Geld zu verdienen !

Ich habe es schon an anderer Stelle gesagt: wir haben keine Wahl, wir müssen auf dieser Party tanzen und das Spiel mitspielen ! Es schadet aber nichts, die Eventualitäten zu kennen und sich gedanklich darauf vorzubereiten. Nur handeln dürfen wir nicht nach Eventualitäten, sondern nur nach dem, was uns Mr. Market sagt. Und die Botschaft ist klar:

Das Spiel hat begonnen !

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Aufwärtstrend bei chinesischen Bluechips – Update

Vor drei Wochen hatte ich Sie hier unter dem Titel -> Die kaum beachtete Rally in China <- auf die Geschehnisse in China hingewiesen, die hier in Deutschland kaum bemerkt werden und sich besonders an den in Hongkong notierenden, grossen chinesischen Bluechips manifestieren.

In dem Artikel hatte ich es für wahrscheinlich erklärt, dass sich zunächst eine Korrektur im Hang Seng China Enterprise Index (HSCE) bis zur Trendlinie anschliessen würde, bevor eine Chance auf Trendfortsetzung besteht.

Genau das ist nun passiert und der HSCE sitzt nach einigen schwachen Tagen nun bald auf der Trendlinie auf.

Womit sich nun attraktive Szenarien für einen Trade ergeben, je nach Wahl in Richtung des Trends oder mit einer Wette dagegen. Ich persönlich gebe der Trendfortsetzung deutlich grössere Chancen.

Allerdings wissen wir ja, dass uns Mr. Market das Leben gerne schwer macht. Insofern hat ein Szenario gute Chancen, nachdem der HSCE zunächst zur 50-Tage-Linie (blau) durchtaucht und einen Bruch der gezeichneten Trendlinie simuliert, bevor er dann doch wieder nach oben dreht. Defacto würde das einen erneuten Retest von oben der Ausbruchszone aus dem fallenden Abwärtstrend bedeuten. Denn genau dort liegt auch aktuell die 50-Tage-Linie. Dieser Retest von oben ist auch etwas, was Kurse gerne noch einmal machen, bevor sie dann endgültig nach oben wegdrehen.

Deshalb möchte ich daran erinnern, dass Trendlinien nur einen Trend visualisieren, ihn aber nicht definieren. Definiert wird ein Trend durch immer höhere Tiefs und höhere Hochs. Und endgültig gebrochen wäre der neue Aufwärtstrend deshalb auch erst dann, wenn die Tiefs von Ende August unterschritten würden - und die sind noch weit entfernt.

Ein erstes Warnsignal wäre es aber trotzdem, wenn der HSCE nun nicht die Kraft findet, bald wieder nach oben zu drehen. Geschieht das aber nun "auf den Punkt" im Bereich zwischen Trendlinie und 50-Tage-Linie, dürfte ein neues Verlaufshoch ganz schnell auf der Agenda stehen. Ich werde deshalb nun aufmerksam nach einem Swing Low Ausschau halten, das eine Trendfortsetzung indizieren würde.

HSCE 01.10.2013

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Die kaum beachtete Rally in China in einem Chart

Ich habe hier ja seit Anfang Juli oft über den neuen Rohstoff-Trade gesprochen und dabei auch hin und wieder China als Ursache genannt. Heute will ich diese Mutter aller Ursachen aber mal richtig ins Rampenlicht rücken.

Seit Ende Juni befindet sich die Aktien der grossen, in Hongkong notierenden, chinesischen Konzerne in einer beeindruckenden und massiven Rally. Und kaum einer hier in Deutschland bemerkt es und schaut hin. Finden Sie aktuell irgendwo Schlagzeilen von einer Rally in China ?

So ist das aber oft, die besten Chancen entstehen da, wo sie niemand erwartet. Und die Herde starrt immer auf die Stellen, wo vorher schon andere gegrast haben. Das ist eben eine inhärente Eigenschaft der Herde. Im realen Leben ist es ja auch so. Auf der Lichtung wo ein Reh durchlief, wird wohl bald auch ein zweites Reh auftauchen. Dummerweise funktioniert Börse ganz anders. 😉

Aber auch das muss zwingend so sein und ist eine logische Folge der Reflexivität der Märkte. Die dafür notwendigen Denkstrukturen, habe ich im Artikel vorgestern zu Reversal Trades erklärt. Und jeder Markt braucht die Verlierer, die auf dem falschen Dampfer sitzen. Ohne die Verluste der einen, könnten die anderen keine Gewinne machen.

Geniessen Sie mit mir also einen sehr bullischen Chart, den Hang Seng China Enterprise Index (HSCE):

Hang Seng China Enterprise Index 11.09.13

Nachdem der Index nun die 200-Tage-Linie erreicht hat, ist eine Korrektur bis zu Trendlinie nun kurzfristig recht wahrscheinlich. Richten wir den Blick aber über den kurzfristigen Zeitraum hinaus, zeigt der Trend nun nach oben.

Und die Implikationen für den Rohstoff-Trade, die Emerging Markets und die Weltwirtschaft sind bedeutend. Wenn Sie die sich daraus ergebenden Chancen für sich erschliessen wollen, stossen Sie zur surveybuilder.info Community dazu !

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Gold Update – Rally vor wichtigem Widerstand

Ein kurzes Update zu Gold, Stand 16:00 Uhr.

Gold hat seit dem Tief vom 28.06. ein wunderbares Reversal hingelegt, an dem wir hier im Premium-Bereich mit schönen Gewinnen partizipiert haben.

Nun ist Gold aber kurzfristig überkauft und hängt vor einer sehr wichtigen Widerstandszone um 1420 USD:

Gold 27.08.13

Es ist viel Momentum im Markt, jeder Dip wird nun seit Wochen gekauft, was Sie schön an den vielen kleinen Bullenflaggen in der Aufwärtsbewegung sehen können.

Eine Überraschung nach oben, mit der Gold nun einfach Richtung 1500 USD in einem Zug weiterläuft, kann man also nicht völlig ausschliessen. Rational ist das wahrscheinlichere Szenario nun aber eine bald bevor stehende Korrektur, um den überkauften Zustand abzubauen. Ein Abflauen der Markt-Ängste um Syrien könnte dafür der Katalysator sein.

Da der fiese Mr. Market gerne den für alle maximal schmerzhaften Weg geht, wäre ein typischer Ablauf also, dass Gold den Kopf durch die 1420 soweit durchstreckt, dass viele davon ausgehen, dass der Widerstand sofort fällt und einsteigen. Genau dann dreht der Kurs auf dem Fuss und die Korrektur setzt ein.

Ein sinnvolles Ziel für so eine Korrektur wäre der mittlere 1300er Bereich, also zum Beispiel 1350 USD. Eine solche Korrektur wäre dann aber vielleicht wieder eine Kaufgelegenheit, denn der Trend im Edelmetallsektor zeigt nun eindeutig nach oben und wir stehen am Beginn der für Gold traditionell positiven Herbstphase. Das Tief vom 07. August bietet ein sinnvolles Stop-Niveau, denn wenn der Trend Bestand hat, dürfte Gold dieses Niveau nicht mehr sehen.

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Was die US Arbeitsmarktdaten für die Märkte bedeuten

Da kommen heute um 14.30 wieder einmal die US Arbeitsmarktdaten und die Märkte zittern in ängstlicher Erwartung. Wie kann es sein, dass solche Daten - die noch dazu erhebliche Fehlerquellen haben und oft nachträglich revidiert werden - die Märkte so sehr bewegen ?

Der Grund liegt nicht in den Daten begründet, sondern in den Schlussfolgerungen, die die Marktteilnehmer daran knüpfen. Und damit in den Erwartungen an die Zukunft, die sich durch die Daten adaptieren. Wir wissen ja, Börsenkurse sind die Summe der Erwartungen der Marktteilnehmer. Eben nicht der Realität der Gegenwart, sondern der Erwartungen an die Zukunft.

In einer Welt der freien Märkte, wäre das alles nun ganz einfach. Gute Arbeitsmarktdaten würden für anziehende Konjunktur sprechen und die Kurse würden auf breiter Front steigen. Und im umgekehrten Fall fallen. Schön wärs, wenn die Welt noch so wäre.

Ist sie aber nicht, denn dieser Markt ist so massiv von Politik und Notenbanken beeinflusst und verzerrt, dass die Interpretation der Daten weit schwieriger ist. Dummerweise hat dann die US Notenbank FED auch noch ihre eigene Politik des leichten Geldes genau an diese Arbeitsmarktdaten geknüpft, was die Nervosität des Marktes gut verständlich macht. Jeder andere Drogensüchtige wäre auch höchst nervös, wenn er die Sorge hätte, das sein Drogenlieferant plötzlich ausfallen könnte und die Versorgung mit Steroiden nicht mehr sichergestellt ist.

Und so werden die heutigen Arbeitsmarktdaten Auswirkungen auf den Ton der nächsten Wochen an den Märkten haben. Geht die Rally weiter oder setzt nun eine echte Korrektur ein ? Oder bewegen wir uns volatil zur Seite ?

Wie die Daten selber aussehen, ist dabei völlig unbestimmt und jede Spekulation darüber sinnlos. Auch die schon am Mittwoch und Donnerstag veröffentlichten Arbeitslosendaten, lassen keinen zuverlässigen Rückschluss zu, wie die Vergangenheit mehrfach bewiesen hat. Was wir aber ein wenig antizipieren können, ist wie der Markt auf die Daten reagieren wird.

Wir haben ja gestern im S&P500 gesehen, wie bei Erreichen des technischen Ziels von 1598 - das aus dem "Diamond Top" resultierte - sofort aggressiv gekauft wurde. Viele Marktteilnehmer haben scheinbar mehr Sorge davor den nächsten Dip zu verpassen, als sich gegen einen Absturz abzusichern. Das ist ja auch verständlich und passt perfekt in den "Recency Bias" der Menschen, denn über Monate wurde immer der belohnt, der aggressiv jeden Dip kaufte. Warum also soll es dieses Mal anders sein ?

Und deshalb kann man davon ausgehen, dass dieser "Buy the Dip" Strom auch nach den Arbeitsmarktdaten wieder einsetzen wird, wenn .... ja wenn .... bei den Daten nicht allzu viel passiert. Kommen die Daten also mehr oder weniger im Bereich der Erwartungen heraus und bestätigen eine langsame, anämische aber doch positive Entwicklung, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass dieser Dip wieder gekauft wird.

Kritisch wird es bei beiden Extremen. Es spricht viel dafür, dass zu gute Daten ebenso schlecht sind, wie zu schlechte Daten.

Zu gute Daten würden bedeuten, dass die Angst vor einem Ausstieg der FED massiv wächst. Und dieser potentielle Drogenentzug wird zu Gewinnmitnahmen führen, denn jeder weiss, warum die Indizes so hoch stehen. Bestimmt nicht wegen einer sensationellen Konjunktur. Zu gute Daten könnten auch bei Gold wohl zu einem erneuten Einbruch führen.

Zu schlechte Daten wäre noch dramatischer. Denn es könnte so interpretiert werden, dass der FED trotz der massiven Liquiditätsinjektionen die Lage entgleitet. Das wäre wohl ein Horrorszenario für die Märkte im Sinne "all bets off". Und es ist gar nicht mal so unwahrscheinlich, denn auch in Europa sieht man doch wie die Grenzen der Notenbankpolitik aufgezeigt werden.

Fazit:

Wer nun gut investiert und Long im Markt ist, muss wohl hoffen, dass die Arbeitsmarktdaten im Rahmen der Erwartungen bleiben und weder nach unten wie nach oben grosse Abweichungen zeigen. Alles andere wäre hoch riskant.

Ich selber habe meine eigene Analyse beherzigt und bereite mich auf den Sommer vor. Sprich mein Exposure zum Markt ist deutlich reduziert und so kann ich den heutigen Ausgang gelassen betrachten.

Ihr Hari

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Wacker Chemie – Der Turnaround Kandidat, der Solarworld nicht ist ?

Es gibt einen typischen Verlauf bei sogenannten Turnaround Aktien und Wacker Chemie (WKN WCH888) ist ein klassisches Beispiel.

Zunächst einmal sind die idealen Turnaround Kandidaten Unternehmen mit grosser Substanz und einem etablierten, profitablen Geschäftsmodell. Das ist wichtig, weil das garantiert, dass der Turnaround wirklich irgendwann kommt, er also nur eine Frage der Zeit ist. Alleine darauf kompromisslos zu achten, verschafft einem schon einen erheblichen Vorteil, denn es gibt wohl nichts Schlimmeres, als auf den Turnaround einer Aktie zu setzen, die dann langsam und schmerzhaft Richtung Null fällt - so wie gerade bei Solarworld zu beobachten.

Wirklich verwunderlich ist das Geschehen bei Solarworld für mich persönlich aber nicht, denn Solarworlds temporärer Erfolg beruht nach meiner persönlichen Ansicht indirekt auf durch das EEG erzwungenen Subventionsgeldern, die bei Ihnen und mir über Jahre via Stromrechnung einkassiert wurden und letztlich die Taschen von Unternehmern wie Herrn Asbeck füllten. Laut Wirtschaftswoche übrigens die Herr Asbeck verdient hat. Wenn Sie so wollen für mich also eine staatliche organisierte Umverteilung "von unten nach oben" aus den Brieftaschen Otto Normalverbrauchers in die Taschen der Solarindustrie. Mittlerweile ist ja auch in der Politik angekommen, dass das zu dramatischen Entwicklungen beim Strompreis führt und das Schwarze-Peter-Spiel hat schon begonnen.

Herr Asbeck von Solarworld dürfte diese meine persönliche Einschätzung wahrscheinlich nicht teilen, zumindest nicht wenn man seinen letzten Einlassungen folgt, nach denen am Niedergang von Solarworld & Co. ja vor allem die bösen Chinesen mit ihren Dumpingpreisen schuld sind. Jetzt ist es auch unbestreitbar, dass der Wettbewerbsdruck hoch ist und die Chinesen mit weit geringeren Kosten operieren können und sich auch nicht schämen, Wissen und Technologie auf nach westlichen Massstäben rechtlich fragwürdige Art und Weise an sich zu bringen. Insofern hat Herr Asbeck ja auch nicht völlig unrecht.

Nur würde ich gerne mal wissen, in welcher Branche das anders ist ? Überall konkurrieren deutsche Mittelständler mit China und überall haben sie mit Kostennachteilen, Industriespionage und Dumpingangeboten zu kämpfen. Und trotzdem halten diese Mittelständler die Nase oben und behaupten sich aus eigener Kraft durch Innovationskraft. Nur die Solarindustrie kann das nicht, warum wohl ?

Meine ebenso harte wie persönliche Meinung ist: weil es diese aufgeblähte Industrie ohne die Subventionen des EEG nie gegeben hätte und Unternehmer wie Herr Asbeck nun nicht Multimillionäre wären. Wir hätten heute eine andere Solarindustrie, kleiner, härter, innovativer, besser organisiert. Eine Solarindustrie die wie andere Branchen aus eigener Kraft gegen China bestehen könnnte. Denn Subventionen machen fett und lahm, sich dem harten Wettbewerb stellen zu müssen macht dagegen fit und innovativ, wie weite Teile des deutschen Mittelstands immer wieder aufs Neue beweisen.

Aber wie auch immer, zurück zum Thema Turnaround Aktien. Was ich mit dem Ausflug zu Solarworld sagen will ist, dass es sehr wichtig ist nur bei solchen Aktien auf einen Turnaround zu setzen, die ein etabliertes, eigenständiges und profitables Geschäftsmodell haben und nur temporär unter exogenen Faktoren leiden.

So ein Unternehmen ist für mich Wacker Chemie (WKN WCH888) - Ein Unternehmen der Spezialchemie, das im Bereich Polysilizium auch unter dem "Solardesaster" leidet, dadurch aber nicht in der Existenz in Frage gestellt wird.

Aber selbst wenn man so ein Unternehmen identifiziert hat, ist der typische Ablauf bei derartigen Situationen immer ähnlich. Der Kurs fängt schon zu einem Zeitpunkt an zu fallen, wo die Mehrheit die grundlegenden Probleme noch nicht sehen kann. Dann notiert der Kurs 20% unter Höchstkurs und die ersten "Schnäppchenjäger" kaufen wieder. Der Kurs fällt aber weiter. Bald notiert er 40% tiefer und jetzt ist die Aktie wirklich "saubillig" - nur der Kurs fällt trotzdem weiter. 😉

Und so geht es schmerzhaft weiter. Der Kurs fällt und fällt und immer wieder verbrennen sich Anleger die Finger, weil sie die Aktie nach den alten Massstäben für billig halten. Der Fehler den die Anleger machen, ist die Aktie immer noch aus der alten Brille zu betrachten und zu übersehen, dass es schon längst ein "New Normal" gibt. Und so geht es schmerzhaft weiter, über Monate und Jahre, bis irgendwann niemand mehr ein Pfennig darauf setzen will, dass diese Aktie je wieder dreht.

Dann, genau an diesem Tag, hat der Kurs seinen Tiefpunkt erreicht und setzt aus dem "Nichts" und ohne Nachricht zu einer Rally an. Alle Anleger, die vorher immer wieder ins fallende Messer griffen, sind nicht mehr dabei und haben die Aktie frustriert beiseite gelegt.

Nun haussiert der Kurs, ausgehend von den tiefen Niveaus im hohen zweistelligen Prozentbereich, obwohl diese Bewegung aus langfristiger Sicht nicht mehr als ein "Zacken" im langfristigen Abwärtstrend ist. Nachdem die Aktie über Tage und Wochen hochgelaufen ist, werden nun auch die ersten der alten Anleger wieder aufmerksam und trauen sich - angeregt durch die gute Stimmung in den Medien - einen ersten Fuss in die Aktie zu stellen.

Genau das ist der Tag, an dem die Aufwärtsbewegung ausläuft und die Aktie zu einer bösen Korrektur ansetzt. Eine Korrektur, die typischerweise ca. die Hälfte des ursprünglichen Anstiegs wieder auslöscht und die Anleger endgültig aus der Aktie vertreibt.

Dann erst ist die Situation so bereinigt, dass die Aktie bereit für eine dauerhafte Aufwärtsbewegung ist - der nächste mehrjährige Anstieg kann kommen. 🙂

Schauen wir auf Wacker Chemie, könnte es gut sein, dass sich die Aktie im Moment genau an diesem Punkt der auslaufenden ersten 50% Korrektur befindet. Schauen Sie selbst auf die Charts und ziehen Sie Ihre eigenen Schlüsse.

Erstens das 4-Stunden-Chart seit Oktober 2012 mit dem zulaufenden Dreieck, dass sich mit statistisch höherer Wahrscheinlichkeit nach oben auflöst:

Wacker Chemie Turnaround 04.02.13

Zweitens das Wochenchart seit 2007, das die Korrektur und Gegenbewegung in eine grössere Perspektive stellt. Sie sehen, die potentielle Cup&Handle Umkehrformation und Sie sehen auch, wie der Abgabedruck ausläuft und Raum für eine potentielle grosse Wendeformation bietet:

Wacker Chemie Umkehrformation 04.02.13

Wie immer kann alles ganz anders kommen und ein Stop dürfte auch hier sinnvoll sein. Aber selbst wenn Wacker Chemie doch wieder nach unten dreht und neue Tiefs generiert: ich sehe im Moment nichts, was gegen ein dauerhaftes Überleben von Wacker Chemie sprechen würde und dann dürfte aus langfristiger Perspektive der Tiefpunkt nicht mehr allzu weit entfernt sein.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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