Marktupdate DAX, S&P500 und Co. – 28.07.12 – Die Notenbanken machen Ernst

Eine ereignisreiche Börsenwoche liegt hinter und eine ebenso spannende vor uns. Das übergreifende Thema kann man wohl in einem Satz zusammen fassen: Die Notenbanken machen Ernst !

Sah es noch vor 3 Tagen von der Markttechnik her sehr danach aus, als ob wir nach unten wegkippen, hat das klare, persönliche Commitment von EZB Chef Draghi alles verändert. Und das Timing war perfekt, es war sozusagen Rettung in allerletzter Sekunde aus Sicht der Bullen, von einem ehemaligen Vice President von Goldman Sachs darf man effektives Markt-Timing aber wohl auch erwarten. 😉

Mit den Aussagen Draghis, verbunden mit den Hinweisen die die FED über ihren "Lieblingsjournalisten" Jon Hilsenrath vom verbreitet, ist jetzt klar, dass die Notenbanken wohl einen Boden in den Markt eingezogen haben. Und der gestrige Freitag mit seiner erneuten Stärke zeigt mir, dass das institutionelle Geld nun einsteigt. Seit Gestern ist Überzeugung (Conviction) im Markt, wäre das nicht so, wäre die Korrektur gestern früh nicht sofort gekauft worden.

Die brutale Stärke der Bewegung der letzten beiden Tage beruht darauf, dass die Mehrzahl der Marktteilnehmer nach wie vor ein sehr bärisches Sentiment hat und deshalb der Rally am Donnerstag auch nicht getraut hat. So wurden die Shorts gehalten, in der Erwartung, dass die Aussagen von Draghi erneut nur wieder ein "One-Day-Wonder" sind und wir in der Schaukelbörse bleiben. Die Stärke von Freitag hat bei diesen Marktteilnehmern dann wohl zu massiven Schmerzen geführt.

Wenn Sie letzte Woche aufmerksam meinen Artikel zum -> Bullen, der noch Kraft in den Lenden hat <- gelesen haben, dürfte Sie dieser Short-Squeeze nicht zu sehr überrascht haben. Denn wie ich letzte Woche schrieb, hatten wir vom Sentiment her fast historische Tiefststände erreicht, die statistisch fast immer zu höheren Kursen in Folge führen.

Für die nächste Woche warne ich erneut davor, die Notenbanken nicht ernst genug zu nehmen und seinem bärischen Bias zu lange nachzuhängen - denken Sie lieber an die bewährte Regel: "Dont fight the FED". Sicher ist am Montag zunächst von leichten Gewinnmitnahmen auszugehen, das zu erwarten ist nun wirklich keine Raketenwissenschaft. Am Mittwoch kommt aber die FED nach einer zweitägigen Sitzung mit dem Ergebnis in den Markt. Und bis dahin dürfte der Markt weiter von Hoffnung geprägt sein.

Sollte die FED dann nicht liefern und auch von Seiten EZB keine weitere Konkretisierung erfolgen, besteht am Mittwoch das Risiko einer üblen "Sell the News" Reaktion. Allerdings rechne ich tendentiell nicht damit, denn wenn sich die Notenbanken so deutlich äussern, dann liefern sie auch, dazu sind sie in der medialen Vorbereitung ihrer Aktivitäten zu erfahren. Eher drängt sich mir nun der Eindruck einer massiven, konzertierten Aktion auf, denn auch die Chinesen haben ja nun den Weg des Stimulus erneut beschritten. Und Nachrichten von plötzlicher Reisediplomatie wie , runden das Bild der konzertierten Aktion dann ab.

Wenn die Notenbanken nun aber Ernst machen und massiv in den Markt einsteigen - und das ist das was der Markt gerade denkt - dann sollten sich alle Bären warm anziehen und besser tief in ihren Höhlen verkriechen. Denn dann dürfte wohl Party-Time an den Märkten anbrechen. Und neue Jahres-Höchststände oberhalb 1420 im S&P500 und oberhalb 7200 im DAX sind dann fast als sicher zu betrachten.

Wer jetzt von seiner bärischen Sicht nicht loslassen will, der sollte sich an den September 2010 erinnern, an dem die FED das erste Quantitativ Easing (QE 1) auf die Reise brachte. Danach bekamen wir fast eine halbes Jahr lang eine permanenten Liquiditäts-Rally, bis Fukujima denn Ablauf unterbrach. Und ich erinnere an den Dezember, den 4. Monat der Rally 2010 – da liefen wir ganz ruhig fast jeden Tag hoch, das war wohl einer der entspanntesten und schönsten Börsenmonate seit Jahren.

Fazit:

Wenn die Notenbanken nun ernst machen und liefern - und danach sieht es aus - könnte das der Anfang einer gewaltigen Liquiditätsrally sein, die über Monate trägt. “The powers that be” haben einfach die Macht die Märkte hoch zu pumpen und alles wie bei frischem Schnee mit einer Decke frisch gedruckten Geldes zu bedecken und zu beruhigen. Das Risiko einer Enttäuschung dieser Erwartung besteht zweifellos, weswegen Stops nach wie vor nötig sind, falls der Markt am Mittwoch wegkippt. Aber wahrscheinlicher ist für mich, dass die Notenbanken nun richtig Ernst machen.

Selbstverständlich löst das keines der strukturellen Probleme der westlichen Welt und schafft vielmehr neue, wenn man so will wird der drogensüchtige Mr. Market halt mit einem erneuten Schuss Heroin wieder ein gutes Stück Zeit bei Laune gehalten. Und Europa wird so auch nicht stabiler, im Gegenteil, der Anpassungsdruck auf Spanien und Italien dürfte sinken, was zu bedauern ist, da wir ja an Irland, Portugal, Lettland oder Bulgarien sehen, dass harte Spar- und Reform-Politik eben doch zum Erfolg führt, wenn man den Mumm hat, das wirklich durchzuziehen.

Das Wissen um das dicke Ende danach, nützt uns aber gar nichts, wenn wir im Markt Geld verdienen wollen. Dann zählt nur, dass die Notenbanken ganz klar gemacht haben, dass sie abstürzende Kurse nicht zulassen. Damit ist ein Boden im Markt, den man für aggressive Long-Engagements nutzen könnte. Und die Notenbanken haben die Macht das zu tun. Über die unvermeidbaren Konsequenzen dieser "Fiat-Money" Politik unterhalten wir uns dann in 2013 und folgenden Jahren.

Also werde ich persönlich auf dieser Party - gut nach unten abgesichert - kräftig mittanzen, solange sie dauert. Dont fight the FED ! Unterschätzen Sie das nie !

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

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