Wochenvorschau: Draghi fabuliert – S&P500 schiebt – DAX schwankt – Newmont Mining und Gold zuckt



Ausnahmweise und nur, um den freien Lesern einen einmaligen Eindruck zu verschaffen, steht die heutige Morgenlage auch im freien Bereich zeitgleich zur Verfügung.

Guten Morgen!

Die vor uns liegende Börsen-Woche, könnte zu einer Woche des Interregnums werden, in der die Märkte mehr oder weniger volatil seitwärts laufen, bis dann kommende Woche die FED endlich die Phase der Notenbank-Spekulation mit einer nun praktisch sicheren Zinserhöhung abschliessen wird und damit den Boden für die Rally der letzten Tage des Jahres schafft.

Draghi fabuliert

Ganz sicher bin ich mir dabei aber nicht, weil der liebe Mario Draghi im kommunikativen Wirrwarr, das Notenbanker mittlerweile sowieso veranstalten, noch einen drauf gesetzt hat und damit der Lage für diese Woche wieder einen neuen Ton gegeben hat.

Waren am Donnerstag in der offiziellen Pressekonferenz der EZB, die Töne noch abgewogen und liessen den Markt mit Überraschung und Enttäuschung zurück, sass Draghi schon am Folgetag, am Freitag Abend in einer privaten Veranstaltung in New York und "fabulierte" - tut mir leid etwas anderes fällt mir persönlich als Wertung dazu wirklich nicht ein - über die Dinge, die die EZB nicht getan hatte, aber ja noch jederzeit tun "könnte".

Lesen Sie hier im Handelsblatt zu diesem Termin nach:

Schon am Freitag Abend, war das im Markt zu merken - ich habe das im Forum noch zeitnah erwähnt - weil der Euro dann plötzlich *doch* wieder zu fallen begann, der sich vorher noch geweigert hatte und damit die Meinung ausdrückte, dass die Entscheidung der EZB vom Donnerstag Konsequenzen über den Tag hinaus haben würde.

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Goldminen (GDX) – 15.11.12 – Wenn technische Setups brechen …

Was passiert, wenn technische Setups für alle überraschend brechen, konnten wir die letzten Tagen an den Goldminen erleben - hier in Form des ETF GDX dargestellt. Das Geschehen kann man unter der Überschrift "all hell breaks loose" zusammen fassen.

Der GDX hatte eine perfekte Bullenflagge ausgeformt, die ich hier auch mehrfach thematisiert habe. Und setzte am 31.10.12 zum planmässigen Ausbruch nach oben an und war schon fast raus aus der Range. Dann drehte der Wurm überraschend. Sehen Sie selbst:

GDX 151112

Offensichtlich waren die Einschläge der ganzen miesen Zahlen von Barrick Gold, Newmont Mining oder zuletzt Iamgold doch zu gross und konnten nicht mehr verdaut werden. Dadurch wurde wohl eine plötzliche, negative Neubewertung des ganzen Sektors ausgelöst. Zumindest ist das meine Interpretation.

Denn der Goldpreis kann es nicht gewesen sein, der diesen Zusammenbruch auslöste. Gold steht kurz davor, eine schöne, inverse Schulter-Kopf-Schulter Formation auszubilden.

Selbst George Soros war (ist?) mit seinem Soros Fund Management LLC massiv in diesem Trade gewesen, einige von uns waren also in guter Gesellschaft. Lesen Sie hier:

Wahrscheinlich deshalb nahm die Bewegung in den letzten Tagen, nach Bruch der 200-Tage-Linie, auch so eine Dynamik an. Eben weil Big Money möglicherweise nun auch liquidiert hat. Schauen Sie mal auf das gewaltige Volumen heute ! Ich wäre also nicht überrascht bald zu lesen, dass auch Soros seine Positionen zurück gefahren hat. Ich selber habe meine Positionen nach Bruch der Bullenflagge halbiert, bin aber immer noch investiert und habe heute rein taktisch wieder etwas aufgestockt.

Was ist die Lehre daraus ? Ganz einfach: wenn solche weit beobachteten Formationen brechen, ganz schnell raus. Sell and run !

Wie geht es weiter im Sektor ? Fundamental hat sich im Sektor nichts geändert und auch die grossen Minen sind nicht nur von Idioten bevölkert und werden lernen, ihre Kostenstrukturen anzupassen und zu flexibilisieren. Das es prinzipiell immer schwieriger wird neues Gold aus der Erde zu holen, auch weil der Goldgehalt neuer Vorkommen immer geringer wird, dürfte aber nicht zu ändern sein und die Kosten weiter zum kritischen Thema machen.

Aber auch dort wird der Kostendruck nun wieder für Kreativität bei den Abbauverfahren sorgen, die lange nicht nötig war, weil man sich wie fette Katzen in der Sonne der einfachen Gewinne ausruhen konnte. Und wie ein neues Verfahren alles auf den Kopf stellen kann, haben wir ja im Bereich Gas mit dem "Fracking" erlebt. Insofern sind all die Charts, die nun die Förderkosten in der Zukunft zwangsweise parabolisch nach oben schreiben, etwas schlicht und verfrüht und haben die Kreativität der Ingenieure einfach ausgeblendet.

Im Verhältnis zum Goldpreis, sind die Minen nun noch günstiger geworden, das Verhältnis schwebt nahe historischer Tiefststände, ist aber auch die logische Folge der schwachen Profitabilität und somit angemessen und kein Kontraindikator für steigende Kurse.

Gleichzeitig könnten wir heute den grossen Ausverkauf gehabt haben, das Volumen ist mehr als deutlich. Und wir haben heute oberhalb der Tiefststände geschlossen. Vielleicht kommt Morgen noch Schwäche, dann könnten möglicherweise alle schwachen Hände rausgeschüttelt sein.

Nach oben ist es in meinen Augen also durchaus wahrscheinlich, dass wir die Range der Bullenflagge bald wieder sehen. Ob es dann von da schnell weiter geht ist nun aber zweifelhaft geworden. Denn der technische Schaden ist nun immens und es braucht Zeit um diesen zu heilen und auch wieder Vertrauen in die Fähigkeit der Minen aufzubauen, den höheren Goldpreis auch zu höherem Ertrag umzuwandeln.

Aber selbst das ist nicht sicher, die Minen haben einen Trackrecord dafür, extrem volatil hin und her zu schwingen. Und wenn Gold nun wirklich anzieht, ist es auch denkbar, dass sich die Bewegung der letzten zwei Tage als gewaltige Bärenfalle heraus stellt. Bleiben Sie also wachsam.

Gute Nacht !

Ihr Hari

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