Hokuspokus und die technische Analyse

Nicht immer ist das neu Geschriebene das Beste, sondern manchmal lohnt sich auch zu wiederholen, was schon gesagt wurde. Besonders interessant ist das, wenn man nach Ablauf von vielen Monaten schauen kann, was denn damals aus den Worten in der Realität geworden ist.

Heute will ich daher an einen Artikel vom 09.06.2016, also von vor dem Brexit erinnern, mit dem Titel
-> Die Märkte auf dem Sprung - Was gute technische Analyse leistet <-.

Und genau das ist mein Thema heute, denn hier im freien Bereich schlägt auch immer wieder "Otto Normalanleger" auf, der technische Analyse typischerweise für Hokuspokus hält. Böse Zungen könnten sagen: "wat de bur net kennt frett he net". 😉

Fairerweise muss man sagen, dass die Vertreter der technischen Analyse auch teilweise selber daran Schuld tragen, denn da es so einfach ist, ein paar bunte Linien zu malen, wird damit auch viel Schindluder getrieben. Vor allem fehlt es oft an dem Verständnis, wo die Grenzen der technischen Analyse sind und aufgrund welcher Mechanismen, sie überhaupt Deutungskraft hat.

Denn die technische Analyse sagt die Zukunft nicht voraus, nichts und niemand kann die Zukunft vorher sagen, auch nicht der der "Prognosiritis" anheim gefallende Glaskugeldeuter. Die technische Analyse gibt aber ein zutreffendes Bild des Marktzustandes der Gegenwart und ein derartiger objektiver Blick auf die Gegenwart ohne Bias, ist eine Menge wert, denn die Zukunft muss sich ja erst aus der Gegenwart entwickeln.

In obigem Artikel, wird das Prinzip besonders deutlich. Vor allem auch, weil wir nun 8 Monate weiter sind und uns im S&P500 anschauen können, wie sich die Märkte entwickelt haben. Nämlich so:

So und nun lesen Sie bitte diesen Artikel noch einmal. Bitte tun Sie sich den Gefallen!
-> Die Märkte auf dem Sprung - Was gute technische Analyse leistet <-.

Danach wird klarer sein, was technische Analyse leisten kann und was nicht und warum sie so wertvoll für uns ist. Denken Sie an den Tiger. 😉

Ihr Hari

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Die guten Vorsätze oder: Wird 2015 alles anders?

Das Jahr 2014 neigt sich dem Ende zu und so ist es wieder Zeit für die guten Vorsätze zum neuen Jahr. Der Jahreswechsel bietet die Chance, vergangene Fehler und Probleme hinter sich zu lassen.

Objektiv ist der Jahreswechsel natürlich nur ein weiterer Tag auf dem Kalender, aber emotional ist es für uns Menschen eine Wegscheide zwischen Vergangenheit und Zukunft. Und unsere Emotionen beeinflussen uns weit stärker, als uns oft bewusst ist - gerade erfahrene Marktteilnehmer wissen das ganz genau.

Das Dumme mit den guten Vorsätzen ist, so ehrlich sie im Moment sind, schon nach einigen Tagen im neuen Jahr steckt man wieder im alten Trott und nichts hat sich wirklich geändert. Ausser, man hat einen guten Vorsatz nicht nur einfach so daher gesagt, sondern hat einen Plan entwickelt, an den man sich dann auch hält - einen Plan, der das Ziel hat, das Leben wirklich zu verändern.

Gerade beim Thema der Fitness bzw Gewichtsabnahme kann man diesen Mechanismus wunderbar beobachten. Es gibt tausende an "Diäten" und klugen oder wenigen klugen Tips zum Thema. Eine ganze Industrie lebt von der Verheissung eines "schnellen" und "entbehrungslosen" Weges zu mehr Gesundheit und einem besseren Körper. Und es ist leicht, mit guten Vorsätzen schnell mal ein paar Kilo abzunehmen.

Aber dann ..... dann, nach den ersten Erfolgen, trennt sich der Weg der Minderheit, die wirklich diszipliniert ihre Ernährung und Lebensweise umstellt von der Mehrheit, bei der der Jojo-Effekt gnadenlos zuschlägt.

Denn es gibt eben keinen "leichten" und "schnellen" Weg zu einem schlanken, gesunden Körper und wenn eine gigantische Industrie das verspricht, muss man sich mit klarem Verstand die Frage stellen, ob diese Industrie überhaupt eine Interesse daran haben kann, dass ihre Kunden wirklich dauerhaft erfolgreich sind. Wohl kaum, denn dann würde die Industrie sich selber abschaffen, Teile der Industrie leben vielmehr gerade von der immer neu erweckten, aber nicht wirklich erfüllten, Hoffnung auf den "leichten" und "schnellen" Weg.

Und damit sind wir bei der Börse und dem Anlageerfolg der normalen Anleger. Auch hier gibt es eine riesige Finanz-Industrie, die teilweise mit Prognosen und Produkten den leichten Anlageerfolg verspricht. Dumm nur, dass auch das für die Mehrheit gar nicht funktionieren kann, denn es liegt in der Natur der Sache, dass immer nur eine Minderheit dauerhaft besser als der Marktschnitt abschneiden kann. So ist das nun einmal mit Durchschnitten. 😉

Und auch hier gilt, Teile der Industrie können gar kein Interesse daran haben, dass ihre Kunden selber zu erfolgreich und selbstständig werden, denn dann würden diese durch die Girlanden des Marketings schauen und erkennen, mit welch lauem Wasser viele hochtrabende "Anlageprodukte" gekocht sind.

Nun war 2014 für viele Anleger sicher ein eher schwieriges Jahr. Wir hatten wilde Swings, die für alte Fahrensmänner zwar nichts Neues sind, viele Marktteilnehmer die erst seit 2009 bzw 2011 in den Märkten unterwegs sind, kennen diese aber noch gar nicht.

Und so werden auch zum Thema ihres Anlageerfolges viele Anleger für 2015 gute Vorsätze haben: 2015 wird alles anders und besser!

Wirklich?

Denn wenn Sie an der Art, wie Sie an den Markt heran gehen und an Ihrem Wissen um Zusammenhänge und Mechanismen nichts Grundlegendes ändern, warum soll das in 2015 wirklich anders werden? Weil Sie in 2015 mal eine Glückssträhne haben? Oder gibt es einen anderen belastbaren Grund?

Nein, wenn hinter diesem guten Vorsatz kein konkreter Plan steht, den man dann auch verfolgt, dann wird das mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder nichts. Ein Plan ist zwar keine Garantie für Erfolg, aber eben notwendige Voraussetzung. Die Hauptfehler beim Anlageverhalten stecken sowieso in unserer eigenen Psychologie und wenn man die nicht angeht, kann einem wirklich nur Glück helfen. Auch im Kasino kann man halt mal gewinnen, statistisch gewinnt aber zuverlässig das Kasino. 😉

Wie man überhaupt feststellen muss, dass für die Mehrheit der normalen Anleger, eine passive Strategie die die Marktperformance abbildet, sowieso -> der beste Weg <- sein dürfte. Denn nur eine Minderheit kann dauerhaft gegen Mr. Market bestehen und um das zu schaffen, erfordert es Engagement, Disziplin und jede Menge Erfahrung und Wissen.

Wenn Sie aber zu der Minderheit gehören wollen und selbst wenn Sie nur Ihre klassischen Fehler verringern wollen um bei der Marktperformance mitzuhalten, müssen Sie Zeit und Energie investieren. Anders geht das nach meiner festen Überzeugung nicht.

Nehmen Sie mich selber als Beispiel. Ich bin seit über 20 Jahren, seit Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts, an den Märkten unterwegs und ich habe alle Fehler gemacht, die man so typischerweise macht. Genau deshalb kann ich auch so gut über diese typischen Fallen schreiben, alles eigene Erfahrung. 😉

Und ich habe ca. 10 Jahre gebraucht, bis sich für mich "mein" Weg heraus schälte, auf dem ich meine Rahmenbedingungen, meine individuellen Fähigkeiten, wie auch meine individuellen Schwächen, in sinnvoller Art und Weise kanalisieren konnte. Die 2000er Internet Blase war für mich das erste systematische Erfolgserlebnis abseits von Glück, in dem ich mich aus der Herde entfernen konnte und merkte, was bei mir mit meiner Psychologie funktionierte und was nicht.

Dieser mein Weg ist immer noch keine Garantie für permanenten Erfolg, das kann er gar nicht sein, weil der Markt ein -> reflexives Wesen <- ist und sich permanent wandelt - und man selber passt sich an oder geht unter. Aber mein Weg funktioniert für mich persönlich, hart erarbeitet ist er auf jeden Fall.

Hätte ich einen guten Mentor gehabt, hätte ich die 10 Jahre vielleicht auf 5 reduzieren können und mir ein paar klassische Fehler erspart, 5 Jahre der Suche nach dem eigenen Weg wären es aber bestimmt immer noch geworden.

Jetzt gibt es im Web glücklicherweise schon einige seriöse Angebote, die Ihnen auf diesem Weg helfen und Ihnen keine Finanzprodukte verkaufen wollen. Ich zähle diesen Blog dazu. Eine Erfolgsgarantie verschafft Ihnen der Inhalt dieses Blogs aber ebenso wenig, wie andere wertvolle Informationen. Aber eine Chance, Ihren eigenen Weg zu finden, verschaffen Ihnen die richtigen Quellen. Und mehr als eine Chance gibt es am Markt nie und überhaupt eine Chance zu haben, ist eine ganze Menge und nicht selbstverständlich.

Sie haben also die Wahl. Sie können ab 2015 Zeit und Energie in Ihren Börsenerfolg investieren. Dann sollten Sie sich seriöse Quellen suchen, die Sie ein Stück weiter bringen. Oder Sie können Ihr Geld -> in gute Hände geben <- und mit Ihrer Zeit etwas Besseres tun, als sich mit untauglichen Mitteln dem Wettbewerb mit Mr. Market zu stellen. Letzteres ist ganz klar der Rat, den ich ausdrücklich der Mehrheit der normalen Anleger geben will.

Nun weiss ich ja, dass dieser Blog im freien Bereich von vielen gelesen wird, die zögern und sich fragen, ob Sie zu dieser Community dazu stossen sollten. Ich habe kurz darüber nachgedacht, denen einen Anstoss zu geben, nun zum Jahreswechsel zu handeln oder eben das Thema zur Seite zu legen. Denn eines ist klar: der Zustand des Zögerns ist unproduktiv. Tue es, oder tue es nicht.

Der klassische psychologische Trigger wäre ein zeitlich sehr eng beschränkter Rabatt auf die Mitgliedschaftsgebühr für Neueinsteiger rund um den Jahreswechsel gewesen, frei nach dem Motto "Gute Vorsätze". Wir kennen diese vertriebliche Methode ja zu Genüge, die eine der vielen menschlichen Schwächen aufdeckt, die auch der Markt immer wieder gnadenlos bestraft - Sie wissen schon: "Kauf mich jetzt", "Limited Edition" und "Nur solange der Vorrat reicht". 😉

Ich habe diesen Gedanken aber ganz schnell wieder verworfen, denn es wäre kontraproduktiv und solche vertrieblichen Pirouetten passen nicht zu dem Ansatz, den ich hier vertrete. Und es sind ja gerade diese psychologischen Schwächen, bei denen ich Ihnen hier weiterhelfen will, denn diese stehen auch dem Markterfolg immer wieder im Weg - hier ist es die berühmte und im Premium-Bereich immer wieder thematisierte "Angst zu verpassen".

Und mal ganz ehrlich, wer die Frage, ob sie/er über Jahre intensiv Zeit und Energie in den Anlageerfolg investieren will, von ein paar Euro mehr oder weniger bei einer Mitgliedschaft abhängig macht, zäumt das Pferd vom Schwanz her auf. Das wäre so, wie wenn jemand eine grundlegende Umstellung seines Lebensstils und seiner Nahrungsaufnahme, von einem kleinen Rabatt bei einem Fitnessplan abhängig machen würde.

Nein, Sie haben die Wahl und Sie haben eine Chance. Aber einen einfachen Weg zum reproduzierbaren Erfolg an den Märkten gibt es nicht. Und einen generellen und pauschalen Weg, der für alle Menschen mit unterschiedlichsten Voraussetzungen und Rahmenbedingungen gleichermassen funktioniert, gibt es auch nicht.

Wenn Sie also gute Vorsätze für 2015 haben wollen oder wenn Sie erkennen, dass Sie im Zeitalter der finanziellen Repression sowieso keine andere Chance haben, als Ihr finanzielles Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen, weil es keine risikoarme Rendite mehr gibt - dann machen Sie es dieses Mal und ab 2015 richtig und mit mehr Substanz, als nur mit ein paar guten Vorsätzen. Oder lassen es gleich bleiben und wenden sich anderen Dingen zu - das Leben ist schön und hat vieles zu bieten.

Ihr Hari

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Börsenkultur und Finanzblogs – Ist die „deutsche Seele“ inkompatibel zur Börse ?

Heute habe ich ja im Beitrag vorher, zur Teilnahme am Publikumspreis des Comdirect Finanzblog Awards 2014 aufgerufen.

Schaue ich auf die Entwicklung, die die Vielfalt der freien Finanzblogs in Deutschland in den letzten Jahren genommen hat, muss ich gestehen, dass ich eher enttäuscht bin, weil ich persönlich zu wenig Bewegung sehe.

Einzelne positive Projekte natürlich ausgenommen, aber in der Gesamtheit könnte da wirklich mehr Bewegung sein. Es ist ja bekannt, dass die Aktienkultur in Deutschland eher dürftig ist. Da könnte man doch aber meinen, dass das viele anspornen sollte, in diese Lücke hinein zu stossen. Aber weit gefehlt !

Gerade in dem Bereich, in dem sich surveybuilder.info tummelt - der aktiven Beschäftigung mit den Märkten in ihrer ganzen Breite - bleibt aber das Angebot sehr beschränkt. Dabei wäre es für die Börsenkultur extrem wichtig, wenn Börse erlebbar gemacht und erklärt werden würde. Und wir - die wir uns dafür interessieren - wissen ja, dass es kaum etwas spannenderes gibt, als die Märkte und die dahinter stehende Wirtschaft.

Neue Projekt kommen und gehen im Börsenblog-Bereich, ohne - bis auf seltene, löbliche Ausnahmen - wirklich Beständigkeit und Dauerhaftigkeit zu entwickeln. Und es bleibt am Ende bei einer Handvoll "alter Bekannter". Vergleicht man das mit der kreativen und virilen Börsenblog-Szene in den USA, ist der Unterschied frappierend.

An der Bereitschaft der Deutschen, sich über Finanzthemen die Köpfe heiss zu diskutieren, kann es aber nicht liegen. Es gibt unzählige ganz hervorragende und intellektuell anspruchsvolle Blog-Projekte im Bereich der allgemeinen Ökonomie im deutschsprachigen Raum. Daran ist kein Mangel und darin wiederum schlagen wir dann die US Blogs, die in der Mehrzahl doch wesentlich pragmatischer und zielorientierter, sich konkret um die Märkte kümmern, die da sind. Und weniger um die Theorien, wie die Märkte sein sollten oder nach welcher Lehre sie zu intepretieren sind.

Anhand dieser Beobachtung stellt sich mir daher die Frage, ob der Mangel an Aktienkultur in Deutschland nicht tiefer liegende Gründe hat, die in der "deutschen Seele" begründet sind. Interesse an Finanzthemen ist ja beim gebildeten Publikum durchaus da, nur steht das sich gerne durch eine falsche Herangehensweise an die Märkte selber im Weg.

Sicher, an den hinlänglich bekannten Erklärungsmodellen ist etwas dran und diese sind auch Teil der Gleichung:

Erstens ist es ohne Frage so, dass der Staat dabei versagt, den jungen Bürgern in der Schule finanzielle Grundbildung zu vermitteln. Ja selbst die Grundlage, wie ein Markt und Wirtschaft überhaupt funktioniert und welchen volkswirtschaftlichen Wert ein Markt hat, ist für viele eine Black-Box. Kein Wunder, das dann später krude Wirtschaftspolitik daraus erwächst und man den Menschen mit schwammigen Begriffen wie "Soziale Marktwirtschaft" und "Gerechtigkeit" alles verkaufen kann: die eine Ideologie, wie das genaue Gegenteil davon.

Zweitens ist es ohne Frage so, dass die Erlebnisse der Internet-Blase von 2000, vielen Anlegern noch in den Knochen sitzen. Da hatte der "deutsche Michel" gerade damit begonnen, sich für Produktivkapital zu interessieren ... und dann das ! Kein Wunder, dass nun billige Propaganda auf fruchtbaren Boden fällt, nach der Börse ja sowieso nur ein grosses Kasino sei. Es ist zwar kompletter Blödsinn, aber um den Blödsinn zu erkennen, muss man halt mehr vor der Sache verstehen, womit sich die Katze in den Schwanz beisst.

Aber reicht das alles zur Erklärung aus, um das völlige Fehlen der Aktienkultur in Deutschland zu begründen ?

Ich glaube nein. Ich vermute, wir müssen einen Blick in die deutsche Seele werfen, um die fehlende Aktien- und Risiko-Kultur zu verstehen.

Betrachten will ich die deutsche Seele mal im Gegensatz zur Seele Amerikas, dort wo es eine gelebte und positive Aktien- und damit auch Risiko-Kultur gibt. Im folgenden werde ich die grossen Gegensätze zwangsläufig etwas "holzschnittartig" gegenüber stellen. Natürlich ist die Wirklichkeit komplexer, das weiss ich auch und selbst wenn es so etwas wie eine "deutsche Seele" gibt, schwingen nicht alle in Deutschland lebenden Menschen danach. Trotzdem ist diese grobe Pauschalierung nötig, um den Punkt zu machen. Betrachten Sie die folgende Gegenüberstellung also als bewusst pointierte Herausarbeitung von markanten Schwerpunkten der unterschiedlichen Kulturen.

Wir Deutschen sagen gerne über Amerikaner, sie seien "oberflächlich". Und aus unserer Sicht stimmt das auch, relativ gesehen liebt es der durchschnittliche Deutsche tiefer zu bohren und mehr ins Detail zu gehen, als der durchschnittliche Amerikaner. Wir Deutschen suchen auch gerne das "Grundsätzliche" und das "Wahre", wollen den Dingen also auf den Grund gehen. Beim Versuch dem Grunde näher zu kommen, übersehen wir keine Details und drehen und wenden diese gerne hin und her, bis wir das Optimum gefunden zu haben glauben. Und wenn wir etwas machen, wollen wir Deutschen gerne dafür ein festes Fundament haben, auf wackeligem Boden bewegen wir uns ungern.

Das macht Deutsche zu hervorragenden Wissenschaftlern, wo genau diese Fähigkeit - den Dingen auf den Grund zu gehen - gefragt ist. Und es macht Deutsche zu hervorragenden Ingenieuren und Handwerkern, wo die Fähigkeit sich im Detail zu vertiefen, zu hervorragenden Lösungen führt. Und es bringt Deutschland aber auch ein Steuerrecht, in dem die Schattenseite dieser Detailverliebtheit sichtbar wird - in dem irrsinnigen Versuch, "Detailgerechtigkeit" zu erzeugen, womit man nur noch grössere Verzerrungen und Ungerechtigkeit generiert.

Wenn jemand auf der Welt eine etablierte Technologie hat und aus dieser - wie bei Benzin Motoren - noch das letzte Quäntchen heraus optimieren will, dann sollte er es deutschen Ingenieuren geben. Niemand auf der Welt, wird das strukturell besser können.

Und wenn jemand auf der Welt ein fertiges Hotel hat, in dem der neue Hoteldirektor die Abläufe perfektionieren soll, damit es eine Stufe in den Hotelkategorien aufsteigen kann, dann wird er kaum Besseres tun können, als einen deutschen Hoteldirektor einzustellen.

Wenn es aber darum geht, im Zustand der Unsicherheit und Unklarheit etwas Neues zu etablieren, dann gib es bloss keinem Deutschen - gib es lieber einem Amerikaner. Womit wir im Vergleich bei den "oberflächlichen" Amerikanern sind.

Denn was die einen für "Oberflächlichkeit" halten, ist für andere "Pragmatismus" und "Zielorientierung".

Es sind letztlich nur zwei Namen, für unterschiedliche Seiten der selben Medaille. Und das ist die besondere Fähigkeit der "amerikanischen Seele" im Vergleich zur deutschen.

Denn in vielen Situationen des Lebens lohnt es sich nicht, sich über Details solange den Kopf zu zerbrechen, bis man für alles eine Lösung hat. Manchmal ist man besser dran, einfach mutig los zu legen und das Risiko des Scheiterns einzugehen. Und entweder funktioniert es, dann ist alles gut. Und wenn nicht, versucht man etwas anderes. Ganz pragmatisch. Ganz opportunistisch. Und damit schnell und durchsetzungsstark.

Wir können diesen Unterschied wieder ganz wunderbar an Tesla Motors bewundern. Und umgedreht sehen wir es daran, dass aus einem MP3 und ähnlichen Erfindungen hier im Lande nichts werden konnte. Es brauchte die Amerikaner, um die Technologien durchzusetzen.

Da geht dieser Elon Musk doch her, "lötet" sozusagen ein paar Notebook Batterien zusammen und setzt eine Karosserie darauf und hat ein Elektroauto, das als einziges der Welt 400km weit fahren kann. 😉 Jetzt ist das mit dem Löten natürlich kompletter Quatsch und Tesla hat jede Menge wichtiger Patente bei der Integration dieser Zellen in grössere Einheiten und es ist keineswegs so trivial wie immer getan wird - sonst könnten schon längst andere mit dieser Reichweite durch die Gegend fahren.

Aber ich benutze das Bild bewusst, weil so sehen das viele gebildete Deutsche. Die guten deutschen Ingenieure eben. Sie argumentieren dann mit tausend Details, mit technischen Alternativen die theoretisch besser sind, wie der Brennstoffzelle, mit Problemen hier, mit Details da. Und mokieren sich über den einfachen, gradlinigen Ansatz, mit dem Tesla die Autos auf die Strasse stellt. Das sei ja "technologisch minderwertig" ist dann ein Argument, gefolgt von vielen Details wie man es besser machen könnte - zumindest theoretisch. Und einige sagen mit tausend Argumenten auch schon das Ende des Ansatzes vorher, weil die Autos bei Minusgraden liegen bleiben, weil die Batteriestückzahlen nicht ausreichen und so weiter und so fort. Alles durchaus valide Argumente und keineswegs einfach abzutun.

Und was macht dieser Elon Musk, während all diese klugen Deutschen argumentieren und sich über Details die Haare raufen ?

Er baut einfach Autos und etabliert eine neue Weltmarke mit einem Hype, der seinesgleichen sucht. 🙂 Und löst die Probleme pragmatisch, wenn sie vor ihm stehen.

Es mangelt einem Elon Musk im Detail vielleicht an der technischer Brillianz, dafür hat er aber eine klare Vision wo er hin will, und marschiert unbeirrt und ohne zu zögern in diese Richtung. Und hat keine Angst vor Fehlern oder dem Scheitern. Zusammen sind die amerikanische und die deutsche Seele ein perfektes Team, weil beide Stärken ergänzen sich in Perfektion - wie wir zum Beispiel an der beeindruckenden Leistung der Mondlandung vor nun 45 Jahre bewundern durften, die ohne deutsche Ingenieure unmöglich gewesen wäre. Aber auch nur in Amerika umzusetzen war.

Ist jetzt eine der beiden Kulturen im realen Leben perse besser ? Nein, natürlich nicht. Beide haben ihre Stärken und Schwächen. Vielleicht scheitert Tesla und die Skeptiker bekommen Recht. Und wer auf die Details schaut, verhindert vielleicht eine grosse Katastrophe, die jemand anders übersehen würde. Anders herum wird Musk dann aber schon längst ein anderes Projekt laufen haben und da erfolgreich sein. Und irgendwann wird einer dieser pragmatischen Ansätze eine neue Weltfirma kreieren. Wer zu lange auf die Details schaute, hat vielleicht das einmalige Scheitern verhindert, umgedreht aber keine Chance, jemals etwas als Erster aufzuziehen und die Würmer des frühen Vogels zu bekommen.

Genau das ist aber der Punkt, das ist die "deutsche Seele". Und aus diesem Grund glaube ich, dass diese Art von "deutscher Seele" eher inkompatibel mit der Börse ist.

Ich kann so aus dem Nähkästchen plaudern, weil ich doch selber immer wieder diesen Fehler gemacht habe, bevor ich das begriffen habe. Im Artikel -> SAP - meine grösste Fehleinschätzung <- habe ich das vor über 2 Jahren dargestellt. Nun kann ich all die Menschen verstehen, die bei solchen Entwicklungen wie bei Tesla mit ihren tausend "wenns" und "abers" kommen und mir erklären, dass es ja technologisch "bessere" Lösungen gibt, als das was Tesla macht. Stimmt ganz bestimmt und ist trotzdem eher nebensächlich. Betamax war auch "besser" als VHS. Und Windows war technisch das klar minderwertigere System als OS/2. Was hat sich durchgesetzt und warum ? 😉

Und weil ich das nun verstanden habe, kann ich auch erfolgreich an den Börsen sein. Und wer das nicht verstanden hat, will permanent klüger als der Markt sein und steht sich selber im Weg.

Ich glaube, dieser Sachverhalt ist ein zentrales Problem vieler deutscher Anleger und deswegen tun sich gerade die gebildeten, im sonstigen Leben erfolgreichen Anleger, so schwer an der Börse Erfolg zu haben.

Wenn man so will, wenden sich die eingeübten Reflexe, die diese Menschen im normalen Arbeitsleben so erfolgreich machen, an der Börse gegen sie.

Denn das Dumme ist, die Märkte haben kein festes Fundament. Sie sind ein permanent schwankender Boden, der sich auch noch permanent verändert. Die Märkte sind ein reflexives System unseres eigenen Handelns als Menschen. Schauen wir auf die Marktbewegungen, starren wir sozusagen unsere eigenen Ängste und unsere eigenen Gier an, wie diese zu Kursbewegungen führt.

Die Märkte funktionieren auch nach keinen festen, dauerhaften Regeln, die man nur erforschen muss, um die Märkte zu durchdringen. Sobald eine Regel etabliert ist, die Gewinn verspricht, werden alle Markteilnehmer diese einsetzen und damit kann sie systembedingt nicht mehr funktionieren. Der Markt ist also ein Biest, dass sich systemimmanent permanent wandelt.

Wer also an den Märkten erfolgreich sein will, muss akzeptieren, dass der Markt immer Recht hat und ihm folgen. Er muss akzeptieren, dass er keinen Einfluss auf das hat, was der Markt macht, sondern nur beeinflussen kann, wie er selber damit umgeht. Er muss agieren, scheitern, wieder aufstehen. Agieren, scheitern, wieder aufstehen. Agieren und grossen Erfolg haben.

All das, ist der oben beschriebenen "deutschen Seele" eher zuwider. Für einen Amerikaner ist es dagegen das Natürlichste von der Welt, Chancen zu ergreifen und wenn sie nicht klappen, einfach zur nächsten Chance zu wechseln. Es gibt dort eine Kultur des Scheiterns und des Neunanfangs. Hier nicht.

Und die "deutsche Seele" steht auch länger für ihre Überzeugungen, kein Wunder, sie hat ja auch länger damit zugebracht, diese im Detail zu erforschen und herzuleiten. Da steckt ja auch mehr Herzblut in der Überzeugung. Das macht solche Menschen im realen Leben verlässlich und bodenständig, das Fähnchen wird nicht so schnell nach dem Wind gedreht. Dumm ist nur, dass der Markt das nicht honoriert. Wer am Markt zu seinen Überzeugungen steht, hält sie dann wie die Telekom 10 Jahre als Leiche im Depot. 😉 Denn der Markt dreht sein Fähnchen schnell und Überzeugungen zählen gar nichts am Markt, alles was zählt, ist ganz pragmatisch das Plus im Depot.

Der Markt erfordert Pragmatismus, Anpassungsfähigkeit, geistige Flexibilität und die Demut, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind.

Das ist verflucht schwer, für einen Menschen mit fest gefügten Überzeugungen. Und auch für jemandem, der den Dingen auf den Grund gehen will. Die Vorstellung, dass in komplex-dynamischen, selbstbezüglichen Systemen gar kein fester Grund ist, sondern nur die Dynamik der Systemtheorie, löst bei vielen eher Schaudern aus.

Und deswegen tut sich eine typische "amerikanische Seele" leichter, die Chancen an den dynamischen Märkten zu ergreifen, als die typische "deutsche Seele". Deswegen reden sich die Deutschen gerne zu theoretischen ökonomischen Konzepten die Köpfe heiss, während Amerikaner eher in das Gelingen verliebt sind. Deswegen liebt der deutsche Anleger so sehr das Argument von den "fundamental" gut bewerteten Aktien, weil darin der emotionale Wunsch nach Boden und Sicherheit bei der Entscheidung mitschwingt. Einer Sicherheit, die der Markt systembedingt aber in keinem Fall hergibt.

Diese "deutsche Seele" ist nach meiner Überzeugung ein wesentlicher Faktor bei der fehlenden deutschen Börsenkultur. Neben den bekannten Argumenten, die auch ein Teil der Gleichung sind.

Und deswegen gibt es auch so wenige Blogs, die sich kompetent und interessant mit den aktuellen Märkten beschäftigen. Es passt nicht zur deutschen Seele. Die Grundsatzdiskussion zur "richtigen" ökonomischen Theorie oder der besten Technologie dagegen viel eher.

So weit mein Versuch, das Geheimnis der fehlenden deutschen Börsenkultur ein wenig zu lüften.

Was denken Sie zum Thema ? Ihre Meinung interessiert mich sehr.

Ihr Hari

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DAX & S&P500 – Das grosse Bild der Märkte – Börsenjahr 2014 mit erhöhten Risiken

Seit dem Start des neuen Börsenjahres sind nun ca. 3 Wochen vergangen und man kann schon heute erste Indikatoren feststellen, die auf einen anderen Verlauf in 2014 als im Vorjahr hindeuten.

So scheint zum Beispiel alles wo "Mine" darauf steht, seit Jahresanfang neue Liebhaber zu finden. Deutlich zu sehen natürlich bei den Gold- und Silberminen, die nun klare Geldzuflüsse verzeichnen und zumindest kurzfristig eine positive Price-Action verzeichnen. Die gestrige Stärke von GDX, GDXJ, SIL und Co. in Anbetracht fallender Preise bei den Metallen selber, war schon beeindruckend und verfolgen wir hier im Premium-Bereich genau.

Aber auch in anderen Bereichen, von Kupfer bis Uran, sind klare Lebenszeichen zu verzeichen. Schauen Sie zum Beispiel mal, was die Kursentwicklung beim Uran Weltmarktführer Cameco (WKN: 882017, CCJ) gerade macht ... beeindruckend! Aber darüber will ich heute nicht schreiben, das tun wir in der Community täglich im Premium-Bereich.

Ich führe diese Fälle nur an, um zu zeigen, dass sich mit dem Jahreswechsel etwas an den Märkten zu verändert haben scheint und die Liquiditätsströme scheinbar neue Flussbette suchen. Gleichzeitig sind die alten Trends und Reflexe aber noch da und keineswegs ausser Kraft gesetzt.

Wunderschön kann man das im Chart mit Stundenkerzen des weltweiten Leitindex S&P500 sehen, der seit Jahresanfang 2014 nicht vom Fleck gekommen ist:

S&P500 22.01.14

Jetzt ist es durchaus möglich, dass das nur eine Konsolidierung vor dem nächsten Schub ist und ich habe eine angedeutete iSKS Wendeformation eingezeichnet, die man mit etwas Phantasie dort erkennen kann. Aber trotzdem ist das eine Veränderung der Situation gegenüber 2013. Trotz guter Gelegenheiten, fehlt den Bullen 3 Wochen lang die Kraft zum Ausbruch - das sollten wir uns in unseren Notizbüchern deutlich markieren.

Im grösseren Bild bis 2012 zurück zeigt uns der S&P500 dann, dass bisher nichts passiert ist. Insofern hat der Aufwärtstrend weiter unser Vertrauen verdient und es wäre töricht, sich dem nun einfach so entgegen zu stellen. Aber klar ist auch, dass wir unbedingt genau definierte Ausstiegspunkte brauchen, um uns schnell mit dem Fallschirm vom Geschehen abzusetzen. Denn wenn der Markt dann mal beliebt nach unten zu laufen, kann das nach so einer Bewegung sehr schnell sehr übel werden.

S&P500 22.01.14 Tag

Besondere Bedeutung räume ich dabei dem Stop 2 im Chart ein, der mit den Tiefpunkten des Kampfes kurz vor Weihnachten 2013 korreliert, bevor der S&P500 dann zur Jahresendrally ansetzte. Wenn diese Zone fallen sollte, werde ich sehr vorsichtig werden !

Übertragen auf den DAX, sieht das Bild natürlich ähnlich aus. Da der DAX in der Mehrzahl von angelsächsischen Investoren dominiert wird, ist er im grossen Bild ein Abbild seines Herrchens, des S&P500. Allerdings läuft er mal etwas vor und bleibt manchmal etwas zurück. Und zuletzt ist der DAX vorgelaufen, wie man eindrucksvoll am langfristigen Chart mit Wochenkerzen sieht:

DAX 22.01.14 Woche

Wir sehen zwei! Trendbeschleunigungen im Anstieg seit 2011 und auch wenn auch hier der Trend unser Freund ist, ist doch auch klar, dass es mit dieser Beschleunigung nicht ewig so weiter gehen kann und die Risiken langsam steigen.

Insofern sollte man auch im DAX dabei bleiben und den Aufwärtstrend respektieren, aber auch hier müssen klare Ausstiegs-Marken her, an die man sich dann auch hält. Das Chart mit Tageskerzen zeigt dabei, wo es ernst werden könnte.

DAX 22.01.14 Tag

Als erstes leichtes Warnsignal betrachte ich, falls die 9700 kurzfristig unterschritten werden. Richtig ernst wird es aber erst in der Zone bei Stop 1 und die bullische Aufwärtsbewegung kommt erst in der Zone bei Stop 2 ernsthaft in Gefahr.

In diesem Sinne bedeuten die Charts nun nicht, dass man nun einfach blind aussteigen muss, nur weil die Märkte schon weit gelaufen sind. Machen Sie sich klar, dass der DAX problemlos über 10.000 und selbst etwas darüber hinaus steigen kann. Und das Trends gerne länger laufen, als wir uns vorstellen können. Oder konnten Sie sich im Herbst 2011 - als diese Bewegung bei 5000 Punkten begann - den Verlauf bis heute im DAX vorstellen ?

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir im Laufe von 2014 aber die scharfe Korrektur erleben, die in 2013 fehlte, ist verdammt hoch. So hoch, dass man damit rechnen sollte und dafür immer klar wissen sollte, an welchen Stellen man konsequent seinen Fallschirm auspackt und mit einem Lächeln, das dann trudelnde Flugzeug seinem Schicksal überlässt.

Und das muss gar nicht mal bedeuten, dass der übergeordnete Bullenmarkt schon am Ende ist, so eine Korrektur kann einfach nur mal wieder der frische Wind sein, der nötig ist, um die Aufwärtsbewegung fortsetzen zu können. Aber auch ein Minus von 20% fühlt sich ziemlich übel an, wenn man ungeschützt mitten drin steckt und das können und sollten wir uns ersparen, wenn wir einfach nur schauen, was uns der Markt mit seinen Bewegungen sagt.

Mitnehmen was der Markt hergibt und dabei trotzdem aufmerksam und vorsichtig zu bleiben, ist kein Widerspruch. Es zeichnet vielmehr den erfolgreichen Anleger und Trader aus !

Ihr Hari

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Ben Bernanke – der vermeintliche Nabel der Welt

Update 20:10 Uhr:

Keine Änderung, kein aktuelles "Tapering", alles wie gehabt. Aufregung umsonst. Leser dieses Blogs dürften nicht überrascht sein, siehe unten. 😉

Spannend ist nun, was der Markt daraus macht, gerade während und nach der Pressekonferenz um 20.30 Uhr.

Wer die Live sehen will, bemüht bitte den FED Link in meinen hilfreichen Links. Dort ist auch eine Präsentation der FED, aus der hervor geht, dass es selbst für 2014 keine absehbare Mehrheit für ein Ende der "Nahe Null" Zinspolitik gibt.

Update 20:39 Uhr Pressekonferenz: Tapering (Reduktion der Asset Käufe von derzeit 85 Milliarden USD pro Monat) unter der Voraussetzung positiver ökonomischen Bedingungen vielleicht ab Ende 2013 bis Mitte 2014. Auch das war erwartet. Der Markt wird es trotzdem nicht so recht mögen. Entzug ist immer schwierig, auch nur angedeuteter möglicher Entzug.

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Guten Morgen. An diesem letzten grossen "FED-Tag" vor der Sommerpause, möchte ich mich kurz aus dem Urlaub zur Lage an den Märkten melden.

Vielleicht liegt es daran, dass ich im Urlaub etwas Abstand habe, aber ich beobachte mit Faszination und leichtem Schmunzeln, wie die Medien den grossen Spannungsbogen vor der FED Entscheidung heute Abend um 20 Uhr und der Bernanke Pressekonferenz kurz danach, herbei zu reden versuchen. Da wird getitelt, dass Bernanke "die Märkte in Atem halte" und ähnliches.

Diese mediale Welle generiert für das "Hot Money" grossartige Gelegenheiten, mal schnell ein paar Milliarden in ihre Taschen zu lenken. Wunderbar zu beobachten am Montag, als ein Autor der FT mit einer rein spekulativen Sicht auf den heutigen Tag den Markt mal eben mächtig drückte, nur um ihn dann zurück schnappen zu lassen, als bekannt wurde, dass hinter der Spekulation keinerlei konkrete Kontakte zu FED Offiziellen stehen. Alles nur Schall und Rauch sozusagen. "Well done", kann ich da nur sagen. 😉

Ich persönlich halte das, was Bernanke heute sagt, für wenig spannend. Es ist relativ wahrscheinlich, dass das inoffizielle FED Sprachrohr Hilsenrath uns den Inhalt schon angekündigt hat und es wird wohl wieder auf ein Statement ala "wir reduzieren den Stimulus, wenn es die ökonomischen Bedingungen zulassen, der Tag ist aber nicht heute" hinaus laufen.

Dieses Statement deckt sich mit der bisherigen Linie der FED, es deckt sich mit dem was Hilsenrath vorab verlauten lässt und es passt auch logisch zur wirtschaftlichen Lage. Hinzu kommt, dass nun Obama höchst offiziell bekannt gegeben hat, dass Bernanke wohl keine weitere Amtszeit an der Spitze der FED verbleiben wird. Und Bernanke wird den Teufel tun, und auf seine letzten Monate im Amt seine bisherige jahrelange Politik mal eben auf den Kopf zu stellen.

Etwas Anderes als sinngemäß der oben genannte Satz, wäre seitens Bernanke heute Abend also eine riesige, faustdicke Überraschung. Eine derart riesige Überraschung, dass die Wahrscheinlichkeit dafür sehr klein ist und man nicht sinnvoll darauf wetten kann.

Spannend ist imho etwas anderes. Spannend ist, wie der Markt auf diese absehbaren Aussagen reagiert. Und auch hier ist es wieder klar, dass kurzfristig für den Rest der Woche die Algos den Trend vorgeben werden, dem man einfach folgen sollte. Hier fundamentale Logik anzuwenden ist verfehlt, wir haben keine Wahl als dem demütig zu folgen, was "Big Money" uns vorgibt.

Insofern ist eine "Sell the News" Reaktion ebenso möglich, wie eine starke Rally Richtung 1700 im S&P500. Es macht in meinen Augen wenig Sinn, diese Richtung antizipieren zu wollen. Richtig ist aber, dass je stärker der Markt vor der FED schon ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer "Sell the News" Reaktion wird.

Schaut man über diese Woche hinaus, ist aber klar, dass damit die Sommerphase beginnt, in der die "Pros" eher in den "Hamptons" weilen und an der Wallstreet die 2. und 3. Reihe die Stellung hält.

In dieser Phase wird wohl nicht all zu viel passieren (exogene "graue und schwarze Schwäne" natürlich vorbehalten) und die Sicht auf eine Tradingrange von ca. 1600-1700 im S&P500, bzw ca. 8000-8500 im DAX respektive hat eine gute Wahrscheinlichkeit. So eine Range kann man entweder ignorieren und mal Pause machen, oder man kann sie stoisch und ohne grosses emotionales Engagement spielen und die Swings des Sommers mitnehmen, in dem man an der oberen Grenze verkauft und an der unteren Grenze kauft.

Insofern meine Sicht aus dem Urlaub: Wir sollten heute Abend und Morgen so wenig wie möglich auf die Schlagzeilen rund um die FED hören. Die treiben uns als Teil der Herde nur in eine Ecke, wie zuletzt am Montag zu beobachten. Folgen wir statt dessen lieber dem Markt und schauen genau, was er wirklich tut. Denn reden kann man viel, wenn sich "Big Money" aber wirklich positionieren will, muss es Geld in Bewegung setzen und das kann man dann in den Kursen und den bekannten Indikatoren zumindest erahnen. Oder betrachten wir das Spektakel heute Abend einfach von der Seitenlinie. Die Wahrheit liegt in jedem Fall auf dem Platz und nicht in dem, was medial dazu geschrieben wird !

Ich persönlich würde mir auch eine andere Börsenwelt wünschen, in der Wirtschaftsdaten wieder Relevanz haben und nicht alles von den Worten einer kleinen Gruppe von Politikern und Notenbankern abhängt, die irgendwo, irgendwas auskungeln. Aber darüber zu lamentieren ist nicht nur unprofessionell, sondern auch unproduktiv. Denn wir haben den Markt den wir haben. Und wenn wir darin Geld verdienen wollen, müssen wir uns anpassen oder aus dem Markt gehen. Im Markt zu sein und sich gegen die Wirklichkeit der massiv manipulierten und verzerrten Märkte zu stellen, ist aber das Dümmste was man machen kann.

Ihr Hari

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DAX und S&P500 – Wie lange steigen die Indizes im Runaway-Move weiter ?

Die grossen Indizes steigen und steigen. Jeder Dip wird gnadenlos gekauft, die Geldflut der Notenbanken deckt die konjunkturellen Probleme zu und sorgt für eine Vermögenspreisinflation an den Märkten.

Da stellt sich die wichtige Frage, woran könnte man denn erkennen, dass diese Bewegung zu Ende geht ? Gibt es Methoden, die einen davor warnen, als letzter auf die Party zu kommen ?

Zunächst einmal sei gesagt, dass die klassischen Oszillatoren in solchen Bewegungen kaum Aussagekraft mehr haben. In solchen Phasen laufen diese am Anschlag und laufen länger am Anschlag, als es ein falsch aufgestelltes Depot aushält.

Und ich habe noch eine schlechte Nachricht, es gibt keine - zumindest kenne ich keine - Technik, mit der man den exakten Top und Wendepunkt eines Runaway-Moves zuverlässig vorhersehen kann. Es gibt nur einen Erfahrungswert und der lautet, dass dieser Punkt höher liegt als sich die grosse Mehrheit vorstellen kann. Bedeutet, mit Rationalität ist man eigentlich immer zu früh draussen.

Es gibt bei diesen Bewegungen aber ein Muster und das zeichnet sich dadurch aus, dass die Korrekturen zuverlässig von ähnlicher Grössenordnung in ähnlichen Abständen kommen. Und dieses Muster kann man nutzen.

Ich möchte Ihnen dieses Muster am aktuellen Chart des Leitindex S&P500 zeigen. Schauen Sie mit mir auf das Tageschart der gesamten Anstiegsbewegung seit November 2012:

S&P500 10.05.13 Runaway-Move

Sie sehen, dass die Korrekturen sich immer im Bereich von ca. 50 Punkten bewegen. Sie sehen auch den immer ähnlichen Abstand zwischen den Korrekturen. Sie sehen weiter, dass jeder Korrektur ein temporäres "Exhaustion Top" voraus geht, also eine dynamische Bewegung, der die Kraft ausgeht.

Und Sie sehen jedes Mal da ein V-förmige Reversal, dass eigentlich recht selten ist, hier aber signalisiert, dass da unter der Decke eine Macht (Notenbank) am Werk ist, die immer wieder den Nachbrenner unter den Kursen zündet.

In Summe wie ich finde ein sehr eindrucksvolles Bild, das die Struktur dieser Bewegung deutlich macht. Und da der S&P500 der weltweite Leitindex ist, kann man in ihm die Struktur auch am deutlichsten heraus arbeiten. Im DAX wird diese Struktur durch andere Faktoren überlagert, letztlich folgt aber auch der DAX dem Geld der Wallstreet.

Nun können wir aus dem Bild aber auch etwas lernen und bekommen damit grobe Anhaltspunkte, wie wir mit der aktuellen Bewegung umgehen sollten:

Der Abstand zwischen den Korrekturen zeigt, dass der jetzige Anstieg möglicherweise noch Luft nach oben hat. Er ist im Rhythmus der Bewegungen auf jeden Fall noch nicht weit genug gelaufen, auch wenn nun viel dafür spricht, dass die Dynamik der Bewegung nachlässt. Ca. 1650 im S&P500 sind aber ein sinnvolles kurzfristige Ziel, das sich auch aus der Höhe der Umkehrstruktur ableitet.

Danach ist mit steigender Wahrscheinlichkeit mit einer erneuten Korrektur zu rechnen. Und dabei ist entscheidend, ob es sich wieder um eine ca. 50 Punkte Korrektur handelt oder ob sich daraus mehr entwickelt. Unter der Annahme einer Bewegung bis 1650 in der nahen Zukunft, wäre der Bereich um 1600 im S&P500 also entscheidend. Wie sich der Markt dort verhält - nachdem er erneut um ca. 50 Punkte korrigiert hat - gibt uns die wichtigen Informationen. Die eingezeichnete Trendlinie macht diesen wichtigen Bereich deutlich.

Fazit:

Den Top eines solchen Runaway-Moves zu treffen ist nahezu unmöglich und eher Glück. Es können noch drei weitere dieser Wellen kommen und niemand kann voraussagen, was die letzte Welle ist. Trotzdem sind wir nicht im völligen Blindflug, denn wir wissen was *nicht* passieren darf, wenn die Bewegung weiter andauern soll.

Wesentlich bedeutender ist deshalb, wie sich der Markt *nach* einer 50 Punkte Korrektur verhält. Sollte er zum ersten Mal seit November 2012 nicht zu einem V-förmigen Reversal ansetzen, muss man dann davon ausgehen, dass die Bewegung seit November 2012 am Ende ist. Und dann steigt das Risiko eines scharfen Einbruches immens, weswegen man diese Situation besser auf der Seitenlinie beobachtet.

Mit einem händisch jeden Tag gepflegten Trailing-Stop, kann man diese Struktur schön abbilden und absichern. Und solange der Stop nicht getroffen wird, lässt man die Gewinne laufen und spart sich das Grübeln darüber, wo der Top sein könnte. Denn denken Sie immer daran: er ist in der Regel höher, als Sie sich vorstellen können. 😉

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Die Märkte im Jahr 2013: unfrei, alternativlos und auf Steroiden !

Ich mache es heute kurz, mit ein paar eher sarkastischen Worten zur Marktlage. Mehr lohnt sich auch nicht, weil dank der Notenbanken sind die Indizes oberflächlich betrachtet zu einem "no-brainer" geworden, wie man im amerikanischen sagt.

Es ist ja üblich im Spiel um Aufmerksamkeit im Finanzmarkt, dass man immer den Eindruck erwecken muss, alles gelassen im Griff zu haben, alles schon vorher gesehen zu haben und die Zukunft genau zu kennen. Nun ich gestehe Ihnen aber ebenso gelassen: Ich mag nicht, was in den Indizes passiert ! Es frustriert mich ! Es ist zu einer Farce geworden, einem manipulierten Spiel der Notenbanken, das sich den wirtschaftlichen Realitäten entzieht. In einzelnen Aktien findet man immer noch den echten Wechsel von Angebot und Nachfrage. In einzelnen Aktien macht es noch Sinn und Spass sich Gedanken zu machen. Aber in den grossen Indizes ?

Denn es spielt einfach alles keine Rolle mehr, was freie Märkte eigentlich auszeichnet. Wirtschaftsdaten ? Erwartungen ? Sentiment ? Vergessen Sie es. Schlechte Wirtschaftsdaten sind gut, weil dann die Notenbanken mehr drucken. Und gute Wirtschaftsdaten sind sowieso gut.

Erfolgreich diesem Markt zu folgen erfordert erstens Scheuklappen, mit denen man alles ausblendet, was in irgend einer Weise Risiken signalisiert. Und zweitens einen Finger, der konsequent und ohne nachzudenken, wie ein Schimpanse dem man eine Banane versprochen hat, jeden Dip kauft. Das ist ein "no-brainer" und passend dazu, hat mir gerade gestern ein bekannter Banker signalisiert, dass in Deutschland die Milchmädchen an die Börsen zurück kehren. Zunehmend bekommt er Anfragen nach Anlagen von Kunden, die jahrelang die Aktie als Teufelswerk betrachtet haben. Aber was immer steigt, egal was die Wirtschaft macht, dass muss ja gut sein ! Aktien sind einfach alternativlos und das ist tatsächlich so !

Alle meine Reflexe, meine Markt-Erfahrung, mein Wissen um Zusammenhänge signalisieren mir: hohes Risiko. Vorsicht, dieser Markt kann jeden Moment wegkippen, denn er ist der Realität zu weit voraus gelaufen. Aber das zählt (scheinbar) nicht mehr, wenn Notenbanker mit ihren Bazookas die Märkte unter Feuer nehmen.

Diese verzerrte Lage von Indizes auf Höchstständen und konjunktursensiblen Zyklikern auf Tiefstständen, haben wir auf jeden Fall einer unheiligen Allianz aus Notenbanken, Grossfinanz und Staaten zu verdanken. In der linken Szene wird ja gerne von "entfesselten Märkten" geredet, ich sehe das ganz anders. Die Märkte sind nicht mehr frei, sie wurden in die Hände weniger machtvoller Institutionen gegeben, die hier ihr Süppchen kochen. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht so unfreie und offensichtlich manipulierte Märkte gesehen wie aktuell.

Ich erlaube mir hier an dieser Stelle mal ein paar Zitate des von mir respektierten L. A. Little aus seinem Blog :

"Will we ever have a normal market again - one that operates on actual economics rather than central bank interventions around the world? Will normalcy ever return? I don't know about you but I grow tired of the endless hype and expectations of what the central banks are or are not going to do. Seriously! These V-shaped rallies on low volume after breakdowns appear and the endless bid under the market is like out of a movie."

"It's a really strange world and I'm at a point where my graying hair is falling out as the manipulation of interest rates is rendering most economic models useless."

Siehe auch

Und so haben DAX und S&P500 vor wenigen Tagen - genau als sie ganz typisch wegzukippen begannen und ökonomische Frühindikatoren nach unten zeigten - einfach wieder eine V-förmige Wende hingelegt. Und das nun schon zum x-ten Mal ! Wer länger in den Märkten unterwegs ist weiss, wie selten V-förmige Wenden eigentlich sind. Aber seit die Notenbanken angefangen haben den Markt aufzublasen, sind V-förmige Wenden zur neuen Regel geworden.

Das Schöne daran ist, es ist für uns nun - zumindest vermeintlich und oberflächlich gesehen - einfach geworden, Geld zu verdienen. Buy the Dip. Und bloss nicht nachdenken ! Das Dumme ist, je mehr man davon versteht, was da hinter den Kulissen abläuft und wie wackelig dieses Kunstgerüst ist, desto schwieriger wird es diesen Knopf zu drücken. Aber trotzdem muss man es wohl tun, einmal tief durchatmen, alle Regeln vergessen und ... KAUFEN ! Dann sofort absichern. Auch Kaufen ist "alternativlos".

Insofern kann ich Ihnen nun mit einem deutlichen Augenzwinkern die ultimative Marktprojektion für Schimpansen für 2013 geben:

Der Markt in Form der Indizes steigt und steigt und steigt. Und jeder Dip wird gekauft. Jeder und immer ! Und wenn das aufhört und der Markt eine Pause macht, dann macht er danach was ? Genau, er steigt wieder. Bewertung ? Gewinne ? Wirtschaftsdaten ? Vergessen Sie es - der Markt steigt.

Bis zu diesem Tag, an dem er aufhört zu steigen. An dem der Dip nicht mehr gekauft wird. Und das wird dann passieren, wenn die Notenbanken die Richtung ändern. In diesem Moment werden alle gleichzeitig zum Ausgang wollen. Und wir werden einen der übelsten Einbrüche der Börsengeschichte erleben. Das wird so sein, wie wenn jemand Ihnen den Boden unter den Füssen wegzieht.

Kommt das in 3 Monaten bei DAX 8200 ? Oder in 3 Jahren bei DAX 11870 ? Oder schon Morgen ? Ich habe keine Ahnung - fragen Sie den Notenbanker Ihres Vertrauens, das ist das Einzige was wirklich zählt.

Also, machen Sie es etwas daraus. Machen Sie Heu, so viel sie können ! Tanzen Sie auf der Party so lange sie andauert ! Und seien Sie bei den ersten, die dann aus dem Markt springen, wenn der Dip nicht mehr gekauft wird. Vergessen Sie einfach alles, was Sie zu Wirtschaft je gelernt haben. Werden Sie statt dessen Fachmann darin, die Gesichtszüge der Notenbanker zu interpretieren. Werten Sie deren Aussagen aus und wenden Sie jedes Wort mehrfach mit einem Linguisten ! Nur darauf kommt es an, der Rest ist irrelevant geworden.

Sie denken jetzt bestimmt: oh da ist jemand frustriert ! Ja, was den bitteren Preis angeht, den wir dafür bezahlen werden. Denn ich kann mir den leider vorstellen. Aber Nein, was aktuell das Geldverdienen angeht. Es ist im Moment wirklich so einfach geworden:

Kaufen und die Indizes Long gehen. Absichern unter 10% Korrektur und ansonsten laufen lassen. Glauben Sie mir, dass kann noch lange so weiter gehen. Und wenn jetzt die Milchmädchen an die Börse zurück kehren, dann sehen wir vielleicht auch noch DAX 10.000 in nicht zu ferner Zukunft. Oder es kann Morgen schon zusammen klappen. Aber nur dann, wenn die Notenbanken zucken ! Nur die Notenbanken zählen - leider.

Kaufen + Desaster Protection. Die alternativlose Strategie in einem Mark auf Steroiden. Und nach uns die Sintflut. Wir haben einfach keine Wahl !

Ein schönes Wochenende wünscht trotzdem: Ihr Hari

PS: Und damit es keine Missverständnisse gibt, wenn ich hier so sarkastisch und mit einem Augenzwinkern die "No Brainer" Strategie darlege: Ich bleibe bei meiner Aufstellung, die ich in den Artikeln zur -> Seitenlinie <- und an anderen Stellen mehrfach dargelegt habe. Ich traue diesem Markt seit Anfang April aktuell nicht mehr und nehme nur noch kurzfristig und taktisch nach oben mit, immer mit einer Hand schon am Hebel für den Notausgang ! Denn wenn so ein "Runaway-Move" dann doch mal dreht, dann wird das übel !

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Die Eurokrise ist zurück – DAX und MIB auf wackeligen Beinen

Ich predige ja immer, dass wir dem Markt folgen sollten, statt nur die Bestätigung unseres eigenen Bias zu suchen oder noch schlimmer, uns im Gefühl "Recht zu haben" sonnen zu wollen. Letzteres wird von Mr. Market in der Regel gnadenlos abgestraft, in der Eurokrise sowieso.

Dann machen wir das doch heute mal, an dieser Wegscheide. Und zwar heute Mittag gegen 12 Uhr - vor der Eröffnung der Wallstreet.

Schauen Sie mit mir auf 3 Indizes im Stundenchart seit dem Jahresanfang 2013. Und bitte versuchen Sie mal Ihre Erwartungen beiseite zu legen, sondern nur zu schauen, was diese Charts uns wirklich sagen.

Fangen wir mit dem Leitindex S&P500 an:

S&P500 Stundenchart 06.02.13

Sie sehen einen wunderschönen Trend und einen Trendkanal. Der Markt hat es gestern sogar geschafft, die potentielle SKS Formation noch zu terminieren, weil er kurzzeitig zu neuen Höchstständen lief. Und der Runaway-Move ist immer noch intakt, die 1495 haben erneut gehalten.

Zwar zeigen sich erste Ermüdungserscheinungen beim Momentum und die Möglichkeit einer Topbildung ist real da, der Aufwärtstrend ist aber unbeschädigt und sollte respektiert werden. S&P500 1525 sind sehr wahrscheinlich und historische Höchststände schon bald gut möglich.

Alles in Butter also und Feuer frei für die Bullen ? Schauen wir auf einen anderen Chart, der alles andere als so gut wie der S&P500 aussieht:

DAX Stundenchart 06.02.13

Würden Sie das als bullisches Chart bezeichnen ? Würden Sie diesen Chart eher shorten, weil sich da eine Bärenflagge abzeichnet ? Wo sehen Sie hier einen Aufwärtstrend ? Ich sehe nämlich keinen !

Sie werden vielleicht überrascht sein, das ist der Chart des DAX sei Jahresanfang ! Gibt es dazu mehr zu sagen ? Nur ein Blinder kann in Anbetracht dieses Bildes uneingeschränkt und ungesichert Long agieren. Dieses Chart gemahnt zur Vorsicht, das ist, was uns der Markt sagt. Sicher kann alles anders kommen und theoretisch morgen eine Rally bis 8000 einsetzen. Wahrscheinlich ist das für die kommenden Tage aber nicht mehr und der Markt spricht eine andere Sprache. Und mehr als das, was uns der Markt in der Gegenwart sagt, haben wir nie.

Zuletzt ein drittes Chart, dass wohl die Ursache des gemischten Bildes im DAX darstellt. Der MIB40 aus Italien. Man könnte es auch "Berlusconis Rückkehr" nennen, denn der Absturz fällt mit Umfragen zusammen, die Berlusconis Partei wieder im Kommen sehen.

MIB Stundenchart 06.02.13

Eindrucksvoll oder ? Ganz klarer und eindeutiger Trendbruch Ende Januar ! Das schreit geradezu nach einer fünften dynamischen Abwärtsbewegung und andere Charts der Eurozone sehen nicht viel besser aus.

Fazit:

Das Chartbild der Märkte hat sich seit Ende Januar dramatisch eingetrübt, weil die Eurokrise wieder in den Köpfen der Investoren ist. Das ist die klare Sprache des Marktes. Wer klug ist beginnt umzudenken, Korrekturen gehören nun einmal zu jedem Bullenmarkt und wir hatten lange keine richtige Korrektur mehr. Politische Märkte haben bekanntlich kurze Beine, insofern gibt es keinen Grund für Panik und das Bild kann sich auch schnell wieder drehen, aber im Moment ist es wie es ist.

Die US Indizes und übrigens auch die Emerging Markets von Brasilien bis China, zeigen nach wie vor bullische Strukturen. Die europäischen Aktienmärkte haben dagegen ihre Erholungsphase Ende Januar beendet. Und es gibt rein aus dem was die Charts uns sagen, keinen Grund anzunehmen, dass diese schwierige Phase in Kürze wieder vorbei ist.

Es ist vielmehr realistisch anzunehmen, dass diese Phase unter anderem mit den Sorgen um Italien im Zuge der bevorstehenden Wahl zu tun hat. Und erst wenn diese Wahl im Rückspiegel liegt - oder schon vorher Umfragen klare Mehrheiten für eine neue Reformregierung indizieren - haben die europäischen Märkte wohl die Chance den Aufwärtstrend wieder aufzunehmen.

Wer bis dahin auf der Long-Seite Geld verdienen will, ist in den USA, Japan, Brasilien oder China möglicherweise besser aufgehoben.

Über diese Phase Februar / März hinaus spricht in meinen Augen viel dafür, dass die "Grosse Rotation" im Gange ist und wir ein sehr positives Aktienjahr 2013 erleben werden - auch im DAX und in Europa. Aber vorher könnte es sein, dass wir noch einmal etwas saueren Wein trinken müssen. So ist das halt bei Mr. Market !

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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