Der Biotech Sektor und die Verantwortungsethik

Es gibt wohl keinen Zweifel daran, dass der Biotech-Sektor langfristig - im Sinne eines Investments gesehen - zu den attraktivsten Sektoren überhaupt gehört.

Der Phase "viel Hype, wenig dahinter", ist der Sektor schon lange entwachsen und mit innovativen Medikamenten lassen sich riesige Margen erzielen. Und der weltweite Bedarf steigt und steigt, gerade im Bereich der Alters-Forschung und Alters-Krankheiten, tun sich riesige Felder auf.

Lange bot der Sektor aber keine sinnvolle Einstiegschance, er stieg und stieg unablässig. Seit Anfang 2015 ist es aber genau die Sorge um die Margen, die zur grössten und ausgedehntesten Korrektur seit Beginn des Bullenmarktes 2009 geführt hat. Diese will ich Ihnen hier anhand des US Sektor ETFs "iShares NASDAQ Biotechnology Index Fund" (IBB) zeigen:

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Wo wir im grossen Bild stehen

Mit der EZB am heutigen Donnerstag und der FED am kommenden Mittwoch, stehen uns zwei für den Markt sehr wichtige Notenbanktermine bevor.

Mit einer etwas längeren Perspektive, verlieren die beiden Termine dann aber ihre Bedeutung, denn grundlegender Wandel ist nicht zu erwarten.

Die FED versucht weiter, die Zinswende doch noch hin zu bekommen, die sie durch zu grosse Vorsicht um mindest ein, wenn nicht zwei Jahre, zu spät begonnen hat.

Die EZB unter Draghi dagegen, verweigert sich weiter der Frage, ob die gewählte Medizin dem Patienten überhaupt hilft und wird auf welche Art auch immer, die Dosis der Medizin noch weiter erhöhen und das historisch einmalige Experiment der Negativzinsen wohl weiter verschärfen.

Beide Notenbanken aber, wie auch die Bank of Japan und die Bank of China, befinden sich nach meinem Eindruck in einem "Race to the Bottom", einem gegenseitigen Prozess der Abwertung der eigenen Währung, aus dem ich nur wenig Entkommen sehe. Und die niedrigen und sogar Negativzinsen haben - wie es sich für eine Droge gehört - auch weitere, ungesunde Abhängigkeiten geschaffen.

Realistisch muss man anerkennen, dass während die meisten Staaten 2009 noch hätten auf einen normalen Zinspfad zurück kehren können, die Schulden heute in 2016 so immens gewachsen sind, dass der geordnete Weg zu normalen Zinsen wohl nun dauerhaft verbaut ist - ohne einen Schuldenschnitt und/oder eine Währungsreform.

Das ist für mich im grossen Bild die traurige Situationsbeschreibung eines geldpolitischen Pfades, den ich für ebenso fatal, wie verfehlt halte.

Für uns als Anleger, beantwortet das aber nicht die Frage, was wir in den kommenden 1-3 Jahren von den Märkten erwarten können.

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3D Systems (888346, DDD) mit Wendeformation

Heute ein kurzer Hinweis zum 3D Druck Spezialisten 3D Systems (888346, DDD).

Die Aktie wurde im Zuge der allgemeinen Marktschwäche zusammen mit anderen Momentum-Aktien massiv verprügelt und verlor über 50% von den Höchstständen Anfang diesen Jahres.

Seit Anfang Mai schauen wie im Premium-Bereich aber ganz genau hin, denn es verdichteten sich seit dem Anzeichen für eine potentielle Wendeformation.

Mit den gestrigen, massiven Gewinnen, wurde diese Wendeformation vollzogen:

DDD 23.05.14

Kurzfristig ist nun ein kleines Retracement zu erwarten, in den kommenden Tagen bestehen hier aber gute Chancen, dass die Aktie in die 6xer Kursregion bis zur 200-Tage-Linie läuft.

Ob es darüber hinaus wieder Richtung Höchststände geht, betrachte ich aber als eher fraglich. Das Thema 3D Druck ist in meinen Augen auf der Hardware-Seite einfach "overhyped". Denn bei allen grundlegenden und disruptiven Veränderungen, die die Technologie ohne Frage hervor rufen wird, betrachte ich es als sehr fraglich, ob die Hardware-Hersteller am Ende die sein werden, die die grosse Margen und Gewinne erzielen.

Ich rechne eher damit, dass sich Software Anbieter und auch Shops zum Erwerb von Reproduktionsrechten am Thema 3D Druck eine goldene Nase verdienen werden, während den Hardware Anbietern das gleiche Schicksal droht, dass schon andere in der IT Entwicklung der letzten Jahrzehnte erleben mussten. Im Hardware Bereich steigt der Wettbewerbsdruck immer sehr schnell und es lassen sich auf die Dauer nur schwer gute Margen verdienen.

Für die Rechtsabteilungen zum Thema Markenrecht und Urheberrecht, wird der 3D Druck dagegen wohl ein "Fest" werden. Und deshalb werden besonders die eine grosse Zukunft vor sich haben, die es schaffen ein rechtlich verlässliches System zum Kauf von 3D Druck Rechten aufzubauen. Aber auch die Software, die die Hardware überhaupt erst in Stande setzt Formen nachzubilden, dürfte vor einer spannenden Zukunft stehen.

Bei 3D Systems und anderen Mitbewerbern, habe ich daher ein Fragezeichen hinter der allgemeinen und langfristigen Entwicklung der Aktie. Wobei 3D Systems mit seiner aggressiven Aquisitions-Politik, gegenüber einigen Mitbewerbern da sicher noch die vergleichsweise besten langfristigen Chancen hat. Denn das Unternehmen kann sich durch Zukäufe wie ein Chamäleon einen neuen Charakter geben und wer weiss, vielleicht wird 3D Systems deshalb in den kommenden Jahren ja genau in den obigen Themen stark.

Für den kurzfristigen Trade muss uns das aber alles nicht interessieren. Wir haben ein klare Umkehrformation mit einem Potential bis zur 200-Tage-Linie. Heute ist zu beobachten, ob dieser Ausbruch hält, oder sofort wieder abgegeben wird. Wenn er hält, könnte DDD ein attraktiver, kurzfristiger Trade werden.

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Die Lage im LED Anlagenbau: Aixtron, Veeco und Cree

Treue Leser wissen ja, wie bissig ich mich schon vor fast 1,5 Jahren -> hier <- zum Aixtron Management und seinen "Prognosen" geäussert hatte. Ein Artikel der vielleicht gerade heute lesenswert ist um zu schauen, was daraus nun geworden ist.

Nun schreiben wir den Sommer 2013 und meine Bissigkeit war mehr als berechtigt, zeitweise ist der Kurs bis 8,4€ abgetaucht. Das alte Management ist seit ein paar Monaten weg und was lesen wir nun aktuell zum 2. Quartal ? Dieses mal keine Prognose wegen geringer Visibilität....

Nun gut, keine Prognose ist zwar besser als eine völlig falsche, aber ich finde das persönlich doch eher irritierend. Aixtron ist beileibe nicht das einzige Unternehmen im Anlagenbau/Maschinenbau, dass von wenigen Grossaufträgen abhängt. Und Grossaufträge sind per Definitionem immer wackelig. Andere Unternehmen bekommen aber trotzdem eine Prognose hin, im Zweifel halt mit grosser Bandbreite und sehr konservativ gerechnet.

Die Logik der mangelnden Visibilität ist schon alleine deshalb für mich fragwürdig, weil Grossaufträge per Definitionem lange in der Sales Pipeline hängen und nicht mal eben über Nacht auftauchen. Die werden eher verhandelt und verhandelt und .... dann nochmal verhandelt. All das kostet Zeit. Sprich das was man im 3. Quartal abschliessen möchte, kennt man schon Monate vorher als "Sales Prospect".

Ein Management, das also überhaupt keine Prognose für Umsatz und EBIT liefern kann, lässt mich persönlich vermuten, dass es entweder das Geschäft nicht im Griff hat und seine Sales Pipeline nicht kennt. Also reagiert statt zu agieren. Oder das es die interne, defensiv gerechnete Prognose - denn jeder Finanzvorstand muss eine für das Liquiditätsmanagement haben - lieber nicht kommunizieren will. Muss ich als Anleger in so einem Unternehmen investiert sein ? Wohl eher nicht !

Ins Bild passt dabei auch das in der Mitteilung enthaltene 5-Punkte-Programm, das für mich die Lehrbuch Sätze einer defensiv orientierten Konsolidierung bzw Sanierung durchdekliniert. Könnte aus dem Grundkurs für angehende McKinsey Berater stammen, die Mitarbeiter hat das bestimmt toll motiviert. Sorry für den Sarkasmus. 😉

Ernsthaft, die konsolidierenden Massnahmen als solche, sind in der schwierigen Lage in der sich der MOCVD Markt befindet, sicherlich notwendig und ohne Alternative. Aber Wirtschaft ist zu 50% Psychologie und Mitarbeiter wie Investoren brauchen eine (realistische) Perspektive. Wie man das richtig macht, macht uns Elon Musk mit seinen Unternehmungen vor. Erst die Perspektive schafft die Energie um Höchstleistungen zu produzieren. Und so entsteht ein positiver Feedback-Zyklus.

Was ein Unternehmen wie Aixtron also langfristig braucht - technologischen Fortschritt der neue Umsatzpotentiale ermöglicht und damit eine Perspektive - scheint zu fehlen oder wird zumindest nicht kommuniziert. Und die Kraft überhaupt in Innovation zu investieren, ist für mich auch nicht sichtbar. Zumindest wird mir das in dieser Mitteilung nicht vermittelt. Und für ein Unternehmen, das an der Börse noch als Wachstumswert gehandelt wird, ist eine solche Perspektive Pflicht !

Passend dazu empfehle ich einen Blick auf den direkten Mitbewerber und Marktführer Veeco Instruments (WKN: 896007). Veeco hat natürlich die identischen Probleme im Markt wie Aixtron. Veeco gewinnt aber scheinbar zunehmend Marktanteile, ist deutlich grösser als Aixtron (wenn auch breiter aufgestellt) und der CEO John R. Peeler hat sich im letzten Quartal zum groben Ausblick geäussert.

Bei dem fehlenden Fokus auf Innovation muss man sich auch die Frage stellen, ob Aixtron nicht schon technologisch zurück gefallen ist, eine Frage die ich mangels Fachkenntnissen aber nicht beantworten kann. Zumindest was von Peeler zu den Marktanteilen gesagt wird, deutet in diese Richtung. Und vergleichen Sie mal die Margen, das ist ein Indikator wer hier den Preis benutzen muss um zu verkaufen. Und wer den Preis als Argument braucht, hat inhaltlich und technologisch weniger zu bieten.

Wenn man in dem Sektor investiert sein will, erscheint mir persönlich Veeco also als das attraktivere Investment. Nach einer Schwächephase seit Anfang Juni ist Veeco massiv überverkauft und sitzt nun auf einer Aufwärtstrendlinie auf. Auch taktisch könnte da also was gehen, achten Sie aber auf die Zahlen am 29.07. in wenigen Tagen, die ich abwarten würde !

Veeco 25.07.13

Übrigens, dass der Markt keineswegs tot ist, sondern es sich hier eher um einen Investitionsstau handelt, können Sie leicht am Chart des LED Marktführers Cree (WKN: 891466) erkennen. Das ist einfach ein wunderschön bullisher Chart:

Cree 25.07.13

Fazit: Der LED Markt lebt und bleibt auch für Investoren attraktiv. Ob Aixtron aber das Unternehmen ist, mit dem man diesen Markt in den kommenden Jahren spielen sollte, wage ich mal zu bezweifeln.

Ihr Hari

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Kurztipp – 06.12.12 – Doppelboden bei Apple ?

Apple (WKN 865985) legte heute eine dynamische Wende hin. Zur Handelseröffnung um 15.30 Uhr tauchte die Aktie bei hohem Volumen erneut über 3% ins Minus und erreichte bei 518,63 USD das Minus des Tages. Dann setzten starke Käufe ein, die Apple schon um 16:00 Uhr wieder an die Nulllinie brachten. Aber damit nicht genug, am Ende schloss der Titel mit Plus 1,5%, einer relativen Bewegung Intraday von fast 5% Plus !

Wenn diese Stärke Morgen bestätigt wir - und diese Bestätigung ist wichtig - dann haben wir ein SwingLow gebildet. Und wenn Sie mal einen Blick auf den Tageschart werfen, sehen Sie einen potentiellen Doppelboden, der aufgrund des höheren zweiten Bodens bullischen Charakter hätte. Auch der RSI sendet Signale relativer Stärke.

Es besteht nun also nach meiner Ansicht eine gute Wahrscheinlichkeit, dass Apple erneut zur 200-Tage-Linie bei derzeit ca. 600USD läuft, die auch ungefähr dem 50er Fibo Retracement des Absturzes entspricht. Und es ist immer noch gut möglich, dass diese beim zweiten Versuch durchschlagen wird, mit folgendem Kursziel 640-650 USD. Eine Sicherung falls dieses Szenario doch nicht eintrifft - was jederzeit möglich ist, weil es Garantien an der Börse nicht gibt - wäre ganz trivial ein Stop unter dem Doppelboden.

Wenn Sie mich fragen, was ich nun grundsätzlich von der Apple-Story halte, kann ich wie alle anderen nur ohne jeden Edge raten. Wenn Sie meinen "Daumen im Wind" ohne besondere Qualifikation trotzdem noch wissen wollen, vermute ich eher, dass der immerwährende Anstieg von Apple endgültig gebrochen ist. Ich gehe von einem langsamen Bröseln der Margen - auf hohem Niveau - aus. Damit ist Apple immer noch ein tolles Unternehmen mit gigantischem Cashflow. Aber die derzeitige Bewertung an der Börse ist nur aufgrund der sensationellen Margen denkbar.

Neue absolute Hochs dürften sich dann aber mit fallenden Margen nicht mehr so schnell einstellen. Dazu bräuchte es einen neuen innovativen Kracher der wieder Margen von 60% ermöglicht. Apple TV wird das nach meiner Ansicht nicht sein, weil es durch die weltweit verschiedenen Normen, Standards und Sehgewohnheiten nicht beliebig in der ganzen Welt multiplizierbar und skalierbar ist. Etwas anderes ist aber nicht auf dem Radar. Was ja nicht ausschliesst, dass dergleichen doch überraschend kommt, nur das wäre blindes Raten. Je länger aber eine echte Innovation nicht kommt, desto stärker werden die Stimmen werden, die möglicherweise zu Recht die Einzigartigkeit von Steve Jobs Innovationskraft in den Vordergrund stellen. Dem Kurs dürfte das nicht helfen.

Kurzfristig könnte Apple aber im 4. Quartal so gute Umsätze produzieren, dass die oben skizzierten 640-650 USD Ende des Jahres auch fundamental unterstützt wären. In Anbetracht der vorhandenen Produkte kann man mit Fug und Recht ein sehr gutes Weihnachtsgeschäft erwarten. Danach würde ich persönlich einen Long-Trade bei Apple nach heutigem Wissensstand aber erst einmal verlassen und mir das Spektakel von der Seitenlinie anschauen.

Und übrigens, falls Apple bis in die Zone 640-650 USD läuft und dem Anstieg dann die Luft ausgeht, dann hätten wir eine riesige und üble Schulter-Kopf-Schulter Topformation gebildet, die Sie auf dem Chart schon ahnen können. Das ist nun aber sehr (zu) viel Konjunktiv im Sinne "wenn" und "würde". Allerdings ist eines schon jetzt klar: der Markt wird sich massiv über diese Möglichkeit den Kopf zerbrechen, sollte Apple nun tatsächlich in diese Region laufen.

Ihr Hari

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