Salzgitter – oder: Markttechnik funktioniert tatsächlich ! – 27.03.13

Vor genau drei Wochen, hatte ich im Artikel -> man beachte die Trendlinie <- auf die entscheidende Wegscheide hingewiesen, an der Salzgitter damals stand: Trendfortsetzung oder Bärenflagge ?

Nun, Mr. Market hat sich ganz eindeutig für eine Bärenflagge entschieden. Nun soll es ja immer noch Anleger geben, die beseelt von den schlichten Weisheiten diverser "Gurus", die ganze Markttechnik für Unfug halten. Und die dem Irrglauben aufsitzen, es seien alleine die Fundamentaldaten, die die Märkte bewegen. Gerade unter gebildeten Anfängern - also im sonstigen Leben gut ausgebildeten, rational denkenden Menschen, die aber an den Märkten zu den Laien gehören - verfangen diese einfachen Denkstrukturen sehr schnell und bestimmte "Gurus" basieren darauf ihr Geschäftsmodell.

Wäre ja auch schön, wenn man vermeintlich "objektiv", mit so oberflächlichen Bilanz-Parametern wie KBV und Co., eine Anlageentscheidung treffen könnte. Diese Erwartung passt zu einer rationalen Denkstruktur, Markttechnik scheint da nur Hokuspokus zu sein. Leider ist Mr. Market aber überhaupt nicht rational, wie regelmässige Leser dieses Blogs sehr gut verstehen. Und erleichtert wird diese Fehleinschätzung durch diverse Scharlatane, die mit bunten Linien tatsächlich Vorhersagen treffen, die die Markttechnik gar nicht hergeben kann. So wird die technische Analyse in Misskredit gebracht, weil es zu einfach ist eine bunte Linie zu zeichnen und sich "Chartanalyst" zu nennen.

Aber trotz all dieser Schwierigkeiten und all dem Unfug, der im Mantel der Charttechnik verbreitet wird: Markttechnik funktioniert ! Und Salzgitter ist dafür ein tolles Beispiel. Deshalb schauen wir uns nun den gleichen Chart wie vor drei Wochen mit der damals eingezeichneten Trendlinie an. Sie erinnern sich, ich hatte darauf hingewiesen, dass der Bruch dieser Trendlinie massive Bedeutung haben würde. Ich hatte nicht vorhergesagt, ob die Linie hält oder nicht, das tun nur Scharlatane, denn die Zukunft ist unbestimmt. Schauen Sie selbst:

Salzgitter Trendbruch 27.03.13

Ganz eindeutig kann man nun sehen, welche Bedeutung die Trendlinie hatte. Und wer dem gefolgt ist, was ich im Artikel vor drei Wochen kommuniziert hatte, ist sofort ausgestiegen, nachdem der Versuch vom 18.03. die Trendlinie wieder zu erobern, am 19.03. endgültig scheiterte. Spätestens aber nach Bruch der 200-Tage-Linie, wäre ein Exit zwingend gewesen. Haben Sie es gemacht ? Oder sind Sie sogar Short gegangen ? Dann Gratulation. Wenn nicht, sollten Sie sich dieses Chartbild an die Wand hängen. Als Lehre, was ein Trendbruch bedeutet. Denn nur aus Schmerzen lernt man wirklich. Kinder lernen durch die zu heisse Herdplatte und erwachsene Anleger eben durch monetäre Verluste. Aber man lernt nur dann, wenn man sich auch den eigenen Fehlern stellt und eine Fehlentscheidung nicht zur Investition umdefiniert, um das eigene Ego zu schonen.

Und übrigens, Salzgitter ist nun so extrem nach unten überdehnt, dass ein Bounce wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen wird. Auf diesem Niveau ist auf jeden Fall die gesamte Hoffnung auf eine bessere Stahlkonjunktur in 2013 wieder abverkauft worden. Der Aufwärtstrend von Juli 2012 ist aber nun gebrochen, insofern muss man abwarten, wie sich die Aktie nun über den zwangsläufigen Bounce hinweg weiter entwickelt. Prognosen dazu habe ich keine zu bieten. Warten wir es ab.

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Warum 2012 ein leichtes und schwieriges Jahr war – und was uns das über Trends sagt

Manchmal muss man einen Schritt zurück gehen um den Wald vor lauter Bäumen zu sehen. Denn wer das Jahr 2012 Tag für Tag erlebt hat und sich die einzelnen Bäume betrachtet, weiss das es ein schwieriges Börsenjahr war.

Ein Jahr das von permanenter politischer Intervention geprägt war. Und politische Intervention ist perse schwierig, weil kaum zu antizipieren.

Und ein Jahr bei dem der DAX mit um die 30% Plus eines der besten Jahre seiner Geschichte hingelegt hat und damit mit ganz an der Spitze der weltweiten Indizes stand. Gleichzeitig uns aber permanent so schwere Verwerfungen drohten, dass man diese Bewegung nur mit einem apathischen Gemüt hätte gelassen und ohne Sicherungsnetz mitnehmen können.

Ja, es war ein stressiges und anstrengendes Börsenjahr. Aber eigentlich war es auch ganz einfach.

Warum ? Treten wir dazu mal einen Schritt zurück, vergessen wir die täglichen Verwirrungen und betrachten den Wald. Um sein Kapital in 2012 um 70% zu erhöhen - ja 70% Performance ! - musste man nur 4 Trades auf den DAX machen. Und sich dazwischen statt im Büro an einem Strand in der Südsee vergnügen. Schauen Sie selbst auf das Jahr 2012 im DAX:

DAX 2012

Etwas vereinfacht also: Long Q1, Short Q2 und Long Q3. Das hätte locker für 60% Plus gereicht. Dann noch als I-Tüpfelchen den "Runaway-Move" im DAX seit Mitte November erwischen und die 70% Gewinn mit einem DAX ETF wären eingebucht gewesen.

Faszinierend oder, wie einfach das Jahr im Nachhinein aussieht. Und wer hat das so geschafft ? Ich vermute niemand. Ich auf jeden Fall trotz guter Performance nicht in dem Umfang und das obwohl ich die drei Bewegungen der ersten Quartale hier ziemlich genau getroffen habe. Die politischen und fiskalischen Atombomben über unseren Köpfen waren aber in 2012 zu gross, um ohne Vorsicht diese Bewegungen zu spielen.

Und was lernen wir daraus ? Erstens, dass man hinterher immer klüger ist. Überraschung ! 😉 Und zweitens, wie mächtig Trends sind und dass es das Beste ist was man tun kann, solchen Trends einfach zu folgen !

In 2013 machen wir das mit den Trends dann noch besser. Oder ? 😉

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Recency Bias – Warum wir konditioniert sind, an der Börse Geld zu verlieren – 28.11.12

Wieder konnten wir schön beobachten, wie wir Anleger durch unseren "Recency Bias" dazu neigen uns mit unserer Emotion prozyklisch ein Bein zu stellen. Sie erinnern sich sicher an meinen Artikel vom Freitag über -> den Tag der wenig zählt <-.

Nun habe ich ja mittlerweile Übung darin, anhand Ihrer Reaktionen in den Kommentaren und anhand dessen was geschrieben und eben gerade nicht geschrieben wird, abzuschätzen wie solche Analysen Pi-mal-Daumen ankommen. 😉 Am Freitag sprang mir das "wovon redet der denn" geradezu entgegen. Verbunden mit Unverständnis, warum ich am Freitag vor Handelschluss erst einmal auf die Seitenlinie getreten bin.

Es fühlte sich ja auch alles so toll an am Freitag, wir rannten bis 1409 im S&P 500 und die Jahresendrally war scheinbar Realität geworden. Oder etwa nicht ?

Nun sehen Sie ja, wo wir heute stehen. Und das auch meine Erwartung von gestern eingetreten ist, dass in Kürze eine Enttäuschung über die Langsamkeit der Fiscal-Cliff Verhandlungen eintritt, die dem "alles wird gut" Gefühl erst einmal einen Dämpfer verschafft.

Habe ich jetzt also ein Glaskugel und kann die Zukunft vorher sehen ? Definitiv nein ! Ich bin mir nur eines kleinen aber wichtigen psychologischen Sachverhaltes sehr bewusst, den ich Ihnen heute mit Haris nervigem "erhobenem Zeigefinger" wieder unter die Nägel reiben möchte. Nicht um Sie zu ärgern, sondern um Ihnen an diesem entscheidenden Punkt über eine Hürde zu helfen, mit der wir uns alle rumplagen: es geht um den "Recency Bias", den ich auch in meiner -> Anlagephilosophie <- thematisiere.

Dahinter verbirgt sich unsere evolutionäre Konditionierung, den Ereignissen der nahen Vergangenheit eine höhere Bedeutung für unser Handeln beizumessen, als den "abstrakten" Wahrheiten die länger zurück liegen. Wir sind also weit stärker durch kurzfristige Anreizsysteme getrieben, als wir selber wahrhaben wollen. Oder mit anderen Worten, die vermeintliche Rationalität die wir uns in unserem Selbstbild zusprechen, ist in weiten Teilen Illusion. Wir sind sozusagen Sklave unserer evolutionären Konditionierung. Wir haben die Chance uns durch die Kraft unserer Geistes und unseres Willens darüber zu erheben. Das kostet aber erhebliche Energie und vor allem ein hohes Mass an Intelligenz und Selbstreflektion.

Genau deswegen fühlt es sich so toll an, nach 4 Tagen starkem Anstieg dann auch noch dem Markt hinterher zu hechten. In diesem Moment fühlt sich einfach alles "richtig" an, man ist Teil der Herde und man will dann diesen Moment geniessen und auch gar nichts hören, was das in Frage stellen könnte. Noch schlimmer, man verspürt geradezu einen Drang den Kursen hinterher zu laufen, weil man Angst entwickelt etwas zu verpassen.

Umgedreht ist es nach 4 Tagen starken Verlusten. Da dreht sich einem der Magen um und die ganze Wahrnehmung ist nur noch auf den Schutz des Kapitals gerichtet. Nun zu kaufen fühlt sich einfach falsch an und die wenigsten schaffen es, genau dann massiv in den Markt zu steigen.

Dabei ist es objektiv tatsächlich so, dass im ersten Fall die Risiken eines Einstiegs überwiegen, während im zweiten Fall die Chancen überwiegen. Unsere evolutionäre Konditionierung sagt uns aber das genaue Gegenteil.

Der erste Schritt dieses Problem zu besiegen ist die Selbsterkenntnis. Man muss seine eigenen Gefühle als Kontraindikator begreifen, denn es ist doch kein Wunder, man ist doch selber Teil der Herde und schwingt durch mediale Untermalung mit in den Wellenbewegungen der öffentlichen Erregung.

Wenn Sie also Euphorie in sich spüren und Angst bekommen etwas zu verpassen, dann legen Sie lieber ihre Hände erst einmal unter den Hintern, machen einen Spaziergang und versuchen ruhig und rational nachzudenken. Und wenn sich Ihnen ob der Verluste der Magen umdreht und Sie überlegen jetzt ganz aus dem Markt zu gehen, dann gehören ihre Hände eher auf die Tastatur um an der richtigen Stelle einzusteigen.

Sicher kann man auch so falsch liegen und etwas was stark gefallen ist kann noch weiter fallen und umgekehrt. Die Regel des fallenden Messers kennen ja wohl alle und die ist auch richtig. Aber zumindest die Wahrscheinlichkeiten hat man so zu seinen Gunsten beeinflusst und für den Fall das es noch weiter runter geht, gibt es Stops.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang zu verstehen, dass diese Regel auch nur für die breiten Indizes gilt, die ja eine ausgewogene Mischung verschiedenster Aktien und Branchen sind. Nach 4 Tagen gleichmässiger Bewegung in eine Richtung ist die Wahrscheinlichkeit einer Gegenbewegung in den breiten Indizes einfach objektiv sehr hoch. Punkt. Und das ist auch kein Widerspruch zur Trendfolge, sondern integraler Bestandteil der Trendfolge. Gegenbewegungen gehören einfach zu jedem Trend.

Diese Regel gilt aber nicht für einzelne Aktien. Bei denen sollte man in keinem Fall einfach in ein fallendes Messer greifen, denn die können durchaus an einem Stück durchfallen ! Indizes machen das aber nicht - ausser in sehr seltenen Crashsituationen wie 2008.

Und eine weitere Massnahme ist wichtig. Man braucht ein "System" nach dessen Regeln man agiert. Ein System das man sich rational ohne emotionalen Einfluss überlegt hat. Das kann dann in den schwierigen Phasen wie ein Korsettstange wirken, die einen auf Linie hält.

Eines kann ich Ihnen aber garantieren. Wenn Sie meine mahnenden Worte oben nun einfach wegwischen, werden Sie scheitern. Sie werden weiter zu den Marktteilnehmern gehören, die prozyklisch immer zu spät dran sind. Wie die Mehrzahl der privaten Anleger und das aus genau dem oben genannten Grund !

Nach dieser "Predigt", will ich Ihnen nun ganz rational und trocken sagen, wie ich den Markt Stand Heute 09.30 Uhr sehe:

(1)

Die wichtige Marke ist nach wie vor die 1390 im S&P500 bzw die 7200 im DAX. Siehe auch -> hier <- den Artikel von vor einer Woche.

(2)

Die Möglichkeit, dass wir gerade nur eine Schulter im Abwärtstrend sehen und danach die Schulter-Kopf-Schulter Formation im S&P500 Richtung 1300-1320 vollenden, ist nach wie vor vorhanden und real. Würde also ein temporärer Taucher unter 1390 nicht wieder gekauft, wäre das ein Signal für dieses Szenario.

(3)

Wahrscheinlicher ist nun aber nach meiner Analyse und in Würdigung aller mir sichtbaren Daten, dass die Jahresendrally schon begonnen hat. Und was wir hier erleben, ist ein notwendiger Rücksetzer. Ein Rücksetzer, der eben irgendwo bei 7200 im DAX und 1390 im S&P500 ein Ende finden sollte. Wobei man solche Marken bitte nicht exakt verstehen darf. Ein zeitweiliges Unterschreiten solcher Marken ist fast Standard. Entscheidend ist also nicht, ob wir exakt bei 7200 drehen, sondern ob man erkennt, dass unterhalb der Marke schon bald wieder Kaufinteresse in den Markt kommt. Oder eben nicht.

(4)

Insofern wird ein Erreichen dieser Marken für mich Signal für einen Long Einstieg sein, mit entsprechenden Stops für den Fall abgesichert, dass das Kaufinteresse eben doch nicht kommt.

(5)

Tritt der hier avisierte Rückgang in diese Regionen gar nicht ein, wäre spätestens das Übersteigen der Hochs von Freitag für mich ebenso Signal wieder einzusteigen. Wahrscheinlich bin ich schon früher wieder drin, dass ist aber eine zu komplexe Entscheidungsfindung - die auch viel mit Marktgefühl zu tun hat - um diese hier in einem Blogeintrag als simple wenn->dann Logik auseinander dividieren zu können.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

* Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- und unsere Gedanken zur -> Fairness <- ! *

Kurzkommentar – 02.11.12 – Gold schwächelt wg QE3 Ausstiegsszenarien.

13:40 Uhr

Endlich habe ich die gestrige und heutige Schwäche von Gold verstanden. Es hat etwas gedauert, aber nun passt das Bild wieder.

Auslöser dürfte Thematik sein, in der FED Mitglieder anfangen, konkrete Arbeitslosenquoten zu nennen, ab denen die FED ihr QE einstellen könnte.

Damit wird der Goldpreis natürlich auch direkt an die Arbeitslosenzahlen geknüpft und zwar invers. Dass das offensichtlich der Auslöser der plötzlichen Schwäche heute Nacht und am heutigen Tag war, konnten wir dann gerade um 13.30 Uhr bei den US Arbeitsmarktdaten beobachten. Die Daten waren gut, die Märkte steigen und Gold fällt unter 1700 USD und generiert ein neues Tief. Der SwingLow vom 24.10.12 ist damit leider invalidiert. Schade, aber nicht zu ändern, thats life.

Ich habe insofern Glück gehabt, als ich in Erwartung der Volatilität der Arbeitsmarktdaten, meine Stops heute früh wieder weiter nach unten gezogen habe. Nun habe ich sie ganz aus dem Markt genommen und werde sie erst in ein paar Stunden wieder setzen, wenn sich der Rauch etwas verzogen und der Markt sich wieder sortiert hat. In solchen Phasen muss man den Positionen halt etwas Luft zum Atmen geben.

Trotzdem stellt sich nun natürlich die Frage wie es weiter geht. Dazu sind konkrete Aussagen im Moment nicht möglich. Ich muss den Tag abwarten und möglicherweise ein erneutes SwingLow abwarten. Wann das kommt ist nicht vorher zu sehen.

Grundsätzlich ist die analytische Lage bei Gold für mich nach wie vor so eindeutig Long, dass ich nicht glaube, dass die Rally bis 1900 USD nun ausser Kraft gesetzt wurde, sie wurde wahrscheinlich nur etwas verschoben. Eine dynamische Bewegung bis ca. 1650 USD ist nun aber allemal drin !

Ich wünsche einen schönen Tag.

Ihr Hari

* Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- und unsere Gedanken zur -> Fairness <- ! *

Fed Entscheidung – Bernanke und die Hoffnung

Eines muss man dem FED Chef Ben Bernanke lassen, er weiss was er den Märkten sagen muss. Hätte die FED heute nichts getan, wären die Märkte wohl in den nächsten Tagen richtig abgestürzt, weil sie das als Handlungsunfähigkeit und Zerstrittenheit der FED ausgelegt hätten.
Hätte er aber sein Pulver heute mit einem vollen QE3 verschossen, wäre die Gefahr riesig gewesen, dass die Märkte nach einer kurzen Freudenrally im Oktober auch abstürzen. Denn den sicherlich weiter schwächelnden US Wirtschaftsdaten, hätte dann eine FED gegenüber gestanden, die aus Sicht der Märkte ohne weitere Optionen wäre. Ein sehr gefährliches Szenario, dass Bernanke unbedingt vermeiden musste.

Mit der Operation Twist, der Senkung langfristiger Zinsen und einer Neubalancierung der Zinskurve, hat Bernanke dagegen zwei Dinge erreicht. Er hat die Entschlossenheit der FED signalisiert einzugreifen. Und hat gleichzeitig die Hoffnung offen gelassen, dass die FED mit einem erneuten POMO Programm (Permanent Open Market Operations) mit Macht in den Markt eingreift, wenn es nötig ist. Die Bären werden sich also auch in nächsten Monaten nie zu sicher sein können, weil permanent die finanzielle Atombombe QE3 über ihren Köpfen schweben wird. Das alleine wird die US Indizes stabilisieren. Hoffnung - bzw Furcht aus Sicht der Bären - ist eben eine starke Waffe.

Schön auch anzusehen, wie die Märkte durch gezielte Informationen zum Thema Twist schon vorher auf das Ergebnis vorbereitet wurden. Die Theorie, dass Big Money die Ergebnisse der FED immer schon vorher kennt, wurde erneut bestätigt. Das die Operation Twist das wirkliche Problem der amerikanischen Wirtschaft in Form von fehlender Nachfrage (und nicht zu hoher Zinsen) gar nicht angeht, ist dabei nebensächlich. Der Eindruck der Handlungsfähigkeit der FED ist eben wichtiger, als die eigentliche Wirkung, Wirtschaft ist eben zu einem guten Stück Psychologie.

Die deutliche Schwäche heute nach der Entscheidung, die zum Börsenschluss dann noch zu einem richtigen kleinen Selloff führte, sollte man also in meine Augen trotz einem Minus von 3% im S&P500 nicht überbewerten. Zumal der Markt eine Tendenz hat, dass die erste Bewegung nach so einer Entscheidung zunächst in die falsche Richtung geht. Vielmehr sehe ich jetzt ab Morgen Donnerstag eine kleine, kurzfristige Long-Chance bis zum Quartalsende. Denn das „Window-Dressing“ der Fonds wird zum Ende des dritten Quartals wieder stark sein und das erhöht die Chance für eine Rally Ende September. Morgen 22.09.11 dürfte aber zunächst sehr schwach eröffnen, im Verlauf des Tages besteht dann aber die Chance auf einen Turnaround, der dann möglicherweise den Auftakt des Window-Dressings darstellt.

Diesem Szenario könnte natürlich vor allem wieder Europa und Griechenland in die Suppe spucken. Allerdings sehe ich kurzfristig keine Katalysatoren, die die Lage an der Euro-Peripherie kurzfristig ändern sollten – eine Pirouette des Bunga, Bunga Regierungschefs natürlich ausgenommen. Das Thema Griechenland wird möglicherweise bis Mitte Oktober am Kochen gehalten, bis endlich der EFSF scharf geschaltet ist und Europa endlich Griechenland Pleite gehen lassen könnte, ohne gleich das Bankensystem in Frankreich zum Einsturz zu bringen. Dann, Mitte Oktober, wird es wohl wieder richtig spannend um den Euro.

Ich sehe also heute Abend nach der FED Entscheidung eine kleine 60:40 Chance auf eine nette Rally bis zum Monatsende, so verrückt sich das nach 3% Minus auch anhören mag. Invalidiert würde dieses Szenario, wenn nicht spätestens am Freitag dieser Woche der Markt merklich nach oben dreht oder der S&P500 schon vorher den Bereich um 1140 von oben durchschlägt und damit aus der Flaggenformation nach unten ausbricht. Letzteres wäre ein ganz übles Zeichen, was Kursziele im Bereich 1020-1050 und beim DAX bei 4500-4800 auslösen würde.

Lassen wir uns überraschen. Wer diese Long-Chance spielen mag, sollte das nur mit guten Stops machen. Denn sicher ist nichts, ausser dass Mr. Market garantiert eine Pirouette auf Lager hat, an die wir nicht gedacht haben .....