Lehrer Bömmel und die Kreditkrise

In einer lockeren Reihe von Artikeln - nach "Lehrer Bömmel" aus der Feuerzangenbowle benannt - erkläre ich im Premium-Bereich immer wieder wichtige Zusammenhänge der Finanzmärkte.

Bei den Erklärungen geht es dabei nicht um "wissenschaftliche Exaktheit", sondern darum, Lesern die sich bisher nicht ausreichend mit den Themen befasst haben oder sie nie richtig verstanden haben, auf unterhaltsame Art und Weise ein Gefühl dafür zu vermitteln, worum es wirklich geht. Wer dann tiefer einsteigen will, kann das ja im Nachgang selber tun, Quellen gibt es genug.

Daher orientiere ich die Erklärungen auch immer wieder an konkreten, aktuellen Sachverhalten, so dass sich auch ein konkreter Erkenntnisgewinn damit verbinden kann, der zu besseren Anlageergebnissen führt.

Im freien Bereich hatte ich vor 1,5 Jahren schon beispielhaft einen Artikel aus dieser Reihe. Und zwar die Erklärung, wie "Shorten" eigentlich funktioniert und was eigentlich ein Leerverkauf ist. Lesen Sie hier, falls Sie den Artikel übersehen haben. Der Artikel war der Beginn einer Artikelreihe zum Thema "Shorten".

-> Grundlagen des Shortens - Wat is en Dampfmaschin? < -

Heute nun will ich Sie an einem weiteren Artikel teil haben lassen, der erst gestern im Premium-Bereich erschienen ist. Er adressiert die Frage, wie Aktien sich in einer Kreditkrise verhalten und warum das so riskant ist.

Ich wünsche gute Erkenntnisse!

Ihr Hari

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Öl und die 2015er Glaskugel

Der folgende Beitrag ist ein Auszug aus Hari Live von Montag 05.01.15 09:30

Ich habe keine Glaskugel und folge demütig dem, was der Markt mir anbietet. Aber trotzdem lebe ich ja nicht auf einem fernen Planeten und habe zu den grossen Makro-Themen daher ein Grundmodell im Hinterkopf, mit dem ich so lange operiere, bis mich der Markt eines Besseren belehrt.

Nun beeinflusst der Ölpreis ja eine Menge Assetklassen und kann in 2015 sogar zu Staatsbankrotten und den damit verbundenen Verwerfungen an den Finanzmärkten führen. Insofern schadet es nicht, zum Ölpreis ein Modell zu haben.

Nun, mein Modell rechnet mit einem - zumindest in der ersten Jahreshälfte - dauerhaft niedrigen Ölpreis in einer Range von 40-70 USD. Warum diese Annahme?

WTI 05.01.14

Die Begründung hat mit der Ursache der niedrigen Preise zu tun.

Klar ist, dass Saudi-Arabiens strategische Interessen - neben schlichtem Überangebot durch neue Anbieter wie Irak - wesentlicher Faktor in der Gleichung sind und die Saudis die US Fracking Konkurrenz klein halten wollen.

Wie stark die Fracking Industrie schon getroffen wurde, kann man schön an US Gas Unternehmen sehen, die wie Linn Energy (A0H023, LINE) mit besonders viel Financial Engineering unterwegs sind. Das Chart von LINE ist desaströs und der Cashbestand fast bei Null angekommen. Die Lage wird kritisch:

LINE 05.01.14

Und hier liegt der Punkt. Saudi-Arabien hat diesen Job nun begonnen und dabei auch eigene Nachteile in Kauf genommen. Es ist aber bisher zu wenig Zeit vergangen, um den Job auch zu Ende zu bringen und einen guten Teil der US Fracking-Industrie zur Aufgabe zu zwingen. Wenn man nun nicht alles schlimmer machen will und massiv Glaubwürdigkeit und damit Einfluss auf den Ölpreis verlieren, *muss* der Ölpreis nun für einige Zeit - zumindest für das erste halbe Jahr - unten bleiben.

Richtig ernst wird es sowieso erst, wenn die US Fracking Industrie nach Staatshilfe zu schreien beginnt, aber da sind wir noch nicht. Denn dann muss sich das Weisse Haus entscheiden, ob es die positiven Effekte mit dem Druck auf Länder wie Russland, Iran oder Venezuela höher schätzt, als die negativen Effekte auf die strategische Fracking-Industrie. Denn durch Fracking von Öl Importen unabhängig zu werden, hat für die US strategische Bedeutung.

Insofern gehe ich davon aus, dass die US Regierung ihre Fracking Industrie letztlich nicht untergehen lassen wird, bevor es aber so weit ist, muss die Lage erst weiter eskalieren. Und deshalb macht es Sinn, zumindest im ersten Halbjahr 2015 weiter von niedrigen Ölpreisen auszugehen, die irgendwo zwischen 40 und 70 USD mäandrieren sollten.

Diese Sicht passt auch gut zu markttechnischen Erfahrungen. Nach so einem Einschlag kommt höchst selten eine sofortige Wende, sondern so ein Einbruch will verarbeitet sein und das dauert Monate und manchmal Jahre.

Richten wir uns also auf längerfristig niedrigere Ölpreise ein. Das ist das Makro-Modell, mit dem ich im Moment operiere.

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