Kreditkrise 2015 in den Emerging Markets?

Der folgende Beitrag erschien schon Dienstag 09.12.14 08:55 in Hari Live

Es gibt ein paar Geschehnisse an den Märkten, bei denen kann man durchaus ein mieses Gefühl bekommen ......

Im Community-Forum wurde es schon anhand der ETFs JNK und HYLD erwähnt und ich will hier einmal den Gesamtkontext darstellen. Denn da könnte sich tatsächlich etwas zusammen brauen, was sich in 2015 dann entladen könnte: eine Kreditkrise in den Emerging Markets.

Denn durch den starken Dollar und den massiv fallenden Ölpreis, braut sich für einige Länder gerade ein perfekter Sturm zusammen.
gab es zuletzt einen Artikel, der die Zusammenhänge brauchbar darstellt, insofern muss ich das hier nicht selber tun.

Nun sind wir ja aber Fans davon, dem Markt zu folgen und nicht irgend welchen Berichten in Mainstream Medien, die typischerweise schon längst kalter Kaffee sind, wenn sie dann erscheinen. Schauen wir also mal, was surveybuilder.info und seine Price-Action dazu sagt.

Zunächst sehen wir am brasilianischen Aktienmarkt, dass ein fast perfektes "W" als Wendeformation - das normalerweise ein sehr starkes und belastbares Signal ist - ohne sichtbaren Anlass brutal zerlegt wurde und nun haben wir ein neues Verlaufstief. Das ist bedenklich:

EWZ 09.12.14

Wir sehen aber auch im übergeordneten weltweiten ETF der grossen Emerging Market Aktien EEM, dass auch hier eine valide Wendeformation kurz davor steht negiert zu werden. Hier besteht zwar noch Hoffnung, aber auch das ist sehr ungewöhnlich:

EEM 09.12.14

Und wir sehen im High Yield ETF JNK - der ein hervorragender Gratmesser für Stress im Kreditmarkt ist und den ich deshalb als "Junk-Indikator" benutze, dass dieser ein neues Verlaufstief generiert hat:

JNK 09.12.14

In Summe sendet die Price-Action also klare Signale, dass die oben verlinkte Story zu einer Kreditkrise in den Emerging Marktes - von medialen Übertreibungen abgesehen - durchaus Hand und Fuss hat.

Kann man daraus nun zwingend ableiten, dass diese Krise in 2015 so kommt?
Nein, denn letztlich hängt alles vom Dollar und vom Ölpreis ab.

Und ich habe den Mitgliedern ja zuletzt anhand des US Dollar Index mehrfach dargestellt, dass hier nun eine sehr gute Chance auf eine zumindest temporäre Wende besteht, die mit temporärer Dollar Schwäche einher geht. Hier ist das Chart erneut:

US Dollar Index

Und auch der Ölpreis ist so überdehnt, dass ein Snapper in die Gegenrichtung mehr als überfällig ist:

WTI 09.12.14

Insofern könnte dieser Artikel der Welt kurzfristig wieder den Punkt markieren, an dem eine Entwicklung im Mainstream ankommt und daher an den Börsen schon weitgehend verfrühstückt ist.

Trotzdem, nach einer recht wahrscheinlichen, temporären Gegenbewegung, bestehen im 2015 hinein gute Chancen, dass sich die Dollarstärke und die Ölpreisschwäche fortsetzt. Und dann spricht wirklich Einiges für eine Kreditkrise in einigen Emerging Marktes. Das Risiko ist also real und der Junk Indikator lügt hier nicht.

Ich sagte schon mehrfach im Mitglieder-Bereich, so sehr ich aktuell zum Jahresende mitnehme was geht, werde ich aber zum Jahreswechsel hin erst einmal abbauen und mit eher vorsichtiger Aufstellung in 2015 hinein gehen.

Denn die Erinnerung an den Jahreswechsel 2007/2008 sitzt mir noch im Nacken und ich sehe in Betrachtung des grossen Bildes keinen Grund, zu optimistisch und vor allem blauäugig in 2015 zu gehen - der Markt darf mich dann ja gerne vom Gegenteil überzeugen.

Und Börse - wie Geschichte - wiederholt sich zwar nicht, sie reimt sich aber manchmal. Deshalb hier das Chart des Jahreswechsels 2007/2008 zur Erbauung: 😉

S&P500 2007

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Der Junk Indikator und die Korrektur in DAX und S&P500

Treue Leser des freien Teils von surveybuilder.info erinnern sich sicher, dass ich Ihnen Ende letzten Jahres im Artikel -> Die Märkte und der Junk Indikator <- einen Indikator vorgestellt habe um zu schauen, ob es sich bei einer Korrektur um eine ernst zu nehmende Korrektur handelt, in der es systemische Ängste gibt, oder nur um eine rein technische Verschnaufpause im Aufwärtstrend.

Bitte lesen Sie diesen obigen Artikel noch einmal, denn ich werde hier nicht erneut erklären, worum es bei dem Junk-Indikator geht. Ich werde nun mit Ihnen aber mal im Lichte der laufenden Korrektur schauen, ob sich dieser bewährt hat.

Nun, deutlich vor der Korrektur, am 18.07., konnte ich mit den Premium-Mitgliedern in Hari Live den folgenden Kommentar teilen:

Freitag 18.07.14 11:05 - Junk Indikator sendet erstes Warnsignal

Treue Leser kennen meinen Artikel vom "Junk-Indikator" von Ende letzten Jahres. Und wenn Sie den Artikel nicht kennen, sollten Sie ihn nun unbedingt lesen: -> Die Märkte und der Junk-Indikator <-

Dieser Indikator beruht auf dem US ETF "JNK" (), der hochprozentige Hochrisiko-Anleihen in sich vereint. Die Logik dahinter vermittelt der obige Beitrag.

Dieser Indikator hat das ganze erste Halbjahr nie ein Warnsignal gesendet und der ETF JNK befand sich in einer beständigen Aufwärtsbewegung. Das war ja auch die richtige Sicht auf die Märkte, die nun in der Nähe historischer Höchststände stehen.

Leider hat sich das nun seit Anfang Juli geändert:

JNK 18.07.14

Der Einbruch ist deutlich sichtbar. Im grösseren Bild ist da immer noch nichts Weltbewegendes passiert, aber es ist eben ein erstes kleines Warnsignal, dass sich die Grosswetterlage ändern könnte und Risiken wieder mehr in den Fokus des Marktes geraten. Erneut, eine Schneeflocke macht noch keinen Börsenwinter, aber übersehen sollten wir die ersten Schneeflocken auch nicht.

Sie sehen, der Indikator hat rechtzeitig angeschlagen und gezeigt, dass sich hier nun Sorgen im Sinne "Risk Off" im System breit machen. Kein Wunder, denn das wovor sich der Markt letzten Juni/Juli gefürchtet hat, ist nun Realität geworden. Das Tapering läuft und der Stimulus der FED ist bald Geschichte.

Nun richtet sich der Blick des Marktes auf die Zinserwartungen, die gerade im Junk Indikator ihren Niederschlag finden. Und alles schaut ängstlich, ob und wann die FED die Leitzinsen zum ersten Mal seit langer Zeit wieder erhöhen wird.

Nun haben wir also die Korrektur und wir haben eine massive Unterperformance des DAX, die in hohem Masse mit Abflüssen von institutionellem US Kapital aus dem Euro und damit auch dem DAX zu tun haben dürfte. Und das ist doch ein Grund, mal wieder zu schauen, was uns der Junk Indikator sagt. Gestern Abend habe ich das wieder in Hari Live getan und hier ist das Ergebnis:

Montag 04.08.14 19:15 - Junk Indikator

Ich habe ja schon oft über den "Junk Indikator" geschrieben, mit dem man einen Blick auf die hochriskanten High Yield Anlagen nimmt um zu erkennen, ob eine Korrektur des Marktes "systemisch" ist, sprich es grundlegende Ängste und Umschichtungen gibt, oder ob es sich nur um eine unkritische, rein technisch bedingte Konsolidierung im Aufwärtstrend handelt.

Nun, die Aussage des Charts ist eindeutig:

JNK 04.08.14 2

Erstens einmal, ist das der erste ernst zu nehmende Einschlag, seit dem Juni letzten Sommers. Und damals hatte Ben Bernanke die falschen Sachen gesagt und den Markt in Unsicherheit um die zukünftige FED Politik gestürzt. Schnell im Juli hat Big Ben das dann damals wieder eingeholt und danach normalisierte sich alles. Alle kleinen Rücksetzer seit dem Sommer 2013, signalisierten im JNK keine Gefahr und waren am Ende auch keine Gefahr. Nun haben wir eindeutig wieder ein Gefahrensignal.

Zweitens, zeigt der Vergleich mit dem Einbruch letzten Juni, wo wir potentiell in der Entwicklung stehen. Die beiden blauen Rechtecke könnten an der gleichen Stelle der Entwicklung sein.

In Summe sagt der Indikator also ganz klar, dass diese Korrektur sehr ernst zu nehmen ist und das eine zweite Absturzphase nach einer temporären Stabilisierung eine gute Eintrittswahrscheinlichkeit hat.

Bleiben wir also in unserer "Komfortposition" in unseren Depots und strecken nicht zu früh die Köpfe heraus, nicht dass diese dann sofort wie Champignons abgeschnitten werden .... 😉

Dem ist wohl nicht viel hinzu zu führen. Nun ist auch der Junk Indikator kein Allheilmittel, er reagiert halt sehr schnell auf systemischen Stress, der zu einer "Risk Off" Haltung führt. Denn dann werden solche wackeligen Junk-Bonds als erstes abgestossen.

Der Junk Indikator hat aber natürlich ebenso keine Glaskugel, wie alle anderen Indikatoren auch und er kann schon gar keine exogenen Events wie Kriege usw vorher sehen. Und wenn die FED theoretisch morgen ihren Richtung ändern würde, kann auch das der Indikator nicht erahnen, wie denn auch?

Er kann uns aber sagen, wie sehr sich der Markt um diese Themen sorgt und das alleine ist eine wichtige Botschaft, die uns bei der Analyse von Bewegungen sehr helfen kann.

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