FED und EZB haben fertig!

Oder wäre im Sinne von Trapattonis berühmter Wutrede, vielleicht "Was erlauben Mario?" der bessere Titel gewesen? 😉

Ernsthaft, wenn man es vom medialen Standpunkt der Wiederholung und Neuigkeit betrachtet, ist das "Notenbank-Bashing" ja eigentlich langweilig, weil es wurde fast alles schon so oft gesagt.

Wir leben ja aber nicht nur in einer medialen, virtuellen Welt, sondern auch in einer ganz realen, in der es um unseren Wohlstand, unser Land, unsere Kultur, unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder geht.

Und dafür lohnt es sich zu kämpfen und deshalb müssen wir in dieser realen Welt, so lange penetrant auf etwas herum reiten, bis es sich unter der Last der tausend Nadelstiche und des öffentlichen Drucks, dann doch ändert.

Und deswegen schreibe ich schon wieder zu den Notenbanken, denn die haben mir in den letzten beiden Tagen bewiesen, dass sie "fertig haben" und am Ende ihrer "Alchemie" angekommen sind.

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Biotech Sektor in fortdauernder Konsolidierung

Der folgende kurze Hinweis, erschien Mittwoch 16.07.14 16:55 in Hari Live.

Zum Thema Biotech wissen Sie ja, dass ich schon länger etwas skeptisch bin, ob die Gegenbewegung nach der Korrektur von März/April diesen Jahres, nun wirklich zu einer Fortsetzung des Aufwärtstrends führt.

Nun sieht es fast so aus, als ob meine Zweifel berechtigt waren, denn wir scheinen nun ein niedrigeres Hoch im Sektor ETF IBB zu haben. Und heute ist der IBB trotz eines starken Gesamtmarktes wieder im Minus. Auch das ein Signal.

Zu allem Überfluss hat ja die gute Janet Yellen gestern ganz konkret Überbewertungen in dem Sektor angemahnt, auch das zieht natürlich Gewinnmitnahmen nach sich.

Schaut man auf das Chart des IBB, muss das nun aber nicht zwingend zu einer zweiten, massiven Korrektur führen. Eher noch wahrscheinlicher finde ich eine fortdauernde Konsolidierung des Sektors, wie ich sie hier im Chart andeute:

IBB 16.07.14

Auf jeden Fall sollten wir im Sektor nun nicht zu optimistisch sein und müssen uns wohl auf einige schwierigere Wochen und Monate einrichten. An der langfristig grundlegend positiven Perspektive, ändert das nach meiner Ansicht aber gar nichts.

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Schaukelbörse bei DAX, S&P500 und Co. – Und täglich grüsst das Murmeltier

Dieser Filmtitel ist wirklich passend für das, was uns der Markt derzeit bietet. Wir erleben eine richtungslose Schaukelbörse, die jeden zerreibt, der nicht das tut, was wir hier im Premium-Bereich seit Wochen besprochen haben:

Mehr Cash aufbauen, Risiken abbauen, eher weniger statt mehr am Markt machen und Geduld haben. Und gelassen auf die kommenden Chancen warten.

Neben unserem monetären Kapital, ist unser psychisches, emotionales Kapital mindestens ebenso wichtig und auch das muss man in so Phasen bewahren und schützen. Erfolg an der Börse hat eben nichts mit Entertainment zu tun, sondern ist harte Arbeit. Und wenn der Markt selber nicht weiss, was er will, haben wir daher in ihm auch nichts verloren, wir reiben uns ansonsten nur psychisch auf.

Auf jeden Fall hatte der Markt diese Woche zwei! perfekte Gelegenheiten für einen Ausbruch. Yellens Rede am Dienstag einerseits und Draghis Rede am Donnerstag andererseits.

Und in beiden Fällen hatte der Markt im Vorfeld perfekt alles zurecht gelegt und sich in die Startlöcher begeben, um den Ausbruch vollziehen zu können. Und in beiden Fällen haben die Notenbanker dann sogar geliefert, in dem sie Sätze sagten, die der Markt liebt.

Besonders lustig war diese Abhängigkeit des Marktes von den Lippenbewegungen der Notenbanker, gestern während Draghis Rede zu bewundern. Da können die Notenbank-Gläubigen zwischen 14:30 Uhr und 14:50 Uhr nur sagen: "Der Draghi hats genommen, der Draghi hats gegeben, gelobt sei der Draghi" 😉

DAX Future 08.05.14

Und in beiden Fällen, trotz freundlicher Worte von FED Chefin Janet Yellen wie EZB Chef Mario Draghi, scheiterte trotzdem der Ausbruch, den die Märkte sich schon zurecht gelegt hatten.

Was sagt uns das, wenn selbst die Lippen der Notenbanker, den Markt nicht mehr nach oben treiben können ?

Im S&P500 können wir den Verlauf der aktuellen Woche mit all seinen sinnlosen Zuckungen bewundern. Wir bleiben weiter, wo wir seit Wochen sind: in einer engen Tradingrange gefangen.

S&P500 09.05.14

Umgedreht aber - und das ist sehr bemerkenswert - ist aber Abgabedruck nach unten, in den grossen Indizes wie S&P500 oder DAX nahezu nicht existent und das liegt daran, dass zwar jede Menge Geld aus heiss gelaufenene Momentum-Aktien abfliesst, dieses Kapital aber sofort wieder in defensivere Bluechips hinein fliesst. So bewegen sich die Indizes kaum und der Markt bleibt in einer sehr engen, frustrierenden Trading-Range.

Dabei hatten wir in den letzten Wochen wirklich genügend Katalysatoren, die für eine Korrektur gut gewesen wären. Eine FED, die die monetären Zügel anzieht. Eine EZB, die tatenlos einem zu teuren Euro zuschaut. Ein China, das miese Wirtschaftsdaten liefert. Eine Währungskrise in den Emerging Markets und last but not least, geopolitische Risiken in der "South China Sea" im Pazifik und natürlich die Geschehnisse rund um die Ukraine.

Und all das hat der Markt nahe der Höchststände verdaut, ohne zu einer ernsthaften Korrektur anzusetzen. Auch das sollte uns unbedingt etwas sagen.

Festzuhalten ist daher, dass die aktuelle Distribution des Kapitals von Momentum-Titeln in solide Aktien erneut beweist, dass Aktien in der "schönen neuen Welt" der finanziellen Repression einfach alternativlos sind. Gäbe es eine attraktive Anlage-Alternative, wäre das derzeit aus den Momentum-Titeln abfliessende Kapital dort hin geflossen und nicht in andere Bereiche des Aktienmärkte. Und dann hätten wir schon längst die Korrektur gehabt, die in Anbetracht der Gesamtlage, inklusive der geopolitischen Risiken, schon seit März auf der Agenda stand.

Wir hatten diese Korrektur aber nicht und auch wenn sie immer noch im Mai oder Juni kommen kann, muss man im grossen Bild doch konstatieren, dass gute Chancen für die Märkte bestehen, nach dieser Konsolidierung bzw Korrektur weiter nach oben zu laufen.

Schaut man auf die Positionierungen vieler Profis, wie Sie sich zum Beispiel in der zeigen, wird offensichtlich, dass viele sich schon für eine Korrektur ausreichend positioniert haben. Wie übrigens auch wir hier im Premium-Bereich, nun eine weit defensivere und abwartendere Aufstellung haben, als noch 2013. Und das ist gut so !

Aber weil viele auf die Korrektur warten - und auch ich fände es toll, bestimmte Aktien 20% tiefer einsammeln zu können, denn auch ich habe nun freien Cash - ist es fraglich, ob sie noch kommt. Am Ende werden die Märkte nämlich in der aktuellen Phase dominant von Liquidität bewegt und nicht von Wirtschaftsdaten. Die ganzen guten Wirtschaftsdaten nutzen nichts, wenn die Liquidität austrocknet und damit kein Geld da ist, um zu investieren. Umgedreht verhindern schlechte Wirtschaftsdaten keine steigenden Kurse, wenn der Liquiditätsdruck so hoch ist, dass das Geld einfach irgendwo hin muss.

Wirtschaftsdaten sind dann der dominante Faktor an den Aktien-Märkten, wenn die Liquidität halbwegs gleichbleibend ist und es für das Kapital rentable Alternativen zu Aktien gibt. Im Normalfall also, treiben Wirtschaftsdaten die Märkte. Dann wird nur gekauft, was wirklich "gut" ist. Wenn es aber keine Alternativen gibt und das Geld unbedingt investiert werden muss, weil es ansonsten auf dem Konto sicher an Wert verliert - und das ist derzeit die durch die Notenbanken erzwungene Lage - dann geht es nicht mehr darum, zu kaufen was "gut" ist, sondern nur noch darum das zu kaufen, was von allen teuren Aktien noch am wenigsten teuer ist. Und das ist ein erheblicher Unterschied.

Das ist nach meinem Eindruck das, was derzeit an den Märkten passiert. Weswegen es sich durchaus lohnen kann, nun nach Nachzüglern und zurück gebliebenen Sektoren Ausschau zu halten. Und weswegen es nach dieser aktuellen Konsolidierung - oder vielleicht sogar noch Korrektur - in der zweiten Jahreshälfte durchaus gute Chancen für weiter steigende Kurse gibt.

Zumindest solange, wie die Notenbanken die aktuelle Politik der finanziellen Repression nicht beenden. Und das werden die Notenbanken schon aus einem ebenso einfachen, wie überzeugenden Grund nicht tun können: mit einem "normalen", höheren Zinsniveau, würde die westliche Welt - inklusive Deutschland - schnell unter der Zinslast zusammen brechen.

Bis dahin, bis die Märkte wieder eine klare Tendenz zeigen, sollten wir aber unsere physisches wie emotionales Kapital bewahren und eher weniger als mehr am Markt machen und den mal alleine vor sich hin zucken lassen.

Glauben Sie mir, der Markt ist auch in ein paar Wochen oder Monaten noch da, der läuft nicht weg. Und wenn wir ein paar spastische Zuckungen von Mr. Market mal zu ignorieren lernen, schadet das unseren Depots auch nicht. Die besten Anleger und Trader zeichnet gerade aus zu wissen, wann sie an die Seitenlinie gehören, um dem Spiel nur zuzuschauen. Und wann sie wieder Risiken eingehen können, weil es sich im Verhältnis von Chance zu Risiko lohnt. Diese Fähigkeit müssen Sie sich unbedingt erwerben, wenn Sie dauerhaft an den Märkten Erfolg haben wollen.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

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Wird der DAX langsam müde ? Der Krim-Krimi und die Folgen

Wird der DAX langsam müde ? Der Krim-Krimi und die Folgen

Ein Gastkommentar von Tokay

Die letzten Tage und Wochen waren auf den Aktienmärkten von großer Unruhe geprägt, insbesondere der deutsche Aktienmarkt, insbesondere der DAX. Das war natürlich zu einem guten Teil bedingt durch die Großwetterlage im Osten, auf der Krim, in Russland, in der Ukraine. Die dortigen Entwicklungen ließen Befürchtungen hochkommen bezüglich eines neuen kalten Krieges.

Wir scheinen uns an einem Scheideweg der internationalen Politik zu befinden, wofür die Krim schon einmal der historische Ort war. Auch befinden wir uns im historischen Jahr 2014, in welchem sich der Erste Weltkrieg zum hundertsten Male jährt. Dass es zu einem solchen kommen würde, hatten die Zeitgenossen zwar befürchtet, aber nicht im Ernst für möglich gehalten . Auch dass Russland so ohne weiteres die Krim annektieren würde, hat man nicht für möglich gehalten. Man sollte die Parallelen nicht zu weit treiben, doch sieht man nur zu deutlich, dass eine nicht ausbalancierte Ausgangslage in der internationalen Politik eine hohe Dynamik in sich birgt. Wohin gehört die Ukraine? Zur EU ? Zu Russland? Es ist die Aufgabe kluger Politik, diese Dynamik entweichen zu lassen. Das wird allerdings nicht von heute auf morgen geschehen können.

Heftig hat der DAX auf die Ereignisse reagiert: Er brach in Folge der Krim-Krise kräftig ein, konnte sich zwischenzeitlich jedoch wieder etwas fangen. Doch hat in Folge der Krise die Nervosität auf dem Markt zugenommen.

Betrachten wir die Entwicklung des DAX seit 2009:

DAX 01.02.2009 bis heute

Die Krim-Krise hat letztlich dafür gesorgt, daß der langfristige Aufwärtstrend ABC des DAX ramponiert wurde. Ist er damit beendet? Es ist noch zu früh, das zu beurteilen. Denn nachhaltig wurde die Trendlinie bisher ja nicht gebrochen. Sollte es dynamisch unter die Aufwärtstrendlinie ABC gehen, oder gar unter die „innere Linie“(fein gestrichelt) dann wäre dies eindeutig der Fall. Soweit ist es aber vorerst noch nicht.

Wichtiger ist die Frage ob die obere Begrenzungslinie DEF touchiert oder überschritten werden kann. Wenn ja, könnte man die Abwärtsszenarien ad acta legen. Aber wehe, ein allfälliger Aufwärtstrend prallte an dieser Linie ab – dann könnte sich eine erhebliche Abwärtsdynamik entfalten, die erst eine „Etage“ tiefer zum Stillstand kommen könnte.

Man wundert sich natürlich etwas, weshalb so „ein bisschen“ Krim einen derartigen Einfluss ausüben kann. Die fundamentalen Bestimmungsfaktoren sind ja weiterhin nicht ungünstig. Und auf den Gang der Finanzmärkte hat Janet Yellen bestimmt erheblich mehr Einfluss als Wladimir Putin. In seiner ersten Sitzung unter Yellen hat das oberste Fed-Gremium beschlossen, die Anleihekäufe weiter wie geplant zurückzufahren. Das ist eigentlich eine gute Nachricht, denn mit anziehender Konjunktur ist eine monetäre Alimentierung der wirtschaftlichen Entwicklung nicht mehr erforderlich, zumal ja einige Fehlanreize gesetzt werden. Auch dokumentiert dies die Stetigkeit der Fed-Politik. Allerdings muss die Gewinnentwicklung dann halten, was die Gewinnerwartungen heute einpreisen, denn sonst stünde die Hausseentwicklung ernsthaft zur Disposition.

Wir wissen, dass für die Entwicklung der europäischen Indizes und damit auch des DAX die US-Börsen ein wesentlicher Bestimmungsfaktor sind. Wie sieht es hier also aus? Beginnen wir mit dem großen Leitindex, dem S&P 500:

SuP 500 2009 bis heute

Wir erkennen hier eine beeindruckende Aufwärtsentwicklung entlang der Linie ABC. Diese Linie ist in 2013 praktisch nie ernsthaft getestet worden. Schwächephasen wurden immer energisch gekauft. Die höher verlaufende „innere Linie“(fein gestrichelt, sie entspricht der exponentiellen Trendfunktion, also dem mittleren Trend) ist flacher, sie wird bei Fortschreibung der jetzigen Entwicklung die ABC-Linie gegen Ende 2014 schneiden(Punkt P). Ein baldiges Ende der Hausse ist also per heute nicht zu erkennen.

Und was macht die Hightechbörse NASDAQ, die im Ruf steht, empfindlicher zu reagieren, als der Marktdurchschnitt?

Nasdaq Composite 2009 bis heute

Hier ist der Aufwärtstrend noch weniger in Gefahr. Seit Beginn 2009 hat sich das Kursniveau fast verdreifacht und die heutigen Kurse kommen nicht auch nur ansatzweise in die Nähe der unteren Begrenzungslinie ABC. Erst bei einem Unterschreiten eines Kurslevels von 3870 Punkten wäre Gefahr im Verzug. Die untere Begrenzungslinie verläuft jedoch praktisch parallel zur „inneren Linie“; ein Unterschreiten der Untergrenze des Aufwärtstrend geschähe aus quasi heiterem Himmel.

Trotz alledem hinterlässt die Analyse den Betrachter mit gemischten Gefühlen. Die Aufwärtsentwicklung am deutschen Markt dauerte lange und sie war sehr dynamisch. Es ist nahezu zwangsläufig, dass eine solche Entwicklung nicht ewig dauern kann. Die internationalen Anleger sehen das auch so, sie wenden sich vermehrt anderen europäischen Märkten zu, wie die Kursverläufe im Zuge der Krim-Krise deutlich aufgezeigt haben. Der DAX wird also langsam müde, der Anleger indes sollte hellwach bleiben!

Tokay

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S&P500 und Gold an der Yellen – Wegscheide

Die schriftliche Fassung der viel beachteten ersten Rede von Janet Yellen als FED Chefin, ist während ich dieses um 14.40 Uhr schreibe, im Markt angekommen und bringt nicht wirklich Überraschendes. Natürlich bestätigt sie, dass Yellen die Politik von Ben Bernanke fortsetzen wird, immerhin hat sie diese ja massgeblich mitgestaltet. Was für eine Überraschung. 😉

Um 16 Uhr heute folgt dann eine Fragestunde mit den Abgeordneten und der Markt wird dort auf überraschende Halbsätze lauschen, aber ich rechne auch da nicht mit inhaltlichen Überraschungen, zu sehr dürfte Yellen darauf achten, bei ihrer bekannten Linie zu bleiben.

So kommt es mehr darauf an, was der Mark daraus macht und der hat mit einer Vorfreuden-Rally heute vor Eröffnung der Wallstreet schon gezeigt, woran er denkt. Nämlich dass Yellen die Politik des leichten Geldes nicht nur fortsetzt, sondern entsprechend dem ihr vorauseilenden Ruf sogar ausdehnt. Insofern setzt nun leichte Enttäuschung ein, nachdem in Yellens Testimonial nichts Neues zu finden ist.

Damit stehen die Märkte nun an einer ganz entscheidenden Wegscheide, nach dem ca. 50% des vorherigen Einbruches wett gemacht wurden. Und es ist beides möglich, neue Höchststände und ein V-förmiges Reversal ala 2013 ebenso, wie ein tieferes Hoch und der Beginn einer grundlegenden Topbilding.

Insofern müssen wir nun ganz genau hinschauen, was die Märkte heute nach 16 Uhr bis zum Handelsschluss der Wallstreet machen. Mit zwei Charts will ich Ihnen kurz zeigen, worum es geht.

Der S&P500 notiert vorbörslich über 1800 und dürfte nun bald die Entscheidung treffen, welches der beiden eingezeichneten Szenarien uns bevor steht. Ich kann nur dazu raten, diese Entscheidung abzuwarten, sie ist - zumindest für mich - nicht antizipierbar.

S&P500 11.02.14

Und Gold hat in Vorfreude auf Yellen nun den Deckel des wichtigen Widerstandes weggehauen und gleichzeitig die fallende Trendlinie gebrochen.

Gold 11.02.14

Gold hat damit gute Chancen bis in die Region von 1350 USD zu laufen, wenn - ja wenn - Gold jetzt nicht sofort heute Nachmittag wieder unter den entscheidenden Widerstand zurück fällt und das Ganze damit zu einem "Fakeout" macht. Dieses Urteil steht noch aus.

Insofern ist heute besondere Aufmerksamkeit geboten. Das Marktverhalten heute und morgen hat das Potential, den Ton und die Trends der kommenden Wochen zu bestimmen.

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S&P500 auf historischem Hoch – Ein gnadenloser Markt auf Steroiden

Naja ... da war die Seitenlinie nicht mal 24 Stunden ein guter Ort. Mal wieder.

Sah es noch am gestrigen frühen Nachmittag sehr danach aus, als würde der Markt in den überfälligen Korrekturmodus wechseln, änderten mal wieder Lippenbewegungen eines Notenbankers mit einem Schlag alles.

Am frühen Nachmittag kamen Gerüchte in den Markt, dass das für heute angesetzte Testimonial der neuen FED Chefin Janet Yellen vor dem US Senat schon draussen sei, einige Marktteilnehmer den Inhalt kennen würden und der Inhalt ein klares Bekenntnis für eine weitere lockere und stimulierende Geldpolitik sei.

Das war das Signal, auf das die Bullen gewartet hatten und mit einem Schlag drehte der Markt die Richtung, die Algos schalteten ein und es ging bis zum Schluß nur noch aufwärts.

Zum Handelsschluss wurde dann auch mit 1782 ein neues All-Time-High im S&P500 erreicht. Und nach Handelsschluss wurde das Gerücht bestätigt, denn wurde vorab veröffentlicht und einige der "Big Boys" kannten es offensichtlich schon. Wer hat je gesagt, dass es am Markt fair zugehen würde ?

Mit diesem neuen All-Time-High ist die eigentlich bedeutende Korrektur von letzten Donnerstag endgültig irrelevant. Und damit ist auch der Boden für die Jahresendrally bereitet. Die 1800 im S&P500 dürften schnell auf der Agenda stehen und auch darüber hinaus, sind die glatten Marken DAX 10.000 und S&P500 2.000 keineswegs aus der Welt und unmöglich. Je näher der Markt diesen Marken kommt, desto stärker werden sie auch ihre magnetische Anziehungswirkung auf die Psychologie und die Kurse entfalten.

Um sich vor Augen zu führen, wie unwirklich das Geschehen dieses Jahres ist, muss man nur feststellen, dass der S&P500 nun ein ganzes Jahr lang - seit November 2012 - deutlich über seiner 200-Tage-Linie liegt, nie eine ernsthafte Korrektur hatte und nun neue historische Hochs erreicht hat. Und das nicht etwa in einem wirtschaftlichen Umfeld, in dem die Weltwirtschaft boomt - nein, sondern bei bestenfalls anämischer Weltkonjunktur und permanenten und berechtigten Ängsten vor einer Deflation.

Da gehört wirklich keine besondere ökonomische Ausbildung dazu, um zu erkennen, dass hier die Notenbanken den Unterschied machen - das diese Rally eine Rally auf monetären "Steroiden" ist und nicht vollständig von den ökonomischen Realitäten getragen wird.

Das macht es auch dieses Jahr für so viele institutionelle Anleger so schwierig, mit dem Markt mitzuhalten oder diesen sogar zu schlagen. Verständnis von ökonomischen Zusammenhängen ist in diesem Markt eher hinderlich um mitzugehen und der Affe, der grinsend einfach seine Wetten erhöht und jeden Dip gnadenlos kauft, weil er nur grün sieht und kein Morgen kennt, hätte die besten Ergebnisse produziert. Denn die berechtigte Vorsicht an den typischen Stellen die nach Korrektur schreien - wie zuletzt in den vergangenen Tagen - wurde dieses Jahr nie belohnt, sondern immer durch eine monetär gedopte Bullenherde bestraft, die alles niedertrampelt, was sich ihr in den Weg stellt.

Sehr viele institutionelle Anlager kämpfen daher dieses Jahr mit dem Markt und können nicht mithalten. Und so pervers das ist, das erhöht die Chancen für eine Fortsetzung der Rally ins Jahresende, denn wenn die ihren Bonus wollen und ihre Kunden behalten wollen, müssen sie um jeden Preis gegenüber dem Markt aufholen. Und das geht nur, in dem jeder Dip einfach gnadenlos gekauft wird.

Gesund muss man das Geschehen nicht finden. Und eine solche Bewegung hinterlässt bei erfahrenen Marktbeobachtern eher ein schlechtes Gefühl auf der Zunge. Im Jahr eins nach einem Einbruch - wie 2009 - ist eine solche Bewegung durchaus normal und kann ohne Hintergedanken mitgegangen werden. Nicht aber im Jahr 5 der Aufwärtsbewegung - da muss man schon Affe sein, um keine Zweifel zu haben.

Trotzdem muss ich dringend davor warnen, sich gegen diesen Markt zu stellen. Das kann so weiter gehen. Ja, das kann sogar in 2014 so weiter gehen. Und wie ich oben schon sagte, sind DAX 10.000 und S&P500 2.000 keineswegs so weit aus der Welt. Stellen Sie sich doch nur mal vor, in diesem Environment würde die Weltkonjunktur nun wirklich mit Macht anziehen und Yellen, Draghi und Co. trotzdem drucken und drucken und weiter Liquidität in das Grossbankensystem schieben.

Insofern muss man immer mit einer gewissen Grundskepsis beobachten, ab wann der Trend gebrochen ist und diese Trendlinien immer im Auge behalten. Aber Handeln darf man nach dieser Skepsis nicht. Solange diese Trendlinien halten - und das tun sie nun schon seit einem Jahr - wird das Geld auf der Long-Seite des Marktes verdient. Und nirgendwo sonst.

Es ist nach wie vor keine schlechte Idee, an der oberen Begrenzung des Trendkanals auch mal auf die Seitenlinie zu treten, auch wenn es dieses mal nicht funktioniert hat. Aber Shorten darf man diesen Markt erst dann, wenn er wirklich einbricht und davon sind wir meilenweit entfernt. Und man darf auf der Seitenlinie auch nie vergessen, die Dips dann wieder konsequent zu kaufen.

Ob wir diesen Markt gut oder schlecht finden, ist ohne Belang. Ob wir uns Sorgen um einen plötzlichen Einbruch machen, auch. Alles was zählt, ist was der Markt real tut. Und das ist immer noch : steigen !

Ihr Hari

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Eine dramatische Börsenwoche – Teil 2: To Taper or not to Taper

Der für die Börsen wichtigste Moment der Woche dürfte der Mittwoch Abend sein. Um 20 Uhr kommt die FOMC Aussage, in der die Entscheidung zum potentiellen Tapering enthalten sein dürfte. Ab voraussichtlich 20.30 Uhr spricht dann Ben Bernanke in einer Pressekonferenz und zuletzt waren immer das die Momente gewesen, in denen ein paar Worte den Markt massiv bewegt haben.

Richten Sie sich als am Mittwoch Abend auf sehr hektische und volatile Bewegungen ein. Denn die Märkte wissen, dass die Reaktion auf den FED Entscheid mit hoher Wahrscheinlichkeit den Ton der Märkte zum Jahresende bestimmen wird.

Der Marktkonsens ist dabei ein "Alibi-Tapering" von 10-15 Milliarden USD. So dass am Ende immer noch ein gewaltiger monatlicher Stimulus von 70-75 Milliarden USD übrig bleibt. Kommt die Aussage so wie erwartet, werden die Märkte wohl zunächst leicht positiv - weil erleichtert - reagieren.

Überraschende Abweichungen von diesem erwarteten Alibi-Tapering, werden dagegen zu erheblichen Ausschlägen führen. Denn damit rechnet schon deshalb niemand, weil alle davon ausgehen, dass Bernanke seinem(r) Nachfolger(in) nicht die Politik präjudizieren will.

Bei der Frage wie der Markt auf diese Abweichungen reagiert, gibt es aber einen Konsens, der in meinen Augen verfehlt ist. Dieses Missverständnis findet sich auch in den immer wieder zu hörenden Annahmen wieder, dass die Liquiditätsversorgung der Notenbanken unmittelbar zu Inflation führen müsste und deshalb auch Gold stützen müsste. Erst recht verfehlt sind aber die platten Behauptungen der Gegenseite, dass die Tatsache, dass wir nun seit Jahren keine relevante Inflation haben, der Beweis sei, dass die Notenbankpolitik nicht inflationär wirke.

Denn völlig übersehen wird dabei die Funktion der Banken als Intermediäre zwischen der Notenbank und der realen Wirtschaft. Es ist schon richtig, eine deutliche Erhöhung der Geldmenge führt früher oder später zur Inflation - das aber nur, wenn die Geldmenge auch den Wirtschaftskreislauf erreicht. Genau das passiert aber nicht, denn die Multimilliarden der Notenbanken versickern (noch) primär in den Bilanzen der Grossbanken und werden eben nicht an die Realwirtschaft ausgereicht. Erst wenn sich das ändert, wird aus der Geldmenge auch Inflation entstehen. Und da die Banken beim richtigen Katalysator ihre Politik auch schnell umstellen werden, kann diese inflationäre Entwicklung auch ganz schnell kommen.

In dem komplexen Spiel der Refinanzierung der Banken, spielt Gold dabei die Rolle eines "Collateral" (eines Pfands bzw. einer Sicherheit). Ich kann jetzt aus Platzgründen hier nicht im Detail aufdröseln, wie bei den Grossbanken die Bewegungen in den Bilanzen aussehen und ich will auch auf keinen Fall behaupten, dass ich das alles verstehe. Wer tut das schon ? 😉 Aber ich habe ein paar Vermutungen und gedankliche Modelle, ohne sie beweisen zu können, zumal Bank sicher nicht gleich Bank ist. Und wenn Sie wissen wollen, in welche Richtung die gehen, dann sollten Sie diesen brillianten Blog Beitrag lesen, den ich den Premium-Mitgliedern schon am Sonntag gezeigt habe. Lesen Sie auch die voran gegangenen Beiträge mal, wobei die Beiträge schon hohe Anforderungen an das Verständnis stellen und nicht für jedermann geeignet sind.

Etwas pauschal zusammen gefasst kann man also sagen: Ein starkes Tapering am Mittwoch wäre möglicherweise eher gut für Gold. Also invers zu dem, was man gemeinhin erwarten würde. Dass das so ist, können Sie auch nachvollziehen, wenn Sie sich in den letzten Jahren anschauen, was wann in Folge der QEs stieg und welche Assets gefallen sind. Und was sich nun geändert hat.

Auch heute früh konnten Sie den inversen Zusammenhang schon beobachten. Der Goldpreis war auf dem Weg nach oben, als die Nachricht vom Rückzug Summers als FED Chef kam. Damit wird Yellen wahrscheinlicher, die den Weg Bernankes nach Meinung der Märkte noch aggressiver fortsetzen würde. In Folge schiessen die Indizes nach oben und der Goldpreis verliert seine temporäre Stärke wieder.

Was ich Ihnen mit diesem Beispiel sagen will ist, dass die Dinge nicht so simpel sind, wie sie von all denen verkauft werden, die die Rolle der Banken als zentrale Drehscheibe der Geldversorgung nicht verstehen. Der Markt wird defacto im Grossbankensystem gemacht und das ist seit Lehman nicht besser und transparenter, sondern noch schlimmer und mächtiger geworden. Glauben Sie mir, ich gehöre zu denen, die am meisten an der Unfähigkeit unserer Politik verzweifeln, dieses Geschwür endlich aus dem Körper der Welt heraus zu schneiden. Siehe auch mein Beitrag zur Legende von der "bösen" Spekulation.

Wichtig ist also weniger, wie viel Geld die FED in den Markt kippt. Wichtig ist, was die Grossbanken in ihren Bilanzen und in ihrer Geschäftspolitik daraus machen. Und das Ergebnis dieses Umformungsprozesses durch das Bankensystem erreicht dann die Realwirtschaft und die Finanzmärkte. Und bewegt dort die Kurse. Das ist die traurige Realität. Gelernt hat die Politik aus Lehman nichts, die unheilige Allianz und gegenseitige Abhängigkeit zwischen den Staaten und der Grossfinanz, die die Staatsanleihen erwirbt und damit die Staaten finanziert, ist durch die Politik der Notenbanken eher noch stärker geworden. Und es war genau diese unheilige Allianz zwischen Politik und Bankensystem - in dem Fall zum Thema Hypothekenkredite - die die Krise 2008 erst aufgebaut hat.

Richten Sie sich also am Mittwoch auf ein paar Überraschungen ein, die Dinge sind nicht so wie es oberflächlich scheint. Und wenn Sie wie ich die Hoffnung haben, irgendwann mal wieder "freie Märkte" zu erleben und endlich ein Ende dieses Marktes auf Steroiden zu erleben, dann müssen Sie wie ich auf ein grosses Tapering hoffen. Denn auch wenn es kurzfristig dann mal in den Indizes rumpelt, langfristig muss diese Droge raus aus dem System, nur so können die Märkte ihre wirkliche volkswirtschaftliche Aufgabe ausführen: die Preisfindung für Unternehmen und Anleihen.

Und nur so bleibt uns ein zweites Lehman oder Schlimmeres erspart.

So weit zu dieser extrem spannenden Woche. Schnallen wir uns also an und im amerikanischen würde man sagen: "Brace for Impact !"

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Eine dramatische Börsenwoche – Teil 1: Bernankes Nachfolge und die Bundestagswahl

Eine der wichtigsten Börsenwochen des Jahres hat begonnen.

Eröffnet wurde sie standesgemäß. Und zwar mit dem Paukenschlag, dass der Favorit auf die Bernanke Nachfolge Larry Summer zurück gezogen hat und das offensichtlich unter massivem öffentlichen Druck. Die Wallstreet liebt es, denn deren Favoritin ist Janet Yellen, von der man erwartet noch aggressiver auf Stimulus zu setzen, als das Bernanke schon tat. Und so finden wir logischerweise den DAX heute früh auf historischen Höchstständen oberhalb 8600 wieder.

Allerdings wird die Freude wohl nur dann andauern, wenn es Yellen dann auch wird. Wie vom Wall Street Journal kolportiert, soll Obama nach einem "dritten" Kandidaten suchen und das würde die Unsicherheit eher erhöhen, der Markt mag Unsicherheit einfach nicht.

Am Ende der Woche dräut dann auch noch die Bundestagswahl und auch diese hat es in sich, denn bedingt durch unsere Wahlrecht mit der 5-Prozent-Hürde, wird die Regierung der grössten Volkswirtschaft der Eurozone möglicherweise nur von sehr wenigen Stimmen abhängen und damit eher "ausgewürfelt", als nach dem exakten Volkswillen festgelegt werden.

Denn es gibt 3 Parteien in Form der FDP, den Piraten und der AfD, bei denen völlig unklar ist, ob sie die 5-Prozent Hürde überspringen werden. Und so lassen sich, abhängig vielleicht von nur ganz wenigen realen Stimmen, unterschiedlichste Regierungsszenarien kreieren. Gewiss ist nur eines: Sie sollten unbedingt zur Wahl gehen, denn selten war das Ergebnis so unbestimmt wie dieses mal.

Die 5 Prozent Hürde macht das möglich, die damals von den Verfassungsvätern gewählt wurde, um "Weimarer Verhältnisse" zu verhindern. Das ist auch gelungen, hat aber umgedreht die Politverdrossenheit gefördert, denn es hat die Macht der schon im Bundestag vertretenen Parteien zementiert und dauerhaft ist es nur der Öko-Bewegung durch die "Grünen" in der Geschichte der Republik gelungen, dieses Kartell der Etablierten ein einziges Mal aus eigener Kraft aufzubrechen. Die Linke kann man da nicht zählen, die hat ja ihre Wähler durch die Wiedervereinigung mitgebracht und war quasi sofort oberhalb der Schranke.

Ich persönlich würde eine Absenkung auf zum Beispiel 2-3% für demokratisch geboten halten, um im Bundestag wirklich den Volkswillen abzubilden und für ein lebendigeres Parlament zu sorgen. Mit einer Hürde von 2-3% kann man immer noch eine zu grosse Zersplitterung verhindern. Aber das ist nur meine Meinung, um unsere Demokratie lebendiger zu gestalten. Es wird kaum passieren, denn welches Interesse sollen die etablierten Parteien daran haben, die das Wahlrecht ändern müssten ?

Aber wie auch immer, die meisten der Szenarien der Bundestagswahl, werden die Märkte völlig unbeeindruckt lassen, da die aktuell im Bundestag vertretenen Parteien in ihrer Ausrichtung Richtung Europa und Aussenpolitik kaum zu unterscheiden sind. Und ob die aktuelle Koalition erhalten bleibt oder es eine grosse Koalition gibt, wird den Märkten bestenfalls ein Gähnen abringen.

Aber es gibt zwei Szenarien, über deren Folgen Sie sich im klaren sein sollten:

(1)

Falls Rot-Grün eine Mehrheit bekommt, zum Beispiel weil FDP und AfD gleichermassen an der 5-Prozent-Hürde scheitern - oder noch stärker, wenn es eine Rot-Grün-Linke Regierung gibt - sollten Sie nicht in deutschen Nebenwerten sein. Die internationalen Börsen wird das nicht weiter interessieren, im Gegenteil, den Südländern und ihren Renditen und damit dem Eurostoxx wird so ein Wahlergebnis eher gut tun, weil diese Parteien die Euro-Rettungspolitik der aktuellen Regierung monetär noch toppen wollen. Perse ist eine Rot-Grüne Regierung für die internationalen Märkte also auch eher "Schulterzucken" bzw. für Südeuropas Märkte positiv.

Aber bei der deutschen mittelständischen Exportindustrie, die man typischerweise in MDAX und SDAX wieder findet, dürfte das zu bösen Verkäufen führen. Und zwar neben der erwarteten Schwächung der Wettbewerbskraft, primär aus der von den Parteien verfolgten Vermögenssteuer heraus. Denn hier gibt es viele Familienunternehmen mit Ankeraktionären, die im Falle so einer Steuer Aktien verkaufen müssten, um die Steuer bedienen zu können und das wird der Markt sofort antizipieren. Das Musterbeispiel dieser Problematik unter den DAX Konzernen ist BMW, die Familie Quandt hält hier die Fäden in der Hand und die Börse würde die BMW Aktie in so einem Fall deshalb wohl erst einmal verkaufen und erst dann nachdenken.

(2)

Falls die AfD einen Überraschungserfolg gegen die Demoskopen Richtung 8-10% landet und - zum Beispiel weil FDP und Piraten draussen bleiben - defacto zum Zünglein an der Waage wird, könnte der einzige Fall eintreten, in dem die Bundestagswahl über den rein deutschen Aktienmarkt hinaus zu Verwerfungen führt. In diesem Fall darf man keine Aktien aus den europäischen Südländern haben und Bonds dieser Länder schon gar nicht. Die Märkte werden schnell die Frage stellen, ob sich durch die Existenz dieser Proteststimme im Parlament nicht sofort die Merkelsche "Rettungspolitik" ändert. Sich geänderten Strömungen anzupassen, darin hat die Bundeskanzlerin ja Meisterschaft entwickelt. 😉

Vordergründig würde es dann natürlich auf eine grosse Koalition hinaus laufen. Aber mit einer starken AfD im Nacken, wird entweder diese Koalition ihre Europa-Politik anpassen und schärfer deutsche Interessen vertreten. Oder es wird gar nicht zur grossen Koalition kommen, weil Merkel bewusst ist, dass die grossen Parteien dabei nur verlieren können. Wie man einen vermeintlichen Partner so umarmt, dass man ihn dann erdrückt, verdaut und ausspuckt - hat Merkel ja nicht nur mit der SPD vorgeführt, sondern eindrücklich auch an der FDP vorexerziert. Insofern werden sich die Märkte in dem Fall noch in der Wahlnacht die Frage stellen, ob wir hier eine erneute Wende der Regierungschefin ala "Energiewende" erleben, mit der sie sich der öffentlichen Stimmung anpasst. Und dieses Risiko würden die Aktienmärkte sofort in die Kurse der Aktien und Anleihen Südeuropas einpreisen. Ob es dann ein paar Wochen später tatsächlich eintritt, ist eine ganz andere Frage.

So weit meine Sicht auf die Bundestagswahl aus der Warte der Märkte. Das wahrscheinliche Szenario ist also ein grosses Gähnen und nur in den beiden obigen Szenarien sehe ich direkte Auswirkungen, die uns im Vorfeld bewusst sein sollten.

Das wichtigste Thema der Woche ist aber die FED Sitzung am Mittwoch mit der Frage des "Tapering". Dazu folgt heute noch ein zweiter Teil der Vorschau.

Ihr Hari

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