Der Zeithorizont – Kern jeder Marktaussage

Der folgende, kurze Artikel ist von so grundsätzlichem Charakter, dass er immmer wieder die nötige Aufmerksamkeit bekommen sollte.

Denn es gibt etwas, das sich die wenigsten der normalen Anleger klar machen, wenn sie über den Markt reden oder darüber lesen:

Ohne eine konkrete Definition des Zeithorizontes, sind alle Kommentare zum Markt völlig wertlos!

Warum ? Ganz einfach. Weil ein Markt sich gleichzeitig! auf der langfristigen Ebene (Monate, Jahre) in einem Abwärtstrend befinden kann. Sich auf der mittelfristigen Ebene (Wochen, Monate) in einem gegenläufigen Aufwärtstrend befinden kann. Und sich auf der kurzfristigen Ebene (Stunden, Tage) vielleicht gerade als perfekter Short darstellt. Alles gleichzeitig!

Das ist auch kein Sonderfall, sondern völlig normal, dass der Markt auf unterschiedlichen Zeitebenen sich in unterschiedlichen Situationen befindet. Was also sagt Ihnen das, wenn Ihnen jemand erzählt, er hätte gerade die XYZ Aktie gekauft oder verkauft ? Nichts ! Absolut Nichts!

Denn vielleicht war es ein Intraday Trade und vielleicht eine langfristige Investition. Ohne das zu wissen, ohne also zu wissen, was das Ziel der Transaktion ist, sind Aussagen zum eigenen Handeln ohne jeden Wert und ohne Aussagekraft!

Es ist auch einer der klassischen Standardfehler, den Otto Normalanleger jeden Tag tausendfach wieder macht, diese Zeithorizonte wild zu vermischen und sich beim Handeln gar nicht bewusst zu machen.

Da hat sich der Anleger eine Aktie als Investments ins Depot gelegt, die er wegen der langfristigen Aussichten nun dauerhaft und über viele Jahre halten will. Wenige Wochen danach bei der ersten Korrektur aber, wird ihm so mulmig, dass er die Aktie wieder verkauft.

Langfristige Absichten, aber von kurzfristigen Sorgen zum Handeln getrieben - so kann das nicht funktionieren.

Oder anders herum. Der Anleger wollte kurzfristig auf einen Anstieg wetten, nur fällt die Aktie. Statt dieses zu verkaufen und den Schmerz des Verlustes zu ertragen, hält er sie aber im Depot und beschliesst die Delle auszusitzen, frei nach dem Motto "die steigt schon wieder" - nur leider tut sie es natürlich nicht.

Kurzfristige Pläne, die in ein langfristiges Investment umgewidmet werden, weil man nicht den Mumm hat den Verlust zu realisieren - so kann das nicht funktionieren.

Und so könnte ich endlos weitere Beispiele finden. Nehmen wir aktuell den DAX:

Langfristig wunderbarer Aufwärtstrend, trotz Momentumverlust immer noch intakt:

Kurzfristig etwas dubioser Trendkanal mit Risiko eines Bruchs nach unten:

Ist das jetzt ein Widerspruch? Nein überhaupt nicht, beides ist wahr. Wir sind in einem Bullenmarkt, dem noch was zuzutrauen ist, aber kurzfristig besteht erhöhte Korrekturgefahr.

Es ist deshalb immer wichtig zu wissen, auf welchen Zeithorizont sich Aussagen zum Markt beziehen. Ohne diesen, sind Aussagen wertlos.

Und es ist eminent wichtig, bei den Handlungen konsistent im geplanten Zeithorizont zu agieren. Aus langfristigen Erwägungen zu kaufen und aus kurzfristigen Erwägungen zu verkaufen und umgedreht, wird nur zu einem führen: Verlust und Frust.

Sich über den Zeithorizont im Klaren zu sein, in dem man agieren will, ist einfach zentral. Und auch Argumenten zu folgen hat nur dann Sinn, wenn sie im gewählten Zeithorizont Relevanz haben. Welche Relevanz haben beispielsweise langfristige Sorgen um aufkommende Konkurrenz und die Margen eines Unternehmens, wenn Sie einen kurzfristigen Trade über maximal wenige Tage machen wollen? Eben - genau keine!

Der Zeithorizont ist eben ein zentrales Wort, das wir uns hinter die Ohren schreiben sollten!

Ihr Hari

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Der Dollar, die Rohstoffe und die Emerging Markets



Heute ein paar sehr grundsätzliche Zeilen zu einer wichtigen Thematik.

Immer wieder in der letzten Zeit, werden die Emerging Markets aus quantitativen Argumenten als langfristiges Investment ins Spiel gebracht. Und da viele der Emerging Markets gleichzeitig bedeutende Rohstoffproduzenten und Verbraucher sind, wird dieses Argument gleichzeitig auch für Investitionen in den Rohstoffsektor verwendet. Auch ich habe immer mal wieder diesen Gedanken in mir.

In der aktuellen FuW ist auch wieder so ein Artikel, den ich einfach unkommentiert in den Raum stelle:

Und klar, es spricht wirklich einiges für das Argument, denn viele der Probleme der Emerging Markets sind hausgemacht, siehe Brasilien oder auch Russland, dass sich auch vor den Sanktionen des Westens nie von einer rohstofflastigen Staatswirtschaft hat lösen können. Und dessen aktuelle wirtschaftliche Probleme, daher durch den Konflikt mit dem Westen zwar verschärft, aber nicht ursächlich davon hervor gerufen wurden.

Wo Probleme hausgemacht sind, kann man diese aber auch angehen und lösen und warum soll das in den überwiegend demografisch wachsenden Volkswirtschaften der Emerging Markets nicht gelingen? (Zu denen das demographisch schrumpfende Russland als Ausnahme allerdings nicht gehört.)

Insofern macht es aus Sicht der "Mean Reversion" schon Sinn, von langfristig guten Chancen in diesen wachsenden Ländern auszugehen. In den USA dagegen, sind die Aktienmärkte bewertungstechnisch auf jeden Fall schon viel, viel weiter gelaufen und haben weit mehr Zukunft schon vorweg genommen.

Es gibt nur ein Problem bei dieser so eingängigen Logik und darüber will ich heute schreiben. Das Problem hat einen Namen: US Dollar.

Denn der ist immer noch die Weltreservewährung, in der grosse Teile der Warentransfers und insbesondere die Rohstoffe abgerechnet werden. Und einige der kleineren Emerging Markets, haben den Dollar sogar immer noch faktisch als "Zweitwährung", weil die eigene Währung zu schwach ist und zu wenig Akzeptanz findet.

Und über diesen Status als Weltreservewährung, greift der lange Arm der FED dann auch in all diese Länder hinein, für die die FED eigentlich gar kein Mandant hat. Und insofern besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem Dollarkurs, den Aktienmärkten der Emerging Markets und den Rohstoffen.

Das heisst umgedreht, sollte die so eingängige Theorie von der Mean Reversion in den Emerging Markets nun zutreffend sein, darf der Dollar nicht mehr wesentlich weiter steigen.

Wenn wir uns vor Augen führen, wie stark der Dollar in den letzten Jahren gestiegen ist, erscheint diese Annahme ja auch erst einmal logisch und naheliegend. Zumal die FED einen zu starken Dollar ja gar nicht zulassen kann, weil der wie Blei auf der US Wirtschaft liegen würde.

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf, schauen wir nun auf den US Dollar Index im ganz langfristigen Bild bis in die 90er Jahre zurück. Der US Dollar Index, stellt den Dollar ins Verhältnis zu einem Korb anderer Währungen, von denen der Euro die mit Abstand grösste Position ausmacht.

Was wir sehen, erschreckt aber eher:

USD Index 17.11.15

Denn wenn man alles ausblendet und sich ganz auf die Markttechnik konzentriert, müssen wir das Bild einer einjährigen Konsolidierung in 2015 konstantieren, die nun scheinbar von einer zweiten Anstiegsphase abgelöst wird.

Erschreckend ist dabei auch, dass diese zweite Phase typischerweise den Umfang und die Dynamik der ersten Phase hat und wenn wir auf die Kurse Anfang des Jahrtausends schauen, sind solche Niveaus auch keineswegs unrealistisch oder aus der Welt.

Noch erschreckender wird das Bild, wenn wir uns das langfristige Chart des grössten Emerging Market ETFs EEM in Dollar vor Augen führen:

EEM 17.11.15

Wir sehen den Einbruch unter die sehr wichtige Unterstützung und vor allem sehen wir, dass wir vielleicht gerade nur den Retest des Einbruchs von unten hinter uns haben. Und auch hier wird durch den 2008er Vergleich klar gezeigt, dass weitere Fallhöhe hier keineswegs unhistorisch wäre.

Die Frage die sich damit aufdrängt und die wirklich massive Auswirkungen auf alle Assetklassen haben dürfte, ist also nicht, ob die Mean Reversion irgendwann einsetzt. Doch das wird sie ganz sicher.

Die Frage ist dagegen, ob das schon jetzt passiert oder vielleicht erst in 1-2 Jahren, wenn die FED weiter im Zinszyklus ist und der Dollar noch viel höher steht. Und wenn die Emerging Marktes, Rohstoffe und auch Gold noch viel, viel tiefer gefallen sind?

Unser Instinkt und die Bewertungskennziffern sagen nein, die Emerging Markets sind scheinbar "weit genug" gefallen. Die Price-Action und diese Charts weisen aber eher in die Gegenrichtung und das ist erschreckend. Und die Annahme "weit genug" war schon immer eine höchst Gefährliche, denn -> tiefer geht immer und erst bei Null ist Schluss! <-

Deshalb wird die FED Sitzung Mitte Dezember so eine immens hohe Bedeutung haben. Die FED wird nun höchst wahrscheinlich einen ersten kleinen Zinsschritt vollziehen. Davon kann man ausgehen, das ist aber auch nicht mehr die Frage, die den Markt umtreibt.

Die Kernfrage ist, ob das der Beginn eines langjährigen Zinserhöhungsprozesses, oder eine einmalige "One and Done" Aktion wird. Wird es nur Letzteres - wovon ich eher ausgehe - wird der Dollar Mitte Dezember wohl doch sein Hoch finden und dann erst einmal fallen. Und Emerging Markets und Rohstoffe, haben dann in 2016 hinein jede Menge Luft nach oben.

Schmiert Yellen aber nicht diese weisse Salbe auf die Wunde und setzt sich am Markt das Bild eines beginnenden, langfristigen Zinszyklus durch, dann bleibt der Aufwertungsdruck auf dem Dollar erhalten und dann kann einem bei Betrachtung der obigen Charts ganz blümerant werden. 😉

Insofern rate ich zu Abwarten in dieser Frage rund um Emerging Marktes und Rohstoffe bis zur FED. Vorher werden wir hier kaum Klarheit bekommen.

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Das Investment Thermo Fisher Scientific

Der folgende Beitrag erschien schon Freitag 27.03.15 13:45 in Hari Live

Ich habe ja schon mehrfach argumentiert, warum ich im Biotech-Boom die Hersteller der "Schaufeln" so sehr mag. Denn diese Unternehmen profitieren vom Boom, ohne die medikament-spezifischen Risiken der forschenden Unternehmen zu besitzen.

Selbst bei Branchen-Grössen wie Gilead Sciences (885823, GILD), genügt ja eine schlechte Nachricht zum Blockbuster Solvadi, und der Kurs knickt brutal ein.

Hinzu kommt dann noch die generelle Unsicherheit, ob durch den Aufstieg der Biosimilare und der wachsenden Macht der Intermediäre wie Express Scripts (A1JWJL, ESRX), nicht doch die riesigen Margen bald unter Druck geraten.

Einzelne Biotech-Unternehmen - und das gilt selbst für die Branchengrössen - sind daher für einen ruhigen Investmentansatz eher ungeeignet, weil zu volatil. Ein ruhiges Investment im Sektor macht daher nur bei breiter Diversifizierung via individuellem Basket, Fonds oder ETF Sinn.

Ganz anders dagegen ist die Lage bei den Unternehmen, die vor allem an den Tools, Hilfsmitteln, Testverfahren und Methoden verdienen, mit denen die Biotech Unternehmen forschen und ihr Geschäft betreiben.

Ganz analog zu den Herstellern von Schaufeln im Goldrausch des 19. Jahrhunderts, verdienen diese Unternehmen unabhängig davon, ob wirklich Gold gefunden wird. Und auch ein Medikament mit Nebenwirkungen oder eine Forschung, die von der amerikanischen FDA dann keine Genehmigung bekommt, kann die Hersteller der Schaufeln nicht tangieren.

Mein absoluter Favorit was das angeht und für mich *der* Bluechip in diesem Sektor, ist mit einem sehr breit aufgestellten, aussichtsreichen Produktportfolio.

Ich habe über das Unternehmen im Premium-Bereich schon mehrfach geschrieben und will mit diesem Post nun auch im freien Bereich darauf aufmerksam machen.

Denn gerade jetzt, während der Biotech-Sektor korrigiert, kann man im Chart leicht sehen, was die Vorteile eines Herstellers von "Schaufeln" sind, denn die Aktie hat im Vergleich zum Sektor deutlich weniger korrigiert:

TMO 27.03.15

Für mich ist das das Profil einer Aktie, wie ich sie für mein Investment-Depot mag.

Einerseits mit grossem Wachstum und Teil eines Marktes, der massiven Rückenwind hat. Sie wissen ja, ich segele bei Investments gerne mit dem Wind im Rücken und mag es nicht, dagegen ankreuzen zu müssen. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an meinen Artikel von Donnerstag 12.03.15 14:20 in Hari Live - "Mit dem Wind im Rücken segeln".

Andererseits ist es aber auch eine Aktie mit eingebauter Diversifizierung, die also nicht so schnell von einem einzelnen Problem aus der Bahn geworfen werden kann. Sicher kann man dadurch keine schnellen 100% Gewinn erwarten. Umgedreht sind aber auch nach unten die Risiken deutlich geringer und die Aktie kann vergleichsweise ruhig ihre Bahn ziehen.

Wenn Sie es nicht schon getan haben, tun Sie sich also den Gefallen und beschäftigen sich mal mit den Produkten von Thermo Fisher Scientific. Für mich ist das ein klarer Fall für mein Investmentdepot - und das nicht erst seit heute, wie treue Leser wissen.

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Tesla Motors und der Unterschied eines Trades von einem Investment

Der folgende Hinweis erschien schon am Montag 11.08.14 16:30 in Hari Live.
Er ist wegen seines grundsätzlichen Charakters aber auch Tage später noch bedenkenswert.
Mittlerweile werden am Markt auch schon Kursziele oberhalb 300 USD herum gereicht.

Ich hatte das Thema Tesla Motors (A1CX3T, TSLA) hier schon mehrfach in den letzten Wochen besprochen, zuletzt ausführlich am Mittwoch 06.08.14 16:45 und da war die Aktie von Tesla Motors noch bei 243 USD und der Ausbruch aus dem zulaufenden Dreieck begann.

Nun steht sie heute bei 263 USD und damit wieder 6% im Plus:

tsla 11.08.14

Ich reite mit diesem erneuten Post so auf dem Thema herum, weil es ein lehrreiches Musterbeispiel darstellt was geht, wann man sich auf die Price-Action konzentriert und alles andere als "Rauschen" ausblendet.

Wir hatten einen klaren Ausbruch aus dem zulaufenden Dreieck und sahen grosse relative Stärke während der aktuellen, allgemeinen Korrektur der Märkte - all das habe ich hier in den letzten Wochen mit Ihnen besprochen und konnte man leicht sehen, wenn man sich auf das "Hier und Jetzt" konzentriert.

Und hier ist das Ergebnis. Und hatte es jetzt irgend eine Relevanz, was wir über die Bewertung von Tesla denken und wie wir deren Geschäftsaussichten individuell einschätzen? Und wenn ich das so sage, sage ich das auch an mich selber. Ich habe ja bei der Bewertung, trotz aller Begeisterung für die Aktie, auch meine Probleme, wie ich hier ja schon erklärt habe.

Ich weiss aber, es hat eben keine Relevanz! Und das ist auch grundsätzlich auf der kurz- bis mittelfristigen Zeitebene so. Wenn keine Überraschungen kommen, ist die Markttechnik der dominante Faktor bei der Bewertung einer Aktie auf dieser Zeitebene. Tesla zeigt uns das wieder. Erst bei langfristigen Investments rücken auch andere Faktoren in der Bedeutung nach vorne.

Darin steckt auch einer der vielen Gründe, warum ich einer Trennung von Investment- und Trading-Depot das Wort rede, wenn man gedanklich diszipliniert genug ist, das auch konsequent so durchzuziehen. Denn im Investmentdepot habe ich nur eine kleine Basisposition bei Tesla Motors und werde erst wieder in einer Korrektur erhöhen, weil mir die Aktie nun erneut zu weit enteilt ist. Das hält mich aber nicht davon ab, im Trading-Depot solche markttechnischen Strukturen auf den kürzeren Zeitebenen auszunutzen.

Die eine Entscheidung hat absolut nichts mit der anderen zu tun. Eine Entscheidung für ein längerfristiges Investment erfolgt auf Basis ganz anderer Kriterien, als so ein Trade. Diese gedankliche Trennung muss man unbedingt hinbekommen, sonst sollte man von so einer Trennung die Finger lassen, weil man nur Chaos anrichtet, wenn man Aktien aus langfristigen Gründen kauft und aus kurzfristigen dann verkauft. Oder umgekehrt.

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Linde (648300) wird langfristig wieder interessant

Der folgende Hinweis erschien schon am Mittwoch 06.08.14 10:00 in Hari Live

Mitglieder, die länger dabei sind wissen, wie sehr ich die Aktie von Linde im Sinne eines Investments mag. Ein hervorragendes, stabiles Geschäftsmodell, eine intelligente Akquisition von Lincare in den USA, die neues Geschäftspotential erschliesst und in Wolfgang Reitzle ein CEO, von dem ich sehr viel halte und den ich für einen der besten CEOs halte, die Deutschland zu bieten hat.

Dann aber wurde klar, dass Wolfgang Reitzle gehen würde und mit Wolfgang Büchele kam ein unbeschriebenes Blatt. Dummerweise kann Reitzle wegen der von Herrn Cromme massgeblich gestalteten Corporate Governance Regeln, aber auch nicht sofort an die Spitze des Aufsichtsrates wechseln, was dem Unternehmen hier sicher gut getan hätte.

Da so Wechselphasen aber immer problematisch sind und das neue Management gerne erst einmal mit einem bilanziellen "Grossreinemachen" beginnt, bin ich dann bei Linde schon 2013 temporär ausgestiegen um den Wechsel abzuwarten. Und das war auch nicht falsch, seit einem gutem Jahr ist bei Linde nicht mehr viel zu holen, was die Kursentwicklung angeht. Ich habe die Problematik unter anderem in dem Artikel -> Whats next Linde? <- - aber auch schon in 2013 in Hari Live - mehrfach erklärt.

Nun aber liegt der Wechsel drei Monate hinter uns. Und Linde hat erste Quartalszahlen unter Büchele geliefert und auch von Büchele weiss man nun mehr und hat erste Eindrücke seines Wirkens.

In Summe drehen damit die Signale für mich wieder auf Grün. Der neue CEO macht einen guten Eindruck und es kann zwar immer noch sein, dass da noch ein "Reinemachen" und eine Strategieänderung kommt, die bisherigen Aussagen sprechen aber eher für eine beständige und konsequente Fortentwicklung des erfolgreichen Geschäftsmodelles, das Wolfgang Reitzle initiiert hat.

Schauen wir auf das langfristige Chart, sehen wir eine wichtige Unterstützung und ansonsten die Seitwärtsbewegung seit gut einem Jahr - Ausdruck der Unsicherheit rund um den Wechsel:

Linde 06.08.14

Wenn man nun diese Unterstützung fest im Auge hat, wird Linde für mich nun also wieder Thema für den Einstieg. Ich werde voraussichtlich den Tiefpunkt der aktuell laufenden Marktkorrektur zu nutzen versuchen, um wieder eine Initialposition im Investmentdepot aufzubauen. Und werde diese dann nach Kursentwicklung sukzessive erweitern, solange diese Unterstützung nicht in Gefahr gerät.

In Summe wird Linde also mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder zu einem Investment für mich. Zur Eile beim Einstieg gibt es aber keinen Grund, den kann man wohl gelassen in dieser zweiten Jahreshälfte auswählen.

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E.ON – Warum ich jetzt langfristig eingestiegen bin – 30.01.13

Eigentlich mag ich ja E.ON überhaupt nicht.

Ein fett gewordener Versorger, der sich über Jahre in Quasi-Monopol Gewinnen sonnen konnte. Ein Energieunternehmen, das massiv unter der Energiewende leidet und zukünftig unter dem Trend zur dezentralen Energieerzeugung leiden wird. Ein Konzern, der sein Geschäftsmodell und seine Strategie neu erfinden muss. Ein Unternehmen, das ich als Endkunde als teuer, unflexibel und ohne klare Strategie wahrnehme. Ein Grosskonzern, dem der Wind der "Political Correctness" heftig ins Gesicht weht und wohl weiter wehen wird.

All das und mehr sind gute Gründe, warum E.ON vom Kurs her nun bei gut 13 € notiert und nicht mehr bei über 50€ wie Anfang 2008. All das scheint aber nun im Kurs verarbeitet. Man könnte meinen, dass jeder Hohn- und Mistkübel den man über so ein Unternehmen ausschütten kann, nun ausgeschüttet wurde.

Aber auch technisch hatte der Verlauf der letzten Wochen einiges zu bieten, wie ja auch Lars Röhrig in seinem schönen Beitrag zum dargestellt hat.

Schauen wir doch mal auf das Tageschart von E.ON seit 2011 und rekapitulieren wir, wie ich die Aktie hier erlebt habe:

E.ON 30.01.13

Sie erinnern sich vielleicht: am 13.11.12, dem Tag des massiven Absturzes, habe ich einen rein taktischen Reboundtrade gewagt, da eine Aktie nach einem derart massiven zweistelligen Absturz in der Regel am Folgetag ein gutes Stück zurück kommt.

Als dieser Rebound nicht statt fand, bin ich sofort wieder raus und habe mich auf die Seitenlinie begeben. In dieser Phase wurde ich mehrfach gefragt, ob jetzt nicht die Zeit wäre E.ON zu kaufen und meine Antwort war eigentlich immer NEIN. Denn wenn eine Aktie nach so einem Absturz nicht bouncen kann, bedeutet das, dass eben KEINE Übertreibung vorhanden ist, sondern die Neubewertung noch nicht abgeschlossen ist.

So wartete ich bis in den Dezember hinein und als E.ON bei 13,6€ einen temporären Boden gefunden hatte, war die Zeit gekommen, sehr vorsichtig und mit engen Stops, die sich abzeichnende Stabilisierung zu spielen. Diese Stabilisierung stellte sich dann - durchaus nicht untypisch - ab Mitte Januar als Bärenflagge heraus. Durch enge Stops im Sinne der Trendfolge konnte der taktische Trade aber trotzdem mit leichten Gewinnen abgeschlossen werden und ich war wieder an der Seitenlinie. Es folgte der unvermeidliche, erneute Rutsch bis zeitweise knapp unter 13€.

Nun ist damit endlich der Zeitpunkt gekommen, an dem ich E.ON nicht mehr nur rein taktisch als kurz- oder mittelfristigen Trade, sondern als langfristiges Investment betrachte. Denn auch wenn alle obigen Argumente wahr sind, haben wir es doch mit einem Unternehmen voller Substanz und mit grossem, positivem Cashflow zu tun. Und ohne grosse Versorger wird es auf absehbare Zeit auch in Deutschland nicht gehen. Darüber hinaus befindet sich E.ON nun auf dem Weg der geographischen Diversifizierung und erschliesst sich neue Geschäfte ausserhalb der Grenzen der "Energiewende".

Vom Sentiment her sind nun genug Mistkübel ausgegossen worden und es fällt mir schwer mir vorzustellen, wie die Wahrnehmung einer E.ON noch schlechter werden könnte. Und auch der Kurs ist nun bis auf die massive Unterstützung aus dem Jahr 2011 zurück gekommen.

Ich glaube daher, dass eine E.ON nun an dem berühmten Punkt sein könnte, wo alles Negative eingepreist wäre. Sollte diese Sicht richtig sein, wird die erste positive Nachricht - die irgendwann kommt, vielleicht Morgen oder in 3 Monaten - zu einer Neubewertung führen, weil Mr. Market plötzlich merkt, dass das Unternehmen doch nicht nur aus Problemen, sondern auch aus Chancen besteht.

Damit hat E.ON für mich nun den Punkt erreicht, der ein langfristig orientiertes Investment rechtfertigt. Ich bin nun also wieder Long E.ON und habe einen Stop, den ich ein Stück weit unter das Tief vom 12.09.11 gesetzt habe. Damit hat dieses Investment nun auch ausreichend Raum zu atmen.

Denn wenn man ein langfristiges Investment eingehen will, schaden zu enge Stops nur. Abgesehen davon, habe ich solche langfristigen Stops auch nicht im System eingegeben, sondern einfach zusammen mit dem Investment notiert. Es handelt sich also um einen gedanklichen Stop. Bei kurzfristigen Trades führt dagegen nach meiner Erfahrung kein Weg an im System hinterlegten Stops vorbei.

Und nun heisst es für mich einfach Geduld zu haben und zu warten, bis Mr. Market für E.ON eine andere Wahrnehmung entwickelt. Ich bin zuversichtlich, dass das in den kommenden Monaten passieren wird. Nur den Zeitpunkt kenne ich mangels Glaskugel ebenso wenig, wie jeder andere Marktteilnehmer.

Ihr Hari

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