Marktupdate – 23.01.12 – Kaum Sorge um Griechenland

Wieviel dem Markt die Sorgen um Griechenlands Exitus noch wert sind, konnte man heute schön beobachten: nicht mal mehr ein Prozent, denn im Vorfeld der Entscheidung fiel der DAX "zur Sicherheit" gerade mal bis 6360.

Nach der Nachricht der wahrscheinlichen Einigung ging es dann bis 6460 in der Spitze hoch, um danach wieder etwas zu bröseln. In Summe ist also nicht wirklich viel passiert am Markt. Auf jeden Fall kein Vergleich zu Ausschlägen in 2011 bei ähnlicher Situation.

Was sagt uns aus meiner Sicht nun dieses Marktverhalten:

1. Eine Lösung für Griechenland ist scheinbar eingepreist und der Markt geht fest von dieser Lösung aus - ohne katastrophale Verwerfungen in der Euro-Zone oder bei den Banken. Damit ist aus dieser Ecke kaum noch Upside für den Markt vorhanden, bei einer überraschenden und verstörenden Nachricht aber um so mehr Downside.

2. Jeder Dip wird weiterhin für Käufe genutzt. Und es sieht danach aus, als ob das noch weitergehen könnte. Denn viele stehen unterinvestiert an der Seitenlinie. Sobald das aber einmal aufhört, dürfte die Korrektur um so schärfer werden, je länger diese Aufwärtsbewegung ohne Korrektur läuft. Die "Gummiband-Theorie" ist an den Märkten nach wie vor gültig !

Fazit:

Es kann gut sein, dass der DAX in den nächsten Tagen noch weiter hochschiebt und auch die 6600 schnell erobert. Die Markttechnik spricht durchaus dafür, denn es gibt bisher keinerlei Anzeichen, dass die Bullen aufgeben würden. Und das muss man unbedingt respektieren.

Auch aus Sicht des S&P 500 spricht einiges dafür, dass dieser noch die 1336 erobert, was einer weiteren Bewegung von 2% nach oben entspricht, die man im DAX wohl auf 3% und ca. DAX 6600 übersetzen könnte.

Das schon jetzt grosse Risiko einer scharfen Korrektur steigt aber nun weiter und jeder sollte sich nun überlegen, wieviel Risiko er sich selber aussetzen will. Meine persönliche Konsequenz aus dieser Gemengelage lautet: Short definitiv NEIN ! Teilgewinne mitnehmen und absichern definitiv JA !

Haris Märkte am Abend – 20.01.12 – Wochenabschluss

Wie kann ein Bullen-Markt eine überkaufte Markttechnik abbauen ? Auf zwei Arten, entweder durch eine kurze, scharfe Korrektur oder durch eine etwas längere Seitwärts-Konsolidierung.

Und auch wenn Sie es heute vielleicht nicht bemerkt haben, weil der DAX nach wie vor um die 6400 schwankt: wir hatten heute eine Konsolidierung und in einigen Aktien auch eine kleine Korrektur. Gerade gut gelaufene Titel sind heute 1-2% Intraday zurück gekommen.

So hatte Salzgitter (WKN 620200) heute Intraday ein Tief von 44,6€ - gar nicht so weit weg von den gestern genannten 44€, Daimler (WKN 710000) war kurz bei 40,6€, Klöckner (WKN KC0100) bei 11,6€ usw. Das war heute eine kleine Korrektur bzw. Konsolidierung, die aber sofort wieder gekauft wurde. Besonders bemerkenswert ist die Stabilität des Marktes, wenn man berücksichtigt dass die Griechenland-Problematik nun auf die Zielgerade zu steuert und heute mit General Electric (WKN 851144) ein echtes Schwergewicht nicht gerade berauschende Quartalszahlen vorgelegt hat.

Und jetzt habe ich eine irritierende Nachricht für alle, die noch an der Seitenlinie sind: es ist für mich nicht ausgeschlossen, dass das heute im DAX schon die antizipierte (Mini-) Korrektur war und mehr kurzfristig nicht kommt. Das ist ausdrücklich nur eine Möglichkeit und für mich nicht die wahrscheinlichste, ich halte eine etwas umfassendere Korrektur nach wie vor für wahrscheinlicher. Aber man sollte sich dieser Möglichkeit bewusst sein. Ich würde den Anfang kommender Woche vielleicht noch abwarten, aber wenn wir auch dann nur leicht konsolidieren und jeder kleine Rückgang sofort wieder gekauft wird, dann steigt für mich die Wahrscheinlichkeit, dass die Reise schon nächste Woche Richtung DAX 6600 weiter hoch geht. So ist das halt am Beginn von Bullenmärkten, wenn die Bewegung nach oben einmal richtig in Gang ist, dann sorgt das Geld von der Seitenlienie dafür, dass Korrekturen nur klein ausfallen.

Vielleicht noch einen Tip für die, die jetzt an der Seitenlinie stehen, sich ärgern und überlegen ob sie nun noch aufspringen sollen: lösen Sie sich schnell von dem Ärger und dem Gefühl, dass Ihnen etwas weg gelaufen ist oder Sie etwas verpasst haben ! Denn dieses Gefühl paralysiert Sie. Und die Vergangenheit können Sie nicht mehr ändern, die Zukunft aber schon ! Schauen Sie sich also lieber die Kurse Ihrer Lieblings-Aktien mit einem längerfristigen Blickwinkel an. Nehmen wir mal Klöckner als Beispiel:

Und jetzt sagen Sie mir, wenn Sie davon ausgehen, dass der Markt nun vor einer längeren Erholungsbewegung steht und wenn Sie daran glauben, dass die Eurokrise dieses Jahr überwunden wird, macht es dann wirklich einen riesigen Unterschied ob Sie Klöckner bei 11,5 oder 10,5 gekauft haben ? Wäre es nicht viel schlimmer Ende des Jahres zu sehen wie Klöckner vielleicht theoretisch bei 20 € steht und Sie nicht dabei waren, weil Sie sich wegen ein paar verpasster Prozent geärgert haben ?

Ich will Sie damit keinesfalls in Klöckner treiben, das ist nur ein Beispiel weil der Chart so eindrucksvoll ist, und vielleicht ist Klöckner am Montag doch 4% tiefer. Denn wer sieht wo der RSI im Moment bei Klöckner steht, muss eigentlich erst eine Korrektur abwarten. Ich will Ihnen mit diesem Beispiel nur eine andere Perspektive geben. Denn falls der Markt so stark bleibt wie aktuell, dann bietet er noch unzählige Chancen für grosse Gewinne, verpasst haben Sie dann wenig !

Nächste Woche wird auf jeden Fall der ultimative Test für die Bullen kommen. Überkaufte Markttechnik trifft auf Pleite-Griechen sozusagen 😉 Wenn das den Markt auch nicht aus der Spur bringen kann, dann dürfte man wohl mit Fug und Recht einen neuen Bullenmarkt 2012 ausrufen !

Abschliessend möchte ich Sie - ohne weitere Analyse oder Charts - mit ein paar Aktien abseits der deutschen Standardwerte auf Ideen bringen. Vielleicht ist da ja Ihr persönlicher Gewinner des Jahres 2012 dabei. Schauen Sie sich die Aktien genau an und bilden Sie sich Ihre eigene Meinung. Über Kommentare, Meinungen und Analysen zu diesen Aktien freue ich mich, ebenso wie wahrscheinlich die anderen Leser.

1. Cree (WKN 891466) der Marktführer für LEDs, wurde im letzten Jahr brutal verprügelt, weil der Markt unter Preisdruck und Überkapazitäten litt. Nun ist seit einigen Tagen massiv Bewegung in den Kurs gekommen und Cree steigt 3-5% pro Tag.

2. Wenig überraschend zeigt natürlich auch Aixtron (WKN A0WMPJ) entsprechende Lebenszeichen, kein Wunder wenn der Marktführer zu laufen beginnt.

3. An ST Microelectronics (WKN 893438) den europäischen Marktführer für Spezialchips, möchte ich erneut erinnern. Wo finden man schon eine Tech-Aktie mit grossem Upside und 5% Dividenden-Rendite ?

4. Für die defensiveren Anleger unter uns bietet Hamborner Reit (WKN 601300) aus meiner Sicht nicht nur fast 7% Dividendenrendite, sondern hat scheinbar auch eine Bilanz mit einer Eigenkapitalquote von über 50% und als Sahnehäubchen einen Chart, der gerade nach oben dreht.

5. Und zu guter Letzt bietet die von mir ->hier<- schon vorgestellte Qiagen (WKN 901626) in meinen Augen ein gutes Management, attraktive Wachstumsaussichten in einem Segment, das von Finanzkrisen wenig betroffen ist und einen herrlich aussehenden, nach oben strebenden Chart.

Ich wünsche Ihnen ein schönes, erholsames Wochenende. Auf Fragen oder Kommentare reagiere ich auch am Wochenende, der nächste Artikel von mir erscheint kommenden Montag.

Crash und Panik an den Rohstoffmärkten

Ein Bounce, wie von mir gestern Abend für heute oder Freitag als gut möglich erachtet, sieht wirklich anders aus. Eine Mischung aus Enttäuschung über die FED, Ratingabstufungen bei Banken und vor allem grosse Ängste vor einem Konjunkturabriss in den Emerging Markets und insbesondere China, haben die Märkte in einen Sturzflug versetzt, dessen brachiale Dynamik ich so nicht erwartet hatte.

Über 3% Minus im S&P500 sind schon übel, aber besonders schlimm wurden nahezu alle Rohstoffe getroffen. Der rohstoffreiche russische Aktienmarkt fiel heute 10% ! Silber -10% ! Öl -6% ! Goldminen, Kupferminen ganz egal – alles was mit Rohstoff zu tun hat, wurde heute brutal abverkauft. Ehrlich gesagt, kann ich heute Abend mitten im Gefechtslärm der Märkte ausser diffusen Ängsten auch noch keine Gründe erkennen, warum gerade heute die Rohstoffe so abgestürzt sind. Denn diese Faktoren gibt es ja nun schon seit Wochen und sind nichts Neues.

Eine mögliche Erklärung und ganz typisch für Mr. Market ist, dass nun schlicht die Zeit dafür reif ist. Denn bei jeder grösseren Baisse werden am Ende auch die bisherigen sicheren Häfen zerlegt. Und die Rohstofftitel hatten sich bisher ganz passabel gehalten. Die Baisse scheint nun also in die entscheidende Phase zu treten, die typischerweise noch einmal von massiven Verlusten geprägt ist.

Kurzfristig sind wir nun aber technisch so nach unten überdehnt, dass Morgen Freitag oder nächste Woche durchaus noch die eine oder andere Gegenbewegung kommen kann, zumal das Window-Dressing zum Quartalsende sicher stützen wird. Ausserdem gab es heute wenigstens den Lichtblick, dass wir die 1120 im S&P500 verteidigt haben. Aber für Oktober sind nun Zielkurse von 1000 im S&P500 und 4500 im DAX im Visier. Schon faszinierend, wenn man sich vor Augen hält, wo wir vor 2 Monaten noch standen.

Wer so klug war sein Pulver trocken zu halten, kann sich nun zunehmend die Hände reiben. Denn wenn diese Phase durch die Märkte gelaufen ist, werden wir bei vielen Titeln wieder Niveaus erreicht haben, die höchst attraktive Einstiegskurse darstellen. Auch wenn es sich heute Abend verrückt anhört, es wird auch wieder die Sonne scheinen. Das gilt insbesondere für die Rohstofftitel, denn die grundlegenden Treiber bleiben intakt. Es kann gut sein, dass wir nach einem schwierigen Oktober deswegen noch eine mächtige Jahresendrally erleben, so fern sich das heute auch anhören mag.

Und vielleicht lernen unsere europäischen Politiker ja auch irgendwann, dass man Griechenland in die Insolvenz schicken und gleichzeitig die Reihen der verbleibenden Euro-Mitglieder kompromisslos schliessen muss. Dann sehen wir auch schnell wieder eine Stabilisierung der Euro-Zone. Jeder Mediziner weiss schliesslich auch, dass man infiziertes Fleisch heraus schneiden muss, wenn man vermeiden will das der ganze Körper infiziert wird.

Bis die Politik zu dieser Erkenntnis kommt und der EFSF endlich steht, haben wir aber wohl noch turbulente Wochen vor uns. Sollte zum Quartalsende noch ein kleiner Bounce kommen, ist das möglicherweise der letzte Exit vor dem Tunnel. Mal schauen wo wir auf der anderen Seite des Tunnels dann im Oktober rauskommen.

Noch ein Wort zum Gold. Sollte Gold jetzt endlich korrigieren, würde ich mich darüber freuen. Bei 1400-1500 USD liegen starke Unterstützungen und spätestens da ist Gold dann wieder ein hoch attraktiver Kauf. Denn die Probleme der Staaten mit ihren Schulden werden uns auf Jahr begleiten und letztlich gibt es neben dem kompletten Zusammenbruch des Weltfinanzsystems nur eine Lösung für die Schulden: diese durch Drucken von Geld weg zu inflationieren - so wie die USA das auch nach dem zweiten Weltkrieg schon gemacht haben. Das ist ein ideales Umfeld für Gold auf Jahre. Sollten die schwachen Hände Gold jetzt panisch verlassen, ist das wahrscheinlich eine grosse Chance.

Auf jeden Fall wünsche ich uns allen einen goldenen Herbst und insbesondere Oktober … zumindest beim Wetter haben wir da ja auch Chancen …

Fed Entscheidung – Bernanke und die Hoffnung

Eines muss man dem FED Chef Ben Bernanke lassen, er weiss was er den Märkten sagen muss. Hätte die FED heute nichts getan, wären die Märkte wohl in den nächsten Tagen richtig abgestürzt, weil sie das als Handlungsunfähigkeit und Zerstrittenheit der FED ausgelegt hätten.
Hätte er aber sein Pulver heute mit einem vollen QE3 verschossen, wäre die Gefahr riesig gewesen, dass die Märkte nach einer kurzen Freudenrally im Oktober auch abstürzen. Denn den sicherlich weiter schwächelnden US Wirtschaftsdaten, hätte dann eine FED gegenüber gestanden, die aus Sicht der Märkte ohne weitere Optionen wäre. Ein sehr gefährliches Szenario, dass Bernanke unbedingt vermeiden musste.

Mit der Operation Twist, der Senkung langfristiger Zinsen und einer Neubalancierung der Zinskurve, hat Bernanke dagegen zwei Dinge erreicht. Er hat die Entschlossenheit der FED signalisiert einzugreifen. Und hat gleichzeitig die Hoffnung offen gelassen, dass die FED mit einem erneuten POMO Programm (Permanent Open Market Operations) mit Macht in den Markt eingreift, wenn es nötig ist. Die Bären werden sich also auch in nächsten Monaten nie zu sicher sein können, weil permanent die finanzielle Atombombe QE3 über ihren Köpfen schweben wird. Das alleine wird die US Indizes stabilisieren. Hoffnung - bzw Furcht aus Sicht der Bären - ist eben eine starke Waffe.

Schön auch anzusehen, wie die Märkte durch gezielte Informationen zum Thema Twist schon vorher auf das Ergebnis vorbereitet wurden. Die Theorie, dass Big Money die Ergebnisse der FED immer schon vorher kennt, wurde erneut bestätigt. Das die Operation Twist das wirkliche Problem der amerikanischen Wirtschaft in Form von fehlender Nachfrage (und nicht zu hoher Zinsen) gar nicht angeht, ist dabei nebensächlich. Der Eindruck der Handlungsfähigkeit der FED ist eben wichtiger, als die eigentliche Wirkung, Wirtschaft ist eben zu einem guten Stück Psychologie.

Die deutliche Schwäche heute nach der Entscheidung, die zum Börsenschluss dann noch zu einem richtigen kleinen Selloff führte, sollte man also in meine Augen trotz einem Minus von 3% im S&P500 nicht überbewerten. Zumal der Markt eine Tendenz hat, dass die erste Bewegung nach so einer Entscheidung zunächst in die falsche Richtung geht. Vielmehr sehe ich jetzt ab Morgen Donnerstag eine kleine, kurzfristige Long-Chance bis zum Quartalsende. Denn das „Window-Dressing“ der Fonds wird zum Ende des dritten Quartals wieder stark sein und das erhöht die Chance für eine Rally Ende September. Morgen 22.09.11 dürfte aber zunächst sehr schwach eröffnen, im Verlauf des Tages besteht dann aber die Chance auf einen Turnaround, der dann möglicherweise den Auftakt des Window-Dressings darstellt.

Diesem Szenario könnte natürlich vor allem wieder Europa und Griechenland in die Suppe spucken. Allerdings sehe ich kurzfristig keine Katalysatoren, die die Lage an der Euro-Peripherie kurzfristig ändern sollten – eine Pirouette des Bunga, Bunga Regierungschefs natürlich ausgenommen. Das Thema Griechenland wird möglicherweise bis Mitte Oktober am Kochen gehalten, bis endlich der EFSF scharf geschaltet ist und Europa endlich Griechenland Pleite gehen lassen könnte, ohne gleich das Bankensystem in Frankreich zum Einsturz zu bringen. Dann, Mitte Oktober, wird es wohl wieder richtig spannend um den Euro.

Ich sehe also heute Abend nach der FED Entscheidung eine kleine 60:40 Chance auf eine nette Rally bis zum Monatsende, so verrückt sich das nach 3% Minus auch anhören mag. Invalidiert würde dieses Szenario, wenn nicht spätestens am Freitag dieser Woche der Markt merklich nach oben dreht oder der S&P500 schon vorher den Bereich um 1140 von oben durchschlägt und damit aus der Flaggenformation nach unten ausbricht. Letzteres wäre ein ganz übles Zeichen, was Kursziele im Bereich 1020-1050 und beim DAX bei 4500-4800 auslösen würde.

Lassen wir uns überraschen. Wer diese Long-Chance spielen mag, sollte das nur mit guten Stops machen. Denn sicher ist nichts, ausser dass Mr. Market garantiert eine Pirouette auf Lager hat, an die wir nicht gedacht haben .....