Deutsche Bank – Grossreinemachen als Chance?

Nein, ich mag keine Banken als Aktien. Ganz einfach, weil diese eine "Black Box" sind und selbst Bilanzexperten der Branche oft nicht durchdringen können, was sich hinter den diversen Positionen verbirgt.

Ich mag die Aktien gerade dann nicht, wenn wie bei der Deutschen Bank ein wirklich konsistentes und funktionsfähiges Geschäftsmodell noch zu fehlen scheint - ein Geschäftsmodell, das die UBS schon wieder gefunden hat, während die Deutsche Bank nach meinem Eindruck strategisch immer noch schwankt und eiert.

Nun hat die Deutsche Bank ja aber mit John Cryan einen neuen Chef, der die Chance auf "den Zauber des Neuanfangs" hat. Und einen Chef, dem auch klar sein dürfte, dass das die letzte Chance der Bank sein könnte.

Denn ich lehne mich mal weit aus dem Fenster: Wenn auch Cryan scheitern sollte, dann ist nach meiner persönlichen Vermutung nicht nur Aufsichtsratchef Achleitner weg, dann wird es die Deutsche Bank in dieser Form wohl nicht mehr geben, dann rechne ich persönlich mit einer Zerschlagung wegen "erwiesener Unführbarkeit" des Kollosses.

Nun wäre die Zerschlagung ja eigentlich das, was ich persönlich mir wünschen würde, siehe auch meinen Artikel von 2012:
-> Deutsche Bank - Zerschlagt sie endlich! <-.

Aber meine Wünsche in Richtung eines Trennbankensystems sind hier keine Kategorie und ohne Relevanz. Was ich hier dagegen betrachten will, ist die Frage, wie die Aktie der Deutschen Bank nun für Anleger zu sehen ist.

Und aus dieser Warte, hat das aktuelle für mich alle Ingredienzien, den Tiefpunkt zu markieren.

Für kluge Manager, die einen angeschlagenen Konzern übernehmen, ist es sowieso eine Pflichtveranstaltung und beliebte Übung, am Anfang ihrer Zeit als Chef, schnell alle Altlasten bilanziell zu entsorgen. Denn was man direkt nach dem Start entsorgt, kann einem nicht mehr persönlich angekreidet werden - dafür sind die Vorgänger verantwortlich. Wenn man aber so dumm ist, Probleme erst einmal liegen zu lassen, werden diese einen einholen und später zum eigenen Problem.

Und John Cryan ist gewiss nicht dumm, ganz sicher das Gegenteil. Und er weiss, dass das vielleicht die letzte Chance der Bank ist, die Kurve noch zu kriegen. Denn andere Banken - siehe die UBS - sind strategisch schon viel weiter.

Und auch die mit permanenten Umorganisationen und mit sich selbst beschäftigten, frustrierten und sich in Abstimmungs-Kämpfen erschöpfenden Management-Ebenen darunter, werden hoffentlich erkennen, dass nun entweder ein "Relaunch" der Deutschen Bank gelingt, oder sie alle ein hartes, persönliches Problem haben.

Insofern ist die Chance nun so gut wie nie, dass das nun ein Großreinemachen wird, das dauerhaft Bestand hat, weil man tief genug geschnitten hat. Eine Chance ist aber eine Chance und noch keine Gewissheit.

Ist die Aktie deswegen ein Kauf?

Ich sagte ja, ich mag keine Banken und eine im strategischen Interregnum, ohne stabiles Geschäftsmodell, schon gar nicht. Von mir werden Sie so eine Empfehlung also nicht hören.

Und wenn ich auf das Chart schaue, sehe ich zwar eine potentielle Unterstützungszone, die durchaus Chancen nach oben bietet, aber noch nichts, weswegen man die Deutsche Bank nun unbedingt haben muss:

DB 08.10.15

Aber ....

Ich sehe eben auch, dass der Markt auf dieses Grossreinemachen nur noch mit geringem Minus reagiert, eben weil die institutionellen Anleger die Welt wahrscheinlich ähnlich wie ich oben einschätzen. Und das ist ein positives Zeichen. Wenn eine Aktie bei schlechten Nachrichten nicht mehr fallen will, ist das Tief in der Regel nicht mehr weit.

Eines kann man also doch sagen:

Wenn Sie persönlich die Aktie der Deutschen Bank mögen und früher oder später sowieso einsteigen wollten, ist nun wohl der relativ beste Zeitpunkt seit vielen Jahren. Die Chance auf den "Zauber des Neuanfangs" ist da, sie muss nun "nur" konsequent ergriffen werden.

Ich sage damit nicht, dass es objektiv ein *guter* Zeitpunkt ist, der schnelle Gewinne garantiert - siehe oben meine Sicht auf Banken und die deutsche Bank im Speziellen. Aber relativ besser und aussichtsreicher, als die Zeitpunkte der vergangenen Jahre, ist der heutige Tag wohl allemal.

Lassen Sie sich also nun nicht zu stark vom "Recency-Bias" beeinflussen und auch nicht von denen, die nun nur nachleiern, was alle schon wissen: die Deutsche Bank als endlose Gruselgeschichte. Das ist aber alles schon in den Kursen und deswegen als Information wertlos. Was nun zählt ist dagegen die Frage, ob das der dunkelste Moment der Nacht vor dem Morgen ist?

Ob das für Sie genug ist, um in die Aktie einzusteigen, müssen Sie selber wissen. Ich konzentriere mich derzeit lieber auf die Aktien, die wirklich nach oben schieben, weil sie ihre Probleme abschütteln können. Wie eine -> Procter & Gamble <-. Oder auf Aktien im Aufwärtstrend mit brummendem Geschäftsmodell, wie eine -> Wirecard <-

Die Deutsche Bank steckt aber noch mittendrin im Turnaround, aber immerhin ist nun zumindest eine Chance da!

Ihr Hari

PS:

Noch läuft die Abstimmung zum Comdirect Finanzblog Award 2015.

Wenn Sie dieses Blog mögen und die freien Artikel zu schätzen wissen, wäre ich für Ihre Unterstützung dankbar. Diese eine Minute, haben Sie dann doch bestimmt für mich übrig, oder?:

Vielen Dank im Voraus!

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Petrobras & Volkswagen: Non-Value

Der folgende Artikel erschien Montag 28.09.15 10:30 in Hari Live und adressiert das ganz grundsätzliche Problem eines fehl interpretierten Value-Gedankens, mit dem sich zu viele Anleger immer wieder "Anlage-Gurken" ins Depot holen und daran dann auch noch zu lange festhalten.

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Ich habe hier ja schon oft gegen einen naiven, völlig falsch verstandenen Value-Gedanken gewettert, der dummerweise gerade in Deutschland immer wieder den unbedarften Anlegern verkauft wird und dort - typischerweise auf der Suche nach "Sicherheit" - auf fruchtbaren Boden fällt.

Und das ist der Irrglaube, dass es reichen würde, auf vergangene Stärke und die damit verbundenen Parameter wie KBV und KGV nach dem Motto "je kleiner desto besser" zu schauen, um "Value-Aktien" zu identifizieren.

Ich muss hier die Argumentation warum das Unfug ist, nicht wiederholen, sie steht sehr ausführlich im Artikel
-> Gedanken zum langfristigen Vermögensaufbau und zum Zerrbild des Value-Investing <-.
Der Tenor lautet: Value-Investing funktioniert. Aber nicht so trivial und nicht so einfach für normale Anleger.

Es gibt aber aktuell einen geradezu wunderbaren Fall, um das Zerrbild zu demontieren und nein, das ist nicht Volkswagen, obwohl man das Thema auch da fest machen kann.

Es ist der brasilianische Öl- und Staats-Konzern Petrobras, der nicht nur mit dem niedrigen Ölpreis, sondern auch mit Korruption und zu grossem staatlichem Einfluss zu kämpfen hat. Und darüber wollte ich schreiben.

Dummerweise ist mir Ende letzter Woche dann Mark Dittli von der FuW im Artikel zuvor gekommen, so dass ich die Story dahinter nun nicht wiederholen muss.

Ich will aber trotzdem noch ein paar ähnliche Sätze aus der Sicht der Aktienanlage hinzu fügen. Denn einige von Ihnen werden sich sicher daran erinnern, wie Petrobras 2010 oder 2011 gesehen wurde:

Riesig, erfolgreich, gigantische Ölfelder neu entdeckt, Teil einer dynamisch wachsenden Volkswirtschaft, gering bewertet, hohe Dividenden usw usw. Genau das war ein klassischen Beispiel für das Zerrbild des Value-Investings.

Und hier haben wir nun die US notierten ADRs zu Petrobras. Tiefer geht immer, oder? Und das soll "Value" sein?

Petrobas 28.09.15

Was ist passiert? Sie lesen es zum Teil bei Markt Dittli, aber gewisse Parallelitäten zu Volkswagen sind für mich persönlich durchaus da, wo es ja auch eine Staatsbeteiligung über das Land Niedersachsen gibt:

Grössenwahn, Korporatismus, Gemauschel und Rücksichtsnahmen zwischen Regierungen und Unternehmen und bei Petrobras zusätzlich und als I-Tüpfelchen sogar noch Korruption.

Und dann bringt das Schicksal halt plötzlich eine unerwartete Änderung der Spielregeln, wie bei Petrobras der stark fallende Ölpreis oder bei VW nun das aktuelle Geschehen, vermengt mit der Gezeitenwende der Elektromobilität.

Und es macht *Autsch* und alle schlummernden Probleme treten offen und schmerzhaft zu Tage. Was ist also eher "Value" als eine Petrobras?

Es sind Unternehmen mit einem dauerhaft stabilen Geschäftsmodell, die wachsen, agil sind und bewiesen haben, dass sie sich verändernden Umgebungsbedingungen schnell anpassen können und nicht wie die Dinosaurier beim ersten Meteoriten-Einschlag zu Grunde gehen. Und die auch nicht nur von einem Faktor wie dem Ölpreis abhängen.

Und um die zu finden, muss man sich intensiv mit dem Geschäftsmodell beschäftigen und auch nicht nur mit der Bewertung der Vergangenheit, sondern mit dem, was die Zukunft wahrscheinlich zu bieten hat. Das ist für normale Anleger kompetent fast nicht zu leisten und stellt sehr hohe Anforderungen, die weit über das Ablesen von Vergangenheits-Indikatoren wie KBV hinaus gehen.

Wenn man dem aber mit geringem Aufwand ein wenig näher kommen will, dann sind das Unternehmen wie die vorgestellte -> Procter & Gamble <- und eben nicht eine Petrobras, bei der alles von einem Parameter - dem Ölpreis - abhängt. Und auch nicht Volkswagen, das kurz vor einer bedeutenden Umwälzung der Technologie, einfach zu gross und träge geworden ist und auch ohne den aktuelle Skandal schon zum Problemfall geworden ist, siehe auch meinen Artikel schon von Mitte Juli -> Problemfall Volkswagen <-.

Übrigens, wer sehen will, wie es bei Volkswagen weiter geht, findet hier auch in der FUW ein treffendes Muster: .

Wer also unbedingt VW mag und als Aktie nun unbedingt will, kann das mit Kursen unter 100€ vielleicht mit sehr langfristigem Ansatz tun. Vielleicht. Ich persönlich mache das nicht und bin daran völlig desinteressiert, aber ein langfristiges Investment mit Einstieg unter 100€ wäre vielleicht zu verantworten.

Nur schnelle Gewinne braucht man eher nicht zu erwarten, das Thema wird nun lange und schmerzhaft Folgeschäden generieren. Und wenn das so ist, warum will man dann überhaupt VW nun näher treten? Ich will und werde es auf jeden Fall *nicht*, ausser als taktischer Trade.

Denken wir einfach an Petrobras und wie wenig Grösse und Vergangenheitszahlen bedeuten, wenn ein Gezeitenwechsel in der Welt ansteht! Und wer davon auch noch nicht überzeugt ist, kann ja mal an E.ON und RWE denken.

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E.ON und RWE: Dead Money

Der folgende Artikel erschien in Hari Live vor 5 Tagen am Donnerstag 10.09.15 14:30 und bekommt mit dem heutigen, erneuten massiven Absturz um bis zu 10% ganz neue Relevanz, weil die sein sollen.

Auch ein paar Tage alte Artikel können halt hohe Relevanz haben, lesen Sie mal:

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Vor Monaten, am Dienstag 03.02.15 17:50 unter dem Titel "Dead Money", hatte ich Ihnen in Hari Live mit sehr deutlichen Worten - damals war E.ON noch bei 13,x€ - klar gemacht, warum ich E.ON wie RWE für "Dead Money", also ein sinnloses Investment halte.

Und warum es ein grober Fehler ist, einfach auf Dividendenrenditen und KGVs zu starren und zu glauben, dass Aktien die da "billig" aussehen, auch attraktiv seien.

Nun haben wir ja in den letzten Wochen bei RWE die diversen Katastrophenmeldungen verfolgt und nun "scheppert" es auch bei E.ON wieder:

Aus Anlegersicht ist das ein Desaster, wie es schlimmer kaum sein könnte. Denn wer hält vernünftigerweise langfristig Aktien an einem Unternehmen, das mit potentiell existenzgefährdenden Milliardenkosten belastet ist?

Als Bürger finde ich es ja völlig in Ordnung, dass es den Stromkonzernen nicht erlaubt wird, sich "mit links" der Altlasten zu entledigen und die beim Steuerzahler abzuladen.

Wobei das nach meiner Vermutung am Ende sowieso passieren dürfte, weil die Konzerne theoretisch vorher Pleite gehen würden und dann auch wieder das Arbeitsplatz-Argument medienwirksam gespielt wird, um die Konzerne zu "retten". Bei RWE mit den kommunalen Aktionären, ist die "Rettung" fast sicher. RWE wird also bestimmt nicht Pleite gehen, eher wird es für den Steuerzahler sehr teuer.

Als Anleger aber, ist dieses das finale Signal für "raus, raus, raus" und ich halte es daher für gut vorstellbar, dass mit den 6% Minus heute noch lange nicht Schluss ist.

Schauen wir auf das Chart, sehen wir aber auch, dass uns die Markttechnik mal wieder viel früher gesagt hat, was hier los ist:

E.ON 10.09.15

Wir sehen das blaue Rechteck, in dem die Aktie nach dem 24.08. keinerlei brauchbaren Rebound zusammen bekommen hat. Und wir wissen ja:

Was nicht steigen kann, muss fallen! 😉

Nehmen wir die Kriterien für unser aktuelles Projekt der "guten Reversals", verstösst E.ON trotz der massiven Abgaben gegen alle drei Kriterien:

Erstens ist eine theoretische Pleitegefahr langfristig nicht völlig auszuschliessen. Zwar nicht heute und auch nicht direkt morgen, aber wenn sich eine dezentrale Energieerzeugung durchsetzen sollte und gleichzeitig die Atomkraftwerke real rückgebaut werden müssten und es dabei Probleme gibt, weiss ich persönlich derzeit nicht, woher die Unternehmen dafür den Cashflow nehmen wollen, Rückstellungen hin oder her.

Zweitens existiert in meinen Augen keinerlei tragfähiges Geschäftsmodell und es ist auch, trotz aller Bemühungen, für mich keines am Horizont. Bei RWE sieht es aufgrund der schwierigen Gesellschafterstrukturen sogar noch trüber aus.

Drittens haben wir hier keinen Rebound im Chart, sondern nur bärische Strukturen all überall.

Alle drei Kriterien sind also auf ROT und E.ON ist das krasse Gegenbeispiel zu einem "guten Reversal". Wir sehen daran auch, dass die Kriterien Wert haben und durchaus eine ebenso verprügelte, aber chancenreiche Aktie, von einer E.ON oder RWE unterscheiden können. Tief gefallen alleine, reicht eben nicht aus.

Trotzdem werden sich auch jetzt wieder Anleger und Medien finden, die der Meinung sind, dass E.ON ja nun tief genug gefallen sei und alles Schlechte im Kurs sei.

Ich kann dazu nur sagen: Falsch! Denn -> tiefer geht immer und erst bei Null ist Schluss! <-. Eine positive Überraschung aus dem Nichts, an die wir heute nicht denken, ist zwar immer drin, aber darauf nun blind wetten?

Was ohne Frage passieren wird ist, dass rein aus technischen Gründen, die Aktie nach dem Auslaufen des aktuellen Absturzes irgendwann auch wieder zurück kommen wird, eben weil es immer Dip-Käufer wie oben gibt, die gerne alles einsammeln, was sich billig anfühlt.

Es ist also durchaus wahrscheinlich, dass E.ON in absehbarer Zeit auch noch einmal über 10€ schaut.

Aber darüber hinaus? Für mich einfach "Dead Money", totes Geld also, solange sich da nicht ganz grundsätzlich etwas am Geschäftsmodell oder den Rahmenbedingungen ändert.

Es gibt aktuell so viele tolle Reversal-Kandidaten, die ebenso viel verloren haben und sich eben *nicht*, mit so einem existenzgefährdenden Rucksack abschleppen müssen. Konzentrieren wir uns auf die, die "guten Reversals"!

Ihr Hari

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Tesla Motors – geht der historische Aufwärtstrend nun endlich zu Ende ?

Die Aktie des Jahres ist wohl unzweideutig Tesla Motors (WKN: A1CX3T, TSLA). Wir waren hier auf Mr. Market von Anfang an dabei und hatten viel Spass und schöne Gewinne mit dem sensationellen Anstieg.

Schon im Februar letzten Jahres war das hier Thema eines langen Artikels: -> Tesla Motors, die Zukunft des Automobils <-

Dazwischen haben wir das Thema immer wieder intensiv verfolgt und kommentiert und diesen April war es wieder Thema eines grossen Artikels : -> Tesla Motors, eine Ohrfeige für Winterkorn, Piech, Zetsche und Co. <-

Nachdem Tesla dreistellig wurde, sind wir hier aber vorsichtiger geworden, haben uns individuell mit Trailing Stops noch hoch treiben lassen, aber die meisten Leser dürften nun auf der Seitenlinie stehen, wenn ich nach dem gehe, was in den Foren so zum Thema geschrieben wird.

Denn klar ist, dass bei aller Begeisterung, die auch ich immer noch für Tesla Motors habe, die aktuelle Bewertung sich weit, weit von jedem vernünftigen Mass entfernt hat. Man muss wirklich kein "Raketenwissenschaftler" sein, um das zu erkennen.

Ich habe mal vor Wochen versucht, meine extrem positive Erwartungshaltung an das Geschäftsmodell, in eine optimistische Bewertung zu kleiden und bin dabei rechnerisch auf ca. 80 USD fairen Gegenwartswert gekommen und habe das im Premium-Bereich dargestellt. Was immer noch eine stolze Bewertung für das aktuelle Unternehmen ist, aber wie gesagt, ich glaube eigentlich an den Erfolg des Unternehmens und bin daher bereit, Teile der Zukunft schon heute einzupreisen.

Denn die Flanke, die gerade die deutschen Hersteller auf machen, ist grösser als ein Scheunentor und diese (in meinen Augen) Ignoranz der Elite der deutschen Autobauer (Norbert Reithofer von BMW ausdrücklich ausgenommen), wird sich noch bitte rächen. Man muss sich mal auf der Zunge zergehen lassen, dass meine aktuelle Marke - Audi - vielleicht in ein paar Jahren in Breite brauchbare Hybrid-Modelle auf den Markt bringen wird. Das nenne ich sarkastisch mal "Vorsprung durch Technik" - wobei mir dabei mit spitzer Zunge eher "Stillstand durch Schnickschnack" einfällt. Ach waren das noch schöne Zeiten, als "Fugen-Ferdl" Piëch dort noch Verantwortung als Ingenieur hatte. Ich will aber keine Hybrid-Technik, die alles nur teurer und noch wartungsanfälliger und komplexer macht. Ich will rein elektisch fahren und Tesla beweist, das es schon längst geht, wenn man nur will.

Aber zurück zum Kurs der Aktie und zu meiner Bewertung. Diese "stolzen" 80 USD, die ich aktuell dem Unternehmen zubillige, wären aber immer noch mehr als eine Halbierung des aktuellen Kurses. Man sieht daran, in welche stratosphärischen Spähren sich der Kurs hinauf bewegt hat.

Nun sollte aber niemand glauben, das eine Momentum-Aktie so einfach dreht, nur weil jeder sehen kann, wie überbewertet sie ist. Der Markt macht höchst selten, was alle sehen können. Ich erinnere in dem Zusammenhang nur an Volkswagen, während der Schlacht um Porsche. VW war bei 500€ auch völlig überbewertet und stieg dann in einem brutalen und historischen Short-Squeeze wohin ? Genau, bis 1000 € ! AUA !

Niemand sollte sich also vor die Kurswalze Tesla stellen, nur weil er bzw. sie auch sehen kann, was jeder Mitbürger mit einem dreistelligen IQ sowieso sehen kann: Tesla ist überbewertet, aber who cares ? 😉

Geld kann man auf der Short Seite nicht machen, in dem man sich gegen den Markt stellt. Geld macht man, wenn man mit angeschlagenen Aktien die Reise nach unten mitmacht. Man muss also geduldig warten, bis der Zeitpunkt gekommen ist. Und dafür muss der Kurs erst einmal beweisen, dass es dieses mal wirklich nach unten geht.

Nun haben wir bei Tesla dafür aber eine neue Chance. Schauen Sie mit mir auf das Tageschart eines der sensationellsten Aufwärtstrends, die ich überhaupt je gesehen habe:

Tesla Motors 03.10.13

Sie sehen dass sich Tesla seit 2 Tagen in einer bedeutenden Korrektur befindet. Die entscheidende Frage ist dabei, ob es nur ein neues Tief im bestehenden Aufwärtstrend wird, oder ob nun ein Trendbruch folgt. Und wenn der Trend bricht, dürfte es schnell bis zur 100 USD Markte herunter gehen.

Das erste Warnsignal für den Trendbruch wäre, wenn die untere Trendlinie auch durchbrochen wird. Entscheidend ist aber, dass das Tief vom 08.09.13 bei 158,51 USD hält. Dort in der Nähe befindet sich auch die 50-Tage-Linie. Kann also die Unterstützung um 160 USD den Fall dieses mal nicht stoppen, dann hätten wir ein klares Signal, das dieses mal etwas anders ist im Lande Tesla und der Trend in Frage steht.

Dann kann man dem Gedanken an einen Short vielleicht näher treten. Vorher aber, hat der Trend unseren Respekt verdient. Ich denke immer daran, das solche starken Momentum-Aktien typischerweise lange brauchen, bis sie wirklich einbrechen, bis der Schub der gierig wartenden "Dip-Käufer" ausbleibt. Ich stelle mich nicht gegen den Markt und ich rate nicht. Ich warte geduldig, bis die Zeit vielleicht gekommen ist. Manchmal fällt das schwer und es juckt einen in den Fingern. Aber dann sollte man sich in den Haaren kratzen und nicht in die Tasten des Handelssystems greifen. Warten fällt schwer - gerade auch mir - aber es muss sein.

Und nach der giftigen Korrektur - wenn sie denn kommt - werde ich nicht vergessen, mir Tesla wieder ins Depot zu legen. Denn die mittelfristigen Aussichten sind weiter hervorragend.

Ihr Hari

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Wacker Chemie – Der Turnaround Kandidat, der Solarworld nicht ist ?

Es gibt einen typischen Verlauf bei sogenannten Turnaround Aktien und Wacker Chemie (WKN WCH888) ist ein klassisches Beispiel.

Zunächst einmal sind die idealen Turnaround Kandidaten Unternehmen mit grosser Substanz und einem etablierten, profitablen Geschäftsmodell. Das ist wichtig, weil das garantiert, dass der Turnaround wirklich irgendwann kommt, er also nur eine Frage der Zeit ist. Alleine darauf kompromisslos zu achten, verschafft einem schon einen erheblichen Vorteil, denn es gibt wohl nichts Schlimmeres, als auf den Turnaround einer Aktie zu setzen, die dann langsam und schmerzhaft Richtung Null fällt - so wie gerade bei Solarworld zu beobachten.

Wirklich verwunderlich ist das Geschehen bei Solarworld für mich persönlich aber nicht, denn Solarworlds temporärer Erfolg beruht nach meiner persönlichen Ansicht indirekt auf durch das EEG erzwungenen Subventionsgeldern, die bei Ihnen und mir über Jahre via Stromrechnung einkassiert wurden und letztlich die Taschen von Unternehmern wie Herrn Asbeck füllten. Laut Wirtschaftswoche übrigens die Herr Asbeck verdient hat. Wenn Sie so wollen für mich also eine staatliche organisierte Umverteilung "von unten nach oben" aus den Brieftaschen Otto Normalverbrauchers in die Taschen der Solarindustrie. Mittlerweile ist ja auch in der Politik angekommen, dass das zu dramatischen Entwicklungen beim Strompreis führt und das Schwarze-Peter-Spiel hat schon begonnen.

Herr Asbeck von Solarworld dürfte diese meine persönliche Einschätzung wahrscheinlich nicht teilen, zumindest nicht wenn man seinen letzten Einlassungen folgt, nach denen am Niedergang von Solarworld & Co. ja vor allem die bösen Chinesen mit ihren Dumpingpreisen schuld sind. Jetzt ist es auch unbestreitbar, dass der Wettbewerbsdruck hoch ist und die Chinesen mit weit geringeren Kosten operieren können und sich auch nicht schämen, Wissen und Technologie auf nach westlichen Massstäben rechtlich fragwürdige Art und Weise an sich zu bringen. Insofern hat Herr Asbeck ja auch nicht völlig unrecht.

Nur würde ich gerne mal wissen, in welcher Branche das anders ist ? Überall konkurrieren deutsche Mittelständler mit China und überall haben sie mit Kostennachteilen, Industriespionage und Dumpingangeboten zu kämpfen. Und trotzdem halten diese Mittelständler die Nase oben und behaupten sich aus eigener Kraft durch Innovationskraft. Nur die Solarindustrie kann das nicht, warum wohl ?

Meine ebenso harte wie persönliche Meinung ist: weil es diese aufgeblähte Industrie ohne die Subventionen des EEG nie gegeben hätte und Unternehmer wie Herr Asbeck nun nicht Multimillionäre wären. Wir hätten heute eine andere Solarindustrie, kleiner, härter, innovativer, besser organisiert. Eine Solarindustrie die wie andere Branchen aus eigener Kraft gegen China bestehen könnnte. Denn Subventionen machen fett und lahm, sich dem harten Wettbewerb stellen zu müssen macht dagegen fit und innovativ, wie weite Teile des deutschen Mittelstands immer wieder aufs Neue beweisen.

Aber wie auch immer, zurück zum Thema Turnaround Aktien. Was ich mit dem Ausflug zu Solarworld sagen will ist, dass es sehr wichtig ist nur bei solchen Aktien auf einen Turnaround zu setzen, die ein etabliertes, eigenständiges und profitables Geschäftsmodell haben und nur temporär unter exogenen Faktoren leiden.

So ein Unternehmen ist für mich Wacker Chemie (WKN WCH888) - Ein Unternehmen der Spezialchemie, das im Bereich Polysilizium auch unter dem "Solardesaster" leidet, dadurch aber nicht in der Existenz in Frage gestellt wird.

Aber selbst wenn man so ein Unternehmen identifiziert hat, ist der typische Ablauf bei derartigen Situationen immer ähnlich. Der Kurs fängt schon zu einem Zeitpunkt an zu fallen, wo die Mehrheit die grundlegenden Probleme noch nicht sehen kann. Dann notiert der Kurs 20% unter Höchstkurs und die ersten "Schnäppchenjäger" kaufen wieder. Der Kurs fällt aber weiter. Bald notiert er 40% tiefer und jetzt ist die Aktie wirklich "saubillig" - nur der Kurs fällt trotzdem weiter. 😉

Und so geht es schmerzhaft weiter. Der Kurs fällt und fällt und immer wieder verbrennen sich Anleger die Finger, weil sie die Aktie nach den alten Massstäben für billig halten. Der Fehler den die Anleger machen, ist die Aktie immer noch aus der alten Brille zu betrachten und zu übersehen, dass es schon längst ein "New Normal" gibt. Und so geht es schmerzhaft weiter, über Monate und Jahre, bis irgendwann niemand mehr ein Pfennig darauf setzen will, dass diese Aktie je wieder dreht.

Dann, genau an diesem Tag, hat der Kurs seinen Tiefpunkt erreicht und setzt aus dem "Nichts" und ohne Nachricht zu einer Rally an. Alle Anleger, die vorher immer wieder ins fallende Messer griffen, sind nicht mehr dabei und haben die Aktie frustriert beiseite gelegt.

Nun haussiert der Kurs, ausgehend von den tiefen Niveaus im hohen zweistelligen Prozentbereich, obwohl diese Bewegung aus langfristiger Sicht nicht mehr als ein "Zacken" im langfristigen Abwärtstrend ist. Nachdem die Aktie über Tage und Wochen hochgelaufen ist, werden nun auch die ersten der alten Anleger wieder aufmerksam und trauen sich - angeregt durch die gute Stimmung in den Medien - einen ersten Fuss in die Aktie zu stellen.

Genau das ist der Tag, an dem die Aufwärtsbewegung ausläuft und die Aktie zu einer bösen Korrektur ansetzt. Eine Korrektur, die typischerweise ca. die Hälfte des ursprünglichen Anstiegs wieder auslöscht und die Anleger endgültig aus der Aktie vertreibt.

Dann erst ist die Situation so bereinigt, dass die Aktie bereit für eine dauerhafte Aufwärtsbewegung ist - der nächste mehrjährige Anstieg kann kommen. 🙂

Schauen wir auf Wacker Chemie, könnte es gut sein, dass sich die Aktie im Moment genau an diesem Punkt der auslaufenden ersten 50% Korrektur befindet. Schauen Sie selbst auf die Charts und ziehen Sie Ihre eigenen Schlüsse.

Erstens das 4-Stunden-Chart seit Oktober 2012 mit dem zulaufenden Dreieck, dass sich mit statistisch höherer Wahrscheinlichkeit nach oben auflöst:

Wacker Chemie Turnaround 04.02.13

Zweitens das Wochenchart seit 2007, das die Korrektur und Gegenbewegung in eine grössere Perspektive stellt. Sie sehen, die potentielle Cup&Handle Umkehrformation und Sie sehen auch, wie der Abgabedruck ausläuft und Raum für eine potentielle grosse Wendeformation bietet:

Wacker Chemie Umkehrformation 04.02.13

Wie immer kann alles ganz anders kommen und ein Stop dürfte auch hier sinnvoll sein. Aber selbst wenn Wacker Chemie doch wieder nach unten dreht und neue Tiefs generiert: ich sehe im Moment nichts, was gegen ein dauerhaftes Überleben von Wacker Chemie sprechen würde und dann dürfte aus langfristiger Perspektive der Tiefpunkt nicht mehr allzu weit entfernt sein.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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