ThyssenKrupp – das Interregnum vor dem Neuanfang

Treue Leser wissen, wie kritisch ich ThyssenKrupp (WKN: 750000) lange gesehen habe.

Artikel vom Februar 2012 wie -> Vom Donnerhall zum Anlagenbauer <- oder vom Juli diesen Jahres wie -> Thyssenkrupp und das Problem Berthold Beitz <- legen davon Zeugnis ab.

Lange war die Aktie daher auf meiner "Igitt"-Liste und ausschlaggebend waren dafür für mich drei Faktoren:

  • Eine Krupp-Stiftung mit Berthold Beitz an der Spitze, die einerseits mit Sonderrechten im Aufsichtsrat die ThyssenKrupp AG de facto kontrollierte, andererseits aber zum Bremsklotz geworden war. Unter anderem weil sie - nach dem was man lesen konnte - mangels Finanzkraft scheinbar nicht in der Lage war, eine zwingend notwendige Kapitalerhöhung mitzugehen.
  • Ein Aufsichtsratsvorsitzender in Person von Gerhard Cromme, der alle Fehlentscheidungen bei ThyssenKrupp des letzten Jahrzehntes aus seiner herausgehobenen Rolle heraus mit zu verantworten hatte. Cromme ist ein Manager, den ich persönlich zwar für einen hervorragenden "Strippenzieher" halte, ansonsten aber für eher ungeeignet halte, ein Industrieunternehmen mit Kreativität, Offenheit und Tatendrang nach vorne zu führen. Zumindest sind mir persönlich derartig positive Entwicklungen in seinem "segensreichen Wirken" der Vergangenheit nicht aufgefallen - übrigens auch nicht bei Siemens, wo er noch Aufsichtsratsvorsitzender ist. Soweit meine ebenso bescheidene, wie persönliche Meinung zu Herrn Cromme.
  • Eine Unternehmenskultur, die natürlich massgeblich von den beiden obigen, herausgehobenen Herren mitgeprägt wurde und nach meinem persönlichen Eindruck von Hierarchiedenken, ja Seilschaften und Kaderdenken und teilweise auch Grossmannssucht geprägt war. Diese Unternehmenskultur hat nach meiner Überzeugung daran mitgewirkt, dass es ThyssenKrupp geschafft hat, exakt zum Höhepunkt der Stahlkonjunktur diese gigantischen Investitionen in Amerika anzustossen, die nun wie ein Klotz am Bein des Unternehmens hängen und das Kapital aufzehren. Ein 5-jähriges Kind ohne jedes Verständnis der Zyklizität der Stahlindustrie, hätte keinen schlechteren Zeitpunkt für die Investition finden können und ein Würfel hätte wahrscheinlich rein statistisch einen besseren Zeitpunkt gefunden.

    Auf jeden Fall sprechen Jagdpachten und Luxusreisen eine beredte Sprache dieser Unternehmenskultur. Und wenn Sie meinen, das ich mir das einbilde, schauen Sie noch einmal beispielhaft in Artikel der Welt von März diesen Jahres hinein, in dem sogar der neue Konzernchef Hiesinger mit einer ähnlichen Charakterisierung zitiert wird.

All das ist nun aber vergangen und Geschichte. Berthold Beitz ist von uns gegangen. Und bei all den Fehlern, an denen letztlich auch er in hohem Alter bei ThyssenKrupp beteiligt war, sind diese doch nur Petitessen im Angesicht eines erfüllten und ereignisreichen Lebens, das man mit Respekt betrachten sollte. Und Gerhard Cromme ist zurück getreten und beschränkt sein Wirken nun auf Siemens.

Damit hat Konzernchef Heinrich Hiesinger nun die Fäden in der Hand und von seiner zupackenden Art erhoffe ich nun Änderungen bei der Unternehmenskultur von ThyssenKrupp. Erfreulich ist auch, das es bisher nicht zu einem Notverkauf der amerikanischen Stahlwerke "um jeden Preis" gekommen ist. Denn wie ich schon mehrfach schrieb, wäre der Zeitpunkt in meinen Augen ebenso prozyklisch und unglücklich, wie der Zeitpunkt der Investition. Denn es ist gut möglich, dass der Boden des Stahlzyklus nun erreicht ist oder sogar schon hinter uns liegt.

Und zu guter Letzt hat ThyssenKrupp mit Cevian nun einen schwedischen Finanzinvestor an Bord, der einen guten Ruf in der Branche besitzt und ähnlich Deals schon erfolgreich durchzog. Auch das wird die Position von ThyssenKrupp stärken.

Damit hat Heinrich Hiesinger nun die Chance, mit einer grossen Kapitalerhöhung die Abhängigkeit von der Krupp-Stiftung zu durchschlagen und damit auch genügend Luft zu gewinnen, um keinen Notverkauf um jeden Preis bei den Stahlwerken durchführen zu müssen. Das wäre auch die Grundlage, dass man ThyssenKrupp an der Börse wieder aus der Sicht des Wertes der Einzelteile betrachten kann.

Wenn jetzt die richtigen Entscheidungen getroffen werden, erleben wir vielleicht also gerade ein Interregnum, an das sich ein erfolgreicher Neuanfang bei ThyssenKrupp anschliesst. Ich würde es diesem Traditionskonzern wünschen.

Und weil das so ist, ist die Aktie nun auch nicht mehr auf meiner "Igitt"-Liste. Im Gegenteil, ich fange an, mich für einen Einstieg zu interessieren.

Wenn wir auf das Chart mit Tageskerzen schauen, sehen wir auch, dass die Aktie schon seit April einen neuen Aufwärtstrend begonnen hat. Sollte der Kurs nun - vielleicht im Zuge einer allgemeinen Marktkorrektur - zur Trendlinie und damit auch zur 200-Tage-Linie zurück kommen, könnte das ein interessanter Einstiegspunkt werden:

ThyssenKrupp 07.10.13

Im Moment aber neige ich noch dazu abzuwarten, zu wahrscheinlich markiert das Hoch vom 25.09. ein temporäres Hoch im neuen Trend. Und soooo eilig muss man es bei ThyssenKrupp nun auch nicht haben, eine Kapitalerhöhung dürfte den Kurs noch einmal nach unten zerren.

Die Zeit aber, in der ich die ThyssenKrupp Aktie konsequent geschnitten habe, ist nun definitiv vorbei.

Glückauf ThyssenKrupp !

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ThyssenKrupp und das Problem Berthold Beitz

Heute möchte ich - in Form eines sehr persönlichen Kommentars - meine subjektive Wertung der aktuellen Ereignisse bei ThyssenKrupp mit Ihnen teilen.

Dabei geht es mir nicht um das Nacherzählen der Ereignisse, das machen andere zu Genüge. In diesem Fall ist die entscheidene Quelle das Wall Street Journal, dessen Artikel Ihnen einen Überblick verschafft. Ich will hier statt dessen versuchen, zum Thema einen Gedankengang anzustossen, der nicht überall zu finden ist.

Kurzfristig ist die aktuelle Entwicklung für die Aktie von ThyssenKrupp ohne Frage negativ und die Reaktion des Marktes angemessen, denn bei ThyssenKrupp stellt sich in Anbetracht der Verluste und der immer mehr schwindenden Liquidität langsam die Existenzfrage. Möglicherweise zu Recht sagen schon heute viele Stimmen, dass ThyssenKrupp so oder so nicht um eine Kapitalerhöhung herum kommt.

Und da liegt auch der Punkt, warum ich die aktuelle Entwicklung ausdrücklich begrüsse. Mein Blick ist dabei nicht der Blick eines Aktionärs, als Anleger gehört ThyssenKrupp - wie Sie als treue Leser wissen - schon lange zu meinen "Igitt-Aktien". Lesen Sie bei Interesse noch einmal meinen nun 1,5 Jahre alten Artikel -> Vom Donnerhall zum Anlagenbauer <-, der auch heute noch Aktualität hat.

Nein, mein Blick ist der eines deutschen Bürgers und Unternehmers mit Augenmerk auf die langfristige Wirtschaftskraft Deutschlands, der sich wünscht, dass der Traditionskonzern ("Kruppstahl!") Deutschland erhalten bleibt und einen Weg in eine profitable Zukunft findet. Denn eine Industrienation wie Deutschland braucht einen Stahlriesen, es ist ein Irrweg sich in den Grundlagen der industriellen Produktion völlig von China und Co. abhängig zu machen.

Sie wissen aus meinen Artikeln zu ThyssenKrupp auch, dass ich den jetzigen Notverkauf der beiden Stahlwerke langfristig für eine groteske Fehlentscheidung halte. Bitte führen Sie sich vor Augen, dass diese Stahlwerke auf dem Höhepunkt des Booms blauäugig geplant wurden und nun auf dem Tiefpunkt des Stahlzyklus weit unter Baukosten raus geschleudert werden. Schlechteres Timing haben selbst die Privatanleger nicht geschafft, die im Jahr 2000 für über 100€ die Telekom kauften, um sie dann 10 Jahre später für unter 10€ zu verscherbeln. Der Unterschied ist nur: die dafür Verantwortlichen bei ThyssenKrupp wurden mit Millionen entlohnt, erhalten dicke Pensionen oder gerieren sich auf der Villa Hügel als grosse Förderer. Die Privatanleger der Telekom haben einfach Geld verloren und das völlig zu Recht.

Mit diesen Worten nehme ich bewusst ins Visier, denn hinter dem "Größenwahn" bei ThyssenKrupp (um seine Worte im verlinkten Spiegel Artikel zu benutzen), steht mit Berthold Beitz das Machtzentrum in Form der Krupp Stiftung, das diese "dem Größenwahn" verfallenen Top-Manager wie Cromme geholt und protegiert hat. Und diese regelmässig zum "Rapport" in die Villa Hügel bestellt hat.

Natürlich hat ein Berthold Beitz diese Entscheidungen nicht im Detail getroffen und überwacht. Das wäre für einen über 90-jährigen auch zu viel verlangt. Aber die Kultur bei ThyssenKrupp, die sich in vielen Details wie oder offenbart, hat natürlich jede Menge mit dem Stil zu tun, in dem die Top Manager des Konzerns agierten. Und dieser "Comment" hat eben jede Menge mit der Krupp Stiftung und Berthold Beitz zu tun.

Und ja ich weiss, Berthold Beitz ist eine Person der Wirtschafts- und auch Sport-Geschichte und hat auch über ThyssenKrupp hinaus eine Lebensleistung erbracht, die ich ausdrücklich mit Respekt betrachte. Wobei mir ehrlich gesagt die "Verdienste" von Menschen immer noch wichtiger sind, die mit eigenen Händen etwas schaffen, als die "Verdienste" von Menschen die das Geld ausgeben, das ihnen anderen überantwortet haben. Vielleicht liegt diese Haltung daran, dass ich mich selber aus eigener Kraft hoch gearbeitet habe und mir nichts, aber auch gar nichts, geschenkt wurde. Solche echten Verdienste hat Berthold Beitz übrigens auch, insbesondere aus der Zeit des zweiten Weltkrieges. Und ich erwähne das hier nur, um meinen ausdrücklichen Respekt vor seiner Lebensleistung abseits von ThyssenKrupp auszudrücken.

Aber allgemeiner Respekt ist kein Grund für falsch verstandene Rücksichtsnahme, wenn es um das Schicksal eines ganzen Konzerns geht. Denn um das was Berthold Beitz war, geht es bei ThyssenKrupp nicht mehr. Es geht um die Zukunft eines der bekanntesten Industriekonzerne Deutschlands. Eines Konzerns, der ehedem einen Ruf wie Donnerhall hatte. Und der Respekt vor dieser Zukunft und dem Schicksal zehntausender Arbeitnehmer gebietet es, falsche Rücksichten fallen zu lassen und den Ursachen des Desasters bei ThyssenKrupp ins Auge zu sehen.

Um es deutlich zu sagen, der Versuch diese Stahlwerke nun um jeden Preis zu verscherbeln, ist in meinen Augen erneut ein Desaster. Ein Desaster das in meinen Augen nicht nötig wäre, wenn da die Krupp Stiftung nicht wäre. Denn die will nach dem was man liest unbedingt ihre Sperrminorität behalten, die ihr die Kontrolle des Konzerns erlaubt. Eigentlich gibt es für den ThyssenKrupp Konzern nämlich eine saubere Lösung und die lautet im Stile Guderians "Klotzen nicht Kleckern". Der Konzern braucht eine grosse Kapitalerhöhung und damit Infusion von Kapital. Dann könnte man nämlich die Stahlwerke in Amerika durchaus noch zum Erfolg führen.

Machen Sie sich bitte klar, dass wir es hier mit einem neuen Stahlwerk in der aufstrebenden Grossmacht Brasilien zu tun haben, dessen Stahl dann in den USA weiter verarbeitet werden sollte und dort zum Beispiel an die US Autoindustrie verkauft werden sollte. Nun befindet sich Brasilien dummerweise gerade in einer Krise, aus der Brasilien alleine durch seine Demographie aber bestimmt heraus findet und immer noch einen gigantischen Investitions- und damit Stahlbedarf hat. Und die US Autoindustrie befand sich dummerweise in den letzten Jahren auch in der Krise, gerät nun aber potentiell im Fahrtwind von Elon Musks Tesla in eine neue Phase des Aufschwungs. Sind diese Investionen in die Stahlwerke wirklich so grundlegend falsch, oder haben sie - und das ist meine Überzeugung - einfach nur ein grottenschlechtes Timing ?

Langfristig gesehen sind die Stahlwerke nämlich nach meiner Erwartung gar keine schlechte Idee und haben im nächsten Boom die Chancen grosse Gewinne abzuwerfen. Die Stahlindustrie war schon immer extrem zyklisch. Aber dafür braucht es die grosse Kapitalerhöhung. Und diese Kapitalerhöhung könnte die Krupp Stiftung nicht mitgehen und würde dadurch ihren Griff um das Unternehmen verlieren. Und deswegen muss sich Konzernchef Hiesinger nun wohl mühen, diese Investionen um nahezu jeden Preis los zu werden, auch wenn das Milliarden an Abschreibungen auslöst.

Am Ende ist also nach meiner persönlichen Wertung der Situation der Machtanspruch von Berthold Beitz eine der entscheidenden Ursachen, warum der ThyssenKrupp Konzern nun so unterkapitalisiert ist. Die Entwicklung des Konzerns seit 1967, als Beitz die Stiftung und damit die Kontrolle übernahm bis heute, ist einfach nur traurig. Es gehört nach meinem Empfinden schon viel Selbstverleugnung dazu zu behaupten, dass das gar nichts mit dem Mann zu tun hätte, der die Fäden seit fast einem halben Jahrhundert autokratisch in der Hand hält.

Ach ja. Und wenn Sie meinen, dass nur ich das obige so sehe, dann lesen Sie mal, was der Neffe von Alfried Krupp, Friedrich von Bohlen und Halbach, dazu gesagt hat. Ich kann Ihnen nur empfehlen, das Interview genau zu lesen. Der Mann ist übrigens ein aktiver Biotech Unternehmer und kann insofern sehr wohl mitreden, was gute Unternehmensführung angeht.

Ein Scheitern des Verkaufs der Stahlwerke wäre also nach meiner Meinung in zweifacher Hinsicht gut. Erstens weil es diese prinzipiell sinnvollen Investitionen nicht für einen "Apfel und eine Ei" an die Konkurrenz verscherbelt. Und so Deutschland einen langfristig wichtigen Stahlkonzern erhält. Und zweitens weil es die "grosse Kapitalerhöhung" erzwingt, die endlich die Sperrposition der Krupp Stiftung zertrümmert und damit endlich auch das Ende der autokratischen Führung durch Berthold Beitz einleitet.

Für die Mitarbeiter von ThyssenKrupp und für den Industriestandort Deutschland wäre das in meinen Augen eine sehr gute Nachricht. Denn Stahl wird auch in 10 und in 20 Jahren noch essentielle Bedeutung für eine Industrienation haben. Stahl ist keineswegs ein Auslaufmodell und man darf das Missmanagement einzelner Herren nicht zum Massstab für Industriepolitik machen. Bluten würden in dem Szenario nur die jetzigen Aktionäre, angefangen mit der Krupp Stiftung.

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 11.04.12 – Nokia bricht ein, ThyssenKrupp leidet

22 Uhr - Handelsschluss

Wie erwartet erholten sich die Märkte heute etwas von den gestrigen, schweren Einschlägen. Der S&P500 konnte zeitweise den 50er Moving Average bei 1371 zurück erobern und der DAX stieg bis über 6700, bevor er zum Handelsschluss etwas zurück fiel.

War es das schon mit der Korrektur ? Kann sein, aber ehrlich gesagt, ich bin noch nicht überzeugt. Die heutige Stärke war nach der überverkauften Markttechnik wenig überraschend und ist nach Art und Umfang noch nicht ausreichend, um zwingend ein Ende der Abwärtsbewegung auszurufen. Im S&P 500 ist auch eigentlich noch ein technisches Ziel bei 1351 abzuarbeiten, falls das noch passiert, würde es den DAX sicher unter 6600 drücken. Auf der anderen Seite kann man das heutige Marktverhalten auch als "Bullenflagge" interpretieren, die dann Morgen nach oben aufgelöst würde.

Im Ergebnis hatten wir heute weder genug Stärke um dieser besondere Bedeutung beizumessen, noch weitere Schwäche, die einen fortgesetzten Absturz indizieren würde. Wir hatten heute eine Beruhigung, das alleine ist schon latent positiv, mehr aber auch nicht.

Insofern bleibe ich verhalten, habe gestern selektiv hier und da ein bisschen zugekauft, halte aber den wesentlichen Teil meines Pulvers noch trocken und war heute eher inaktiv. Mehr gibt es heute auch nicht zum Markt zu sagen, abwarten und Tee trinken ist das Gebot der Stunde.

Ein ganz übles Kapitel des heutigen Tages schrieb Nokia (WKN 870737). Überraschend gab Nokia bekannt, dass im 1. Quartal die Margenziele für die Smartphones verfehlt werden. Man könnte das flapsig übersetzen als: "Nokia bekommt in dem Markt kein Bein mehr auf die Erde". Der Markt reagierte entsprechend und strafte Nokia mit einem Minus von bis zu 18% ab. AUA !

Als ob das nicht genügen würde, kam heute noch eine Katastrophen-Nachricht hinzu, die gut ins traurige Bild passt. Nokia hat scheinbar den US Marktstart seines Lumia 900 Smartphones vergeigt. Das letzten Sonntag in den USA eingeführte Gerät hat wohl einen Softwarefehler und kann laut Nokia die Datenverbindung verlieren. „Um den 16. April“ soll es eine Software geben, die den Fehler behebt, gleichzeitig zahlt Nokia 100 USD Entschädigung, womit das Gerät wohl zum Zuschussmodell wird.

Schlimmer gehts nimmer, kann man da nur sagen und so kann man sich einen Ruf auch nachhaltig ruinieren. Bei so einem entscheidenden Anlauf im wichtigsten Markt einen derartig grundlegenden Fehler zu produzieren, zeugt für mich von schweren Verwerfungen in der Organisation und ruiniert den Ruf der Marke. 15% Minus bei Handelsschluss sind da in Anbetracht der heutigen Nachrichten noch harmlos.

Das sieht in meinen Augen nun ganz finster aus bei Nokia und das einzig Positive, das mir nun zu dem Titel einfällt ist, dass nun wohl alle die Nokia verkaufen wollen, endgültig draussen sind. Insofern könnte nun kurzfristig eine technische Gegenbewegung möglich sein. Ich werde aber nicht versuchen diese zu spielen und bin froh, dass ich beim Unterschreiten der 4€ Linie durch meinen Stop schon vor Wochen aus dem Titel gekommen bin.

Denn diese Nachricht wirft in meinen Augen nun weit tiefergehende Fragen nach der prinzipiellen Profitabilität von Nokia auf. Und damit steht mittelfristig auch die Überlebensfähigkeit im Markt im Raum. Denn im Massengeschäft der Emerging Markets, in denen Nokia immer noch grosse Volumina mit einfachen Handys absetzt, ist der Preisdruck auf die Margen ja nun auch nicht gerade klein.

Nokia steht nun auf der einen Seite neben einer Marke "Apple", die eine Macht darstellt und auf absehbare Zeit den Markt dominieren sollte. Und auf der anderen Seite steht der aggressive Technologie-Riese Samsung, der alle wesentlichen Technologien im Haus hat und praktisch nichts zukaufen muss, was einen hohen Spielraum bei aggressiven Preiskämpfen gewährt. Wo da Nokia zur Spitze durchstossen will, ist derzeit schwer vorstellbar.

Circa ein Jahr ist es nun her, dass Stephen Elop den Schwenk hin zu Microsoft bekannt gab. Diesen Zeitablauf vor Augen, sind die bisherigen Ergebnisse in meinen Augen wenig überzeugend, denn wenn man so einen gewaltigen Schritt bekannt gibt, sollte man dann auch bald liefern können. Sicher, derzeit ist Nokia nicht mehr viel mehr wert, als alleine das Patentportfolio ausmachen dürfte. Insofern sichert das den Kurs nach unten ab. Aber ob das in Anbetracht der immer weiter schwindenden Kraft der Marke "Nokia" alleine ein Grund für eine Investition ist, wage ich nun zu bezweifeln.

Lange bin auch ich ja davon ausgegangen, dass Nokia wieder auferstehen kann. Und vor einem halben Jahr, vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft 2011, habe ich die Lage bei Nokia auch als weit hoffnungsvoller eingeschätzt. Da hatte Nokia auch eine Chance und ein Erfolg im Weihnachtsgeschäft hätte den Ruf wieder stabilisieren können. Da hätte man liefern müssen und als dem Markt klar wurde, dass Nokia das nicht ausreichend hinbekommt, begann auch die Reise abwärts vom Bereich um 5€, die nun mit fast 3€ einen traurigen Tiefpunkt erreicht.

Der heutige Tag, den ich als Offenbarungseid empfinde, erzeugt da bei mir nun ein tiefgehendes Fragezeichen und ich sehe nun wenig Grund, rein auf Verdacht und Hoffnung Kapital in Nokia zu binden. Eigentlich sind die Lumia ja schöne Geräte, aber eigentlich reicht halt nicht, sie müssen auch funktionieren und technologisch etwas zu bieten haben. Die Geschwindigkeit des Duos Microsoft/Nokia lässt also offensichtlich deutlich zu wünschen übrig, wie man so gegen Apple und Samsung bestehen will, bleibt für mich im Dunkeln. Und wie ich über den Erfolg der "Metro" Strategie bei Microsoft denke, habe ich ja -> hier <- deutlich gemacht.

Ich werde mir das "Spektakel" um Microsoft und Nokia auf jeden Fall weiter nur von der Seitenlinie anschauen. Sollten die beiden doch noch ihre Hausaufgaben zusammen bekommen und langsam wieder Marktanteile gewinnen, ist noch genug Zeit auf den Zug aufzuspringen. Das so eine Bewegung über Jahre geht, kann man ja gerade gut bei Apple beobachten.

Stark waren heute die Stahlwerte rund um Salzgitter (WKN 620200) und Klöckner (WKN KC0100), die heute nicht nur von den guten Alcoa-Zahlen profitierten, sondern ja auch technisch mehr als ausgebombt sind. Vor diesem Hintergrund ist der Anstieg heute aber auch nicht mehr als eine kleine Gegenbewegung, auch wenn die Stahlkonjunktur in Deutschland wieder anzuziehen scheint. Der Preisdruck aus China liegt aber wie Blei auf diesen Werten. Sollte sich der Häusermarkt in China weiter abschwächen, dürfte uns dieser Preisdruck auch noch länger erhalten bleiben.

Für Stahlkocher wie ThyssenKrupp (WKN 750000), die zusätzlich zur schwierigen Marktlage noch mit selbst verursachten operativen Problemen und Verlusten kämpfen, sind das keine guten Nachrichten. Da fühle ich mich in einer finanziell soliden Aktie wie Salzgitter wesentlich wohler. Und wer es etwas internationaler mag, kann zum Marktführer Arcelormittal (WKN A0M6U2) greifen. Arcelormittal hat übrigens seine Erzminen nicht verkauft und baut diese im Moment weiter aus. Damit ist Arcelormittal von den grossen Erzförderern rund um Vale oder Rio Tinto weitgehend unabhängig und hängt mit seiner Marge nicht derart eingequetscht zwischen "Baum und Borke" wie ThyssenKrupp.

In dem Zusammenhang erinnere ich an meinen kritischen Artikel -> Vom Donnerhall zum Anlagenbauer <- zu den Fehlgriffen der Verantwortlichen bei ThyssenKrupp. Der Verkauf der eigenen Erzminen von 2001 ist dabei für mich auch so eine strategische Fehlleistung der "grossen Restrukturierer", mit der ein derartiges Traditionsunternehmen überhaupt erst den wilden Preisschwankungen bei Erz ausgesetzt wurde.

Ich habe dazu mal die Pressemitteilung von 2001 heraus gekramt, mit der der Verkauf der brasilianischen Erzminen des Thyssenkrupp Konzerns an Vale bekannt gegeben wurde. Heute liest sich das für mich wie ein Auszug aus dem Kuriositätenkabinett, ich zitiere Ekkehard Schulz: "Diese Transaktion ist ein Schritt zur Wertschaffung für ThyssenKrupp Stahl und den gesamten ThyssenKrupp Konzern. Sie ist ein weiterer Baustein in unserer Strategie des wertorientierten Managements".

Bravo, kann ich da nur sarkastisch sagen, das prozyklische Timing ist aller Ehren wert - Verkauf der Erzminen auf dem Tiefpunkt, bevor dann eine langjährige Hausse bei den Roherzen einsetzte, die Rio Tinto, Vale und Co. in ungeahnte Höhen katapultierte und den Wert der verkauften Minen vervielfachte. Und der Neubau der beiden Stahlwerke in Amerika, die nun solche Probleme machen, wurde ja auch prozyklisch mitten im Höhepunkt der Stahlkonjunktur beschlossen. Wenn es einen Preis für das schlechteste Timing gäbe, die Herren Cromme und Schulz hätten in meinen Augen gute Chancen auf eine Nominierung. Es wäre ja eigentlich lustig, wenn nicht durch diese Fehlgriffe die Gefahr bestünde, dass Deutschland seinen einzigen Stahlkonzern von Weltruf mit 150 jähriger Geschichte verliert.

Und auch wenn Herr Cromme in der Pressemitteilung nicht erwähnt wird, er bildete laut bis September 2001 mit Ekkehard Schulz eine Doppelspitze bei ThyssenKrupp, bevor er dann in den Vorsitz des Aufsichtsrates wechselte. Es ist schon erstaunlich, wie er es geschafft hat, dass von solchen Entscheidungen nichts an ihm persönlich hängen geblieben ist und er so zu einer der mächtigsten Personen der deutschen Wirtschaft aufsteigen konnte. Eines muss man Herrn Cromme lassen, ein Händchen für Machtpolitik hat er mit Sicherheit.

Zum Abschluss noch ein exzellenter, kurzer Artikel, der so gut und treffend ist, dass ich Ihnen die Lektüre wärmstens ans Herz legen möchte ! Es dauert nur 2 Minuten und hält uns als Anleger den Spiegel vor.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 21.03.12 – Tag 2 der Konsolidierung – Siemens und die Macht des Gerhard Cromme

21 Uhr - Handelsschluss

Erneut agiert der Markt heute wie erwartet. Im S&P500 haben wir heute die 1400 von oben getestet und im DAX waren wir nur minimal von der 7000er Marke entfernt. Aber erneut kam dann Kaufinteresse in den Markt, weswegen für mich der in den letzten Tagen beschriebene Setup immer wahrscheinlicher wird. Mit jedem Tag den wir auf diese Weise konsolidieren, ohne wirklich nach unten wegzubrechen, steigen für mich die Chancen, dass sich dann eine starke Bewegung nach oben zum Quartalsende anschliesst. Diese Bewegung werde ich dann aber zum temporären Ausstieg nutzen, denn der Markt ist nun zu schnell zu weit gelaufen, eine scharfe Korrektur in den nächsten Monaten ist in meinen Augen unvermeidlich. Die Frage ist nur, ob diese Korrektur eher bei DAX 7200 oder DAX 7500 startet.

Ich lasse mich bisher von der aktuellen Schwäche nicht nervös machen, sondern nutze diese um mich zu repositionieren und vorzubereiten. Nachdem wir heute aber nicht weit von den Marken 1400 und 7000 weg gekommen sind, könnte es Morgen einen erneuten Test der Marken geben. Noch nicht einmal ein kurzer Taucher unter DAX 7000 würde mich aber nervös machen, wenn er im Laufe des Handelstages wieder über 7000 gekauft würde. Erst eine Bewegung unter DAX 7000, die ohne grosse Gegenwehr der Bullen dann auch unter 7000 schliesst, würde mich doch zu mehr Defensive veranlassen. Denn dann dürfte man die Frage stellen, ob wir vielleicht doch schon den kurzfristigen Top gesehen haben.

Kommen wir also gleich zu den Einzelaktien, denn an der grundlegenden Strategie zum Markt gibt es keinen Änderungsbedarf.

Ein Quentchen Glück war natürlich dabei, gestern im Anstieg nach der Pressekonferenz bei der Metro (WKN 725750) Gewinne mitzunehmen. Denn heute war Metro mit zeitweise Minus 4% der schwächste Wert im DAX. Scheinbar hat der Markt ein bischen länger gebraucht, um zum Schluss zu kommen, dass die Aussagen des neuen Managements wenig inspirierend waren. Immerhin hat der neue CEO Olaf Koch aber heute laut "Directors Dealings" Mitteilung 20.000 Metro Aktien zu knapp unter 30€ gekauft. In Summe also ein Investment von fast 600.000€, das man durchaus als positives Signal werten darf.

Dagegen hat ein Analyst der Citigroup heute mit seinem Sell-Rating für Metro und einem herab gesetzten Kursziel auf 22,5€, für mich so etwas wie das maximale Risiko der Metro definiert, sollte es dieses Jahr weiterhin keinerlei positive Nachrichten geben. Ich halte es aber eher mit dem Management als mit den Analysten und werde darüber nachdenken wieder einzusteigen, sobald die aktuelle Bewegung nach unten ausgelaufen ist. Denn bei der Metro dürfte nach meiner Ansicht schon eine einzige positive Nachricht - zum Beispiel zum Thema Kaufhof - ausreichen, um den Kurs deutlich nach oben zu bewegen.

Weniger perfekt war dagegen mein gestriger - Herrn Francioni geschuldeter - Ausstieg bei der Deutschen Börse (WKN 581005) bei etwas über 50€, denn der Titel war heute ohne grosse Nachricht bis auf über 51€ im Plus. Mitgeholfen hat dabei wohl ein positiver Kommentar der Commerzbank, der gegen 15 Uhr den Markt erreichte. Allerdings lautet das Kursziel der Commerzbank nur 54€, was sich ja weitgehend mit meinem -> hier am 10.02 <- genannten maximalen Kursziel von 55€ deckt. Ich sehe meinen leicht verfrühten Ausstieg daher erst einmal gelassen.

In der FTD gab es einen Artikel zur Personalpolitik von Gerhard Cromme in Sachen Aufsichtsrat bei Siemens (WKN 723610). Damit wird das Bild einer möglichen Annäherung von ThyssenKrupp (WKN 750000) und Siemens deutlicher, auch in der Capital soll Morgen dazu ja ein Artikel erscheinen. Sie als Leser dieses Blogs konnten davon aber -> hier <- schon am 14.02.12 lesen, in einem Artikel, in dem ich mich sehr kritisch mit dem Thema aus der Sicht von ThyssenKrupp auseinander gesetzt habe. Auf die Dementis aus den Unternehmen gebe ich dabei eher wenig, denn die Vorstände dürften auch nicht wissen, was Herr Cromme im stillen Kämmerlein alles so plant - wie sollen sie auch. Nur ein hartes Dementi von Herrn Cromme selber wäre für mich überzeugend, genau das habe ich aber bisher nicht feststellen können.

Mich macht die Machtpolitik des Herrn Cromme auch weiterhin nachdenklich, denn unabhängig von der Person Cromme - zu der ich mir mangels persönlicher Bekanntschaft kein Urteil erlauben kann - ist mir da nun zu viel Macht in einer Person vereinigt. Weswegen für mich weder Siemens noch ThyssenKrupp zu den Aktien gehören, in denen ich langfristig investiert sein möchte. Denn dieser Drang zu immer grösseren Fusionen schafft in meinen Augen keine Werte für die Aktionäre und keinen Vorteil für die Volkswirtschaft, weder bei der Deutschen Börse noch bei ThyssenKrupp oder Siemens.

Bei diesen Grossfusionen spielt für mich zu oft das Ego der Handelnden eine gewichtige Rolle, leider auch immer wieder zum Nachteil der Unternehmen - wer erinnert sich in Sachen Daimler noch an die "Hochzeit im Himmel" ? Und als "grosser Vereiniger" der beiden ruhmvollen Konzerne ThyssenKrupp und Siemens wäre ein Platz in den Geschichtsbüchern wohl ebenso sicher, wie Ruhm zur Lebenszeit. Unklar ist aber leider, ob eine solche Vereinigung nicht am Ende dann Deutschland ganz von derartiger Industrie entkernen würde. Denn auch die von Herrn Cromme 1999 massgeblich mit beförderte Fusion von Thyssen und Krupp hat am Ende im Sinne 1+1 leider nicht wie erhofft 2,5, sondern eher 1,5 ergeben, wie wir ja an ThyssenKrupp und seinen Problemen heute unschwer erkennen können.

Ich bedauere immer noch, dass der engagierte Klaus Kleinfeld unter Aufsichtsratchef Cromme als CEO von Siemens abtreten musste, obwohl ihm nie auch nur eine Kleinigkeit im Zusammenhang mit dem Schmiergeldskandal angehängt werden konnte. Sein Nachfolger Peter Löscher konnte dann vieles von dem ernten, was Kleinfeld bei Siemens angestossen hatte und Kleinfeld ist heute als CEO von Alcoa (WKN 850206) einer der ganz wenigen Deutschen, die einen der grossen amerikanischen Konzerne im Kernbereich führen und mit den grossen Namen von Obama bis Buffet verkehren.

Erstaunlich, das dieser Klaus Kleinfeld in Deutschland kaum bekannt ist, denn in den USA ist er ausserordentlich angesehen und hat damit geschafft, was nur den allerwenigsten Deutschen gelingt. Ich habe ein gut geschriebenes Portrait des Comebacks von Klaus Kleinfeld in der Capital von 2010 gefunden, das ich Ihnen wirklich ans Herz legen möchte - es lohnt sich zu lesen. Denn dieser Artikel geht über Kleinfeld hinaus und erhellt gut geschrieben wesentliche Unterschiede der deutschen und amerikanischen Geschäftswelt. Vielleicht, das ist meine höchst subjektive Vermutung, war Klaus Kleinfeld einfach zu unabhängig, selbstständig und gut vernetzt - und damit zu gefährlich - um als Siemens CEO weiter gewünscht zu sein.

Ob die grosse politische Korrektheit, mit der Siemens aus meiner Sicht heute sein sehr fokussiertes Geschäft definiert, wirklich ein langfristig erfolgreicher Weg ist, muss sich erst noch zeigen - ich persönlich betrachte diese Verengung des Geschäfts auf weniger Felder in Anbetracht der permanenten Umbrüche in der Welt mit Sorge. Das es Siemens schon seit über 150 Jahren gibt, war immer das Ergebnis einer sehr breiten Aufstellung, wie sie eine GE oder eine Toshiba heute noch haben, kein Geschäftsfeld war je dauerhaft erfolgreich - auch nicht bei Siemens. Diese Breite hat zwar mal kurzfristig Rendite gekostet, den Konzern aber durch unzählige schwere Umbrüche gelotst. Das bedeutet nicht das man alles mitschleppen muss, Breite hat aber einen Wert und der lautet: Stabilität.

Aktuell ist die Siemens-Aktie in meinen Augen durchaus attraktiv bewertet, da Siemens auf die derzeit politisch "angesagten" Themen im Bereich Cleantech und Energie setzt, weswegen ich eine kurzfristige Investition bei Kursen unter 80€ gut nachvollziehen kann. Langfristig sind für mich die strategischen Fragezeichen unter der Ägide Löscher/Cromme aber eher grösser als kleiner geworden.

Einen riesen Sprung von über 4% nach oben machte heute Mittag der spanische Ölkonzern Repsol (876845), nachdem die Verstaatlichung der Beteiligung an YPF seitens des argentinischen Staates vom Tisch sein soll. Sollte sich das bestätigen - der Markt ist in Anbetracht der unberechenbaren politischen Volten da zu Recht noch skeptisch - dürfte Repsol noch weiteres Potential nach oben haben, da der Kurs schon länger unter dem Thema leidet.

Schon gestern war auffällig, wie die Goldminen trotz schwachem Goldpreis nach oben drehten und auch heute bleibt der Kurs vieler Goldminen-Aktien stabil. Die dazugehörigen ETFs wie der GDX verzeichnen deutliche Mittelzuflüsse - siehe . Ich bin gestern zum Kurs von 32,6€ bei Barrick Gold (WKN 870450) wieder eingestiegen, um diese Bewegung zu spielen. Ob das eine dauerhafte Trendwende bei den Goldminen ist, betrachte ich aber als keineswegs sicher, ich persönlich rechne noch nicht damit. Denn solange die normalen Aktienmärkte so gut laufen, wird weiter Geld aus den "Risk Off" Anlagen im Bond- oder Edelmetall-Bereich abgezogen. Erst wenn es wieder Angst machende Einschläge oder deutliche steigende Inflationszahlen gibt, wird sich das Blatt wenden. Dann haben die Minen allerdings nach der langen Schwächeperiode einen grossen Aufholbedarf, der voller Chancen steckt.

Ich persönlich schleppe mich seit Wochen, wie meine ganze Familie, mit einer nicht enden wollenden Kette von Infektionen der Atemwege durch die Gegend, weswegen ich jetzt auch aufhöre, mich aufs Sofa lege und Ihnen einen schönen Abend wünsche !

Ihr Hari

Marktupdate – 14.02.12 – ThyssenKrupp – Vom Donnerhall zum Anlagenbauer

ThyssenKrupp (WKN 750000) liefert heute schlechte Quartalszahlen und wird entsprechend abgestraft. Diese Zahlen sollte man in meinen Augen aber nicht unbesehen auf die Stahlbranche übertragen, denn Thyssen-Krupp leidet unter hausgemachten Problemen aus der Zeit von CEO Ekkehard Schulz, in Form von zwei neuen Stahlwerken in Brasilien und den USA, die so erhebliche Anlaufverluste schreiben, dass auch die Verschuldung des Konzerns auf ein ungesundes Mass angestiegen ist. Das wiederum begrenzt die finanzielle Schlagkraft und lastet wie Blei auf dem Konzern. Abgesehen davon rumort es kräftig im Konzern, denn der Aufsichtsratchef Gerhard Cromme wird mit seiner Haltung die Verantwortung auf Ekkehard Schulz abzuladen nicht überall im Konzern akzeptiert. Einen Eindruck was da unter Decke los ist, vermittelt vielleicht Artikel der Süddeutschen von vor 2 Monaten.

Nach dem was man in der gut informierten Wirtschaftswoche < lesen kann, scheint die Lage im Konzern so kritisch zu sein, dass man sogar über eine völlige Trennung vom Stahl-Geschäft nachdenkt und den Konzern möglicherweise eher in Richtung einer Siemens II als Technologieanbieter entwickeln will. Nur für grosse Schritte fehlt schlicht das Geld. ThyssenKrupp ohne Stahl, das wäre für mich ungefähr so wie Daimler ohne Autos - unvorstellbar und in meinen Augen auch unsinnig. Denn ein erfolgreiches Unternehmen ist mehr als ein paar beliebig austauschbare Geschäftsbereiche. Ruf, Image, Loyalität der Mitarbeiter und Jahrzehnte an mühsam aufgebauter Kompetenz - all das hängt oft an einer langen erfolgreichen Historie, die man nicht ohne Not aufgeben sollte.

Vor ein paar Jahren fand es der Aufsichtsrat von ThyssenKrupp ja noch angemessen, zwei teure neue Stahlwerke zu bauen und nun kurz danach, soll Stahl nicht mehr die richtige Strategie sein nur weil man das Thema operativ versenkt hat ? Wie bitte ? Ich halte von diesem Aktionismus gar nichts und kann darüber nur den Kopf schütteln. Ich erinnere in diesem Zusammenhang daran, dass einige Jahre vorher - natürlich auf dem preislichen Tiefpunkt - sich viele Stahlkonzerne auch unter dem Druck der "Restrukturierer" von ihrem Zugriff auf eigene Erzresourcen getrennt hatten, nur um kurz danach (Überraschung!) festzustellen, wie die Preise steigen und ihnen von Rio Tinto, Vale und Co. brutal diktiert werden. Erst das hat Konzerne wie ThyssenKrupp in meinen Augen in die unlösbaren Probleme im Stahlsektor getrieben. Denn als integrierter Konzern der die gesamte Wertschöpfungskette im Stahl abdeckt, könnte man vieles gelassener sehen. Ein etwas längerer strategischer Horizont von mindestens 10 Jahren würde solchen Konzernen gut tun, statt sich von kurzfristigen Schwankungen im Schweinezyklus treiben zu lassen.

Oder glaubt jemand ernsthaft mit Stahl liesse sich in 10 Jahren kein Geschäft mehr machen ? Ich halte das für Unfug, nur weil man operativ versagt hat, sollte man nicht ein hundert Jahre altes Geschäftsmodell über Bord werfen. Selbst Spekulationen um eine zukünftige Fusion von ThyssenKrupp mit Siemens geistern nun schon durch die Presse - was in Anbetracht von Herrn Cromme als Aufsichtsratchef beider Unternehmen und dem neuen ThyssenKrupp CEO und ex-Siemensianer Heinrich Hiesinger ja naheliegend ist. Sie werden von Siemens dementiert und es gibt derzeit bestimmt auch keine konkreten Gespräche. Aber mittelfristig ist der Gedanke ja naheliegend wenn ThyssenKrupp vom Stahl weg will und es zeigt mir vor allem wie desolat die Lage im Moment ist. Ich persönlich brauche aber keine Siemens II auf dem Kurszettel, da kann ich gleich das Original nehmen. Und wenn Grösse und Fusionen alleine zählen würden, wäre General Motors heute der erfolgreichste Autokonzern der Welt.

Aber die alte ThyssenKrupp, der integrierte Stahlkonzern mit stahlintensivem, technologisch hochwertigem Anlagenbau, der hätte in meinen Augen auch in 10 Jahren noch genügend Platz im Weltmarkt. Denn auch da gilt: "Made in Germany" hat Weltruf und Rheinmetall verkauft seine berühmte Glattrohrkanone immer noch mit riesigem Erfolg. Thyssen-Krupp wurde aber - unter anderem auch von Herrn Cromme - in meinen Augen so lange restrukturiert, bis am Ende von einem stolzen Konzern mit einem weltweiten Ruf wie Donnerhall vielleicht nicht viel mehr übrig bleibt als ein durchschnittlicher, mittelgrosser Anlagenbauer. Und Perlen wie das private Geschäft der Spezialwerft Blohm & Voss wurden ja auch lieber verkauft, statt das Geschäft so aufzustellen, dass es im Jahr 2012 bestehen kann. Komisch nur, dass es sogar Finanzinvestoren als Käufer gibt, die sich das zutrauen. Sehr, sehr traurig ist das in meinen Augen alles. Eine etwas längerer Atem und mehr Weitblick hätten diese traurige Entwicklung in meinen Augen verhindert.

Aber wie auch immer, ich sitze nicht als Berthold Beitz in der Villa Hügel und habe weder darüber zu entscheiden ob Herr Cromme mir nachfolgt noch was die richtige Strategie für ThyssenKrupp ist. Ich habe nur zu entscheiden ob ich diese Aktie kaufe oder verkaufe. Und aus den oben genannten Gründen ist ThyssenKrupp für mich derzeit völlig unattraktiv. Solange bis dieses strategische Problem auf die eine oder andere Art und Weise gelöst ist. Von dem Reflex bei ThyssenKrupp an Stahl zu denken, muss man sich aber möglicherweise bald verabschieden. Wer eine Stahlaktie kaufen will, der hat in Deutschland Salzgitter (WKN 620200).