Hari´s Märkte am Abend – 10.07.12 – Ein übler Markt

22.00 Uhr - Handelsschluss

Ein übler Markt, das ist die einzige Bezeichnung, die man dem richtungslosen Hin- und Her angedeihen lassen kann. Gestern 3% hoch, heute 3% runter, ohne jede Richtung - so sieht der Markt aktuell in weiten Teilen aus.

Man merkt auch, wie wir vollständig in der Hand der Algos sind. Durch das geringe Volumen des Sommers haben die Algos auch ganz besonders leichtes Spiel dabei, uns hin und her zu werfen.

So drehten wir heute im DAX perfekt an den erwarteten technischen Marken nach oben und liefen mit Momentum bis fast 6500. Irgend ein Grund dafür ? Fehlanzeige. Mir hat es trotzdem gefallen, weil ich genau diese Bewegung ja erwartet hatte und entsprechend profitieren konnte.

Gemurmelt wurde am Markt dann von Gerüchten in London, das BVG würde den ESM einfach durchwinken. Und von "guten" Wirtschaftsdaten aus England und Italien wurde auch gemurmelt. In meinen Augen aber alles nur der hilflose Versuch zu erklären, was nicht zu erklären ist. Programme bestimmen den Markt und machen ihre Gewinne, in dem sie uns hin und her treiben. Mehr gibt es da nicht zu verstehen und es gilt genau auf die technischen Marken zu schauen, denn genau die traden die Algos auch.

Dann, mit Eröffnung der Wallstreet das umgedrehte Spiel, Positionen die gestern noch deutlich im Plus waren, wurde heute im gleichen Umfang runter geprügelt. Dieses mal musste ich mir das Spektakel staunend von der Seitenlinie anschauen, weil ich diesen Abverkauf nicht mehr auf der Rechnung hatte und meine Stops schnell zogen.

Und immer - und ganz typisch dafür, dass Algos im Spiel sind - wird an den entscheidenden Marken gedreht. So drehte der S&P500 Future im Tief bei (Überraschung !) 1335,6 ! Erinnern Sie sich an die von mir gestern genannte Zone ? Noch Fragen ?
Oder noch besser der GDX, Sie erinnern sich an die 42,60 USD bei denen ich alles verkaufen wollte ? Raten Sie mal, wo wir im späten Handel das Tief hatten, bevor es wieder etwas hoch ging ? Sie ahnen es, 42,66 USD ! Lustig oder ?

Am Ende wird der Rahmen der technischen Marken maximal ausgeschöpft, ohne das es aber zur entscheidenden Bewegung kommt. Das bedeutet maximalen Schmerz für die Menschen an den Bildschirmen und ebenso schöne Gewinne für die Programme, die diese Bewegung treiben. "Chopped to Death" nennt man das an der Wallstreet.

In der Kommentarsektion war gerade die Frage, ob das für Morgen nichts Gutes bedeutet ?
Ehrlich, ich glaube das bedeutet im Moment noch gar nichts ! Das sind die Wirrungen des Sommers, mehr nicht.

Fassen wir also mal zusammen, wie ich den Markt sehe:

(1) Der Markt besteht in diesen Tagen aus technischen Swings im Tagesrhythmus, ohne echten Trend. Das bedeutet man kann in diesem Markt als rein technischer Daytrader erfolgreich sein, der Trends ein paar Stunden spielt und dann aussteigt. Oder man kann ganz langfristig mit substanzstarken Aktien im Markt sein, wie ich Ihnen heute drei genannt habe. Dann ignoriert man das tägliche Hin- und Her einfach. Womit man aber in der jetzigen Phase Schiffbruch erleidet, ist der Versuch Trends ein paar Tage zu reiten, denn schon am Folgetag ist alles anders. Stellen Sie sich also besser entsprechend auf oder gehen Sie ganz aus dem Markt. Andernfalls werden Sie eben "Chopped to Death" !

(2) Wenn es etwas Positives zu berichten gibt, dann das der DAX langsam eine "Overperformance" gegenüber dem S&P500 entwickelt. Gegenüber den Kursen im Future um 9 Uhr Morgens, hat der DAX um 22 Uhr ca. 20 Punkte gewonnen, während der S&P 500 fast ein Prozent abgegeben hat.

(3) Im GDX wurden die von mir aufgerufenen 42,6 USD nicht erreicht, gleichzeitig ist die Price-Action im Sektor so traurig und flügellahm, dass man einen nachhaltigen Bruch befürchten muss. Ich habe der unklaren Lage durch eine Halbierung der Positionsgrössen Rechnung getragen. Das ist auch eine sinnvolle Strategie in Phasen der unklaren Richtung. Risiko rausnehmen und Positionen verkleinern, aber nicht notwendigerweise ganz aussteigen.

(4) Rein von meiner technischen Sicht auf den Markt her, spricht immer noch mehr dafür, dass wir von hier weiter hoch laufen, als das wir weiter abstürzen. Ich betrachte daher weiter die von mir genannten Zonen 6300-6360 im DAX und 1335-1345 im S&P500. Erst wenn wir diese nachhaltig mit Schlusskurs nach unten verlassen haben, wäre das ein Indiz, dass der Abwärtstrend noch aktiv sein könnte.

Achja und zum Schluss ein Wort zum Bundesverfassungsgericht.

Für mich zeichnet sich das erwartete "Kompromiss-Urteil" ab, das den Märkten nicht weh tut. Auch die Andeutung sich vielleicht bis zu 3 Monate Zeit zu nehmen, ist für mich eher ein Kotau vor der normativen Kraft des Faktischen. Lesen Sie unter anderem .

Ich bin enttäuscht, aber nicht überrascht, dass das Gericht sich scheinbar freiwillig den vermeintlichen "Zwängen der Märkte" anpasst, statt einfach klar und hart und ohne Rücksicht auf die Märkte, auf die Vorgaben der Verfassung zu schauen. Es ist schon witzig, wie viele "Experten" auf allen Ebenen nun so tun, als wüssten sie, wie die Märkte auf dies und das reagieren würden. Auch unser Bundesfinanzminister ist scheinbar zum Marktexperten geworden, erstaunlich. Wenn diese Leute die Märkte so gut verstehen, könnten sie ja an der Börse ganz schön reich werden. Offensichtlich waren im Gerichtssaal einige Superinvestoren mit Kristallkugel. 😉 Alleine Bundesbankpräsident Jens Weidmann versah diese Aussagen mit der richtigen Wertung: "höchst spekulativ".

Letztlich ist diese Logik des "wir müssen, weil die Märkte", doch nur die Knute der Hochfinanz, der sich die Handelnden in vorauseilendem Gehorsam freiwillig unterwerfen. Ich bilde mir ja ein, etwas mehr als der Durchschnitt von den Märkten zu verstehen und kann über diese ängstliche Haltung nur lachen. Gar nichts "muss" man, nur wegen der Märkte ! Man kann Mr. Market auch überzeugen und wenn er auf klare Führung trifft, wird Mr. Market schnell zum kleinen, kuschenden Hündchen !

Dafür muss man aber genau wissen was man will und das mit Klarheit und Tatkraft umsetzen ! Nichts liebt der Markt mehr, als überzeugtes Handeln von Menschen, die auch die Macht für ihr Tun haben. Und nichts hasst er mehr, als das Geschwurbel, Durcheinander und die Unsicherheit, die derzeit im Versuch erzeugt wird, irgendetwas zu "retten". Mal klar Nein zu sagen, wäre auch ein Beitrag zur Klarheit, vielleicht wären einige erstaunt, wie der Markt darauf reagiert. Aber bei der geballten Ladung an Marktexperten, speziell im Finanzministerium, sind meine Worte natürlich nur das Gerede eines Ahnungslosen.

So aber begehen wir weiter "Selbstmord aus Angst vor dem Tod". Und nach der heutigen Verhandlung befürchte ich, dass sich das BVG dieser Karawane anschliesst. Aber ich hatte ja auch nicht viel erwartet, insofern hält sich mein Erstaunen an dieser Stelle in Grenzen.

Ich wünsche trotzdem eine gute Nacht !

Ihr Hari

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Marktupdate – 05.07.12 – Dinge die man nicht übersehen sollte

17:00 Uhr

Hier ein paar Themen und Aktien, die mir am heutigen Tag auffallen und die man nicht übersehen sollte:

(1) Apple (WKN 865985)

Apple ist erneut sehr stark und liegt aktuell 1,7% im Plus, während der breite Markt im Minus steht. Der Chart von Apple spricht eine deutliche Sprache. Derartige Konsolidierungsformationen haben eine deutliche höhere Wahrscheinlichkeit nach oben auszubrechen, als nach unten.

(2) Leoni (WKN 540888)

Leoni testet gerade die 200-Tage-Linie von oben. Sollte dieser Test erfolgreich sein, sind 34,6€ das nächste Kursziel.

(3) Veolia (WKN 501451)

Bei Veolia trübt sich das Sentiment nach derartigen Analystenkommentaren wie von der UBS nun ein. Politischer Einfluss von Seiten der Sozialisten scheint eine Rolle zu spielen. Vorsicht ist geboten und ein erneuter Taucher unter 9€ möglich. Die Analysten schlagen gerade auf den ganzen Sektor ein, auch Kursziele von Suez Environment (WKN A0Q418) wurden gesenkt.

(4) Goldminen ETF GDX

Die Konsolidierung im GDX sieht für mich sehr konstruktiv aus und hat das Potential eines Tests der 200-Tage-Line bei ca. 50 USD.

(5) US Natural Gas ETF UNG

US Gas hat das Hoch vom Mai überwunden und steuert nun scheinbar auf die 200-Tage-Linie zu.

(6) Europäische Banken

Wir haben nach der EZB Zinssenkung gerade deutliche Schwäche im europäischen Bankensektor, der ETF iShares Eurostoxx Banks (WKN 628930) ist 3% im Minus, während der breite Markt schon wieder nach oben dreht. Eine Entwicklung die ich nicht so richtig einordnen kann, aber die man im Auge behalten muss. Möglicherweise wird die Euro-Schwäche von der chinesischen Zinssenkung überlagert, die ein positives Signal für die Exportfirmen war.

(7) iRobot (WKN A0F5CC)

iRobot (unter anderem Staubsauger-Roboter "Roomba", aber auch zb Minenräumroboter) scheint nach dem gigantischen Gap aufgrund Verzögerungen bei Aufträgen durch das US Government nun wieder Fahrt aufzunehmen. Das operative Geschäft läuft nach den mir vorliegenden Informationen unverändert gut. Eine Aktie die in meinen Augen einen Blick wert ist !

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Marktupdate – 13.06.12 – Goldminen im klaren Aufwärtstrend

16 Uhr

Ich weiss, ich habe schon oft darüber geschrieben, aber wenn man in diesen Tagen einen geradezu mustergültigen Trend vor Augen hat, kann man gar nicht oft genug darüber schreiben, damit es niemand übersieht.

Schauen Sie nun einfach mal erneut auf den Tages-Chart des ETF GDX in USD, der das letzte Jahr der grossen Goldminen abbildet.

Seit dem Tief am 11.05.12, das ich hier ja intensiv besprochen habe, hatten wir eine geradezu mustergültige und sehr gesunde Aufwärtsbewegung nach dem Motto "Zwei Schritte vor, Einen zurück", die den Sektor nun schon um mehr als 20% nach oben gebracht hat. Gleichzeitig verdeutlicht der Chart aber auch, wieviel Luft da theoretisch noch nach oben existiert. Genau so sehen saubere und gesunde Aufwärtstrends aus, die immer wieder durch kurze Korrekturen unterbrochen werden, die aber den Trendkanal nie verletzen.

So ein klares Setup eröffnet hervorragende Möglichkeiten für Gewinne mit einem Trendfolgesystem. Man muss dafür die nächste Korrektur kaufen und den Stop jeweils unter das Tief der vorangegangen Korrektur setzen. Dann hat man am Anfang ein Risiko von ein paar Prozent nach unten, sobald aber die nächste Stufe des Trends gezündet wurde, kann man den Stop unter das folgende Tief ziehen und ist mit dem Trade dann auf der Gewinnerseite.

So habe ich es übrigens seit dem Tief gemacht, ich bin wie Sie wissen massiv Long im GDX und habe meinen Stop nun bei 44,8 USD - unter dem letzten Tief - und damit aufgrund meines Einstiegs Mitte Mai nun gut im grünen Bereich.

Sie sehen, dass wir uns nun der 200 Tage Linie nähern, die wir bei ca. 52 USD treffen könnten, dort wo der grüne Stern im Chart ist. Kein Mensch kann Ihnen sagen wie lange dieser Trend noch läuft. Ich rechne zwar eher damit, dass wir hier erst am Anfang einer eindrucksvollen Bewegung stehen, aber "you never know" - theoretisch kann es natürlich auch morgen schon drehen und abwärts gehen. Mit der oben beschriebenen Technik den Stop jeweils unter das letzte Tief zu ziehen, kann mir diese Frage aber weitgehend egal sein. So werde ich den Trend bis zum Ende mitgehen und irgendwann, vielleicht schon Morgen aber vielleicht auch erst in 6 Monaten, wird mich der Stop aus einem dann sehr profitablen Trade werfen.

The Trend is your friend, dieser Chart zeigt eindrucksvoll, warum man mit Trendfolgesystemen profitable Ergebnisse erzielen kann.

Und wenn Sie sich jetzt wundern, dass das so einfach sein soll. Ja, bei klaren Trends ist die Technik so einfach, ein Aufwärtstrend ist durch immer wieder höhere Tiefs gekennzeichnet, erst wenn das nächste Tief unter dem vorherigen liegt, besteht die Gefahr eines Trendbruches. Dieses einfache Prinzip kann man sich für eine Trendfolge mit Stops wunderbar zu Nutze machen ! Eine Garantie für Gewinne hat man auch dann nicht, mit Pech dreht der Kurs am Tag des Einstiegs nachhaltig, aber man hat damit ein gutes Chance/Risiko Verhältnis und mehr kann man am Markt nicht erreichen.

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Hari´s Märkte am Abend – 08.06.12 – DAX sucht Richtung, surveybuilder.info mit Live-Tips

22 Uhr - Handelsschluss

Am frühen Morgen war ich heute mit DAX-Shorts im Markt, weil ich davon ausging, dass wir heute unter 6000 schauen würden. Zunächst entwickelte sich der Markt auch wie erwartet, die Short waren gut im Plus. Dann kamen aber immer mehr Gerüchte und Nachrichten die nahelegten, dass Spanien doch unter den Rettungsschirm schlüpfen wird.

Das stabilisierte dann die Indizes, da damit die grösste Angst vor Bankpleiten erst einmal abflaute. Während die Banken am frühen Morgen noch massiv im Minus waren, konnte der Sektor sein Minus dann im weiteren Handelsverlauf reduzieren. Trotzdem wirkte die Enttäuschung über Bernanke noch deutlich nach, konjunktursensible Titel kamen den ganzen Tage nicht so richtig in die Gänge. Meine Shorts wurden durch Stops dann mit minimalen Gewinnen vom Tisch genommen, die Zeit danach war der Markt eher richtungslos und ohne Überzeugung unterwegs.

Bemerkenswert fand ich heute den französischen Umweltdienstleister Veolia (WKN 501451), der nach einem sehr positiven Kommentar von Barcleys im schwachen Markt deutlich im Plus war. Diese Stärke war aber auch schon die letzten Tage zu bemerken, es scheint so, als ob die Kurse um 9€ die letzten Freitag aufgerufen wurden, eine hervorragende Kaufgelegenheit waren. Das ich Veolia gegenüber grundsätzlich positiv eingestellt bin, dürfte nach diversen Artikeln ja bekannt sein.

Darüber hinaus war es eher ein ruhiger Tag, an dem sich Mr. Market nicht so richtig entscheiden konnte. Auch Gold und die Goldminen robbten sich wieder etwas hoch, hier bin ich aber noch nicht überzeugt, ob nicht noch ein weiterer Schwall nach unten kommt, mein Chart von gestern mit dem "Stern" für den GDX gilt unverändert. Ich lasse mich natürlich auch gerne vom Gegenteil überzeugen, da ich weiter Long im Sektor bin und eher davon ausgehe, dass wir den Boden schon gesehen haben.

Für das grosse Bild im DAX will ich daher nur noch einmal das Tageschart zeigen. Sie sehen schnell, dass wir immer noch voll im Abwärtstrend sind und die Aussagen von gestern unverändert weiter gelten. Ich sehe eine Chance Anfang nächster Woche weiter zu steigen und die 200 Tage Linie erneut zu testen. Je näher wir den Griechenland-Wahlen kommen, desto eher rechne ich aber wieder mit Gewinnmitnahmen der Marktteilnehmer aus reiner Vorsicht. Die grossen Trends müssen wohl noch bis nach den Wahlen warten, wenn nicht seitens der Politik und Notenbanken doch noch Bedeutendes in der kommenden Woche passiert.

Ich möchte daher die Gelegenheit des ruhigen Tages nutzen, Ihnen anhand des aktuellen Charts des S&P500 ein wichtiges Konzept der technischen Analyse nahe zu bringen: die Divergenz. Ich habe diesen Begriff schon öfters genutzt und ich bin sicher, viele der weniger erfahrenen Leser wissen damit nicht so richtig etwas anzufangen. Ich werde im Folgenden aber auch nicht das ganze Konzept erklären, das übersteigt einen solchen Blogeintrag und haben andere schon so gut gemacht, dass ich es nicht besser könnte. Ich möchte Ihnen aber einfach einen konkreten Anstoss geben, dazu selber zu lesen und zu forschen, denn das Konzept hat hohe Bedeutung !

Der Anstoss soll mein "Geheimnis" sein, warum ich Anfang der Woche sozusagen "auf den Punkt" bullisch wurde, nachdem ich Wochen vorher ja immer zu einer bärischen Sicht neigte. Dafür war natürlich nicht nur ein Kriterium ausschlaggebend, wie ich schon mehrfach schrieb, brauche ich mehrere unterschiedliche Signale in die gleiche Richtung um ein profitables Setup zu identifizieren - und ausserdem brauche ich ja auch noch Futter für weitere Artikel. 😉

Aber ein wichtiges Signal für eine Wende am Markt, war schon Ende letzter Woche eine deutliche Divergenz zwischen der relativen Stärke (RSI) und dem Kursverlauf des S&P500.

Schauen Sie mal auf den Tages-Chart des S&P500:

Sie sehen, dass der Kurs des S&P500 Ende letzter Woche ein neues Tief produzierte und unter den 200er Moving Average fiel. Gleichzeitig produzierte der RSI aber ein höheres Tief ! Das nennt man eine "bullische Divergenz" und ist ein bedeutendes Signal, weil es bedeutet umgangssprachlich, dass der Markt unter der Oberfläche mehr Stärke aufbaut, als an der Oberfläche im Kurs zu sehen ist. Die präzise Definition des RSI können Sie leicht an anderer Stelle nachlesen.

"Divergenz" im Zusammenhang der technischen Analyse bedeutet also, dass man Indikatoren hat, die den Schluss nahe legen, dass "unter der Decke" anderes im Gange ist, als sich an der Oberfläche des Marktes dem schnellen Blick zeigt.

So eine Divergenz ist keine Garantie, sie kann durch andere Faktoren überlagert oder ausser Kraft gesetzt werden. Sie ist aber ein bedeutender Hinweis. Wenn dazu dann wie letzte Woche extrem negatives Sentiment, abnehmende Marktbreite bei den Aktien die neue Tiefs produzieren, Buying on Weekness Signale im Moneyflow, usw. usw. kommen, produziert das eine gute Wahrscheinlichkeit (keine Garantie) für eine Trendwende. Im DAX war diese Divergenz so nicht da, aber im Zweifel setzt der Leitindex S&P500 die entscheidenden Signale für das grosse Bild der Märkte.

Übrigens, wenn Sie auf den Chart schauen, sehen Sie vielleicht auch die deutlich bärische Divergenz der beiden grossen Hochs im März und April. Der RSI war im April schon weit tiefer, als er hätte sein dürfen, das indizierte den weiteren Absturz. Falls Sie das Konzept noch nicht kannten, hoffe ich, dass Sie nun genügend beeindruckt von der Vorhersagekraft sind, um sich damit weiter zu beschäftigen.

Erfolg an den Börsen ist einfach ein Spiel mit den Wahrscheinlichkeiten einer prinzipiell unbestimmten Zukunft - ohne den kleinsten Hauch einer Garantie. Jeder der etwas anderes behauptet und im Zusammenhang mit Mr. Market von "Sicherheit" schwafelt, steht unter dem dringenden Verdacht, nur an Ihr Geld zu wollen.

Aber das war Anfang der Woche eindeutig ein richtig profitables Setup mit gutem Chance/Risiko Verhältnis und deshalb wurde ich optimistisch. Was an Nachrichten in den Medien stand, war für diese Erwartung völlig irrelevant, hätte ich mich daran gehalten, hätte ich bis über beide Ohren in Shorts stecken müssen und wäre übel rasiert worden. 😉

Nächste Woche dürfte dann an den Börsen eine Übergangswoche hin zu den wichtigen Wahlen in Frankreich und Griechenland sein. Der Markt dürfte besonders aufmerksam auf die Umfragen starren und ein Wechsel zwischen Hoffen und Bangen ist somit fast garantiert. Erholen wir uns daher nun, wir werden nächste Woche wohl Kraft brauchen.

Zum Abschluss erneut ein Hinweis in eigener Sache:

Wenn Sie rechts oben in den Blog schauen, ist Ihnen vielleicht schon die Rubrik "Hari´s Live Tips" aufgefallen. 😉

In Zukunft gilt: wenn mir am Handelstag etwas besonderes auffällt, das ich für bemerkenswert halte, werde ich Top-aktuell und Live dort einen kurzen Hinweis einstellen, oft auch mit Link !

Erwarten Sie aber bitte nicht, dass ich hier das normale Börsengeschehen kommentiere, welches sie auch selber in jedem normalen Börsentool und auf den bekannten Nachrichtenseiten nachvollziehen können. Was ich hier verlinke, soll Mehrwert abseits des Offensichtlichen darstellen. Die bisherigen Tips sind daher auch nur Testeinträge, erst ab nächster Woche geht es richtig los und mehr als 5-10 Tips pro Tag werden es sicher nicht, eher weniger. Ich hoffe, für Sie wird surveybuilder.info dadurch noch spannender und aktueller und ich hoffe auch, Sie freuen sich über diese neue Funktionalität. 🙂

Übrigens, sobald ich dafür die technischen Grundlagen habe, werden diese (und andere neue) Funktionalitäten nur noch für aktive und damit registrierte Leser sichtbar sein. Ich will damit den Community-Gedanken fördern und den Lesern einen Vorteil verschaffen, die sich hier auch selber einbringen oder zumindest registrieren. Der bisherige Inhalt des Blogs mit seinen Artikeln und Kommentaren bleibt bis auf weiteres für jedermann sichtbar.

Ab nächste Woche geht es los, ich bin gespannt, wie sich das entwickelt !

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 04.06.12 – ARD zitiert surveybuilder.info, Soros über Ökonomie

22 Uhr - Handelsschluss

Nach Handelsschluss noch zwei Hinweise. Alles was ich zur Grosswetterlage an der Börse derzeit wichtig finde, hatte ich ja schon heute Mittag -> hier <- geschrieben.

Der Markt hat bis Handelsschluss auch nichts gemacht, was diese Einschätzung von heute Mittag in Frage stellt. Die Stabilität und Stärke bei den Goldminen ist nach dem Freitag mit 6% Anstieg für mich erneut eindrucksvoll. Selbst ein 2% Rückgang wäre heute nur normal gewesen, aber selbst das wollte der Markt scheinbar nicht mehr zulassen und produzierte sogar 1,6% Plus und einen Schlusskurs auf Höchststand im GDX.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, wie man eine Sache auch immer ganz anders sehen kann. Schauen Sie auf Chart der fröhlichen Perma-Bären bei "Slope of Hope". Die Zukunft wird zeigen wer richtig liegt, bei aller positiver Erwartung kann jeder Trade fehlschlagen und ich respektiere daher meinen Stop bei aktuell 41 USD für den GDX.

(1) ARD-Börse zitiert surveybuilder.info

Lars Röhrig von Investorsinside.de hat mich heute dankenswerterweise darauf aufmerksam gemacht, dass ich zum Thema meines Artikels zu -> Gold und Goldminen <- nun auch von der ARD Börse direkt zitiert wurde und sich sogar ein Satz meines Artikels ("In der Sekunde, in der die grottenschlechten Daten ...") weiter unten fast wörtlich im ARD Artikel wiederfindet. Ohne diesen Hinweis hätte ich es mangels Backlink nicht bemerkt. Scheinbar lesen Redakteure der ARD-Börse hier im Blog mit, sehen Sie .

Das ist an sich ja erfreulich und das direkte Zitat mit meinem Namen und dem Namen des Blogs ist auch journalistisch in Ordnung. Wer mich also finden will, kann das auf diese Art und Weise. Es ist erfreulich, wenn auch die öffentlich rechtlichen Medien sich qualifizierten Input nicht nur von den immer gleichen Personen holen. Insofern begrüsse ich die mitlesenden Redakteure hier unbekannterweise ganz herzlich im Blog ! Über den Satz zum Thema "grottenschlechte Daten" weiter unten im Artikel, lege ich mal wohlwollend den Mantel des Schweigens, das kommt im Eifer des Gefechts vor.

Weniger erfreulich finde ich aber, dass sich die Redakteurin Frau Göpfert scheinbar nicht zu einem direkten Link auf surveybuilder.info.de aufraffen konnte. Ich weiss nicht woran das liegt, vielleicht ist es auch nicht ihre Entscheidung, sondern generelle Politik der ARD Online Redaktion, ich kann da nur raten. Ich hoffe aber sehr, dass der Grund nicht eine Art von "Search-Engine-Optimierung" ist, also der Versuch abfliessende Links zu vermeiden, um den Pagerank der eigenen Seite hoch zu halten.

Denn wenn das der Grund wäre, wäre das in meinen Augen unklug, denn so funktioniert das Web schlicht nicht und Googles Algorithmen übrigens auch nicht ! Darüber hinaus wäre es zu bedenken, dass es für viele Blogger schlicht unhöflich ist, fremden Content zu verwenden, ohne selber für eine offene Verlinkung zu sorgen.

Seriöse Blogger - wie auch ich mich sehe - bemühen sich intensiv, Zitate anderer Seiten durch einen entsprechenden Link zu untermauern und so der Quelle auch zu einer fairen Aufmerksamkeit zu verhelfen - wenn man den Inhalt schon für sich selber nutzt. Aber auch die professionelle Presse hält sich überwiegend an dieses ungeschriebene Gesetz des Web, wenn ich zum Beispiel von der Chefredaktion des Handelsblatts den täglichen Newsletter bekomme, sind kommentierte Zitate und Verweise in der Regel mit einem Link auf den Originaltext versehen, so wie es sich gehört. Warum das für die ARD-Börse nicht gelten soll, erschliesst sich mir ebensowenig, wie anderen namhaften Bloggern, denn das ist für mich schlicht eine Frage von "Geben und Nehmen".

Insofern liebe Frau Göpfert, fände ich eine Nachbesserung nur fair. Alternativ steht die Kommentarfunktion dieses Blogs für eine Klarstellung bereit, warum diese Verlinkung nicht erfolgte. So könnte man negativen Interpretationen gleich die Grundlage zu entziehen.

(2) George Soros redet über Ökonomie und den Euro

Hedgefond Legende und Milliardär George Soros hat letzten Samstag auf dem "Festival of Economics" in Trento Italien gesprochen. Wer bei surveybuilder.info schon länger mitliest, weiss ja, wie despektierlich ich mich hier schon mehrfach zur klassischen ökonomischen Theorie geäussert habe, insbesondere zur "Efficient Market Hypothesis".

Die vollständige Rede von George Soros können Sie auf der offiziellen Website von George Soros nachlesen. Ich rate unbedingt dazu diese Zeit zu investieren, es sind spannende Einsichten eines Marktprofis. Wer den Markt wirklich verstehen will und seine Performance verbessern, sollte sich nach meiner Ansicht unbedingt mit diesen Gedanken rund um die "Reflexivität" des Marktes vertraut machen, das ist in meinen Augen bedeutender, als manch bunte Linie in Charts. Ich habe das, wie Sie wissen, immer die "Selbstbezüglichkeit" des Marktes genannt, was nur zwei verschiedene Worte für die identische Sache sind.

Auch seine bekannte Sicht zur Eurokrise erläutert Soros übrigens umfassend. Ich teile diese Sicht nur bedingt, weil Soros - wie er ja selber zugesteht - hier auch politische Ansichten und Annahmen einfliessen lässt, die ich nicht vollständig teile. Er umschifft in seiner Argumentation in meinen Augen auch die Frage, was die Ursache der Ungleichgewichte ist, denn diese sind nicht erst durch den Euro entstanden. Und nur wenn man die Ungleichgewichte beseitigt, kann abseits kurzfristiger "weisser Salbe" langfristige Stabilität entstehen. Trotzdem ist es für uns alle wertvoll, seine Argumentation zur Euro-Krise mal vollständig zu lesen und nicht nur in abgehakten und entstellenden Bruchstücken in der normalen Presse. Und im Grossen und Ganzen empfinde ich seine Sicht als eine kompetente Analyse der derzeitigen Krise, weit kompetenter und tiefgehender, als was man gemeinhin so von der Politik zu hören bekommt.

Mir hat die Rede nicht nur gut gefallen, sondern auch neue Einsichten verschafft. Ich wusste gar nicht, dass ich George Soros in Sachen Ökonomie voll auf meiner Seite habe. 😉 Ich erlaube mir mal ein Zitat als Appetizer:

-> "I believe that the failure (Anmerkung: of economic theory) is more profound than generally recognized. It goes back to the foundations of economic theory. Economics tried to model itself on Newtonian physics. It sought to establish universally and timelessly valid laws governing reality. But economics is a social science and there is a fundamental difference between the natural and social sciences. Social phenomena have thinking participants who base their decisions on imperfect knowledge. That is what economic theory has tried to ignore." - George Soros

Viel Spass beim lesen, es lohnt sich wirklich, auch wenn es nicht immer "leichter Stoff" ist ! Wer ernsthaft an den Märkten unterwegs ist, kann von dieser Rede nur profitieren.

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Marktupdate – 01.06.12 – Gold und Goldminen haussieren !

18 Uhr

Der heutige, denkwürdige Tag erfordert ein weiteres kurzes Marktupdate - Urlaub hin oder her. 😉 Denn Gold und Goldminen legen heute eine gewaltige Rally hin.

Gold (XAUUSD) ist aktuell (18 Uhr) 3,4% im Plus, die Goldminen (ETF GDX) sogar 6,5% im Plus !

Sie wissen aus diversen Artikeln der letzten Wochen, wie oft ich diese Wende bei den Goldminen hier zum Thema gemacht habe und Sie wissen auch, dass ich signifikant Long im Goldminen-Sektor bin. Dieser Tag zaubert mit daher ein Lächeln auf das Gesicht, welches um so breiter wird, wenn man sich beim GDX die perfekte Umkehrformation auf dem Stundenchart anschaut, die in jeder Hinsicht klassisch und voller Symmetrie ist.

Schauen Sie auch auf das Volumen bei den Ausbrüchen des GDX nach oben, auch darüber hatte ich schon geschrieben und auch dieses Volumen impliziert, dass hier "Big Money" seinen Fuss nun massiv in den Sektor stellt. Ich habe den Stop meiner Position heute auf 41 USD nachgezogen.

Auslöser dieser brutalen Bewegung des heutigen Tages waren die US Arbeitsmarktdaten. In der Sekunde, in der die grottenschlechten Daten um 14.30 Uhr über den Ticker gingen, sprang Gold an. Neben markttechnischen Argumenten, gibt es dafür in meinen Augen nur eine Erklärung: Der Goldmarkt preist nun weitere geldpolitische Lockerungsmassnahmen ala QE3 der FED ein !

In der Vergangenheit hat der Goldmarkt schon öfters derartige FED Massnahmen ein paar Tage vor dem breiten Aktienmarkt "gerochen". Insofern wäre ich nun nicht überrascht, wenn wir auch am Aktienmarkt in den nächsten Tagen/Wochen einen dramatischen Short-Squeeze erleben, der durch Gerüchte um Notenbank-Massnahmen ausgelöst wird.

Ob und wann der aber kommt ist unvorhersehbar, das kann bis nach der Griechenland-Wahl dauern und es ist bis dahin durchaus denkbar, dass wir im S&P500 noch die 1250 testen, was uns im DAX bis 5800 treiben sollte. Da mir das Risiko eines solchen Short-Squeeze nun aber langsam zu heiss wird, habe ich meine Short-Positionen in den breiten Indizes heute glatt gestellt. Auch bei Shorts gilt halt die Regel "Vom Aufhören wenn es am Schönsten ist". 😉

Insofern bleibt es bei dem, was ich hier seit Wochen gebetsmühlenartig schreibe: Kapitalerhalt ist das Gebot der Stunde. Und wenn ich mich in solchen Phasen auf der Long-Seite exponiere, dann nur in Segmenten des Marktes, die eindeutig in einem bullischen Trend sind.

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 23.05.12 – Von kulturellen Unterschieden in Europa

22 Uhr - Handelsschluss

Meine Skepsis der gestrigen Rally gegenüber war offensichtlich berechtigt. Wir gaben die Gewinne der beiden Vortage fast vollständig wieder ab und näherten uns bedenklich einem Test der Tiefs von Freitag. Dann aber kamen im späten Handel wieder Gerüchte um den EU Gipfel und ein QE3 in den Markt, die zu einem kleinen Short Squeeze führten. All das ist eindrucksvolles Zeichen der grossen Nervosität im Markt.

Wo stehen wir damit und wie geht es weiter ? Es ist alles offen, aber Morgen dürfte die Entscheidung für den Markt fallen.
Morgen, mit der Reaktion des Marktes auf die Ergebnisse des EU Sondergipfels, wird es wohl ernst und wir sollten uns alle für heftige Bewegungen festschnallen.

Entweder werden wir Morgen die Tiefs von Freitag durchschlagen, dann geht die Reise noch deutlich tiefer. Dann dürften wir im S&P500 in den Bereich zwischen 1250 und 1280 abstürzen und im DAX uns Richtung 6000 bewegen.

Oder, der Markt nimmt die Ergebnisse positiv auf, dann haben wir nun erhebliches Potential für einen mächtigen Short-Squeeze, der den DAX bis Freitag wieder bis 6600 treiben könnte.

Morgen dürfte also der "Tag des Gerichts" sein und wehe dem, der massiv auf der falschen Seite steht. Wie es ausgeht, kann niemand vorher sehen, auch ich nicht. Mein Eindruck ist aber, dass der Markt viel weniger vor dem "Grexit" Angst hat, als vor Streit zwischen Frankreich und Deutschland, der ein Ende der Eurozone herauf beschwören würde. Insofern wird der Eindruck ganz entscheidend sein, den Hollande und Merkel machen. Entsteht der Eindruck eines Zerwürfnisses, dürfte der Absturz nicht zu verhindern sein. Entsteht aber der Eindruck, dass man diese Sache fest "Seit an Seit" durchstehen will, dürfte die Angst vor dem "Grexit" eines Teils der Grundlage beraubt werden und dem Short-Squeeze steht dann wohl nichts im Wege.

In Anbetracht dieser dramatischen Situation, macht weitere Diskussion individueller Aktien heute absolut keinen Sinn. Es wird dann sowieso alles massiv in die eine oder andere Richtung gedrückt. Nach einem Abstecher zu den Goldminen, erlaube ich mir heute daher weiter unten ein paar philosophische Sätze zu den kulturellen Unterschieden in Europa.

Absolut eindrucksvoll und in Anbetracht meiner Aufstellung auch begeisternd, ist das was aktuell rund um die Goldminen passiert. Gold (XAUUSD) hatte heute offensichtlich beschlossen die Tiefs noch einmal zu testen, eine Variante, die ich hier ja schon antizipiert hatte. Das hielt den Goldminen ETF (GDX) aber nicht davon ab, nach anfänglicher Schwäche und trotz dickem Minus im Gold wieder ins Plus zu drehen. Und dann, im späten Handel, macht es noch einmal *BAMM* und der GDX sprang über die 44 USD und schloss mit 4% im Plus ! Und das trotz schwachem Goldpreis und schwachem Aktienmarkt, deutlicher kann man nicht zeigen, dass man nun nach oben will.

Damit haben die Goldminen die Wende vollzogen und haben in meinen Augen deutliches Aufholpotential. Ich gehe auch davon aus, dass nach dieser Performance nun frisches Geld in den Sektor strömt. Auch das Volumen der Bewegung ist positiv. Ich habe heute in die anfängliche Schwäche hinein meine Position im GDX deutlich erhöht, weil ich das wie hier ja mehrfach thematisiert so erwartet hatte. Mein Stop bleibt zur Sicherheit bei 39 USD, denn bei aller positiver Erwartung kann es trotzdem auch immer anders kommen. Aber von diesem Stop abgesehen, geniesse ich nun die Reise. Ein Zustand der zuletzt ja selten geworden ist. 😉 Schauen Sie auf den Chart von 21 Uhr, der sagt alles.

Heute flatterte mir der "Focus-Money-Kontraindikator" wieder ins Haus, diesmal in Sachen Eurokrise mit der Überschrift "Ich bekomme jetzt schon Gänsehaut". Eigentlich ist das ein Signal, dass sich die Lage bald wieder entspannen könnte, zum Beispiel durch einen überraschenden Sieg der alten Parteien in Griechenland. Allerdings bin ich derzeit nicht davon überzeugt, man kann das Spiel mit dem Kontraindikator auch überdehnen und "Gänsehaut" habe ich zum Thema schon lange, wie sie von einigen meiner Artikel wissen.

Im Heft ist dann ein interessantes Interview mit Jamil Baz, einem Hedgefondmanager der MAN-Group, mit früheren Jobs bei Goldman Sachs, Pimco, DB und einem Lehrauftrag in Oxford. Baz bringt zwischen den Zeilen einen entscheidenden Faktor der Krise in Europa ins Spiel, der aufgrund "political correctness" in der öffentlichen Diskussion weitgehend vermieden wird. Es sind die kulturellen Hintergründe der verschiedenen Länder, die sich dann unter anderem auch in unterschiedlichem fiskalischem Verhalten zeigen. Wir alle unterschätzen unsere kulturelle Prägung in meinen Augen zu oft, weil uns oft gar nicht bewusst ist, dass unsere Wertvorstellungen nicht absolut "wahr", sondern nur Ergebnis dieser Prägung sind.

Konkret ist es geradezu auffällig, dass nahezu alle wirtschaftlich wackeligen und überschuldeten Länder der Eurozone historisch vom Katholizismus geprägt sind. Umgedreht sind fiskalisch stabile Länder mit geringerer Verschuldung eher calvinistisch/protestantisch geprägt. Bevor Sie jetzt Eier auf mich werfen, ich sage damit NICHT, dass Katholiken perse nicht mit Geld umgehen können. 😉 Man sieht hier in meinen Augen nur, dass die durch die Reformation bedingte Trennung Europas in einen primär protestantischen Norden und einen primär katholischen Süden selbst hunderte Jahre später immer noch massive kulturelle Auswirkungen hat, derer sich viele gar nicht mehr bewusst sind. Denn kulturelle Prägung wird von Generation zu Generation weiter gegeben und ändert sich nicht so schnell wie Regierungen.

Denn während der Katholizismus weit mehr Raum zur fülligen "Lebensfreude" (man kann es auch "Sünde" nennen) bietet, ist die calvinistisch/protestantische Ethik von Askese und Fleiss, aber oft auch übertriebenem Ernst geprägt. Die "Leichtigkeit des Seins" ist der protestantischen Ethik einfach nicht in die Wiege gelegt. Ohne diese protestantische Ethik wäre eine "preussische Kultur" unmöglich gewesen und ohne die Lebensfreude der katholischen Ethik, wäre manch prachtvolles Bauwerk nicht existent, das nun die Welt bereichert.

Jetzt will ich die Welt wirklich nicht holzschnitzartig und primitiv schwarz/weiss sehen, es gibt prosperierende, katholisch geprägte Regionen mit Weltunternehmen wie in Norditalien und ebenso protestantische, aber wirtschaftlich "arme" Landschaften wie in Mecklenburg-Vorpommern. Denn diese kulturelle Prägung aus der Reformation wird natürlich auch noch von vielen anderen historischen Faktoren überlagert und unterliegt natürlich noch anderen Faktoren, als nur der Trennlinie durch die Reformation.

Trotzdem darf man die Existenz und Bedeutung dieser kulturellen Prägung nicht übersehen und unterschätzen. Gerade hier in Deutschland, dass durch die Reformation geteilt wurde, sind doch zum Beispiel die Unterschiede zwischen hanseatischer und urbayrischer Lebensart offensichtlich. Sie verschwimmen natürlich zunehmend, weil "urbayrisch" ist in Bayern noch das Land, aber nicht mehr die wirtschaftlichen Zentren wie München, trotzdem sind die Unterschiede offensichtlich.

Damit es keine Missverständnisse gibt, ich werte das nicht und es geht hier auch nicht um persönliche Präferenzen, die ich im übrigen nicht habe - beide Wertsysteme haben für mich ihre guten Seiten, die ich versuche mir jeweils heraus zu picken. Und ich lebe gerne in Bayern, auch auf dem Land. 😉 Ich weise nur darauf hin, dass beide Kulturen eine unterschiedliche Ethik und Wertvorstellungen besitzen, deren Folgen wir auch heute noch in den Wirtschaftssystemen bewundern können. Und daraus folgt erneut, dass nicht nur dem Euro, sondern auch der EU als reinem "Reissbrettprodukt" der politischen Eliten, in Teilen das gemeinsame Wertesystem fehlt. Nordeuropäer und Südeuropäer sind sich in bestimmten Bereichen immer noch kulturell fremd.

Wir sind zwar alle Europäer, aber weder ein Volk noch eine Kultur. Das wird in meinen Augen massiv unterschätzt, bricht nun aber in Anbetracht der Eurokrise wieder mit Gewalt auf, was an den wieder auftauchenden Ressentiments auf beiden Seiten eindrücklich zu beobachten ist. Es gibt einfach keine wirklich europäische Identität und deshalb fühlen sich die Brüsseler Institutionen für die Bürger Europas auch so leer und emotionslos an. Deshalb würden auch in keinem Land Europas die Bürger für Brüssel auf die Strasse gehen, ein Faktum, das sehr zu denken geben sollte.

In Summe ist das keine hoffnungsvolle Prognose für "diesen" Euro und "dieses" Europa. Wie ich schon an anderer Stelle sagte, hat für mich die Politikergeneration der Kohls und Waigels mit dem Euro-Projekt ungewollt und in euphorischer Überschätzung der europäischen Entwicklung den Spaltpilz an Europa gelegt. Gewollt wurde genau die Überwindung dieser kulturellen Unterschiede, der Euro bewirkt aber das Gegenteil, er macht die Unterschiede wieder für die Bevölkerung erlebbar - ein Spaltpilz eben. Man war voller guter Absichten, aber wollte zu viel und zu schnell.

Und deswegen wäre es im Sinne Europas Zukunft in meinen Augen unbedingt nötig, dass wir diese Spannung schnell wieder abbauen, auch um den Preis des harten Austritts einiger Länder aus der gemeinsamen Währung und vielleicht sogar der EU. Denn nur dann, wenn diese Spannung wieder verschwindet, können wir als Europäer unsere kulturellen Unterschiede wieder zu etwas Positivem im Sinne von Vielfalt und Offenheit machen und so das Trennende überwinden. Die derzeitige Krise führt aber eher zum Gegenteil, zur Abschottung und zum Erwachen alter Ressentiments. Und das bedauere ich zutiefst.

Mich würde interessieren, wie Sie den Einfluss kultureller Prägungen auf die Eurokrise und unsere Probleme in Europa sehen.

Zum Abschluss noch ein Hinweis in eigener Sache:

Seit Anfang des Jahres war ich ohne Unterbrechung jeden Abend mit den "Märkten am Abend" Online. Jetzt brauche ich auch einmal einen kleinen Urlaub und muss mich auch mal um meine eigene Gesundheit kümmern.

In der kommenden Woche (der 4-Tage Pfingstwoche), macht surveybuilder.info.de daher Urlaub. Ich werde Kommentare weiter freischalten und auch (mit Verzögerung) darauf reagieren. Vielleicht schreibe ich auch mal den einen oder anderen kurzen Artikel. "Hari´s Märkte am Abend" um 22 Uhr werden aber kommende Woche weitgehend ausfallen, Updates des Blogs werden eher sporadisch und überraschend sein.

Sie werden also nächste Woche mal ohne mich durch den Markt navigieren müssen, in der Woche danach will ich dann wieder ganz normal täglich mit meinen Martkberichten online sein.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 21.05.12 – Kurzbericht

22 Uhr - Handelsschluss

Heute nur ein Kurzbericht, weil ich durch technische Probleme kaum zum geordneten Arbeiten gekommen bin.

(1) Das war heute ein typischer technischer Bounce, unterstützt von unspezifischer Hoffnung, dass beim EU Sondergipfel am Mittwoch etwas Positives heraus kommt.

(2) Wir haben den Abwärtstrend mit der heutigen Bewegung aber (noch) nicht gebrochen ! Insofern gibt es keinerlei Grund den heutigen Tag überzubewerten. Der Abwärtstrend ist (noch) intakt.

(3) Ehrlich gesagt tue ich mich schwer mir vorzustellen, was da am Mittwoch Positives heraus kommen soll. Ich denke der Termin dient vor allem dazu die politischen Kräfte in der neuen Konstellation mit Hollande zu testen. Wirklich durchgreifende Ergebnisse erscheinen mir bei so einem Setup unmöglich, ausser unsere Regierung knickt völlig ein und stimmt in den allgemeinen Chor ein, der nach ein paar Monaten fasten, gleich schon wieder zur fiskalischen Völlerei wechseln will.

(4) Trotzdem hat der Markt nun wirklich Potential für einen ausgedehnten Bounce, die heutige massive Stärke bei Apple (WKN 865985) mit 5% Plus sehe ich als positives Signal. Insofern könnte es morgen noch mal einen guten Tag geben und wir müssen uns dann im morgigen späten Handel die entscheidende Frage stellen, ob diese Stärke in den EU Gipfel hinein wieder zu verkaufen ist, oder ob sich doch eine Wende abzeichnet.

(5) Ein sehr typischer Ablauf wäre, wenn der Markt nach einem mehrtägigen Bounce wieder abkippt und dann in einem richtigen Selloff neue Tiefststände auslotet. Dieser Panik-Selloff fehlt nämlich noch. Idealerweise drehen aber die Oszillatoren bei diesem finalen Selloff schon wieder hoch, bilden eine Divergenz aus und die Marktbreite beim Absturz nimmt ab. Würde es so kommen, wäre es dann ein idealtypisches Setup für eine Wende. Eine echte Wende zum jetzigen Zeitpunkt wäre dagegen eher ungewöhnlich. Aber ungewöhnlich heisst nicht unmöglich, wir befinden uns als lebende Versuchskaninchen mitten in einem geschichtlich einmaligen Experment, da muss man mit historischen Vergleichen vorsichtig sein.

(6) Die Goldminen haben heute eindrucksvoll bestätigt, dass hier eine bedeutende Wende im Gange zu sein scheint. Über 3% Plus im GDX, während Gold um die Nulllinie schwankt, sind eine klare Ansage ! Um nach oben freie Fahrt zu bekommen, sollte der GDX noch die 44 USD erobern, dann ist die Wende wohl endgültig vollendet. Wer in der aktuellen Lage nach einem attraktiven Long-Setup sucht, bekommt hier vielleicht eines auf dem Gold- und Silber-Tablet präsentiert.

(7) Auch der US Kohlesektor ist heute deutlich im Plus. Arch Coal (WKN 908011) mit 7%. Derartige Tage häufen sich in letzter Zeit und ich wiederhole was ich schon vor Wochen sagte, die Tage des permanenten Absturzes sind scheinbar vorbei, der Sektor ist für mich nun höchst spannend. Aber von einem steilen Anstieg sind wir wohl noch entfernt, es dürfte volatil weiter gehen.

(8) Facebook (WKN A1JWVX) verliert heute ca. 11% und rutscht deutlich unter den Emissionspreis. Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich mir ein hämisches Grinsen nicht verkneifen konnte. Der Wunsch der Altaktionäre hier beim Börsengang einfach abzusahnen, war wirklich zu offensichtlich.

Mir ist der Hype um Facebook persönlich sowieso ein Rätsel. Und damit meine ich nicht die Sicht der Börse, wenn mir Millionen Menschen freiwillig ihre Geheimnisse anvertrauen würden, wäre ich auch euphorisch ob der wirtschaftlichen Verwertbarkeit. Ein Rätsel sind mir vielmehr die Menschen die Zuckerbergs Reichtum erst ermöglichen. Denn das sind oft die gleichen Menschen, die bei der Vorratsdatenspeicherung den Orwellschen Überwachungsstaat an die Wand malen, aber scheinbar kein Problem damit haben, einem "Bubi mit Sendungsbewusstsein" namens Zuckerberg, ihre Freunde, Einkaufsgewohnheiten, sexuellen Vorlieben, privaten Verhältnisse etc. etc. anzuvertrauen.

Und das obwohl ja offensichtlich ist, dass das ganze Geschäftsmodell das die Börse mit fast 100 Milliarden USD bewertet, in meinen Augen ausschliesslich darauf beruht, diese sehr privaten Informationen der Menschen zu Geld zu machen. Und zwar vor allem durch Datamining, mit dem Firmen und anderen Interessenten die höchst privaten Lebens-Profile der Facebook-Jünger zur wirtschaftlichen oder sonstigen Verwertung verkauft werden, natürlich nach datentechnischer Aufbereitung und "Veredelung".

Während man mit der Speicherung einer IP Adresse, deren Zweck die Verbrechensbekämpfung ist, ein Problem hat, lässt man sich dann aber mit im wahrsten Sinne des Wortes "heruntergelassenen Hosen" des gesamten eigenen Lebens offen auf beliebigen Servern der Welt speichern. Mir wird das ein ewiges Rätsel bleiben. Und wenn man wirklich soviel Angst vor dem "bösen" Staat in Sachen Vorratsdatenspeicherung hat, warum kommt dann keiner auf die Idee, dass CIA, NSA etc selbstverständlich auch Facebook nutzen und im Sinne des Patriot Act auch vermutlich Direktzugang auf die Server haben ? Alles sehr merkwürdig für mich.

Insofern kann ich zum heutigen Absturz der Facebook Aktie nur sagen: LIKE 😉

Am Ende muss ich wohl akzeptieren, dass ich mit meinem Staatsverständnis scheinbar eine Minderheit bin. Denn in meiner Welt sollte sich der Staat bitte aus meinem normalen Leben heraus halten und aufhören mich an allen möglichen sinnlosen Stellen durch Vorschriften, Gesetze und Verordnungen zu gängeln, wo es nicht notwendig ist. Auf der anderen Seite muss der Staat aber unbedingt in seinen Kernaufgaben stark sein. Und dazu gehört nicht nur Verteidigung, sondern unter anderem auch der ordnungspolitische Rahmen und die Erhaltung der öffentlichen Ordnung - sprich unter anderem Verbrechensbekämpfung. In breiten Schichten der Bevölkerung scheint es genau umgekehrt zu sein. Gegen allgemeine Gängelei wie man sein Leben zu führen hat, hat man nichts einzuwenden, bitte mehr davon wenn es politisch korrekt verpackt wird. Aber wehe der Staat zeigt in seinen Kernaufgaben mal klare Kante. Dann steht Orwell gleich vor der Tür. Für mich eine verkehrte Welt .....

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

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