Anlageverhalten: Wie hoch ist eigentlich die Frauenquote beim Trading ?

Ein "Sponsored Article" von Milena Kannen, IG

Die Finanzbranche ist eine der letzten Männerdomänen der westlichen Welt. Ob Naturwissenschaften, Technik, Informatik, sogar Handwerk und Landwirtschaft – alle traditionellen „Männerberufe“ werden seit Jahren immer offener für Frauen; seit Jahrhunderten als gottgegeben akzeptierten Grenzen verwischen immer mehr, doch in der Finanzwelt sind auf Veranstaltungen die Krawatten immer noch die absolute Mehrheit über die Halstücher. Insbesondere in Führungsgremien sucht man nach weiblichen Mitgliedern oft vergeblich. Doch wie sieht es in der Trading-Gemeinschaft mit der Frauenquote aus?

“You’re only as good as your last trade”, so lautet eine der meistzitierten Börsenweisheiten der Welt. Nur wer gut ist überlebt; für Erfolg an der Börse spielen Äußerlichkeiten wie Herkunft und Hautfarbe keine Rolle, „anyone can do it“, so heißt es. Aber gilt das auch für das Geschlecht? Mit seiner Aussage, nach der Geburt eines Kindes seien Frauen für das nervenaufreibende Tagesgeschäft eines Traders nicht mehr zu gebrauchen, hat sich der milliardenschwere Hedgefonds-Managar Paul Tudor Jones erst kürzlich kräftig in die Nesseln gesetzt. Schaut man sich in einschlägigen Diskussionsforen im Internet um, ist das Gros der dort vertretenen Meinungen kaum weniger deprimierend. Trading sei für Männer „ein Ersatz für die Jagd“, Männer „suchen den Kampf“, es sei, um Millionär zu werden, gar „erfolgversprechender, sich einen reichen Mann zu suchen als selbst zu traden“. Auch mit wissenschaftlichen Erklärungen ist man schnell bei der Hand: Frauen seien „risikoaverser“ als Männer, handelten besonnener, neigen weniger zur Selbstüberschätzung, und überhaupt ist das Testosteron schuld.

Obwohl es natürlich schwierig ist, Brokerfirmen genaue Angaben über den Frauenanteil an ihrem Kundenstamm zu entlocken, scheint in der Branche dennoch Konsens zu herrschen, dass er stetig ansteigt. Ein Londoner Online Broker meldete einen durchschnittlichen weiblichen Kundenzuwachs von 124 Prozent pro Jahr vor der Finanzkrise, und seit 2009, als das Schlimmste überstanden schien, einen erneuten Anstieg des Interesses. In Deutschland hat die DAB-Bank in einer Studie rund 450 000 Depots von Privatanlegern ausgewertet, und kam dabei zu der Erkenntnis, dass Männer zu risikoreicheren Anlageformen wie etwa Aktien tendieren, während Frauen eher dazu neigen, in Fonds und Anleihen zu investieren. Auch zeigt die Studie auf, dass die risikoärmere Veranlagung Frauen Performance kostet, und zwar erzielten sie 2009 und 2010 rund 3,2 Prozent weniger Rendite als ihre männlichen Kollegen. Gleichzeitig betrug das Minus in weiblichen Depots 2008, im Jahr der Finanzkrise, durchschnittlich 6 Prozent weniger als in männlichen.

Zahlen lügen nicht, heißt es. Betrachtet man nur die genannten Werte, ergibt sich ein recht eindeutiges Bild von Frauen als dem risikoaverseren Geschlecht. Bezieht man jedoch noch andere Daten mit ein, wie zum Beispiel die Tatsache, dass Traderinnen durchschnittlich deutlich weniger Kapital zur Verfügung steht als ihren Kollegen, verzerrt sich dieses Bild. Vergleicht man nämlich Anlageverhalten anhand der Depotgröße, so zeigt sich, dass sich Männer und Frauen mit ähnlichen finanziellen Voraussetzungen auch ähnlich verhalten: Je höher das verfügbare Trading-Kapital, desto größer die Risikobereitschaft der Trader beider Geschlechter. Bei einem Vermögen von 100 000 Euro, so eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, liegt die Wahrscheinlichkeit, zumindest einen Teil davon in risikoreiche Anlageprodukte zu investieren, bei etwa 64 Prozent – und das gilt für Männer wie auch für Frauen.

Woran also liegt es, dass die Mehrzahl der Brokerkunden immer noch Männer sind? Liegt es tatsächlich nur daran, dass Männer durchschnittlich über ein höheres Einkommen verfügen, oder ist doch was dran an der Theorie der männlichen Neigung zur Selbstüberschätzung? Die immer schon interdisziplinär angelegte Geschlechterforschung entfernt sich seit Jahren immer mehr von einem rein biologistischen Ansatz, also der Annahme, dass alle Unterschiede genetisch programmiert und daher unveränderlich sind. Soziologische Vergleiche der traditionellen westlichen Rollenverteilung mit früheren Hoch- und heutigen Randkulturen haben längst ergeben, dass andere Modelle möglich sind, und legen nahe, dass Sozialisierung bei der Herausbildung von Geschlechterrollen die größte Rolle spielt. Solange Männer Frauen auf Trading-Veranstaltungen eher als schmückendes Beiwerk denn als interessierte Teilnehmerinnen wahrnehmen, solange werden trading-interessierte Frauen es möglicherweise als unangenehm empfinden, in einem Raum voller Männer den Arm zu heben und eine Frage zu stellen – auch wenn sie über Investmentkapital von über 100 000 Euro verfügen.

Der Handel mit Hebelprodukten beinhaltet ein hohes Risiko und kann unter Umständen zum Totalverlust Ihrer Einlagen führen. Stellen Sie darum sicher, dass Sie alle verbundenen Risiken verstanden haben und einschätzen können. Mehr Informationen zum Einstieg ins Trading finden Sie auf der

Milena Kannen ist Financial Writer und Researcher bei IG, Deutschlands führendem CFD-Anbieter. Nach abgeschlossenem Journalistikstudium in Leipzig schreibt sie nun aus London über CFD-Handel, Charttechnik und Handelsstrategien sowie aktuelles Börsengeschehen.

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***