Das grosse Warten auf die FED

Der Markt kaut an seinen Nägeln. Wird die FED heute um 20 Uhr die "grosse" Zinswende einläuten?

Selbst in den Massenmedien finden sich Artikel wie .

Übrigens ein Artikel, der bei allen medial typischen Verallgemeinerungen, inhaltlich gar nicht so schlecht ist. Es ist verdienstvoll, dass überhaupt solche Themen mal Online als Leitartikel positioniert werden. Im deutschen Land der "Börsenautisten", ist jede Vermittlung von Finanzwissen, schon ein grosses Lob wert.

Wir hier in der surveybuilder.info Community, haben uns auf diesen Tag natürlich intensiv vorbereitet und ich habe im Laufe der letzten Tage und Wochen bestimmt 10 Artikel zu verschiedenen Aspekten der Positionierung geschrieben. Denn ja, der Termin ist bedeutend, aber weniger wegen der reinen Zinsfrage. Dazu aber später mehr.

Und heute Abend werde ich in "Hari Live" ab 20 Uhr die Geschehnisse und Zuckungen der Börse "Live" begleiten, Janet Yellens Pressekonferenz verfolgen und ich werde wie immer an so wichtigen Wegscheiden, mehrere Posts einstellen. Der erste typischerweise schon Minuten nach 20 Uhr, wenn viele normale Medien noch auf die Reuters Meldung warten, damit etwas überspitzt gesagt, ein Praktikant die dann nach 20 Minuten mit "Cut and Paste" Online stellen kann. 😉

Mit Ihnen hier im freien Bereich, habe ich schon vor 8 Tagen im Artikel -> FED fixiert <- ein paar Gedanken zum Thema geteilt und ein mögliches Szenario entworfen, wie das ablaufen könnte. Die damals gezeigte Seitwärtsbewegung bis zur FED, ist auf jeden Fall eingetreten, allerdings weniger volatil als befürchtet, statt dessen mit latent positiver Tendenz nach oben.

Tiefer will ich hier im freien Bereich in konkrete Szenarien und Opportunitäten nicht gehen, heute will ich mit Ihnen hier aber noch ein paar grundsätzliche Punkte zur Vorbereitung teilen, die sie in dieser Form wahrscheinlich nicht überall lesen können:

(1)

Der Aktienmarkt hat sich in Form des S&P500 beständig an die obere Begrenzung der Range geschoben und hat gestern Abend sogar ganz "frech" mal versucht, oben heraus zu schauen.

S&P500 16.09.15

Der Markt erwartet also, dass sich die geldpolitischen "Tauben" durchsetzen und er keine bösen Überraschungen zu fürchten hat. Das ist sicher rational, birgt aber die Gefahr einer bösen Überraschung und damit sehr negativen Initialreaktion in sich, falls die FED trotzdem einen Zinsschritt vollziehen sollte.

(2)

Auf der mittelfristigen Zeitebene, ist das Sentiment der US Anleger aber überdurchschnittlich schlecht. Das kann man in unzähligen Indikatoren und Umfragen sehen, wir haben die alle im Premium-Bereich besprochen. Bezeichnend dafür ist auch die , also die konkrete Aufstellung der grossen Fonds-Manager. Ich kann nur empfehlen, sich diese ausgezeichnete Übersicht mal anzusehen.

Diese Daten sagen nichts darüber aus, wie der Markt kurzfristig auf die FED reagieren wird und stehen einem erneuten Absturz direkt nach der FED nicht im Weg. Mittelfristig zum Jahresende, deutet das aber auf Potential hin und ist eher bullisch zu werten.

(3)

Ein wichtiger Umstand, den alle die heute handeln wollen nicht übersehen dürfen, ist der Zeitverzug zwischen dem FOMC Statement um 20 Uhr MEZ und dem Beginn der Pressekonferenz mit Janet Yellen um 20.30 Uhr MEZ.

Wir können relativ sicher davon ausgehen, dass die FED so oder so eine abgewogene Position einnehmen wird.

Wenn also ein kleiner erster Zinsschritt vollzogen wird - was siehe (1) den Markt eher negativ überraschen dürfte - wird Janet Yellen mit hoher Wahrscheinlichkeit danach "weisse Salbe" darauf schmieren und den Schmerz eindämmen, in dem sie heraus stellt, dass auf diesen Schritt keine unmittelbare Kaskade von Folgeschritten kommt.

Umgedreht, wenn der Zinsschritt erneut verschoben wird, wird Yellen wohl präzisieren, wann er dann doch kommen wird.

In beiden Fällen sollten wir also davon ausgehen, dass eine starke Reaktion direkt um 20 Uhr, ab 20.30 Uhr zumindest teilweise wieder aufgehoben werden könnte. Rechnen wir also mit wilder Volatilität und Reversals und keiner simplen Linie in eine Richtung am heutigen Tag.

(4)

Das Geschehen wird schon alleine deshalb volatil sein, weil direkt danach am Freitag auch noch Options Expiration (der Hexensabbat) bevor steht. Wir müssen also davon ausgehen, dass der Markt seine endgültige Richtung und Einschätzung erst Anfang kommender Woche findet, wenn sich auch die grossen, langfristig agierenden institutionellen Anleger dann klar positioniert haben, nachdem dort die Investment-Komitees tagen konnten.

(5)

Auch wenn alle nun auf die Frage "Zinsschritt oder nicht" starren. Darum geht es eigentlich gar nicht. Denn 0,25% mehr oder weniger sind für sich eher unwichtig und wenn es dabei bleibt und nichts nachkommt, ist das immer noch ein extrem stimulierendes Zinsumfeld.

Worum es vor allem heute geht, ist Unsicherheit versus Sicherheit.

Es geht für den Markt um die Frage, ob das eine grosse Zins-Wende ist und uns nun eine Phase der beständigen Zinsschritte bevor steht. Das wäre für den Markt negativ.

Oder ob die FED vielleicht ratlos ist und unsicher wirkt und die Kontrolle über die Situation zu verlieren scheint, das wäre extrem negativ für den Markt.

Oder ob die FED nun einen "one and done" Minischritt macht und damit das Thema aber erst einmal beendet. Das wäre wohl sehr positiv für den Markt. Dann würde der Markt wohl gerade wegen der einmaligen Erhöhung in den Rallymodus wechseln.

Es geht also wie immer um die Erwartungen der Marktteilnehmer. Um die grossen Trends in die Zukunft hinein. Und um Unsicherheit versus Sicherheit. Ob der Leitzins für sich alleine 0,25% höher ist, ist eher nebensächlich.

Alles aber - auch ein kleiner Zinsschritt - das dem Markt Sicherheit vermittelt und beweist, dass das stimulierende geldpolitische Environment andauert - wird der Markt voraussichtlich mögen und wird ihn positiv reagieren lassen.

Alles aber, was den Eindruck einer echten Zinswende erzeugt oder dem Markt weitere Unsicherheit und Unklarheit vermittelt, wird voraussichtlich negativ sein. Selbst wenn kein Zinsschritt kommt. Wenn die FED ratlos und unsicher wirkt, wird es der Markt hassen.

Deshalb ist das im Artikel "FED fixiert" beschriebene Szenario gut denkbar, falls die FED einen kleinen Zinsschritt vollzieht. Erst wird der Markt dann mit einem Schrecken reagieren. Sollte Yellen dann aber in der Pressekonferenz jede Menge Taubenfutter und Zuckerbrot verteilen, kann das am Abend auch schnell drehen.

Vergessen wir aber nicht, das ist nur ein Szenario unter vielen. Behalten wir einfach die 5 Punkte oben im Hinterkopf, um das Geschehen einzuordnen.

Kurzfristig ist heute und morgen also eine Menge drin, von erneutem Test der Tiefs vom 24.08. bis zu einer Rally mit "Hurrah". Sicher ist eigentlich nur erhebliche Volatilität.

Mittelfristig ist die Anlage-Stimmung in den US aber so skeptisch und negativ geworden, dass ein positiver Jahresabschluss gar nicht so schlechte Chancen hat.

Topbildungen die jeder erwartet, haben es auch schwer, genau so einzutreffen. Meistens legen diese dann noch einmal eine Pirouette nach oben ein und erst dann, wenn es keiner mehr erwartet, dreht der Markt doch nach unten.

Im S&P500 entspräche das als Szenario der Bildung einer Art "rechter Schulter" wie folgt:

S&P500 16.09.15 2

Und man muss sich ja auch mal fragen, wer ernsthaft damit rechnet, dass die FED nun eine Zinserhöhung nach der anderen durchzieht. Das halte ich für völlig irreal, dafür ist Yellen viel zu vorsichtig. Selbst wenn ein Zinsschritt kommt, wird er also heute wohl klein und vorsichtig kommuniziert werden.

Soviel von mir an dieser Stelle.

Und nun machen Sie was daraus zum Vorteil Ihres Depots! Wenn Sie es genau wissen wollen, konkrete Unterstützung suchen und vor allem nach der FED die diversen daraus resultierenden Konsequenzen und Chancen kennen wollen, stossen Sie doch einfach zu uns in der surveybuilder.info Community dazu. Ansonsten wünsche ich Ihnen einfach ein gutes Händchen!

Ihr Hari

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FED Fixiert

Der Markt ist derzeit auf die Frage fixiert, ob die FED in ihrer Sitzung vom 16./17. September die Zinswende einleitet oder nicht.

Bis dahin, kann man von einer Seitwärtsrange im Markt ausgehen und danach dürfte sich der Zug in Bewegung setzen, mit höheren Chancen nach oben zum Jahresende, als nach unten.

Ich habe vor Tagen den Mitgliedern im Premium-Bereich das folgende Chart gezeigt, wobei die blauen "Zuckungen" keine Richtungsangabe sind, sondern eben nur "richtungslose Zuckungen" darstellen sollen. Diese Sicht ist immer noch gültig und passt im Übrigen gut zu den -> 2011er und 1998er Analogien <-:

S&P500 04.09.15

Ich persönlich finde die Fixierung auf die FED übertrieben und auch nervtötend, denn am Ende sind die Rahmenbedingungen doch schon heute weitgehend klar:

(1)

Auch wenn die FED den ersten Zinsschritt vollzieht, wird dieser bestenfalls marginal sein und nicht viel nachkommen. Insofern ist das mehr psychologischer Placebo mit Gesichtswahrungseffekt, als echte Zinswende.

(2)

Eine echte Zinswende "geht schlicht nicht" in einem Umfeld, in dem die anderen Notenbanken den "Race to the Bottom" betreiben und reihenweise die Währungen abwerten. Dann würde der Dollar endgültig durch die Decke gehen und da das der FED auch die Konjunktur beinhaltet, kann diese im aktuellen Notenbankumfeld gar nicht die Zinsen beliebig erhöhen, da das die Wettbewerbsfähigkeit der US nachhaltig beeinträchtigen würde. Abgesehen davon, können die überschuldeten Staaten der westlichen Welt sowieso nicht lange mit hohen Zinsen leben.

(3)

Wie unsicher sich die FED Mitglieder selber sind, sehen wir an dem aktuellen Artikel: , für den der "FED-Kontakt" des WSJ Jon Hilsenrath verantwortlich zeichnet und der hatte bisher ein gutes Händchen dabei zu beschreiben, wie die FED im Inneren denkt. Sie müssen nicht Englisch können, um den Tenor zu begreifen, denn der lautet: Die FED Mitglieder wissen es auch nicht und legen sich nicht fest.

(4)

Der FED dürfte bewusst sein, dass wenn man jetzt, nach Jahren der Antizipation, erneut vor dem ersten Schritt zurück schreckt, dieses negative Effekte auf die eigene Glaubwürdigkeit haben würde und Fragen im Sinne "wenn nicht jetzt, wann dann?" aufwerfen würde.

(5)

Im Zweifel wird sich die FED vorsichtig und abgewogen bewegen. Das war unter Yellen bisher immer so und wird sich wohl nicht ändern.

Fasst man das alles zusammen und zieht die grosse Unsicherheit in Betracht, der sich die FED nicht verschliessen wird, gibt es einen potentiellen Königsweg für Yellen, eine Art "Doppelstrategie" sozusagen. Und Yellen hat diese Doppelstrategie von ein wenig Peitsche und viel Zuckerbrot, in der Vergangenheit schon angewandt.

In dieser Doppelstrategie vollzieht man pro Forma den ersten, marginalen Zinsschritt. Damit wahrt man das Gesicht, wird nicht unglaubwürdig und demonstriert Zuversicht in die konjunkturellen Entwicklung der US. Gleichzeitig aber, macht man sehr deutlich, dass diesem ersten Schritt keineswegs schnelle weitere Schritte folgen werden und findet vielleicht noch ein anderes geldpolitisches Zuckerstückchen, mit dem man den Markt glücklich machen kann.

Ein wenig Peitsche und ganz viel Zuckerbrot also. Ich weiss nicht, ob das so kommen wird, gut denkbar ist es aber. Ich weiss aber, dass *wenn* diese Doppelstrategie so kommen würde, das für den Markt wohl wie ein Befreiungsschlag wäre.

Denn wir dürfen nicht vergessen, dass der Markt vor allem Eines hasst: Unsicherheit. Weit negativer wäre es für die Märkte daher zu sehen, wenn die FED nun aus Angst erneut zurück zuckt. Das würde nach kurzer Freude grundsätzliche Fragen im Sinne "wann, wenn nicht jetzt" aufwerfen.

Wir sollten uns also weniger auf das fixieren, was die FED machen wird. Das bewegt sich in einem relativ engen Rahmen und wird so oder so keinen Schock für die Märkte darstellen.

Wir sollten uns mehr darauf fokussieren, wovor der Markt Angst hat und ob er Unsicherheit verspürt, denn das bewegt die Kurse. Und die FED Sitzung kommende Woche ist eher eine Chance, diese Unsicherheit zu bestätigen oder zu nehmen.

Das Sentiment der US Anleger ist auf jeden Fall nun recht depressiv und spricht eher dafür, dass sich viele nach unten abgesichert haben, was Überraschungen nach oben wahrscheinlicher macht. Denn den Pfad den alle erwarten, kann der Markt wg der Reflexivität nur schwerlich beschreiten.

Ihr Hari

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Welches Börsenjahr reimt sich auf 2015?

Das grosse Rätselraten ist im Gange - mal wieder. 😉 Ist das nun eine Kaufgelegenheit oder steht uns noch weiteres Ungemach an den Märkten bevor?

Letztlich ist dieses Rätselraten sinnlos und wird medial von Leuten beherrscht, die ihre Meinung mit besonderer Verve zu Markte tragen. Erfahrene Anleger - und Trader sowieso - wissen aber, dass der dauerhafte Erfolg am Markt sich umgekehrt reziprok zur Lautstärke der Prognosen einstellt und vor allem mit Beobachtungsgabe, Strategie und Disziplin zu tun hat.

Denn die Zukunft ist unbestimmt und nur aufmerksame Beobachtung der Signale des Marktes erlaubt uns, diesem zu folgen oder ihn sogar manchmal zu antizipieren. Eine Kristallkugel zur zuverlässigen Vorhersage der Zukunft hat aber niemand.

Bei der Frage, wie es nun an den Märkten weiter geht, sind einfach zu viele noch unbestimmte Variablen im Spiel. So hat die FED in Person des FED Vize Stanley Fisher, gerade wieder auf der Notenbanktagung in Jackson Hole mit eigenen Worten bewiesen, dass sie selber noch nicht weiss, ob der erste, lang erwartete Zinsschritt nun im September kommt oder nicht.

Und Fisher hat die US Arbeitsmarktdaten vom kommenden Freitag zum entscheidenden Kriterium gemacht. Wir können uns also schon wieder auf eine massive, inverse Reaktion des Marktes am Freitag einrichten. Sprich zu gute Daten werden schlecht sein und umgedreht. In dieser inversen Logik haben wir ja nun jahrelange Übung. 😉

Der Punkt ist, wenn die FED als wichtiger Marktfaktor selber noch nicht weiss, ob sie nun Taube oder Falke sein will, wie sollen wir das dann wissen? Und welchen Sinn haben dann zu überzeugte Prognosen mit "Egowelle", ausser um sich selbst im medialen Wettbewerb mit Kompetenzanmutung zu verkaufen?

Auch heute haben wir durch schlechte chinesische Daten ja wieder einen unberechenbaren Einflussfaktor, der initiale Schwäche an den Märkten generiert. Auch da fragt man sich aber eher, wie schlimm es denn nun wirklich ist, wenn solche Werte überhaupt zugelassen werden. Denn nachdem sogar Journalisten lächerlicherweise für den Kuturz verantwortlich gemacht werden, dürfte dem Letzten klar sein, dass den offiziellen chinesischen Daten sowieso nicht zu trauen ist.

Und am Donnerstag kommt die EZB und es wurde von Seiten der EZB ja schon darüber spekuliert, dass auch eine Ausweitung des Kaufprogramms im Rahmen des QE denkbar ist.

Aber trotz all dieser unberechenbaren Einflussfaktoren, sind wir trotzdem nicht blind. Im Gegenteil. Es gibt unzählige Faktoren und Indikatoren, die uns seriös etwas über den Marktzustand sagen und die ein komplexes Gesamtbild formen.

Es ist unmöglich im Rahmen so eines Beitrages im freien Bereich diese Faktoren alle zu betrachten, das tun wir im Premium-Bereich täglich und haben damit in den letzten 2 Wochen fast auf den Punkt den beginnenden Einbruch und vor allem sehr profitabel, den Rebound ab Montag letzter Woche getroffen.

Diese Faktoren und Marktdaten schaffen aber auch keine absolute Sicherheit, Sicherheit gibt es am Markt nicht. Sie definieren aber Wahrscheinlichkeiten. Es gibt einfach Szenarien, die jetzt wahrscheinlicher sind als andere und das aus guten Gründen. Das ist keine absolute Sicherheit, aber es ist eine Menge mehr, als blindes und panisches Herumraten.

Besondere Bedeutung kommt dabei dem Verhalten des Marktes zu, wenn der im Rebound in die wichtigen Widerstandszonen bei 2.040 - 2.050 im S&P500 und bei 10.6xx im DAX hinein läuft. Und diese Zonen haben wir noch nicht heute erreicht, noch hat der Rebound Luft nach oben.

Wie es von da weiter geht, ist die Frage, für die uns die intensive Marktbeobachtung Wahrscheinlichkeiten liefert.

Statt Ihnen nun aber unzählige Wenns und Abers und Szenarien zu zeigen, will ich als Kunstgriff statt dessen die Vergangenheit bemühen. Denn Geschichte wiederholt sich zwar nicht, sie reimt sich aber und das gerade an der Börse. Alles schon einmal da gewesen, sozusagen. 😉

Schauen wir also auf 4 mögliche Vorlagen für 2015 und versuchen die Frage zu beantworten, welches Jahr sich am ehesten auf 2015 reimt:

-------

So sah es 2008 aus. Wir wären dann gerade im ersten Rebound nach dem ersten Einbruch, dem sich damals schweres Ungemach angeschlossen hat:

S&P500 2008

Das Szenario ist denkbar, erscheint mir in Würdigung der Gesamtumstände derzeit als Analogie aber eher unwahrscheinlich.

Nun aber schauen wir auf den gnadenlosen Rebound im Herbst letzten Jahres:

S&P500 2014

Aber auch hier gilt für mich nach Sichtung aller Daten, dass das zwar etwas wahrscheinlicher als die 2008er Analogie, aber auch eher unwahrscheinlicher ist als das, was nun folgt.

Weit besser passt mir da die 2011er Analogie ins aktuelle Bild, die übrigens auch im August den Einbruch begann. Hier markierte zwar der erste Einbruch fast das Tief, aber es folgten eben 2 Monate markanter Swings, die mit einem marginal tieferen Tief im Oktober endeten, bevor es zum Jahresende wieder hoch ging:

S&P500 2011

Das reimt sich auf die aktuellen Rahmenbedingungen schon viel besser und erscheint im Gesamtbild eine gut vorstellbare Vorlage für das aktuelle Geschehen.

Aber es gibt noch eine, zunehmend vergessene Parallele, die mir noch einen Tick besser gefällt. Und das ist 1998, woran sich noch 2 Jahre harte Rally anschlossen, bevor dann im Jahr 2.000 eine echte Blase platzte:

S&P500 1998

Diese Struktur eines Doppelbodens passt sehr gut zu einem Ablauf, in dem die Indizes nun noch bin zu den genannten Widerstandszonen laufen, dann im Zuge einer Erwartung der Zinserhöhung der FED in die FED Sitzung hinein fallen und nach dem die Kuh endlich vom Eis ist und klar wird, dass nach der ersten pro-forma Erhöhung sowieso nichts nachkommt, dann zum Jahresende hin wieder in den Rallymodus gehen.

Alles Spekulation? Stimmt, das betone ich ja immer. Aber es spricht viel dafür, dass die 2011er und 1998er Analogie näher an den Realitäten der Gegenwart ist, als die extremen Crash- und Rebound-Szenarien, die man von den grossen -> Crashpropheten und Gesundbetern <- nun mal wieder lesen kann.

Für die Anleger bedeutet das, nicht zu schnell das ganze Pulver zu verschiessen und sich auf weitere, wilde Volatilität einzurichten - aber Schwäche trotzdem Zug um Zug zu nutzen, um langfristige Posititionen wieder aufzubauen, die aufmerksame Markt-Beobachter Anfang August abgebaut haben.

Und woran erkennt man, dass wir doch in 2008 sind und man doch schnell raus muss? Wenn das Tief vom letzten Montag nicht nur kurz für ein oder zwei Tage marginal unterschritten, sondern nachhaltig nach unten verloren wird. Dann hätten wir Alarmstufe Rot an den Märkten, aber da sind wir noch nicht.

Am Ende ist es aber alleine die Price-Action die für uns Relevanz haben sollte. Wir dürfen uns deshalb auch nicht in obige Vorlagen verbeissen, vielleicht hat 2015 sein ganz eigenes Muster, das noch nicht geschrieben ist.

Aber eine grobe Orientierung können die alten Verläufe schon geben und solche Szenarien erlauben uns, das reale Geschehen dann auch schneller einzuordnen. Und das ist eine Menge wert, nur verheiraten und verlieben dürfen wir uns in diese Analogien eben nicht. Es sind gedankliche Krücken, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ihr Hari

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Was tun zwischen Crashpropheten und Gesundbetern?

Montag 24.08.15 08:30 Uhr vor Handelseröffnung.

Die Märkte haben ausgelöst durch Sorgen um China, zur stärksten Korrektur seit 2011 angesetzt. Und das mediale Crescendo schwillt wie immer an.

Mittendrin der verunsicherte "normale" Anleger, der doch eigentlich nur ein klein wenig Rendite für sein hart erarbeitetes Kapital erzielen will. Und dann liest dieser Anleger das Eine und das Andere und ist am Ende noch verunsicherter als zuvor.

Mit diesem Beitrag will ich versuchen, diesen Anlegern ein klein wenig Orientierung im Chaos zu bieten. Wer mehr Orientierung und Sicherheit will, muss Mitglied der surveybuilder.info Community werden.

Wenn Sie nun aber von mir erwarten, dass ich Ihnen hier - natürlich kostenlos - exakt sagen kann, was die Zukunft bringt und was Sie konkret nun machen sollen, dann jagen Sie in Naivität immer noch einer Illusion hinter her.

Denn das kann niemand. N.I.E.M.A.N.D!

Aber es gibt genügend, die es behaupten.

Da finden Sie auf der einen Seite die "Crashpropheten". Die kommen jetzt natürlich mit der Bugwelle des "habe ich es nicht immer schon gesagt?" aus ihren Löchern und haben mal wieder die volle mediale Aufmerksamkeit.

Dabei sind diese Leute völlig diskreditiert und kaum jemand hat mehr Schaden in den Depots normaler Anleger angerichtet. Wenn Anleger seit Jahren diesen geradezu historischen Bullenmarkt verpasst haben, dann liegt das zu einem guten Teil an diesen "Crashpropheten", die seit Jahren vom bald bevor stehenden Untergang schwafeln.

Aber Crashprognosen funktionieren halt medial und das primäre Interesse der Medien ist ja letztlich nicht, das "Richtige" den Lesern zu schreiben, sondern eine möglichst hohe Aufmerksamkeit zu erzielen.

Eine abgewogene, differenzierte Betrachtung kann sowieso nur eine Minderheit aufnehmen. Die Mehrheit will einfache Aussagen und nicht mehr als ein paar Sätze lesen, alles andere ist zu anstrengend. Und wenn dann die "Prognosen" dem eigenen Bias entsprechen, werden sie besonders gerne aufgenommen und mit "Likes" versehen, wir Menschen suhlen uns halt am liebsten im eigenen Sumpf.

Auf der anderen Seiten haben wir aber die "Gesundbeter". Die erzählen die Geschichte davon, dass man ja einfach dabei bleiben muss, dass man ja nicht in Panik verfallen sollte und glauben schon jetzt wieder zu wissen, dass dieser Einbruch eine "Kaufgelegenheit" sei.

Mit Verlaub, auch das ist viel zu dünn. Diese Stimmen kommen besonders gerne von Vertretern der Finanzindustrie, so zum Beispiel von Fundmanagern. Normale Anleger müssen sich einfach klar machen, dass auch diese Eigeninteressen haben. Denn basierend auf den aktuellen Vergütungsstrukturen mit festen Verwaltungsgebühren von 1-2%, haben Fundmanager vor allem ein Interesse: Dass möglichst viel Kapital im Fund bleibt.

Sie werden von jemandem der sein Gehalt mit Anlegergeld verdient - ausser den Besten - also in der Regel nie lesen, dass die Anleger nun schnell verkaufen sollten, damit würde er sich ja ins eigene Fleisch schneiden. Das wäre erst dann anders, wenn es andere Vergütungsstrukturen gäbe, die weniger auf festen Gebühren, sondern mehr auf Performance basieren. Davon sind wir aber weit entfernt.

Nun will ich nicht die Branche über einen Kamm scheren, es gibt auch lobenswerte Ausnahmen, die zu ihren Anlegern Klartext reden. Trotzdem macht es Sinn sehr skeptisch zu sein, wenn die Finanzindustrie anfängt, mitten im Absturz die Anleger "zu beruhigen". Eigeninteressen zu vermuten, ist hier dann sehr naheliegend.

Und so stürzt auf den normalen, nach Orientierung suchenden Anleger, in solchen Phasen ein medialer Schwall ein, der ihn am Ende noch verunsicherter macht, als er vorher schon war.

Wenn man so will, behaupten alle zu wissen was los ist, aber alle reden etwas Unterschiedliches. 😉

Was also tun?

Sie sehen daran, dass kein Weg daran vorbei führt, eine eigene, fundierte Sicht zu entwickeln. Und das kann man nur dann erreichen, wenn man genügend Zeit investiert hat, um die Märkte zu verstehen. Und man kann es auch nur dann erreichen, wenn man sich -> seriöse und belastbare Informationsquellen <- aufgebaut hat. Glaubt man darauf verzichten zu können und hat man keine eigene Orientierung, ist man in so Phasen "Freiwild" und macht garantiert im falschen Moment das Falsche.

Dieses Wissen und diese Sicherheit kommt aber nicht umsonst und nicht alleine. Dafür muss man etwas tun. Warum soll es auch beim Wissen um Finanzthemen anders sein, als bei allen anderen komplexen Wissensgebieten?

Ich will Ihnen an dieser Stelle daher ein paar wichtige Regeln und Fakten in Erinnerung rufen, vielleicht helfen Sie ja ein wenig. Und ich benutze dafür nur eher kurze Sätze, ohne diese zu begründen. Die Begründung würde den Artikel zu lang machen, die findet sich im Premium-Bereich.

Am Ende kenne aber auch ich die Zukunft nicht, denn die ist noch nicht geschrieben. Und natürlich macht es zum Beispiel einen Unterschied, ob die FED nun auf ihrem Kurs bleibt oder nun auch in Panik verfällt und ein neues QE auflegt.

Und da diese Zukunft noch nicht geschrieben ist, kann es auch keine Sicherheit bei den Erwartungen geben. Aber es gibt Muster und Wahrscheinlichkeiten und die zu kennen, kann immens helfen.

Und ich will deshalb nun zehn Muster und Wahrscheinlichkeiten in Erinnerung rufen.

(1)

Die US Indizes hatten durch den Einfluss der Notenbank seit Jahren keine Korrektur von 10% und mehr. Das ist höchst ungewöhnlich, überfällig und eine Verzerrung der Normalität. Wenn sie jetzt kommt, ist es das Normalste der Welt.

(2)

Runter geht es immer viel schneller und heftiger, als aufwärts, weil alle gleichzeitig raus wollen. Ob und wann der aktuelle Einbruch kommen würde, war im Vorfeld nicht exakt vorher zu sehen. Die Heftigkeit aber schon und war in der Community mehrfach Thema.

(3)

Da die natürlichen Zyklen durch die Notenbanken gestreckt wurden, muss man damit rechnen, dass auch die Gegenbewegung nach unten besonders "gestreckt", sprich aggressiv ausfällt. Vorsicht ist also angeraten, denn "tiefer geht immer!"!

(4)

Die Crashgefahr an Märkten ist nicht dann am Höchsten, wenn diese nach oben ausbrechen. Dann ist sie fast Null. Sie ist dann am Höchsten, wenn die Märkte schon angeschlagen sind - wie jetzt. Wenn dann noch eine böse Überraschung dazu kommt, mit der niemand gerechnet hat, kann sich eine Panik entwickeln, weil alle gleichzeitig zum Ausgang rennen, aber nicht gleichzeitig durch passen. Ein Crash ist immer noch unwahrscheinlich, aber nun zumindest theoretisch möglich. Jahrelang war er nur medialer Blödsinn, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

(5)

Bärenmärkte laufen nicht gleichmässig abwärts, sondern sind permanent von starken Erleichterungsrallys unterbrochen. Und in der Gegenbewegung weiss man nie sicher, ob das nun "der" Boden ist oder nur eine weitere nutzlose Gegenbewegung, bevor es weiter runter geht.

(6)

Das Marktsentiment der Anleger ist nun so angeschlagen und negativ und die Absicherungsquote der Profis so hoch, dass in dieser Woche - nach initialer Schwäche am Montag - eine Gegenbewegung nach oben nun hoch wahrscheinlich ist.

(7)

Falls wir nun den Beginn eines Bärenmarktes erleben sollten - ich betone den Konjunktiv - dann wird sich das daran zeigen, wie der Markt mit dem Rebound umgeht, der nun wahrscheinlich ist.

Wenn der schnell wieder verkauft wird, wird es sehr gefährlich! Wenn wir aber ein Marktgeschehen wie im Oktober 2014 erleben, haben wir gerade eine geniale Kaufgelegenheit. Vorher kann man das nicht wissen, erst die Beobachtung des Rebounds gibt uns die Signale!

(8)

Betrachte ich aber die Konjunkturentwicklung in den US, ist eine "gesunde" Korrektur wahrscheinlicher, als dass wir den Beginn eines grossen Bärenmarktes erleben. Aber auch eine "gesunde" Korrektur kann sehr schmerzhaft sein, wenn sie Wochen andauert und 20% nach unten geht.

(9)

Es gibt in meinen Augen einen einzigen Sachverhalt, der tatsächlich einen massiven Crash/Meltdown der Aktienmärkte hervor rufen kann.

Das ist nicht China, auch das Thema wird eingepreist und sich beruhigen. Es ist schon gar nicht Griechenland. Es ist auch nicht die FED Zinserhöhung, die wird sowieso nur marginal, wenn sie überhaupt kommt. Und es sind auch nicht die Emerging Markets, die sind im "Crash" schon mittendrin und auch das wird sich wieder ausschwingen, zumal der Dollar gerade wieder fällt und damit etwas Druck nimmt.

Die wirklich grosse Gefahr ist, dass die Märkte das Vertrauen in die vermeintliche Allmacht der Notenbanken verlieren. Denn ohne die Notenbanken, wären die Kurse nicht so weit oben, wie sie nun sind. Und es gibt Anzeichen, gerade in China aber auch in Japan und in den US, dass dieses Vertrauen bröckelt. Das ist die wahre Gefahr und wenn die Notenbanken als "lender of last resort" in Frage gestellt werden, *dann* haben wir eine echte Krise.

(10)

Langfristig werden die Märkte wieder steigen und der DAX wird 20.000 erreichen. Das stimmt und passiert ganz sicher. Aber auch das ist eine Nullaussage, denn langfristig sind wir alle tot. Historisch haben die Märkte aber auch schon mal über 20 Jahre gebraucht, bis sie nach einem schweren Einbruch wieder die alten Höchststände erreicht haben.

Was nützt also die Erkenntnis von "DAX 20.000 irgendwann" dem Pensionär, der seinen Lebensabend zu einem guten Teil aus seinem Depot aufhübschen will? Und das heute? Für den macht es einen riesigen Unterschied, ob die Märkte nun 60% fallen oder gleich wieder steigen.

So weit die zehn Punkte, die ich in Erinnerung rufen wollte.

Da Bilder aber mehr sagen als tausend Worte, zeige ich Ihnen nun als Orientierung, wie eine klassische Topbildung in S&P500 und DAX aussehen könnte.

Ich betone den Konjunktiv, das ist nur eines der möglichen Szenarien, die Zukunft ist unbestimmt und niemand kennt sie - N.I.E.M.A.N.D!

Wenn jetzt zum Beispiel die FED kalte Füsse bekommt und nun ein neues QE indiziert und damit den "Race to the Bottom" in eine neue Runde treibt, dann sind wir in einem völlig anderen Spiel und dann werden wir ausgehend von den aktuellen Niveaus wieder so ein "V"-Reversal wie im Oktober 2014 erleben. Das kann man vorher nicht wissen und darüber zu spekulieren macht keinen Sinn.

Aber trotz dieser prinzipiellen Unsicherheit der Zukunft, ist es trotzdem hilfreich sich klar zu machen, wie so ein Ablauf einer Korrektur und/oder Topbildung klassischerweise aussehen könnte. Denn es zeigt zum Beispiel, dass heute eher nicht der Tag ist, um nun auch noch als Letzter in Panik zu vefallen. Wenn man in Panik verfallen will, dann war letzten Mittwoch ein guter Tag dafür. Oder dann eher in der Zukunft, wenn der Rebound wieder verkauft werden sollte oder noch schlimmer - diese Woche gar nicht kommt.

Hier nun wie eine klassische Topbildung im Leitindex S&P500 aussehen könnte, wenn sie denn so kommt. Das ist nur ein Szenario unter vielen und keine Prognose und soll einfach nur typische Abläufe deutlich machen.

S&P500 23.08.15

Und das hier wäre das Bild des DAX, wenn sich die US Indizes wie oben verhalten sollten. Letztlich kann man den DAX als Hebel auf die US Indizes betrachten. Ein echtes, dauerhaftes Eigenleben hat er nicht, sprich wenn es in den US runter geht, kann sich dem auch der DAX nicht entziehen:

DAX 23.08.15

So ..... das war schon wieder ein umfangreicher Artikel, obwohl ich ihn ganz bewusst einfach gehalten habe.

Geht es noch einfacher?

Wenn Sie seriös über die Märkte schreiben wollen kaum. Wenn Ihnen das wieder zu lang war, wünsche ich viel Erfolg bei den Überbringern der einfachen Weisheiten und Lösungen, von denen gibt es ja genug.

Ich hoffe es war trotzdem hilfreich an dieser wichtigen Wegscheide.

Ihr Hari

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DAX Ausblick – Mein persönlicher Doppelbeschluss

Der folgende Artikel erschien schon Montag 08.06.15 14:20 in Hari Live

Die Vorsicht und der Zweifel ist nun überall im Markt zu spüren und ich bin sicher, dass auch das deutsche Marktsentiment am kommenden Mittwoch eine deutliche Eintrübung der zuvor deutlich zu bullischen Haltung zeigen wird.

In diesem Moment möchte ich mal einen Gedankengang mit Ihnen durchgehen, für den Sie mich wahrscheinlich für verrückt erklären werden. Denn ich weiss ganz genau, wie gerne der Markt genau den Weg geht, mit dem niemand rechnet - den Weg des maximalen Schmerzes.

Und ich weiss, welche langfristige Wirkung ein massives Quantitative Easing der Notenbank auslöst. Wir haben das doch gemeinsam erlebt, nur vergessen wir Menschen solche Erfahrungen zu gerne zu schnell.

Setzen wir uns also in die Zeitmaschine und kehren zurück in den Herbst 2012, als Ben Bernanke in Jackson Hole im September ein neues QE3 angekündigt hatte, nur dass dann am Markt erst einmal nichts so richtig passiert ist.

Am 11.11.12 - der Markt bröselte seit Wochen negativ vor sich hin - habe ich den folgenden Artikel geschrieben. Bitte lesen Sie den unbedingt noch einmal, es lohnt sich auch im Nachhinein: -> Warum QE3 erst ab 14.11.12 seine Wirkung entfaltet <-.

Zitat: "Bitte denken Sie daran: Liquidity Rules ! Das ist eine der Grundregeln, die immer gültig ist. Dewegen vermute ich auch, dass die Bären nun noch ein paar Tage ihre "feuchten Träume" geniessen können, bevor ihnen bald eine böse Überraschung bevor steht."

Dieser Artikel markierte auf den Tag zum 14.11.12 das Ende des Bröseln und den Beginn einer Aufwärtsbewegung, die bis heute getragen hat:

S&P500 08.06.15 2

Und ich habe schon in das Chart eingezeichnet, was der Gedankengang ist, für den Sie mich nun heute für verrückt erklären werden. 😉

Und klar, Sie müssen mir jetzt nicht schreiben, was heute alles anders ist als damals. Und dass die FED eben heute eher am Ende der QEs angekommen ist. Das weiss ich auch. Und Geschichte wiederholt sich nicht, sie reimt sich aber.

Und der Reim ist, dass wenn von Seiten der Notenbank ein massives Quantitative Easing in den Markt geschmissen wird, die erste Korrektur nicht das Ende der Bewegung darstellt. Draghi hat sich doch klar und deutlich zur Dauer und den Absichten bis Herbst 2016 geäussert, nur der Markt will es im Moment nicht glauben, genau so wie er im Herbst 2012 schon das Vertrauen in das QE3 verloren hatte und scheinbar übersehen hatte, dass es noch gar nicht wirksam war.

Jetzt besteht bei so einem Artikel, der ein Gedankenszenario skizziert, immer die Gefahr, dass Anleger nun zu ihrem Konto rennen und zu kaufen beginnen, weil sie ein Szenario unter vielen zur sicheren Zukunft machen.

FALSCH! Wir sind hoffentlich klüger. Wir rennen dann zu unseren Kauforders, wenn der Markt wieder zu steigen beginnt und im Moment ist die Lage wackelig und ich selber bin trotz solcher Gedankengänge wie oben weitgehend aus dem Markt und habe viel Cash.

Aber ..... es ist wichtig, dass wir einen klaren Blick für die Möglichkeiten behalten. Und dass wir uns klar machen, dass wir eine Notenbank mit einem frischen QE im europäischen Markt haben. Und ja, vielleicht ist dieses Mal hier alles anders, aber auf diesen Satz zu wetten, lohnt sich selten.

Was sich aber lohnt, ist sich an den Normalfall zu erinnern. Und der Normalfall ist, dass die erste Korrektur nach einem initialen QE Schub eben in der Regel *nicht* das Ende der Aufwärtsbewegung darstellt.

Und weil das so ist, werde ich bei aller berechtigen Vorsicht und aktuellen Abstinenz vom Markt, nun nicht zu negativ werden und werde mich den Schallmeienklägen des Crash-Geredes weiter konsequent verweigern.

Lesen Sie unbedingt im alten Artikel mal die letzten beiden Kommentare. Den Kommentar eines damaligen Mitglieds zu einem "Günter Hannich" und meine Antwort dazu. Nun, über 2 Jahre später, erst recht lesenswert. 😉

Nein, die Chancen sind nicht schlecht, dass dieser Markt erneut zu einer Rally ansetzt, sobald die Themen die ihn aktuell belasten - wie Griechenland, der starke Renditenanstieg bei Anleihen, der steigende Euro und die Angst vor einem frühzeitigem Ende des Notenbank-Stimulus - sich mal erschöpft haben.

Man könnte auch sagen, bisher passt alles zu dem prinzipiellen Ablauf, den ich im Artikel -> Sell in May und der Supervulkan <- bei damals noch DAX 11.980 am 14.04.15 dargestellt hatte.

Was wir aber nicht wissen ist, ob dieser Tiefpunkt heute erreicht wird oder vielleicht erst Ende des Sommers bei vielleicht sogar unter 10.000. Insofern ist Vorsicht nun kurzfristig die Mutter der Porzellan-Kiste. Aber für zu grossen Negativismus, ist mir persönlich das Environment immer noch deutlich zu bullisch für Aktien.

Das nur zur weiteren Erklärung meines persönlichen "Doppelbeschlusses", mit dem ich einerseits aktuell vorsichtig und weitgehend aus dem Markt bin, mittelfristig aber weiter chancenorientiert denke.

Und eine Änderung dieser Haltung ergibt sich dann, wenn mir der Markt klare Signale sendet, dass sich das für Aktien positive Environment grundlegened. Aber nicht im untauglichen Versuch, herum zu raten und eine Zukunft vorher sagen zu wollen, die sowieso keiner kennt, auch wenn viele so tun, als wäre es anders. Und viele Anleger sind leider immer noch auf der sinnlosen Suche nach dem "einen" Guru, der ihnen für 4€ 95 Cent - oder noch besser gleich kostenlos - die Zukunft weissagt. Wer hier Sarkasmus findet, liegt richtig. 😉

Der von mir geschätzte Josh Brown hatte dazu vor kurzem ein kurzes, brilliantes Essay. Wenn Sie des Englischen mächtig sind, sollten Sie da bitte unbedingt lesen und schmunzeln:

Ihr Hari

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Auslaufende Katalysatoren – das 2. Quartal im Blick

Der folgende Artikel erschien zum Wochenstart am Montag 23.03.15 09:05 in Hari Live

Wir treten nun in eine gefährliche Marktphase ein, die von auslaufenden Katalysatoren und der Frage "was kommt danach" geprägt sein wird. Bitte übersetzen Sie "gefährlich" aber nicht in "muss fallen", denn so ist das nicht zu verstehen.

Es ist vielmehr eine Phase, in der die Treiber, die uns nun das ganze 1. Quartal begleitet haben, langsam mal für eine Pause gut sind. Und sich der Markt daher fragen muss, wie er die "Zukunft danach" bewertet, denn wir wissen, der Markt ist nichts weiter als die Summe der Erwartungen der Marktteilnehmer.

Der anstehende Quartalswechsel wird dazu beitragen, dass der Markt eine veränderte Sicht auf die Zukunft entwickeln könnte. Eigentlich ist das wie der Jahreswechsel nur ein ganz normaler Tag, aber in unseren Köpfen schliessen wir mit so Tagen die Vergangenheit ab und schauen aufs Neue gespannt nach vorne in die Zukunft.

Wesentlicher Treiber des ersten Quartals waren natürlich die Notenbanken, die von den drei grossen Währungen Dollar, Euro und Yen durchweg alle massiv stimulierend für die Asset-Preise agieren. Und dass insbesondere der sensationelle Anstieg des DAX in hohem Masse mit den Notenbanken und deren Effekt auf die Währungen zu tun hat, ist ja offensichtlich.

Schauen wir ins 2. Quartal, ist aber schwer vorstellbar, wo von Seiten der Notenbanken nun noch additive, positive Katalyasatoren herkommen sollen. Die EZB ist maximal stimulierend, die BoJ sowieso und die FED weicht ihren Zinserhöhungspfad weiter auf und bleibt auch unterstützend. Mehr geht eigentlich nicht bzw ist schwer vorstellbar. Und das Wissen um die Stimulierung der Notenbanken, ist nun in den Kursen eingearbeitet.

Einen so positiven Impakt, wie es ab Mitte Januar das EZB QE ausgelöst hat, wird es im 2. Quartal also von den Notenbanken wohl kaum geben können. Das heisst nicht, dass deswegen die Welt zusammen bricht, das QE der EZB läuft und wird stützen. Aber niemand sollte erwarten, dass wieder so leichtes Geld auf der Long-Seite zu verdienen ist, wie nach der QE Ankündigung der EZB, wo alle Signale in die Richtung nach oben wiesen.

Gleichzeitig beginnt Mitte April die Quartalssaison in den US und der Markt wird sehr kritisch und vorsichtig sein, was den Effekt des starken Dollars angeht, der im 1. Quartal für die US Unternehmen sehr deutlich spürbar sein sollte. Schwäche Anfang April in Erwartung unbefriedigender Zahlen in den US, wäre also kein bisschen überraschend. Und dass der DAX mal eine Verschnaufpause braucht, ist ja wohl selbsterklärend.

Mein grundsätzliches Bild für die kommenden 4 Wochen sieht daher vom Grundsatz her so aus, dass in dieser Woche noch nicht so furchtbar viel passieren wird und der S&P500 die Hochs um die 2120 testen könnte. Auch der DAX könnte die Hochs erneut testen und vielleicht übersteigen.

Die ersten zwei April Wochen scheinen mir aber anfällig zu sein und die Hochs könnten also zu einem temporären Doppeltop werden. Und weiter als bis Mitte April hinein, fühle ich mich im Moment nicht in der Lage, irgend etwas zu antizipieren.

Schauen wir uns das mal im Leitindex S&P500 an, zunächst im langfristigen Chart mit Wochenkerzen:

S&P500 23.03.15

Wir sehen einen etablierten und bestehenden Trend und kein Signal, das diesen in Frage stellt. Wir sehen aber auch, dass die Steigung langsam nachlässt und können die 50-Wochen-Linie (die fast mit der 200-Tage-Linie korreliert) als wichtige Wetterscheide identifizieren, die den Trend trägt.

Was wiederum bedeutet, dass die Zone um die runde 2000er Marke nun in den kommenden Wochen sehr, sehr wichtig wird, die ich mit einem roten, flachen Kreis markiert habe. Wenn die fällt, haben wir wohl einen Trendbruch und das sollte daher auch die Zone sein, in der unser Risikomanagement greifen muss!

Im kurzfristigeren Blick auf die Stundenkerzen, sehen wir die schöne Wendestruktur mit Measured Move 2120 und es spricht viel dafür, dass diese Marke erreicht wird - möglicherweise gegen Ende der Woche, nachdem Anfang der Woche leichte Schwäche ansteht:

S&P500 23.03.15 2

Wenn der Measured Move erreicht ist, stellt sich die wichtige "Doppeltop oder Trendfortsetzung" Frage und wie oben angedeutet, kann ich mir in den April hinein eine Doppeltopstruktur gut vorstellen, deren wichtiger Test dann - siehe oben - um die 2000 im S&P500 ansteht.

Fazit:

Anfang dieser Woche wäre leichte Schwäche kein Wunder. Typisch wäre aber auch, dass zum Quartalsende hin noch einmal ein Anlauf zu den Hochs folgt.

In den April hinein, ist insbesondere Anfang April Vorsicht ratsam, die Quartalssaison in den US wird sehr kritisch beäugt werden und die Notenbanken werden als Taktgeber etwas in den Hintergrund treten.

Über den April hinaus, bin ich nicht in der Lage sinnvolle Dinge zu antizipieren, zu viele Bälle sind in der Luft und das Thema Griechenland ist ja immer noch in der Schwebe und kann nicht ewig so weitergehen. Dass das Land aus dem Euro raus muss, ist offensichtlich, auch wenn es die Politik gegen jede wirtschaftliche Vernunft nicht wahr haben will. Was nun läuft, ist das "Schwarze Peter" Spiel, denn wenn Syriza einen Euro-Exit als Partei überleben will, brauchen sie Schuldige, auf die sie innenpolitisch zeigen können.

Ich bin zwar überzeugt, dass ein Grexit dem Markt letztlich nicht schaden wird und den Euro sogar stärken, aber in der wilden Phase des Austritts, wird es so viele Schuldzuweisungen und Chaos geben, dass der Unsicherheit hassende Markt selbstverständlich davon nicht völlig unbeeindruckt bleiben wird.

Was uns als sinnvolle Strategie bleibt, ist also weiter die "alte Leier" der Trendfolge, jeweils auf den zum eigenen Anlagehorizont passenden Zeitebenen. Beim DAX sollte man sicher nach unten härter begrenzen als im S&P500, einfach weil die Überdehnung nach oben viel grösser ist. Denn wir wissen ja, dass die Bewegung eines Pendels immer damit zu tun hat, wie stark es vorher in die Gegenrichtung ging.

Was Wirtschaftsdaten angeht, haben wir diese Woche allerlei und auch jede Menge Reden von Notenbank-Mitglieder. Insbesondere die FED Mitglieder sind ja nach einer Sitzung medial sehr aktiv, wenn die Schweigephase endlich vorbei ist und man sich wieder medial produzieren kann. 😉

Es gibt die kommende Woche aber keinen dominanten und massiv antizipierten Termin, wie letzte Woche mit der FED. Insofern wird es besonders spannend aber auch unsicher, denn der Markt hat weniger Leitplanken zur Orientierung.

Ich wünsche eine erfolgreiche Woche!

Ihr Hari

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Der psychologische Ankereffekt oder: Es ist eben nur eine Zahl!

Der folgende Artikel erschien schon Donnerstag 12.03.15 09:30 in Hari Live

Heute mal etwas Grundsätzliches zur Entwicklung im DAX.

Denn die Fixierung der Menschen auf diese Zahl - heute 11.800 - führt zu psychologischen Fehlbewertungen der Situation. Und die Folge davon sind dann Schlagzeilen wie "Wahnsinn" oder "Übertreibung" oder "DAX ohne Hemmungen".

Das liegt daran, dass wir im Sinne des psychologischen Ankereffektes, "Normalität" über die nahe Vergangenheit defínieren. Und wir uns aber auch an eine "neue Normalität" ganz schnell gewöhnen und unsere Einschätzung daran ausrichten.

Stellen wir uns mal vor, der DAX würde nun ganz schnell auf 15.000 hoch schiessen. Jedermann würde das als "übertrieben" werten. Würde dann aber ein Jahr folgen, in dem der DAX seitwärts läuft, wäre am Ende des Jahres 15.000 "ganz normal" und niemand würde sich wegen der vermeintlichen Höhe sorgen.

Es ist eben nur eine Zahl!

Dass das so ist, können wir validieren, wenn wir in die Vergangenheit schauen. Der DAX stand vor 20 Jahren bei ca. 2000. Und klar, man muss die Dividenden nun raus rechnen, wenn man die Unternehmen heute und damals vergleichen will, aber trotzdem: haben sich Unternehmen wie Siemens in den 20 Jahren wirklich so grundlegend verändert, dass Sie heute ein Vielfaches Wert sind? Einen DAX bei 4000, was vielleicht nach Abzug der Dividenden dem 2000er DAX von 1996 entspricht, würden wir heute aber als Ausdruck einer schweren Wirtschaftskrise betrachten. Passt das zusammen?

Es ist eben nur eine Zahl!

Es ist eben nur eine Zahl, die da rechnerisch nun steht. Und dass die Zahl so hoch steht, dafür gibt es viele gute Gründe.

Nominelle Gewinnsteigerungen durch Bilanzakrobatik ala IFRS sind einer davon. Echte Gewinnsteigerungen durch effizientere Operation sind ein anderer. Höhere Multiples durch Anlagedruck im Null-Zins-Umfeld sind ein weiter Grund. Und der brutal fallende Euro ist der letzte Sargnagel, der dem DAX letztlich Scheingewinne verschafft, die nämlich nur für Bürger in voller Höhe sichtbar sind, die im Euro rechnen und daher nicht sofort merken, wie ihre Währung und damit auch Ihr Wohlstand, im weltweiten Massstab abwertet.

Es ist eben nur eine Zahl!

Eben, so ist es! Und wer sich nun von der vermeintlichen Höhe der Zahl irritieren lässt, weil sie sozusagen "Gestern" noch bei 8500 war, macht einen schweren Fehler. Die Höhe alleine sagt gar nichts. Null und Nichts. Erst der Kontext sagt etwas aus.

Gewinne in unseren Depots entstehen auch nicht, weil die Zahl "hoch" oder "tief" ist, sie entstehen nur, wenn die Zahl morgen höher ist als heute. Und das wäre auch wahr, wenn der DAX heute bei 100.000 stehen würde.

Dass wir Menschen uns durch den Ankereffekt zu falschen Schlussfolgerungen verleiten lassen, können Sie auch an der Tatsache sehen, dass Aktiensplits so beliebt sind. Denn eigentlich ändert sich durch einen Split gar nichts, der Wert der Firma ist völlig identisch. Und trotzdem "fühlt" es sich für uns eine Zeit lang so an, als ob die Aktie "billiger" geworden sei. Und das führt zu statistisch beweisbarem Kaufdruck nach so Massnahmen. Was sind wir doch für Affen, oder? 😉

Insofern wäre das Beste, was die Macher des DAX für die Aktienkultur in Deutschland machen könnten, beim DAX nun einfach eine Null zu streichen. Dann notiert er aktuell bei 1.180 und das würde es vielen leichter machen, nun zuzugreifen. Absurd? Ja! Realität? Auch!

Es ist eben nur eine Zahl!

Wir sollten uns diese Mechanismen unbedingt klar und uns davon so weit wie möglich frei machen. Hören wir also nicht auf den gedanklichen Reflex von "zu weit" und "Übertreibung", nur weil die Zahl nun so hoch ist - das ist alles irrelevant. Alles was für uns zählt ist, dass bei den Assets in unseren Depots die Zahl morgen höher ist als heute.

Und was heisst das nun konkret?

Eigentlich ist es recht einfach. Es gibt gute und fundamentale Gründe, warum der DAX so nach oben schiesst. Ich habe sie oben genannt, im Moment sind das vor allem der Anlagedruck und der Absturz des Euros, der "die Zahl" nach oben schiebt, ohne den Wohlstand wirklich im gleichen Masse zu heben.

Und solange diese Gründe so dominant sind, gibt es keinen Grund, warum der DAX nicht weiter steigen kann und sogar 15.000 im Verlauf der kommenden Jahres erreichen. Merken wir uns: es gibt keinen zwingenden Grund warum nicht!

Ist das nun "sicher" und darf man deswegen "sorglos" werden? Gott bewahre! Schwere Dummheit!

Was wir hier erleben, ist ein historisch einmaliges Experiment der Notenbanken. Jeder - absolut jeder, inklusive Draghi himself - der behaupten würde, er wüsste wie das ausgeht und welche Fallstricke auf dem Weg lauern, würde an massiver Selbstüberschätzung leiden und sollte von uns tunlichst ignoriert werden!

Schaut man in die Vergangenheit hinein, wodurch starke Bullenmärkte abgeschossen wurden, waren es nie die Dinge, um die sich der Markt sorgte. Worum sich der Markt sorgt, ist in den Kursen und stellt selten ein echtes Risiko dar. Wirklich riskant sind die Dinge, um die sich der Markt *nicht* sorgt, weil er sie nicht auf dem Radar hat. Und wie will man Dinge voraus sehen, die man nicht erkennt - das ist ein Widerspruch in sich.

Und hier - in der aktuellen Situation - ist dieser "blinde Fleck" in unserer Wahrnehmung noch viel grösser als sonst, weil wir uns in unerforschten Gewässern befinden. Wie kann man da seriös sorglos sein? Nein, so eine Haltung wäre völlig falsch.

Was man aber nicht machen darf, ist sich durch die berechtigte Vorsicht und Aufmerksamkeit lähmen lassen. Und das passiert leider gerade bei den meisten deutschen Anlegern, auch eben, weil "die Zahl" so ungewohnt hoch aussieht.

Es ist eben nur eine Zahl!

Vergessen wir also diese Zahl. Stellen wir Sie uns geistig mit einer Null weniger vor. Und denken wir wieder daran: es kommt nur darauf an, dass diese Zahl morgen höher ist.

Deshalb - genau deshalb - machen wir Trendfolge. Deshalb gehen wir solche Bewegungen mit, egal wie die Zahl ist. Und wir gehen solange mit, wie der Trend erhalten bleibt.

Und im Moment ist nichts am Horizont zu erkennen, was den Trend der durch die EZB in Gang gesetzt wurde, schnell beenden könnte. Aber was heisst das schon, dass im Moment nichts zu erkennen ist? Schon kommende Woche steht die FED an und theoretisch könnte die den Spieltisch durchrütteln und den Dollar wieder runter reden.

Und obwohl wir mitgehen, bleiben wir deshalb paranoid. Denn wir wissen, dass unter der stillen Wasseroberfläche der schönen neuen Nullzinswelt, Ungeheuer lauern. Es macht definitiv keinen Sinn, aus abstrakter Angst dem Trend nicht mehr zu folgen. Aber wir beobachten. Und wenn wir sehen, dass sich ein Ungeheuer zeigt - und der Markt wird uns das durch sein Verhalten signalisieren - dann sind wir draussen.

DAX 11.800 ist auf jeden Fall nur eine Zahl. Mit der Zahl ist kein bisschen gesagt, dass 10.800 in einem Monat wahrscheinlicher ist als 12.800. Kein bisschen!

Lassen wir uns also nicht von der Zahl verrückt machen und folgen dem Trend. Bis er endet. Gnadenloser Opportunismus im positiven Sinne, ist das, was man am Markt braucht um erfolgreich zu sein.

Ob diese Zahl nun "zu hoch" oder "zu weit" ist, überlassen wir der Diskussion anderer, die damit ihre Zeit verbrauchen wollen. Wir akzeptieren einfach: wir wissen es nicht. Und es ist auch egal.

Ihr Hari

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US Staatsanleihen – Wie man vom fallenden Euro profitiert

Der folgende Artikel erschien schon Montag 09.03.15 10:15 in Hari Live

Manchmal muss man einfach in Erinnerung rufen, was hervorragend funktioniert hat. Schon alleine, damit man bei der nächsten Chance dann beherzter zupackt, denn der Mantel des Schicksals kommt ja nicht jeden Tag an einem vorbei.

Zu Anleihen schreibe ich hier im Blog ja derzeit eher wenig, weil sie mir in weiten Teilen zu überteuert sind und ich auch einer Bundesrepublik Deutschland kein Geld für 0% leihe.

Aber es gibt Ausnahmen und eine hatte ich am 09.09.14 im Artikel -> Wenn überhaupt Staatsanleihen dann diese <- auch hier im freien Bereich dargestellt.

Denn US Staatsanleihen notieren noch mit akzeptablen Zinssätzen und die Chance auf eine Aufwertung des Dollars kommt sozusagen oben drauf.

Da nun nicht jeder das alte Chart noch einmal anschauen wird, habe ich es hier noch einmal herein kopiert, um den nachfolgenden "Schockeffekt" zu maximieren: 😉

So sah das also am 09. September 2014 aus:

IBTM 05.09.14

Und hier kommt nun die aktuelle Euro-Version dieses ETFs in Xetra (IUSM) heute:

IUSM 09.03.15

Autsch! kann man da nur sagen, wenn man diese geniale Chance verpasst hat. Denn diese sensationelle Entwicklung für einen Staatsanleihen-ETF kam deshalb zustande, weil die US Treasury Bonds auch in USD gut gelaufen sind und zusätzlich auf einen Währungscrash im Euro trafen.

Der damalig antizipierte Retest ist nicht einmal ansatzweise gekommen, klares Zeichen grosser Stärke der Price-Action.

Kurzfristig ist nun unklar, ob wir hier ein Doppeltop oder nur einen Dip haben, der erfrischt. Zwar ist mittelfristig von einem weiteren Anstieg des Dollars hin zur Parität auszugehen.

Andererseits ist die Lage der Treasury Bonds aus USD Sicht nun wackelig und direkt von der FED abhängig. Das können wir schön im bekannten ETF TLT in USD sehen, den man kurzfristig als SKS Topformation werten kann, wo mittelfristig aber eine wichtige Trendlinie ins Auge springt.

TLT 09.03.15

TLT 09.03.15 2

Kurzfristig würde ich also die FED Sitzung kommende Woche abwarten, bis sich dadurch klärt, wie es mit den US Treasury Bonds in USD weiter geht. Denn eine schnelle Zinserhöhung wäre natürlich schlecht für die Kurse der bestehenden US Treasury Bonds. Nur rechne ich nicht damit und das schon gar nicht auf der Sitzung im März.

Mittelfristig könnte aber ein nennenswerter Rückgang des IUSM eher eine erneute Chance sein. Denn solange man in den US für 10-jährige Staatsanleihen 2,x Prozent Rendite erhält und in Deutschland und Frankreich praktisch Null, stellt diese Renditedifferenz eine mittelfristige Chance dar. Der weiter starke Dollar kommt dann für Anleger im Euro-Raum noch dazu.

Auf jeden Fall sind US Staatsanleihen wahrscheinlich weiter gegenüber anderen Staatsanleihen überzugewichten. Und nach wie vor gilt:

Wenn überhaupt Staatsanleihen, dann diese!

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