Marktupdate – 03.08.12 – Kaufgelegenheit DAX 6600 ?

09:45 Uhr

Guten Morgen,

eine ganz kurzes Update bzw Ergänzung zum gestrigen Artikel von 16 Uhr.

Nachdem ich den Artikel gestern erstellt hatte, haben die Bären dann tatsächlich einen weiteren Versuch gestartet, sich doch noch Respekt zu verschaffen. Der DAX wurde zeitweise im Handel unter 6600 gedrückt und der S&P500 unter 1360. Aber schon im gestrigen späten Handel kam dann wieder die Gegenbewegung, was uns im DAX Future bei knapp 6600 schliessen liess.

Heute Morgen setzt sich die Stärke fort und es sieht aktuell so aus, als ob wir schon bald wieder die 6700 testen. Offensichtlich wird der Rücksetzer als Kaufgelegenheit betrachtet.

In Summe bleibe ich daher bei meiner mehrfach geäusserten grundlegend bullischen Einschätzung zur kurzfristigen Entwicklung. Was die Bären gestern zeigten, war zwar bemüht, konnte mich aber nicht wirklich überzeugen.

Fundamental denke ich im Übrigen, dass Draghi gestern tatsächlich geliefert hat und die Ankündigungen der EZB - die defacto einem Quantitative Easing im Euroraum entsprechen - sehr substantiell sind. Der Rückgang gestern beruhte nach meiner Einschätzung nur darauf, dass der Markt übertriebene Erwartungen im Sinne "sofort und gleich" hatte. Ich erwarte aber, dass sich diese Erkenntnis einer substantiellen Änderung der EZB Politik am Markt durchsetzt und für höhere Kurse sorgt.

Insofern sehe ich die Bullen immer noch im Vorteil und gebe einer Fortdauer der Rally im August eine höhere Wahrscheinlichkeit, als einem weiteren Absturz von DAX 6600 ausgehend. Sollte ich mit dieser Einschätzung richtig liegen, wären 6600 im DAX vielleicht eine Kaufgelegenheit mit Blick auf den weiteren Verlauf im August.

Heute sollte Sie übrigens um 14.30 Uhr aufmerksam sein, wenn die US Arbeitsmarktdaten veröffentlicht werden.

Ich wünsche Ihnen heute viel Erfolg !

Ihr Hari

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Marktupdate – 02.08.12 – FED & EZB: ausser Reden nichts gewesen

16:00 Uhr

Wie treffend meine zuletzt mehrfach geäusserte Sicht auf die bullische Struktur des Marktes war, können wir heute wieder beobachten.

Wir standen mit DAX 6800 und S&P 500 1380 eigentlich nicht mehr sehr weit von den Jahreshöchstständen entfernt und hatten eine tagelange Rally hinter uns.

Und dann enttäuschen die Notenbanken auch noch übertriebene Erwartungen. FED mit QE3 - Fehlanzeige. Erneute Zinssenkung EZB - Fehlanzeige. Konkrete Massnahmen der EZB ausser Absichtserklärungen - Fehlanzeige. Immerhin hat Draghi nun konkrete Aktionen in den nächsten Wochen angekündigt und damit bleibt die Hoffnung am Leben. Aber trotzdem, normalerweise hätte diese Summe an Enttäuschungen reichen müssen, um den Markt massiv nach unten zu schicken.

Und was macht Mr. Market ? Er gibt bei den Enttäuschungen gestern und heute früh kaum ab. Dann spricht Draghi von konkreten Aktionen in den nächsten Wochen und der DAX Future steigt - Pling - sofort bis 6850 ! Erst als der Markt während der Pressekonferenz realisiert, das Draghi heute mehr als Ankündigungen noch nicht zu bieten hat, lässt das den DAX Future in einer Korrektur temporär bis 6604 abstürzen. Aber jetzt um 16 Uhr kommen die Kaufprogramme wieder und kaufen den Rücksetzer und 6700 sind schon wieder in Schlagweite.

Ich kann es nur deutlich sagen: wenn die Bären auch die heutige Enttäuschung nicht nutzen können um den Markt abzuschiessen, wenn wir uns im weiteren Handelsverlauf wieder über 6700 im DAX hoch robben, dann ist damit der Beweis erbracht, dass von den Bären aktuell keine Gefahr droht.

Aber noch haben die Bären ja ein paar Stunden Zeit das Blatt doch noch zu wenden. Eine bessere Definition für einen starken Markt gibt es auf jeden Fall nicht und ich kann nur dazu raten, das dann zu respektieren und sich dieser Dampfwalze nicht mit einem bärischen Bias entgegen zu stellen.

Insofern werde ich ganz aufmerksam den weiteren Verlauf des heutigen Tages abwarten, denn der sagt uns eine Menge darüber, wie die innere Konstitution des Marktes wirklich ist und wieviel Saft diese Rally noch hat. Damit die Bären meinen Respekt erwerben, müssen sie nun die "Nach-Draghi" Tiefs erneut durchschlagen und den DAX auch nachhaltig unter 6600 tauchen. Dann bin ich bereit die Bären wieder ernst zu nehmen.

Wie lange diese bullische Phase noch andauert kann Ihnen niemand sagen, vielleicht ist sie ja schon heute Abend vorbei. Aber was ich hier sehe, hat für mich eher den Charakter über ein kurzes Sommerwunder hinaus zu gehen und bis in den Herbst Wirkung zu zeigen. Denn wenn man es genau betrachtet, hat Draghi durchaus geliefert. Wer halbwegs kompetent die Mehrheitsmechanismen in der EZB verfolgt, konnte doch nicht ernsthaft erwarten, dass heute schon ein konkreter Beschluss erfolgt. Im Kern hat Draghi aber massive Staatsanleihenkäufe - also die europäische Version des Quantitative Easing - in den Raum gestellt. Ein Staat der also unter den ESM schlüpft, wird durch die Geschütze der EZB damit defacto vom Markt abgeschirmt.

Das ist schon eine sehr wesentlich und starke Aussage, die über das eigentliche Mandat der EZB hinaus geht. Insofern hat Draghi geliefert und ich vermute, der Markt wird das im Laufe des heutigen Handels auch so sehen. Um so wichtiger wird damit das Bundesverfassungsgericht am 12.09.12 werden, den Termin können Sie sich schon heute markieren, denn er wird für grosse Nervosität an den Märkten sorgen.

Und was den sich abzeichnenden Grexit angeht, wird der den Markt gar nicht interessieren, wenn die EZB mit klarer und aggressiver Sprache "alle notwendigen Massnahmen" garantiert und der ESM aktiv ist. Der Markt interessiert sich doch gar nicht für Griechenland und sorgt sich auch nicht darum. Was ist schon Griechenland für die Welt - eigentlich völlig irrelevant.

Der Markt sorgt sich um die Folgeeffekte eines Grexit in den grossen Volkswirtschaften der Eurozone wie Italien und Spanien. Wenn die EZB den Markt aber durch aggressive Sprache überzeugt, dass es sich nicht lohnt gegen die schweren Waffen der EZB auf eine Eskalation der Krise zu setzen, dann wird es schlicht keine Eskalation geben. Vertrauen ist halt das entscheidende Gut an den Finanzmärkten. Dann wird die Finanzwelt den sowieso unvermeidlichen Grexit nur noch mit einem desinteressierten Schulterzucken zur Kenntnis nehmen und letztlich wird es den Euro stärken.

Auffällig ist auch erneut die immense Stärke der grossen, defensiven Bluechips, hier fliesst eindeutig institutionelles Geld zu und diese Titel geben einfach kein bischen ihrer bisherigen Gewinne ab. Bei den kleinen und mittelgrossen Aktien ist das Bild lange nicht so positiv, was man auch leicht an der deutlichen Divergenz zwischen S&P500 und Russell2000 Index (RUT) erkennen kann.

Fazit: Wenn der heutige Tag bis Handelsschluss stark bleiben sollte und wir uns von den Tiefstständen nach Draghis Pressekonferenz weiter entfernen, sind ein DAX über 7000 und ein S&P500 über 1400 für mich durchaus wahrscheinlich geworden. Erst wenn wir unter DAX 6600 schliessen, wird sich mein Blick auch wieder nach unten richten. Ich erinnere in diesem Zusammenhang auch an meine im 2. Quartal mehrfach getätigte "Weissagung" einer Sommerrally, die sich vor einem Monat auch viele hier nicht so richtig vorstellen konnten. Es ist und bleibt halt einfach so, dass der Weg den sich die wenigsten vorstellen können, an der Börse mit der höchsten Wahrscheinlichkeit eintritt. Für Laien mag sich das komisch anhören, denkt man darüber nach wird es aber ganz logisch. Denn auf dem Weg den alle schon erwarten, sind alle auch positioniert und dieses Geld ist damit schon ausgegeben und in den Kursen verarbeitet.

Was ist heute sonst noch auffällig ?

Veolia (WKN 501451) wird heute mit zeitweise Minus 10% geschlachtet. Meine Warnung vom 05.07.12 war also offensichtlich gerechtfertigt. Auslöser waren die Zahlen, die ich aber gar nicht als so schlecht empfand, immerhin war Veolia wieder zu einem Quartalsgewinn in der Lage. Insofern bin ich mir nicht völlig darüber im Klaren, was zu diesem massiven Absturz heute geführt hat. Mit Sicherheit hatte der Markt bessere Zahlen erwartet. Ich habe aber schon seit dem 05.07.12 den Eindruck, dass es hier von Seiten der Politik Probleme gibt, die zu einer Verschlechterung der Stimmung im Sektor führen. Denn die Märkte in denen sich Veolia bewegt sind in hohem Masse politisch beeinflusst, bei einem sozialistischen Präsidenten erst recht. Wer aufgrund französischer Sprachkenntnisse mehr zum Geschehen bei Veolia beitragen kann, ist mit einem Kommentar herzlich willkommen.

Itron (WKN 888379) schiesst nach ausgezeichneten Zahlen um 10% nach oben.

Die Goldminen (ETF GDX) zeigen in Anbetracht des Goldpreise mit über 1% Plus um 16 Uhr Stärke und Überperformance. Wie übrigens Gold und Silber diese Enttäuschungen bisher auch ausgezeichnet verarbeitet haben. Sollte Gold heute trotz der Enttäuschung über 1600 USD schliessen, wäre das ein starkes Signal.

US National Gas (ETF UNG) setzt zu einer scharfen technischen Korrektur nach Test der 200-Tage-Linie an, weil die Lagerbestände überraschend hoch sind. Wenn der Aufwärtstrend dabei nicht gebrochen wird, könnte das eine Kaufgelegenheit sein. Dabei muss man auch ein wenig aufs Klima schauen, die Hitzewelle hat in den US diesen Sommer den Gasverbrauch in die Höhe getrieben und zur Wende bei US National Gas beigetragen. Sollte diese Hitzewelle nun auslaufen, dürfte der Kurs weiter korrigieren.

Ich wünsche viel Erfolg !

Ihr Hari

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Marktupdate – 01.08.12 – Nach der FED ist vor der EZB

22:20 Uhr

Sehr kurzes Update nach der FED und vor der EZB.

Der Markt hat das Fehlen konkreter FED-Massnahmen sehr gut verdaut. Das sieht von der Markttechnik her nach wie vor überwiegend bullisch aus und spricht für höhere Kurse in der nahen Zukunft. Auch Gold war erstaunlich stabil und schloss trotz der "Enttäuschung" bei 1600 USD. Auch das ist erstaunliche Stabilität.

Morgen steht nun die EZB um 13.45 bzw 14.30 Uhr mit der Pressekonferenz an. Und da ist die Lage nun etwas anders. Denn Draghi hat sich sehr weit aus dem Fenster gelehnt. Und wenn er auf seine "mutigen" Worte nun keine Taten folgen lässt, dann werden wir Morgen einen bösen Abverkauf erleben.

Da aber viele genau davor Angst haben werden, könnten wir morgen im frühen Handel schwächere Kurse an den europäischen Börsen erleben, womit wieder ein Teil der Erwartungen aus dem Markt genommen würde.

Morgen ist also im Gegensatz zur heutigen FED der riskantere Tag. Denn von der FED hatte die Mehrheit keine Wunderdinge erwartet und das Überraschungspotential zeigte nach oben, wenn ein QE3 doch mit Donnerschlag gekommen wäre. Morgen aber erwartet der Markt konkrete "Action". Kommt die nicht, ist das Überraschungspotential wohl nach unten. Und das massiv.

Warten wir ab und hoffen wir, dass Draghi klar ist, was er da für Erwartungen geschürt hat.

Bis Morgen, gute Nacht allerseits !

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Marktupdate – 01.08.12 – Gut ist schlecht und schlecht ist Gut !

16:05 Uhr

Ein kurzes Update an diesem wichtigen Tag.

Heute können wir wieder beobachten, wie Mr. Market die wirtschaftlichen Daten etwas schizoid interpretiert. Mr. Market will nun unbedingt Notenbank-Aktionen sehen. Und da kommen ihm gute Arbeitslosenzahlen wie um 14.15 Uhr etwas in die Quere, weil sie die Wahrscheinlichkeit verringern, dass die FED wirklich zur Tat schreitet. Der leicht schwache ISM um 16.00 Uhr hat dann wieder etwas gestützt.

Gerade im "FED Indikator" Gold und Silber kann man den Effekt perfekt beobachten. Erst strömt das Geld wieder raus, dass nur in Erwartung weiterer Liquiditätsschwemme dort eingestiegen war und Gold fällt unter 1600 USD. Nach dem ISM kommt es teilweise zögerlich zurück.

Für die Kursbewegungen heute Abend ab 20.15 Uhr und Morgen ab 13.45 Uhr bzw 14.30 mit der Pressekonferenz in Sachen EZB, muss diese Entwicklung aber nicht negativ sein. Denn damit ist nun etwas übersteigerte Erwartung aus dem Markt, was Raum für Überraschungen nach oben schafft. Und jede Schwäche vor den Terminen, erhöht die Chance auf steigenden Kurse danach.

Alles in allem zeigt der Markt in meinen Augen grosse Stärke. Es sieht für mich so aus, als ob ein unterstützenden Bid im Markt ist und Mr. Market einfach nach oben will. Möglicherweise ist die FED heute Abend gar nicht das grosse Risiko, sondern mehr die Frage ob Draghi nach seinen "grossen Worten" Morgen dann auch Taten folgen lässt und im EZB Rat dafür eine Mehrheit bekommt. Eine Enttäuschung an dieser Stelle dürfte böse Auswirkungen auf die Märkte haben.

Alles in allem bleibt aber für mich das grosse Bild bestehen. Nach unten gut absichern und nach oben mitspielen - so sieht mein "Game-Plan" für den Rest der Woche aus !

Berücksichtigen Sie bei allen Aktionen dieser Woche, dass die Volatilität deutlich höher als normal sein dürfte. Stops dürfen also nicht zu eng sein, sonst fliegt man zu schnell wieder raus.

Ich wünsche Ihnen ein gutes Händchen !

Ihr Hari

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Aufbau eines Trades – 31.07.12 – Am Beispiel Silber

15:30 Uhr

Heute möchte ich Sie auf die Kursentwicklung bei Silber (XAGUSD) in USD aufmerksam machen. Denn dort könnte sich möglicherweise nun eine interessante Chance für einen lukrativen Trade entwickeln. Und ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um den weniger erfahrenen Lesern an diesem Beispiel zu zeigen, wie ein durchdachter Trade am Beispiel Silber aufgebaut sein könnte.

Das Silber von möglichen Notenbank-Aktionen profitieren sollte, dürfte wohl offensichtlich sein. Für den folgenden Trade interessieren mich aber derartige Überlegungen weniger, sondern ich betrachte ihn ausschliesslich aus Sicht der Chart- und Markttechnik.

Schauen wir uns Silber mal im Tageschart an:

Sie sehen die massive Konsolidierung, die Silber seit den Höchstständen im Frühjahr 2011 durchlebt. Sie sehen aber auch, dass Silber immer wieder bei ca. 26 USD nach oben drehte. Hier liegt eine ganz starke Unterstützung, die sich als idealer Stop bei einem Trade anbietet.

Sie sehen auch das fallende Dreieck, dass bei Silber nun bald zur Entscheidung führen sollte. Grundsätzliche sind fallende Dreiecke weitgehend neutral was die Richtung des Ausbruchs angeht. Allerdings ist ein Ausbruch typischerweise mit Dynamik in die eingeschlagene Richtung verbunden.

Insofern stellt sich die Frage, ob Silber nun nach unten durch die 26 USD durchfällt, worauf Silber durchaus 20 USD durchschlagen könnte. Oder ob Silber nach oben aus dem Dreieck ausbricht, worauf Silber mit hoher Wahrscheinlichkeit mindestens die Region um 35 USD erreichen dürfte.

Ehrlich, ich weiss es nicht und habe nur eine leichte Präferenz für eine Bewegung nach oben, die sich aus den finanzpolitischen Rahmenbedingungen (Notenbankaktionen) speist. Eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit rechne ich aber dem Szenario zu, dass Silber die obere Begrenzung des Dreiecks testet, die mit der 200-Tage-Linie bei etwas über 30 USD zusammen trifft. Diesen Punkt habe ich im Chart mit einem grünen Punkt markiert und der wäre immerhin immer noch ca. 10% vom aktuellen Kurs entfernt.

Unterstützt wird diese Sicht von der relativen Stärke, die sich nun im Silberkurs aufbaut und im RSI leicht zu sehen ist. Aber auch ein Blick auf das Stundenchart ist interessant:

Nachdem der Kurs über viele Tage oberhalb 26 USD immer wieder nach oben drehte, hat sich nun ein klarer Aufwärtstrend heraus gebildet. Aktuell sieht es nach einer leichten Korrektur aus, die bis knapp unter 28 USD führen könnte, den Punkt den ich mit einem roten Stern markiert habe.

Das aber könnte mit etwas Glück eine interessante Kaufgelegenheit sein, um eine Bewegung nach oben, zumindest bis zur 200-Tage-Linie bei gut 30 USD, mitzunehmen.

Wenn man diesen Trade längerfristig eingehen will, könnte man seinen Stop bei ca. 25,9 USD hinlegen und auf eine Bewegung bis 35 USD und darüber hinaus bis Jahresende wetten.

Wenn man den Trade kurzfristig eingehen will, könnte man seinen Stop unter das Tief von gestern bei ca. 27,5 USD legen und auf eine kurzfristige Bewegung bis zur 200-Tage-Linie oberhalb 30 USD wetten.

In jedem Fall steht hier eine klar definierte Kurs-Chance, einem klar definierten Kurs-Risiko gegenüber. Und das ist schon mal eine wichtige Voraussetzung für einen sauberen Trade. Und mit der 26 USD Marke gibt es eine harte Grenze für eine Notbremse, die von hoher Güte und Aussagekraft ist und weniger als 10% Verlust nach unten bedeutet.

Ob Silber nun tatsächlich zum Sprung nach oben ansetzt, dürfte entscheidend von der FED am Mittwoch und der EZB am Donnerstag abhängen. Ob so ein Trade wirklich aufgeht ist ebenso unklar, Sicherheit gibt es an der Börse nicht. Betrachtet man aber die Wahrscheinlichkeit, sehe ich eine leicht höhere Wahrscheinlichkeit dafür, dass der Kurs nun den Bereich um 30 USD testen wird. Und betrachte ich Chance und Risiko der Bewegung von einer absoluten Perspektive, sehe ich ein Risiko nach unten bis 26 USD von aktuell ca. 8%, dem aber eine grössere Chance nach oben bis ca. 35 USD oder 25% gegenüber steht.

In Summe also ein gutes Beispiel für einen Trade den man in meinen Augen machen kann (aber nicht muss). Ich hoffe es hilft den unerfahrenen Lesern, ihre Aktivitäten an der Börse in Zukunft ebenso sauber zu durchdenken und mit definierten Chancen und Risiken zu hinterlegen.

Zu einem sicheren Gewinn wird dieser Silber-Trade genau so wenig führen, wie jede andere Wette an den Märkten. Alles ist ein Spiel mit Wahrscheinlichkeiten. Aber dieses Beispiel ist zumindest eine sauber durchdachte Strategie und damit erfolgsträchtiger, als Adhoc-Aktionen aus einem rein emotionalen Momentum heraus, ohne Chancen und Risiken wirklich durchdacht zu haben.

Ich wünsche viel Erfolg !

Ihr Hari

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Marktupdate – 30.07.12 – Vor der FED

17:00 Uhr

Was sich Ihnen heute schreibe ist alles nicht neu. Eigentlich hat sich gegenüber dem Artikel vom Samstag nichts geändert. Trotzdem dürfte es für das Jahresergebnis nun von hoher Bedeutung sein, diese Wegscheide richtig zu spielen. Deshalb will ich die wesentlichen Punkte die man in meinen Augen verstehen muss, noch einmal prägnant wiederholen.

1.

Diese Rally hat nach meiner Einschätzung mehr Bedeutung und Momentum, als alles was wir im 2. Quartal an kurzfristigen Rallys bisher hatten. Das ist etwas, was mir ganz klar der Markt mit seiner bullischen Price-Action sagt. Selbst heute, nach 2 Tagen kompromisslosem Anstieg ist der Markt vergleichsweise stark und hat kaum Abgabedruck. Das ist nur möglich, wenn institutionelles "Big Money" in den Markt fliesst.

Es ist deshalb völlig irrelevant ob man die Bewegung nun übertrieben findet oder nicht. Was wir glauben interessiert den Markt so viel wie das berühmte Fahrrad in China. Das Geld, das nun dem Markt zufliesst ist real. Und es ist real, weil der Markt an die Notenbanken glaubt. Und die Notenbanken haben in den letzten Jahren nie den Markt massiv enttäuscht, dafür sind Bernanke und Draghi zu sehr Profis was Marktkommunikation angeht. Das sind die simplen Fakten und ich werde mir den Blick darauf nicht von einem bärischen Bias verstellen zu lassen.

2.

Sie werden aktuell viele Statements hören nach dem Motto : "Ich traue dem Braten nicht", "Das war doch nur Gerede von Draghi", "Die Aussage von Draghi ist Zeichen von Panik" usw. Diese Haltung ist Ausdruck all der Marktteilnehmer, die vor einer Woche das massiv negative Sentiment ausgemacht haben, das ich im Artikel vom -> Bullen, der noch Kraft in den Lenden hat <- beschrieben habe.

Ich höre nicht darauf, diese Leute stehen teilweise jetzt noch an der Seitenlinie und suchen nach Selbstrechtfertigung. Vielleicht haben sie ja auch recht, dann ist das aber pures Glück, denn mehr wissen als das Big Money, das gerade den Markt kauft, tun diese Leute nicht.

Ich erinnere in diesem Zusammenhang erneut an den Dreher, den der Markt bei ca. 1080 im S&P500 im Oktober letzten Jahres machte. Jetzt wissen wir, das war das absolute Tief seit dem. Damals fühlte sich der Anstieg auch so idiotisch wie heute an, das Short-Interest war auch hoch und alle schrieben, dass diese Rally doch sowieso bald zusammen fällt. Richtig Sorgen werden ich mir machen, wenn alle wieder von DAX 8000 oder mehr reden, nicht aber, wenn kaum einer an die Rally glaubt !

3.

Selbstverständlich haben wir eine mögliche FED Aktion am Mittwoch nun schon teilweise in den Kursen verfrühstückt. Sollte die FED doch nicht liefern, oder sollten sich Draghis Worte doch nur als substanzloses Gerede heraus stellen, werden wir ein massives "Sell the News" Szenario haben, das für alle Bullen dann ganz bitter ausgeht.

Umgedreht sollte sich aber auch keiner einer Illusion hingeben, wenn ein echtes QE3 kommt, dann werden wir noch viel, viel höher laufen und der Markt wird das auch sofort feiern. Und um zu erkennen, dass wir nun aktuell bei DAX fast 6800 mal wieder für eine Korrektur reif sind, muss man wirklich keine Intelligenzbestie sein. Was aber selbst Otto Normalanleger sehen kann, tritt einfach selten ein. Das ist die einfache statistische Wahrheit.

Da alle NACH der FED nun mit einer "Sell the News" und Korrektur rechnen, finde ich es wahrscheinlicher, dass diese nun VOR der FED - also in Kürze - schon kommt und wir nach der FED dann weiter nach oben drehen.

Insofern ist nun Vorsicht durchaus sinnvoll, wer jetzt noch nicht in den Markt gesprungen ist, wartet damit nun wohl besser die FED am Mittwoch Abend ab oder agiert erst am Donnerstag nach der EZB Sitzung. Umgedreht gibt es aber zu übergrossem Pessimismus auch keinen Anlass, wie mehrfach gesagt, hat die FED den Markt zuletzt immer hervorragend vorbereitet. Warum soll das dieses mal anders sein ?

4.

Und welche Aktien sollte man im Zweifel in einer Korrektur kaufen, um noch in den Markt zu springen ? Ganz einfach, die die jetzt im Zuge der Rally anspringen. Und nicht die, die trotz Rally immer noch unten herum krebsen und nicht richtig in Fahrt kommen. Ganz egal wie "billig" diese Aktien aussehen, denken Sie daran, es gibt immer einen Grund warum Aktien so billig sind und die tausend Profis die diese Aktien da draussen handeln und beobachten, wissen in der Regel mehr als wir ! Ich folge daher lieber dem Markt, ich folge den Profis und kaufe das, was die gerade auch kaufen !

5.

Sie sehen an meinen Worten, das ich aufgrund der mir sichtbaren Markttechnik diese Rally mehr ernst nehme, als alle anderen seit April. Trotzdem ist das keine Sicherheit, Sicherheit existiert im Markt nicht ! Denn es kann natürlich immer alles ganz anders kommen, wir wissen ja nun, was ein paar Worte von Draghi und Co. bewirken können. Meine Aussagen oben sind also, wie immer, nur Aussagen zu Wahrscheinlichkeiten, so wie ich persönlich sie sehe, nicht mehr.

Deshalb ist meine persönliche Strategie nun Long im Markt zu sein, gleichzeitig mich aber auch konsequent abzusichern. Und ich habe mein Long-Exposure nun in Erwartung der Korrektur etwas herunter gefahren. Sollten wir nun vor oder nach der FED eine kleine Korrektur bekommen, wäre der Tiefpunkt dann eine ideale Marke die man für Stops verwenden kann. Bisher nutze ich dafür das 50er Fibo-RT von 6550 im DAX.

Ich wünsche Ihnen ein gutes Händchen,

Ihr Hari

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Marktupdate DAX, S&P500 und Co. – 28.07.12 – Die Notenbanken machen Ernst

Eine ereignisreiche Börsenwoche liegt hinter und eine ebenso spannende vor uns. Das übergreifende Thema kann man wohl in einem Satz zusammen fassen: Die Notenbanken machen Ernst !

Sah es noch vor 3 Tagen von der Markttechnik her sehr danach aus, als ob wir nach unten wegkippen, hat das klare, persönliche Commitment von EZB Chef Draghi alles verändert. Und das Timing war perfekt, es war sozusagen Rettung in allerletzter Sekunde aus Sicht der Bullen, von einem ehemaligen Vice President von Goldman Sachs darf man effektives Markt-Timing aber wohl auch erwarten. 😉

Mit den Aussagen Draghis, verbunden mit den Hinweisen die die FED über ihren "Lieblingsjournalisten" Jon Hilsenrath vom verbreitet, ist jetzt klar, dass die Notenbanken wohl einen Boden in den Markt eingezogen haben. Und der gestrige Freitag mit seiner erneuten Stärke zeigt mir, dass das institutionelle Geld nun einsteigt. Seit Gestern ist Überzeugung (Conviction) im Markt, wäre das nicht so, wäre die Korrektur gestern früh nicht sofort gekauft worden.

Die brutale Stärke der Bewegung der letzten beiden Tage beruht darauf, dass die Mehrzahl der Marktteilnehmer nach wie vor ein sehr bärisches Sentiment hat und deshalb der Rally am Donnerstag auch nicht getraut hat. So wurden die Shorts gehalten, in der Erwartung, dass die Aussagen von Draghi erneut nur wieder ein "One-Day-Wonder" sind und wir in der Schaukelbörse bleiben. Die Stärke von Freitag hat bei diesen Marktteilnehmern dann wohl zu massiven Schmerzen geführt.

Wenn Sie letzte Woche aufmerksam meinen Artikel zum -> Bullen, der noch Kraft in den Lenden hat <- gelesen haben, dürfte Sie dieser Short-Squeeze nicht zu sehr überrascht haben. Denn wie ich letzte Woche schrieb, hatten wir vom Sentiment her fast historische Tiefststände erreicht, die statistisch fast immer zu höheren Kursen in Folge führen.

Für die nächste Woche warne ich erneut davor, die Notenbanken nicht ernst genug zu nehmen und seinem bärischen Bias zu lange nachzuhängen - denken Sie lieber an die bewährte Regel: "Dont fight the FED". Sicher ist am Montag zunächst von leichten Gewinnmitnahmen auszugehen, das zu erwarten ist nun wirklich keine Raketenwissenschaft. Am Mittwoch kommt aber die FED nach einer zweitägigen Sitzung mit dem Ergebnis in den Markt. Und bis dahin dürfte der Markt weiter von Hoffnung geprägt sein.

Sollte die FED dann nicht liefern und auch von Seiten EZB keine weitere Konkretisierung erfolgen, besteht am Mittwoch das Risiko einer üblen "Sell the News" Reaktion. Allerdings rechne ich tendentiell nicht damit, denn wenn sich die Notenbanken so deutlich äussern, dann liefern sie auch, dazu sind sie in der medialen Vorbereitung ihrer Aktivitäten zu erfahren. Eher drängt sich mir nun der Eindruck einer massiven, konzertierten Aktion auf, denn auch die Chinesen haben ja nun den Weg des Stimulus erneut beschritten. Und Nachrichten von plötzlicher Reisediplomatie wie , runden das Bild der konzertierten Aktion dann ab.

Wenn die Notenbanken nun aber Ernst machen und massiv in den Markt einsteigen - und das ist das was der Markt gerade denkt - dann sollten sich alle Bären warm anziehen und besser tief in ihren Höhlen verkriechen. Denn dann dürfte wohl Party-Time an den Märkten anbrechen. Und neue Jahres-Höchststände oberhalb 1420 im S&P500 und oberhalb 7200 im DAX sind dann fast als sicher zu betrachten.

Wer jetzt von seiner bärischen Sicht nicht loslassen will, der sollte sich an den September 2010 erinnern, an dem die FED das erste Quantitativ Easing (QE 1) auf die Reise brachte. Danach bekamen wir fast eine halbes Jahr lang eine permanenten Liquiditäts-Rally, bis Fukujima denn Ablauf unterbrach. Und ich erinnere an den Dezember, den 4. Monat der Rally 2010 – da liefen wir ganz ruhig fast jeden Tag hoch, das war wohl einer der entspanntesten und schönsten Börsenmonate seit Jahren.

Fazit:

Wenn die Notenbanken nun ernst machen und liefern - und danach sieht es aus - könnte das der Anfang einer gewaltigen Liquiditätsrally sein, die über Monate trägt. “The powers that be” haben einfach die Macht die Märkte hoch zu pumpen und alles wie bei frischem Schnee mit einer Decke frisch gedruckten Geldes zu bedecken und zu beruhigen. Das Risiko einer Enttäuschung dieser Erwartung besteht zweifellos, weswegen Stops nach wie vor nötig sind, falls der Markt am Mittwoch wegkippt. Aber wahrscheinlicher ist für mich, dass die Notenbanken nun richtig Ernst machen.

Selbstverständlich löst das keines der strukturellen Probleme der westlichen Welt und schafft vielmehr neue, wenn man so will wird der drogensüchtige Mr. Market halt mit einem erneuten Schuss Heroin wieder ein gutes Stück Zeit bei Laune gehalten. Und Europa wird so auch nicht stabiler, im Gegenteil, der Anpassungsdruck auf Spanien und Italien dürfte sinken, was zu bedauern ist, da wir ja an Irland, Portugal, Lettland oder Bulgarien sehen, dass harte Spar- und Reform-Politik eben doch zum Erfolg führt, wenn man den Mumm hat, das wirklich durchzuziehen.

Das Wissen um das dicke Ende danach, nützt uns aber gar nichts, wenn wir im Markt Geld verdienen wollen. Dann zählt nur, dass die Notenbanken ganz klar gemacht haben, dass sie abstürzende Kurse nicht zulassen. Damit ist ein Boden im Markt, den man für aggressive Long-Engagements nutzen könnte. Und die Notenbanken haben die Macht das zu tun. Über die unvermeidbaren Konsequenzen dieser "Fiat-Money" Politik unterhalten wir uns dann in 2013 und folgenden Jahren.

Also werde ich persönlich auf dieser Party - gut nach unten abgesichert - kräftig mittanzen, solange sie dauert. Dont fight the FED ! Unterschätzen Sie das nie !

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 26.07.12 – Vom Bernanke-Draghi Put

16.30 Uhr

Der heutige Tag hat exemplarisch gezeigt, warum der Markt für jedermann derzeit so schwierig ist. Wir haben es eben nicht mehr mit einem "echten Markt" zu tun, der aufgrund wirtschaftlicher Erwartungen in sich schwinkt. Sondern wir sind massiven Manipulationen durch Politik und Notenbanken ausgesetzt. Und wie das halt so ist, wenn sich jemand im stillen Kämmerlei überlegt wann er was sagt, sind diese Interventionen für jedermann völlig unvorhersehbar.

Die heutigen kurzen Worte von EZB Chef sind ein solches Beispiel. Mit wenigen Worten gibt er den Märkten einen Blankoscheck. Lesen Sie mal im Link sein kurzes Statement, da fällt einem die Kinnlade runter wenn man das liest. Denn mit dem an dem Vorbild der Bundesbank ausgerichteten Mandat der EZB hat der Satz "sollten hohe Risikoaufschläge für Staatsanleihen von Krisenländern die Wirkung der Geldpolitik stören, fällt das in unser Mandat" in meinen Augen so viel zu tun wie eine Milchkuh mit der Mondfahrt. Aber Draghi sieht das offensichtlich anders und wer bin ich, mit dem EZB Chef über sein Mandat zu diskutieren !

Die Märkte lieben es und legen aus dem Stand eine gewaltige Rally hin. Schon am Dienstag hatten ja bewusst lancierte Gerüchte um die FED die Märkte nach oben getrieben. Die Notenbanken machen nun also scheinbar ernst, aus dem Bernanke-Put ist nun der Bernanke-Draghi-Put geworden.

Übrigens hat Gold mal wieder diese Entwicklung gerochen und seinem Ruf als Notenbanken-Indikator alle Ehre gemacht. Die plötzliche Bewegung gestern Abend über 1600 USD halte ich nicht für Zufall, hier war "Smart Money" am Werk.

Wie Sie aus meinen Kommentaren wissen, habe ich mit Wahrscheinlichkeit eher damit gerechnet, dass etwas derartiges wie heute passiert und wir im Aufwärtstrend bleiben und wieder nach oben drehen. Ich hatte die Ursache aber eher bei der FED verordnet und die EZB nicht so auf dem Radar gehabt. Insofern kommt diese heutige Entwicklung meiner persönlichen Aufstellung sehr zupass. Ich hatte alle Shorts glattgestellt und bin heute Long im Markt.

Trotzdem habe ich grösstes Verständnis für viele nun frustrierte Marktteilnehmer, denn bei objektiver Betrachtung muss man sich einfach auf den Arm genommen fühlen. Denn diejenigen die auf den Bruch des Trends und eine massive Bärenflagge gesetzt hatten, hatten ja mit ihrer Sicht durchaus einen Punkt. Die Price-Action gestern war mies, es gab kaum überzeugende Leadership und selbst der FED-Bounce von Dienstag wurde schnell wieder abverkauft. Rein von der Technik her, sprach gestern sehr viel dafür, dass wir nach unten absacken.

Wenn man also nur auf die Markttechnik vertraut und nicht wie ich auch immer den Irrsinn der Fiat-Money-Politik der Notenbanken vor Augen hat, kann man schnell auf dem falschen Fuss erwischt werden. Und auch wenn ich nun richtig lag, macht es mich nicht glücklich. Denn dabei ist auch immer ein Stück Zufall und mir wäre es lieber, wenn der Markt mal wieder in sich schwingen würde und Markttechnik damit wieder verlässlicher würde.

Ich möchte deshalb auch noch einmal an das wahre Bild des Marktes erinnern, dass durch die Manipulationen der Notenbanken völlig verzerrt wird:

(1) Wir befinden uns in weiten Teilen in einem für eine Rezession typischen Bärenmarkt, wie eindeutig bei unzähligen Aktien der zweiten oder dritten Reihe zu beobachten, die teilweise auf langjährigen Tiefstständen rumkrebsen.

(2) Nur die gross kapitalisierten, defensiven Bluechips lassen die Indizes vergleichsweise gut dastehen. Die Märkte sehen also durch die Indizes besser aus, als sie unter der Decke sind.

(3) In die gross kapitalisierten, defensiven Bluechips ala Nestle oder Johnson & Johnson fliesst deshalb frisches Geld, weil die institutionellen Anleger dort ihr Kapital noch als "sicherer" betrachten, als in manch anderer Anlageform.

(4) Derartige Notenbank-Manipulationen wie aktuell helfen primär dem Finanzsektor und damit den Indizes, wie auch heute wieder an Banken und Versicherungen zu beobachten. Die Realwirtschaft bekommt davon wenig ab, die Aktien der Realwirtschaft ebensowenig.

(5) Big Money geht über ETFs in den Markt und wieder hinaus und spielt diese Manipulationswellen. Ein Commitment zu einzelnen Titeln im Sinne Stockpicking macht immer weniger Sinn. Als Anleger muss man sich die Frage stellen, in wie weit man dieses Spiel mitspielt.

(6) Echte Trends sind bis auf wenige Segmente nicht mehr zu sehen, nach spätestens 3-4 Tagen in eine Richtung schlägt das Pendel in die Gegenrichtung. Dem Markt fehlt es massiv an Überzeugung, weil er weiss das egal wie die wirtschaftlichen Daten sind, die nächste Intervention gleich wieder um die Ecke kommt.

(7) Der Bernanke-Draghi-Put setzt jede Spekulation auf einen Abwärtstrend unter so hohes Risiko, das sie sinnlos wird. Gleichzeitig ist offensichtlich, wie künstlich aufgepumpt die Indizes sind, was ein Long-Commitment aus Überzeugung ebenso schwierig macht.

Das ist der Markt mit dem wir leben müssen. Wer hier versucht eine mittelfristige Anlagepolitik zu fahren, darf sich nicht wundern, wenn seine Performance gegenüber den Indizes ziemlich dürftig aussieht. Ich weiss, dass das derzeit vielen so geht, auch Hedgefond Superstars wie David Eichhorn von Greenlight Capital sind davon nicht ausgenommen. Und auch wenn ich mich noch relativ positiv halte, habe auch ich schon profitablere Phasen erlebt.

Denn wie ich schon an anderer Stelle schrieb, kann man derzeit entweder als Daytrader die Swings kurzfristig spielen oder sollte langfristig Stockpicking von echtem "Value" betreiben. Eine Anlage mit Zeithorizont Wochen und Monate ist dagegen mangels Trends und permanenter Interventionen zur Zeit extrem schwierig.

Aber ich kann Sie trösten, auch das wird sich wieder ändern und es kommen wieder andere Zeiten. Dafür muss aber die permanente Intervention von Seiten Politik und Notenbanken mal aufhören. Rein von der Geldanlage her würde ich es daher begrüssen, wenn der Markt mal endlich in Frieden gelassen würde und aus sich selbst heraus so richtig absacken könnte. Denn ich bin mir sicher, ohne die Kernwaffen der Notenbanken über den Köpfen der Marktteilnehmer, wäre der DAX heute eher bei 5500 als bei 6500.

Nur wenn der Markt mal wieder in Ruhe gelassen wird und in sich schwingen kann, haben wir auch wieder eine Grundlage, auf der man mittelfristige Strategien aufsetzen kann, die dann auch ein paar Monate halten. Bis wir das aber erleben dürfen, werden wir wohl noch lange mit solchen Sätzen wie von Draghi konfrontiert werden.

Jammern nützt also nichts, entweder wir nehmen den Markt wie er ist oder gehen aus ihm raus. Eine andere Wahl haben wir nicht. Machen wir das Beste daraus !

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gutes Händchen !

Ihr Hari

PS: Noch ein Hinweis in eigener Sache: am morgigen Freitag bin ich auf Reisen. Ein grösserer Artikel wird also wohl nicht erscheinen. Updates in "Tips" sind aber möglich und die Kommentare werden wie gewohnt zeitnah freigeschaltet.

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