Gastkommentar: Summer’s over – DAX 8000 dank Super-Mario ?

Ein Gastartikel von Tokay

Allmählich trudeln die Urlauber aus den Sommerferien ein – einige davon werden sich sicherlich hinter ihren Desktop klemmen, sich ihr Depot anschauen und sich fragen, wie es denn nun an den Märkten weitergehen wird. Davon handelt dieser Beitrag. Ein heißer August wie kürzlich geschrieben war es in der Tat – aber doch nur meteorologisch. An den Aktienmärkten ist im vergangenen Monat nicht sonderlich viel passiert. Es scheint, als wäre dies ein Atemholen vor großen Ereignissen gewesen.

  • Soeben hat Draghi „geliefert“. Er hat auf einer Pressekonferenz die Absicht der EZB erklärt, unbegrenzt Staatsanleihen der südlichen Euroländer kaufen zu wollen und nur noch in gewissem Umfang Zinsspreads zu tolerieren. Es steht allerdings der Troika-Bericht zu Griechenland noch aus und außerdem sind demnächst Neuwahlen in den Niederlanden;
  • Es dümpelt allerdings die US-Ökonomie. Man liest bereits von einer milden Rezession. Was also wird die FED tun? Kommt QE3? Was ist mit dem „Fiscal Cliff“ und mit der gegenseitigen Blockade von Demokraten und Republikanern?
  • Was ist mit China? Was mit dem nahen Osten, Stichwort Israel/Iran?

Man muss allerdings sagen, dass die aktuellen EZB-Beschlüsse ein starkes Signal sind. Gemäß der alten Regel, nicht gegen die Notenbank zu spekulieren, kann man als Anleger nunmehr mit erheblichem Rückenwind operieren. Wenn die Zinsen der Südländer gedeckelt werden und diese Länder an ihrer Reformpolitik festhalten, ist das kurzfristige Aufwärtspotential beträchtlich.

Betrachten wir bei der Gelegenheit die Lage einmal aus einer längerfristigen Perspektive. Welchen Ertrag können uns Aktien prinzipiell bringen? Dies hängt vor allem ab von der absoluten Höhe des Gewinns und davon, wie groß der Anteil des Gewinnes ist, der ausgeschüttet wird. Es hängt außerdem ab vom Wachstum der Gewinne, von der Zinsentwicklung und von der Risikoneigung der Akteure. Hohe Marktzinsen und Risikoprämien mindern den Ertrag, dürften sich aber in sehr langer Sicht neutral, weil eher unsystematisch verhalten, so dass wir diese Komponenten in der nachfolgenden Rechnung vernachlässigen können.

  • Wie wir aus der Vergangenheit wissen, wird ein gewisser Teil der Unternehmensgewinne, sagen wir 30 bis 40 Prozent, ausgeschüttet. Man kann somit von einer Dividendenrendite von zuletzt etwa 2 bis 3 Prozent des eingesetzten Kapitals ausgehen.
  • Die Gewinne dürften langfristig so steigen wie die Volkswirtschaft selbst. Bei einer stark exportorientierten Ökonomie wie der deutschen kann man aber die Wachstumsrate getrost etwas höher ansetzen, denn es wird häufig in wachstumsstarke Regionen geliefert. Auch hier sind 2 bis 3 Prozent an realem Wachstum nicht unvernünftig, ja sogar eher konservativ.
  • Und da wir keine völlige Preisstabilität haben, ist außerdem die Inflationsrate zu berücksichtigen. Eine Spanne von 2 bis 3 Prozent kann man hier ebenfalls als plausibel ansehen.

Damit haben wir die drei Komponenten der langfristigen Aktienerträge. Diese Erträge schwanken je nach Zins- und Risikoerwartungen, und letztere sind also nicht seriös zu prognostizieren. Die drei Basiskomponenten summieren sich nach dieser Rechnung zu einem Ertrag von 6 bis 9 Prozent per annum.

Der DAX stand am 1. Januar 1988 bei 1.000 Punkten. Rechnet man also mit einem durchschnittlichen Wachstum von beispielsweise jährlich 8 Prozent, dann wäre am 31. Dezember 2012 ein DAX-Stand von ca. 6.850 Punkten zu erwarten. Augenblicklich(Donnerstag Abend) stehen wir bei gut 7.150 Punkten.Das Jahr 1988 ist deswegen ein sinnvoller Ausgangspunkt, weil beim vorangegangenen Crash im Oktober 1987 die Märkte zum ersten Mal in großem Umfang mit Geld geflutet wurden(damals vom gerade ins Amt gekommenen Chef der Fed, Alan Greenspan).

Diese Zahlen zeigen uns, dass wir im Augenblick keine Überhitzung vorliegen haben. Eine deutliche Unterbewertung liegt allerdings auch nicht vor. Nun wissen wir aus der Vergangenheit jedoch folgendes: Aktienkurse können längere Zeit vom normalerweise zu erwartenden Entwicklungspfad abweichen. Dies gilt insbesondere beim unerwarteten Eintreten bestimmter Ereignisse, die eine gewisse Aufwärts- oder Abwärtsdynamik in Gang setzen können. Somit können sich auch in naher Zukunft die Kurse ein gutes Stück vom langfristigen Pfad entfernen, ohne dass dies sogleich in einen Einbruch münden muss.

In dem oben vorgestellten Diagramm ist dies gut sichtbar; man vergleiche die Strecke ABC, die die Entwicklung der 90er Jahre kennzeichnet und die viel steiler ist als jener Entwicklungspfad, der unter Zugrundelegung eines gleichbleibenden Anstiegs von 8 Prozent p.a. generiert wird(gleiches gilt für die Strecke DE). Eine scharfe Korrektur ist umso wahrscheinlicher, je länger sich die tatsächliche Entwicklung vom Pfad der „Normalentwicklung“ entfernt. Besonders eindrücklich war das ab dem Jahr 2000 der Fall, als die Anleger für die Exzesse dieser „roaring nineties“ bezahlen mussten(Strecke CD und später EF während der Finanzkrise 2008). Dies ist beispielsweise für diejenigen von Belang, die auf das Eintreten bestimmter Entwicklungen spekuliert haben und daher unter Umständen etwa ihren Urlaub anstatt wie geplant in der Südsee auf Balkonien verbringen müssen. Indes sind die Tiefpunkte solcher Entwicklungen auf lange Sicht sehr profitable Einstiegsgelegenheiten. Gut zu sehen ist auch, dass die Einbrüche heftig sind, aber viel kürzer als die vorangegangenen Hausseentwicklungen.

Eine deutlich expansive Politik wird nun wahrscheinlich als Signal dafür gesehen werden, dass ein Abgleiten in eine starke Rezession von der EZB nicht zugelassen werden und in der Folge die Kurse beflügeln wird. Die EZB wird die Anleihekurse hoch, damit die Anleihezinsen tief halten und die Risikoprämien abbauen helfen.

Die Überlegungen der EZB selbst scheinen allerdings nicht ganz in diese Richtung zu gehen. Die Spreads zwischen den Anleihen der südlichen Euroländer und denen des Nordens werden von der EZB als Signal dafür interpretiert, dass die Märkte ein Auseinanderbrechen des Euro vorwegnehmen und den Transmissionsmechanismus der Geld- und Kreditschöpfung hemmen. Die EZB scheint daher entschlossen, bis an die Grenzen des ihr möglichen zu gehen, um die Märkte zu stabilisieren und durch die resultierende Liquiditätsschwemme diese Hemmungen zu beseitigen. Diese Politik ist riskant und wird insbesondere in Deutschland heftig angegriffen. Doch bergen auch die Alternativen zu dieser Strategie große Risiken. Bis auf eine Stimme – wahrscheinlich die deutsche – hat die EZB indes einvernehmlich entschieden.

Wir werden also mit großer Wahrscheinlichkeit einen Kuchub bekommen, der die kommenden Monate andauern und Richtung 8.000 Punkte zielen wird. Sollte er allerdings nicht eintreten, so würden Erwartungen, die im Vorfeld aufgebaut wurden, korrigiert werden und der Verkaufsdruck wieder zunehmen. Da die Sentimentindikatoren jedoch eher in Moll gestimmt sind, ist zu vermuten, dass sich viele Player an der Seitenlinie befinden und der Verkaufsdruck damit eher begrenzt ist. Eine grundlegende Absicherung ist vorhanden, wenn man die Tiefs der Einbrüche 2003 und 2008 miteinander verbindet(Strecke DF). Diese grüne Linie markiert die untere, parallel zur „Normalentwicklung“ verlaufende Begrenzung. Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, aber bei einem Unterschreiten dieser Linie, wie etwa im Fall einer schweren Rezession, wäre der bislang gültige Pfad der Aufwärtsentwicklung für lange Zeit gebrochen.

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Marktupdate – 07.09.12 – Gewinnmitnahmen zum Wochenende

13:45 Uhr

Da war er gestern, der grosse Trendtag. Und es war eine beeindruckende Rally, die heute bestätigt wurde. Wie von mir erwartet, hat sich die Chartstruktur des S&P500 eher als Bullenflagge herausgestellt und nicht als Doppeltop.

Prinzipiell haben wir damit die Tür für weitere Gewinne aufgestossen und auch absolute Höchststände in beiden Indizes sind nun im Laufe des Herbst im Bereich des Möglichen. Alles Notwendige dazu habe ich den letzten Tagen schon gesagt.

Deshalb nun nur ein sehr kurzfristiger Blick in die Zukunft. Vor dem Wochenende ist es nun sehr wahrscheinlich, dass wir heute noch Gewinnmitnahmen sehen. In der ersten Handelsstunde der Wallstreet ist ein weiterer Schub möglich, der den S&P500 über 1440 schauen lassen könnte. Der DAX könnte noch einmal über 7250 schauen. Dann - irgendwann um 16-17 Uhr - würde ich aber mit den Höchstständen des Tages rechnen und mich auf Gewinnmitnahmen zum Wochenende einstellen. In dem Zusammenhang ist auch bemerkenswert, dass wir heute einen POMO Sell Operation Tag mit 7-8 Milliarden USD haben.

Wenn Sie bisher noch nicht ausreichend an der Rally teil hatten, ist heute Nachmittag also wohl nicht der beste Tag um noch aufzuspringen. Ich rechne nun mit Konsolidierung bis in die nächste Woche und erst nach BVG und FED dürfte der nächste grosse Schub auf der Agenda stehen. Beachten Sie auch, dass am Sonntag jede Menge wichtige Wirtschaftsdaten aus China kommen, die den Markt am Montag beeinflussen dürften.

An meiner grundsätzlich bullischen Lageeinschätzung ändert das nichts. Kurzfristig dürfte nun aber der Kuchen erst einmal verspeist sein und eine Korrektur bzw Konsolidierung keine Überraschung. Sollte diese Konsolidierung ausbleiben und wir weiter hochschieben, wäre das ein so extrem bullisches Signal, das selbst ich Optimist dann überrascht wäre.

Ich wünsche Ihnen eine gutes Händchen,

Ihr Hari

PS: Am Samstag Abend erscheint dann wieder ein Grundsatzartikel von Tokay zur Lage, schauen Sie mal am Wochenende rein.

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Marktupdate – 06.09.12 – Draghi liefert – Der DAX feiert

15:50 Uhr

Draghi hat geliefert, ein "unlimitiertes" Bond-Ankaufprogramm ist auf dem Weg. Es gab eine Gegenstimme, die vermutlich vom Bundesbank-Präsidenten kam.

Lassen wir heute mal beiseite, wie ich inhaltlich darüber denke, der Markt liebt es. Kein Wunder bei der Liquidität und vor allem den Aussichten, dass sich Italien und Spanien so finanzieren können. Wobei finanzieren ? Naja, die EZB, in deren Rat Spanier und Italiener sitzen druckt Geld, mit dem sie spanische und italienische Staatsanleihen kauft. Ergo deren Schulden und Staatsprojekte finanziert.

Genau genommen, finanziert sich die Politik so selbst, ähnlich den Alchemisten des Mittelalters. Kann das dauerhaft funktionieren ? In meinen Augen nur, wenn man die Grundrechenarten abschafft und eine neue Mathematik einführt. Kann das bis Jahresende zu einer erheblichen Entspannung führen ? Definitiv ja ! Und deshalb legt Mr. Market eine Rally hin, was interessiert ihn schon was in 2013 und 2014 passiert ?

Aber halt, was rede ich, ich wollte ja meine inhaltliche Meinung beiseite lassen. Schauen wir mal lieber auf den Markt. Über die Alchemisten des 21. Jahrhunderts wird dann die Geschichte urteilen.

Faszinierend ist zu sehen, wie Mr. Market schon vor Draghis Rede die Neuigkeiten eingepreist hatte. Seit gestern waren ja die Details des Programms auch schon an der Wallstreet bekannt. Insofern gibt es für heute Intraday zwei mögliche Szenarien:

Einerseits könnte das ein Trendtag werden, an dem wir immer weiter hochschieben und möglicherweise heute schon Jahres-Höchststände im S&P500 erreichen. Gut möglich ist aber auch, dass nach der initialen Begeisterung die Käufe auslaufen, denn nun liegt erst einmal alles auf den Tisch. Und sich die Gedanken ab 16.30 - 17 Uhr auf nächste Woche richten, in der das BVG ebenso ansteht, wie erneut die FED. In letzterem Szenario würden wir gerade - so gegen 16-16.30 Uhr - die Höchststände des Tages erleben. Ein Szenario, dem ich durchaus relevante Wahrscheinlichkeit beimesse.

Schauen wir weiter in die Zukunft, glaube ich nicht, dass das BVG eine echte Hürde darstellen wird. Wie schon mehrfach geschrieben, wäre ich verwundert, wenn das Bundesfinanzministerium und das Kanzleramt keinen Zwischenstand der Diskussionen im BVG erhalten. Und Schäuble zuversichtliche Äusserungen der letzten Tage sind für mich daher richtungsweisend.

Und was die FED angeht, bin ich auch überzeugt, dass sie entweder liefert oder schon längst im "Stealth-Modus" druckt. Die Notenbanken machen Ernst, ich habe diesen Eindruck schon im Juli geschrieben und damit begründet, warum ich der Sommer-Rally Bedeutung beigemessen habe, als fast alle anderen noch in der Schleife der Euro-Krisen-Ängste gefangen waren.

Und es zeigt erneut, warum es besser ist dem Markt zu folgen, als sich einzubilden, eine höhere Weisheit zu besitzen. Denn jetzt können wir nachlesen, warum Mr. Market seit Mitte Juli nach oben zu laufen begonnen hat. Die Schwarmintelligenz Markt hatte schon längst gerochen, dass die Notenbanken einen Game-Changer im Köcher haben.

Und auch heute halte ich mein gestern skizziertes Szenario der grossen Herbst-Rally, bis zu Allzeithöchstständen, nach wie vor für gut möglich. Nicht sicher, aber gut möglich - im Gegensatz zu den Gedankenstrukturen, die nach wie vor in den Köpfen der meisten privaten Anleger vorherrschen. Schauen Sie doch noch mal nach, was Mitte Juli an anderer Stelle zu dieser Rally alles so geschrieben wurde. Viele versuchen ja ihr Geld damit zu verdienen, dass sie hinterher immer so tun, als ob sie vorher alles schon gewusst hätten. Nachlesen öffnet da manchmal die Augen und lässt die Fassade einstürzen. Das Schöne am Internet ist ja, man kann nachlesen. Und Sie kennen als regelmässige Leser ja schon einige der "Pappenheimer", die ich da auf dem "Kieker" habe.

Und noch etwas, niemand sollte denken, dass man sich gegen Notenbanken stellen sollte, die weltweit aufs Gaspedal treten. Auch China dürfte bald vor einer neuen Runde des Stimulus stehen. Was das bedeutet ? Nachbrenner für die Liquiditätsrally.

Und Griechenland ? Griechenland who ? Who cares, wenn die EZB unlimitiert Staatsanleihen aufkauft. Griechenland ist megaout für Mr. Market, wurde ja auch mal Zeit. Die Zeit in der wir uns die Fensterreden griechischer Paralamentssitzungen angetan haben, ist wohl vorbei. Ich bin der Letzte, der darüber unglücklich ist.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen.

Ihr Hari

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Marktupdate – 05.09.12 – Doppeltop oder Bullenflagge – S&P500 am Scheideweg

09:00 Uhr

Wir nähern uns mit Macht einer entscheidenden Phase in den Märkten, die den Ton für den Rest des Jahres 2012 bestimmen könnte. Ich möchte mit Ihnen daher heute mal einen Blick auf das grössere Bild werfen, perfekt sichtbar am Leitindex S&P500.

Schauen wir mal auf den Tageschart des S&P 500:

Man sieht sofort die entscheidende Weichenstellung die nun ansteht. Entweder haben wir ein Doppeltop im Bereich um 1420 ausgebildet, dann dürfte die Reise zum Jahresende massiv nach unten gehen und wir haben erhebliche Fallhöhe. Oder wie bilden gerade eine Bullenflagge aus, die das Sprungbrett für weit höhere Kurse und eine massive Herbstrally darstellt. Unmittelbares Kursziel wäre dann 1546 im S&P500, ein Wert der sich rechnerisch aus dem Ausbruch aus dem massiven Dreieck ergibt, das wir vor Tagen besprochen haben.

Zwei Monate lang konnten wir nun einen ruhigen, latent positiven Sommer geniessen. Mit diesem Artikel will ich Ihnen zurufen:
Aufwachen aus der Lethargie und höchste Aufmerksamkeit ! Es wird ernst !

Die entscheidenden Stellschrauben dürften dabei die Notenbanken in der Hand halten. Primär die EZB am Donnerstag, die den Markt auf keinen Fall enttäuschen sollte. Aber auch die FED sollte man nicht vergessen. Denn es mehren sich die Stimmen, die der Ansicht sind, dass QE3 schon längst (seit Juli) im "Stealth-Modus" läuft. Jim Rogers ist einer der Prominentesten mit dieser Meinung, lesen Sie .

So irreal sich dieser Gedanke auf den ersten Blick anhört, so wird er bei genauerer Überlegung doch bedenkenswert. Denn Bernanke will stimulieren, daran hat er nie einen Zweifel gelassen. Sein ganzes akademisches Leben beruht auf dem Gedanken der Stimulierung, um eine erneute Weltwirtschaftskrise wie in den 30er Jahren zu vermeiden. Kurz vor der Präsidenten-Wahl, bewegt er sich aber auch in einem politischen Minenfeld, das ihm nicht erlaubt zu aggressiv vorzugehen.

So könnte es jede Menge Sinn machen, die FED Bilanz ohne grosse Ankündigung zu dehnen und massiv Anleihen zu kaufen. Zumindest das Verhalten einer Reihe von notenbank-sensiblen Assets wie Gold seit Juli stützt diese These. Und schaut man auf die US Bonds - zb in Form des ETFs "TLT" - dann zeigen die US Bonds eine erstaunliche Stabilität im Licht der Rally am Aktienmarkt. Irgendwer muss da massiv kaufen. Glaubt man den grossen Investoren von Soros über Eichhorn bis Paulson, sind die es nicht. Wer dann ?

Aber wie auch immer, egal ob QE3 schon läuft oder noch nicht. Die Notenbanken halten den Schlüssel in der Hand. Und wenn die Notenbanken in einer konzertierten Aktion aufs monetäre Gaspedal treten, dann werden die Märkte zum Jahresende steigen, ganz egal was sonst passiert. Don´t fight the FED - vergessen Sie nie diese immer wieder bewiesene Tatsache !

Aus diesem Grund - denn in meinen Augen machen die Notenbanken gerade ernst - ebenso wie aus Sicht des nach wie vor mittelfristig skeptischen Sentiments, gebe ich der Bullenflagge eine etwas höhere Wahrscheinlichkeit als der Variante des Doppeltops. Mir ist bewusst, dass beides möglich ist und ich bin bereit, sofort in "Bärenmarkt-Modus" zu wechseln, wenn mir der Markt das signalisiert. Die Chance der Herbst-Rally verliere ich aber nicht aus dem Auge.

Denn wenn man sich vor Augen führt, welches Szenario sich aktuell niemand vorstellen kann, dann ist es meinen Augen ein Szenario, in dem wir nun zu einer brutalen, mehrmonatigen Rally ansetzen, die ohne Pause läuft und uns im DAX über 8000 und im S&P500 Richtung 1600 schiebt. Das kann sich kaum jemand vorstellen, während alle möglichen Katastrophenszenarien x-fach durchdacht sind. Eine solche Rally dürfte immensen Schmerz verursachen, denn sehr viele Institutionelle hängen in der individuellen Performance des Jahres 2012 massiv den Indizes hinterher und sind aktuell erneut nur mässig investiert. Die müssten dann irgendwann verzweifelt kaufen, was die Rally weiter befeuert. Denken Sie in diesem Zusammenhang auch an die Cognitrend Analyse von letztem Mittwoch.

Ob es so kommt, wir werden sehen. Warten wir demutsvoll auf Draghis Weissagungen am Donnerstag. Aber übersehen sollte man diese Möglichkeit der massiven Rally nicht, sie ist realer als man meint.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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Marktupdate – 04.09.12 – Wir warten auf Draghi

17:20 Uhr

Ganz kurzes Update.

Eine Reihe von Gewinnmitnahmen ist zur Handelseröffnung der Wallstreet durch den Markt gelaufen, es scheint aber, als ob sich der DAX oberhalb 6900 und der S&P500 knapp unter 1400 stabilisieren. Bleibt es dabei, ist schlicht nichts passiert, was erwähnenswert wäre.

Das der Markt vor der EZB Sitzung am Donnerstag vorsichtig bleibt ist nicht verwunderlich. Apple ist weiter stark, auch das spricht dagegen, die Schwäche zum Handelsstart zu Ernst zu nehmen. Und POMO sollte den Markt heute weiter stützen.

Alles in allem sieht das für mich bisher nach einer normalen Konsolidierung aus. Und ich rechne damit, dass es auch Morgen so weitergeht. Erst am Donnerstag sollte dann richtig "Leben in die Bude" kommen.

Ich möchte in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass die EZB Sitzung durchaus Enttäuschungspotential hat, wir haben es hier noch mit massiven Erwartungen des Marktes zu tun. Und das schafft Raum für negative Überraschungen.

Gold und Silber sind nach wie vor sehr stark, eine Enttäuschung durch die EZB könnte aber auch die Edelmetalle wieder unter Druck bringen. Hier sollte man die aufgelaufenene Gewinne nun nach unten absichern.

So weit, so kurz. Auch Abwarten muss man können. Und das ist eine Disziplin, die bis zum Donnerstag wohl von uns gefordert wird.

Ihr Hari

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Kurzupdate – 31.08.12 – Bernankes Rede in Jackson Hole

16:10 Uhr

Ganz frisch für die Leser von surveybuilder.info.de auf den Tisch, ist die volle Rede von FED Chairman Ben Bernanke.

Der Inhalt enthält für mich nichts weltbewegend Neues, die Möglichkeit neuer Massnahmen bleibt auf dem Tisch. Nicht mehr.

Der Markt reagiert initial mit leichter Enttäuschung. Da wir diese potentielle Enttäuschung aber schon in den vergangenen Tagen verarbeitet hatten, rechne ich nicht mit einem grossen Absturz. Wahrscheinlicher ist für mich, das der Markt dann doch leicht ins Plus dreht.

Vor dem langen Wochenende dürfte im späten Handel an der Wallstreet dann auch nicht mehr viel passieren. Wichtiger für den Markt dürfte sein, ob die EZB nächste Woche liefert, denn das dort konkrete Massnahmen verhandelt werden ist ja offensichtlich. Und zum Thema EZB gibt es von Seiten des Marktes auch deutliches Enttäuschungspotential.

So weit so kurz zu Jackson Hole. Ich wünsche viel Erfolg !

Ihr Hari

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Kurzkommentar – 30.08.12 – Korrektur vor FED

16:30 Uhr

Ein extrem kurzes Statement zur Lage.

Wie erleben soeben die erste ernstzunehmende Korrektur seit Wochen. Harte, zwingende Auslöser für diese Korrektur kann ich nicht erkennen.

Es handelt sich also mit grosser Wahrscheinlichkeit um die Fortsetzung der Konsolidierung des Marktes vor der FED-Sitzung in Jackson Hole. Mittlerweile verliert der Markt die Gewissheit, dass in Kürze wirklich eine neue FED Massnahme konkret angekündigt wird.

Vergessen darf man auch nicht das lange Wochenende in den US wg Labourday. In dieser Gemengelage und in Anbetracht der aufgelaufenen Gewinne, ist es daher nur logisch, dass nun vor dem Wochenende Gewinnmitnahmen einsetzen.

Solange ich keine substantielle Änderung des Marktes erkennen kann - und das ist bisher nicht der Fall - halte ich solche Korrekturen daher für mich eher für Kaufgelegenheiten. Nervös werden und die Situation fundamental neubewerten, würde ich erst, wenn wir im DAX die 6700 nachhaltig nach unten verlassen.

Ansonsten verringert jede Schwäche vor der FED das Enttäuschungsrisiko. Und wenn alle Marktteilnehmer der Wallstreet die heute aussteigen, dann am Dienstag den Kursen wieder hinterher laufen müssen, würde das das Momentum unterstützen.

Erneut wird das durch die aktuelle Sentiment-Analyse von unterstützt, die ich wie jede Woche zur Lektüre empfehle.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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Marktupdate – 29.08.12 – Abwarten und Tee trinken …

14.30 Uhr

Es tut sich nicht viel an den Märkten und deshalb gibt es wirklich nicht viel zu schreiben.

Bemerkenswert ist, dass die "buy the rumor" Rally in Antizipation von Jackson Hole scheinbar zum Erliegen gekommen ist. Es scheint so etwas wie Realismus einzuziehen, dass Bernanke vielleicht doch nicht die grosse Bazooka zündet.

Ich betrachte diese zunehmende Skepsis im Markt als sehr positiv. Sie bereitet den Boden für eine positive Überraschung. Denn der Markt sieht nach wie vor sehr bullisch aus und die Bären haben kaum Kraft, wie auch heute wieder zu beobachten war. Mehr als ein Bröseln bis in den unteren 6900er Bereich im DAX war nicht drin. Gute GDP Daten in den US schieben den DAX seit 14.30 Uhr aber schon wieder über 7000. Überzeugte Bären und ein angeschlagener Markt kurz vor dem Kippen sehen definitiv anders aus.

Stellt sich noch die Frage, wie die überraschende Absage der Teilnahme am Notenbanktreffen in Jackson Hole durch EZB Präsident Draghi zu werten ist. In meinen Augen für die Märkte nicht negativ, denn es unterstreicht, dass die EZB nun wohl ernst macht und eine massive neue Intervention bevorsteht, die in der Mache ist. Eine Intervention, die über das bisher dagewesene hinausgeht und deshalb so intensiv vorbereitet werden muss. Teuer für uns Deutsche wird es allemal.

Die blauäugigen Politiker rund um Kohl, Eichel und Waigel, die dafür die Verantwortung tragen, dass wir als Deutsche in der EZB 27% der Kosten und Haftung tragen, aber nur das gleiche Stimmrecht wie Malta besitzen, sollten dafür nach meiner Meinung in Schimpf und Schande durch die Medien getrieben werden. Solchen Konstrukten zuzustimmen, fällt in meinen Augen unter grobe Naivität und kostet uns, den deutschen Steuerzahler, Multimillarden. Und es kann mir keiner erzählen, dass die Zustimmung zu so krass undemokratischen Stimmrechten zwingend notwendig gewesen wäre um Einigkeit zu erzielen. Der Wert von Ihnen und mir, das Stimmgewicht eines deutschen Bürgers, ist in der EZB um den Faktor 100 oder mehr geringer als der eines Malteser oder Luxemburgers. Zahlen dürfen Sie und ich aber in voller Höhe. Mit demokratischer Legitimierung hat das für mich nichts zu tun. Eigentlich ist seit der franzöischen Revolution vor über 200 Jahren klar, dass Demokratie dem Prinzip "Ein Mensch, eine Stimme" folgt. Ich nenne das deutsche Stimmgewicht in der EZB daher grobe Dummheit der dafür Verantwortlichen.

Das Treffen im Handelsblatt hat übrigens letzten Freitag aufgrund Krankheit der Organisatorin nicht stattgefunden und wird später nachgeholt.

In Anbetracht der Ruhe gehe ich jetzt raus zum Pool und geniesse den vielleicht letzten richtig schönen und heissen Sommertag hier im Fünf-Seen-Land. Die Börse hat mich erst heute Abend wieder.

Ich wünsche Ihnen einen ebenso schönen Tag !

Ihr Hari

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