Marktanalyse – 21.09.12 – Wie wird das vierte Quartal für DAX, S&P500 und Co. ?

09:30 Uhr

Heute - am "Hexensabbat" in Deutschland und nahe am Quartalsende - möchte ich mit Ihnen einen ausführlicheren Blick auf das 4. Quartal richten.

Schauen wir als erstes Mal auf das langfristige Wochenchart des Leitindex S&P500:

Wir sehen, wie der Index seit dem Tief Anfang 2009 einen klassischen Aufwärtstrend hingelegt hat, der sich durch immer höhere Tiefs und immer höhere Hochs auszeichnete. Im Nachhinein dürfte sich da mancher fragen, warum er nicht Anfang 2009 "All In" eingestiegen ist und danach all das Durcheinander rund um Fukujima, Flash Crash und Eurokrise verschlafen hat. Eine Verdoppelung des Einsatzes wäre so ohne Mühen möglich gewesen. Aber hinterher ist man halt immer klüger. 😉

Sie sehen aber auch die roten Pfeile, die eine besondere Bedeutung haben. Der von mir sehr geschätzte Service misst regelmässig den "Smart Money / Dumb Money Confidence Spread". Dieser misst in Kurzform die Marktsicht der Marktprofis (Smart Money) im Verhältnis zu den privaten Anlegern (Dumb Money). Wenn dieser zu Gunsten des "Dumb Money" sehr hoch ist, bedeutet das, dass "Dumb Money" euphorisch und positiv gestimmt ist, während bei "Smart Money" schon (wieder) die Skepsis überwiegt.

Genau das ist der aktuelle Zustand des US Marktes und dieser Indikator hat nun den höchsten Wert seit März diesen Jahres erreicht. Die roten Pfeile auf dem Chart zeigen Ihnen nun die Zeitpunkte seit 2010, an denen dieser Indikator einen ebenso hohen - oder noch höheren - Wert hatte. In allen Fällen war nach oben nicht mehr viel zu holen.

Die Werte zum Sentiment bestätigen die Entwicklung, liefern aber ein differenzierteres Bild. Wir haben nicht mehr die "einfache" Situation von Mitte Juli, wo der Markt fast nur noch steigen konnte, weil niemand da war, der daran glaubte. Aber wie haben auch noch keine überzogene Euphorie.

Auch wenn man auf das Chart oben schaut, sieht man auch, dass ein derartiger Wert nicht zwingend ein sofortiges Top bedeutet. Im Gegenteil, eine Topbildung die 6 Monate dauert wie in der ersten Jahreshälfte 2011, ist durchaus typisch. Insofern ist es eher unwahrscheinlich, dass der Markt heute auf dem Fuss wendet und sofort nach unten läuft.

Noch besser, es gibt eine Ausnahme in dem Bild, den grünen Pfeil. Und genau diese Ausnahme entspricht am Besten der aktuellen Situation. Denn im September 2010 - vor genau 2 Jahren - wurde das erste QE angekündigt. Auch dort erreichte der Smart Money/Dumb Money Spread einen hohen Wert, bevor eine kleine Korrektur einsetzte. Dann aber begann die Geldflut zu wirken und wir bekamen ein hervorragendes 4. Quartal.

Von allen Möglichkeiten erscheint mir daher die Wiederholung des 4. Quartals 2010 immer noch als die, mit der grössten Wahrscheinlichkeit. Insofern signalisiert das Chart oben, dass man nun mit mehr Vorsicht zu Werk gehen muss. Die Zeit des bullischen "All In" von Juli ist vorbei. Zuviel Pessimismus könnte aber auch verfrüht sein und einem schöne Gewinne im 4. Quartal verbauen. Es bricht also wieder die Zeit der Stops und des taktischen Tradens an.

Und sollten wir nun doch vor einem bedeutenden Top stehen, dürfte das von nun an ein Prozess sein, den man in Ruhe beobachten kann. Im Moment wird jeder "Dip" im Markt sofort gekauft. Typisch für langfristige Tops ist, dass sich dieses Verhalten langsam ändert, die Käufer "trocknen" sozusagen aus. Sollten wir dergleichen beobachten, sollten Dips nicht mehr sofort gekauft werden, dann und nur dann sollten wir wesentlich vorsichtiger und skeptischer werden und ein bedeutendes Top ernsthaft in Erwägung ziehen. Da sind wir im Moment aber noch nicht. Und wenn die Kurse demnächst nach oben ausbrechen, würde das Gegenteil und eher das Analog zum Herbst 2010 damit indiziert.

Schauen wir im gleichen Massstab, als Wochenchart, auf den DAX seit 2008, sehen wir ein anderes Bild:

Es ist eindeutig zu erkennen, dass der Aufwärtstrend seit 2008 durch die Eurokrise gebrochen wurde. Und der DAX hat das noch nicht vollständig aufholen können und hat im Vergleich zum S&P500 nach wie vor erhebliches Nachholpotential.

Deutlich unterstrichen wird das erneut durch die Sentimentdaten von , die ich erneut zum Studium empfehle. Die Skepsis sitzt in Deutschland und auch in Europa nach wie vor tief. Vor diesem Hintergrund und während gleichzeitig alle Notenbanken "All In" gehen, besteht im DAX nach wie vor erhebliches Aufwärtspotential und auch ein Short-Squeeze zum Quartalsende ist im Rahmen des Möglichen.

Diese Analyse dürfte nicht nur für den DAX, sondern für die europäischen Aktienmärkte generell gelten. Gerade in Spanien und Italien findet man schwer verprügelte Indizes vor, die nun aber durch Mario Draghi Unterstützung bekommen. Sollte es der EZB gelingen die Probleme der Eurozone temporär mit frischem Geld zuzudecken, könnten diese Aktienmärkte vor einer bedeutenden Erholung stehen.

Fazit: Die Lage ist nicht mehr so eindeutig bullisch wie Mitte Juli, zu weit sind wir - insbesondere im S&P500 - gelaufen. Trotz aller Sentimentdaten ist aber die reale "Price-Action" der bedeutendste Faktor für Entscheidungen. Und die ist nach wie vor eindeutig bullisch. Auch die Seitwärtskonsolidierung seit Anfang dieser Woche ist bullisch zu werten, insbesondere da nun das Quartalsende bevor steht. Insofern bestehen nach wie vor gute Chancen auf ein starkes 4. Quartal. Wenn es den Notenbanken gelingt, die Eurokrise nachhaltig in den Hintergrund zu drücken, dürften die höchsten Gewinne dann in den europäischen Aktienmärkten zu finden sein.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen und viel Erfolg,

Ihr Hari

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Marktupdate – 17.09.12 – Konsolidierung oder Korrektur ?

11:00 Uhr

Nach den massiven Anstiegen rund um EZB, BVG und FED der letzten Wochen, ist der Markt in dieser Woche in jeder Hinsicht reif für eine technische Korrektur. Das zu erkennen, ist nun wirklich keine besondere Leistung, sondern offensichtlich.

Genau darin liegt aber auch das Problem. Es gibt so viele - gerade auch institutionelle - Marktteilnehmer, die in diesem Jahr die Indizes unterperformen und nicht ausreichend im Markt sind. Und die daher massiven Performancedruck haben und nach jeder Korrektur geradezu lechzen, um endlich einsteigen zu können. Und zu allem Überfluss nähert sich das Quartalsende mit Macht, das die "Performance-Anxiety" noch erhöhen dürfte.

Und deshalb kann es uns passieren, dass dieser Performance-Druck dazu führt, dass es zu keiner gesunden Korrektur kommt, sondern es bei einer mehr oder weniger volatilen Seitwärtsbewegung bleibt. Das ist auch das Modell, das ich persönlich mit Wahrscheinlichkeit präferiere, ein paar Tage der Seitwärts-Konsolidierung diese Woche, bevor der Markt zum Quartalsende noch einmal Fahrt nach oben aufnimmt und der DAX die 7500 knacken könnte.

Aber selbst wenn es zu einer Korrektur kommt, wäre ein Rückgang auf 7200 im DAX mehr als gesund und mittelfristig nur zu begrüssen. Ein derartiger Rückgang wäre eher als Geschenk zu werten, denn denken Sie daran, dass echte Bullenmärkte einen typischerweise nicht mehr aufsatteln lassen, wenn man einmal abgeworfen wurde. Die Kurse tendieren dazu einfach wegzulaufen. Und im Moment sieht für mich alles nach einem echten Bullenmarkt aus.

Für meine Aufstellung bedeutet das, dass ich meinen Long-Positionen weitgehend treu bleibe, diese Rally hat noch viel Luft und gerade im von mir mehrfach thematisierten Bereich Edelmetalle/Rohstoffe - also den Assets die Geldersatz darstellen - stehen wir bei vielen Aktien wohl erst am Anfang einer massiven Bewegung und nicht am Ende. Gleichzeitig erhöhe ich temporär für ein paar Tage nun mein "Hedging" durch entsprechend gegenläufige, selektive Short-Positionen.

In Summe wird damit meine Aufstellung etwas defensiver als die letzten Wochen und so beabsichtige ich die erwartete Konsolidierung dieser Woche gelassen auszusitzen.

Meine Grundeinstellung mit Blick zum Jahresende bleibt aber weiter klar bullisch, der Markt hat mir bisher keinerlei Signal gegeben, das eine Abkehr von dieser Haltung rechtfertigen würde.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, Ihr Hari !

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Die Notenbanken machen Ernst – 14.09.12 – DAX & Co. mit historischen Höchstständen ?

09:00

Wir erleben an den Finanzmärkten gerade Historisches. Denn wir betreten geldpolitisches Gebiet, dass noch nie zuvor betreten wurde. Nachdem die EZB den unbegrenzten Ankauf von Staatsanleihen in die Wege geleitet hat und auch Chinas Notenbank wohl kurz vor neuem Stimulus steht, legt nun die FED nach.

Und was die FED macht, hat den Charakter eines "Game Changers".

Denn die FED erklärt unmissverständlich, dass Sie in Zeit und Höhe unbegrenzt und solange im Markt interveniert, bis sich der Arbeitsmarkt in den US gebessert hat.

Alle bisherigen Programme hatten zeitliche und volumenmässige Begrenzungen. Nun also ist die FED "all in". Damit macht die FED defacto Arbeitsmarktpolitik und übernimmt Aufgaben, die eigentlich der Regierung zufallen.

Die Reaktion der Finanzmärkte ist eindeutig. Und ich warne davor, das jetzt nicht ernst zu nehmen und sich bei der Geldanlage von berechtigten Sorgen um die langfristigen Folgen dieser Politik leiten zu lassen. Natürlich kennt niemand die Nebenwirkungen der Medikamente die nun verabreicht werden. Und ich bin sicher, dass uns in den nächsten Jahren massive Währungskrisen und schlimme Verwerfungen bevor stehen. Ebenso wie ich sicher bin, dass das Gerede um "Sterilisierung" letztlich Unfug ist und wir früher oder später vor einer massiven Assetprice-Inflation stehen. In den Ballungszentren Deutschlands ist diese auf dem Immobilienmarkt ja schon zu beobachten. Der Aktienmarkt dürfte der nächste Ort werden, an dem die Liquidität zu massiven Anstiegen führt.

Um an der Börse zu gewinnen muss man aber nicht nur richtig liegen, sondern das auch genau zum richtigen Zeitpunkt. Es nützt also nichts, sich über die absehbaren Folgen dieser gigantischen weltweiten Gelddruckmaschine im Klaren zu sein. Im Gegenteil, wenn man zu früh diesen Sorgen folgt, wird man überrollt. Man muss vielmehr geduldig warten und erst dann - wenn auch die anderen Marktteilnehmer skeptisch werden - dann ist die Zeit die eigenen Überzeugungen zu Gewinn zu machen.

Wichtig wird in dieser Phase der monetären Expansion sein, in den richtigen Segmenten des Marktes investiert zu sein. Denn ich erwarte nicht, dass alle Boote des Marktes gleichermassen gehoben werden. Im Lichte der Politik der FED bieten sich zwei Bereiche an:

1. Die Assets die direkter Geldersatz sind - die also letztlich Währung sind. Darunter fallen primär Gold, Silber und Öl sowie alle Aktien die direkt davon profitieren. Sekundär dann auch Platin, Palladium und alle sonstigen begrenzten Rohstoffe. Das frische Geld dürfte seinen Weg in diese Assets finden, da sich jeder darüber im Klaren ist, dass die Papierwährungen durch diese Politik weiter entwertet werden. Es geht also primär um Geldersatz und dabei hat Gold ganz klar die Führungsrolle. Um den Goldpreis ist mir nicht bange, solange die monetäre Expansion der Notenbanken anhält. Und laut Bernanke wird das über den Zeitraum hinaus andauern, an dem die US Wirtschaft wieder Fahrt aufgenommen hat. Also voraussichtlich bis 2014 oder länger.

2. Die gross kapitalisierten Aktien mit hohem Cashflow. Also die Aktien die man gemeinhin als "Bluechips" charakterisiert. Das ist nicht mit "defensiv" zu verwechseln, auch Apple fällt darunter und ist sicher keine defensive Aktie. Denn diese werden für die multimilliarden an institutionellem Geld, dass nun aus Bonds heraus fliesst, als Bond-Ersatz dienen. Die Tendenz, dass die grossen Indizes besser laufen als die breite Menge der Nebentitel, dürfte also anhalten. Wer sich zu stark auf Nebentitel konzentriert, dürfte also erneut eine Unterperformance erleben und mitansehen müssen, wie sich seine Aktie dürftig entwickelt, während die Indizes zu neuen Höchstständen steigen.

Ab heute befinden wir uns also in "Uncharted Waters". Denn eine zeitlich und mengenmässig unbegrenzte Intervention der Notenbank hatten wir noch nie. Und wie sich das mittelfristig auf die Psychologie der Märkte auswirkt ist unvorhersehbar. Bisher war es zum Beispiel immer so, dass in einer Korrektur die Spekulation auf ein Eingreifen der Notenbanken psychologisch stabilisierend wirkte. Was wird nun aber passieren, wenn es trotz dieser Notenbank-Interventionen zu einer starken Abwärtsbewegung kommt ? Wie wird sich das auf die Psychologie der Märkte auswirken ? Keiner weiss es, weil wir dieses Szenario historisch noch nie erlebt haben.

Um einzuschätzen, was das für die Geldanlage bedeuten könnte, muss man die unterschiedlichen Zeithorizonte betrachten:

Kurzfristig

Kurzfristig im Sinne der nächsten Tage, haben wir das Potential, dass sich die Rally nach einer Phase der Begeisterung erst einmal erschöpft. Jeder Markt muss mal Luft holen. Ganz typisch für Mr. Market wäre auch, dass er genau dann wenn alle aufatmen weil nun FED, EZB, BVG etc. hinter uns liegen, zur Korrektur ansetzt. Genau dann, wenn niemand mit einer Korrektur rechnet. Dieser Zeitpunkt könnte vielleicht Anfang kommender Woche sein.

Ich rechne aber damit, dass in diesem Umfeld jede Korrektur nur flach sein wird und eine Kaufgelegenheit ist.

Mittelfristig

Mittelfristig zum Jahresende und darüber hinaus, stehen alle Ampeln nun auf Grün. Nur überraschende, exogene Ereignisse wie Krieg oder Katastrophen, dürften dieses Bild verändern können.

Wie ich hier schon mehrfach schrieb, rechne ich mit Wahrscheinlichkeit mit historischen Höchstständen in DAX, S&P500 und Co. zum Jahresende. DAX 8500 und S&P500 1600 sind durchaus denkbar und für mich persönlich wahrscheinlicher als entsprechende Abstürze.

Die Assets die man dafür spielen muss, habe ich oben genannt. Wir haben nun die Chance, ein paar Monate des ruhigen, wenig volatilen Hochschiebens vor uns zu haben. Denn die Notenbanken haben dem Markt nun einen Boden eingezogen und wie wir alles wissen, tendieren Märkte dazu zu übertreiben - auch nach oben.

Ich persönlich bin ja, wie Sie als Leser wissen, schon seit Juli Long&Strong im Markt, werde aber Korrekturen nutzen um nachzulegen. Ich versuche so viel wie möglich von diesem einmaligen Marktumfeld mitzunehmen. Wer weiss, wann wir wieder mit so einem Sicherungsnetz der Notenbanken wie aktuell operieren dürfen.

Langfristig

Langfristig, mit Blick auf Jahre, tauchen in meiner Erwartung nun bittere Worte wie "Währungskrise" oder "Währungsreform" auf. Ich bin sicher, diese Medizin der Notenbanken wird massive, ungewollte und bittere Nebenwirkungen haben. Aber diese Brücke überqueren wir erst, wenn wir vor ihr stehen. Ich kann daher nur dazu raten, solche Gedanken oder Artikel im Moment zu verdrängen und sich ganz darauf zu konzentrieren, aus dem mittelfristigen Horizont das Maximum an Ertrag zu holen. Langfristig werden wir es brauchen und davon zehren müssen.

Und noch eine Lehre sollten wir alle mitnehmen. Erinnern Sie sich an Mitte Juli, als der Markt zum Sprung ansetzte und ich hier mehrfach schrieb, dass ich dieser Rally Bedeutung zumesse und sich hier Grosses zusammen braut ? Nun wissen wir warum der Markt zum Sprung ansetzte und wieder hat uns Mr. Market bewiesen, dass er mehr weiss als wir und niemand einen besseren Riecher für die Zukunft hat. Deshalb sollte es uns eine Lehre sein dem Markt zu folgen, statt zu glauben wir könnten zukünftige Entwicklungen besser einschätzen. Mr. Market hat lange vor den meisten hier im Blog das "All In" der Notenbanken gerochen. Und wer ihm einfach gefolgt ist, sitzt nun schon auf dickem Plus. Machen Sie den selben Fehler jetzt also nicht noch einmal. Folgen Sie dem Markt und seiner Price-Action. Nur so wird Erfolg an den Börsen gemacht. Die Wallstreet ist übersät mit den Leichen derjenigen, die klüger als Mr. Market sein wollten.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg und ein gutes Händchen. Und vergessen Sie bei aller positiven Sicht die Absicherung nicht ! Denn egal wie klar etwas aussieht, die Zukunft ist unbestimmt und es kann immer anders kommen. Und auch Mr. Market hat eine Historie darin, auf dem Absatz umzudrehen und in die Gegenrichtung zu marschieren. Mr. Market zu folgen, erfordert gedankliche Flexibilität und Wachsamkeit !

Ihr Hari

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Gastkommentar: Summer’s over – DAX 8000 dank Super-Mario ?

Ein Gastartikel von Tokay

Allmählich trudeln die Urlauber aus den Sommerferien ein – einige davon werden sich sicherlich hinter ihren Desktop klemmen, sich ihr Depot anschauen und sich fragen, wie es denn nun an den Märkten weitergehen wird. Davon handelt dieser Beitrag. Ein heißer August wie kürzlich geschrieben war es in der Tat – aber doch nur meteorologisch. An den Aktienmärkten ist im vergangenen Monat nicht sonderlich viel passiert. Es scheint, als wäre dies ein Atemholen vor großen Ereignissen gewesen.

  • Soeben hat Draghi „geliefert“. Er hat auf einer Pressekonferenz die Absicht der EZB erklärt, unbegrenzt Staatsanleihen der südlichen Euroländer kaufen zu wollen und nur noch in gewissem Umfang Zinsspreads zu tolerieren. Es steht allerdings der Troika-Bericht zu Griechenland noch aus und außerdem sind demnächst Neuwahlen in den Niederlanden;
  • Es dümpelt allerdings die US-Ökonomie. Man liest bereits von einer milden Rezession. Was also wird die FED tun? Kommt QE3? Was ist mit dem „Fiscal Cliff“ und mit der gegenseitigen Blockade von Demokraten und Republikanern?
  • Was ist mit China? Was mit dem nahen Osten, Stichwort Israel/Iran?

Man muss allerdings sagen, dass die aktuellen EZB-Beschlüsse ein starkes Signal sind. Gemäß der alten Regel, nicht gegen die Notenbank zu spekulieren, kann man als Anleger nunmehr mit erheblichem Rückenwind operieren. Wenn die Zinsen der Südländer gedeckelt werden und diese Länder an ihrer Reformpolitik festhalten, ist das kurzfristige Aufwärtspotential beträchtlich.

Betrachten wir bei der Gelegenheit die Lage einmal aus einer längerfristigen Perspektive. Welchen Ertrag können uns Aktien prinzipiell bringen? Dies hängt vor allem ab von der absoluten Höhe des Gewinns und davon, wie groß der Anteil des Gewinnes ist, der ausgeschüttet wird. Es hängt außerdem ab vom Wachstum der Gewinne, von der Zinsentwicklung und von der Risikoneigung der Akteure. Hohe Marktzinsen und Risikoprämien mindern den Ertrag, dürften sich aber in sehr langer Sicht neutral, weil eher unsystematisch verhalten, so dass wir diese Komponenten in der nachfolgenden Rechnung vernachlässigen können.

  • Wie wir aus der Vergangenheit wissen, wird ein gewisser Teil der Unternehmensgewinne, sagen wir 30 bis 40 Prozent, ausgeschüttet. Man kann somit von einer Dividendenrendite von zuletzt etwa 2 bis 3 Prozent des eingesetzten Kapitals ausgehen.
  • Die Gewinne dürften langfristig so steigen wie die Volkswirtschaft selbst. Bei einer stark exportorientierten Ökonomie wie der deutschen kann man aber die Wachstumsrate getrost etwas höher ansetzen, denn es wird häufig in wachstumsstarke Regionen geliefert. Auch hier sind 2 bis 3 Prozent an realem Wachstum nicht unvernünftig, ja sogar eher konservativ.
  • Und da wir keine völlige Preisstabilität haben, ist außerdem die Inflationsrate zu berücksichtigen. Eine Spanne von 2 bis 3 Prozent kann man hier ebenfalls als plausibel ansehen.

Damit haben wir die drei Komponenten der langfristigen Aktienerträge. Diese Erträge schwanken je nach Zins- und Risikoerwartungen, und letztere sind also nicht seriös zu prognostizieren. Die drei Basiskomponenten summieren sich nach dieser Rechnung zu einem Ertrag von 6 bis 9 Prozent per annum.

Der DAX stand am 1. Januar 1988 bei 1.000 Punkten. Rechnet man also mit einem durchschnittlichen Wachstum von beispielsweise jährlich 8 Prozent, dann wäre am 31. Dezember 2012 ein DAX-Stand von ca. 6.850 Punkten zu erwarten. Augenblicklich(Donnerstag Abend) stehen wir bei gut 7.150 Punkten.Das Jahr 1988 ist deswegen ein sinnvoller Ausgangspunkt, weil beim vorangegangenen Crash im Oktober 1987 die Märkte zum ersten Mal in großem Umfang mit Geld geflutet wurden(damals vom gerade ins Amt gekommenen Chef der Fed, Alan Greenspan).

Diese Zahlen zeigen uns, dass wir im Augenblick keine Überhitzung vorliegen haben. Eine deutliche Unterbewertung liegt allerdings auch nicht vor. Nun wissen wir aus der Vergangenheit jedoch folgendes: Aktienkurse können längere Zeit vom normalerweise zu erwartenden Entwicklungspfad abweichen. Dies gilt insbesondere beim unerwarteten Eintreten bestimmter Ereignisse, die eine gewisse Aufwärts- oder Abwärtsdynamik in Gang setzen können. Somit können sich auch in naher Zukunft die Kurse ein gutes Stück vom langfristigen Pfad entfernen, ohne dass dies sogleich in einen Einbruch münden muss.

In dem oben vorgestellten Diagramm ist dies gut sichtbar; man vergleiche die Strecke ABC, die die Entwicklung der 90er Jahre kennzeichnet und die viel steiler ist als jener Entwicklungspfad, der unter Zugrundelegung eines gleichbleibenden Anstiegs von 8 Prozent p.a. generiert wird(gleiches gilt für die Strecke DE). Eine scharfe Korrektur ist umso wahrscheinlicher, je länger sich die tatsächliche Entwicklung vom Pfad der „Normalentwicklung“ entfernt. Besonders eindrücklich war das ab dem Jahr 2000 der Fall, als die Anleger für die Exzesse dieser „roaring nineties“ bezahlen mussten(Strecke CD und später EF während der Finanzkrise 2008). Dies ist beispielsweise für diejenigen von Belang, die auf das Eintreten bestimmter Entwicklungen spekuliert haben und daher unter Umständen etwa ihren Urlaub anstatt wie geplant in der Südsee auf Balkonien verbringen müssen. Indes sind die Tiefpunkte solcher Entwicklungen auf lange Sicht sehr profitable Einstiegsgelegenheiten. Gut zu sehen ist auch, dass die Einbrüche heftig sind, aber viel kürzer als die vorangegangenen Hausseentwicklungen.

Eine deutlich expansive Politik wird nun wahrscheinlich als Signal dafür gesehen werden, dass ein Abgleiten in eine starke Rezession von der EZB nicht zugelassen werden und in der Folge die Kurse beflügeln wird. Die EZB wird die Anleihekurse hoch, damit die Anleihezinsen tief halten und die Risikoprämien abbauen helfen.

Die Überlegungen der EZB selbst scheinen allerdings nicht ganz in diese Richtung zu gehen. Die Spreads zwischen den Anleihen der südlichen Euroländer und denen des Nordens werden von der EZB als Signal dafür interpretiert, dass die Märkte ein Auseinanderbrechen des Euro vorwegnehmen und den Transmissionsmechanismus der Geld- und Kreditschöpfung hemmen. Die EZB scheint daher entschlossen, bis an die Grenzen des ihr möglichen zu gehen, um die Märkte zu stabilisieren und durch die resultierende Liquiditätsschwemme diese Hemmungen zu beseitigen. Diese Politik ist riskant und wird insbesondere in Deutschland heftig angegriffen. Doch bergen auch die Alternativen zu dieser Strategie große Risiken. Bis auf eine Stimme – wahrscheinlich die deutsche – hat die EZB indes einvernehmlich entschieden.

Wir werden also mit großer Wahrscheinlichkeit einen Kuchub bekommen, der die kommenden Monate andauern und Richtung 8.000 Punkte zielen wird. Sollte er allerdings nicht eintreten, so würden Erwartungen, die im Vorfeld aufgebaut wurden, korrigiert werden und der Verkaufsdruck wieder zunehmen. Da die Sentimentindikatoren jedoch eher in Moll gestimmt sind, ist zu vermuten, dass sich viele Player an der Seitenlinie befinden und der Verkaufsdruck damit eher begrenzt ist. Eine grundlegende Absicherung ist vorhanden, wenn man die Tiefs der Einbrüche 2003 und 2008 miteinander verbindet(Strecke DF). Diese grüne Linie markiert die untere, parallel zur „Normalentwicklung“ verlaufende Begrenzung. Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, aber bei einem Unterschreiten dieser Linie, wie etwa im Fall einer schweren Rezession, wäre der bislang gültige Pfad der Aufwärtsentwicklung für lange Zeit gebrochen.

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Marktupdate – 07.09.12 – Gewinnmitnahmen zum Wochenende

13:45 Uhr

Da war er gestern, der grosse Trendtag. Und es war eine beeindruckende Rally, die heute bestätigt wurde. Wie von mir erwartet, hat sich die Chartstruktur des S&P500 eher als Bullenflagge herausgestellt und nicht als Doppeltop.

Prinzipiell haben wir damit die Tür für weitere Gewinne aufgestossen und auch absolute Höchststände in beiden Indizes sind nun im Laufe des Herbst im Bereich des Möglichen. Alles Notwendige dazu habe ich den letzten Tagen schon gesagt.

Deshalb nun nur ein sehr kurzfristiger Blick in die Zukunft. Vor dem Wochenende ist es nun sehr wahrscheinlich, dass wir heute noch Gewinnmitnahmen sehen. In der ersten Handelsstunde der Wallstreet ist ein weiterer Schub möglich, der den S&P500 über 1440 schauen lassen könnte. Der DAX könnte noch einmal über 7250 schauen. Dann - irgendwann um 16-17 Uhr - würde ich aber mit den Höchstständen des Tages rechnen und mich auf Gewinnmitnahmen zum Wochenende einstellen. In dem Zusammenhang ist auch bemerkenswert, dass wir heute einen POMO Sell Operation Tag mit 7-8 Milliarden USD haben.

Wenn Sie bisher noch nicht ausreichend an der Rally teil hatten, ist heute Nachmittag also wohl nicht der beste Tag um noch aufzuspringen. Ich rechne nun mit Konsolidierung bis in die nächste Woche und erst nach BVG und FED dürfte der nächste grosse Schub auf der Agenda stehen. Beachten Sie auch, dass am Sonntag jede Menge wichtige Wirtschaftsdaten aus China kommen, die den Markt am Montag beeinflussen dürften.

An meiner grundsätzlich bullischen Lageeinschätzung ändert das nichts. Kurzfristig dürfte nun aber der Kuchen erst einmal verspeist sein und eine Korrektur bzw Konsolidierung keine Überraschung. Sollte diese Konsolidierung ausbleiben und wir weiter hochschieben, wäre das ein so extrem bullisches Signal, das selbst ich Optimist dann überrascht wäre.

Ich wünsche Ihnen eine gutes Händchen,

Ihr Hari

PS: Am Samstag Abend erscheint dann wieder ein Grundsatzartikel von Tokay zur Lage, schauen Sie mal am Wochenende rein.

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Marktupdate – 06.09.12 – Draghi liefert – Der DAX feiert

15:50 Uhr

Draghi hat geliefert, ein "unlimitiertes" Bond-Ankaufprogramm ist auf dem Weg. Es gab eine Gegenstimme, die vermutlich vom Bundesbank-Präsidenten kam.

Lassen wir heute mal beiseite, wie ich inhaltlich darüber denke, der Markt liebt es. Kein Wunder bei der Liquidität und vor allem den Aussichten, dass sich Italien und Spanien so finanzieren können. Wobei finanzieren ? Naja, die EZB, in deren Rat Spanier und Italiener sitzen druckt Geld, mit dem sie spanische und italienische Staatsanleihen kauft. Ergo deren Schulden und Staatsprojekte finanziert.

Genau genommen, finanziert sich die Politik so selbst, ähnlich den Alchemisten des Mittelalters. Kann das dauerhaft funktionieren ? In meinen Augen nur, wenn man die Grundrechenarten abschafft und eine neue Mathematik einführt. Kann das bis Jahresende zu einer erheblichen Entspannung führen ? Definitiv ja ! Und deshalb legt Mr. Market eine Rally hin, was interessiert ihn schon was in 2013 und 2014 passiert ?

Aber halt, was rede ich, ich wollte ja meine inhaltliche Meinung beiseite lassen. Schauen wir mal lieber auf den Markt. Über die Alchemisten des 21. Jahrhunderts wird dann die Geschichte urteilen.

Faszinierend ist zu sehen, wie Mr. Market schon vor Draghis Rede die Neuigkeiten eingepreist hatte. Seit gestern waren ja die Details des Programms auch schon an der Wallstreet bekannt. Insofern gibt es für heute Intraday zwei mögliche Szenarien:

Einerseits könnte das ein Trendtag werden, an dem wir immer weiter hochschieben und möglicherweise heute schon Jahres-Höchststände im S&P500 erreichen. Gut möglich ist aber auch, dass nach der initialen Begeisterung die Käufe auslaufen, denn nun liegt erst einmal alles auf den Tisch. Und sich die Gedanken ab 16.30 - 17 Uhr auf nächste Woche richten, in der das BVG ebenso ansteht, wie erneut die FED. In letzterem Szenario würden wir gerade - so gegen 16-16.30 Uhr - die Höchststände des Tages erleben. Ein Szenario, dem ich durchaus relevante Wahrscheinlichkeit beimesse.

Schauen wir weiter in die Zukunft, glaube ich nicht, dass das BVG eine echte Hürde darstellen wird. Wie schon mehrfach geschrieben, wäre ich verwundert, wenn das Bundesfinanzministerium und das Kanzleramt keinen Zwischenstand der Diskussionen im BVG erhalten. Und Schäuble zuversichtliche Äusserungen der letzten Tage sind für mich daher richtungsweisend.

Und was die FED angeht, bin ich auch überzeugt, dass sie entweder liefert oder schon längst im "Stealth-Modus" druckt. Die Notenbanken machen Ernst, ich habe diesen Eindruck schon im Juli geschrieben und damit begründet, warum ich der Sommer-Rally Bedeutung beigemessen habe, als fast alle anderen noch in der Schleife der Euro-Krisen-Ängste gefangen waren.

Und es zeigt erneut, warum es besser ist dem Markt zu folgen, als sich einzubilden, eine höhere Weisheit zu besitzen. Denn jetzt können wir nachlesen, warum Mr. Market seit Mitte Juli nach oben zu laufen begonnen hat. Die Schwarmintelligenz Markt hatte schon längst gerochen, dass die Notenbanken einen Game-Changer im Köcher haben.

Und auch heute halte ich mein gestern skizziertes Szenario der grossen Herbst-Rally, bis zu Allzeithöchstständen, nach wie vor für gut möglich. Nicht sicher, aber gut möglich - im Gegensatz zu den Gedankenstrukturen, die nach wie vor in den Köpfen der meisten privaten Anleger vorherrschen. Schauen Sie doch noch mal nach, was Mitte Juli an anderer Stelle zu dieser Rally alles so geschrieben wurde. Viele versuchen ja ihr Geld damit zu verdienen, dass sie hinterher immer so tun, als ob sie vorher alles schon gewusst hätten. Nachlesen öffnet da manchmal die Augen und lässt die Fassade einstürzen. Das Schöne am Internet ist ja, man kann nachlesen. Und Sie kennen als regelmässige Leser ja schon einige der "Pappenheimer", die ich da auf dem "Kieker" habe.

Und noch etwas, niemand sollte denken, dass man sich gegen Notenbanken stellen sollte, die weltweit aufs Gaspedal treten. Auch China dürfte bald vor einer neuen Runde des Stimulus stehen. Was das bedeutet ? Nachbrenner für die Liquiditätsrally.

Und Griechenland ? Griechenland who ? Who cares, wenn die EZB unlimitiert Staatsanleihen aufkauft. Griechenland ist megaout für Mr. Market, wurde ja auch mal Zeit. Die Zeit in der wir uns die Fensterreden griechischer Paralamentssitzungen angetan haben, ist wohl vorbei. Ich bin der Letzte, der darüber unglücklich ist.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen.

Ihr Hari

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Marktupdate – 05.09.12 – Doppeltop oder Bullenflagge – S&P500 am Scheideweg

09:00 Uhr

Wir nähern uns mit Macht einer entscheidenden Phase in den Märkten, die den Ton für den Rest des Jahres 2012 bestimmen könnte. Ich möchte mit Ihnen daher heute mal einen Blick auf das grössere Bild werfen, perfekt sichtbar am Leitindex S&P500.

Schauen wir mal auf den Tageschart des S&P 500:

Man sieht sofort die entscheidende Weichenstellung die nun ansteht. Entweder haben wir ein Doppeltop im Bereich um 1420 ausgebildet, dann dürfte die Reise zum Jahresende massiv nach unten gehen und wir haben erhebliche Fallhöhe. Oder wie bilden gerade eine Bullenflagge aus, die das Sprungbrett für weit höhere Kurse und eine massive Herbstrally darstellt. Unmittelbares Kursziel wäre dann 1546 im S&P500, ein Wert der sich rechnerisch aus dem Ausbruch aus dem massiven Dreieck ergibt, das wir vor Tagen besprochen haben.

Zwei Monate lang konnten wir nun einen ruhigen, latent positiven Sommer geniessen. Mit diesem Artikel will ich Ihnen zurufen:
Aufwachen aus der Lethargie und höchste Aufmerksamkeit ! Es wird ernst !

Die entscheidenden Stellschrauben dürften dabei die Notenbanken in der Hand halten. Primär die EZB am Donnerstag, die den Markt auf keinen Fall enttäuschen sollte. Aber auch die FED sollte man nicht vergessen. Denn es mehren sich die Stimmen, die der Ansicht sind, dass QE3 schon längst (seit Juli) im "Stealth-Modus" läuft. Jim Rogers ist einer der Prominentesten mit dieser Meinung, lesen Sie .

So irreal sich dieser Gedanke auf den ersten Blick anhört, so wird er bei genauerer Überlegung doch bedenkenswert. Denn Bernanke will stimulieren, daran hat er nie einen Zweifel gelassen. Sein ganzes akademisches Leben beruht auf dem Gedanken der Stimulierung, um eine erneute Weltwirtschaftskrise wie in den 30er Jahren zu vermeiden. Kurz vor der Präsidenten-Wahl, bewegt er sich aber auch in einem politischen Minenfeld, das ihm nicht erlaubt zu aggressiv vorzugehen.

So könnte es jede Menge Sinn machen, die FED Bilanz ohne grosse Ankündigung zu dehnen und massiv Anleihen zu kaufen. Zumindest das Verhalten einer Reihe von notenbank-sensiblen Assets wie Gold seit Juli stützt diese These. Und schaut man auf die US Bonds - zb in Form des ETFs "TLT" - dann zeigen die US Bonds eine erstaunliche Stabilität im Licht der Rally am Aktienmarkt. Irgendwer muss da massiv kaufen. Glaubt man den grossen Investoren von Soros über Eichhorn bis Paulson, sind die es nicht. Wer dann ?

Aber wie auch immer, egal ob QE3 schon läuft oder noch nicht. Die Notenbanken halten den Schlüssel in der Hand. Und wenn die Notenbanken in einer konzertierten Aktion aufs monetäre Gaspedal treten, dann werden die Märkte zum Jahresende steigen, ganz egal was sonst passiert. Don´t fight the FED - vergessen Sie nie diese immer wieder bewiesene Tatsache !

Aus diesem Grund - denn in meinen Augen machen die Notenbanken gerade ernst - ebenso wie aus Sicht des nach wie vor mittelfristig skeptischen Sentiments, gebe ich der Bullenflagge eine etwas höhere Wahrscheinlichkeit als der Variante des Doppeltops. Mir ist bewusst, dass beides möglich ist und ich bin bereit, sofort in "Bärenmarkt-Modus" zu wechseln, wenn mir der Markt das signalisiert. Die Chance der Herbst-Rally verliere ich aber nicht aus dem Auge.

Denn wenn man sich vor Augen führt, welches Szenario sich aktuell niemand vorstellen kann, dann ist es meinen Augen ein Szenario, in dem wir nun zu einer brutalen, mehrmonatigen Rally ansetzen, die ohne Pause läuft und uns im DAX über 8000 und im S&P500 Richtung 1600 schiebt. Das kann sich kaum jemand vorstellen, während alle möglichen Katastrophenszenarien x-fach durchdacht sind. Eine solche Rally dürfte immensen Schmerz verursachen, denn sehr viele Institutionelle hängen in der individuellen Performance des Jahres 2012 massiv den Indizes hinterher und sind aktuell erneut nur mässig investiert. Die müssten dann irgendwann verzweifelt kaufen, was die Rally weiter befeuert. Denken Sie in diesem Zusammenhang auch an die Cognitrend Analyse von letztem Mittwoch.

Ob es so kommt, wir werden sehen. Warten wir demutsvoll auf Draghis Weissagungen am Donnerstag. Aber übersehen sollte man diese Möglichkeit der massiven Rally nicht, sie ist realer als man meint.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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Marktupdate – 04.09.12 – Wir warten auf Draghi

17:20 Uhr

Ganz kurzes Update.

Eine Reihe von Gewinnmitnahmen ist zur Handelseröffnung der Wallstreet durch den Markt gelaufen, es scheint aber, als ob sich der DAX oberhalb 6900 und der S&P500 knapp unter 1400 stabilisieren. Bleibt es dabei, ist schlicht nichts passiert, was erwähnenswert wäre.

Das der Markt vor der EZB Sitzung am Donnerstag vorsichtig bleibt ist nicht verwunderlich. Apple ist weiter stark, auch das spricht dagegen, die Schwäche zum Handelsstart zu Ernst zu nehmen. Und POMO sollte den Markt heute weiter stützen.

Alles in allem sieht das für mich bisher nach einer normalen Konsolidierung aus. Und ich rechne damit, dass es auch Morgen so weitergeht. Erst am Donnerstag sollte dann richtig "Leben in die Bude" kommen.

Ich möchte in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass die EZB Sitzung durchaus Enttäuschungspotential hat, wir haben es hier noch mit massiven Erwartungen des Marktes zu tun. Und das schafft Raum für negative Überraschungen.

Gold und Silber sind nach wie vor sehr stark, eine Enttäuschung durch die EZB könnte aber auch die Edelmetalle wieder unter Druck bringen. Hier sollte man die aufgelaufenene Gewinne nun nach unten absichern.

So weit, so kurz. Auch Abwarten muss man können. Und das ist eine Disziplin, die bis zum Donnerstag wohl von uns gefordert wird.

Ihr Hari

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