S&P500 und DAX Marktupdate – Game-Changer durch die FED ? – 21.02.13

Die gestern um 20 Uhr veröffentlichten FOMC Minutes der FED von Ende Januar stellen einen potentiellen "Game-Changer" für die Märkte dar. Grund genug, uns die aktuelle Situation in S&P500 und DAX mal genauer anzuschauen.

Die Wallstreet reagierte auf die gestrigen FOMC Minutes auf jeden Fall mit deutlichen Abgaben und erzeugte damit den ersten wirklich schwachen Handelstag des Jahres 2013 ! Derartige Warnschüsse müssen unbedingt ernst genommen werden, denn sie haben das Potential der Beginn einer Änderung der Gezeiten an den Märkten zu sein.

Ursache der Schwäche waren Passagen in den FOMC Minutes, die eine zunehmend kontrovers geführte Diskussion darum deutlich machen, ob die FED ihre Assetkäufe wirklich so unbegrenzt und abhängig von den Arbeitsmarktzahlen weiter führen sollte. Das der Markt gerade die Marke um 1525 erobert hatte, machte Gewinnmitnahmen für die Marktteilnehmer noch dazu um so logischer.

Riskant ist diese Diskussion, da sich der Markt seit November 2012 eindeutig in einem durch die FED Liquidität induzierten Runaway-Move befindet. Und wir wissen, dass solche Bewegungen gerne mit einem sehr üblen, dynamischen Einbruch enden, der wochenlange Gewinne in wenigen Tagen auslöscht. Wenn Sie auf den Tageschart des S&P500 schauen, sehen Sie auch das Risiko:

S&P500 Runaway-Move 21.02.13

Ich habe Ihnen in Blau den Trendkanal des Runaway-Moves eingezeichnet, der nur kurz durch die Verwirrung um das Fiscal Cliff unterbrochen wurde. Sie sehen leicht, dass diese Steigung nicht ewig durchgehalten werden kann. Sie sehen allerdings auch, dass wir schon am 04.02.13 einen schwachen Tag hatten, der aber am Folgetag sofort wieder negiert wurde.

Es ist also keineswegs ausgeschlossen, dass auch die gestrige Schwäche wieder nur ein "One-Day-Wonder" ist. Und das es heute Nachmittag schon wieder hoch geht und der Runaway-Move erhalten bleibt, wie im grünen Pfeil im Chart dargestellt.

Nur gibt es einen Unterschied zum 04.02.13: die FED Thematik hat das Potential die Stimmung des Marktes dauerhaft zu ändern. Sehr wahrscheinlich ist also, dass wir heute - möglicherweise schon vor Eröffnung der Wallstreet in den Futures - die entscheidende Unterstützung bei 1495 (im Chart der schwarze waagerechte Strich) testen.

Und was dann passiert, hat Bedeutung über den Tag hinaus. Können wir heute die 1495 nicht halten, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die richtige, lange erwartete Korrektur nun da ist !

Das Potential dieser Korrektur habe ich auch eingezeichnet. Es wäre nur logisch und entspräche der Korrektur zwischen September und November 2012, wenn wir ungefähr bis zum 50er Fibonacci Retracement des Runaway-Moves zurück kommen. Also bis in eine Zone zwischen 1435 und 1440.

Und das dürfte dann sehr schnell gehen, möglicherweise noch schneller, als im Chart eingezeichnet. So ist das nun einmal, wenn ein Runaway-Move in sich zusammen fällt und alle gleichzeitig zum Ausgang rennen.

Bleibt also die entscheidende Frage, wie Mr. Market heute die FED Debatte nach dem gestrigen Schrecken einordnen wird. Wie Sie aus unzähligen Hinweisen meinerseits wissen, ist die Bestätigung am Folgetag bei Trendwenden von grösster Bedeutung und sollte abgewartet werden !

Die Frage wie Big Money das heute einordnet, kann ich Ihnen natürlich auch nicht beantworten - auch ich habe keine Kristallkugel. Aber ein paar Beobachtungen und Gedanken kann man sich schon machen:

  1. Was in der FED kontrovers diskutiert wird, ist nicht das aktuelle Programm abzubrechen, sondern nur nach welchen Kriterien man es beendet. Und ob dieses Ende abprupt oder langsam schleichend erfolgen soll. An den 85 Milliarden frischer Liquidität pro Monat ändert sich also erst einmal gar nichts. Wenn dem Markt das klar wird, begrenzt das das kurzfristige Abwärtspotential doch deutlich.
  2. Die ausstehenden politischen Entscheidungen in Washington () und die Wahl in Italien am Wochenende, machen es aber auch unwahrscheinlich, dass der Markt dieses Mal sofort wieder zurück kommt und alle Ängste fallen lässt. Vor der Wahl in Italien sollte man an den europäischen Märkten von weiterer Vorsicht und Gewinnmitnahmen ausgehen - Berlusconi lässt grüssen.
  3. Auch wenn die FED über einen vorzeitigen Ausstieg aus den Assetkäufen redet, wirklich tun wird sie es nicht können. Denn wie sollen sonst die amerikanischen Anleihen bedient werden ? Zinssteigerungen sind ein NoGo und die USA - wie die meisten westlichen Staaten - in einer Situation, wo die Zahlungsfähigkeit nur durch die Druckerpresse aufrecht erhalten werden kann.
  4. Marktechnisch haben sehr viele institutionelle Marktteilnehmer diesen Anstieg aus Vorsicht nicht richtig mitgenommmen und warten nun händeringend, auf den Zug wieder aufsteigen zu können. Jede Korrektur wird also schnell auf Kaufinteresse treffen, diese Korrektur wird geradezu herbeigewünscht. Das macht es aber auch unwahrscheinlich, dass wir zu tief einbrechen.

Summa Summarum werden wir also wohl erst Anfang kommender Woche klar sehen. Wenn Sie jetzt wissen wollen, was für mich persönlich das wahrscheinlichere Szenario ist, dann ist das weder der obige Einbruch, noch eine Fortsetzung des Runaway-Moves.

Ich kann mir gut vorstellen, dass wir kurz unter 1495 schauen, nur um die schwachen Hände heraus zu schütteln. Und nur, um dann doch wieder zu drehen, aber auch keine neuen Höchststände zu erreichen. Der Markt würde in dem Szenario also in eine qualvolle Seitwärtsbewegung eintreten, einen "wait and see" Modus sozusagen. Bevor der Markt dann im Laufe des Jahres doch nach oben läuft. Aber auch die echte Korrektur herab bis zum 50er Fibonacci Retracement kann ich mir gut vorstellen. Das wir heute schon wieder dynamisch steigen dagegen weniger - aber "who knows" ? Mr. Market macht selten das, was man sich so vorstellt. 😉

Und was das für den DAX bedeutet ? Mehr oder weniger von der Tendenz her das Gleiche. Ob der DAX dabei gegenüber dem S&P500 relativ schwächer oder stärker ist, dürfte stark mit den Entwicklungen in Italien zusammen hängen. Eine Sperrminorität für Berlusconi würde den europäischen Aktienmärkten sicher gar nicht gut tun.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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S&P500 mit Indecision Doji – Korrektur oder Runaway Move ? – 25.01.13

S&P500 auf Steroiden. Das wäre wohl eine korrekte Beschreibung der aktuellen Situation, denn eigentlich hätte schon lange eine kleine Korrektur laufen müssen. Es sieht fast so aus, als befinden wir uns in einem sogenannten "Runaway Move".

Es erscheint mir also dringend nötig die Geschehnisse im Leitindex S&P500 in ein grösseres Bild zu rücken. Ansonsten läuft man Gefahr sich in Details zu verlieren und den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen.

Schauen wir doch mal auf das Tageschart des S&P500 seit Anfang 2012:

S&P500 25.01.13

Das erste was man sofort sieht ist, wie überkauft dieser Markt nun ist und wie sehr er nach einer Korrektur schreit. Beachten Sie dazu die beiden roten Kreise. Nachdem der S&P500 gestern die runde Marke von 1500 erreicht hatte, bildete der Markt einen sogenannten "Indecision Doji" aus. Dieser tritt vermehrt bei bedeutenden Richtungsänderungen des Marktes auf. Beachten Sie auch wie hoch der RSI nun gelaufen ist. Auf diesem Niveau kommt es fast immer schon bald zu Gewinnmitnahmen. "Fast" immer, es gibt eine Ausnahme und das ist der Runaway Move, dazu aber später mehr.

Nun sollten Sie sich aber auch den Charakter der Aufwärtsbewegung seit November 2012 anschauen. Und vergleichen Sie diese Bewegung bitte mit dem bullischen Trend von Juni bis September 2012.

Man muss ganz klar sagen, die Bewegung von Juni bis September war eine gesunde Aufwärtsbewegung, die ganz typisch wellenartig in einem Trendkanal aufwärts führte. Starke Anstiege und technische Überdehnung wurden immer mit einer Gegenbewegung beantwortet. Das ist der Charakter eines gesunden Marktes, das "Gummiband" funktioniert.

Ganz anders dagegen die Bewegung seit November 2012. Diese Bewegung ist auf "Steroiden". Es gibt keinerlei Erholungsphasen. Die Korrektur zum Jahresende kann man ignorieren, dass war ein singulärer Event getrieben durch die "Fiscal Cliff" Ängste. Sobald diese Ängste verschwanden, nahm der S&P500 wieder seinen Anstieg auf als ob nichts passiert wäre.

Dieser Anstieg ohne jemals Luft zu holen, hat ganz eindeutig mit den Multimilliarden zu tun, die die FED nun jeden Tag in den Markt kippt, ohne diese wieder abzuschöpfen. Erinnern Sie sich bitte, dass genau zum Start dieser Bewegung im November 2012 die Liquidität aus QE3 den Markt erreichte und dann die FED sogar noch ein QE4 oben drauf gesetzt hat. So gibt es in diesem Januar jeden Tag Buy Operationen der FED, auch heute ist wieder eine grosse POMO Buy Operation.

Ich erinnere in diesem Zusammenhang noch einmal an meinen Artikel von vor 2 Wochen -> Ein kurzer Rückblick auf QE3 <-, in dem ich die Mechanismen dargestellt habe.

Das Ergebnis kann man in der Gnadenlosigkeit der aktuellen Aufwärtsbewegung erkennen. Jeden Tag fliesst frische Liquidität in den Markt und das ist ein Treibsatz wie eine Rakete. Wahrlich ein Markt auf Steroiden !

Wie geht es nun weiter ?

Erstens bleiben die Liquiditätsinjektionen der FED dauerhaft erhalten, der Treibsatz ist weiter da und stützt die Kurse.

Zweitens macht eine solche Bewegung fast nie auf dem Fuss kehrt. In einem gesunden Markt eigentlich nie. Wie eine normale Topbildung aussieht, kann man im Chart im September/Oktober 2012 beobachten: mehrere fallende Hochs, bevor es dann richtig abwärts ging. Es ist also eher unwahrscheinlich, dass der Markt von dem aktuellen Niveau aus einfach massiv nach unten dreht. Auch hier wäre der Runaway Move aber wieder die bösartige Ausnahme von der Regel.

Drittens ist auch das AAII Sentiment in den US nun auf dem höchsten (bullischen) Level seit 2 Jahren. Das ist nicht perse negativ, indiziert aber auch einigen Raum für einen "Durchschnaufer" des Marktes.

Viertens sind wir nun technisch so überkauft und der Indecision Doji so eindeutig, dass sehr viel für eine kurzfristige Korrektur spricht. Diese wird aber wohl von kurzer Dauer sein und nur die überkaufte Markttechnik bereinigen.

Summa Summarum sieht mein wahrscheinlichstes Szenario für den S&P500 also so aus:

In Kürze einsetzende Gewinnmitnahmen, die für geringe Schwäche in den kommenden Tagen führen. Dann ein erneuter Schub nach oben im S&P500. Der DAX dürfte so die untere Begrenzung des gestern skizzierten fallenden Keils testen, bevor auch er sich zu einem erneuten Anstieg aufschwingt.

Das wäre das Verhalten eines normalen, gesunden Marktes.

Leider gibt es ein Alternativszenario, das weniger positiv ist. Es kann sein, dass der Liquiditätsdruck zu stark ist, um überhaupt eine Korrektur zuzulassen. Wenn der S&P500 selbst hier unter 1500 nun nicht in den Korrektur-Modus wechselt, haben wir eindeutig einen Runaway-Move.

Ein Runaway-Move in dieser Situation ist aber keine gute Nachricht. Denn die Risiken der Bewegung steigen dann immens und erlauben eigentlich nicht mehr, die Bewegung beruhigt mitzugehen. Wie böse ein Runaway Move oft ausgeht, habe ich in einem Artikel zur -> Technik eines Runaway Moves <- ausführlich dargestellt.

Auf wenn es sich etwas verdreht anhört, es wäre jetzt sehr wünschenswert, dass der Leitindex S&P500 nun zu einer kleinen Korrektur ansetzt. Das wäre Zeichen eines gesunden Marktes. Läuft der Index von hier aber weiter hoch, steigen die Risiken auf ein kaum tragbares Niveau und ein kleiner Funke kann zu einem gewaltigen Rutsch führen.

Sie müssen den Markt immer mit einem Gummiband vergleichen. Ein gesunder Markt schnappt zurück, wenn das Gummiband zu sehr gedehnt ist. In seltenen Fällen dehnt sich das Gummiband aber ohne Pause immer weiter. Das Ergebnis ist dann ein plötzliches Reissen des Gummibandes - ohne jede Vorwarnung. Und aufgrund dieses Risikos ist es immens schwer, am Ende eines Runaway Moves als Trader wirklich Geld zu verdienen. Denn Stops sind dann aufgrund des immensen Overnight-Risikos weitgehend wertlos.

In diesem Sinne wünsche ich uns nun eine kleine, gesunde Korrektur und Ihnen gute Entscheidungen ! Mr. Market interessiert sich aber nicht für meine Wünsche, vergessen Sie das nie !

Ihr Hari

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Don´t fight the FED ! – Ein kurzer Rückblick auf QE3 – 07.01.13

Wir Menschen neigen dazu schnell zu vergessen. Deshalb ist es manchmal nötig, sich Dinge im Nachhinein wieder in Erinnerung zu rufen. So heute die Auswirkungen der QE3 Massnahmen der FED, die ja schon im September angekündigt wurden, dann aber - vermeintlich - keine Wirkung entfalteten.

Unzählige Artikel sind dazu ja erschienen, die aus den abwärts bröselnden Kursen seit September 2012 die Schlussfolgerung zogen, dass die Liquiditätseinschüsse der FED in den Markt keine Wirkung hätten.

Dabei könnte nichts falscher sein als diese Annahme ! Alles das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben wurde, weil schlicht das QE3 Programm nicht verstanden wurde ! Und nun, im Nachhinein, kann ich es Ihnen auch beweisen.

Sie erinnern sich hoffentlich an meinen überraschenden Artikel vom 11.11.12, in dem ich Ihnen die öffentlich praktisch nicht bekannte Tatsache klar machte, dass die ab September veranlassten Käufe der FED im Rahmen des QE3 aufgrund Verzögerungen im Settlement erst ab (frühestens) dem 14.11.12 den Markt erreichen würden ? Wenn nicht, sollten Sie hier noch einmal nachlesen: -> Warum QE3 erst ab 14.11 seine Wirkung entfaltet <-

Nun ist es Zeit sich im 8-Stunden-Chart mal anzuschauen, was dann im DAX und im S&P500 zum Jahresende passierte. Bedingt durch die Verwirrung um den Fiscal Cliff ist der S&P500 dabei etwas "gedämpft", hat aber immer noch ein eindrucksvolles Bild. Schauen Sie selbst:

DAX FED QE3

S&P500 FED QE3

Eindrucksvoll oder ? Ist das Zufall und hat nichts mit der FED zu tun ? Eher nein, sehr unwahrscheinlich. Wir sehen hier in den Charts ganz eindeutig, was frische Liquidität ausmacht die ins System strömt.

Und jetzt fragen Sie sich mal ehrlich im Nachhinein. Wie viele von Ihnen haben diese Information zur Kenntnis genommen, die Schultern gezuckt weil es keinen hörbaren "Knall" gab und das Thema dann sofort wieder vergessen ? Denken Sie daran, wenn Sie zukünftig der Liquiditätsversorgung der Märkte durch die Notenbanken nicht die Aufmerksamkeit schenken, die ihr gebührt !

Eindrucksvoll übrigens auch, wie man im Chart des S&P500 sehen kann, wie die Fiscal Cliff Verwirrung die Kurse zum Jahresende dämpfte und der Gap zum Jahresanfang nur wieder den alten Trend aufnahm und sozusagen nahtlos fortsetzte. Man kann also ganz klar sehen wo der S&P500 ohne Fiscal Cliff das Jahr 2012 geschlossen hätte.

Also, schreiben Sie es sich am besten neben den Bildschirm: Don´t fight the FED ! 😉

Ihr Hari

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Gold nach dem Absturz – Grosses Chartupdate – 04.01.13

Nach dem Handelsschluss an der Wallstreet, möchte ich mich noch einmal in Ruhe und ohne die Hektik des Handelstages, der Entwicklung beim Goldpreis widmen. Unter anderem, weil die heutige Entwicklung einfach laut danach schreit. 🙂 Zu deutlich kann man heute sehen, wie die Anleger von technisch agierenden Programmen hin und her geworfen werden.

Im voran gegangenen Artikel habe ich ja deutlich gemacht, dass ich die Entwicklung des Goldpreises seit November fundamental nicht mehr verstehe. Dem ist auch nichts hinzu zu fügen. Das sollte uns aber nicht hindern, einfach mal ganz unvoreingenommen auf den Chart zu schauen.

Hier ist er also der gleiche Stundenchart von XAUUSD, den ich Ihnen heute um 12 Uhr gezeigt habe, nun nur ein paar Stunden später.

Gold 04.01.12 1

So ein schöne inverse Schulter-Kopf-Schulter Formation haben Sie auch schon lange nicht mehr gesehen, oder ? Die schreit ja geradezu danach bis 1680 USD weiter zu laufen.

Was war passiert ? Wie technisch abzusehen, fand gegen 12 Uhr eine Stabilisierung wegen schlichter technischer Überdehnung statt, die ich auf dem Chart des früheren Artikels mit dem roten Kreis beim RSI indiziert hatte.

Dann ging der Goldpreis in Wartestellung bis zu den US Arbeitsmarktdaten um 14.30 Uhr. Und als diese nicht mit einer Verringerung der Arbeitslosenquote kamen, ging es stark nach oben. Denn nach der neuen FED Kommunikation, bedeutet ja eine sinkende Arbeitslosenquote eine schnellere Beendigung der QE Massnahmen, was schlecht für Gold wäre - zumindest wenn man glaubt, dass die FED überhaupt aus der Geldflut wieder rauskommt und die Zinsen tatsächlich anheben könnte. Ich glaube es eher nicht, weil es wegen der Bondrenditen und damit Zinslast der USA gar nicht geht und am völlig überdehnten Anleihenmarkt ein Desaster auslösen würde, aber das ist eine andere Geschichte.

Wäre die Arbeitslosenquote stark gefallen, hätte es heute wohl ein Schlachtfest im Goldkurs gegeben. So wurde das Reversal in Gang gesetzt und das lief mal wieder nach technischem Lehrbuch. Die Formation ist auf jeden Fall aktiviert und das Kursziel rechnerisch ca. 1680 USD.

Schön ist auch zu sehen, wie durch diese volatile Bewegung zwischen dem 02.01. und dem 04.01. wahrscheinlich jede Menge menschlicher, mittelfristiger Trader rausgekegelt wurden, gewonnen haben wohl primär die Maschinen. "Whipsawed to Death" nennt man das im Amerikanischen und am Ende ist im Kurs gar nichts passiert, ausser das die Menschen Geld verloren haben.

Wenn Sie jetzt aber glauben in Sachen Gold "Hosianna" rufen zu können und alles sei in Butter, möchte ich daran erinnern, das genau diese technischen Formationen wie die inverse SKS seit November nicht mehr funktionieren. Schauen wir doch mal auf das gleiche Chart, nur aus Tagessicht:

Gold 04.01.12 2

Mit rotem Pfeil habe ich die Stelle im November markiert, die nicht hätte passieren dürfen und ohne Vorwarnung den neuen Abwärtstrend definierte, statt zu neuen Höchstständen hoch zu laufen. Und ich habe Ihnen zwei Trendlinien für einen Abwärtstrend eingemalt und auch gleich erneut den grünen Pfeil der aktuellen inversen SKS Formation.

Bei so viel technisch induzierten Abläufen, werden Sie nun auch nicht mehr überrascht sein, dass das rechnerische Ziel der SKS (der grüne Pfeil) bei 1680 USD ziemlich genau mit der ersten fallenden Trendlinie zusammen fällt. Wirklich spannend wird es aber in meinen Augen erst, wenn wir auch die zweite Trendlinie knacken (den grünen Stern) und Gold wieder über 1700 USD zieht. Wenn das mit bis dahin weiter funktionierender Markttechnik unterlegt ist, werde ich ab dem grünen Punkt einen Long-Trade wieder ernsthaft in Erwägung ziehen. Aber nicht vorher.

Hoffnung macht aber die grosse Trendlinie die ich Ihnen eingezeichnet habe, die nun seit dem Mai 2012 als Unterstützung eines übergeordneten Aufwärtstrend dient, der mit der heutigen riesigen Fahne auch erneut bestätigt wurde. Aus dieser Perspektive sieht das Bild des Goldkurses also gar nicht so schlecht aus.

Auch die Fibonacci-Retracements erlauben interessante Aussagen, denn der "Whipsaw" der letzten Tage war ein fast perfektes Pingpong zwischen dem 62er und 38er Retracement des grossen Anstiegs seit Mai 2012. Ich habe diese Retracements aber nicht mehr in den Chart integriert, da er ansonsten jede Lesbarkeit verloren hätte. Ich bin ein Fan der optischen Konzentration auf das Wesentliche. Aber auch die Fibo-Retracements zeigen eindrücklich, wie stark hier Algos gezielt im Spiel sind.

Ich erinnere aber erneut daran, dass wir seit 2 Monaten nun so hin und her geworfen werden wie in den letzten beiden Tagen. Also Vorsicht mit technischen Schlussfolgerungen. Und wir haben nun ein zulaufendes Dreieck im Tageschart, dass zwar statistisch öfter nach oben aufgelöst wird als nach unten, aber was ist bei Gold derzeit schon normal ?

Ich persönlich warte die 1700 USD ab und wenn ich dann vorher noch einen grossen "Buying on Weakness" Print im ETF GLD sehen würde und so wüsste, das Big Money wirklich wieder einsteigt, dann lasse ich mich auch gerne wieder überzeugen. Aber zunächst mal hat mir nun der Goldpreis was zu beweisen, denn der hat mich zuletzt nur an der Nase herum geführt.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

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Gold und Silber im Crash Modus – 04.01.03

Gold befindet sich heute Mittag gegen 12 Uhr im Crash Modus. Schauen Sie mit mir doch einfach auf mal auf das Stundenchart von XAUUSD:

Gold Crash Modus 04.01.13

Zum wiederholten Male seit November letzten Jahres verhält sich der Goldkurs unverständlich. Wir hatten am 20. und 21.12 einen wunderschönen Doppelboden und an Silvester und am ersten Handelstag 2013 dann einen perfekten Ausbruch. Und dann: BUMM !

Der Auslöser sind wohl die Gerüchte um eine FED, die vielleicht in 2013 schon aus ihrem Quantitative Easing (QE) aussteigt. Als Auslöser mag das auch richtig sein, die Ursache kann es nicht sein. Denn dafür ist die Bewegung zu dynamisch und wäre das der alleinige Grund, müssten auch andere liquiditätsgetriebene Assets nun stark fallen. Das ist aber nicht so und deshalb gibt es für diese Bewegungen andere Gründe, die aber völlig im Dunkel liegen und eher bei "Big Money" zu verorten sein düften.

Es gibt viele Stimmen im Web die behaupten, dass hier "Big Money" versucht alle aus den Positionen zu drängen, weil in Wirklichkeit in Kürze massiver Kaufdruck und ein parabolischer Anstieg bei Gold auf der Agenda steht. Es schwirren Gerüchte in der Blogosphere herum, dass grosse Banken ihren physikalischen Lieferverpflichtungen gar nicht mehr nachkommen könnten und daher unbedingt auf fallende Kurse angewiesen sind. Und das hier ein Überlebenskampf geführt wird, um um jeden Preis den Kurs unten zu halten. Vieles von diesen Gerüchten wird wie immer Unsinn sein, aber ein kleiner wahrer Kern mag doch existieren.

Ich bin eigentlich kein Freund von Verschwörungstheorien, aber die Kursentwicklung von Gold und Silber seit November 2012 an der Comex ist so erratisch, dass selbst ich nicht mehr daran glaube, dass hier alles mir rechten Dingen zugeht.

Aber wie auch immer, wir sind am Markt nur kleine Fische und werden es erst dann wirklich wissen, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Und deshalb halte ich mich aus dem Sektor nun völlig fern. Und zwar solange bis die Preis-Action wieder nachvollziehbar und berechenbar wird. Und wenn mich Big Money so aus dem Markt hält und dann ohne mich eine gewaltige Rally inszeniert, dann ist es halt so.

Sollte der Kurs nicht gerade jetzt bei 1630 USD drehen ? Würde der Goldkurs noch durch Markttechnik einzuschätzen sein, würde ich das wohl so sehen und heute taktisch kaufen. Aber das ist er nicht mehr. Und Trading auf Basis von Hoffnung war noch nie eine gute Idee und das ist eine der Lehren, die ich ganz fest in mir verankert habe.

Abgesehen davon, selbst wenn wir heute bei 1630 drehen sollten, seit Ende November - seit die etablierte inverse SKS Formation plötzlich ohne Vorwarnung abverkauft wurde - haben wir nun mit dem heutigen niedrigeren Tief einen eindeutigen Abwärtstrend, den es konsequent zu respektieren gilt !

An der Seitenlinie kann man zwar nicht gewinnen, aber auch nicht verlieren und es gibt im Moment ja genügend andere, attraktive Long Setups.

Ihr Hari

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Kurztipp – 17.12.12 – Japanische Aktien und schwacher Yen, Komatsu

Mit der erneuten Wahl von Shinzo Abe zum japanischen Regierungschef, könnte am japanischen Aktienmarkt und für den Yen eine bedeutende Wende eingeleitet sein. Eine Wende die Mr. Market in den letzten Wochen schon antizipierte, als der Nikkei vermeintlich ohne Grund stieg und stieg.

Derartige Aufrufe hat es in den letzten Jahren immer wieder gegeben und nie ist wirklich etwas passiert. Japan verharrte in Stagnation und Deflation. Besonders belastet war die japanische Exportwirtschaft von der Stärke des Yen, der in Carry-Trades als Ankerwährung gegen die Euro und Dollar-Schwäche genutzt wurde.

Mit dem Regierungswechsel, steht nun aber wohl eine Zeit aggressiver Expansionspolitik der japanischen Notenbank bevor. Man wird versuchen, den Aussenwert des Yen um jeden Preis zu drücken. Und ein fallender Yen bedeutet steigende Aktienkurse bei Toyota, Panasonic, Toshiba und Co.

Um zu verdeutlichen, wir Mr. Market diese Entwicklung schon antizipiert, schauen Sie mit mir mal auf den Tageschart des Euro-Yen Währungspaares EURJPY:

EURJPY 17.12.12

Letztlich ist eine monetäre Expansion seitens der japanischen Notenbank nichts weiter als eine neue Runde, im schon laufenden weltweiten Währungskrieg der Abwertungen. Und natürlich werden FED und EZB auf ihre Art und Weise reagieren. Letztlich gewinnt in diesem Währungskrieg niemand, sondern alle Papierwährungen werden nur Zug um Zug entwertet. Das Ganze ist ein "Fools Game", für das wir in der westlichen Welt noch bitter mit Währungsreformen bezahlen werden.

Für die kurz- und mittelfristige Bewertung des japanischen Aktienmarktes muss uns das aber nicht interessieren. Eine mögliche Abwertung des Yen würde die japanische Exportindustrie befeuern und wahrscheinlich auch zu einem steigenden Nikkei führen.

Aber Vorsicht ! Der Nikkei wird in Yen notiert steigen, nicht aber notwendigerweise in EUR ! Denn die positive Bewegung des japanischen Aktienmarktes dürfte für deutsche Anleger durch die Abwertung des Yen zu einem guten Teil aufgefressen werden. Insofern sind normale Japan-Fonds eher ungeeignet und insofern macht eine Anlage in Japan eher mit einem Währungs-Hedge Sinn.

Ich habe dazu auch einen voll replizierenden ETF bei iShares gefunden, den "iShares MSCI Japan Monthly EUR Hedged WKN A1H53P". Ich habe selber keine Erfahrung mit dem Produkt, aber von der Papierform her scheint mir persönlich das genau das Instrument zu sein, um die oben antizipierte Entwicklung zu spielen. Alternativ kann man natürlich das obige Währungspaar Long EURJPY spielen und ist damit beim Kern dessen was passiert.

Das jeder Trade, auch dieser, angemessen abgesichert werden muss, weil es auch immer ganz anders kommen kann, muss ich hoffentlich nicht mehr jedes Mal explizit erwähnen.

Und noch ein kleiner Tipp. Von all den Exportwerten finde ich einen im Moment besonders interessant. Es ist die "Caterpillar Asiens", die japanische Komatsu (WKN 854658), die von einem fallenden Yen ebenso profitieren sollte, wie von wieder ansteigenden Infrastruktur-Investitionen in China. Schauen Sie sich diesen 17 Milliarden Euro schweren Bluechip einfach mal selber in allen Aspekten an. Es könnte sein, dass sich dieser Zeitaufwand lohnt. Und teilen Sie das Ergebnis Ihrer Analyse hier mit den anderen Lesern !

Ihr Hari

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Marktupdate – 12.12.12 – FED, S&P500, Gold und Aufstellung zum Jahreswechsel

Die FED hat heute wie erwartet die Ende des Jahres auslaufende "Operation Twist" durch ein neues Programm ersetzt, in dessen Rahmen sie monatlich 45 Milliarden USD in den Ankauf von langfristigen Staatsanleihen stecken wird. Das war aber im Markt schon bekannt, da die FED diese Information schon vorher durch die bekannten Kanäle (eg Hilsenrath) "lecken" liess, um den Markt vorzubereiten.

Überraschend war eher die konkrete Zielmarke von 6,5 Prozent bei der Arbeitslosenquote, denn erst aber dieser Marke will die FED über ein Ende der Nullzinspolitik nachdenken. Diesen Sachverhalt sollten sich alle Anleger für die kommenden Monate nun genau merken. Denn er bedeutet, dass die Arbeitsmarktdaten für die Börsen noch höhere Bedeutung bekommen werden, als sie sowieso schon haben. Und zwar nach der nicht sofort eingängigen, inversen Logik, nach der hohe Arbeitslosenquoten "gut" für den Aktienmarkt sind und niedrige Quoten "schlecht".

Insbesondere für Gold dürfte diese Logik problematisch werden, denn die Goldrally wird erst dann zu Ende gehen, wenn die Notenbanken die Zinszügel wieder anziehen und die Politik des Helikoptergeldes beenden. Nun wird dieses Fragezeichen über jeden Arbeitsmarktdaten liegen und den Goldpreis belasten. Möglicherweise ist das auch der Grund, warum Gold vergleichsweise müde auf die heutige doch erhebliche Ausweitung des Quantitative Easing reagiert hat. Nichts desto trotz hat Gold nun auch das Tief vom 05.11. bestätigt und sollte daher nun weiter nach oben laufen. Und die Goldminen haben heute endlich Fahrt nach oben aufgenommen.

Die Indizes reagierten auf die neue geldpolitische Lockerung mit einem Freudensprung und eine Bewegung über die 1434 Marke hinweg bis 1439 im S&P500 invalidierte endgültig das alte Schulter-Kopf-Schulter Topping-Szenario. Damit ist der Weg nach oben nun frei.

Ein Closing über der Marke von 1434 hat nun umgedreht ebenso grosse Bedeutung als Nackenlinie einer gigantischen inversen SKS Formation, deren rechnerisches Kursziel (measured move) bei ca. 1525 liegen würde. Sehen Sie selbst:

S&P500 12.12.12

Nun konnte der Markt die Bewegung über 1434 im späten Handel nicht halten und fiel bis auf die Nulllinie im Index zurück. Das war aber für Leser dieses Blogs nicht überraschend und stellt die nach solchen Entscheidungen ganz typische "Sell the News" Reaktion dar. Die Stärke der Gegenbewegung war auch nicht so gross, als das man da viel hinein interpretieren müsste.

So ist nun die vorletzte Hürde zum Jahresende aus dem Weg geräumt. Und da die politischen Gespräche zum "Fiscal Cliff" sowieso bis zur letzten Sekunden laufen werden, hat der Markt nun ein paar Tage um nach oben zu laufen.

Das erscheint mir daher als ein guter Zeitpunkt, um Sie auf zwei typische Aspekte so eines Jahreswechsels hinzuweisen:

Erstens ist es ganz typisch, dass zum Jahresende hin die Aktien besonders gut laufen, die schon das ganze Jahr über gut gelaufen sind. Man nennt das "Window Dressing" und das ist nichts weiter als der Versuch der "Looser" bei den öffentlichen Fonds, sich zum Jahresende in der Herde zu verstecken, frei nach dem Motto "ich hab die Aktien doch auch, was soll ich machen ?". In den ersten Tagen des neues Jahres werden dann aber typischerweise neue Favoriten vom institutionellen Geld ausgewählt.

Deswegen macht es Sinn zum Jahresende hin noch die alten Gäule zu reiten, in den letzten Handelstagen zwischen Weihnachten und Neujahr dann aber die Pferde zu wechseln und auf Aktien zu setzen, die einerseits attraktive Bluechips sind, andererseits aber in diesem Jahr nicht so richtig vom Fleck kamen. Dazu fallen Ihnen liebe Leser sicher einige Kandidaten ein, lassen Sie doch alle an Ihren Ideen teilhaben.

Zweitens, ist das Jahresende typischerweise von einem ruhigen Hochschieben der Märkte bei geringer Volatilität geprägt. Der Fiscal Cliff ist das letzte Ereignis, das für hohe Volatilität gut ist - von den "schwarzen Schwänen" abgesehen natürlich.

So eine Phase erlaubt stark mit Trailing Stops zu operieren, und daher auch mal höhere Risiken auf der Long-Seite einzugehen. Denn in einem volatilen Environment funktionieren Trailing Stops nicht, man wird dann nur permanent aus den Positionen gehauen, nur um dann zu sehen wie der Kurs doch wieder dreht. In einem Environment mit niedriger Volatilität und wenig Exposure zu politischen Überraschungen, sind Trailing Stops aber eine tolle Sache, um mal grössere Positionen im Markt zu halten, ohne dabei zu grosse Risiken einzugehen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gute Entscheidungen und eine gute Nacht !

Ihr Hari

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Kurzkommentar – 11.12.12 – DAX und S&P500 vor wichtigen Marken

Die heutige Marktstärke des DAX bis zum frühen Nachmittag zeigt ganz eindeutig, dass die Jahresendrally schon im vollen Gange ist. Auffällig und durchaus typisch für solche Phasen ist insbesondere, dass auch lange verprügelte Aktien nun klare Lebenszeichen zeigen - erwähnt seien in Deutschland in diesem Zusammenhang Klöckner (KC0100), Wacker Chemie (WCH888) oder Leoni (WKN 540888). Und selbst E.ON (WKN ENAG99) springt heute zum ersten Mal nach dem Absturz so richtig an.

Mit dem heutigen Tag stehen die beiden Indizes nun aber vor ganz entscheidenden Wegmarken. Der DAX vor der 7600 Marke, dem letzten Verlaufshoch des 02.05.11, das den DAX noch von einem freien Weg bis zu historischen Höchstständen trennt. Und der S&P500 vor der 1434 Zone, die die alten Hochs von Anfang November markiert und damit die rechte Schulter der alten SKS Formation bildet. Ein Anstieg über diese rechte Schulter, würde die alte SKS Formation invalidieren und den Weg zu Jahreshöchstständen und darüber hinaus frei machen.

Betrachtet man die technische Situation des Marktes und die innere Stärke, die insbesondere gestern im Umgang mit Berlusconi wieder unter Beweis gestellt wurde, gibt es wenig, was gegen eine Fortsetzung dieser Rally bis zum Jahresende und darüber hinaus spricht.

Aber - und ohne aber geht es natürlich nicht - der Markt hat nun einen positiven Ausgang zweier in Kürze noch ausstehender Ereignisse schon einpreist. Morgen kommt die FED mit ihrem Statement und neuen Massnahmen. Und eine Ausweitung der Liquiditätsspritzen wird vom Markt fest erwartet. Und in den nächsten Tagen muss eine Einigung zum "Fiscal Cliff" erreicht werden, auch hier geht der Markt nach den letzten Meldungen von direkten Kompromissgesprächen zwischen Boehner und Obama fest von einer Lösung aus.

Wir sind nun also technisch überkauft und kurz vor wichtigen Marken. In diesem Zustand haben wir einen positiven Ausgang der beiden wichtigen offenen Fragen schon teilweise eingepreist. Und das Ausmass des "Hedgings" über inverse (Short-) ETFs ist auf sehr niedrigem Niveau, wir haben also "Complacency" im Markt.

Was bedeutet, dass wenn eine Enttäuschung kommt, diese zu einer heftigen Reaktion führen dürfte. Glaube ich, dass so eine Enttäuschung kommt ? Nein, eher nicht. FED wie Boehner oder Obama wissen, was sie dem Land schuldig sind.

Meine Einschätzung der Lage lautet also: Mit Wahrscheinlichkeit gibt es keine Enttäuschung und die Rally geht mit Macht weiter. Historische Höchststände im DAX sind bis ins neue Jahr hinein keineswegs utopisch. Wenn aber das weit weniger wahrscheinliche Szenario einer überraschenden Enttäuschung doch eintritt, sollten wir uns auf heftige Marktreaktionen einstellen. Denn dann trifft der Verkaufsdruck auf nahezu keine Gegenwehr mehr. Ich werde mich bei meiner Positionierung zum Jahresende also an beiden Aspekten orientieren.

Ihr Hari

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