Ob nach dem Brexit das englisch Runde in das französisch Eckige geht?

Der Brexit hat die Märkte auf dem falschen Fuss erwischt, denn noch am Donnerstag Abend um 23 Uhr hatte in Anbetracht von Umfragen und Buchermacherwerten, niemand mehr ernsthaft mit dem Brexit gerechnet.

Wenn Sie sich aber beispielsweise mal den Wochensaldo des DAX letzte Woche anschauen, der sich nur um 74 Punkte von 9.631 auf 9.577 herab bewegt hat, sehen Sie schnell, dass wir trotz der 10% Minus am Freitag gar keinen Crash hatten, es wurden einfach nur die Gewinne von Montag bis Donnerstag mit einem Schlag wieder abgebaut, weil diese auf einer falschen Annahme (dem "Remain") fussten.

Summa Summarum, war das Marktverhalten am Freitag aber recht kontrolliert, sehr volatil zwar, aber ohne echte Panik. Auch die Finanzsysteme haben Stand gehalten und Banken, die trotz dieses lange planbaren Events ihre EDV trotzdem nicht im Griff hatten, sollte man konsequenterweise mit Abzug von Kapital strafen. Denn Schönwetterbanken braucht niemand.

Womit sich nun die Frage für Anleger stellt, wie es nun weiter geht.

Denn entscheidenden Punkt dafür, hatte ich schon vor einer guten Woche unter Punkt (5) des Artikels -> Brexit für Dummies < - geschrieben:

Fünftens, ob der "Brexit" oder das "Remain", dann Europa schwächen oder stärken wird, ob es Grossbritannien zu einem abgehängten, irrelevanten Wurmfortsatz Europas, oder gerade erst zu einem höchst erfolgreichen Wirtschaftsstandort macht, diese Zukunft ist noch nicht geschrieben und hängt weniger von der Entscheidung selber, als davon ab, wie die Details danach gestaltet und verhandelt werden.

Der schlichte Narrativ, der nun vom "Remain"-Lager in Europa verbreitet wird, ist ja, dass die Briten nun das grössere Problem als die EU haben und sich "störrische, ungebildete Alte" in England, sozusagen selber in den Fuss geschossen haben.

Für bestimmte Denkschulen, ist die Welt ja immer simpel. Wenn man nicht ihrer Meinung ist, ist man wahlweise rechtsextrem, ungebildet, in der Vergangenheit lebend, fremdenfeindlich oder einfach nur blöd. Es lebt sich einfach gut, wenn die Welt so fein in Gut und Böse geteilt ist und man so immer nur bei den "Guten" ist.

Unsere Geldanlagen, sollten wir aber auf keinen Fall nach so einem dürftigen Narrativ richten, oder haben Sie den Eindruck, dass die Leute die dabei am Lautesten rufen, besonders erfolgreich an der Börse sind? 😉

Wahr ist, was ich oben schon geschrieben habe: Diese Zukunft ist noch nicht geschrieben und hängt weniger vom Brexit selber, als davon ab, wie die Details danach gestaltet und verhandelt werden.

Und dabei beschleicht mich ein Verdacht. Der Verdacht, dass die EU nun das viel grössere Problem hat.

Denn das grösste Problem der Märkte ist nun Unsicherheit. Wo wird denn nun die Unsicherheit grösser sein?

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Der Euro, der Dollar und die neuen “Masters of the Universe”



Die wahren "Masters of the Universe", an deren Wort die Märkte hängen, sind seit der Finanzkrise nicht mehr die Bankenchefs wie James Dimon (JP Morgan) oder Lloyd Blankfein (Goldman Sachs). Das ist Geschichte.

Nein, nach meinem Eindruck, hat sich ein kleiner Kreis von Technokraten, in Form der Notenbanker der grossen Währungen, als die neuen "Masters of the Universe" aufgeschwungen - oder man könnte auch etwas überspitzt sagen "selbstermächtigt".

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Der Notenbank-Dezember: “It´s the currencies stupid!”

Der letzte Monat des Jahres 2015 ist angebrochen, alle rechnen fest mit der Jahresendrally, in der wir uns eigentlich schon mitten drin befinden. Und alle fragen sich, wie 2016 wohl werden wird?

Denn viele Bewegungen an den Märkten scheinen überdehnt und sind reif für eine markante Wende. Je nach dem wie man rechnet, dauert dieser Bullenmarkt nun schon seit 2009 bzw 2011, also zwischen 5 und 7 Jahren. Und der Bärenmarkt bei Rohstoffen und den Emerging Markets, geht nun ins fünfte Jahr.

Natürlich sind die Notenbanken mit ihrem historisch einmaligen Experiment der grossen Geldschwemme, wesentliche (wenn auch nicht alleinige) Treiber bei diesem Spiel und wir wissen alle nicht, ob das gut ausgehen wird.

Die Notenbanker wissen es aber selber nicht, auch wenn sie natürlich den Anschein der Allmacht unbedingt aufrecht erhalten müssen, sonst würde mehr zusammen brechen, als ein paar Egos. Denn würden sie die Zusammenhänge und Mechanismen wirklich verstehen, mit denen die Märkte auf ihre "kreativen" Massnahmen in der Realität reagieren, wäre die Politik der Notenbanken ja schon längst erfolgreich gewesen.

Ist ist aber nicht, die Notenbanken konnten bisher weder die Konjunktur ernsthaft anschieben, noch ihre Inflationsziele auch nur ansatzweise erreichen. Und ob die US Wirtschaft nicht auch alleine aus dem Loch gekommen wäre - und das dann mit mehr Dynamik als aktuell - wenn sich die FED die ganzen QE Programme nach dem Auslaufen der unmittelbaren 2008er Krise gespart hätte, werden wir nie heraus finden, weil wir kein Paralleluniversum zur Verfügung haben.

Insofern sind aber auch die Selbstbeweihräucherungen eines Ben Bernankes, dass die Politik der FED die Weltwirtschaft gerettet habe, mit äusserster Vorsicht zu geniessen. Ebenso wie die Selbstvergewisserungen Mario Draghis, dass seine Politik zwangsläufig zum Wohle Europas sei.

Solche Selbstgewissheiten beruhen auf einem interventionistischem Weltmodell der Planbarkeit von Wirtschaftszyklen, das keineswegs der heilige Gral der Ökonomie ist, den es sowieso nicht gibt. Richtig war es, in der 2008 Krise mit der Geldpolitik dagegen zu halten, um diese abzufedern. Darüber gibt es keinen Dissens. Und auch, dass man mitten in der Eurokrise den Staaten erst einmal ein wenig Zeit kaufte, hatte Logik.

Aber ob diese immer gleiche Medizin auch in 2015 und 2016 noch Sinn hat? Das ist stark in Frage zu ziehen. Nach Jahren und Jahren der immer gleichen Arzneigabe ohne durchgreifende Besserung, wäre es für gute Ärzte ja eigentlich mal Zeit, die Wirksamkeit der Therapie zu hinterfragen. Diese Frage wollen sich die Notenbanker der Gegenwart aber wohl nicht stellen, lieber macht man weiter mit dem, was schon bisher kaum funktioniert hat.

Aber wie auch immer, auch wenn die Notenbanken die Ursache vieler Bewegungen sind und auch am grossen Bullenmarkt seit 2009 bzw 2011 ihren Anteil haben, brauchen sie einen Transmissionsriemen, um ihre Politik in der realen Wirtschaft ankommen zu lassen. Das Kreditgeschäft ist so ein Transmissionsriemen, der wahrscheinlich Bedeutendste für die Märkte, sind aber die Währungen.

Die Währungsbewegungen sind es, die auch in 2015 ganz massgeblich für Erfolg oder Misserfolg der Geldanlage entscheidend waren und es weiter sein werden. Erinnern wir uns nur an das erste Quartal mit der grossen Rally im DAX, die in Euro grandios aussah, aus Sicht eines US Anlegers aber weit weniger beeindruckend war, weil ein grosser Teil schlicht dem Wechsel des Euros zur Weichwährung geschuldet war.

Wenn man so will, waren also viele Gewinne die DAX Anleger in dieser Zeit auch "Scheingewinne", weil das Depot zwar nominal höher stand, der Wert des Depots im Vergleich zu einem weltweiten Währungskorb aber keineswegs so gestiegen ist. Und in einer globalisierten Welt, ist es halt eine Illusion, nur auf die eigene Währung zu schauen, denn wenn man Waren oder Leistungen aus anderen Währungsräumen bezieht, zahlt man den bitteren Preis der Abwertung.

So möchte ich in Abwandlung von Bill Clintons berühmtem "It's the economy, stupid", allen die das nicht sehen wollen nun zurufen: "It´s the currencies stupid!"

Was hier los ist, zeigt uns wunderbar das langfristige Chart des Währungspaares Euro und Dollar:

Dollar 01.12.15

Wir sehen den massiven Absturz des Euros von 2014 bis zum Ende des 1. Quartals 2015, der seit dem von einer Seitwärtskonsolidierung abgelöst wurde. Wenn Sie im Euroraum das Gefühl hatten, dass viele Waren von US Unternehmen teurer wurden, hier ist der Grund zu sehen.

Nun gibt es zwei typische Varianten. In der Einen, wird das ein Doppelboden und der Euro steigt von hier wieder zum Dollar.

In der Anderen, war das nur eine Zwischenkonsolidierung und eine zweite Abwärtsspirale setzt sich in Gang, die typischerweise von Art und Umfang her, der ersten Phase in 2014 ähnelt. Was bedeutet, dass in dem Fall EURUSD bei der Parität nicht halt machen würde, sondern durch fällt.

Welche der beiden Varianten nun zum Tragen kommt, werden die beiden Notenbank-Entscheidungen am 03.12. bei der EZB und am 16.12. bei der FED letztlich präjudizieren. Diese Bewegung von EURUSD aber richtig zu treffen, dürfte *die* entscheidende Frage sein, die über Wohl und Wehe der Depots in 2016 entscheiden wird.

Denn wenn EURUSD weiter durch die Parität durch fällt, werden die US Börsen zunehmend unter Druck geraten und in Europa dagegen zunächst eine fröhliche Rally ablaufen, zumindest nominal in Euro gerechnet. Und das Elend der Rohstoffe und der Edelmetalle, ist dann lange, lange noch nicht am Ende. Auch eine massive Krise in den Emerging Markets dürfte dann aufziehen, da diese unter einem starken Dollar leiden und einen erneuten massiven Anstieg des Dollars wohl nicht verkraften können.

Wenn EURUSD hier aber zum Doppelboden ansetzt, könnte 2016 zum grossen Jahr der Rohstoffe und Edelmetalle werden, die Emerging Markets werden dann ein Comeback erleben und die US Börsen neue Höhen erklimmen. Die ohnehin anämische Konjunktur in Europa wird aber nicht ans Laufen kommen und die Lebenslügen der Eurozone noch stärker an die Oberfläche treten, was den DAX sehr nach oben begrenzen dürfte.

Das Interessante an der aktuellen Ausgangslage ist, dass der Markt derzeit eine glasklare Erwartung hat, die bisher die Tendenz von EURUSD nach unten unterstützt hat.

Der Markt erwartet einen massiven neuen Stimulus der EZB übermorgen am Donnerstag. Die EZB hat sich dafür kommunikativ zu deutlich aus dem Fenster gelehnt, um nun nichts zu machen.

Und der Markt erwartet nun eine Zinserhöhung der FED Mitte Dezember, ist sich nur noch nicht schlüssig, ob das nun der Beginn eines längeren Erhöhungs-Zyklus oder nur eine einmalige Aktion sein wird.

Beide Erwartungen drücken bisher EURUSD weiter nach unten, weswegen der nun die Tiefs von Anfang 2015 erneut testet. Das taktische Problem ist aber, diese Erwartungen sind wohl schon weitgehend eingepreist und können für sich keine weitere Abwärtsbewegung mehr stützen.

Wenn die EZB die aufgeblasenen Erwartungen also leicht enttäuscht und die FED klar zu verstehen geben sollte, dass auf eine einmalige Erhöhung, erst mal keine weiteren folgen werden, fällt die Logik der aktuellen Bewegung bei EURUSD in sich zusammen und der Doppelboden kommt schnell auf die Agenda.

Das ist die grosse Frage der kommenden Wochen vor Weihnachten. Wer diese Frage nicht richtig trifft, wird ein deutliches Problem im Depot haben.

Man muss sich wirklich fragen, was die Notenbanken reitet, so eine entscheidende Wegscheide direkt in die Vorweihnachtszeit zu legen und damit die Märkte gerade zur massiven Gezeitenwende in 2016 hinein einzuladen. Aber wie auch immer, die Frage der Währungen ist die grosse Frage, der wir uns im Notenbank-Dezember stellen müssen.

Im Premium Bereich haben wir dieses Szenario schon lange auf dem Radar, konnten damit die "Buy the Rumor" Rally in die EZB hinein seit Anfang Oktober mitnehmen und sind uns im Klaren, was eine bestimmte Entwicklung für die Rohstoff- und Edelmetallmärkte bedeuten würde. Auch einzelne Gelegenheiten legen wir uns dazu schon zurecht.

Bei den fraglichen Terminen, werden wir dann eng dran sein, um sofort die richtigen Schlüsse zu ziehen. Wenn Sie das auch wollen und frühzeitig mitbekommen wollen, wie sich diese Sache entwickelt, stossen Sie doch zu uns dazu!

Ihr Hari

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Was uns “All Inclusive” über den Wert des Euros sagt

Hier ein weiterer, persönlicher und sehr treffender Beitrag unseres -> Kolumnisten <- "StockPix" aus den "PixedEmotions".

Ein Beitrag zum Schmunzeln ebenso, wie zum Nachdenken!

Viel Spass beim Lesen:

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Der Wert des Euros lässt sich zur Zeit gut am Publikum einer Ferienanlage auf Mallorca ausmachen.

Seit meiner Zeit als Student habe ich mal wieder eine Pauschalreise gebucht. Der Grund sind meine beschäftigungsintensiven Kinder, die uns in den vergangenen Jahren dermaßen gefordert haben, dass nicht mal ansatzweise an Erholung zu denken war. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, haben wir auch das Kästchen "all inclusive" bei der Buchung angekreuzt. Die Hauptzielgruppe -ich dachte dabei an Familien mit Kindern- dieser Kategorie haben wir billigend in Kauf genommen. Wenn schon, dann richtig!

Ich will vorwegnehmen: Grundsätzlich fühle ich mich in der Umgebung der "einfacheren" Leute ganz wohl. Als Bauingenieur ist man da eh hart im nehmen. Problematisch wird es, wenn ich mich verängstigt zum Buffet schleichen muss, um nicht nur von der Tattoo-Dichte einzelner Gäste erschlagen zu werden. Der ein oder andere Brite erschien mir dahingehend recht resolut 😉

Worauf ich hinaus will: Es war zu beobachten, dass die deutschen Teilnehmer vornehmlich der gebildeten Mittelschicht (Akademiker, Beamte, Freiberufler etc.) zuzuordnen sind. So gar nicht passend zu den, vornehm ausgedrückt, recht einfach gestrickten britischen Gästen, deren schweres Pfund (ich meine die Währung) die Veranstaltung zu einer Abart der norddeutschen Butterfahrt reduziert.

Es passt letztendlich nicht zusammen, was da aufeinander prallt. Der Billigurlaub der einen, ist die hart ersparte Ferienreise der anderen. Dabei kann sich das britische Proletariat in diesem unfairen Wettkampf als Sieger betrachten. Der deutsche Bildungsbürger schaut bedröppelt aus der Wäsche.

Vermutlich fühlte sich zu früheren Zeiten manch Spanier mit seiner Peseta in der Tasche genau so, wenn der deutsche Pauschaltourist mit der Deutschen Mark die ganze Bar aufkaufte.
Da blieb nur die Flucht in eine harte Währung, deren Suche ja nun mittlerweile, da sich die Notenbanken im Weichspülgang befinden, nahezu aussichtslos erscheint. Die starke Volatilität am Devisenmarkt wird wohl auch die aktuellen Währungsverhältnisse nicht auf ewig bestehen lassen. Gönnen wir den Briten also ihren derzeitigen Billigurlaub.

Aber ich will mich insgesamt gar nicht beschweren, denn die Kinder sind gesund geblieben, kamen voll auf ihre Kosten und gaben uns die Ruhe zur Erholung, die wir ganz dringend benötigten. Die Börsen liefen in die von mir favorisierte Richtung -den Hedge hatte ich rechtzeitig geschlossen- und der Sachverhalt des schwachen Euros rückte in den Hintergrund, denn bezahlen brauchten wir ja eh nichts mehr. All inclusive sei dank! 😉

Dennoch: Verstärkt hat sich bei mir der Gedanke, dass die Diversifizierung des Vermögens auf verschiedene Währungsräume unverzichtbar geworden ist. Sei es in Form von Aktien, Fonds oder Geldreserven. Edelmetalle stellen in realer Form auch einen ganz eigenen Währungsraum dar, den man nicht vernachlässigen sollte. Von Immobilien halte ich berufsbedingt eher weniger.

Inwiefern real grenzüberschreitende Maßnahmen sinnvoll sind, muss jeder für sich entscheiden, denn wichtig ist auch, dass man schnellen Zugriff hat. Die Steuerehrlichkeit nicht zu vergessen!

Ich mach noch eine Woche frei und begebe mich dann für ein paar Tage beruflich in die Schweiz. Die harten Währungen scheinen mich in diesem Monat zu verfolgen. Ein Zeichen?

Let’s Pix it!

Ihr StockPix

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Alte, wertvolle Schätze – tief vergraben

Wenn in so einem Blog über Jahre intensiv geschrieben wird, sammeln sich wahrlich Berge an Content an.

Nur um mal ein paar Zahlen zu nenen:

Seit ich Anfang 2012 ernsthaft begonnen habe, hier regelmässig zu schreiben, sind mit heutigem Stand 1.038 Artikel im freien Bereich veröffentlich worden.

Im Forum habe ich seitdem selber 4.800 Posts geschrieben und in Summe wurden von allen Mitgliedern bisher 22.500 Posts verfasst!

Und seit im April 2013 der Premium Bereich gestartet wurde, kommen da grob geschätzt pro Jahr ca. 2.000 Artikel alleine in Hari Live dazu, die Artikel der Kolumnisten gar nicht mitgerechnet!

Wahrlich eine Menge Content!

Das hat aber auch einen Nachteil, es wird für jemanden, der zum ersten Mal beim Blog vorbei kommt, immer schwerer, in der Menge des Contents die "alten Schätze" zu finden, die zeitlos sind und immer wieder lesenswert.

Denn mit diesem Blog verfolge ich ja auch eine Absicht, die man bei Börsenthemen im deutschsprachigen Raum nur sehr selten finden kann: ich will auch grundlegende Zusammenhänge erklären und wie im -> Über mich <- erklärt, "will ich Ihnen zeigen, wie der Markt wirklich funktioniert und wie Sie ihn schlagen können" und damit "zu einer Verbesserung der Börsenkultur in Deutschland beitragen".

Schnelle "Tips" finden sich viele im deutschsprachigen Web, grundlegende Erklärungen und Hintergrundartikel zur Börse aber eher selten. Die sind ja auch viel aufwendiger zu schreiben und erfordern grundlegendes Wissen, denn man kann nur erklären, was man auch selber verstanden hat.

Weil das so ist und weil es sehr schade ist, wenn "alte Schätze" nicht mehr entdeckt werden, will ich Ihnen hier 10 "alte Schätze" in Erinnerung rufen.

Artikel die zeitlos sind, weil von grundsätzlicher Natur. Artikel die es wert sind, von jedem gelesen zu werden, der sich ernsthaft mit den Märkten befassen will. Und Artikel die lang sind, weil die Wirklichkeit halt komplex ist und sich nicht auf drei Halbsätze reduzieren lässt.

Und hier nun 10 alte, aber immer noch hoch aktuelle Schätze, die es unbedingt wert sind, nicht in Vergessenheit zu geraten:

Das ist wirklich in meinen Augen die wichtigste, abstrakte Börsenerkennis. Und die erschliesst sich uns in ihrer Tiefe nicht durch schnelles Überlesen, über die Konsequenzen muss man vielmehr intensiv nachdenken:
-> Reflexivität - die wichtigste, abstrakte Börsenerkenntnis überhaupt <-

Investoren sind perse seriös und Trader sind immer "böse Zocker?" Was ein Blödsinn. Hier steht ausführlich warum:
-> Die Legende von der bösen Spekulation <-

Nein, Dividenden sind nicht die "Königsklasse der Geldanlage", sondern eher die "Durchschnittsklasse". Wenn Sie verstehen wollen, was Dividenden wirklich sind, hier steht es:
-> Die Dividende, überschätzt, overhyped und trotzdem wichtig <-

Echtes Value-Investing funktioniert, nur nicht für normale Anleger mit normalem Zeitaufwand. Wenn Sie bereit sind vermeintliche Wahrheiten in Frage zu stellen, sollten Sie hier mit offenem Geist lesen:
-> Gedanken zum langfristigen Vermögensaufbau und zum Zerrbild des Value-Investing <-

Haben Sie wirklich verstanden, was ein echter Leerverkauf ist, wie er funktioniert und was ihn von einem "nackten" Leerverkauf grundlegend unterscheidet? Hier ist die Antwort:
-> Grundlage des Shortens - Wat is en Dampfmaschin? <-

Die eigene Einstellung und Psychologie, ist beim Handel an den Märkten der alles entscheidende Erfolgsfaktor. Wenn Anleger und Trader scheitern, scheitern sie meistens nicht am Markt, sondern an sich selbst, auch wenn man diese Wahrheit dann nicht gerne hört. Hier steht, welche Einstellung es braucht:
-> Der Weg des Traders - vom Markt, dem Surfer und dem Meer <-

Sie haben den Anstieg von Tesla Motors und anderer starker Aktien verpasst und dafür an "alten Gurken" festgehalten? Hier erkläre ich im Herbst 2013, warum Sie damit nicht alleine sind und woran das liegt:
-> Vom Affenhirn am Beispiel Tesla Motors - Wie die Angst unsere Chancen auffrisst <-

Sie wollen wissen, was nötig ist, um als Fulltime-Trader alleine davon leben zu können? Meinen persönlichen Teil der Antwort, können Sie in diesem über drei Jahre alten Artikel im Mittelteil lesen:
-> Der Trader, das unbekannte Wesen <-

Aber auch finanzpolitische Themen finden sich, so vor 3 Jahren das Thema, wie die Börsen den Hochfrequenzhandel pflegen und daran verdienen. Hat sich daran etwas geändert? Nein, natürlich nicht. Statt dessen wurde mit viel Papier "reguliert", das Kernproblem wurde aber nicht angegangen:
Hochfrequenzhandel (HFT) - Deutsche Börse - Die Co-Location muss weg!

Aber auch die simple Wahrheit ist Thema, dass der Euro eine Fehlkonstruktion ist und so nicht funktionieren kann. Aber auch hier, wird von Seiten der Verantwortlichen lieber die Wirklichkeit ignoriert und Zeit erkauft, als die harten, aber notwendigen Schlüsse zu ziehen:
-> Der Euro und der Grexit - Der Kern des Problems <-

So weit 10 alte Schätze, tief vergraben in surveybuilder.info. Da ist aber noch viel mehr. Bemühen Sie mal die Suchfunktion. Oder blättern Sie mal die 130 Artikel der Kategorie -> Wissenswertes <- im freien Bereich durch.

Oder werden Sie Premium-Mitglied, mit ganz viel Aktualität, Hilfe zur Selbsthilfe und konkreten Ideen und Zusammenhängen. Die Artikel im freien Bereich sind nur die Oberfläche des Eisberges!

Ihr Hari

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Das grosse Warten auf die FED

Der Markt kaut an seinen Nägeln. Wird die FED heute um 20 Uhr die "grosse" Zinswende einläuten?

Selbst in den Massenmedien finden sich Artikel wie .

Übrigens ein Artikel, der bei allen medial typischen Verallgemeinerungen, inhaltlich gar nicht so schlecht ist. Es ist verdienstvoll, dass überhaupt solche Themen mal Online als Leitartikel positioniert werden. Im deutschen Land der "Börsenautisten", ist jede Vermittlung von Finanzwissen, schon ein grosses Lob wert.

Wir hier in der surveybuilder.info Community, haben uns auf diesen Tag natürlich intensiv vorbereitet und ich habe im Laufe der letzten Tage und Wochen bestimmt 10 Artikel zu verschiedenen Aspekten der Positionierung geschrieben. Denn ja, der Termin ist bedeutend, aber weniger wegen der reinen Zinsfrage. Dazu aber später mehr.

Und heute Abend werde ich in "Hari Live" ab 20 Uhr die Geschehnisse und Zuckungen der Börse "Live" begleiten, Janet Yellens Pressekonferenz verfolgen und ich werde wie immer an so wichtigen Wegscheiden, mehrere Posts einstellen. Der erste typischerweise schon Minuten nach 20 Uhr, wenn viele normale Medien noch auf die Reuters Meldung warten, damit etwas überspitzt gesagt, ein Praktikant die dann nach 20 Minuten mit "Cut and Paste" Online stellen kann. 😉

Mit Ihnen hier im freien Bereich, habe ich schon vor 8 Tagen im Artikel -> FED fixiert <- ein paar Gedanken zum Thema geteilt und ein mögliches Szenario entworfen, wie das ablaufen könnte. Die damals gezeigte Seitwärtsbewegung bis zur FED, ist auf jeden Fall eingetreten, allerdings weniger volatil als befürchtet, statt dessen mit latent positiver Tendenz nach oben.

Tiefer will ich hier im freien Bereich in konkrete Szenarien und Opportunitäten nicht gehen, heute will ich mit Ihnen hier aber noch ein paar grundsätzliche Punkte zur Vorbereitung teilen, die sie in dieser Form wahrscheinlich nicht überall lesen können:

(1)

Der Aktienmarkt hat sich in Form des S&P500 beständig an die obere Begrenzung der Range geschoben und hat gestern Abend sogar ganz "frech" mal versucht, oben heraus zu schauen.

S&P500 16.09.15

Der Markt erwartet also, dass sich die geldpolitischen "Tauben" durchsetzen und er keine bösen Überraschungen zu fürchten hat. Das ist sicher rational, birgt aber die Gefahr einer bösen Überraschung und damit sehr negativen Initialreaktion in sich, falls die FED trotzdem einen Zinsschritt vollziehen sollte.

(2)

Auf der mittelfristigen Zeitebene, ist das Sentiment der US Anleger aber überdurchschnittlich schlecht. Das kann man in unzähligen Indikatoren und Umfragen sehen, wir haben die alle im Premium-Bereich besprochen. Bezeichnend dafür ist auch die , also die konkrete Aufstellung der grossen Fonds-Manager. Ich kann nur empfehlen, sich diese ausgezeichnete Übersicht mal anzusehen.

Diese Daten sagen nichts darüber aus, wie der Markt kurzfristig auf die FED reagieren wird und stehen einem erneuten Absturz direkt nach der FED nicht im Weg. Mittelfristig zum Jahresende, deutet das aber auf Potential hin und ist eher bullisch zu werten.

(3)

Ein wichtiger Umstand, den alle die heute handeln wollen nicht übersehen dürfen, ist der Zeitverzug zwischen dem FOMC Statement um 20 Uhr MEZ und dem Beginn der Pressekonferenz mit Janet Yellen um 20.30 Uhr MEZ.

Wir können relativ sicher davon ausgehen, dass die FED so oder so eine abgewogene Position einnehmen wird.

Wenn also ein kleiner erster Zinsschritt vollzogen wird - was siehe (1) den Markt eher negativ überraschen dürfte - wird Janet Yellen mit hoher Wahrscheinlichkeit danach "weisse Salbe" darauf schmieren und den Schmerz eindämmen, in dem sie heraus stellt, dass auf diesen Schritt keine unmittelbare Kaskade von Folgeschritten kommt.

Umgedreht, wenn der Zinsschritt erneut verschoben wird, wird Yellen wohl präzisieren, wann er dann doch kommen wird.

In beiden Fällen sollten wir also davon ausgehen, dass eine starke Reaktion direkt um 20 Uhr, ab 20.30 Uhr zumindest teilweise wieder aufgehoben werden könnte. Rechnen wir also mit wilder Volatilität und Reversals und keiner simplen Linie in eine Richtung am heutigen Tag.

(4)

Das Geschehen wird schon alleine deshalb volatil sein, weil direkt danach am Freitag auch noch Options Expiration (der Hexensabbat) bevor steht. Wir müssen also davon ausgehen, dass der Markt seine endgültige Richtung und Einschätzung erst Anfang kommender Woche findet, wenn sich auch die grossen, langfristig agierenden institutionellen Anleger dann klar positioniert haben, nachdem dort die Investment-Komitees tagen konnten.

(5)

Auch wenn alle nun auf die Frage "Zinsschritt oder nicht" starren. Darum geht es eigentlich gar nicht. Denn 0,25% mehr oder weniger sind für sich eher unwichtig und wenn es dabei bleibt und nichts nachkommt, ist das immer noch ein extrem stimulierendes Zinsumfeld.

Worum es vor allem heute geht, ist Unsicherheit versus Sicherheit.

Es geht für den Markt um die Frage, ob das eine grosse Zins-Wende ist und uns nun eine Phase der beständigen Zinsschritte bevor steht. Das wäre für den Markt negativ.

Oder ob die FED vielleicht ratlos ist und unsicher wirkt und die Kontrolle über die Situation zu verlieren scheint, das wäre extrem negativ für den Markt.

Oder ob die FED nun einen "one and done" Minischritt macht und damit das Thema aber erst einmal beendet. Das wäre wohl sehr positiv für den Markt. Dann würde der Markt wohl gerade wegen der einmaligen Erhöhung in den Rallymodus wechseln.

Es geht also wie immer um die Erwartungen der Marktteilnehmer. Um die grossen Trends in die Zukunft hinein. Und um Unsicherheit versus Sicherheit. Ob der Leitzins für sich alleine 0,25% höher ist, ist eher nebensächlich.

Alles aber - auch ein kleiner Zinsschritt - das dem Markt Sicherheit vermittelt und beweist, dass das stimulierende geldpolitische Environment andauert - wird der Markt voraussichtlich mögen und wird ihn positiv reagieren lassen.

Alles aber, was den Eindruck einer echten Zinswende erzeugt oder dem Markt weitere Unsicherheit und Unklarheit vermittelt, wird voraussichtlich negativ sein. Selbst wenn kein Zinsschritt kommt. Wenn die FED ratlos und unsicher wirkt, wird es der Markt hassen.

Deshalb ist das im Artikel "FED fixiert" beschriebene Szenario gut denkbar, falls die FED einen kleinen Zinsschritt vollzieht. Erst wird der Markt dann mit einem Schrecken reagieren. Sollte Yellen dann aber in der Pressekonferenz jede Menge Taubenfutter und Zuckerbrot verteilen, kann das am Abend auch schnell drehen.

Vergessen wir aber nicht, das ist nur ein Szenario unter vielen. Behalten wir einfach die 5 Punkte oben im Hinterkopf, um das Geschehen einzuordnen.

Kurzfristig ist heute und morgen also eine Menge drin, von erneutem Test der Tiefs vom 24.08. bis zu einer Rally mit "Hurrah". Sicher ist eigentlich nur erhebliche Volatilität.

Mittelfristig ist die Anlage-Stimmung in den US aber so skeptisch und negativ geworden, dass ein positiver Jahresabschluss gar nicht so schlechte Chancen hat.

Topbildungen die jeder erwartet, haben es auch schwer, genau so einzutreffen. Meistens legen diese dann noch einmal eine Pirouette nach oben ein und erst dann, wenn es keiner mehr erwartet, dreht der Markt doch nach unten.

Im S&P500 entspräche das als Szenario der Bildung einer Art "rechter Schulter" wie folgt:

S&P500 16.09.15 2

Und man muss sich ja auch mal fragen, wer ernsthaft damit rechnet, dass die FED nun eine Zinserhöhung nach der anderen durchzieht. Das halte ich für völlig irreal, dafür ist Yellen viel zu vorsichtig. Selbst wenn ein Zinsschritt kommt, wird er also heute wohl klein und vorsichtig kommuniziert werden.

Soviel von mir an dieser Stelle.

Und nun machen Sie was daraus zum Vorteil Ihres Depots! Wenn Sie es genau wissen wollen, konkrete Unterstützung suchen und vor allem nach der FED die diversen daraus resultierenden Konsequenzen und Chancen kennen wollen, stossen Sie doch einfach zu uns in der surveybuilder.info Community dazu. Ansonsten wünsche ich Ihnen einfach ein gutes Händchen!

Ihr Hari

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EZB Nebeneffekt: Der Euro als Carry Trade Währung

Dass nach einem Panik-Tief wie am Montag, erst einmal wilde Swings auftreten, die dann auch länger andauern, bis sich der Markt beruhigen kann, ist ebenso völlig normal, wie die schwappenden Wellen, die von einem grossen Stein ausgelöst werden, der in einen vorher stillen Teich geworfen wird.

Trotzdem fielen in diesen wilden Swings, besonders die wilden Zuckungen des Euros, insbesondere im EURUSD Verhältnis auf. Anleger mit Euro-Depots, haben das schmerzhaft gemerkt, denn ebenso wie der fallende Euro im ersten Quartal auf dem Papier schnelle Gewinne ermöglichte, verstärkte der steigende Euro im Absturz die Minuszeichen, wenn man US Werte im Depot hatte.

Die klassische Erklärung, die nun wieder von den meisten Kommentatoren reflexartig aus der Westentasche gezogen wird, ist der Hinweis, dass die Euro Stärke das Ergebnis geänderter Zinserwartungen in den USA sei. Auf gut Deutsch, der Markt schreibt die erste Zinserhöhung der FED zunehmend ab und das schwächt den Dollar und stärkt relativ den Euro.

Diese Erklärung ist auch sicher nicht völlig falsch, denn natürlich wirken Zinserwartungen auf die Währungen, zumal ja FED Mitglied Dudley gestern schon selber Zweifel an der ersten Zinserhöhung gesäht hat. Für das Geschehen der letzten Tage, springt diese Standarderklärung aber viel zu kurz.

Denn wenn man nach Ursachen sucht, sollte man die inverse Beziehung zwischen EURUSD und den Indizes, insbesondere dem Leitindex S&P500, auch mal ernsthaft anschauen. Und dann fällt einem auf, was ich im Handel der letzten Tage massiv bemerkt habe:

Fast auf den Punkt genau, gibt es eine nahezu perfekte, inverse Beziehung zwischen S&P500 und EURUSD.

Ich habe diese hier mit Stundenkerzen über die letzten Tage dokumentiert und das Ergebnis ist sehr beeindruckend. Fast perfekt ergeben sich die inversen Wendepunkte und zwar mehrfach im Tagesverlauf:

ES 26.08.15

So eine inverse Parallelität aber, lässt sich mit einer sich generell ändernden Zinserwartung überhaupt nicht erklären, das ist dann als Analyse schlicht viel zu kurz gesprungen.

Für so eine inverse Beziehung gibt es für mich nur eine logische Erklärung: es muss einen direkten Zusammenhang im Handel des grossen Geldes geben. Sprich wir sehen hier nur zwei Seiten der selben Medaille.

Und wenn man das begriffen hat, ist auch schnell klar und völlig logisch, was hier wirklich los sein muss:

Der Euro ist zur massiven Carry Trade Währung für grosse US Investoren geworden.

Ich hatte das schon länger vermutet, aber so wie das hier in den letzten Tagen ausgesehen hat, ist das Ausmass noch weit grösser, als ich mir habe vorstellen können.

Für die Leser, die nicht wissen was ein "Carry Trade" ist: Es bedeutet, dass massive Zinsunterschiede ausgenutzt werden, um Geld in der niedriger verzinsten Währung auf Kredit zu leihen und in der höher verzinsten Währung dann in attraktiveren Anlagen (also auf Kredit) anzulegen und die Zinsdifferenz einzustreichen.

Nun ist es aber so, dass "Dank" unserer Notenbank EZB mit der "Nullzinspolitik", die Zinsen vergleichbarer Anleihen (zb BUNDs vs US T-Bonds) in Europa bei fast Null liegen und damit 1-2% unter den Renditen vergleichbarer US Papiere.

Heisst konkret, die grossen Adressen der Finanzwelt - das US "Big Money" also - verschuldet sich zu fast Nullzinsen in Europa in Euro und kauft damit - gehebelt, weil fremdfinanziert - zum Beispiel US Anleihen und Aktien, die eine höhere Rendite versprechen. Und das lässt dann auch die US Indizes so lange so weit nach oben schieben. Nur wehe, wenn dieser Trade aufgelöst werden muss und das haben wir die letzten Tage hautnah erlebt.

Diese Transaktion, mit der US Anleger sich Euro leihen und dann in Dollar konvertieren um US Anleihen oder Aktien zu kaufen, schwächt logischerweise den Euro, denn der wird im Rahmen der Transaktion ja verkauft. Und stärkt den Dollar, der gekauft wird.

Und so haben wir über Monate erleben dürfen, wie der Euro ins Bodenlose fiel und der Dollar stieg. Dieser Anstieg schaffte dann den Emerging Markets massive Probleme und nun haben wir den Salat.

Umgedreht läuft es aber leider genau so, Märkte sind keine Einbahnstrasse.

Wenn US Investoren nun panisch US Aktien verkaufen wie am Montag, nehmen sie die Dollars, wandeln diese zurück in Euros und lösen damit ihre Kredite ab. Und das treibt EURUSD so massiv wie die letzten Tage in die entgegengesetzte Richtung des Marktes - nach oben.

Ich bin zu 99% sicher, dass dieser Mechnismus wesentlicher Teil der Währungs-Bewegungen ist, die wir sehen und die man oben eindrucksvoll im Chart erkennen kann. Nicht der einzige Faktor natürlich, aber definitiv ein ganz wesentlicher Teil.

Das ist für mich auch ein weiteres Beispiel dafür, welche Kollateralschäden diese gnadenlose Nullzinspolitik der Notenbanken und der EZB im Speziellen auslöst. Denn letztlich wird damit die Spekulation auf billigen Kredit gefördert und nicht die Stabilität des Finanzsystems.

Und wenn wie gestern bei Reuters Meldungen herum gehen, , können sich die "Carry-Trader" schon die Finger reiben. Die Zinsdifferenz bleibt oder wird erhöht, der Carry Trade kann wieder los gehen und was machen die US Märkte heute Abend? Sie steigen - Überraschung. 😉

Und wenn uns als Bürger und Gesellschaft, dann irgendwann die Folgen dieser Geldpolitik um die Ohren fliegen, war es dann natürlich der "Gottseibeiuns" aller links beseelten Ideologen gewesen, "der böse Kapitalismus" nämlich. Der muss dann exorziert werden, damit die Welt wieder "gut und rein" werden kann. 😯 Die geldpolitischen "Planwirtschaftler", die hier wesentlich ihre Finger im Spiel hatten und das mit angerichtet haben, waschen ihre Hände dann natürlich in Unschuld, die wollten ja nur "das Beste" und was will man schon gegen so viel Bemühen sagen? 😉

Für uns erfahrene Anleger heisst das übrigens auch, dass ein Long auf EURUSD wohl ein guter Hedge für den nächsten Einbruch ist. Er gleicht den Effekt der Euro-Stärke in Euro-Depots aus und schwingt gegenläufig synchron gegen weitere Einbrüche an den Märkten.

Ach ist das nicht schön, wie "stabil" das Finanzsystem nun dank all der angestrengten Bemühungen von Politik und Notenbanken wurde? Wir können wirklich stolz sein, wie "viel" wir aus 2008 gelernt haben. Wer hier Sarkasmus findet, kann ihn behalten. 😉

Ein weiteres, für uns wichtiges und unerfreuliches Thema ist übrigens, dass im Einbruch von Montag die ETFs gezeigt haben, dass sie durch ihre Dominanz nun zu einem systemischen Problem geworden sind. Das diskutieren wir aber intensiv in der Community, ich habe das Thema aber auch schon hier im freien Bereich angerissen: -> Momentum Factor ETFs - Ausdruck einer Fehlentwicklung? <-

Ihr Hari

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Der Crash kommt! Oder doch nicht? Und was ist eigentlich eine “Wall of Worry”?

Betrachten wir doch mal "fundamental" und "objektiv" die Welt- und Marktlage:

  • Die Krise in der Ukraine ist kein bisschen gelöst. Check!
  • Der IS ist kein bisschen besiegt. Check!
  • Im chinesischen Meer kann jederzeit ein offener Konflikt auftreten. Check!
  • Früher oder später werden Atomwaffen in den Händen von Selbstmordattentätern sein. Check!
  • Wenn man der Hydra des Terrorismus einen Kopf abschlägt, wachsen sofort drei Neue nach. Check!
  • Der Westen hat seinen inneren Kompass verloren und verliert sich und die Werte der Freiheit, in kulturellem Relativismus. Check!
  • Der Euro ist eine Fehlkonstruktion und wird zwangsläufig scheitern. Check!
  • Das Brüsseler Europa der Beliebigkeit und des Konsens um jeden Preis, hat sich überdehnt und scheitert gerade. Check!
  • Amerika hat sich als unfähig heraus gestellt, mit seiner Dominanz die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Check!
  • Deutschlands Wohlstand ist auf Sand gebaut, die Altersarmut weiter Bevölkerungsteile kommt. Check!
  • Die Notenbanken der Welt überheben sich gerade. Check!
  • Der "Race to the Bottom" der Währungen wird nicht gut ausgehen. Check!
  • Das Finanzsystem ist kein bisschen stabiler als 2008, die Beteiligten haben nichts oder zu wenig gelernt. Check!
  • Die aktuellen Verzerrungen der Preisfindung an den Märkten, basieren primär auf zu starken dirigistischen Eingriffen von Staaten und Notenbanken im Sinne "Planwirtschaft Light". Check!
  • Mit dem nächsten Finanzcrash, wird nicht nur von Radikalen das Gesellschaftssystem in Frage gestellt werden. Check!
  • Und an allem wird für die medialen Lautsprecher sowieso nur "der Kapitalismus" schuld sein - was immer das ist. Check! 😉
  • Die Märkte sind zu schnell zu weit gelaufen und für eine Korrektur überreif. Check!
  • Die Anleihenmärkte befinden sich in einer gigantischen, von den Notenbanken und Staaten aufgepumpten Blase. Check!
  • Die US Märkte sind voller negativer Divergenzen auf den unterschiedlichsten Ebenen. Check!
  • Ein langfristiges Top im S&P500 ist denkbar und nicht mal unwahrscheinlich. Check!
  • Wenn dieser Markt abwärts zu rollen beginnt, wird es sehr schnell, sehr übel werden, weil der Margin Call sich durch das System frisst. Check!
  • Die Dominanz der trendfolgenden Algorithmen, wird den nächsten Crash noch schneller, tiefer und brutaler machen, als alle vorher. Check!

Habe ich etwas vergessen? Bestimmt! Da fällt Ihnen doch mit Sicherheit noch ein wichtiger Punkt ein. Oder?

Ach ja, ich habe noch Einen mit einem Augenzwinkern: 😉

  • Gold ist neben einem Bunker, einem Colt und einem Rübenbeet, die einzige Rettung in der kommenden Katastrophe. Check? LOL!

Moment, ich habe noch Einen, dieses Mal Kategorie "Kalauer":

  • Auf steht immer nur die reine Wahrheit und es wird alles genau so kommen, wie da gesagt wird. Check? LOL!

So, das sollte genügen. Und da die Lage so erfrischend und erfreulich ist, wie sie ist, schauen wir nun auf den DAX im langfristigen Bild, der dieser traurigen Lage sicher Rechnung tragen wird, denn der Markt hat ja immer Recht:

DAX 05.08.15 Long

Uppps! Das sieht ja ziemlich bullisch aus! Ja spinnen die denn alle, die Römer? Ähhh die Börsianer?

Hari hier - mit einer Erklärung:

Nein, die spinnen nicht alle. Denn "die Börsianer", das sind nicht unbekannte "Idioten", sondern das sind Sie - ja Sie! - und ich und tausende andere, ziemlich kluge, vernunftbegabte und kompetente Marktteilnehmer. Und die wissen das alles, was ich oben geschrieben habe.

Die kennen die obige Liste ganz genau und können selber noch ein paar Punkte hinzu fügen, an die ich nun auf die Schnelle nicht gedacht habe. Und trotzdem haben diese Marktteilnehmer - wir - beim DAX genau diesen Kursverlauf erzeugt.

Was sagt uns das?

Das ist die alles entscheidende Frage, wenn man an der Börse Geld verdienen will. Denn am permanenten Crash-Gerede verdienen nur die, die ihnen dafür ihre Bücher oder Börsenbriefe verkaufen. Klar irgendwann werden auch die Crash-Propheten mal Recht haben, das liegt in der Natur der Sache. Nur wann, das ist die Frage, die über Gewinn oder Verlust entscheidet!

Wenn Sie die Antwort auf obige Frage nicht kennen, sollten Sie diese unbedingt kennen lernen. Denn genau so eine Liste der Sorgen, zeichnet eine "Wall of Worry" - eine "Mauer der Sorgen" oder auch "Wand der Angst" aus.

Und wissen Sie auch, was Märkte gewöhnlich an so einer Wall of Worry machen? Sie steigen. 😉

Und wissen Sie auch, wann sie nicht mehr steigen können? Wenn es diese Ängste nicht mehr gibt und alle Zeichen auf Grün stehen.

Ich wollte das nur mal gesagt haben, Parallelitäten zur Aktualität sind natürlich rein zufällig. 😉

Und keine Frage, auch ich mache mir diese Sorgen, siehe auch -> Mr. Gnadenlos und das wahre Risiko <-, oder endlose Artikel zum Desaster des fehl konstruierten Euros. Es ist ja nicht so, dass ich die meisten Punkte oben nicht auch genau so sehen würde.

Aber wir sollten eben nicht den "Crash" schon handeln wollen, wenn in der Price-Action noch keiner zu sehen ist. Und nicht in die Honigfallen derer gehen, die mit der Angst vor dem Crash ihr Geld verdienen. Denn was wir derzeit in den Indizes sehen, ist bestenfalls eine Seitwärtskonsolidierung mit offenem Ausgang. Was daraus wird, ist noch offen.

Ja, das kann durchaus ein bedeutendes Top werden, was wir da gerade im S&P500 sehen. Muss es das? Nein, es ist nur eine Möglichkeit. Eine Möglichkeit, gegen die man sich absichert, auf die man aber nicht blind wettet.

Wir sollten immer für alle Möglichkeiten offen sein. Und wir sollten erst handeln, wenn es etwas zu handeln gibt. Denn als kluge Marktteilnehmer handeln wir, was wir tatsächlich sehen und nicht, was wir zu sehen erhoffen oder befürchten.

Und wissen Sie was? Ich könnte eine ebenso lange und eindrucksvolle Liste zu den Dingen machen, die in der Welt besser geworden sind und zur Hoffnung Anlass geben. Den Unterschied macht die Perspektive - und die Erwartung.

Und um Ihnen endgültig den "Gnadenschuss" zu geben: Seien Sie mal ehrlich, hat diese Liste von oben, vor vier Jahren im Jahr 2011 so viel anders ausgesehen? Da war der DAX kurz unter 5.000, wie sie dem Chart oben leicht entnehmen. 😉

Was sagt uns das nun?

Ihr Hari

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