Black Friday, ein Tag der wenig zählt – 23.11.12

Am heutigen Black Friday und halben Handelstag der Wallstreet, möchte ich Sie nur darauf aufmerksam machen, dem Tag bei aller positiven Marktstärke nicht zu viel Bedeutung beizumessen. Das ist halt so mit halben Handelstagen und geringem Volumen.

Ja, wir hatten überraschend positive PMI Daten aus China. Ja, wir haben in China eine neue Führung, auf die typischerweise mit Infrastruktur-Investitionen gewartet wird, die jetzt wieder los gehen sollten. Ja wir hatten einen überraschend, positiven IFO in Deutschland und ja, die Eurokrise verliert an den Märkten ihren Schrecken, wie man unschwer am Schulterzucken der Märkte über die Brüsseler Verwirrungen zum Haushalt oder Griechenland bemerkt.

Und ja, die Jahresendrally steht an, Liquidität ist genügend im Markt und rational betrachtet, führt an Aktien kein Weg vorbei - oder wollen Sie wirklich noch Bonds mit garantierter Geldentwertung kaufen, die die in den Staaten inhärenten Risiken in keiner Weise mehr einpreisen ?

Mehr als genug Argumente für steigende Kurse also und auch ich sehe das alles und bin grundlegend optimistisch, was die Aktienmärkte angeht.

Aber trotzdem sollte man dem heutigen halben Handelstag nach meiner Erfahrung nicht zu viel Bedeutung beimessen. Ob wir nun im S&P500 bei 1390 oder 1398 schliessen hat keine Bedeutung und präjudiziert nicht, was am Montag passiert. Und erst Anfang kommender Woche sitzt Big Money wirklich wieder vollzählig vor den Handelssystemen und die Politik beginnt die ernsthaften Gespäche zum Fiscal Cliff. Egal wie wir heute schliessen, es ist keineswegs ausgeschlossen, dass wir am Montag unter 1390 eröffnen und dann konsequent weiter fallen. Und in einer grausamen und deprimierenden Woche dann doch noch in 5 Tagen herab bis in die Zielzone der Schulter-Kopf-Schulter Formation bei 1300-1320 laufen.

All die positiven Argumente ganz oben stehen nämlich in keinem Widerspruch dazu, dass die bärischen technischen Ziele vorher noch abgearbeitet werden. Und wenn der Markt jetzt wieder wegkippt, nachdem die Bullen erste Witterung aufgenommen haben, würde das perfekt alle schwachen Hände auswaschen und den Boden für die echte Jahresendrally legen. Eine Volte, zu der Mr. Market hervorragend befähigt ist und die er geradezu liebt.

Und wenn Sie jetzt denken, ich prognostiziere das - nein, ich prognostiziere gar nichts. Wahrscheinlicher finde ich sogar, dass die Jahresendrally schon begonnen hat und läuft. Und das die Kurse nun nicht mehr zurück schauen werden. Deshalb bin ich ja auch aktuell Long im Markt. Ich sage nur, dass ich keinen Grund sehe, mich über das Wochenende zu stark zu exponieren, weil ich nicht glaube, dass man zwischen heute Abend und Montag viel verpasst.

Denn bisher haben die Bullen objektiv den technischen Schaden nicht beheben können, das könnte nur eine starke dynamische Bewegung zur alten rechten Schulter bei 1434 und darüber hinaus. Und deshalb wird mich der heutige Tag auch nur dann positiv beeindrucken, wenn wir nun in einem positiven Trendtag über 1400 im S&P500 steigen und nicht mehr zurück schauen. Was aber zwischen 1390 und 1399 im S&P500 passiert, ist eher nebensächlich. Also nochmal, nur ein starker, positiver Trendtag heute bis 19:00 Uhr beinhaltet für mich eine positive Aussage in Richtung kommender Woche und darüber hinaus.

Insofern macht es für mich Sinn, heute den steigenden Kursen zu folgen und so viel von der Stärke mitzunehmen wir möglich. Mich übermässig über das Wochenende exponieren, werde ich aber nicht. Vielmehr werde ich mich durch mitlaufende enge Trailing Stops heute im späteren Handel bewusst nahe der heutigen Höchstände ausstoppen lassen. Montag ist auch noch ein Tag um dann wieder einzusteigen, wenn dann nötig.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gutes Händchen.

Ihr Hari

Nachtrag 19:00 Uhr

Schlusskurs 1409 im S&P500 ! Und ein starker Trend-Tag, der nur eine Richtung kannte. Das beeindruckt mich jetzt schon und ist Zeichen der Stärke der Bullen. Chapeau ! Eine weitere Bewegung bis oberhalb 1430 ist nun gut wahrscheinlich geworden. Trotz alle dem warne ich davor, den heutigen Tag überzubewerten. Die Wahrheit kommt nächste Woche. Wenn diese Rally dann aber weitergeht, dann spricht viel für positives Fahrwasser bis Jahresende. Ich bin bis kurz vor Schluss den Tages-Trend mitgelaufen und dann auf die Seite getreten. Am Montag werde ich im Laufe des Tages entscheiden ob ich wieder Long einsteige.

Ich wünsche ein schönes Wochenende !

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Marktupdate US Arbeitsmarktdaten – 06.04.12 – Red Alert !

Mr. Market arbeitet auch am Karfreitag und deshalb am heutigen Feiertag ein kurzes Update zu den US Arbeitsmarktdaten, weil das nun für die kommenden Wochen und Monate ein ganz entscheidender Moment ist.

Die Arbeitsmarktdaten fielen heute mit nur 120k neu geschaffenen Stellen deutlich schlechter aus als erwartet (200) und waren auch deutlich schlechter als in den Vormonaten !

Der Konsens der sich aktuell auf der "Street" bildet ist, dass die sehr guten Daten der Vormonate aufgrund des warmen Winters einen Vorzieheffekt hatten und es um die Beschäftigung und Konjunktur in den US lange nicht so gut steht, wie zuletzt angenommen.

Im S&P 500 Future Handel fiel der Index heute um ca. 1,5%, erreichte im Tief 1376 und schloss bei 1380. Überträgt man das auf den DAX hätten wir wohl heute schon die 6600-6650 gesehen, falls die Börsen heute auf gewesen wären.

So schauen wir nun mit grosser Spannung auf die asiatischen und amerikanischen Börsen am Ostermontag. Denn nun stehen wir eindeutig am Scheideweg. Wir dürfen im S&P 500 auf keinen Fall die 1390 verlieren, sonst öffnen wir die Büchse der Pandora.

Ich habe Ihnen zur Veranschaulichung das aktuelle Chart des S&P 500 Futures mitgebracht, inklusive des heutigen Absturzes. Ich denke man muss kein Raketenwissenschaftler sein um zu sehen, wie wichtig die 1390 für den Markt ist. Und die Topping-Formation ist ja auch offensichtlich.

Sollten wir die 1390 nicht spätestens am Dienstag zurück erobern können, öffnet das die Tür für einen ausgiebige Korrektur, die den DAX dann mit hoher Wahrscheinlichkeit bis 6400 drückt, wenn nicht tiefer. Denn wenn gleichzeitig zum Abkippen der US Märkte die Euro-Krise rund um Spanien und Frankreich (Wahl) weiter köcheln sollte, kann der DAX auch schnell mal bis 6200 oder tiefer abgeben, da sollten wir uns keiner Illusion hingeben.

Aber noch ist Polen nicht verloren, denn Mr. Market ist ja ein ziemlich psychotischer Geselle mit dem Hang zum Drogenkonsum und letztlich entscheidet die Dosis der Droge "billiges Geld" über sein Wohlbefinden. So könnten diese schwachen Arbeitsmarktdaten zu dem schizoiden Swing führen, das aufgrund der Daten ein neues QE3 Programm der FED nun wieder wahrscheinlicher geworden ist. Und das würde bei Mr. Market alle anderen Befindlichkeiten überdecken und wir könnten am Montag wieder in die Range oberhalb 1390 drehen - gerade weil die Arbeitsmarktdaten schwach waren.

Aber letztlich ist das nur Spekulation, wir sollten uns nach dem einzigen unbestechlichen Kriterium richten das wir zur Verfügung haben - dem Preis.

Gelingt es dem S&P 500 am Ostermontag also im Lichte dieser Arbeitsmarktdaten wieder die 1390 zurück zu erobern - aus welchen verqueren Überlegungen auch immer - ist weiter alles in Ordnung und die derzeitige Korrektur im DAX könnte dann bald auslaufen. Gelingt das dem S&P 500 aber nicht und drehen wir am Ostermontag weiter nach unten, ist das dann möglicherweise ein ganz grundlegendes Signal mit Wirkung für das ganze 2. Quartal.

Die FED wird bestimmt wieder intervenieren und es nicht zu einem völligen Absturz im Wahljahr kommen lassen. Aber wahrscheinlich noch nicht in der April-Sitzung und nicht nur aufgrund einmaliger Daten. Die nächste Sitzung ist aber dann erst wieder im Juni und bis dahin hätte Mr. Market jede Menge Zeit sich zu ängstigen und an den Nägeln zu kauen. Und eine solche Phase muss man nicht unbedingt mit einem Aktiendepot an den Märkten erleben.

Mein grundsätzliches Bild, das ich schon vorletzte Woche kommuniziert hatte - nun raus aus dem Markt und im Hochsommer wieder rein - scheint also nun endgültig im Bereich des Möglichen angekommen zu sein.

Richten Sie sich für Montag und Dienstag also schon auf gewaltige Volatilität ein, und nehmen Sie ernst, was der Markt Ihnen am Montag und Dienstag sagt. Wenn da jetzt keine Stärke kommt, hat das Bedeutung über den Tag hinaus. Deshalb gilt ab Montag wohl: Red Alert - All Hands to Battlestations !

Salzgitter – Aktie stürzt nach Prognose ab – Kaufgelegenheit ?

Heute lieferte der Stahlkonzern Salzgitter (WKN 620200) Zahlen für 2011. Salzgitter hat seinen Vorsteuergewinn gegenüber dem Vorjahr vervierfacht, auch beim Umsatz die Erwartungen leicht übertroffen und prognostiziert auch für 2012 ein positives Ergebnis.

Eigentlich gute Zahlen, trotzdem stürzt der Kurs im frühen Handel massiv um fast 7% auf 42€ ab und mal wieder ist die Prognose schuld. Denn Mr. Market interessiert sich - wie wir alle wissen - nur für die Zukunft, die Vergangenheit ist ihm völlig egal.

Denn das Salzgitter Management hat die bekannten Risiko-Faktoren rund um die Euro-Krise zum Anlass genommen, um hinter die Geschäftsentwicklung 2012 ein Fragezeichen zu setzen. Wirklich überraschend ist das für mich aber nicht. Genau so wenig wie die Tatsache, dass die Stahlkonjunktur Anfang 2012 immer noch nicht so richtig ans Laufen gekommen ist, das ist ja auch bei den anderen Stahlunternehmen schon ausgiebig zu beobachten.

Ein gutes Stück der schwachen Stahlkonjunktur sollte aber der Tatsache geschuldet sein, dass die Kunden von Salzgitter & Co. in Anpassung an die unsichere weitere Entwicklung einfach ihre Lager abbauen. Wirtschaft ist halt zu 50% Psychologie und diese schlägt auch hier wieder zu. Abgebaute Lager stellen aber für die Stahlpreise einen erheblichen Treibsatz dar, sollte sich die Konjunktur in der Eurozone schneller erholen als befürchtet.

Nicht vergessen darf man auch, dass das Salzgitter Management seine Prognosen schon immer sehr konservativ formuliert hat. Auch einer der Gründe, warum der Titel von der Börse nicht übermässig geliebt wird, hier fehlt es einfach an Katalysatoren mit denen der Kurs psychologisch gepusht wird. Schauen Sie sich doch einfach das letzte Jahr an, in dem Salzgitter zeitweise bis 34€ fiel und das Management auch äussert vorsichtig agierte. Nun haben wir die realen Zahlen für 2011 vorliegen und diese rechtfertigen keinesfalls Kurse von unter 35€ in 2011, die weit unter Buchwert lagen. Also war Salzgitter in 2011 vom Markt offensichtlich deutlich unterbewertet und die Geschäftsentwicklung weit besser als der Markt es damals eingepreist hatte. Nun wiederholt sich dieses Spiel in 2012 vielleicht.

Betrachtet man die Frage ob die heutigen Kurse von 42€ eine Kaufgelegenheit sind, muss man die Aktie in meinen Augen aus zwei Blickwinkeln betrachten.

Kurzfristig ist der Titel vom Markt ungeliebt und daran wird sich auch nichts ändern, solange das Management so vorsichtig und zurückhaltend agiert. Ich vermute mit 42€ wird Salzgitter auch in 2012 deutlich unter Buchwert notieren, einem Buchwert zu dem auch so interessante Beteiligungen wie der Kupferproduzent Aurubis (WKN 676650) gehören. Aber all das interessiert einen Markt aber nicht, der primär nach Argumenten für steigende Kurse sucht und die will ihm das Salzgitter Management nicht liefern. Insofern gibt es derzeit absolut nichts am Horizont, was die Unterbewertung der Salzgitter schnell auflösen könnte und die Liebe des Marktes zur Aktie neu entfachen. Auch Kurse unter 40€ sind also kurzfristig nicht auszuschliessen.

Mittel- und Langfristig gibt es aber nach meiner Meinung nur wenige Titel auf dem deutschen Kurszettel, die so substanzstark, gut finanziert und konservativ geführt wie Salzgitter sind. Ich bin persönlich überzeugt, dass die Geldschwemme der Notenbanken letztlich auch die Stahlkonjunktur anheizt und Salzgitter dann ziemlich sicher deutlich über 50€ notiert, wahrscheinlich sogar weit höher. Gleichzeitig muss ich mir bei dem Titel nach unten keine grossen Gedanken machen, denn auch wenn der Kurs schnell mal wieder unter 40€ fallen kann, ändert das nichts an der Substanz des Unternehmens und würde von mir achselzuckend zur Kenntnis genommen, genau wie die 34€ letztes Jahr.

Fazit:

Für mich persönlich ist Salzgitter nach wie vor eine langfristig attraktive Aktie, bei der ein "Buy and Hold" Gedanke durchaus seine Berechtigung hat. Ganz im Gegensatz übrigens zu Thyssen-Krupp (WKN 750000), die wie hier -> hier <- analysiert vor grossen strukturellen Herausforderungen stehen.

Kurzfristig wage ich bei Salzgitter keine Prognose und halte auch tiefere Kurse unter 40€ für möglich. Wenn der Markt eine Aktie nicht liebt, kann das auch länger dauern als man denkt und als fundamental gerechtfertig ist. Und das Salzgitter Management war noch nie bereit, Mr. Market die Hoffnungs-Sätze für die Zukunft einfach so hinzuwerfen, mit denen andere Unternehmen so gerne ihren Kurs pushen. Aber schon die 42€ von heute reflektieren in meinen Augen nicht den wahren Wert des Unternehmens. Und ich persönlich halte die heutige Reaktion des Marktes bei Salzgitter für völlig übertrieben.