Nachtrag zu Haris Märkten am Abend – 16.01.12

Nachtrag 20 Uhr:  Dass S&P nun auch den EFSF herunter stuft, ist zwar inhaltlich nach der Abstufung von Frankreich logisch. Der Versuch seitens S&P den Ablauf aber im Stil der chinesischen Tropfenfolter zu gestalten, lässt in meinen Augen nur einen Schluss zu, den auch der Finanzpolitiker Elmar Brok gezogen hat, siehe in einem bemerkenswerten Interview mit der Welt.

Ausnahmsweise bin ich mal mit einem Finanz-Politiker einer Meinung, obwohl Herr Brock in meinen Augen immer noch zu kurz springt, denn die US Administration hat aus meiner Sicht sehr wohl ein Interesse am Köcheln der Eurokrise. Nicht an einem Zusammenbruch, aber an einem langsamen weich kochen des Euros. Grund ist der für die USA ungeheuer wichtige Status des US Dollars als Weltreservewährung und damit verbunden die Fähigkeit der USA, die weltweite Machtpolitik überhaupt finanzieren zu können.

Dieses Thema hatte ich in seiner global-strategischen Bedeutung ja schon an anderer Stelle thematisiert und die USA als "das Rom des 21. Jahrhunderts" bezeichnet, da auch Rom letztlich an der Unfähigkeit zu Grunde gegangen ist, seine Ausdehnung weiter zu finanzieren. Wenn man Herrn Broks Interview genau liesst, sieht man aber nach meiner Interpretation zwischen vordergründigen diplomatischen Rücksichten durchaus durchschimmern, dass auch Herr Brok hier möglicherweise Teile der US Administration am Werk sieht. Insofern finde ich das Interview von einem namhaften Politiker durchaus bemerkenswert !

Mein Gefühl sagt mir aber, dass S&P aus Sicht der Märkte nun endgültig überzogen hat. Es ist einfach zu offensichtlich, wie hier seitens der Ratingagentur Politik gemacht wird. Denn es gibt in meinen Augen kein einziges Argument, warum das nicht am Freitag mit dem Rating von Frankreich zusammen hätte geordnet kommuniziert werden können.

Morgen haben wir also den ultimativen Test, wieviel der Markt noch auf die Rating-Agenturen gibt. Mein Gefühl sagt mir: nicht mehr viel. Denn auch die Futures bewegen sich heute Abend kaum, obwohl die mangels aktiver Wallstreet sicher noch nicht voll aussagekräftig sind.

Würde es so kommen wie mir mein Bauchgefühl sagt, wäre die Macht der Ratingagenturen über die Entwicklung der Eurokrise wohl endgültig gebrochen und das hätte wohl stabilisierende Auswirkungen auf die Aktienkurse.

Es wird also spannend Morgen und wie Mr. Market nun reagiert, sagt uns viel über den weiteren Verlauf der Eurokrise !

Fed Entscheidung – Bernanke und die Hoffnung

Eines muss man dem FED Chef Ben Bernanke lassen, er weiss was er den Märkten sagen muss. Hätte die FED heute nichts getan, wären die Märkte wohl in den nächsten Tagen richtig abgestürzt, weil sie das als Handlungsunfähigkeit und Zerstrittenheit der FED ausgelegt hätten.
Hätte er aber sein Pulver heute mit einem vollen QE3 verschossen, wäre die Gefahr riesig gewesen, dass die Märkte nach einer kurzen Freudenrally im Oktober auch abstürzen. Denn den sicherlich weiter schwächelnden US Wirtschaftsdaten, hätte dann eine FED gegenüber gestanden, die aus Sicht der Märkte ohne weitere Optionen wäre. Ein sehr gefährliches Szenario, dass Bernanke unbedingt vermeiden musste.

Mit der Operation Twist, der Senkung langfristiger Zinsen und einer Neubalancierung der Zinskurve, hat Bernanke dagegen zwei Dinge erreicht. Er hat die Entschlossenheit der FED signalisiert einzugreifen. Und hat gleichzeitig die Hoffnung offen gelassen, dass die FED mit einem erneuten POMO Programm (Permanent Open Market Operations) mit Macht in den Markt eingreift, wenn es nötig ist. Die Bären werden sich also auch in nächsten Monaten nie zu sicher sein können, weil permanent die finanzielle Atombombe QE3 über ihren Köpfen schweben wird. Das alleine wird die US Indizes stabilisieren. Hoffnung - bzw Furcht aus Sicht der Bären - ist eben eine starke Waffe.

Schön auch anzusehen, wie die Märkte durch gezielte Informationen zum Thema Twist schon vorher auf das Ergebnis vorbereitet wurden. Die Theorie, dass Big Money die Ergebnisse der FED immer schon vorher kennt, wurde erneut bestätigt. Das die Operation Twist das wirkliche Problem der amerikanischen Wirtschaft in Form von fehlender Nachfrage (und nicht zu hoher Zinsen) gar nicht angeht, ist dabei nebensächlich. Der Eindruck der Handlungsfähigkeit der FED ist eben wichtiger, als die eigentliche Wirkung, Wirtschaft ist eben zu einem guten Stück Psychologie.

Die deutliche Schwäche heute nach der Entscheidung, die zum Börsenschluss dann noch zu einem richtigen kleinen Selloff führte, sollte man also in meine Augen trotz einem Minus von 3% im S&P500 nicht überbewerten. Zumal der Markt eine Tendenz hat, dass die erste Bewegung nach so einer Entscheidung zunächst in die falsche Richtung geht. Vielmehr sehe ich jetzt ab Morgen Donnerstag eine kleine, kurzfristige Long-Chance bis zum Quartalsende. Denn das „Window-Dressing“ der Fonds wird zum Ende des dritten Quartals wieder stark sein und das erhöht die Chance für eine Rally Ende September. Morgen 22.09.11 dürfte aber zunächst sehr schwach eröffnen, im Verlauf des Tages besteht dann aber die Chance auf einen Turnaround, der dann möglicherweise den Auftakt des Window-Dressings darstellt.

Diesem Szenario könnte natürlich vor allem wieder Europa und Griechenland in die Suppe spucken. Allerdings sehe ich kurzfristig keine Katalysatoren, die die Lage an der Euro-Peripherie kurzfristig ändern sollten – eine Pirouette des Bunga, Bunga Regierungschefs natürlich ausgenommen. Das Thema Griechenland wird möglicherweise bis Mitte Oktober am Kochen gehalten, bis endlich der EFSF scharf geschaltet ist und Europa endlich Griechenland Pleite gehen lassen könnte, ohne gleich das Bankensystem in Frankreich zum Einsturz zu bringen. Dann, Mitte Oktober, wird es wohl wieder richtig spannend um den Euro.

Ich sehe also heute Abend nach der FED Entscheidung eine kleine 60:40 Chance auf eine nette Rally bis zum Monatsende, so verrückt sich das nach 3% Minus auch anhören mag. Invalidiert würde dieses Szenario, wenn nicht spätestens am Freitag dieser Woche der Markt merklich nach oben dreht oder der S&P500 schon vorher den Bereich um 1140 von oben durchschlägt und damit aus der Flaggenformation nach unten ausbricht. Letzteres wäre ein ganz übles Zeichen, was Kursziele im Bereich 1020-1050 und beim DAX bei 4500-4800 auslösen würde.

Lassen wir uns überraschen. Wer diese Long-Chance spielen mag, sollte das nur mit guten Stops machen. Denn sicher ist nichts, ausser dass Mr. Market garantiert eine Pirouette auf Lager hat, an die wir nicht gedacht haben .....