Procter & Gamble und Johnson & Johnson – Das Ende der Dividende als Anleihen-Ersatz?

Ich weiss nicht, ob Ihnen aufgefallen ist, dass im Rahmen der Sektor-Umschichtungen nach der Wahl Trumps, kleine Nebenwerte, die im Russell 2000 Index zusammen gefasst sind, massiv haussiert haben - wie hier zum Beispiel im ETF IWM zu sehen, der den Russell 2000 abbildet:
(All Charts from )

iwm-21-11-16

Gleichzeitig haben aber einige klassische Dividendentitel und grosse Bluechips, teilweise deutlich korrigiert - ausser sie gehörten zu Sektoren wie dem Industrie-Sektor, die von Trumps absehbarem Infrastruktur-Programm profitieren werden.

Diese Bewegung, hat übrigens schon vor Trumps Wahl begonnen, sie wurde durch seine Wahl nur beschleunigt bzw wieder neu in Gang gesetzt. Hier sind zwei Beispiele solcher Korrekturen von gross kapitalisierten Dividenden-Bluechips:

Procter & Gamble (PG):

pg-21-11-16

Johnson & Johnson (JNJ):

jnj-21-11-16

Damit stellt sich die Frage, was sich hinter dieser Schwäche verbirgt und die Antwort ist recht einfach:

Weiterlesen ...Procter & Gamble und Johnson & Johnson – Das Ende der Dividende als Anleihen-Ersatz?

DAX: Droht 2014 ein Crash?

Droht 2014 ein Crash?

Ein Gastkommentar von Tokay

Immer wieder liest man in jüngster Zeit davon, dass die letzte Phase im gegenwärtigen Börsenzyklus angebrochen sei. Zum Beweis dessen werden dann Sentimentanalysen, Börsenkreditstatistiken, Rohstoffpreise und dergleichen mehr bemüht. Mehrere Fragen stellen sich bei alledem: Was ist ein Börsenzyklus überhaupt? Woran kann man ihn erkennen? Und können wir erkennen, wo ungefähr wir uns im Börsenzyklus befinden? Droht womöglich nächstes Jahr ein Crash?

Also: Was ist ein Börsenzyklus? Wenn man sich den DAX, den S&P 500 und praktisch jeden anderen großen Index der Welt anschaut, dann wird man feststellen, dass sich diese Indizes in einer gewissen Abfolge von Hochs und Tiefs bewegen, also im Wechsel von Hausse und Baisse. Unter einem Börsenzyklus versteht man folglich eine Abfolge von einer Hausse und einer Baisse.

Wie lange dauert eigentlich ein solcher Börsenzyklus? Das ist nicht so ganz eindeutig. Schaut man sich die Entwicklung des DAX bzw. seines Vorläuferindex an(oder auch einen vergleichbaren Index), dann stellt man fest, dass zwischen zwei Hoch- oder zwei Tiefpunkten zwei bis acht Jahre liegen können. Im Mittel sind es gut vier Jahre.

So gab es offensichtlich in den letzten Jahren Hochs in den Jahren 2000, 2007 und 2011. Tiefs hatten wir 2003, 2009 und 2011. Somit haben wir einen Zyklus, der von 2000 bis 2003 dauerte, also etwa drei Jahre. Der Folgezyklus von 2003 bis 2009 dauerte sechs Jahre. Der zuletzt abgeschlossene Zyklus 2009 bis 2011 dauerte ca. 2 ½ Jahre, da der DAX sein letztes größeres Tief im September 2011 erreichte. Der momentan laufende Zyklus dauert bisher über zwei Jahre. Es gibt keine mathematische Gesetzmäßigkeit, anhand derer wir über die Länge des Zyklus urteilen können, noch darüber, in welche Höhen er führen wird.

Es gibt aber allgemein anerkannte Maßstäbe, anhand derer man über die Angemessenheit der Aktienbewertung urteilen kann. Ein solcher Maßstab ist das Dividendendiskontierungsmodell(Wer sich an der Dividende stört, mag sich damit behelfen, dass er von einem gewissen Teil des Jahresgewinns ausgeht, ob dieser nun ausgeschüttet wird oder nicht). Demnach gibt der Wert des DAX den Gegenwartswert der künftigen zinsadjustierten Gewinne wieder, so wie diese per heute von den Marktteilnehmern erwartet werden.

Die Entwicklung des DAX bzw. des Aktienmarktes generell hängt somit ab von

  • den Gewinnerwartungen, damit von der konjunkturellen Entwicklung im In- und Ausland im weitesten Sinn;
  • von den Zinserwartungen, damit von der Entwicklung an den Geld- und Kapitalmärkten;
  • von den Risikoerwartungen, damit von all jenen Akteuren, die die Gewinn- und Zinsentwicklung beeinflussen. Das kann die Politik der Notenbanken sein, die Politik der nationalen Regierungen, aber auch exogene Ereignisse, die sich im Zeitalter der Globalisierung unter Umständen in entlegenen Regionen der Welt abspielen können. Ob diese Erwartungen den Aktienmarkt in zyklischer Art beeinflussen, darüber können wir nur mutmaßen.

Für den Aktienmarkt wissen wir, dass dieser der Konjunktur bzw. der Gewinnentwicklung um etwa ein halbes Jahr vorausgeht. Der Konjunkturzyklus ist folglich ein Element eines Börsenzyklus. In der folgenden Grafik erkennt man den Zusammenhang:

Schaubild DAX und Industrieproduktion

Und zwischen den Zinsmärkten und dem DAX gibt es ebenfalls einen Zusammenhang. Ein hoher Anleihenzins, so sagt man, sei „Gift für Aktien“. Am Anfang einer Baisse gilt das zweifelsohne. Die deutschen Unternehmen finanzieren sich vornehmlich über ihre Banken, und diese wiederum über Inhaberschuldverschreibungen. Nun sind die die Zinsen für Inhaberschuldverschreibungen über den längsten Teil einer Baisse rückläufig. Schauen wir auf das nachfolgende Chart:

DAX Umlaufsrendite 10jährige und Leitzins ab September 1959.ods

Auch hier kann man eine zyklische Entwicklung beobachten. Wie wir sehen, ging einer Baisse im DAX zumeist ein Anstieg am Anleihemarkt voraus. Ein solcher Anstieg war in der Regel, das kann man für die letzten Bärenmärkten 2000, 2007 und 2011 feststellen, mit einer Erhöhung des Leitzinses verbunden bzw. mit einer Inversion der Zinsstruktur, welche jeweils die bis dorthin andauernde Hausse zum Erliegen brachte. Die kurzfristigen Zinsen kamen in den genannten Fällen etwa so hoch wie die Langfristzinsen zum Liegen. Interessanterweise haben die Bundesbank wie auch später die EZB nie den Leitzins erhöht, bevor nicht schon bei den Anleihen der Marktzins angestiegen war. Und damit haben wir einen sehr aufschlussreichen Indikator, anhand dessen wir feststellen können, ob demnächst eine Baisse ins Haus steht und der seit 2011 laufende Zyklus sich etwa dem Ende nähert. Die Mutmaßungen über das Ende des „Tapering“ in diesem Sommer wurden übrigens nicht zuletzt aus dem Umstand genährt, dass die amerikanischen Zinsen angezogen haben.

Wo wir im Börsenzyklus stehen, ergibt sich also gesamthaft aus einer Kombination von Konjunktur-/Gewinnzyklus und Zinszyklus. Wo stehen wir also? Während es gewisse Anhaltspunkte für eine konjunkturelle Belebung in Euroland gibt, haben wir zugleich gewisse Anzeichen, dass es mit den Anleihezinsen wieder nach oben geht. Bei einem Zinsniveau von unter zwei Prozent für zehnjährige Papiere besteht gewiss kein Grund zu übertriebener Sorge. Doch mit einer gewissen Vorsicht sollte man langsam schon auf den DAX schauen.

Hinzu kommt ein marktpsychologischer Aspekt: Unternehmensgewinne entwickeln sich überproportional zur Konjunktur. Gewinnerwartungen entwickeln sich überproportional zu den Gewinnen. Und in Baissephasen fällt die Korrektur der Gewinnerwartungen heftiger aus als in Haussephasen. Auch das sollte einem für 2014 Anlass zur Vorsicht geben.

Tokay

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Die kaum vorhandene Aktienkultur in Deutschland in Daten und Grafiken

Wir haben hier schon oft über die kaum vorhandene Aktienkultur in Deutschland gesprochen. Und dieser Blog ist ja auch ein Versuch, daran etwas zu ändern.

Wer aufmerksam die Gespräche in seiner Umgebung verfolgt, weiss wie sehr die Deutschen bei der Geldanlage auf der Suche nach Sicherheit sind. Und Sicherheit verbindet sich für die Mehrheit der Deutschen mit Zinszahlungen. Unternehmerisches Risiko ist dagegen eher Teufelszeug. Durch die neuen Bundesländer wurden diese sowieso schon vorhandene Prägung dann noch einmal verstärkt, was man auch an den Aktienquoten in den Bundesländern gut nachvollziehen kann.

Nur aus dieser Prägung heraus ist zu verstehen, warum brave Familienväter sich darum reissen, irgendwelche mehr oder weniger dubiosen "Mittelstandsanleihen" zu zeichnen, weil diese einen Zins von 7% oder mehr bieten. Zins ist ja vermeintlich gut und sicher und nicht so eine "Zockerei" wie beim Aktienbesitz. 😉

Die naheliegende Frage aber, warum so ein Unternehmen denn trotz Niedrigstzinsen der Notenbanken kein Darlehen für 5-7% von der Bank bekommt und warum so ein Unternehmen dann an Privatanleger heran gehen muss um sich zu finanzieren, diese naheliegende Frage schafft es noch nicht einmal ins Vorderhirn. Die Grundregel der Finanzmärkte, das Zins immer ein Abbild des Risikos ist und das es "no free lunch" an den Märkten gibt, diese Grundregel ist weitgehend unbekannt.

Die Logik ist dagegen zu oft sehr schlicht: Zins ist gut und Aktie ist schlecht. 😉 Jetzt wird es am Markt für Mittelstandsanleihen mit Sicherheit noch das eine oder andere böse Erwachen geben, durch das die Beteiligten merken, dass "Sicherheit" doch etwas komplizierter zu finden ist, als durch den Kauf von Schuldverschreibungen von Unternehmen die man gar nicht kennt. Ich bezweifele aber, ob damit bei den meisten auch der Erkenntniseffekt verbunden ist, dass das eigentliche Problem bei der Geldanlage einen gerade im Spiegel anschaut. 😉

Diese Fixierung auf Zins setzt sich ja sogar bei den wenigen eigentlich lobenswerten Aktionären dann fort, von denen viele einen Hang hin zu "Zinsersatz-Aktien" haben und gerne die Dividende zum alles entscheidenden Faktor erheben. Auch das führt natürlich keineswegs immer dazu, die richtigen Aktien im Depot zu haben. Es füttert dagegen einen grossen Arm der Finanzindustrie, der mit wohl klingenden und "Wohlfühlatmosphäre" verbreitenden Phrasen wie "Garantie" oder "Value" dieses emotionale Bedürfnis zum eigenen Erfolg abschöpft.

Am Ende bleibt bei den privaten Anlegern nur eine verschwindend kleine Minderheit übrig, die Aktien als das verstehen was sie sind: direkte unternehmerische Beteiligungen. Und die verstehen, dass es absolute Sicherheit am Finanzmarkt gar nicht gibt, auch nicht bei Zinsen und Anleihen, sondern nur angemessen oder nicht angemessen bezahltes Risiko. Und das die grösste relative Sicherheit von einem breit aufgestellten, diversifizierten und dauerhaft erfolgreichem Unternehmen ausgeht, das Produkte anbietet, auf die die Menschen nicht verzichten können.

Eigentlich war "Ekel" Alfred Tetzlaff () da schon weiter, als er nach Kauf einer Volkswagen Aktie seiner Else eindrücklich erklärte, das ihm jetzt VW gehört. Genau genommen hatte der Mann auch Recht, VW gehörte ihm nur nicht alleine. 😉

Aber bisher konnten wir diesen Eindruck über die kaum vorhandene Aktienkultur kaum in konkrete Zahlen und Fakten kleiden, man wusste zwar, dass es so ist, es fehlte aber am statistischen Beweis.

In diese Bresche ist nun dankenswerterweise die gesprungen, die ja auch den Finanzblog Award ausgerichtet hat und sich insofern tatsächlich auch um die Aktienkultur bemüht. Natürlich auch zur Ankurbelung des eigenen Geschäftes, aber das macht das Engagement nicht weniger wertvoll, zumal von einer gesteigerten Erkenntnis ja alle Anbieter von Wertpapierdienstleistungen profitieren. Eher muss man sich umgedreht fragen, warum sich viele der anderen Banken eben nicht deutlicher in diese Richtung engagieren wie die Comdirect.

Mir liegt ein "Factbook Aktie" der Comdirect vor, das in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt Research Institute entstanden ist. Darin sind eine grosse Menge von bemerkenswerten Daten und Grafiken, von denen ich Ihnen hier einige zeigen will.

Mein Dank gilt der Presseabteilung der Comdirect, die mir ermöglicht, die Grafiken hier im Blog zu verwenden. Bevor wir aber zu den Grafiken übergehen, will ich einen Absatz aus dem "Factbook Aktie" zitieren, der es sehr gut trifft:

Den Anlegern fehlt Wissen – und Risikobereitschaft
55,1 % der Deutschen entsprechen dem Anlegertyp „Chancen-Verpasser“. Dieser Typ hat zwei weit verbreitete Merkmale: geringes Wissen über Aktien gepaart mit einer geringen Risikobereitschaft. Wer dieser Gruppe angehört, unterschätzt die finanziellen Chancen, die eine langfristige Geldanlage in Aktien bietet, beispielsweise für die eigene Altersvorsorge. Die kleinste Gruppe unter den Bundesbürgern ist die der „Chancen-Nutzer“: 9,9 Prozent haben vergleichsweise viel Börsenwissen und sind auch bereit, ein gewisses finanzielles Risiko einzugehen. In Sachen Grundlagenwissen sind die Deutschen entsprechend selbstkritisch: 64 Prozent finden, dass ein verbindliches Schulfach „Geld und Finanzen“ eingeführt werden sollte. Die Wissenslücken haben auch damit zu tun, dass Geldanlage hierzulande kein Thema für Small-Talk ist: Nur eine Minderheit von 37 Prozent tauscht sich mit Familie und Freunden darüber aus.
Fazit: Es gibt heute keine Ausrede mehr für Unwissenheit über Kapitalanlagethemen. Wer mit Freunden nicht darüber sprechen mag, findet in den Medien, in Fachbüchern oder im Internet genügend Informationen.

Und nun zu einer kleinen Auswahl der Grafiken und Daten im "Factbook Aktie", die für sich selber sprechen. Ich wünsche viel Spass damit:

Image4

Image2

Image3

Image0

Image01

Image6

Image7

Image8

Image9

Image10

Image12

Image13

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

K+S (WKN KSAG88) – Kommt der Kurs jetzt endlich in die Gänge ? – 19.02.13

Wer meine Artikel hier regelmässig verfolgt weiss, dass der Kali und Salz Spezialist K+S zu meinen Buy-and-Hold Titeln gehört und ich die Aktie unter 40€ auf keinen Fall abgebe.

Die Gründe dafür liegen im fundamentalen Bereich begründet, sind nach wie vor gültig und will ich hier nicht im Detail wiederholen. Eine Dividende bei 4%, ein Kurs-Cashflow-Verhältnis um die 8 und ein stabiles Geschäftsmodell, geben auf jeden Fall wenig Anlass sich grundsätzliche Sorgen zu machen. Und beim nächsten Boom im Segment, wäre K+S wieder kräftig dabei und der Kurs würde deutlich anziehen. Gute Gründe also, sich bei der Aktie nicht verrückt machen zu lassen, sondern einfach gelassen abzuwarten.

Nur der Kurs wollte in den letzten Monaten nicht mitspielen. Die Ursachen waren vielfältig, ein warmer Winter, ungünstige Preisvereinbarungen der Chinesen mit den US-Mitbewerbern, verhaltener Ausblick des Managements usw. drückten auf das Sentiment. Und im Kurs ist nun viel Negatives schon verarbeitet.

Nun aber scheint in den Kurs Bewegung zu kommen. Und die Analysten der grossen Banken beginnen auch zunehmend mitzuspielen. Schauen Sie selber auf das Tageschart von K+S seit Mitte 2011:

K+S Tageschart 19.02.13

Ich denke die Struktur dieser langwierigen Bodenbildung springt einem ins Auge. Wenn der Kurs es nun schafft die fallende Trendlinie zu durchbrechen und auch noch die 200-Tage-Linie bei 35,8€ zu nehmen, spräche viel für eine dynamische Bewegung bis zur 40EUR Marke und darüber hinaus.

Und das diese Bewegung möglicherweise schon im Gange ist, signalisiert uns die im Stundenchart sichtbare Dynamik, verbunden mit einem Doppelboden:

K+S Stundenchart 19.02.13

Die Sicherheit, dass der Kurs nun endlich in Bewegung gerät, ist aus diesen Chartstrukturen nicht abzuleiten, ein weiter andauernde Seitwärtsbewegung ist keinesfall unmöglich. Das nun der Kurs anspringt, ist eine Möglichkeit, mehr nicht.

Aber auf der anderen Seite sehe ich nur sehr begrenztes Downside und klare Stops unter den Tiefs. Ich habe schon schlechtere Setups gesehen und mit etwas Geduld, könnte K+S in der nächsten Boomphase des Sektors schöne Kursgewinne abwerfen.

Und K+S hat nur begrenzte Abhängigkeiten zur Eurokrise. Sollten also die europäischen Märkte demnächst wegen Berlusconi korrigieren, dürfte K+S davon nur wenig betroffen sein. Der Bedarf an Kali und Salz schwingt halt nach anderen Regeln, als die Industriekonjunktur in Europa.

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Kurztip – Bijou Brigitte (522950) – Modeschmuck im Strudel der Eurokrise

Heute möchte ich Sie auf einen Nebenwert hinweisen, der nun auf meinen Radar gerät. Es ist der Modeschmuck-Anbieter Bijou Brigitte (WKN 522950). Ich bin noch nicht im Titel investiert, langsam interessiert mich die Aktie aber wieder, während sie mir lange zu teuer war.

Seit jeher ist Bijou Brigitte als Cash-Cow mit hohen Margen und einer aussergewöhnlich hohen Dividendenrendite bekannt. So hat Bijou Brigitte auch aktuell und trotz Krise noch eine Dividendenrendite von 7%.

Das alleine würde die Aktie aber für mich nicht interessant machen, denn genau aufgrund dieser Cash-Stärke, war die Aktie auch hoch bewertet. Und wer viel Cash per Dividende auskehrt, dem fehlt auch etwas Phantasie für ertragsreiche Investitionen. Abgesehen davon hat man ja an der Kursentwicklung gesehen, wie wenig einen Dividenden gegen einen drastischen Kursrutsch schützen können.

Denn aufgrund der Ausdehnung des Geschäfts nach Südeuropa, kam es wie es kommen musste, besonders in Spanien und Portugal brach das Geschäft aufgrund der dortigen Rezession ein. Aber auch Italien wackelt und auch die Margen gerieten durch Preis-Wettbewerb unter Druck.

So stürzte die Aktie von Hochs bei 140€ in 2010 nun auf Werte um 50€ ab. Schauen Sie auf den Tageschart, um die Entwicklung der letzten 12 Monate zu sehen.

Nun addieren sich aber aktuell eine Reihe von Faktoren, die die Aktie für mich nun wieder mittelfristig, als Investment, interessant machen:

  • Vom Kursniveau bei 50€ ausgehend, startete die Aktie zuletzt eine signifikante Rally bei gutem Volumen. Das sieht nach einer U-förmigen Wendeformation aus. Ein Test der 200-Tage-Linie bei 65€ erscheint gut möglich. Das alleine wären 20% vom heutigen Niveau.
  • Fundamental gesehen, scheint das Kursniveau um 50€ die bekannten Risiken ausreichend zu verarbeiten. Nur weiter gehende strukturelle Schwäche dürfte auch dieses Niveau in Frage stellen.
  • Die Sorgen um das Geschäft in Spanien und Portugal sind bekannt und im Kurs verarbeitet. Sollte aber Draghi mit seiner EZB Politik nun für eine Beruhigung der Lage sorgen, besteht hier positives Überraschungspotential. Bijou Brigitte ist also eine Wette auf eine Entspannung der Eurokrise.
  • Wir hatten zuletzt deutliche Insiderkäufe bei 50€. In Summe haben 3 Vorstandsmitglieder seit Ende Juli 280.000€ investiert ! Das ist der erste derart umfangreiche Kauf seit 2008. In meinen "hilfreichen Links" finden Sie auf dem Sie die Daten übersichtlich aufrufen können. Insiderkäufe, noch dazu von mehreren Vorständen gleichzeitig, haben grössere Bedeutung als Verkäufe.

Ein Argument spricht für mich noch gegen ein Investment, ich kann noch nicht abschätzen, ob der Margendruck strukturelle, im Wettbewerbsumfeld begründete, Ursachen hat und daher weitergehen wird. Oder ob er nur der Eurokrise - verbunden mit einer Rezession in den Absatzmärkten - geschuldet ist. Im ersteren Fall liegen wohl noch tiefere Kurse vor uns. Im letzteren Fall sind Kurse nahe 50€ aber wohl schon mittelfristige Kaufkurse. Ich muss den Titel daher noch genauer beobachten, bevor ich endgültig den Daumen heben oder senken kann.

Aber schon heute ist für mich klar, dass sich hier eine Reihe von Parametern aufreihen, die bei mittelfristiger Anlage zu einem sehr positiven Chance/Risiko Verhältnis führen könnten. Einen aufmerksamen Blick ist die Aktie damit für mich schon heute wert.

** Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- ! **