Glosse: Mein Programm als Kanzler des Neuen Deutschland !

[Vorsicht Glosse]

Aktuell wird ja in Deutschland mal wieder kleinkrämerisch über finanzielle Repression gejammert. Und über zinsloses Risiko bei Staatsanleihen, obwohl das eigentlich risikoloser Zins sein sollte. Und über Unterfinanzierung der öffentlichen Infrastruktur in Deutschland. Und und und ...

Und überhaupt, nach Studien der EU sind deutsche Bürger sowieso weit ärmer als Italiener und Spanier. Das ist nicht nur unerhört, das gehört geändert. Sofort ! Dafür habe ich die neue Partei des "sozialistischen Staatskapitalismus" (STUSS) gegründet, deren Führer, Kanzlerkandidat und erster Bannerträger meine Wenigkeit ist.

Und da ich das "finanzielle Perpetuum Mobile" (Patents pending) erfunden habe, brauche ich mir um das Wahlergebnis auch keine Sorgen zu machen. Schnell werden die Bürger die bestechende Logik meines Programms erkennen.

Denn am Ende werden die Deutschen unermesslich reich sein. Reicher als jede andere Nation auf diesem Planeten. Jeder - auch Hans Hosenträger aus Büllerbeck - wird Besitzer von Länderreien in der Welt sein und sich an all den dienstbaren Geistern erfreuen, die er auf seinen Latifundien aus aller Herren Länder beschäftigt.

Und hier - exklusiv für die Leser von surveybuilder.info.de - ist mein geheimer Plan, der gar nicht fehlschlagen kann:

Deutschland tritt aus dem Euro aus und hat damit wieder eine eigene Notenbank, die der KfW als Unterabteilung angegliedert wird. Denn nun machen wir mal richtig, was Bernanke und Draghi typisch angelsächsisch nur pragmatisch/halbherzig angefangen haben. Wir Deutschen sind doch mehr für die grundsätzlichen end(gültigen) Lösungen zu haben.

Unterabteilung der KfW deshalb, weil diese neue Notenbank der direkten politischen Weisung unterliegt, die Unabhängigkeit der Notenbank war schon immer eine sinnlose Fehlentwicklung, die das Volk nur in die Zinsknechtschaft gezwungen hat.

Nachdem diese organisatorischen Vorbereitungen getroffen wurden und ich als Kanzler des "Neuen Deutschland" mit historischem Wahlergebnis gewählt wurde, kann endlich die Vision Realität werden, die mein unermesslicher Ratschluss hervor gebracht hat und in meinem Buch "Mein Kapitalismus" (9,98€ bei Amazon) nachzulesen ist:

Deutschland gibt Staatsanleihen im Billionen-Umfang heraus, bis das kreditfinanzierte Geld aus jedem Ministerium durch die Ritzen heraus quillt. Diese Anleihen erhalten einen Coupon von 0,1%, um den Angelsachsen mal zu zeigen, wie man zinsloses Risiko wirklich konsequent angeht.

Nun werden sicher wieder einige verwirrte Ökonomen mit ihrem professoralen Geschwätz behaupten, dass zu einem Kreditgeschäft immer zwei gehören und dem deutschen Staat daher niemand diese Staatsanleihen abnehmen wird. Aber das zeigt wieder nur mal, wie beschränkt der Horizont all dieser Ökonomen ist, die dem Fetisch einer sogenannten soliden Haushaltsführung huldigen.

Denn diese Multi-Billionen an neu ausgegeben Kreditverpflichtungen, kauft einfach die neue Notenbank auf - sie wissen schon, diese neue Unterabteilung der KfW. Wer braucht schon reale Käufer für Staatsanleihen - baaahhh ... phantasielose Ökonomen. Und auch das Geschwätz von Geldmengen ist einfach nur unnötig !

Um die nötige Liquidität auf Seiten der Notenbank sicher zu stellen, wurde der Hauptrechner in Serverraum der Unterabteilung mit neuen Prozessoren und mehr Arbeitsspeicher ausgestattet, damit es nie Mangel an frisch geschöpftem Notenbankgeld gibt. Und für den Fall, dass der Finger des Sachbearbeiters erlahmt, mit dem er immer auf ENTER drücken muss um erneut eine frische Milliarde Liquidität zu schöpfen, habe ich sogar eine weitere Planstelle in der KfW genehmigt. Sie sehen, es ist an alles gedacht !

Nun aber zu dem wahren Schachzug meines genialen Plans.

Mit diesen Multi-Billionen werden wir die Massnahmen umsetzen, die Deutschland endlich zu Weltgeltung verhelfen.

1. Jeder deutsche Staatsbürger erhält einen Scheck über 10 Millionen zur persönlichen Wunscherfüllung. Das ist das Mindeste, was ich für meine Volksgenossen tun kann. Auch wird das die alten "linken" Parteien und Gewerkschaften beruhigen, denn endlich wird mal richtig was für die Binnenkonjunktur und Kaufkraft des "kleinen Mannes" getan. Keynes wäre glücklich. Klotzen, nicht kleckern ! Und überhaupt, all den Schwaflern mit ihrem Deflations-Gerede werden die Worte im Rachen stecken bleiben. Es gibt keine Deflation, wenn ich es nicht will !

2. Jeder deutsche Staatsbürger hat nach Genehmigung des Gemeinderates und Identitätsfeststellung im Postident-Verfahren, Zugriff auf bis zu 20 Milliarden pro Jahr, um Unternehmen und Wirtschaftsgüter der Welt aufzukaufen und zu übernehmen. Das wird wiederum die alten "rechten" Parteien und ihre Anhänger in Wirtschaft und Bürgertum beruhigen, denn so bekommt Deutschland Zugriff auf die realen Produktivmittel der Welt. Besonderes Augenmerk sollte dabei auf den Aufkauf aller weltweit greifbaren Rohstoffquellen gelegt werden, man weiss ja nie !

3. Die deutsche Infrastruktur wird komplett erneuert, nur mit den feinsten und teuersten Materialien und Technologien versteht sich ! Das wird alle erfreuen, ein neues Autobahnwunder steht bevor !

Am Ende wird die Welt deutschen Bürgern gehören. Jeder Deutsche wird unermesslich reich sein. Und falls doch die Mittel dafür nicht ganz reichen, muss ich wohl in den sauren Apfel beissen, und einen zweiten Computer zur Geldschöpfung in der Unterabteilung der KfW genehmigen.

Jetzt hören ich natürlich schon wieder diese verbohrten Ökonomen, die mir erzählen wollen, dass wir diese Billionen-Schulden doch nie werden zurück zahlen können.

Quatsch kann ich da nur sagen ! Bornierte, einfallslose Theoretiker sind das ! Die Lösung ist doch ganz einfach. Die Unterabteilung der KfW geht Pleite und wird dicht gemacht. Und eine andere Währung wird erfunden, die von einer anderen Unterabteilung betreut wird.

Na, was sagen Sie jetzt ? So entledigt sich das Neue Deutschland elegant all seiner Schulden. Sie werden einfach im Computer der Unterabteilung gestrichen ! Die Unternehmen, Ländereien und Technologien gehören den Deutschen weltweit aber immer noch, denn die wurden ja mit Papierschnipseln erworben, die damals ganz legal und echtes Geld waren !

Genial oder ? Von wegen zinsloses Risiko. Nein, wir von STUSS bieten den Deutschen "anstrengungslosen Reichtum" ! Wer kann da schon nein sagen !

Und wenn jemand an diesem genialen Plan einen Haken erkennt, dann soll er jetzt aufstehen, oder für immer schweigen ! Ich höre !

Wählt STUSS !

Ihr geliebter, zukünftiger Kanzler des Neuen Deutschland

PS:

Wie bitte, was sagen Sie ? Was wäre wenn die anderen das genau so machen ?

Unfug, dafür sind die doch zu doof ! Die sparen lieber ..... (lacht laut)

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Pfingsten 2013 – Die Ruhe Europas vor dem heissen Herbst

Pfingsten steht vor der Tür und leitet an den Börsen langsam die ruhigere Sommerphase ein. Die Strassen sind heute hier schon halbleer, halb Bayern flieht in vorgezogene Sommerferien. Eine Gelegenheit die ich nutzen möchte, um mit Ihnen ein paar emotionale Gedanken meinerseits zur Lage in Europa zu teilen.

100 Jahre ist nun der Sommer 1913 her. Ein Sommer, den meine Grosseltern noch als Kinder erlebt haben. Ein Sommer der oberflächlichen Ruhe und Gelassenheit, die Welt schien damals an der Oberfläche noch in Ordnung und fest gefügt. Man hätte damals meinen können, Europa sei in Bernstein gegossen, alles war wie es sein sollte - so schien es zumindest. Dabei waren unter der Decke schon all die Spannungen spürbar, die sich ein Jahr später so furchtbar entladen würden.

Ein Jahr später zerplatzte Europas alte Welt wie ein Spiegel, in den man einen Backstein geworfen hatte. Was sich anschloss, waren zwei Weltkriege, unsägliches Leid und brutaler Umbruch, an dessen Ende im wahrsten Sinne des Wortes kein Stein mehr auf dem anderen stand. Die Folgen dessen, was nach diesem letzten Sommer des alten Europas passierte, beschäftigen uns noch heute. Und niemand, absolut niemand, konnte sich 1913 vorstellen, wo die Welt schon Jahre später stehen würde.

Heute, 100 Jahre später, beschleicht mich ein ähnliches Gefühl einer unwirklichen Ruhe, so wie wenn sich der Himmel schon gelb in Erwartung des kommenden Gewitters färbt, während die Luft noch warm und ruhig wirkt.

Dieses Gefühl einer untergehenden Welt, wird auch schön von Tolkien im "Herrn der Ringe" durch die Worte "Galadriels" vermittelt. Was kein Wunder ist, denn Tolkien (1892 geboren) war ein Kind dieser Zeit, in der das alte Europa unterging : "
Die Welt ist im Wandel
Ich spüre es im Wasser.
Ich spüre es in der Erde
Ich rieche es in der Luft.
Vieles, was einst war, ist verloren, da niemand mehr lebt, der sich erinnert.

Jetzt werden Sie denken: ja spinnt denn der Hari ? Ist er jetzt zum neuen Nostradamus geworden ?

Definitiv nein. Erstens steht uns in Europa kein neuer Krieg bevor, zumindest kann ich mir das nicht vorstellen. Und zweitens bin ich sehr optimistisch, was die Entwicklung der Welt als Ganzes angeht. Die Welt ist auf einem guten Weg und es gibt keinen Grund für Weltuntergangsromantik. Machen wir doch die Menschen und ihr Wohlergehen - ihr Leben in Freiheit und Wohlstand - zum Massstab und vergleichen 1913 mit 2013. Dann sehen wir schnell, wie positiv sich diese Welt verändert hat. Und ich bin voller Optimismus, dass die Welt das weiter tun wird. Dafür sorgt schon der technologische und kulturelle Fortschritt, der gerade in Deutschland immer gerne mit Skepsis betrachtet wird, ohne den wir aber noch Leibeigene eines Landvogtes wären.

Dieses voraus geschickt, beschleicht mich beim Blick auf Europa und Deutschland aber doch das Gefühl einer untergehenden Welt, die noch an der Oberfläche verzweifelt an ihrer Normalität festhält. Man könnte dazu viel schreiben, woher dieses Gefühl kommt, ich will nur zwei aktuelle Ereignisse beispielhaft heraus greifen.

Da haben wir auf der einen Seite den französischen Staatspräsidenten, der sich - wenn man den Medien glauben darf - nicht zu schade ist zu behaupten: "Die Finanzkrise ist hinter uns, die Ursachen sind behoben." Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich jetzt laut lachen.

Wir haben aber natürlich auch unsere Bundeskanzlerin, mit Ihrer ebenso verfehlten Logik der "Alternativlosigkeit". Und das bei einem Kernthema der Gestaltung unserer Zukunft, wirklich DER Frage unserer Generation. Und wir haben unzählige Parteisoldaten, die einfach nachplappern und damit gedankenlos das genaue Gegenteil von dem verkünden, was 50 Jahre lang seit Adenauer unter der Überschrift "eine starke Währung ist gut für Deutschland" das Mantra jeglicher bundesdeutscher Regierungspolitik war.

Wir haben also auf der einen Seite eine Politik, die sich den realen Problemen in eine Phantasiewelt entzieht und glaubt, wenn man nur immer wieder und ausreichend das eigene Mantra beschwört, würde ja alles gut. Gerade wir Deutschen haben ja eine traurige Tradition darin, über den rational vertretbaren Punkt hinaus an einer Überzeugung fest zu halten. Ich will dafür gar nicht die Reichskanzlei bemühen, sondern Honeckers "Vorwärts immer, Rückwärts nimmer" ist doch das viel schönere und passendere Zitat dieser Scheuklappenpolitik.

Und auf der andern Seite haben wir eine unglaubliche, unter der Decke brodelnde Wut im deutschen Bürgertum. Eine Wut, die medial nicht richtig an die Oberfläche tritt, weil ihr bisher das Vehikel fehlte, um sich zu artikulieren. Und weil die Presse in "diesem unserem Lande" eben doch eine teilweise Symbiose mit der Politik eingegangen ist - alleine der dominante öffentlich-rechtliche Rundfunk sorgt schon dafür. Das ist ja kein Wunder, wenn 65 Jahre lang letztlich die gleichen Parteien die Macht im Staate inne haben.

Diese Wut zeigte sich bisher eher in Resignation und in Form von immer weiter steigenden Nichtwählerzahlen. Mit der "Alternative für Deutschland" hat diese Wut nun aber einen Katalysator bekommen. Und einen treffenden Blick auf das Brodeln unter der scheinbar ruhigen Oberfläche erlaubt beispielsweise das, was aktuell im Handelsblatt passiert ist.

Da hat das Handelsblatt ein Interview mit Bernd Lucke, dem AfD-Chef gebracht und das unter eine - nunja, etwas populistisch überspitze - Überschrift gesetzt, die die AfD in Richtung NPD rückte. Nicht unüblich im "Kostenlos-Web", in dem man um Aufmerksamkeit ringen muss, aber deswegen keine hinreiche Entschuldigung. Insofern eigentlich geschenkt und nichts Überraschendes, der Artikel als solcher war aber überwiegend in Ordnung, da habe ich schon Schlechteres gelesen.

Darauf hin brach ein "Shitstorm" von Lesern des Handelsblatts los, den man teilweise hier nachlesen kann: . Und die Leser des Handelsblatts entstammen im Schnitt ja schon dem, was man gemeinhin "gebildetes Bürgertum" nennt.

Und es gab eine (für mich persönlich) kleinkarierte Reaktion des Handelsblatt Chefredakteurs, die man hier nachlesen kann:

Wäre ich der Verleger, würde ich den Mann sofort ablösen, denn auch wenn man inhaltlich schon seiner Meinung sein kann, ist es für eine Führungskraft ein absolutes "NoGo", den eigenen, nicht völlig grundlos empörten Kunden, mit einem beleidigten "you made my day" sozusagen den virtuellen Mittelfinger entgegen zu strecken.

Warum erzähle ich Ihnen diese Anekdote ? Weil sie bezeichnend für die wirkliche Stimmung in Deutschlands Bürgertum unter der Decke der "Alternativlosigkeit" ist. Und weil sie zeigt, wie offen die Nerven schon jetzt liegen. Schauen Sie einfach, was auch in anderen seriösen Publikationen wie der FAZ von gebildeten Bürgern geschrieben wird. Die unterdrückte Wut ist gewaltig. Und diese Wut sucht ein Ventil. Und nicht die Wut ist verwerflich, sondern die, die sie in einer für unser aller Zukunft entscheidenden Frage hervor rufen, weil sie sich einer ernsthaften Beschäftigung mit der Realität verweigern.

Zur Sache wissen Sie, dass ich kein Mitglied der AfD bin und auch keines werde. Wie ich auch kein Mitglied einer anderen Partei werde. Und das ich keineswegs alles gut und richtig finde, was die AfD vertritt. Das ich es aber massiv begrüsse, dass diese vermeintliche Alternativlosigkeit nun aufgebrochen wird und wir endlich über diese entscheidende Zukunftsfrage diskutieren. Dem Eindruck es mit "Blockparteien" zu tun zu haben, konnte man manchmal wirklich haben, wenn man von allen Parteien des Bundestages diese identischen Glaubenssätze zum Thema Euro hörte - einem Thema das hochkomplex und eben keineswegs "alternativlos" ist.

Und Sie wissen, dass es für mich persönlich offensichtlich ist, dass dieser Euro - so wie er ist - eine völlige Fehlkonstruktion ist und uns ökonomisch zwangsläufig um die Ohren fliegt. Die einzige Frage ist, wann das passiert und ob wir damit geordnet umgehen, oder ob die Realität eine ungeordnete, chaotische Auflösung erzwingt. Und mit jedem Monat der "Alternativlosigkeit", wird das Risiko der ungeordneten Krise erhöht. Insofern ja, dieser Euro ist für mich der Spaltpilz an Europa. Und insofern liege ich in dieser Frage nahe an dem, was die namhaften Ökonomen, die die AfD mitgegründet haben, auch vertreten.

Möchte ich deshalb die D-Mark zurück. Nein, nicht notwendigerweise. Und Deutschtümelei und einen Rückfall in rein nationalstaatliches Denken möchte ich schon gar nicht. Gerade auch deshalb muss dieser Euro weg, weil er nationalstaatliche Egoismen und die alten Schubladen des alten Europas der Weltkriege befördert. Nein, ich möchte gerne eine starke, stabile Währung - egal wie sie heisst - und würde es sehr begrüssen, wenn es ein "Taler" eines Kern- oder Nord-Europas wäre, das kulturell besser zueinander passt und sich wirklich als echter integrierter Wirtschaftsraum vereint. Was dann zwangsläufig auch die Aufgabe nationaler Souveränität bedeutet.

Wenn ich diesen "Taler" aber nicht bekommen kann - und es spricht viel dafür, dass im aktuellen Europa so eine Entwicklung ohne einen Bruch unmöglich ist (was wieder an Frankreich liegt) - dann leben wir in Deutschland nach meiner Überzeugung mit einer neuen D-Mark weit besser. Die Schweiz macht es uns doch als Antithese vor unseren Toren vor, was von der Rhetorik des "Untergangs der deutschen Wirtschaft" in diesem Fall zu halten ist. Der Schweizer Franken ist völlig überbewertet und lastet schwer auf der schweizer Wirtschaft. Und die vergleichsweise kleine Schweiz hat viel geringere Möglichkeiten als ein Deutschland, das durch Binnenkonjunktur zu kompensieren. Und trotzdem, vergleichen Sie mal Arbeitslosenraten oder eben den Wohlstand und die Vermögen der Bevölkerung. Haben Sie das Gefühl, man lebt schlecht in der Schweiz ? Muss man noch mehr dazu sagen ?

Womit wir wieder zu diesem Gefühl kommen, das ich aktuell in mir drin habe. Dem Gefühl eine Welt zu beobachten, die sich in einer trügerischen Ruhe sonnt, bevor sich die Zukunft wild und dynamisch Bahn bricht. Das Gefühl nun ein paar Wochen des Sommers vor mir zu haben, bevor uns Krise und Chaos wieder einholen.

Denken Sie an diese Wut, die da latent im Bürgertum brodelt. Die manchmal noch als Resignation daher kommt, eine Resignation die sich aber schnell in Aggressivität wandelt, wenn sich dafür ein Katalysator bietet.

Denken Sie an die kommende Bundestagswahl. Denken Sie daran, wie die Börsen der Welt auf die Umfragen starren werden. Denn in Deutschland entscheidet sich die Zukunft des Euros. Denken Sie daran, was die Handelsprogramme der Grossfinanz machen werden, wenn die AfD in den Umfragen steigt und steigt. Denken Sie daran, wie sich dadurch das Haupt der Eurokrise wieder erhebt und wie es ausgeschlachtet werden wird, um Sündenböcke zu suchen. Denken Sie daran, wie hier im Lande die Stimmung giftig werden wird, wenn die Pfründe der vorhandenen Parteien in Gefahr geraten.

Vor uns liegt ein heisser Herbst. So viel ist sicher. Und wenn in diesem Prozess etwas schief geht, dann kann es auch einen Knacks geben, der weit über Deutschland hinaus geht. Und die weltweiten Börsen werden darauf in einer Art und Weise reagieren, gegen die die Sorgen um Griechenland ein laues Lüftchen waren. Und die Notenbanken werden versuchen, die Dosis der Medizin zu erhöhen und noch aggressiver Geld aus dem Helikopter werfen.

Der Einsatz steigt auf jeden Fall. Für uns in Europa geht es in den kommenden Monaten und Jahren ums Ganze. Und wenn überhaupt etwas alternativlos ist, dann die Zwangsläufigkeit, mit der uns die ökonomische Realität in Europa in diese Entscheidung hinein treibt. Denn die Realität lässt sich eine Zeit lang mit Plakaten nach dem Motto "Vorwärts zum x-ten Parteitag" überkleistern, irgendwann bricht sie sich aber Bahn.

Womit ich mit dem absurdesten Satz enden möchte, den ich seit langem gelesen habe:

Die Finanzkrise ist hinter uns, die Ursachen sind behoben.

Amen !

Geniessen wir deshalb diesen Sommer 2013. Wir werden die Ruhe brauchen. Der Herbst kommt mit Stürmen. Denn die Welt ist im Wandel ...

Ihr Hari

PS: Und ich beginne mit dem "Geniessen" am Pfingstmontag. Das ist ein normaler Handelstag, aber ich werde ihn überwiegend als Feiertag geniessen. Rechnen Sie also mit einer Meldung in "Hari Live", aber nicht mit einem Artikel. Am Dienstag bin ich wieder voll da. Wir sprechen uns auf jeden Fall vorher am Sonntag im Premium Bereich bei den "Sonntag Links".

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Die absurde Diskussion um Austerität versus Wachstum in der Eurozone

Schaut man in die Presse und sieht, was selbst höchste Politiker bis hin zu Staatspräsidenten so von sich geben, könnte man ja meinen, als gäbe es eine wichtige ökonomische Diskussion, die man als "Austerität versus Wachstum" umschreiben könnte.

Ich kann mit dieser Diskussion wirklich nichts anfangen. Sie ist für mich persönlich einfach lächerlich und absurd und wer sich nicht entblödet, dabei nur auf einer Seite der Medaille zu argumentieren, der ist für mich sowieso nicht ernst zu nehmen. Und um das zu erkennen, muss man nicht einmal Ökonom sein. Dafür reicht einfach ein durchschnittlicher IQ und eine Prise Realismus.

Denn an dieser Stelle ist die Wirklichkeit ganz einfach: Wir brauchen Beides ! Austerität und Wachstum ! Und das Eine kann ohne das Andere gar nicht funktionieren. Der vermeintliche Gegensatz ist konstruiert, um medial damit das eigene politische Süppchen zu kochen. Mit der Realität hat der vermeintliche Gegensatz aber nichts zu tun.

Nehmen wir doch mal den menschlichen Körper. Nehmen wir einen Menschen der jeden lieben Tag verfettet und vollgefressen in seinem Sessel hängt, drei leere Chips-Tüten daneben und die Fernbedienung in der Hand, unfähig sich selber aufzuraffen und mit seinem Leben etwas Sinnvolles anzustellen. Und nun soll dieser Mensch wieder fit und gesund werden.

Glauben Sie, es würde reichen, ihm nur die Chipstüten wegzunehmen und ihn ansonsten weiter im Sessel vegetieren zu lassen ? Nur mit dem Unterschied, dass er nun auch noch hungert ? Wird das den Menschen glücklicher, erfolgreich und gesünder machen ? Wohl kaum, nur mit dem Einsparen von Nahrung wird man gar nichts bewirken. Man wird den Menschen nur noch mehr frustrieren und unglücklich machen. Und sobald er dann irgendwo eine versteckte Chipstüte in die Hand bekommt, wird er sie gierig hinein stopfen. Und der Körper wird im Jojo-Prinzip noch fetter werden.

Faktum ist also, Einsparung und Reduktion alleine machen nicht gesund. Im Gegenteil, man kann sich auch tot hungern ! Und in der Wirtschaft ist es nicht anders. Gerade auch weil Wirtschaft auf Psychologie beruht und die Menschen brauchen einfach etwas Positives, wonach sie streben können. Hoffnung ist eine weit unterschätze Währung !

Bevor jetzt hier aber Vertreter der französischen Regierung jubilieren einen Deutschen zu finden, der reine Sparsamkeit schwachsinnig findet, muss ich klar stellen, dass das Gegenteil ebenso absurd ist.

Denn glauben Sie ernsthaft, dieser verfettete Mensch würde gesund werden, wenn man nichts an seiner Nahrungsaufnahme und seinem Lebensstil ändert und dem Menschen dafür nur teure Fitnessprogramme anbietet, ihn also massiv fördert ? Das Geld dafür könnte man auch gleich das Klo runter spülen oder zu einer Zigarre rollen und rauchen. Es ist völlig verschwendet. Denn ein derartiger Körper kann gar keine Freude bei Bewegung erleben. Und wird deshalb die teuren Programme bestenfalls halbherzig annehmen und nach drei Versuchen wieder fallen lassen. Und wieder Chips vor dem Fernseher mampfen, um im Bild zu bleiben.

Faktum ist also, wenn die Grundlage nicht da ist, bringen Wachstumsanreize gar nichts. Auch das ist so in der Wirtschaft. Wenn die Wirtschaft durch Bürokratie und Steuer- bzw. Regulierungs-Lasten erdrückt wird, ist es sinnlos, weisse Salbe zu verschmieren und irgendwelche Wachstumsprogramme aufzulegen. Die "süssen" Teile dieser Programme werden mit genommen, in den Mund gestopft und dann macht man weiter wie bisher.

Und deshalb braucht Europa beides. Die "Verfettung" des obigen Bildes ist dabei in vielen Ländern des "Club Med" ein übergrosser, ineffektiver und teilweise korrupter Staatsapparat, der wie Mehltau auf der Wirtschaftskraft des Landes liegt und letztlich die Menschen aussaugt. Darüber hinaus oft geschlossene Arbeitsmärkte und Branchen die von Bünden und illegalen Absprachen dominiert werden und sich gegen Wettbewerb und Wandel wehren. Und ebenso eine Kultur des gesellschaftlichen Egoismus, in der das Gemeinwohl im Wortschatz nicht vorkommt und jedes Individuum bereit ist, das Gemeinwesen - und damit letztlich den Nachbarn - gnadenlos zu "bescheissen", um einen eigenen Vorteil daraus zu ziehen.

In Ländern wie Griechenland kann man da nur sagen, der Fisch stinkt vom Kopf und "die da oben" machen "denen da unten" vor, wie man den eigenen Vorteil um jeden Preis maximiert. Nur ist das keine Entschuldigung für "die da unten", sich ebenso moralisch windschief zu verhalten. Genauso wenig wie ein Hoeness die ebenso verwerfliche Schwarzarbeit des kleinen Mannes legitimiert. Und es ist schon gar keine Rechtfertigung dafür, in Deutschland den Sündenbock zu suchen, nur um das eigene gesellschaftliche Versagen zu kaschieren.

Und dieses Fett zu reduzieren geht eben nicht ohne Schmerzen wie Entlassung und nicht ohne (Gehalts-) und (Bürokratie-) Verzicht. Wer den Menschen etwas anderes erzählen will lügt in meinen Augen !

Leider gibt es in Demokratien eine Besonderheit, die erzwingt, dass Austerität am Anfang des Prozesses stehen muss. Denn in Demokratien gewinnen immer die, die den Menschen schöne Versprechungen machen. Mit der Ansage von Mäßigung, Verzicht und Training ist noch niemand gewählt worden, auch nicht in Deutschland. Deshalb können Demokratien diese schmerzhaften Schritte nur dann angehen, wenn die Lage für jeden spürbar kritisch und dramatisch ist. Erst die Krise in der Realität gibt in einer Demokratie denen die Oberhand, die für einen schmerzhaften Wandel eintreten.

Deswegen gibt es auch keine andere Wahl, als in Europa erst die strukturellen und schmerzhaften Massnahmen anzugehen, bevor man dann auch fördern kann und den Blick auf Wachstum richten kann und muss. Bevor man den Menschen Hoffnung gibt. Zu frühe Hoffnung raubt die Kraft endlich mal hart in das eigene Fett zu schneiden. Erst Austerität und danach Wachstumsanreize ist in Demokratien leider eine zwingende Reihenfolge. Versucht man es anders herum, wird Austerität ausfallen und nichts wird sich an den Grundlagen ändern, die die Krise hervor gerufen haben.

Schaue ich persönlich auf die südlichen Länder der Eurozone, sehe ich da mit Spanien und Portugal zwei Nationen, die schon harte und strukturelle Änderungen auf den Weg gebracht haben. Diese Länder waren und sind bereit, ihre Chipstüten wegzuwerfen, zu trainieren und sich selber aus dem Loch zu befreien. Beide Länder brauchen jetzt Wachstumsanreize und die Bevölkerung braucht eine Perspektive. Das haben sich diese Gesellschaften verdient und dort einfach mit reinem Sparen weiter zu machen, führt in die Katastrophe und hat keinen Sinn.

Dann haben wir mit Italien und Griechenland zwei Länder, in denen das Thema Korruption besonders schwerwiegend ist. Diese Länder haben mit ersten Änderungen angefangen, sind aber bisher nicht sehr weit gekommen. Und natürlich wird von den lokalen Politikern etwas anderes erzählt, aber die Kernprobleme im Bereich Arbeitsmarkt und öffentliche Verwaltung sind in meinen Augen bestenfalls angekratzt. Und der viel gelobte Monti hat leider mehr mediale Bugwelle, als echte harte Änderungen bewirkt. Die Ursachen der Misere sind dort aber nicht ausreichend aufgearbeitet und hier schon wieder das Ende von Anpassungsbestrebungen auszurufen, wäre deutlich verfrüht. Jeder Euro der Förderung, würde im derzeitigen Zustand nur erneut wieder versickern.

Und dann haben wir mit Frankreich den schlimmsten Fall von allen, denn dort wird sich noch in Verweigerung geübt, der Verweigerung die harte Realität anzuerkennen, dass man die Wettbewerbsfähigkeit weitgehend verloren hat und in einer grossen Illusion lebt, die das Vermögen der jungen Generation verfrühstückt. Frankreich will bildlich gesprochen seine Chipstüten noch nicht loslassen und es gibt auch noch keine Akzeptanz für die Notwendigkeit harter Massnahmen. Aussagen aus diesen Reihen, dass mit Austerität nun Schluss sein müsste, sind für mich einfach lächerlich. Man hat noch nicht einmal angefangen, sich aus dem weichen Sessel aufzuraffen ! Man stellt ja sogar die Existenz eines weichen Sessels in Frage !

Und damit niemand denkt, hier urteile ein typisch arroganter Deutscher nur über andere, es gibt dann noch ein Land, Deutschland. Das glaubt alles richtig gemacht zu haben und anderen Lehren erteilen zu können. Und übersieht dabei, dass es gerade dabei ist alles zu verspielen. Denn dieses Land kann trotz rekordhoher Steuereinnahmen und niedriger Arbeitslosenzahlen immer noch nicht mit den Einnahmen haushalten und will wieder den einfachen Weg wählen, in dem sich der Staatssektor noch mehr Steuer-Chips-Tüten in den Rachen schiebt, statt endlich mal anzufangen für eigene Fitness zu sorgen und das Geld der Bürger sinnvoll und sparsam auszugeben. Und diese Gier und Masslosigkeit bei der Staatsquote, für die das Programm der Grünen nur das offensichtliche Fanal ist, legt jetzt schon den Samen für den kommenden Niedergang, wenn die Welt aus konjunkturellen Gründen mal nicht so nach deutschen Exportgütern schreit. Denn dieser Niedergang trifft dann auf noch mehr unbezahlbare Versprechungen und noch mehr unbezahlbare Pensionslasten als heute schon.

In Summe ist die Ökonomie eines Turnarounds aber ganz einfach und immer gleich, in einem einzelnen Unternehmen wie in einem ganzen Land. Es braucht immer beides: Erstens Sparsamkeit und Reform in Form einer Fitnesskur für die Gesellschaft und zweitens Hoffnung und Wachstum, die Motivation damit Menschen mit Optimismus aufstehen und positiv den Tag angehen.

Wenn jemand Ländern wie Spanien und Portugal, die schon so harte Schnitte hinter sich haben, nun Hoffnung auf Wachstum verweigern will, wäre das fahrlässig und dumm. Das wäre dann tatsächlich "Brüning Reloaded" und eine Sünde an Europa.

Und wenn jemand in Ländern wie Italien, Griechenland und erst recht Frankreich nun davon faselt, dass schon genug der Anstrengungen erfolgt wären, ist das für mich einfach nur dummes Geschwätz, das von eigenem Versagen ablenken soll. Dort ist man bestenfalls auf dem Weg der notwendigen Anpassung, aber keinesfalls am Ende.

Und wenn jemand in Deutschland glaubt, wir seien so toll und bei uns sei alles anders, dem sei gesagt: es gibt einen Grund, warum bei uns die Dinge besser sind. Weil wir eine erfolgreiche, international wettbewerbsfähige Wirtschaft mit motivierten, loyalen und kreativen Mitarbeitern haben. Und wer an dieser Grundlage aus ideologischen Gründen zündelt, ist nicht ganz klar im Kopf !

Und wenn jemand die ganze Eurozone in einen Topf wirft und nicht in der Lage ist die Situation der Länder einzeln zu betrachten, verabschiedet er sich als ernst zu nehmender Gesprächspartner.

So weit meine Meinung zum Thema.

Und finden Sie nun, dass dieser Artikel nur Offensichtliches wiederholt hat ? Dann sind Sie nicht alleine, ich finde das auch !

Umso erstaunlicher ist dann doch wohl diese für mich lächerliche Kontroverse in Europa, in der zwei Dinge in Gegensatz gesetzt werden, die immer, egal ob im Körper oder in der Wirtschaft, gleichberechtigt angegangen werden müssen:

Fordern und Fördern,
Zuckerbrot und Peitsche,
Schlankheit und Training,
Abwerfen von Ballast und das Setzen der Segel,
Austerität und Wachstum !

Über die Details, das Ausmass und den Zeitpunkt, kann man sich füglich streiten. Aber doch nicht über das Prinzip !

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Zur Marktkapitalisierung – warum ich Pennystocks nicht anfasse

Anmerkung: Dieser Artikel zu Pennystocks und Marktkapitalisierung erschien schon vor einem guten Jahr am 13.03.2012. Er ist aber sehr grundsätzlicher Natur und es dürften ihn viele nicht gesehen haben. Daher erlaube ich mir, ihn nach einem Jahr erneut hochzuschieben, in der Hoffnung er möge mehr Leser finden.

Mit diesem Artikel möchte ich Ihnen einen Einblick geben, wie und warum das Kriterium der Marktkapitalisierung in meine Entscheidungen einfliesst.

Zunächst einmal muss ich dabei auf ein Grundgesetz der Börsen-Anlage hinweisen. Im Lichte einer prinzipiell unbestimmten Zukunft, stehen wir mit unseren Entscheidungen immer im Wettbewerb mit anderen Marktteilnehmern um zukünftige Entwicklungen abzuschätzen.

Denn wenn alle anderen einen wichtigen Sachverhalt schon begriffen haben, wir aber als einzige noch nicht, dann sind die anderen alle schon positioniert und uns bleibt nichts übrig als hinterher zu rennen, was dann mit Verlusten endet.
Umgedreht, wenn wir wie ein Insider Zukunfts-Wissen haben, das die anderen noch nicht besitzen, haben wir einen entscheidenden Vorteil (Edge), den wir leicht zu hohen Gewinnen umformen können.

Bei jeder kurz- und mittelfristigen Anlage ist also die Frage wichtig, ob wir tatsächlich "mehr" wissen oder die Zukunft besser einschätzen können, als die anderen Marktteilnehmer. Wenn wir diese Frage nicht beantworten können, sollten wir uns keiner Illusion hingeben - wir können dann auch einmal Zufallstreffer landen, über die Zeit werden wir aber nicht in der Lage sein den Markt zu schlagen und wären dann mit einem Index-ETF wahrscheinlich besser beraten.

Und wenn sich ein derartiger Informationsvorsprung jetzt als fast unmöglich anhört, er ist es nicht. Er hat aber immer mit Fleiss und Informationsverarbeitung zu tun. Und es gibt unzählige Wege sich so einen Vorteil zu verschaffen. So schafft es der rein technische Trader zum Beispiel, in dem er sich auf wenige Titel beschränkt und bei diesen spezialisiert. Nach einiger Zeit kennt er die typischen Bewegungen und Muster des Titels so gut, dass alleine das einen Vorteil gegenüber den anderen Marktteilnehmern darstellt. Und ein Warren Buffet hat sich in seine Investitionen immer im Vorfeld so hinein gewühlt, dass er das Unternehmen manchmal besser als das Management selber verstand.

Ein ganz entscheidender Faktor in diesem Spiel ist dabei die Informationsversorgung. Wie kann ich denn zum Beispiel glauben, ich hätte bei einer chinesischen Aktie einen Vorteil gegenüber Millionen anderen Marktteilnehmern, wenn ich die Sprache nicht spreche und daher die Mehrzahl der Medienberichte gar nicht mitbekomme, von kulturellem Unverständnis ganz zu schweigen. Und dann erscheint einmal im Jahr in einer Anlegerpostille ein Jubelbericht zu der Aktie und nun bilde ich mir in meiner Selbstüberschätzung ein, ich hätte deswegen einen Vorteil ?

Nein, damit ist man eher die Sau die sich freiwillig zur Schlachtbank bewegt. Er vor kurzem berichtete die Wirtschaftswoche von aktuellen Ermittlungen (endlich!) der Münchener Staatsanwaltschaft gegen einen Ring von Aktien-Pushern, dabei wird laut Presse auch gegen einen ehemaligen Redakteur von Focus-Money ermittelt, der dort in der Vergangenheit viele "heisse" Aktientips zum besten gegeben hat.

Informationsversorgung ist also ein ganz entscheidendes Kriterium für Erfolg an den Märkten. Und das gilt sogar für den rein technisch agierenden Daytrader, denn auch der muss wissen um wieviel Uhr seine Aktie die Bilanzpressekonferenz macht und wie die Markterwartungen sind. Und wer über Wochen oder Monate Aktien halten will, kommt um ein grundlegendes Wissen um die "Mechanismen" des Geschäftes der Aktie nicht herum.

Und genau hier, bei der Informationsversorgung, kommt unter anderem die Marktkapitalisierung ins Spiel. Dabei gibt es mehrere Parameter die es zu beachten gilt:

Sprache: nur wenn man die Sprache spricht in der das Unternehmen die Informationen heraus gibt, hat man die Chance an ungefilterte Informationen zu gelangen. Bei mir sind das Deutsch und Englisch die ich fliessend spreche und verstehe. Das schränkt meine ideale Zone auf den deutsch und englischsprachigen Raum ein.

Kulturelle Nähe: um eine Nachricht einschätzen zu können, muss man auch den kulturellen Kontext verstehen, da wichtige Schlussfolgerungen oft zwischen den Zeilen gezogen werden. Hier ist mir die "westliche Welt" nahe, darüber hinaus fehlt es mir an ausreichender Kompetenz aus eigener Erfahrung.

Darüber hinaus kann auch räumliche Nähe zur Aktie von Vorteil sein. Wenn ich von grossen Investitionsplänen eines Konzerns in Brasilien lese, kann ich mangels kultureller Nähe dazu nur die Schultern zucken. Wird diese Investition aber hier in Bayern geplant, weiss ich genau wie stark mit Gegenwehr von Bürgerbewegungen etc. zu rechnen ist und wie die lokale Situation wirklich aussieht. Das verschafft mir einen Vorteil gegenüber anderen Anlegern in der Welt.

Grösse: Je grösser ein Unternehmen ist, desto mehr andere Marktteilnehmer beschäftigen sich damit. Und desto mehr Informationen gibt es auch. Gleichzeitig steigt der Druck und die Überwachung des Managements sich an die Regeln zu halten, während in kleinen, wenig beachteten Unternehmen viel mehr mit Informationen gespielt werden kann. Umgedreht wird es bei ganz grossen Unternehmen natürlich immer schwieriger sich einen Vorteil zu verschaffen, denn wenn 500 kluge Leute zum Beispiel die Commerzbank analysieren, was berechtigt mich dann zu der Annahme, dass ich da etwas neues erkennen kann ? Aber nur ein grösseres Unternehmen liefert so viele Informationen, dass ich damit als Aussenstehender "arbeiten" kann. Insofern macht eine Anlage nur Sinn, wenn genügend Informationen aus erster Hand verfügbar sind.

Insider: Jedes Unternehmen hat weit mehr "Insider", als der rechtliche Insiderbegriff fassen kann. Denn um die formalen "Insider", das Management herum, gibt es Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Partnerunternehmen, Lieferanten, Mitbewerber etc. etc. die alle einen tieferen Einblick in die wirkliche wirtschaftliche Situation haben als ein Aussenstehender. Es reicht doch schon als regelmässiger Lieferant anhand der Bestellmengen einen Einblick in den Rohwarenverbrauch des Unternehmens zu haben, um die wirtschaftliche Situation einschätzen zu können. Bestimmte Hedgefonds die in konkreten Titeln aggressiv investiert sind, setzen daher auch alle denkbaren Mittel ein (die Mittel die man auch aus der Spionage kennt, inklusive der Honigfalle) um an verwertbare Informationen zu kommen. Wenn eine schöne Nacht mit einem gutaussehenden "Mächtigen" einem ein paar Einsichten verschafft, die man dann an den Märkten zu Millionen machen kann, dürfte die moralische Hürde halt recht niedrig werden.

Wir als Aussenstehende dürfen also nie vergessen, dass wir gegen diese Insider antreten und die gibt es bei grossen wie bei kleinen Unternehmen. Der Unterschied ist, bei einem Grosskonzern verdient dieser Hedgefond vielleicht gutes Geld, der Kurs des Grosskonzerns wird dadurch aber nicht wesentlich zu meinen Ungunsten beeinflusst. Denn wenn am Tag die Aktie einen Umschlag von einer Milliarde € hat, dann geht auch der Hedgefond mit seinen 20 Millionen Profit im Rauschen unter. Wenn aber bei einem Pennystock Insider am Werk sind, verlieren wir als redliche Anleger immer und massiv ! Und der Wissensvorsprung der Insider ist bei Pennystocks gewaltig. Dort werden sich die "Analysten-Kommentare" manchmal sogar "erkauft", denn wer verplempert schon freiwillig seine Zeit mit solchen Aktien ? Am Ende ist aber immer der Aussenstehende der Dumme, denn da wo Informationen von wenigen Personen kontrolliert und selektiv nach aussen gegeben werden, kann man nur verlieren.

Jetzt will ich damit nicht alle Pennystocks perse unter Generalverdacht stellen, auch dort gibt es seriöse Unternehmen und seriöses Management. Die Risiken sind aber für uns Anleger so viel höher und die Möglichkeit das von aussen einzuschätzen so viel kleiner, dass man sich die Frage stellen sollte, warum man sich überhaupt in dieses Spiel begibt.

Dieses alles verstehend, habe ich mir daher ein paar Regeln zur Marktkapitalisierung und zum Aktienuniversum gegeben, in dem ich überhaupt aktiv bin. Ich habe dabei meine Aktienwelt in 4 Kategorien eingeteilt, wobei die unten genannten Grenzen nicht als harte Grenzen zu verstehen sind, sondern als Grössenordnungen, die ich bei meinen Entscheidungen mit pragmatischem Augenmass berücksichtige.

Kategorie A: Aktien aus dem deutschen Sprachraum (Deutschland, Österreich, Schweiz): Mindestens 100 Millionen MarketCap - ab 500 Millionen keine Bedenken mehr.

Kategorie B: Aktien aus dem angelsächsischen Sprachraum (USA, Grossbritannien, Kanada, Australien etc): Mindestens 500 Millionen MarketCap - ab 1 Milliarde keine Bedenken mehr.

Kategorie C: Europäisches Ausland (Frankreich, Spanien, Italien etc.): Nur die Aktien aus den Top-Indizes, also Frankreich zb CAC. Bei allen anderen ist mangels Übersetzung ins englische oder deutsche die Sprache eine so hohe Hürde, dass ich Hintergrundinformationen nicht richtig mitbekommen kann.

Kategorie D: Alle anderen Märkte (China, Indien, Brasilien etc.): Grundsätzlich keine Einzelaktien, mangels kultureller und sprachlicher Nähe. Nur ganze Märkte in Form von voll replizierenden ETFs.

Mit dieser Kategorisierung habe ich für meine Anlagestrategie guter Erfahrungen gemacht und sie bewahrt mich auch davor bestimmten vermeintlich "heissen" Aktien hinterher zu laufen, die gerade mal wieder gepusht werden.

Die für meine Anlagestrategie idealen Unternehmen sind dabei die mittelgrossen, mit einer Marktkapitalisierung im unteren einstelligen Milliardenbereich. Die sind gross genug um professionell zu agieren und von einigen anderen beobachtet zu werden. Und klein genug um noch einen Wissensvorsprung gegenüber dem breiten Markt haben zu können, inklusive der Chance von den Grosskonzernen aufgekauft zu werden.

Ich hoffe ich konnte Ihnen mit dieser Erklärung ein paar gute Hinweise gebe und wünsche Ihnen weiter viel Erfolg im harten Wettbewerb um Informationen an den Börsen.

Ihr Hari

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Gastkommentar – DAX Betrachtung: Langfristig hui – kurzfristig pfui

DAX Betrachtung: Langfristig hui – kurzfristig pfui - Ein Gastartikel von Tokay

In den vergangenen Handelstagen ist Bewegung in den DAX gekommen - nur leider nicht in die Richtung, in die es sich die meisten gewünscht hätten. Die zahlreichen Gewinnrevisionen deutscher Unternehmen haben ihre Spuren hinterlassen, neue Großtaten der EZB stehen nicht in Aussicht. Auch in Deutschland läuft die Konjunktur schlechter – die Einschläge kommen näher. Und die für Europa und Deutschland richtungweisenden Märkte in den USA zeigen deutlich nach unten. Wie könnte es weitergehen? Dies wollen wir uns auf drei Zeitebenen anschauen.

DAX kurzfristig

a) kurzfristig

Der Trend der Sommerrally (Strecke ABD) wurde im September gebrochen, und wir tasteten uns seither durch den Herbstnebel(Strecke CEF). Man muss klar sehen, dass die Parallellinie zur Strecke CEF in den vergangenen Handelstagen nach unten durchkreuzt wurde, was als klar negatives Signal zu werten ist. Für eine Jahresendrally sieht es also nicht gut aus.

DAX mittelfristig

b) mittelfristig

Das Jahr 2011 war bislang gekennzeichnet durch drei Phasen: Nämlich durch die Rally zu Jahresanfang, die bis gegen Ende März lief(Strecke AB), dann die Konsolidierung bis Ende Juni (Strecke BC); sie war geprägt von der nicht enden wollenden Staatsschuldenkrise, und schließlich durch eine Sommerrally (Strecke CD), die entscheidend durch monetäre Impulse der EZB(„Draghi-Put“) induziert wurde. Noch während dieser monetären Expansion begannen sich langsam, aber stetig die Geschäftserwartungen der deutschen Unternehmen zu verschlechtern, die zuletzt in deutlich zurückgenommenen Jahresausblicken ihren Niederschlag fanden mit entsprechender Reaktion der Märkte; zuletzt und besonders spektakulär zu beobachten bei Eon. Wir befinden uns daher günstigenfalls in einer neuerlichen Phase der Konsolidierung, die sich bei weiterer Zunahme der Dynamik zu einer Baisse auswachsen kann.

DAX langfristig

c) langfristig

Die Anfang 2009 begonnene Hausse ist nach wie vor intakt(Strecke ACE), erst ein merkliches Unterschreiten der Marke 6.000(Bereich EF) würde wahrscheinlich ein Ende dieser Aufwärtsbewegung signalisieren. Auf der anderen Seite stieß diese Hausse bereits einige Male an eine Obergrenze; über die Marke 7.500 ging es allerdings kaum einmal nennenswert hinaus(Strecke BD). Auf lange Sicht gesehen ist noch gar nichts passiert; sollte der Aufwärtstrend im DAX demnächst wieder aufgenommen werden - dann ist das Erreichen der 8.000er Marke keinesfalls unrealistisch. Da die monetäre Expansion sich früher oder später auf den Vermögensmärkten auswirken wird – bei Immobilien ist dies heute schon der Fall – ist sogar das Erreichen noch höherer Marken im Bereich des Möglichen.

Doch es ist es noch lange nicht soweit. Die Gewinnaussichten der Unternehmen sind derzeit ausgesprochen ernüchternd und dies wird derzeit in den Kursen verarbeitet. Zunächst einmal befinden wir uns in einer unruhigen Marktphase, die durchstanden sein will, bevor irgendwann einmal wieder der Blick nach oben gerichtet werden kann.

Tokay

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Ein historischer Tag – Das Ende Deutschlands, wie wir es kennen.

Vorsicht, hier kommen sehr subjektive, persönliche und harte Worte.

Markieren Sie sich den heutigen 29.06.12 im Kalender, es bestehen gute Chancen, dass das ein historischer Tag ist. Denn heute in den frühen Morgenstunden wurde nach meiner Ansicht das Ende des Deutschlands eingeleitet, wie wir es kennen.

Sie finden das übertrieben ? Ich nicht, denn die entscheidenden Wendepunkte der Geschichte sind nicht die Tage, an denen etwas mit Pomp offiziell verkündet wird, was sich schon lange vorher entwickelte. Nein, es sind die Tage, an denen die Parteien unter Aufbietung aller Kräfte miteinander ringen und sich endgültig zeigt, wer die grösseren Kräfte, den grösseren Mut besitzt und wer zurück zieht.

Im amerikanischen nennt man solche Tage einen "Inflection Point", einen Begriff aus der Mathematik, der mit dem deutschen "Wendepunkt" zwar eine Näherung, aber keine perfekte Entsprechung hat.

Der zweite Weltkrieg wurde militärisch auch nicht im Mai 1945 entschieden, als die Kapitulation bekannt gegeben wurde. Nein, nicht einmal Anfang 1943 in Stalingrad. Der zweite Weltkrieg wurde im Oktober 1941 vor Moskau entschieden, das war der "Inflection Point". Was danach kam, waren nur noch qualvolle Jahre bis zum unvermeidlichen Ende.

Aber zurück zur Gegenwart. Erinnern wir uns, mit welcher Bugwelle die Parteien in den EU-Gipfel gegangen sind ? Monti redete vom "Euro der zum Teufel geht" und warf damit alles an Erpressungspotential in die Waagschale, was er zu bieten hatte. Und Merkel machte den "nicht in meinem Leben" Satz zur gemeinsamen Haftung. Dieser Gipfel, das war der Höhepunkt des Ringens der beiden Positionen. Noch nie war die Spannung so gross und das Klima in der EU so giftig. Das war der Tag, an dem sich eine Seite durchsetzen würde, der Inflection Point.

Und zurückgezogen, verloren, das hat unsere Regierung und damit wir als Deutsche. Dinge, die man vorher kategorisch ausgeschlossen hatte - wie eine direkte Kapitalisierung spanischer Banken durch EFSF und ESM - wurden durchgewunken. Damit finanzieren deutsche Arbeitsnehmer mit ihren Steuergeldern nun direkt spanische Zombi-Sparkassen ohne einen Hauch von Einfluss zu haben. Und damit hat die spanische Regierung weder Not noch Interesse daran, sich dort weiter hart zu engagieren. Und Italien darf nun Gelder aus dem ESM entnehmen, ohne das die "bösen" schwarzen Herren aus der Troika kommen.

Es ist wie im orientalischen Basar, wenn der Basarhändler spürt, dass der Kunde nicht wirklich bereit ist ohne Ware aus dem Laden zu gehen und die Tür zu schliessen, hat man ganz schlechte Karten was den Preis angeht. Und so ist es auch hier, mit Deutschlands Staatsräson, die Eurozone um jeden Preis zu "retten", haben wir uns erpressbar gemacht und sind nun erpresst worden.

Ich schreibe lieber nicht, was ich über die sich im Wind drehende Merkel & Co., und noch schlimmer über die Hollande die Füsse leckende SPD-Troika denke, die Deutschlands Position mutwillig geschwächt hat. Man muss sich das mal vorstellen, Monti konnte Deutschland mit Verweigerung der Zustimmung zu Wachstumspakt und Transaktionssteuer erpressen, obwohl beide Punkte gar nicht im originären Interesse unserer Regierung gelegen haben. Das ist ein echter Witz ! Diese beiden Punkte wurden aber seitens unserer Opposition zur Bedingung der Zustimmung zum ESM gemacht. So spielt man perfekt mit Italien und Frankreich über Bande - Pfui Spinne !

Aber wie auch immer, meine Wut und Abscheu ist mein persönliches Problem. Was in den nächsten Jahren hier passiert, betrifft uns aber alle. Wenn die deutschen Bürger diesen Weg nicht wollen, haben sie nun nur noch eine kleine Chance, sie müssten bei der nächsten Bundestagswahl anderen Parteien als den vorhandenen zu einer Mehrheit verhelfen, was unrealistisch ist. Auf das von Ex-Politikern durchsetzte BVG würde ich nicht setzen.

Da ich daran nicht glaube, kann ich dem hart arbeitenden deutschen Arbeitnehmer nur raten: Lasst es sein, geniesst das Leben, es lohnt sich nicht, sich abzurackern ! Denn es reicht ja nicht, dass ein durchschnittlicher Facharbeiter beim "Daimler" schon heute im Grenzsteuersatz ankommt und von seiner Lohnerhöhung gleich die Hälfte einkassiert wird. Es reicht auch nicht, dass dieser Facharbeiter ein geringeres Durchschnittsvermögen als zum Beispiel Belgier und Italiener besitzt und im letzten Jahrzehnt reale Wohlstandsverluste hingenommen hat, nur um noch härter zu rackern. Nein, nun finanziert er damit auch noch die Fehlspekulationen spanischer Banken.

Ich bin heute übrigens aus Kroatien zurück gekommen. Ich habe in Kroatien nagelneue Infrastruktur vorgefunden, alles perfekt. Dann bin ich in Slowenien auf perfekten, nagelneuen Autobahnen gefahren. Dann habe ich in Österreich die hervorragend gewarteten Autobahnen und Tunnel genossen. Und dann kam ich nach Deutschland auf die A8 München-Salzburg und holperte im dichten Verkehr über alte Betonplatten aus "Adolfs Zeiten", ohne Seitenstreifen, mit verrosteten und verbogenen Leitplanken. Mehr muss man dazu wohl nicht sagen.

Die südlichen Länder der Euro-Zone haben gewonnen, das ist nun klar. Der 29.06.12 ist ein historische Tag. Die Schuldner zwingen den Gläubigern ihren Willen auf. Man kann jedem Deutschen nun nur noch mit Sarkasmus raten, sich diesen Lebensstil selber anzueignen, selber Schulden aufzunehmen und das Leben im Hier und Jetzt in vollen Zügen zu geniessen. Wenn wir dann Morgen unsere Schulden nicht mehr bedienen können, werden wir schon einen Dummen finden, bei dem wir sie abladen können.

Das Europa mit so einer Haltung im Wettbewerb mit aufstrebenden Volkswirtschaften wie China nicht mithalten kann, sollte offensichtlich sein. Aber darüber macht man sich keine Gedanken, wenn man das Leben im Hier und Jetzt geniesst. Nach uns die Sintflut !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 23.04.12 – Europa zerfällt, wo ist nur das ganze Geld hin ?

17.30 Uhr - Ein paar sehr persönliche Gedanken zur Euro-Krise.

Ein bitterer Tag ist an den europäischen Märkten zu Ende gegangen. Wie schon lange von mir erwartet, traten heute endlich die Implikationen der Wahl in Frankreich in das Bewusstsein der Märkte. Und Mr. Market gefällt nicht, was er sieht. Ein richtig mieser Einkaufsmanager-Index und eine Regierungskrise in den Niederlanden, sowie durchwachsene Daten aus China taten dann ihr übriges.

Europa zerfällt, rette sich wer kann - so kann man wohl die Wahrnehmung des Marktes am heutigen Tage beschreiben.

Ich werde mich heute daher auch nicht zum aktuellen Marktgeschehen äussern, "Sea of Red" ist eine ausreichende Beschreibung und das sagt alles. Ich will mich vielmehr in einer Art Essay meiner persönlichen, höchst subjektiven Sicht auf das "grosse Ganze" nähern. Wenn Sie nicht noch mehr schlechte Nachrichten wollen, dann lesen Sie bitte nicht weiter, ich habe wenig Positives zu bieten.

Wo ist nur das ganze Geld hin ? Diese Frage lag mir in Anbetracht der Märkte heute auf der Zunge.

Denn auf der einen Seite haben wir Notenbanken, die wie wahnsinnig die Druckmaschinen anwerfen. Und wir haben Staaten, die über beide Ohren verschuldet sind und mit hunderten Milliarden ihr Banksystem stützen. Nun sollte man ja meinen, das sich diese Billionen - ja es sind Billionen ! - an Liquidität irgendwo sammeln und zu neuen Blasen führen.

Aber was passiert heute ? Aktien runter, Gold runter, Euro Staatsanleihen (bis auf Bunds) runter. Alles runter. Und wo ist das ganze Geld ? Wo ist der sichere Hafen, in den man sich retten kann ? Irgendwo müssen sich diese Billionen doch sammeln ? Wir befinden uns mitten im grössten fiskalischen Experiment der Weltgeschichte und ich habe nicht den Eindruck, dass wir uns auf einem guten Weg befinden.

Obige Fragen sind natürlich rhetorisch und es gibt natürlich Antworten. Aber Antworten die einem nicht gefallen, wenn man darüber nachdenkt. Der heutige Tag gibt uns auf jeden Fall einen Vorgeschmack darauf, was uns in Europa blüht, wenn wir diese Krise nicht endlich in den Griff bekommen. Denn Wohlstand kann sehr wohl "verdampfen", sich einfach in Luft auflösen - auch das ist in der Geschichte schon mehrfach passiert. Und nur weil es in Deutschland die letzten 65 Jahre nicht passiert ist, ist das keine Garantie für die Zukunft.

Im Endeffekt gäbe es in meinen Augen für Europa eigentlich nur zwei grundlegende Wege, die wirklich funktionieren würden.

Entweder müsste sich Europa sofort zu einem funktionierenden Bundesstaat mit zentraler Finanz- und Wirtschafts-Regierung zusammen schliessen. Das ist irreal und wird durch den "Spaltpilz Euro" immer unwahrscheinlicher, der in den einzelnen Ländern ja gerade nationalistisches Gedankengut fördert und in den Parlamenten stärkt.

Oder wir müssten das Experiment Euro sofort beenden und in einem geordneten Prozess und (noch) in Freundschaft wieder in ein Wechselkuystem mit nationalen Währungen wechseln, eine Rückkehr zum EWS also. Auch das ist irreal, die Politik ist durch die permanente Agitation der Grossindustrie gedanklich zu verseucht und in dem Irrglauben gefangen, dass ein Ende des Euros auch der Untergang Europas wäre. Dabei ist das Gegenteil offensichtlich der Fall, dieser fehlkonstruierte Euro ist der Spaltpilz Europas ! Die Väter des Euros haben sich - ohne es zu wollen - durch Naivität und wirtschaftliches Unwissen an der Zukunft Europas versündigt, das ist meine traurige Meinung zum Thema.

Ich halte es da wie und bin davon überzeugt, dass ein (geordnetes!) Ende des Euros für Deutschland am Ende gut tragbar wäre. Deutschland war "Exportweltmeister" mit der starken D-Mark und ist es wieder mit dem Euro. Warum bitte, soll das Deutschland nach einem heftigen, aber kurzen Anpassungsschmerz nicht auch wieder mit einer neuen, harten Währung gelingen ? Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit beruht auf dem Wissen, dem Ideenreichtum und dem Tüftlergeist seiner Ingenieure in der Exportindustrie und eben gerade nicht auf "Financial Engineering". Das war schon in den letzten 150 Jahren Deutschlands Stärke und wird es auch in Zukunft sein.

Und damit es da keine Missverständnisse gibt, ich bin Europäer aus Überzeugung und der echte Bundesstaat wäre die Lösung meiner Wahl. Aber das ist derzeit leider irreal und wird mit jedem Monat der Krise irrealer. Und bevor Europa ungeordnet zerfällt und nationale Egoismen endgültig wieder ihr hässliches Haupt erheben, ist ein schnelles Ende dieses fehlgeleiteten Experiments immer noch die bessere Lösung, als der quälende, langsame Zerfall, in dem wir uns nach meiner Ansicht gerade befinden.

Neben diesen zwei grundlegenden Alternativen gibt es natürlich auch durchaus seriöse und funktionierende, technokratische Lösungsansätze im System. Ein paar wurden hier im Blog auch schon skizziert. Nur werden diese nach meiner Ansicht reine Theorie bleiben, denn was wirtschaftlich oder volkswirtschaftlich sinnvoll ist, lässt sich in dem Geschnatter von 27 Demokratien und Millionen Wählern in Panik nicht durchsetzen. So wird das, was wirtschaftspolitisch und volkswirtschaftlich sinnvoll wäre, in der Eurozone wohl keine reale Chance haben.

Wir werden also nach meiner Erwartung einfach weiter machen wie bisher, bis zum bitteren Ende. Die Politik wird weiter "retten" und die Notenbanken weiter Geld drucken. Und wir werden noch 2 oder 3 solche Wellen zwischen Krise und Entspannung erleben. Bis wir dann irgendwann gegen die Wand laufen und dieser "Reset" wird dann sehr, sehr schmerzhaft werden.

Ich habe es vor ein paar Tagen schon einmal gesagt: ich wäre überrascht, wenn es den Euro in der heutigen Form in ein paar Jahren noch gäbe. Und auch das Europa im Jahr 2015 wird mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich anders aussehen als heute.

Ich weiss, das sind finstere Worte, aber so sehe ich die Welt um uns herum und das schon länger und nicht erst seit heute. Aber heute ist ein guter Tag um es mal auszusprechen, denn heute dürfte jeder verstehen wovon ich rede.

Und trotzdem bieten die Aktienmärkte kurzfristig jede Menge Chancen und ich bin immer noch überzeugt, dass wir ein gutes zweites Halbjahr 2012 erleben werden. Aber nicht, weil wir in der Welt unsere grundlegenden Schulden-Probleme lösen, sondern in Form einer "Sumpfblüte", weil die Liquidität eben doch am Ende ihren Weg in die Sachwerte finden wird, also in Aktien und Gold. Und weil die Notenbanken alles tun werden um den Laden zusammen zu halten, solange man den Schein noch wahren kann. Und für ein paar Runden "Sumpfblüte" reicht es durchaus noch, bevor uns dann in den kommenden Jahren die sehr bittere Rechnung präsentiert wird.

Es gibt ja auch wirklich keine Alternative, wenn Sie etwas Kapital angesammelt haben. Irgendwo muss es ja hin. Schauen wir uns die zum "Geld auf dem Konto" alternativen Anlageklassen doch mal aus meiner sehr persönlichen, subjektiven Sicht an:

- Kopfkissen ? Müssen wir nicht ernsthaft darüber reden oder ? Papierschnipsel einer dann vielleicht untergegangenen Währung unter einem Kopfkissen sind wirklich keine gute Idee, ausser für den Bollerofen in einem kalten Winter. Hat noch jemand Reichsmark ?

- Lebens- oder Renten-Versicherungen ? Igitt ! Man gibt gutes Kapital heute, um ein Versprechen der Finanzindustrie auf einem Blatt Papier zu bekommen, das Jahrzehnte später eingelöst werden soll. Und selbst wenn das Versprechen nominal eingelöst wird, weiss keiner was die Zahl dann wirklich noch wert ist. Inflation, Währungsreform - alles möglich und alles mit den Mickerzinsen nicht annähernd abgegolten.

- Staatsanleihen ? Igitt ! Wie oben, nominal in den USA, Deutschland und anderen stabilen Ländern wohl recht sicher, aber was bekommt man dann für diese Zahl auf dem Papier tatsächlich ? Und es soll keiner glauben, dass sich die aktuellen "Fluchtstaaten" wie Kanada, Australien, Norwegen, Schweiz etc mit ihren vergleichsweise kleinen Anleihemärkten einem globalen Problem entziehen könnten - das ist Illusion !

- Deutsche Rentenversicherung ? Sie werden erstaunt sein: Ja, bei mässigem Einsatz durchaus sinnvolle Anlage ! Eben gerade weil kein Kapital existiert, dass vernichtet oder entwertet werden kann. Es ist vielmehr ein Anspruch an die Kreativität und Leistungskraft unserer Kinder - egal in welcher Währung unsere Kinder dann ihre Leistung verrechnen. Und wenn wir als Eltern nicht alles falsch machen, werden unsere Kinder kreativ und erfolgeich sein. Unsere Ansprüche sind solange sicher, wie wir eine Demokratie haben, denn die Stimmenmehrheit der Versicherten wird immer dafür sorgen, dass die Politik auch eine Gegenleistung für das eingezahlte Kapital sicher stellen muss. Rendite darf man natürlich keine erwarten, aber mit Kapitalerhalt kann man in diesen Zeiten ja schon zufrieden sein.

- Immobilien ? Naja, die selbstgenutzte Immobilie macht sicher Sinn. Aber darüber hinaus ? In den unattraktiven Regionen werden die Leerstände eher grösser und in den Boomzentren wie München sind die Preise doch jetzt schon jenseits von Gut und Böse. Wer heute in München zu 10.000€ pro qm kauft, der wird sein Kapital nach meiner Einschätzung so schnell nicht wiedersehen.

Bei den Immobilienpreisen wird ja gerne vergessen, dass sie keinen "echten" Wert darstellen, sondern direktes Abbild der Wirtschaftskraft sind. Nur wegen der Wirtschaftskraft zahlt man im München 10.000 € pro qm bei guten Eigentumswohnungen. Und in ländlichen Regionen des Nordostens dagegen nur dreistellig pro qm. Nicht die Immobilie oder der Grund und Boden in München ist so und soviel wert - die Wirtschaftskraft der Stadt ist es ! Dieser kleine, aber wichtige Unterschied, wird von vielen Immobilienbesitzern gerne übersehen.

Klar, eine Immobilie behält man und die kann man auch in der Krise anfassen. Aber was ist sie dann noch wert ? Wer Anfang 1923 aus Angst vor der Hyperinflation mit Eigenkapital noch schnell eine Immobilie kaufte, hat ein ziemlich schlechtes Geschäft gemacht und bekam zusätzlich zweimal in 25 Jahren massive Sondersteuern aufgebrummt, die einer Teilenteignung gleichkamen. Wer die Immobilie aber nur mit Darlehen kaufte, machte damals das Geschäft seines Lebens. Die Darlehen waren wertlos und konnten mit einer Rolle Klopapier abgegolten werden, die Immobilie war aber noch da.

- Ackerland und Wald ? Ja, eigentlich eine gute Idee, aber das will bewirtschaftet werden und wirft nur Mickerrenditen ab. Zumal auch bei Ackerland schon die Preise kräftig steigen. Wer genügend Vermögen hat und eine professionelle Bewirtschaftung organisieren kann, für den sicher eine gute Idee. Aber für den durchschnittlichen, wohlhabenden Bürger ? Funktioniert nicht und über die diversen geschlossenen Fonds eher auch nicht - daran verdienen nach meiner Erfahrung in der Regel die Initiatoren, nicht aber die Anleger.

- Kunst oder Oldtimer ? Ja, funktioniert, aber in den engen Märkten nur für die wenigen Spezialisten, die sich wirklich auskennen. Für die breite Masse der Bürger mit Anlagenotstand keine Lösung.

Was bleibt also an liquiden, fungiblen Sachwerten, in denen man sein mühsam erarbeitetes Kapital einigermassen sinnvoll parken kann ?

>>> Aktien und Edelmetalle <<<

Es gibt dazu keine seriöse Alternative und weil das so ist, sind für mich persönlich miese Aktien-Kurse Kaufkurse - gerade weil wir mitten in einer Krise stecken, die die Welt verändern dürfte.

Und wissen Sie auch, woran Sie erkennen werden, dass die Krise ihrem Höhepunkt zusteuert ? Wenn die Aktienkurse steigen, obwohl die Wirtschaftsdaten mies sind ! Weil die Geldkonten dann leer geräumt werden um schnell noch liquide Sachwerte zu kaufen - Aktien oder Gold - weil man den Konten der Banken und der Währung nicht mehr traut.

Jetzt werden Sie denken, so finster haben ich den Hari ja noch nie erlebt. Stimmt aber nicht, so denke ich schon seit einiger Zeit über unser Problem in Europa. Ich bin aber auch überzeugt, dass die aktuellen Kurse an der Börse kurzfristig wieder interessante Kaufgelegenheiten bieten und wir schon bald wieder deutlich höher stehen könnten, vielleicht schon diesen Mittwoch nach der FED Sitzung. Aber darüber schreibe ich dann Morgen wieder. Heute ist dagegen der passende Tag, um die traurigen, mittelfristigen Aussichten meines Makrobildes rund um die Euro-Krise mal auf den Punkt zu bringen.

Ich wünsche Ihnen trotzdem einen schönen Abend ! Denken Sie daran, dass "Hier und Jetzt" zu geniessen. Morgen ist es schon Vergangenheit und kommt nie wieder ....

Ihr Hari

PS: Hari´s Märkte am Abend erscheinen Morgen Abend etwas später gegen 22.30 - 23 Uhr. Ich möchte die Zahlen von Apple noch berücksichtigen, die grosse Bedeutung haben werden.