Hari´s Märkte am Abend – 08.05.12 – Autsch !

22 Uhr - Handelsschluss

Autsch ! Für den heutigen Tag gibt es kein anderes Wort. Und ich wurde von diesem massiven Absturz auch völlig auf dem falschen Fuss erwischt.

Das war auch wirklich eine richtig fiese Nummer von Mr. Market. Gestern, als die Nachrichten rund um Frankreich und Griechenland herein kamen, zeigte Mr. Market deutliche Stärke und lief ganz ruhig und eindrucksvoll gelassen wieder hoch und schloss auf Null oder leicht im Grün.

Und heute, an einem Tag an dem vieles für einen ruhigen und leicht positiven Tag sprach, wird "aus dem Nichts" massiv abverkauft. Ich weiss aus den Berichten vieler Trader und Blogger die ich in den US verfolge, dass viele heute auf dem falschen Fuss erwischt wurden. Aber der Spruch "geteiltes Leid ist halbes Leid" mag emotional richtig sein, im Depot hat er keine Wirkung, Verlust ist Verlust.

Der Tag begann schon so merkwürdig mit der Xetra-Panne, die über eine Stunde andauerte und es war deswegen für mich schwierig, die frühe Schwäche einzuordnen. Denn es war unklar, wie sich der Xetra-Aussetzer auf die gestellten und errechneten DAX Kurse auswirken würde. Als aber die Amerikaner ins Spiel kamen, gab es zunächst nur noch eine Richtung: nach unten, bis 1350 im S&P500.

Wenn es überhaupt so etwas wie einen Auslöser gab, dann könnte es die Tatsache sein, dass in Griechenland schon nach 24 Stunden der Versuch gescheitert ist, eine halbwegs stabile Regierung zu bilden. Nun hat ein Mann den Auftrag zur Regierungsbildung, der scheinbar meint, dass alle Verträge, die Griechenland mit den Geldgebern geschlossen habe, nach dem Ergebnis der Parlamentswahl null und nichtig seien und auch ansonsten heftig gegen Deutschland "schiesst".

Ich hoffe inständig, dass Europa hier nun Härte zeigt, alle Hähne zudreht und damit dafür sorgt, dass dieser "Failed State" endlich aus dem Euro verschwindet und am besten aus der EU gleich mit dazu. Unser gerade noch reingepumptes Steuergeld ist so oder so weg, genau so wie es viele, mich eingeschlossen, schon seit Monaten vorhergesagt haben. Die Frage ist in meinen Augen nur noch, ob wir uns davon noch länger erpressen lassen wollen. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle sagte dazu nach Presseberichten in Berlin: "Wir sind solidarisch, aber nicht doof." Hoffen wir mal, dass man sich wenigstens darauf verlassen kann. 😉

Aber in Anbetracht eines fallenden Goldpreises und eines halbwegs stabilen Euros, ist auch die Griechenland-Theorie für den heutigen Absturz für mich nicht vollständig überzeugend. Ich habe einfach keine vernünftige Erklärung, auch das kommt vor. Zwar selten, aber es kommt vor.

Der angerichtete technische Schaden in den US Indizes ist beträchtlich. Wir sitzen zum Beispiel im breiten Russel 2000 Index (RUT) exakt an der Nackenlinie einer gewaltigen Schulter-Kopf-Schulter Top Formation, deren Ziel nach unten uns allen Magenschmerzen bereiten würde.


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Auch im DAX sind wir der 6400er Marke wieder bedrohlich nahe gekommen und es wäre gut, wenn diese halten würde, um mein Szenario der volatilen Seitwärtsbewegung in der 6400-7100er Range am Leben zu halten. Insofern haben wir nun wieder so einen Punkt erreicht, an dem die Bullen nun aufstehen müssen oder sterben: DO or DIE !

Denn wir sind nun massiv überverkauft und wenn nun im weiteren Verlauf der Woche keine Gegenbewegung kommt, dann ist das ein ganz schlechtes Zeichen und dann haben wir in den US Indizes wohl noch jede Menge Fallhöhe und sind im DAX schneller wieder unter 6200, als wir alle hoffen. Im heutigen späten Handel gab es dann eine deutliche Gegenbewegung, die den S&P500 wieder über 1360 und den DAX über 6500 hob. Ob das nur eine technische Reaktion auf den überverkauften Markt oder mehr ist, wird aber erst der morgige Tag zeigen.

Ich habe in den Jahren gelernt, wenn so etwas wie heute passiert und der Markt partout nicht machen will, was man erwartet, dann sollte man nicht hektisch, sondern ganz ruhig werden und eher weniger als mehr machen. Denn wenn man temporär kein Gefühl für den Markt mehr hat, ist nichts zu tun oft besser, als hektisch und vielleicht sogar emotional angeschlagen, den Bewegungen hinterher zu rennen.

Glücklicherweise war ich ja schon recht defensiv eingestellt und konnte daher heute die Hände weitgehend im Schoss falten. Nur die gestern neu eröffneten Long-Positionen habe ich heute alle mit kleinen Verlusten wieder abgestossen. Aber bei aller Defensive, war es trotzdem nicht schön zu sehen, was der Tag im Depot machte.

Auch Gold (XAUUSD) ist heute übrigens durch die 1610 USD nach unten durchgefallen und hat sogar kurz unter 1600 geschaut. Ich habe trotzdem noch nicht verkauft, ich warte Morgen noch die Bestätigung ab, denn ich habe schon zu oft solche Fallen erlebt, bei denen wichtige Marken für einen Tag geknackt werden, nur um dann doch zu drehen. In dem Zusammenhang finden Sie einen wichtigen Artikel zum Thema. Das Gold im späten Handel wieder Richtung 1610 kroch, macht das Szenario einer Bärenfalle durchaus vorstellbar.

Sollte aber Morgen die Bestätigung kommen und wir bei Gold unter 1600 USD absacken, werde ich aber alle Positionen im Edelmetallumfeld verkaufen, viele mit Verlust. Es würde mir schwer fallen, weil ich viele der Gold- und Silber-Minen für völlig überverkauft und unterbewertet halte, aber man muss trotzdem sein Risikomanagement konsequent durchziehen. Denn wenn man es nicht tut und nur auf Hoffnung setzt, steht man in Gefahr ein erneutes Desaster wie bei Arch Coal (WKN 908011) zu erleben, die heute weiter ungespitzt in den Boden gerammt wurde.

Aussagen zu einzelnen Titeln spare ich mir heute, an einem solchen Tag macht das wenig Sinn, da wird sowieso alles nur verkauft, frei nach dem Motto: "Sell now, think later". Morgen kommen übrigens die Quartals-Zahlen von Klöckner (WKN KC0100). Ich bin hoch gespannt, was Gisbert Rühl zum Ausblick sagen wird und diese paar Sätze werden den Kurs mit Sicherheit weit mehr bewegen, als das Zahlenwerk des vergangenen Quartals.

Es sind überraschende und schwierige Tage wie heute, an denen sich die Spreu vom Weizen trennt. Und zwar nicht weil man mal falsch liegt, das passiert jedem, sondern wie man damit umgeht. Man sollte ruhig und seiner Linie treu bleiben. Man sollte sich nicht von dem Gerede drum herum beeinflussen lassen, sondern sich alleine nach den Preisen richten, die Mr. Market aufruft. Wenn diese Preise sagen es geht weiter nach unten, dann darf Hoffnung keinen Platz im Depot haben, egal wie "billig" man bestimmte Aktien findet !

In diesem Sinne warte ich nun ab, was der morgige Tag bringt. Weitere Schwäche in den US Indizes im Rest der Woche, würde nun Szenarien in den Bereich von Wahrscheinlichkeit bringen, die wir uns noch vor einem Monat alle nicht mehr vorstellen konnten und eigentlich auch nicht mehr vorstellen wollen. Rein von den Wahrscheinlichkeiten der Markttechnik her, spricht Morgen sehr viel für eine positive Gegenbewegung. Kommt diese trotzdem nicht, werden bei mir alle Alarmlampen angehen !

Zum Abschluss habe ich noch etwas für Sie zum Aufzuheitern, man nennt das Galgenhumor. Denn bei allem Schmerz tut es doch gut die Perspektive zu behalten und zu schauen, wie viel schlimmer es hätte kommen können. Ich hoffe keiner der Leser ist Aktionär der hoch gehypten Fashion-Accessoire-Marke Fossil (WKN 886238). Schauen Sie einfach auf den Chart nach einer Gewinnwarnung, dann fühlen Sie sich in Anbetracht der wenigen Prozent Minus gleich besser, selbst Arch Coal verblasst gegen ein Tagesminus von 36%. 😉


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Ich wünsche Ihnen (trotzdem) einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 04.05.12 – Wochenabschluss

22 Uhr - Handelsschluss

Die Arbeitsmarktdaten waren heute schwach, aber eigentlich nur so schwach wie erwartet. Trotzdem war der Markt nicht in der Lage, daraus einen Bounce zu generieren, was nicht unbedingt ein gutes Zeichen ist. Denn damit hat sich der Charakter des Marktes geändert, in den Wochen davor hätte das Setup immer für einen Bounce gereicht und das war auch eigentlich das wahrscheinlichere Szenario. Nicht aber heute. Der darauf folgende Abgabedruck arbeitete - wieder einmal - genau die gestern gezeigte Schulter-Kopf-Schulter Formation bis zum Ziel bei S&P500 1372 ab, schloss noch ein Gap knapp darunter, dann lief der Abgabedruck aus. Negativ ist aber auch zu sehen, dass der US Markt im späten Handel nicht zur einer kleinen Gegenbewegung in der Lage war, dass lässt Raum für weitere Schwäche am Montag.

Im DAX war das heute zwangsläufig mal wieder ein Schlachtfest und die klassischen deutschen Aktien aus Automobilsektor oder Industrie wurden hart getroffen. Volkswagen, BMW, Daimer alles ca. 4% im Minus. Rheinmetall sogar 6%. Und das alles ohne Nachricht. Denn das sind einfach genau die Aktien, die von institutionellem Geld an der Wallstreet gehalten werden. Und diese werden als Erstes verkauft, wenn der "Heimatindex" fällt. Man kennt das langsam schon, der DAX ist ein Hebelpapier für ausländische Anleger und kein konservativer Index. Und ein Index deutscher Anleger schon gar nicht. Nur weil man das weiss, fühlt es sich nicht besser an, trotzdem sollte man den Zusammenhang begreifen. Wer konservativ anlegen will, darf nicht nur im DAX sein !

In diesem Zusammenhang empfehle ich Ihnen nachdrücklich, aktuellen Artikel zu lesen, der auf einer Studie von Ernst & Young beruht. Er bestätigt genau das mit aktuellen Zahlen, was ich Ihnen hier ja immer wieder wie oben predige. Dabei muss man noch berücksichtigen, dass die in der Studie genannten 54% ausländischer Aktionäre das reale Bild noch schönen. Denn in den 42% deutscher Aktionäre sind ja die ganzen Grosspakete wie der Quandts bei BMW enthalten. Im Sinne der Aktionätruktur ist das ja auch richtig so. Nur stehen diese Pakete im Handel doch gar nicht zur Verfügung, die sind quasi "aus dem Markt" genommen. Würde man das Handelsvolumen im Xetra betrachten und die Frage beantworten, wieviel des täglichen Handelsvolumen von ausländischen Aktionären stammt, schätze ich den Wert eher auf 60-70% !

Wenn man das verstanden hat, kann man sich im DAX viele Überlegungen "warum" sich ein Aktie aus Sicht der Unternehmensnachrichten bewegt einfach sparen. Denn die Gründe für Bewegungen sind oft auch einfach in der Situation der institutionellen, ausländischen Aktionäre begründet. Und wenn die mal wieder ihre Margin-Calls haben, wird halt alles rausgehauen, Unternehmensnachrichten in einem "fernen Land" interessieren da keinen. Es ist schlicht immer wieder das gleiche Spiel und ich finde es erstaunlich, dass dann in der Presse trotzdem nach lokalen "Gründen" geforscht wird, die in der Realität gar nicht marktbewegend sein können.

Wie geht es nun nächste Woche weiter ?

Nun, da ich nach wie vor für das 2. Quartal an die volatile Range 6400-7100 im DAX glaube, sind Kurse unter 6600 für mich prinzipiell eher wieder Kaufkurse. Aber vielleicht nicht gleich Montag, denn die Schwäche heute im späten Handel lässt Böses ahnen.

Hoffnungsvoll über den sehr kurzfristigen Blick hinaus, stimmt mich in dem Zusammenhang, dass heute die europäischen Banken zu den stärksten Titeln gehörten, die auch ab Mitte Februar als erste fielen und mit ihrer Schwäche eine Signal für die Einschläge waren, die in den Indizes dann erst Wochen später kamen.

Was ist denn seit Mitte Februar alles passiert ? Listen wir doch mal auf:

1) Wir haben die Euro-Krise rund um Spanien in den Kursen der Banken verarbeitet. Ob vollständig weiss niemand, aber zumindest teilweise.

2) Wir haben die Sorge um eine abstürzende Konjunktur in China in den Kursen der Rohstofftitel verarbeitet. Alle aktuellen Daten aus China stützen nun die These der weichen Landung.

3) Wir haben die Sorge um die Wahlen in Frankreich und Griechenland in den Kursen verarbeitet. Ab Dienstag kommender Woche dürfte der Markt da nach vorne schauen.

4) Wir haben die Verweigerung der FED für unmittelbare weitere Stimuli verarbeitet.

5) Und zuletzt, jetzt, verarbeiten wir durchwachsene Wirtschaftsdaten aus den USA, in Form einer schon lange fälligen Korrektur in den US Indizes.

Aus dieser Liste kann man sehr wohl schliessen, dass wir ab kommender Woche durchaus Chancen auf wieder besseres Börsenwetter haben. Das ist natürlich keine Sicherheit, auch ein Zusammenbruch der Märkte ist bei der aktuellen Schwäche nicht ausgeschlossen. Aber ich rede hier ja über Wahrscheinlichkeiten. Und wenn alle euphorisch sind und nur noch über DAX 8000 reden, ist das Risiko eines Absturzes wesentlich höher, als wenn sich alles so mies anfühlt wie derzeit, und all die Sorgen und Ängste die ich oben aufgelistet habe, zumindest teilweise schon eingepreist sind.

Ich würde diesen Gedankengang bei meinen Überlegungen berücksichtigen. Das ist ausdrücklich keine Aufforderung auf reinen Verdacht nun Risiken nach oben einzugehen. Aber das ist der Hinweis, sich den klaren Blick nicht durch die gerade allgemein schlechte Stimmung verstellen zu lassen. Denn wenn man sich mit der Emotion der Massen mittreiben lässt, wird man die Chancen nicht sehen können, die bestimmt früher oder später kommen. Ich habe sehr selektiv bei ein paar wenigen Titeln heute Abend wieder zugegriffen.

Zu einzelnen Aktien will ich heute nicht viel sagen, macht ja auch keinen Sinn, wenn einfach nur alles im Gleichschritt abstürzt.

Wacker Chemie (WKN WCH888) lieferte Zahlen und Ausblick im Rahmen der Erwartungen. Nach einem kurzen positiven Hüpfer bis 65€ setzen dann aber massive Verkäufe ein, die den Kurs wieder bis 60€ drückten. Meine Erklärung dafür ist, dass das heisse Geld, das sich in Erwartung eines riesigen Sprungs vor den Zahlen positioniert hatte, danach schnell wieder enttäuscht abgesprungen ist, weil sich keine sofortige Rally anschloss. Für die Kursentwicklung der nächsten Wochen muss das aber nicht negativ sein. Ich habe meine bei 60,8€ eingegangene Long-Position heute nicht verkauft und warte erst einmal ab, welche Richtung der Kurs einschlägt, wenn sich die Volatilität nach den heutigen Zahlen verzogen hat. Mein Stop liegt bei 56€, etwas unter dem Tief vom 24.04.12.

Dramatisch weiter abgestürzt ist heute Nokia (WKN 870737) mit einem Minus von fast 10%. Ich weiss nicht so recht was der Auslöser war, möglicherweise die unbestimmten Meldungen zur Tablet-Strategie, die bei mir gleich den Gedanken ausgelöst haben: "die sollen erst einmal ihre Hausaufgaben im Brot und Butter Geschäft auf die Reihe bekommen und das finanzielle Ausbluten stoppen, bevor sie eine weitere Baustelle aufmachen". Wie auch immer, wie hier schon mehrfach und deutlich kommuniziert, gilt für mich bei Nokia weiterhin "Finger weg !".

Ein Lichtblick war dagegen Veolia (WKN 501451), die ganz brauchbare Zahlen lieferten, die vom Markt zunächst mit einem Plus von 4% honoriert wurden, bevor die allgemeine Marktschwäche die Gewinne wieder wegnahm. Veolia könnte - wie französische Aktien überhaupt - nächste Woche durchaus gut laufen, denn wenn die Wahl in Frankreich vorbei ist, führt das dazu, dass der Markt nach vorne schaut, statt auf die Wahl zu starren. Nur für den theoretischen Fall, dass der mutmassliche neue Präsident Hollande bei der Wasserversorgung sozialistisch/dirigistische Anwandlungen haben sollte, müsste man sich bei Veolia wohl auf schwere Einschläge einstellen. Aber derartige Gesetzesvorhaben werden wohl eher nicht in der Woche direkt nach der Wahl in Gang gesetzt.

Bei Gold (XAUUSD) wurde meine gestrige Aussage bestätigt, dass man das noch nicht überbewerten sollte, weil die Entscheidung schlicht noch nicht gefallen ist. Gold und die Minen stabilisierten sich heute etwas und hier gilt es für mich einfach abzuwarten.

Zum Abschluss habe ich für Sie etwas zum Lesen. Es ist ein langer Artikel des bekannten und sehr erfolgreichen Hedge-Fund Managers David Eichhorn von Greenlight Capital. Ich empfehle das in Ruhe einmal komplett zu lesen, es beschreibt die Makro-Sicht aus seiner Warte, in meinen Augen sehr vernünftige und richtige Ansichten. Er benutzt dazu das Bild der "Simpsons" um die durchschnittliche amerikanische Familie zu beschreiben. Wenn Sie die Simpsons nicht kennen, werden Sie ein paar Namen mal "googeln" müssen um alles zu verstehen.

Manchmal würde man sich wünschen, unsere Wirtschafts- und Finanz-Ministerien auf beiden Seiten des Atlantiks würden von solchen intelligenten Leute geführt. Aber das kann ja gar nicht sein, das sind ja alles nur "böse Zocker", die an allem Schuld sind und vor denen uns Notenbanken und Politik schützen müssen. 😉

Lesen Sie . Zwei Zitate als "Appetizer":

(1) "For the super wealthy, zero rates supported by a Bernanke put on the bond market encourage outsized income through leveraged speculation. For everyone else, zero rates reduce the standard of living because greater food and energy costs soak up income"

(2) "But, the Fed is filled with academics who thoughtlessly rely on econometric models that reflexively indicate that repeated Jelly Donut orgies are the best way to get a sugar rush into the economy." 😉

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 02.05.12 – Achterbahnfahrt im DAX

22 Uhr - Handelsschluss

Wie gestern vorhergesagt, stieg der DAX im frühen Handel bis auf fast 6900 (6877), bevor dann Gewinnmitnahmen aus Vorsicht vor den 14.15 Uhr Arbeitsmarktdaten aus den USA einsetzten. Diese Vorsicht war auch gerechtfertig, denn ein überraschend schlechter Wert bei den "ADP non-farm Arbeitsplätzen" liess die Märkte in Folge abstürzen. Für den DAX war das eine Intraday-Bewegung von ca. 200 Punkten, eine echte Achterbahnfahrt also.

Positiv ist aber zu sehen, dass technische Marken im S&P500 knapp unter 1400 gehalten haben und der Markt sich im späteren Handel stabilisierte und mit nur wenig Minus zum Vortag bei 1402 schloss. Damit dürfte die Erwartung an den grossen Arbeitsmarktbericht am Freitag nun deutlich gedrückt sein, was Chancen für eine positive Überraschung bietet, denn der ADP ist sehr volatil und hat schon früher Fehlsignale gegeben, auch wenn er die letzten Monate recht zuverlässig war.

Und es zeigt erneut, wie stabil der amerikanische Markt ist. Erinnern wir uns, der S&P500 bewegte sich heute von 1407 bis 1393, oder exakt 1 Prozent Intraday. Der DAX dagegen von 6870 bis 6660, oder über 3% Intraday ! Einem konservativen Anleger kann man den DAX also im Moment nicht empfehlen, das ist mehr etwas für Trader. Grund ist nach meiner Ansicht erneut, dass der DAX von amerikanischen institutionellen Anlegern dominiert wird. Und die kaufen bei "Risk ON" den DAX und verkaufen ihn sofort wieder bei "Risk OFF". Ihre eigenen Blue-Chips lassen sie aber stabil als Anker im Depot. Das ist halt der Preis, wenn man keine Aktienkultur hat, unsere "deutschen" Unternehmen gehören der halben Welt, aber fast keinen Deutschen.

Ein weiterer kurzfristig positiv zu wertender Faktor flatterte mir heute auf den Schreibtisch. Denn heute hat mein "Focus-Money-Indikator" angeschlagen ;-), auf dem Titelbild sehe ich eine Euro-Münze in Flammen mit der Headline: "Bricht nach dem 6. Mai der Euro zusammen ?"

Sie erinnern sich, dass ich gestern ankündigte, zum kommenden Wahlwochenende etwas Risiko heraus zu nehmen ? Das habe ich heute vormittag teilweise schon gemacht und werde ich auch weiter so machen, allerdings nach dem heutigen schwachen Tag nicht mehr so aggressiv wie noch gestern angedacht, denn nun sinkt für mich die Wahrscheinlichkeit eines Absturzes nach den Wahlen in Frankreich. Denn mit solchen Berichten ist die Wahl in Frankreich nun auch bei der breiten Anlegerschar angekommen und was alle schon erwarten, hat bekanntlich nicht mehr die Kraft, den Markt signifikant in Bewegung zu setzen. Ich denke ein Sieg Hollandes wird allgemein erwartet und sollte daher direkt nach der Wahl nicht mehr zu stark negativen Bewegungen führen.

Das wirkliche Marktrisiko liegt wohl dann in den Wochen danach. Denn der Konsens bei den Marktprofis scheint zu sein, dass Hollandes aggressive Äusserungen im Stil der 70/80er Jahre Politik nur Wahlkampf-Getöse ist und er nach der Wahl schnell zu einer sachlichen Politik findet. Sollte aber diese Erwartung enttäuscht werden, dürfte das zu erheblicher Unruhe am Markt führen. Und ich rechne nicht damit, dass Hollande so schnell einschwenkt, dafür hat er sich vor der Wahl zu sehr aus dem Fenster gelehnt.

Erst muss es also wieder schlechter werden und der Druck steigen, bevor es temporär besser werden kann. Auch der letzte sozialistische Präsident Mitterand hatte zunächst versucht seine Wahlversprechen und Blütenträume umzusetzen, bevor ihn dann eine massive Wirtschafts- und Währungskrise in eine solidere, bürgerliche Politik zwang. Insofern gehe ich weiter von unruhigem Fahrwasser für den Euro nach der Wahl in Frankreich aus, aber nicht mehr direkt nach der Wahl, sondern in den Wochen danach.

In besagtem Focus-Money ist übrigens auch ein Interview mit dem ebenso klugen, wie von mir geschätzten Bert Flossbach. Sein Tenor zum Euro ist: "Es bleiben nur 6 bis 7 Länder übrig". Das deckt sich mit meiner mittelfristigen Erwartung, die ich hier unter der Überschrift -> "Europa zerfällt" <- dargestellt hatte. Allerdings werden wir bis dahin wohl noch diverse "Rettungen" und "Wirrungen" erleben, unterbrochen von wiederholten Phasen der vermeintlichen Beruhigung. Ich würde mir für Europa so gerne eine andere Perspektive wünschen, ich sehe sie aber zu meinem grossen Bedauern nicht, zumindest nicht in einem überschaubaren Horizont und nicht mit den handelnden Politikern.

Mein sehr kurzfristiger Markt-Ausblick auf die kommenden Tage, ist mit der heutigen Schwäche also positiver geworden, der mittelfristige Ausblick bis Juni bleibt aber unverändert von "April-Kapriolen" beeinflusst. Die definierte volatile Range 6400-7100 ist also weiter im Spiel. Und weiter werde ich in dieser Range Stärke verkaufen und Schwäche kaufen.

Aixtron (WKN A0WMPJ) hat heute in Folge der guten Zahlen von Veeco Instruments (WKN 896007) das erwartete Feuerwerk bis zu einem Kurs von 14,8€ abgebrannt, bevor dann die Marktschwäche in Folge der Arbeitsmarktdaten den Kurs wieder bis auf 13,4€ drückte. Das ist eine Intraday- Bewegung von mehr als 8% und wirklich nicht von schlechten Eltern ! Im Handelssystem habe ich nun einen kurzen Long-Trade bei 13,5€ (mit Stop 13,3) gewagt, der aber in keiner Beziehung zu meiner fundamentalen Sicht auf Aixtron steht, sondern nur der Markttechnik geschuldet ist und den ich schon Morgen (hoffentlich mit Gewinn) wieder auflösen werde.

Was derzeit rund um Chesapeake Energy (WKN 885725) und den CEO Aubrey McClendon passiert, kann man in meinen Augen nur noch kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen. Sie erinnern sich, gestern war Chesapeake 10% gestiegen, weil Reuters meldete, dass der CEO abgelöst wird. Heute wird dann Aubrey McClendon mit den Worten zitiert, dass viele Berichte der letzten Tage "Missinformationen" seinen. Lesen und staunen Sie im Wall Street Journal.

Sein Rücktritt scheint also mit diesem Satz nicht gemeint zu sein, bei dem bleibt es wohl. Aber derartige unpräzise Sätze sind in der aktuellen Lage schlimm genug. Mr. Market wendet sich in Abscheu ab und "schlachtet" Chesapeake heute mit einem Minus von 14%, was das ganze Segment mitzieht. Das erste Drittel des heutigen Absturzes ist sicher Folge der schlechten Zahlen, die Chesapeake gestern bekannt gab, das zweite Drittel weil Natural Gas heute im Preis wieder deutlich nachgab und das letzte Drittel darf man wohl diesem Kommunikations-Chaos zurechnen.

Chesapeake hat sich damit für mich erst einmal aus der Reihe der ernst zu nehmenden Aktien verabschiedet und ich werde bis auf weiteres an der Seitenlinie bleiben. Sollte wieder Klarheit herrschen, schliesse ich aber einen Wiedereinstieg nicht aus, denn Chesapeake ist für mich *der* Pureplay im Boom-Markt "Shale-Gas". Das Thema hat so grosse Bedeutung, weil es für die USA ein echter "Game-Changer" ist und wir im Ergebnis vielleicht in 10 Jahren eine nahezu "energie-autonome" USA erleben werden, die ihre Abhängigkeit vom Öl aus dem Nahen Osten damit drastisch verringert. Sollte das so kommen, dürfte das auch erhebliche Auswirkungen auf die Weltpolitik haben, ganz abgesehen davon, dass dauerhaft billige Energie für die Industrie in den USA ein erheblicher, positiver Treibsatz sein dürfte !

Devon Energy (WKN 925345) hat heute übrigens sehr durchwachsene Zahlen geliefert und bewegt sich mit gutem Umsatz, aber fallendem Gewinn (wegen des US Gas Preises) etwas unter den Erwartungen. Das deutliche Minus heute dürfte aber zum Teil auch auf die Kosten von Chesapeake gehen.

In diesem Zusammenhang auch ein Wort zu Arch Coal (WKN 908011), die gestern aus den bekannten Gründen (Preis US Kohle am Boden) sehr schlechte Zahlen und einen schlechten Ausblick lieferten. Arch hat nun eine Reihe von Aktivitäten still gelegt, laut CFO John Drexler weil "(we) don't plan to push tons into an already oversupplied market". Ich muss gestehen, dass Schlachtfest bei Arch Coal lässt selbst hartgesottene Marktteilnehmer wie mich staunend zurück. Bei Arch Coal bin ich ja noch mit einer kleinen Basisposition Long und verkaufe da nun auch nicht mehr. Hier heisst es nun geduldig abwarten, bis der Kurs wirklich gedreht hat. Verluste aussitzen ist wirklich nicht mein Stil und kann ich auch ausdrücklich niemandem dazu raten - hier habe ich aber bewusst eine Ausnahme gemacht, zumal mein Exposure nur gering ist. Im Nachhinein war aber auch diese eine Ausnahme eine zuviel.

Bei Peabody Energy (WKN 675266) bin ich ja, wie -> hier <- am 12.04. kommuniziert auch mit einer kleinen Startposition Long und fühle mich dabei nach wie vor wohl, die Position ist auch seitdem ca. 10% im Plus. Meine Meinung, dass der Kohlesektor dabei ist seinen Charakter zu ändern und die Zeit des ungebremst Absturzes scheinbar ausläuft, ist unverändert - auch wenn das nach einem Tag wie heute und einer Arch Coal mit 8% Minus wirklich nicht so aussieht.

Übrigens, falls Sie sich fragen warum Repsol (WKN 876845) heute weiter abstürzt, obwohl das Thema YPF nun wohl voll im Kurs verarbeitet ist und die Annahme im Parlament nun wirklich keinen mehr überraschen sollte - der Grund dürfte nach meiner Vermutung sein, dass der Verstaatlichungswahn in Südamerika weitere Kreise zieht. Lesen Sie über eine neue Verstaatlichung in Bolivien.

Das hat zwar mit Repsol nichts zu tun, betrifft aber erneut einen spanischen Konzern, die in Folge nun alle - durchaus zu Recht - in Sippenhaft genommen werden. Schauen Sie sich im Chart zum Beispiel mal das Desaster bei der Telefonica (WKN 850775) an. Telefonica ist durch Probleme im eigenen Geschäft belastet, dann fordert die Spanien-Krise ihren Tribut und nun sorgt die Angst vor weiteren Verstaatlichungen in Südamerika erneut für fallenden Kurse. So wird aktuell aus etwas Positivem - starken Geschäften in Südamerika weitab von Spanien - ein Risikofaktor für alle spanischen Konzerne die dort aktiv sind. Spanische Aktien sind in einem perfekten Sturm gefangen. Wenn er vorbei ist, bieten sich da sicher grosse Chancen. Aber bis dahin kann es durchaus noch dauern, denken Sie an das fallende Messer !

Man lernt aus dem Thema Telefonica zwei wichtige Regeln:
1) Wenn es schon schlecht kommt, dann aber richtig und alles auf einmal !
2) Die vermeintlich "sicheren" Witwen- und Waisenaktien ala Telefonica sind gar nicht so sicher wie immer behauptet wird. Und Dividende und Buchwert alleine sagen gar nichts ! Ich möchte nicht wissen, wieviele deutsche Anleger Telefonica in den Depots haben und nun kräftig bluten.

Ich bin heute früh durch einen engen Stop bei 14,2€ Plus/Minus Null wieder aus meinem Repsol-Trade raus, den ich vor einer Woche am 24.04.12 wie hier kommuniziert eingegangen bin. War einen Versuch wert und werde ich wohl bald erneut versuchen, sobald sich mir wieder ein lohnendes Setup offenbart. Jetzt muss ich aber erst einmal abwarten, wohin uns diese erneute Schwäche führen wird.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 30.04.12 – Konsolidierung – Nokia, Metro, US Gas

22 Uhr - Handelsschluss

Ein ruhiger Tag an den Börsen geht zu Ende. In Anbetracht der positiven Bewegung der letzten Woche, die viele auf dem falschen Fuss erwischt hatte, ist die heutige, ruhige Konsolidierung positiv zu werten. Wir haben daher gute Chancen, morgen an der Wallstreet einen "first of month jumper" zu erleben.

Insofern wird auch dieser Marktbericht heute etwas kürzer, es ist doch auch einmal schön, wenn es etwas ruhiger zugeht, zumal das herrliche Wetter bei uns in der Nähe der Alpen, heute sowieso nach draussen lockte.

Nokia (WKN 870737) zeigte uns erneut, wie finster es scheinbar um die wirtschaftliche Lage aussieht. Denn nach einem Bericht der will Nokia nun seine Edelmarke Vertu verkaufen, um damit ca. 200 Millionen USD zu erlösen. Dieser Bericht ist seitens Nokia nicht bestätigt, passt aber ins Bild.

Schlimm genug ist es für mich, dass es eine Nokia scheinbar nötig hat, um die vergleichsweise kleine Summe von 200 Millionen USD Liquidität zu kämpfen. Erinnern Sie sich daran, dass Apple einen Quartalsgewinn von 11,6 Milliarden USD hatte, aufs Jahr hochgerechnet, kann man da also mit 40 Milliarden USD Gewinn rechnen !

Aber für mich noch schlimmer, mit Vertu gibt Nokia vielleicht einen der wenigen Bereiche ab, in denen Nokia noch führend war und eine starke Marke hatte. Denn Vertu ist scheinbar ganz gut gelaufen, was ja auch das kolportierte Interesse des Finanzinvestors Permira zeigt. Luxus geht halt immer und andere Luxuskonzerne wie LVMH (WKN 853292) oder Richemont (WKN A0Q9J3) sind an der Börse hoch bewertet und reihen ein Rekordergebnis an das nächste. Die Marke Vertu war also scheinbar durchaus ein Erfolg und aus der etablierten Marke hätte man vielleicht noch mehr machen können, wenn man die Marke nach unten etwas weiter gedehnt und so den Kundenstamm erweitert hätte. Hohe Margen sind in diesem Geschäft auf jeden Fall möglich, wenn man es richtig macht. Und hohe Margen sind ja nun nicht gerade etwas, womit Nokia im Moment in den anderen Segmenten im Überfluss gesegnet scheint.

Ich persönlich würde den möglichen Verkauf von Vertu daher nicht als logischen Schritt werten, sondern als Zeichen der schwierigen Lage und Ausdruck von Schwäche - nun müssen scheinbar auch die wenigen verbleibenden Kronjuwelen raus, um dringend benötigte Liquidität zu generieren. Ein Indiz mehr für mich, von Nokia nun weiten Abstand zu halten.

Metro (WKN 725750) war heute stark, nachdem Meldungen über den Ticker liefen, dass Haniel an der Beteiligung zumindest kurzfristig festhalten soll. Mir erschliesst sich diese Logik ehrlich gesagt nicht so recht, denn unter der Ägide von Haniel hat sich Metro so schlecht entwickelt wie erlebt und neue Gesellschafter würden dem Konzern daher möglicherweise gut tun. Für mich ist die heutige Stärke eher ein Signal, wie ausgebombt der Titel ist, so dass selbst solche Nachrichten für 3% Plus gut sind.

Trotzdem, und trotz der mehrfachen signifikanten Insiderkäufe der letzten Wochen, ist der Zeitpunkt zum Einstieg möglicherweise noch nicht gekommen. Denn noch ist der Metro-Kurs ein "fallendes Messer", in das man tunlichst nicht greifen sollte und ein erreichen der 20€ Marke ist für mich durchaus denkbar.

Allerdings liefert die Metro am 03.05.12 Quartalszahlen - und sollten diese überraschend gut ausfallen, könnte es einen gewaltigen Short-Squeeze geben. Ich persönlich rechne aber eher nicht damit, weil das die ersten Quartalszahlen sind, die alleine vom neuen Management zu verantworten sind. Es ist ganz typisch und durchaus üblich, dass ein neues Management alle Verluste und "Bilanz-Leichen" in die erste Bilanz hinein packt, weil diese noch dem alten Management zugerechnet werden. So entledigt man sich elegant bilanzieller Risiken und schafft die Grundlage dafür, in den folgenden Quartalen - die einem selber zugerechnet werden - dann eine positive Entwicklung zeigen können.

Insofern gebe ich diesem Szenario bei Metro eine leicht höhere Wahrscheinlichkeit, als dem Short-Squeeze nach den Zahlen. Sollte das so kommen und Metro am 03.05.12 noch einmal deutlich Richtung 20€ abgeben, könnte das dann aber möglicherweise ein guter Zeitpunkt für einen Einstieg sein.

Bei Rheinmetall (WKN 703000) gab es heute unbestätigte Berichte, nach denen der Börsengang des Automobilzulieferers "Kolbenschmidt Pierburg" schon im Juni stattfinden soll. Gleichzeitig gab es heute ein Kursziel 51€ seitens BNP Paribas. Ich bleibe ganz ruhig investiert und bin zuversichtlich, dass ein erfolgreicher Börsengang von Kolbenschmidt Pierburg, dem Kurs der Aktie deutlich nach oben helfen wird.

Das bei Daimler (WKN 710000) im Bereich der Hauptaktionäre etwas in Bewegung ist, wird immer wahrscheinlicher. Heute geisterten durch die Presse, dass Daimler an sogenannten "Giftpillen" arbeitet um eine mögliche feindliche Übernahme abzuwehren. Die Meldung ist erneut unbestätigt, die Summe der Gerüchte und Indizien wie die Call-Optionen der Investmentbanken, legen aber die Vermutung nahe, dass hier mehr als ein Korn Wahrheit an den Gerüchten ist. Ich denke nach wie vor, dass in dieser Thematik mehr Chance als Risiko für den Kurs liegt und warte gespannt ab, was uns in den kommenden Wochen an Nachrichten zum Thema erreichen wird.

Etwas Bemerkenswertes scheint bei US Gas zu passieren. Der Kurs (hier dargestellt am ETF "UNG"), hat eine Abwärts-Trendlinie gebrochen, die aus letztem Herbst stammt und hat gleichzeitig ein ATR Kaufsignal gegeben. Für die, die mit dem Begriff ATR nichts anfangen können, das steht für "Average True Range", ist ein Konzept um die normale Schwankungsbreite eines Titels zu definieren und kann für eine Art von Stops verwendet werden, bei denen die Volatilität der Aktie (die True Range) mit in den Abstand zum Kurs einfliesst. Ein ATR Kaufsignal bedeutet also stark trivialisiert, dass ein Kurs aus seinem bisherigen Verhalten (seiner True Range) nach oben ausgebrochen ist. Das ist ganz typisch für Wendepunkte im Markt. Wenn Sie das Thema "ATR" interessiert, finden Sie ausführliche Erklärungen im Web.

Zurück zum US Gaspreis, den Ausbruch kann man auch Anhand des RSIs nachvollziehen, der nun im Tageschart auf Höhen ist, die wir bei US Gas nicht mehr seit letzten Sommer gesehen haben. Es könnte sich hier möglicherweise um eine bedeutende Trendwende halten. Eine Trendwende die sich heute auch sofort in den Kursen von Chesapeake Energy (WKN 885725), aber auch in den US Kohlewerten wie Peabody Energy (WKN 675266) oder Arch Coal (WKN 908011) gezeigt hat. Wir haben nun also einen weiteren Baustein, der für eine Bodenbildung im Sektor spricht. Ich kann nur wiederholen, dass ich diesen Sektor nun unter intensivster Beobachtung habe, denn das Upside ist gewaltig, wenn der Schweinezyklus endlich drehen sollte ! Die endgültige Entscheidung ist aber noch nicht gefallen, insofern ist Vorsicht weiter nötig, aber die Markttechnik in diesem Segment bessert sich nach meiner Ansicht nun zunehmend.

Morgen, am Tag der Arbeit, ist in Deutschland und einigen europäischen Ländern Börsenfeiertag. Die Wallstreet arbeitet aber und deswegen auch ich. Morgen Abend kommt dann ein kurzes Marktupdate wie immer gegen 22 Uhr.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 27.04.12 – Wochenabschluss

22 Uhr - Handelsschluss

Das war heute eine überzeugende Vorstellung der Bullen. Betrachtet man alleine den Indexstand, könnte man meinen, es sei ja nicht viel passiert. Wir hatten aber eine Herabstufung Spaniens und der Markt hat es verdaut, höhere Zinsen bei einer italienischen Anleihen-Auktion und der Markt hat es verdaut und zu guter Letzt ein richtig schlechtes Quartals-BIP in den USA und der Markt hat es auch verdaut !

In Anbetracht dieses Störfeuers also eine richtig überzeugende Vorstellung der Bullen, die in den US Indizes scheinbar die Kontrolle über den Markt zurückerlangt haben. Im S&P500 sind wir mit einem Schlussstand von 1403 nun nur noch ein gutes Prozent von den Jahreshöchstständen entfernt ! Wäre es im DAX ähnlich, würden wir aktuell bei 7100 notieren.

Nächste Woche stehen uns dann eine ganze Reihe Wirtschaftsdaten bevor - unter anderem der US Einkaufsmanagerindex am 01. Mai - bevor dann die Wahlen in Frankreich und Griechenland den "krönenden" Abschluss der nächsten Woche bilden. Zum Thema Hollande, Euro und Frankreich hat der ehemalige Chefredakteur der Spiegel Wirtschaftsredaktion und des Manager Magazins übrigens einen in meinen Augen ganz treffenden Artikel verfasst, den Sie hier unter dem Titel nachlesen können.

Es gibt also in den nächsten Wochen genug Futter für wilde Swings im Markt, in Anbetracht der zuversichtlichen Verfassung die Mr. Market nun zeigt, darf man aber durchaus mit einem ruhigen Optimismus auf die kommende Woche schauen. Technisch gesehen wurde im DAX die gestern dargestellte Cup&Handle Formation erneut bestätigt, aus dieser Sicht spricht nun viel dafür, dass wir uns im DAX demnächst auch mal wieder an der 7000er Marke versuchen werden.

Ein gesundes Mass an Skepsis kann aber weiterhin nicht schaden, ich rechne weiter damit, dass wir dieses Quartal an den Börsen noch einige "Aprilschauer" erleben werden. Ich selber werde daher bis auf weiteres die von mir definierte Range 6400-7100 im DAX spielen. Sprich bei Kursen oberhalb 6900 werde ich zunehmen abbauen und bei Kursen unter 6600 zunehmen kaufen. Sollte ich irgendwann Signale erkennen, die für einen starken Trend aus der Range heraus nach oben sprechen, werde ich diese Strategie anpassen. Bis dahin gilt aber für mich die oben genannte grundlegende "Schaukelstrategie".

Damit zu einzelnen Aktien:

Rheinmetall (WKN 703000) und Daimler (WKN 710000) lieferten Zahlen im Rahmen der Erwartungen, Rheinmetall leicht schwächer und Daimler leicht stärker als erwartet. Beide Zahlenwerke boten aber nichts, was aus meiner Sicht eine Neubewertung der Titel notwendig machen würde. Für die heutige Schwäche von Daimler in Anbetracht guter Zahlen habe ich keine vernünftige Erklärung - so ist das manchmal und dann bleibt nur abwarten. Ich bleibe bei beiden Aktien Long.

Einer meiner Favoriten, Continental (WKN 543900), lieferte heute ganz ausgezeichnete Zahlen und wurde vom Markt dafür mit 3% Plus belohnt. Ich habe diese Zahlen nun aber zum temporären Ausstieg genutzt. Grund sind keineswegs Zweifel an der Geschäftsentwicklung, sondern die Fragezeichen wie Schaefler nun ab Sommer mit seinen Anteilen an Continental umgeht. Eine aus der Krise 2008 datierende Beschränkung von Schaeffler läuft scheinbar dieses Jahr aus.

Ich kenne den detaillierten Inhalt der Klauseln nicht, aber die Vermutung ist naheliegend, dass die Klauseln Schaeffler in der unternehmerischen Freiheit begrenzt haben. Insofern, und in Anbetracht der bei Schaeffler wohl nach wie vor vorhandenen Schulden, sind für mich allerlei gesellschaftsrechtliche Szenarien denkbar, die den Aktienkurs beeinflussen könnten - gute, ebenso wie schlechte für den Kurs. Da ich ungern in Aktien investiere, wenn diese unter dem Risiko unberechenbarer externer Einflüsse stehen, bin ich nun erst einmal auf die Seitenlinie getreten. Nachdem diese Unsicherheit verschwunden ist, wird Continental aber sicher wieder in meinen Fokus geraten, denn an der ausgezeichneten Geschäftsentwicklung und den langfristig guten Perspektiven habe ich wenig Zweifel.

Einen riesigen Satz machte heute Wacker Chemie (WKN WCH888), nachdem der Vorstandsvorsitzender Rudolf Staudigl anlässlich des Betriebstarts der Anlagen in Nünchritz davon sprach, dass die Absatzmengen im 1. Quartal 2012 um knapp 50 Prozent höher waren als vor einem Jahr. Die entsprechende Pressemitteilung können Sie nachlesen.

Der Markt beantwortete das mit einem Feuerwerk, das Intraday zeitweise ein Plus von 10% erreichte. Besonders positiv ist, dass der Markt nach mässigen Abgaben bis 60€ herunter, sich dann erneut Richtung 63€ und damit 10% Plus bewegte. Das bedeutet, dass Mr. Market auch nach intensivem Nachdenken den heutigen Nachrichten hohe Bedeutung bemisst.

Wacker Chemie hatte zuletzt massiv unter den ins bodenlose gefallenen Polysilicium-Preisen gelitten und sollte sich dort nun eine nachhaltige Wende andeuten, wäre der Titel ein ganz heisser Kandidat für deutlich höhere Kurse. Mit der heutigen Bewegung beginnt der Markt also nun einen besseren Quartalsbericht am 04.05.12 und vor allem einen besseren Ausblick einzupreisen. Ich habe nach dem explosionsartigen Anstieg heute den leichten Rücksetzer genutzt, um bei 60,8€ eine erste spekulative Long-Position einzugehen.

Gold (XAUUSD) und die Goldminen arbeiten nun heftig an dem vor drei Tagen -> hier <- antizipierten Ausbruch. Das Preisverhalten sieht in dem Bereich weiter sehr vielversprechend aus, es ist aber noch zu früh um Vollzug zu melden. Insofern ist weiter Geduld gefragt, bisher läuft aber alles wie erwartet.

Wenn Sie Lust haben, schauen Sie auch mal am Wochenende bei surveybuilder.info.de vorbei, denn mit etwas Glück und abschliessender Arbeit schafft es ein neuer Gast-Artikel von "Tokay" zum Thema "Dont fight the Fed !" vielleicht dieses Wochenende in den Blog.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 26.04.12 – Die Bullen gewinnen die Oberhand

22 Uhr - Handelsschluss

Ein spannender Tag an den Börsen geht zu Ende, an dem es unter der Decke viel mehr Bewegung gab, als die mässige Bewegung des DAX Index impliziert.

Eine Entwicklung ist dabei von besonderer Bedeutung:
Der S&P 500 hat mit einem Schlusskurs von fast 1400 in einer sehr überzeugenden Art und Weise die alte Range und den alten Trendkanal zurück erobert !

Damit ist aus Sicht des Leitindex S&P500 die Korrektur schon wieder vorbei. Und die Wahrscheinlichkeit ist deutlich gestiegen, dass wir jetzt eine Bewegung an die obere Begrenzung des steigenden Trendkanals bekommen, die irgendwo bei 1450 liegen sollte.

Für den DAX bedeutet das, das selbst bei fortgesetzter Schwäche in der Euro-Zone, nach unten nun eine Absicherung im Markt ist. Denn wenn der Leitindex S&P500 sich in der Nähe der Jahreshochs bewegt, dann wird der DAX nicht ungebremst abstürzen. Eine derartige Divergenz gibt es in der Realität einfach nicht, dafür ist unsere Wirtschaft weltweit zu stark miteinander vernetzt. Solange der S&P500 also nicht erneut abstürzt, sollte der DAX das Verlaufstief vom 23. und 24.04. bei 6500 nicht mehr unterschreiten. Das bedeutet nicht zwingend, dass der DAX nun eine Rally hinlegt, der Mühlstein "Euro" ist einfach sehr schwer. Aber das das Risiko eines harten Absturzes erst einmal gebannt erscheint, sind doch auch schon mal gute Nachrichten !

Um das kurzfristige Potential des DAX nach oben abzuschätzen, haben wir nun auf dem Stundenchart eine sehr schöne Cup & Handle Formation mit Doppelboden, die ich Ihnen hier mitgebracht habe:

Im nachbörslichen Handel im Future, hat der DAX den Durchbruch durch die Nackenlinie bestätigt und bei 6763 geschlossen. Wendet man die Daumenregeln zum Potential der Cup & Handle Formation an, kommt man auf ein Kursziel von knapp unter 7000. Das würde auch zu einer Bewegung in den oberen Bereich der von mir mehrfach genannten volatilen Range 6400-7100 passen.

Mehr würde ich dem DAX im Moment noch nicht als kurzfristiges Potential zugestehen, dafür ist die Lage in der Euro-Zone zu kritisch und die Wahlen in Frankreich und Griechenland hängen auch noch bis Ende nächster Woche über unseren Köpfen. Aber das ist doch schon mal was und diese 250 Punkte im DAX nach oben könnten schöne Gewinne in sich bergen, wenn das Szenario genau so eintreffen sollte.

Für die neuen Leser dieses Blogs muss ich noch einschränkend hinzufügen, dass obiger Chart keineswegs bedeutet, dass es nun zwingend genau so kommt. Es bedeutet nur, dass die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario nun deutlich gestiegen ist. Und das ist doch schon mal eine wichtige Erkenntnis ! Börse ist immer nur ein Spiel mit Wahrscheinlichkeiten - "Gewissheiten" bieten nur diversen Dienste und Börsenbriefe, die Sie mit "Geheimtips" gegen Geld alle "reich" machen wollen. Komisch nur, warum diese Leute sich dann überhaupt noch um Kunden bemühen, wenn sie das perfekte System oder den heissen, reich machenden "Geheimtip" schon selber gefunden haben. Aber das sind halt bestimmt einfach nur alles gute, altruistisch engagierte Menschen. 😉

Aktie des Tages war sicher Rhön-Klinikum (WKN 704230), die nach einer Übernahmeofferte von Fresenius um 50% nach oben katapultiert wurde. Glückwünsch an alle, die zufällig dabei waren - ich war es nicht und dieses Angebot hat auch niemand vorher gesehen, sonst wäre der Kurs von Rhön-Klinikum schon im Vorfeld angesprungen. Meinen Glückwunsch auch an Fresenius, die damit gezeigt haben, dass man Übernahmen auch professionell und geräuschlos planen kann. Im Gegensatz zu manch anderer Übernahme, bei der die Information schon im Vorfeld an "Smart Money" heraus leckt, sichtbar daran, dass die Aktien schon vor der Übernahme steigen.

Bemerkenswert war heute auch Aixtron (WKN A0WMPJ), die heute wirklich grottenschlechte Zahlen ablieferten und dazu auch noch einen sehr unsicheren Ausblick des Managements. Und was machte der Kurs ? Der sprang um 6% nach oben. Normalerweise wäre das ein klares Kaufsignal, denn wenn ein Kurs in Anbetracht solcher Zahlen steigt, ist der Boden erreicht.

Bei Aixtron bin ich aber nicht so sicher, denn der Titel ist ein Spielball privater Spekulanten und gehört im Umfeld der Privatanleger zu den meistbesprochenen spekulativen Titeln in Deutschland. Wäre ich sicher, dass institutionelles Geld für den heutigen Anstieg verantwortlich ist, wäre ich nun sehr bullisch was Aixtron angeht. Das bin ich mangels Daten aber leider nicht und fürchte eher, das sich hier einfach die massive Hoffnung der Privatanleger zeigt. Denn übersehen wird in meinen Augen in der heutigen Euphorie, dass auch das Management nichts anderes als Hoffnung zu bieten hatte. Die Zahlen und Auftragseingänge waren so unglaublich schlecht, das Aixtron brutal in die Verlustzone rutschen würde, wenn die Hoffnung für die nächsten Quartale auch trügen sollte. Insofen bleibe ich wie schon vor 3 Monaten bei Aixtron weiter an der Seitenlinie, denn alleine auf Hoffnung basiere ich keine Investitionsentscheidungen.

Wie schon vor Wochen hier in einem Artikel bemerkt, gäbe es ein ganz einfaches Mittel um zu beweisen, dass das Aixtron Management selber an die Hoffnung glaubt, die es verbreitet: Insiderkäufe ! Ich habe aber aktuell keinerlei Insiderkäufe gesehen und das selbst nicht bei Kursen unter 10€ Ende letzten Jahres. Wenn Management und Aufsichtsrat aber so wenig Zutrauen in die weitere Geschäftsentwicklung des eigenen Unternehmens haben, warum glaubt dann Otto Normalanleger es ohne konkrete Indizien besser zu wissen ?

Volkswagen (WKN 766403) lieferte ganz ausgezeichnete Zahlen, die der Markt zu Recht mit einem Anstieg von 8% quittierte ! So gut die Zahlen auch waren, den massiven Anstieg muss man wohl teilweise auch als Gegenbewegung zu einem übertriebenen Abverkauf in den Tagen zuvor werten. Letztlich ist VW damit nur wieder in der Region oberhalb 130€ angekommen, in der sich der Titel schon in den vergangenen Monaten bewegte. Erst wenn der Deckel bei ca. 146€ vom Februar geknackt würde, wäre das ein Signal für eine positive Neubewertung der Aktie durch den Markt.

Ich halte Volkswagen für ein hervorragendes Unternehmen und traue dem Titel durchaus noch einige Kursanstiege zu, bin aber trotzdem nicht investiert, weil ich andere Titel vorziehe. Mir persönlich ist Volkswagen zu sehr von den Interessen des dominierenden "Piëch-Netzwerkes" geprägt. Auch wenn der halb liebevoll, halb spöttisch mit dem Spitznamen "Fugen-Ferdl" versehene Ferdinand Piëch ohne jede Frage ein herausragender Ingenieur und Unternehmer ist, hat er nach meiner Meinung aber auch schon gezeigt, wie wenig er auf die Interessen Dritter - hier der kleinen Aktionäre - Rücksicht nimmt, wenn deren Interessen seinem grossen Plan im Weg stehen. Die Geschehnisse rund um Porsche sollten da jedem zu denken geben.

Aus der Sicht von jemandem, der einen grossen Weltkonzern formen will, sind das nach meiner Einschätzung zwingend notwendige "machiavellistische" Fähigkeiten, ohne die es unmöglich wäre, einen solchen Firmen-Koloss wie Volkswagen unter alleiniger Kontrolle zu behalten. Insofern hat Ferdinand Piëch meinen grossen, professionellen Respekt. Für einen kleinen Aktionär muss das aber nicht zwangsläufig Gutes bedeuten. Insofern schaue ich mir Ferdinand Piëchs Lebenswerk mit einiger Bewunderung trotzdem lieber von der Seitenlinie aus an.

Das ist nach meiner Einschätzung übrigens auch der Grund, warum VW schon lange fundamental so unterbewertet ist und sich bisher trotzdem keine nachhaltige Änderung dieser Unterbewertung abzeichnet. Denn rein von den Zahlen, der Wettbewerbsstärke und der ausgezeichneten Marktposition her, müsste VW in meinen Augen wesentlich höher als heute notieren und einen Aufschlag auf die Sektorbewertung haben. Aber viele grosse internationale, institutionelle Anleger machen nach meiner Einschätzung einen Bogen um diese Aktie, weil sie als Aktionäre ohne jeden Einfluss wären. Die Kombination der Beteiligung Niedersachsens mit Ferdinand Piëchs Machtsystem, macht alle anderen Aktionäre in meinen Augen zu Statisten ohne Einfluss - wie zuletzt bei der Wahl zum Aufsichtsrat wieder zu bewundern. Das ist eine Situation, die grosse internationale Anleger mit verwaltetem Milliardenvolumen gar nicht schätzen.

Spätestens mit den Ereignissen rund um Porsche, wurde auch diesen Institutionellen gezeigt, wie hilflos sie bei VW als Aktionär diesen Kräften ausgeliefert sind. Es wird lange dauern, bis dieser Eindruck verblasst und deshalb dürfte VW nach meiner Einschätzung noch weit länger unter seinem wahren Wert gehandelt werden, als man in Anbetracht der reinen Zahlen vermuten könnte.

Ein weiterer Grund hat damit zu tun, das für institutionelle Anleger sowieso nur die Stämme in Frage kommen dürften, denn wenn man schon grosse Summen in ein Unternehmen steckt, dann will man auch sein Recht als Aktionär ausüben können. Die Stämme sind aber mit nur noch 10% Freefloat nicht liquide genug, um grosse Orders aufzunehmen. Der Kurs der Vorzüge - in denen sich die meisten Kleinanleger tummeln - ist aber letztlich ein Abbild der "wahren Aktien", der Stämme. Ohne diese internationalen, institutionellen Anleger, ist aber ein massiver Kursaufschwung nach meiner Ansicht nicht darstellbar. Anders herum formuliert, hätte VW aktuell einen Freefloat von 80% bei seinen Stämmen und nicht diese Porsche-Historie am Bein, wäre der Kurs der Stämme nach meiner Einschätzung aktuell sicher eher bei 180€ als bei 120€. Und diese 180€ wären nach meiner Ansicht auch angemessen, entsprächen dem aktuellen fundamentalen Wert und wären keineswegs eine Überbewertung.

In Anbetracht der offensichtlichen Unterbewertung, kann ich eine Investition in VW also durchaus nachvollziehen. Nur mit einem schnellen Anstieg zum fundamentalen Wert, rechne ich aus oben genannten Gründen nicht so schnell wie erhofft.

Morgen liefern dann auch Rheinmetall (WKN 703000) und Daimler (WKN 710000) Quartals-Zahlen, beides Aktien, die ich intensiv auf dem Radar habe. Ich bin bei Rheinmetall aktuell mit 50% meiner Zielgrösse und bei Daimler voll mit meiner Zielgrösse im Investmentdepot investiert und bin gespannt, was Morgen heraus kommt.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 24.04.12 – Beruhigung, Apple übertrifft erneut.

22.45 Uhr - Handelsschluss, Apple Zahlen

Der heutige Tag brachte eine Beruhigung im DAX, aber nicht mehr. Eine dynamische Gegenbewegung sieht auf jeden Fall anders aus ! In Anbetracht des vorangegangenen Absturzes, ist das eine sehr dürftige Vorstellung der Bullen. Auch die US Märkte waren heute wenig überzeugend. Auch hier Beruhigung, aber nicht mehr.

Rein von der Markttechnik her, habe ich kurzfristig für die nächsten Tage eine leicht bärische Tendenz und rechne eher damit, dass wir noch tiefere Kurse im DAX sehen und mindestens noch die Zone oberhalb 6400 erreichen. Auch vom politischen Umfeld her, ist eine Beruhigung vor den Wahlen in Frankreich und in Griechenland am 06. Mai eher unwahrscheinlich.

Erst danach hat Mr. Market nach meiner Einschätzung wohl die Chance, seinen Frieden mit dem Ergebnis zu machen, was immer bei den Wahlen heraus kommt. Es ist halt einfach eine ganz typische psychologische "Macke" von Mr. Market, das er sich in der Unsicherheit vor wichtigen Ereignissen immer sehr stark sorgt, während er nach der vollendeten Tatsache eher desinteressiert die Schultern zuckt - selbst wenn das Ergebnis nicht so ganz das war, was er erhofft hatte. Mr. Market ist einfach gnadenlos auf die Zukunft fixiert, die Gegenwart und erst recht die Vergangenheit sind für ihn völlig uninteresssant.

Die "Wildcard" im Spiel ist die FED Sitzung, die heute begonnen hat und deren Ergebnisse morgen Abend bekannt werden. Die Erwartung des Marktes an die FED ist verhalten, kaum jemand rechnet wirklich mit wichtigen Neuigkeiten. Insofern könnte ein einzelner Satz der zur Interpretation eines neuen QE Progamms ab Juni einlädt, morgen Abend durchaus ein Überraschungsfeuerwerk zünden und das obige Bild völlig auf den Kopf stellen.

Und eine weitere Karte im Spiel sind die Zahlen von Apple (WKN 865985). Apple hat im 2. Quartal 2012 mit 39,2 Milliarden USD Umsatz und 11,6 Milliarden USD Gewinn die Erwartungen erneut deutlich geschlagen ! Auch die Verkäufe des iPhones lagen weit über den Erwartungen, da China für Apple als Absatzmarkt immer wichtiger wird. Stand 22.45 Uhr ist Apple nachbörslich 7% im Plus. Diese Zahlen sollten dem Markt morgen sicher gut tun und für einen guten Start sorgen. Wie weit das dann über den morgigen Tag hinaus trägt, werden wir sehen. Ich bin seit Freitag Long Apple.

Von diesen zwei potentiell positiven Katalysatoren abgesehen, ist man aber in meinen Augen weiter gut beraten, vorsichtig zu agieren und den Kapitalerhalt zum Hauptziel zu machen. Wie ich schon Ende März schrieb, rechne ich damit, dass fast das ganze 2. Quartal an der Börse ein "Aprilwetter" hat. Das beinhaltet durchaus die Chance auf schöne Gegenbewegungen, aber wir sollten in der grossen Range zwischen 6400 und 7100 im DAX bleiben und darin volatil hin und her schwingen.

Frühestens ab Mai, ich rechne aber eher erst ab Juni in den Sommer hinein, haben wir in meinen Augen vielleicht die Chance, dass der Markt eine langsame, kriechende Bewegung nach oben beginnt, die dann im Herbst Fahrt aufnimmt. Ich habe keine signifikanten "Beweise" für dieses Szenario, nur mein Marktgefühl aus Erfahrung. Aber das lag ja im Januar ebenso wie Ende März gar nicht so falsch.

Repsol (WKN 876845) hat nun möglicherweise nach dem Absturz durch die YPF Verstaatlichung den Punkt erreicht, an dem die negativen Effekte eingepreist sind. Basierend auf dem gewaltigen Abschlag den der Markt nun erzwungen hat, scheint nach meiner Einschätzung der komplette Verlust ohne jede Entschädigung nun im Kurs eskompiert zu sein. Für mich nun Grund hier einzusteigen, weil alles weitere zum Thema YPF das Potential positiver Überraschungen hat. Ich bin seit heute früh Long bei Repsol. Ziel 17,5€ oder 25% Plus gegenüber dem Einstand bei ca. 14€.

ST Microelectronics (WKN 893438) wurde gestern ganz übel und zweistellig verprügelt. Nicht wegen der Zahlen, sondern weil ST Micro im Rahmen seines Joint Ventures mit Ericsson, die defizitäre "Application Processor" Sparte nun ganz übernimmt, statt nur 50% zu halten. Das mochte der Markt gar nicht, weil sich damit der Verlust verdoppelt, der auf die Bücher von ST Micro genommen werden muss. Die Sparte leidet unter der Schwäche der Hauptkunden Nokia und Ericsson als Smartphone Hersteller. Ich habe diese Entwicklung bei den Geschäftsanteilen des Joint Ventures nicht geahnt und wurde wie der Markt davon auch überrascht, denn ich war nach den voran gegangenen Rückgängen schon wieder Long bei ST Micro. Ich sehe aber in der Massnahme keinen Grund meine Sicht auf den Titel zu ändern, denn der Markt reagiert hier auf schon aufgelaufene Verluste, was ST Micro nun unter alleiniger Führung mit der Sparte macht, steht auf einem anderen Blatt. Ich bleibe weiter Long ST Micro. eine kurze Meldung des Handelsblatt zum Thema.

Auffallen sollte auch, dass die US-Kohlewerte rund um Peabody Energy (WKN 675266) auch heute wieder leicht im Plus waren. Ich glaube im Sektor nun eine Veränderung des Kursverhaltens zu erkennen und wer an dem Sektor interessiert ist, sollte nun ganz genau hinschauen ! Noch ist es deutlich zu früh eine Wende auszurufen, aber der Sektor zeigt nicht mehr das Verhalten eines ungebremsten Absturzes.

Gold (XAUUSD) steht vermutlich kurz vor einer grossen, dynamischen Bewegung. Denn Gold steckt mitten in einer immer enger werdenden Kompression, der Kurs bewegt sich kaum noch von 1640 USD weg. Auf eine Kompression folgt aber typischerweise eine Expansion. Denn wenn sich dann eine neue Richtung etabliert, ist das oft mit einer sehr dynamischen Bewegung verbunden.

Nur die Richtung der Expansion ist leider unklar, wäre es anders wäre es ja auch zu einfach. 😉 Um die Situation aus charttechnischer Sicht zu betrachten, empfehle ich allen Interessierten den folgenden Artikel des erfahrenen Traders Peter L. Brandt :

Auch ich kenne die Richtung nicht, ich habe aber eine leicht bullische Tendenz für Gold. Und die beruht darauf, dass zusätzlich zu den Chartmuster die in dem obigen Artikel ausgeführt werden, das Sentiment bei Gold und Goldminen nun sehr negativ ist. Gerade die Goldminen sind massiv überverkauft und das sollte das Downside begrenzen. Und das die politische Grosswetterlage rund um den Euro eigentlich Gold stützen sollte, ist wohl auch klar.

Insofern sehe ich leichte Vorteile für die Bullen bei Gold, werde aber ohne zu zögern und ohne Ankündigung aus allen Positionen springen, sollten wir tatsächlich durch die 1610 USD nach unten durchlaufen. Denn 1610 USD entspricht dem Tief vom 04.04.12 und wenn wir das nach unten durchschlagen, ist nach meiner Erwartung dann doch die Entscheidung zu Gunsten der Bären gefallen !

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 19.04.12 – Kurzbericht

22 Uhr - Handelsschluss

Auch heute und voraussichtlich auch am morgigen Freitag, bleibt es bei einem Kurzbericht. Die ganze Familie, mich eingeschlossen, ist eine "Lazarett" aus Fieber, Husten, Schnupfen, Erbrechen - so dass ich nicht zu einem regulären Tagesablauf finde. Nächste Woche ist das Elend dann hoffentlich vorbei und alles geht wieder seinen normalen Gang. Wenn nur mal jemand etwas gegen diese verfluchten Rhinoviren finden würde, Reichtum und 100 Milliarden Börsenwert wären wohl garantiert.

(1)
Wir hatten wieder deutliche Schwäche im DAX und es dürfte nun wohl dem Letzten klar sein, wie hier die Euro-Krise wieder ihren Tribut fordert. Ich sehe nach wie vor nicht, wie das Problem kurzfristig verschwinden kann, insofern sind starke Tage im DAX oberhalb 6800 nach meiner Einschätzung weiterhin eher dazu geeignet Risiko heraus zu nehmen, bis die Lage aufklart. Nach wie vor rechne ich mit einer schwierigen Phase bis in den Juni. Ich würde aber eher die IWF Sitzung am Wochenende abwarten, dort wird man sicher mit vielen warmen Worten versuchen, den Märkten Vertrauen einzuhauchen. Und manchmal - wenn er verzweifelt genug ist - will Mr. Market so etwas einfach glauben. Insofern besteht schon die Chance für eine Erleichterungsrally und ich würde nicht zu pessimistisch werden, das Szenario der volatilen Range 6400-7100 ist in meinen Augen voll intakt.

(2)
Aber auch die US Märkte konnten heute nicht überzeugen und das wir nun auch am zweiten Tag die Range und den steigenden Trendkanal nicht zurück erobern konnten, lässt die Risiken nach unten deutlich steigen. Eine halbe Stunde vor Handelschluss, kamen dann aber noch zwei grosse Kaufprogramme in den Markt und schoben den S&P500 etwas höher bis 1377, allerdings ohne eine überzeugende Performance abzuliefern. Noch ist also nicht aller Tage Abend, aber es steht nun wirklich auf des "Messers Schneide" und der Markt sendet völlig indifferente Signale. Sollten wir allerdings nun auch noch in den US Indizes abkippen, rechne ich im DAX mit einem Schlachtfest, dass uns dann schnell bis 6400 bringt. Die Alternative hatte ich gestern skizziert - schaffen wir es doch wieder in den steigenden Trendkanal, haben wir gute Chancen aus technischen Momentum heraus bis zur oberen Begrenzung bei 1450 zu laufen und im DAX wieder an der 7000 zu schnuppern.

(3)
Apple fällt heute erneut um über 3%, nachdem es nur eine eintägige Gegenbewegung gab. Das ist kein gutes Zeichen, bedeutet wohl das der Abwärtstrend noch andauert und ist ein Indiz, dass sich im Markt gerade etwas Grundlegendes ändert - und das dürfte für die breiten Indizes nicht unbedingt gut sein.

(4)
Zu Daimler und Nokia habe ich mich heute schon geäussert, wer es übersehen hat, schaut bitte -> hier <- und in einen aktuellen Kommentar, den ich auf eine Frage geschrieben habe.

(5)
Peabody Energy (WKN 675266) lieferte die erwartet mässigen Zahlen und der Markt beantwortete das mit einem 7% Anstieg, der den ganzen Tag Bestand hatte und nicht sofort wieder verkauft wurde ! Auch die anderen Kohle-Titel wurden mitgezogen. Das ist der Klassiker einer Überdehnung ins Negative und nach den verschiedenen Indizien der letzten Wochen ein weiteres Teil des Puzzles, das ein nahes Ende der Abwärtsbewegung im Kohle-Sektor indizieren könnte.

Übrigens, falls bei dem katastrophalen Kursverlauf der Kohletitel jemand denken sollte, die Kohleunternehmen würden kein Geschäft mehr machen, hier die Quartalszahlen von Peabody gegenüber dem 1. Quartal 2011: Umsatz + 17%! auf 2,04 Milliarden USD, Gewinn 172,7 Millionen USD vs 176,6 USD Millionen vor einem Jahr - also fast identisch. Sieht so ein wackelndes Unternehmen aus ? Und nun vergleichen Sie bitte den Kurs von vor einem Jahr mit heute, der hat sich halbiert. Warum ? Weil die Erwartungen ins Bodenlose gefallen sind ! 😉

Allerdings muss man klar feststellen, dass die guten Zahlen vor allem aus der australischen Operation von Peabody kamen, die die asiatischen Märkte beliefert. Aber selbst der US Umsatz ist bei Peabody um 5% gewachsen, was in Anbetracht der Überversorgung mit Shale Gas eine Leistung ist. Insofern muss man bei Kohletiteln in Zukunft genau schauen, wo sie ihre Operation und ihre Kunden sitzen haben. Ein reiner US Miner ohne internationale Kunden dürfte es auch weiterhin weit schwerer haben, als international agierende Kohle-Grössen wie Peabody.

Ich denke, es wäre auch ein Fehler, den grundlegenden Effekt von Shale Gas zu ignorieren. Das scheint in den US ein echter "Game-Changer" zu sein, den ich in seinen brutalen Auswirkungen vor einem halben Jahr auch noch nicht in diesem Umfang auf dem Radar hatte. Weswegen ich bei rein in den US operierenden Kohleförderern temporäre Stärke in den kommenden Monaten eher zum Ausstieg nutzen würde. Gerade in Asien und speziell China aber, ist Kohle massiv auf dem Vormarsch und noch lange ein entscheidender Energieträger.

Wie -> hier <- vor einer Woche geschrieben, bin ich bei Peabody nun wieder long, wenn auch bisher nur verhalten. Sobald sich bestätigen sollte, dass im US Kohlesektor der Boden drin ist, werde ich in diesem Segment deutlich nachlegen.

(6)
Gold und Goldminen sehen für mich nun zunehmend spannend aus. Immer bei 1640 USD scheint bei Gold Kaufinteresse in den Markt zu kommen und auch die Minen sind derart überverkauft, dass die Chance für eine überraschende Rally besteht - eine Chance, keine Sicherheit. Die Lage ist nach wie vor wackelig, aber in dem Sektor fühle ich mich nun wohler, als in manch bisher gut gelaufener Industrie- oder Technologie-Aktie.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari