DAX und S&P500 – ein starker und ein schwacher Index

Ich bin ein grosser Freund des Konzeptes relativer Stärke. Dahinter verbirgt sich die Technik, in jeder Marktphase die Aktien, ETFs oder Indizes zu identifizieren, die im Vergleich zu ihren Peers, relative Stärke zeigen. Und gezielt nur in diesen, das eigene Kapital arbeiten zu lassen.

Der Charme dieses Konzeptes liegt darin, dass man damit eine Überperformance über den Markt erzielen kann, ohne sich zu sehr über die generelle Richtung Gedanken machen zu müssen. Was besonders dann zum Tragen kommt, wenn eine generelle Richtung zweifelhaft ist.

Und so eine Phase haben wir nun möglicherweise an den Märkten. Seit Jahresanfang haben die Märkte stark hin und her geschwungen, so richtig vom Fleck gekommen, sind sie aber nicht. Und das kann durchaus noch Monate so weiter gehen, so dass am Ende Bullen wie Bären gleichermassen frustriert werden.

Schauen wir uns doch daher mal relative Stärke im Vergleich des DAX mit dem Leitindex S&P500 an. Ich benutze dafür Charts mit Tageskerzen und wir schauen zunächst auf den DAX:

DAX 24.03.14

Es springt ins Auge, dass der DAX nun eine Serie niedrigere Hochs hatte und vielleicht sogar gerade an einer Topbildung arbeitet. Auf jeden Fall ist eine Entwicklung wie eingezeichnet, aufgrund der Marktstruktur gut vorstellbar. Nicht sicher, aber eben wahrscheinlich. Das Chartbild ist auf jeden Fall latent bärisch und kein Chart, bei dem man nun mit beiden Händen sein Kapital auf den DAX werfen muss.

Umgedreht schauen wir auf den S&P500 mit Tageskerzen:

S&P500 Tag 24.03.14

Das Chartbild ist nach wie vor eher bullisch. Der S&P500 hängt knapp unterhalb eines Ausbruches oberhalb 1880 USD und scheint eine bullische Umkehrformation zu bilden. Hier sollte man die Bullen nicht unterschätzen und ein Ausbruch hat eine relevante Wahrscheinlichkeit.

Sie sehen, wir haben gegenläufige Signale in DAX und S&P500 und der DAX läuft seit Anfang März klar schlechter, als viele andere Indizes. In meinen Augen hat das auch Gründe:

- Erstens aufgrund einer traurigen, rückwärtsgewandten Wirtschaftspolitik der grossen Koalition, die dabei ist, den Wettbewerbsvorteil Deutschlands zu verspielen.

- Zweitens aufgrund der Fragezeichen im Export-Modell durch die Schwäche Chinas, durch den zu starken Euro und durch die wachsende Wettbewerbskraft Japans, die durch die monetäre Abwertung des Yen beflügelt wird.

- Drittens aufgrund der Fragezeichen in Osteuropa/Russland, deren ökonomische Auswirkungen zwar begrenzt sind, deren psychologische Effekte auf die Anlageneigung institutioneller Anleger, aber vor allem den DAX belasten.

Es ist also zweifelhaft, ob man im Sinne des Konzeptes der relativen Stärke, nun gerade von allen Indizes der Welt im DAX unterwegs sein muss.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob beide eingezeichneten Entwicklungen gleichzeitig eintreten können. Die Antwort ist eher Nein ! Wenn der S&P500 nach oben ausbricht, wird der DAX nicht gleichzeitig unter 9000 rutschen. Das ist fast unmöglich und würde eine massive lokale Krise in Deutschland erfordern, die aber ökonomisch nicht über die Grenzen ausstrahlt.

Denkbar ist aber, dass der S&P500 nach oben ausbricht und der DAX aufgrund seiner relativen Schwäche keine neuen Hochs schafft, sondern in einer Seitwärtsrange bleibt.

Denkbar ist auch, dass der S&P500 in einer Seitwärtsrange zwischen 1840 und 1880 bleibt und der DAX trotzdem durch die 9000 nach unten durchfällt.

In jedem Fall hat der DAX klare relative Schwäche zum S&P500. Und unabhängig davon, wo sich die Aktienmärkte der Welt in Summe in den nächsten Wochen und Monaten hinbewegen, muss man sich die Frage stellen, ob der DAX im Moment der richtige Ort für das eigene, sauer erarbeitete Kapital ist.

Ihr Hari

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Wird der DAX langsam müde ? Der Krim-Krimi und die Folgen

Wird der DAX langsam müde ? Der Krim-Krimi und die Folgen

Ein Gastkommentar von Tokay

Die letzten Tage und Wochen waren auf den Aktienmärkten von großer Unruhe geprägt, insbesondere der deutsche Aktienmarkt, insbesondere der DAX. Das war natürlich zu einem guten Teil bedingt durch die Großwetterlage im Osten, auf der Krim, in Russland, in der Ukraine. Die dortigen Entwicklungen ließen Befürchtungen hochkommen bezüglich eines neuen kalten Krieges.

Wir scheinen uns an einem Scheideweg der internationalen Politik zu befinden, wofür die Krim schon einmal der historische Ort war. Auch befinden wir uns im historischen Jahr 2014, in welchem sich der Erste Weltkrieg zum hundertsten Male jährt. Dass es zu einem solchen kommen würde, hatten die Zeitgenossen zwar befürchtet, aber nicht im Ernst für möglich gehalten . Auch dass Russland so ohne weiteres die Krim annektieren würde, hat man nicht für möglich gehalten. Man sollte die Parallelen nicht zu weit treiben, doch sieht man nur zu deutlich, dass eine nicht ausbalancierte Ausgangslage in der internationalen Politik eine hohe Dynamik in sich birgt. Wohin gehört die Ukraine? Zur EU ? Zu Russland? Es ist die Aufgabe kluger Politik, diese Dynamik entweichen zu lassen. Das wird allerdings nicht von heute auf morgen geschehen können.

Heftig hat der DAX auf die Ereignisse reagiert: Er brach in Folge der Krim-Krise kräftig ein, konnte sich zwischenzeitlich jedoch wieder etwas fangen. Doch hat in Folge der Krise die Nervosität auf dem Markt zugenommen.

Betrachten wir die Entwicklung des DAX seit 2009:

DAX 01.02.2009 bis heute

Die Krim-Krise hat letztlich dafür gesorgt, daß der langfristige Aufwärtstrend ABC des DAX ramponiert wurde. Ist er damit beendet? Es ist noch zu früh, das zu beurteilen. Denn nachhaltig wurde die Trendlinie bisher ja nicht gebrochen. Sollte es dynamisch unter die Aufwärtstrendlinie ABC gehen, oder gar unter die „innere Linie“(fein gestrichelt) dann wäre dies eindeutig der Fall. Soweit ist es aber vorerst noch nicht.

Wichtiger ist die Frage ob die obere Begrenzungslinie DEF touchiert oder überschritten werden kann. Wenn ja, könnte man die Abwärtsszenarien ad acta legen. Aber wehe, ein allfälliger Aufwärtstrend prallte an dieser Linie ab – dann könnte sich eine erhebliche Abwärtsdynamik entfalten, die erst eine „Etage“ tiefer zum Stillstand kommen könnte.

Man wundert sich natürlich etwas, weshalb so „ein bisschen“ Krim einen derartigen Einfluss ausüben kann. Die fundamentalen Bestimmungsfaktoren sind ja weiterhin nicht ungünstig. Und auf den Gang der Finanzmärkte hat Janet Yellen bestimmt erheblich mehr Einfluss als Wladimir Putin. In seiner ersten Sitzung unter Yellen hat das oberste Fed-Gremium beschlossen, die Anleihekäufe weiter wie geplant zurückzufahren. Das ist eigentlich eine gute Nachricht, denn mit anziehender Konjunktur ist eine monetäre Alimentierung der wirtschaftlichen Entwicklung nicht mehr erforderlich, zumal ja einige Fehlanreize gesetzt werden. Auch dokumentiert dies die Stetigkeit der Fed-Politik. Allerdings muss die Gewinnentwicklung dann halten, was die Gewinnerwartungen heute einpreisen, denn sonst stünde die Hausseentwicklung ernsthaft zur Disposition.

Wir wissen, dass für die Entwicklung der europäischen Indizes und damit auch des DAX die US-Börsen ein wesentlicher Bestimmungsfaktor sind. Wie sieht es hier also aus? Beginnen wir mit dem großen Leitindex, dem S&P 500:

SuP 500 2009 bis heute

Wir erkennen hier eine beeindruckende Aufwärtsentwicklung entlang der Linie ABC. Diese Linie ist in 2013 praktisch nie ernsthaft getestet worden. Schwächephasen wurden immer energisch gekauft. Die höher verlaufende „innere Linie“(fein gestrichelt, sie entspricht der exponentiellen Trendfunktion, also dem mittleren Trend) ist flacher, sie wird bei Fortschreibung der jetzigen Entwicklung die ABC-Linie gegen Ende 2014 schneiden(Punkt P). Ein baldiges Ende der Hausse ist also per heute nicht zu erkennen.

Und was macht die Hightechbörse NASDAQ, die im Ruf steht, empfindlicher zu reagieren, als der Marktdurchschnitt?

Nasdaq Composite 2009 bis heute

Hier ist der Aufwärtstrend noch weniger in Gefahr. Seit Beginn 2009 hat sich das Kursniveau fast verdreifacht und die heutigen Kurse kommen nicht auch nur ansatzweise in die Nähe der unteren Begrenzungslinie ABC. Erst bei einem Unterschreiten eines Kurslevels von 3870 Punkten wäre Gefahr im Verzug. Die untere Begrenzungslinie verläuft jedoch praktisch parallel zur „inneren Linie“; ein Unterschreiten der Untergrenze des Aufwärtstrend geschähe aus quasi heiterem Himmel.

Trotz alledem hinterlässt die Analyse den Betrachter mit gemischten Gefühlen. Die Aufwärtsentwicklung am deutschen Markt dauerte lange und sie war sehr dynamisch. Es ist nahezu zwangsläufig, dass eine solche Entwicklung nicht ewig dauern kann. Die internationalen Anleger sehen das auch so, sie wenden sich vermehrt anderen europäischen Märkten zu, wie die Kursverläufe im Zuge der Krim-Krise deutlich aufgezeigt haben. Der DAX wird also langsam müde, der Anleger indes sollte hellwach bleiben!

Tokay

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Der DAX, die Krim, China und Kupfer – da stimmt was nicht !

Aufmerksamen Beobachtern des Marktes fallen derzeit zwei Anomalien auf, die Anlass zur Irritation geben.

Die erste Anomalie, ist die massive relative Schwäche des DAX gegenüber fast allen anderen Indizes, egal ob es sich um den S&P500 oder weiter westlich befindliche europäische Indizes, wie den spanischen IBEX35 handelt.

Ich will Ihnen dazu nun ein eindrucksvolles Chart zeigen, das wohl kaum Zufall ist und das in meinen Augen die Antwort beinhaltet:

DAX vs S&P500 11.03.14

Sie sehen den direkten Vergleich des Leitindexes S&P500 und des DAX. Und Sie sehen, dass der DAX seit Anfang März beeindruckende und sehr ungewöhnliche 5%! relative Performance zum S&P500 verloren hat.

Schauen wir auf die Zeitskala, sehen wir auch, dass diese relative Schwäche in dem Moment einsetzte, in dem Russland auf der Krim seine Muskeln und seine rote Linie zeigte, hinter die es wohl nicht mehr zurückweichen wird. Das Chart zeigt uns, es geht den Investoren nicht um die Ukraine, die ist wirtschaftlich unbedeutend. Es geht um das Verhältnis Russlands zum Westen und im speziellen zur EU. Und unter einem aufkommenden neuen Konflikt, wird primär die deutsche Wirtschaft leiden, dicht gefolgt von Österreich oder Finnland - alles Länder die traditionell gute Wirtschaftsbeziehungen mit Russland haben.

Bedenken Sie bitte auch, das der DAX nicht von deutschen, sondern primär von den Handlungen angelsächsischer Grossinvestoren (institutionelles Geld) bestimmt wird. Und diese haben scheinbar ein Wahrnehmung entwickelt, die ich teile: Der Konflikt um die Krim und die Ukraine wird nicht schnell verschwinden, wir sehen viel eher den Beginn einer neuen strategischen Grosswetterlage, eine Gezeitenwende im Verhältnis Russlands zur EU.

Diese institutionellen Investoren können aber weltweit anlegen und brauchen wirklich den DAX nicht, um ihr Kapital arbeiten zu lassen. Und wenn diese nun langfristig Kapital aus dem DAX abziehen und in andere Märkte umschichten, dann war es das mit den Hochs beim DAX, dann muss man den Blick deutlich nach unten richten.

Ich habe diese Vermutung schon seit letzter Woche und wir haben das im Premium-Bereich intensiv besprochen. Dieses Chart bestätigt die Vermutung und der DAX scheint nicht mehr der Index zu sein, in dem man unbedingt sein muss.

Schauen wir auf ein detailliertes Chart mit Tageskerzen, sehen wir, dass der DAX nun auch eindeutig ein tieferes Hoch generiert hat, das oft das erste Signal für eine vollzogene Topbildung darstellt. Das Beste was dem DAX nach meiner Erwartung in der aktuellen Situation nun passieren könnte, habe ich im Chart eingezeichnet: ein fortdauernde Seitwärtsbewegung, an deren Ende durch eine überraschende Lösung des Konfliktes zwischen EU und Russland, dann doch noch der Schub zur 10.000er Marke kommt. Das Szenario einer vollzogenen Topbildung und damit einer bevorstehenden scharfen Korrektur, ist aber ebenso wahrscheinlich !

DAX 11.03.14

Schauen wir Richtung China, sehen wir eine zweite Anomalie, die sich derzeit natürlich auch negativ auf den DAX auswirkt.

Am 07.03. hat es den ersten Default (Ausfall) einer Unternehmensanleihe in China gegeben. Bisher wurde das nicht zugelassen und durch das staatsgesteuerte Bankensystem immer aufgefangen. Auf die Märkte wirkt das wie ein Fanal und löst massive Ängste aus, zumal die sonstigen Wirtschaftsdaten aus China auch zweifelhafte Signale geben.

Am stärksten reagiert der Markt dabei über das Industriemetall Kupfer (Dr. Copper), das bisher als zuverlässiger Indikator für den Zustand der Weltwirtschaft galt. Ein Blick auf die kontinuierliche Darstellung des US Coppper Futures, zeigt den massiven Einbruch und die zeitliche Koinzidenz zum Corporate Bond Default in China:

Copper 11.03.14

Gleichzeitig stehen die Indizes in den US aber immer noch nahe der Höchststände und die US Wirtschaft scheint langsam aber sicher Fahrt aufzunehmen. Ein Spiegelbild des realen industriellen Bedarfs kann dieser Absturz bei Kupfer also nicht sein. Es ist eher der Versuch des Marktes, die Zukunft zu antizipieren und ein spekulatives Element spielt dabei mit Sicherheit eine Rolle.

Ob es in China nun wirklich zu einer Kreditkrise kommt, die schon lange vorher gesagt wird, ist völlig offen. Zu undurchsichtig sind die Daten und zu intransparent die politische Einflussnahme, als das man hier verlässliche Schlussfolgerungen ziehen könnte. Aber das Risiko ist da und wir können nur hoffen, dass Dr. Copper hier nur von Spekulanten nach unten gezerrt wurde. Das Chart impliziert zumindest, dass nun eine technische Gegenbewegung anstehen könnte.

Summa Summarum haben wir aber mit hoher Wahrscheinlichkeit Abflüsse von institutionellem Geld aus dem DAX, basierend auf einer strategischen Lagebeurteilung rund um Russland und die EU. Wir haben weiterhin das Damoklesschwert einer Kreditkrise in China, das den exportlastigen DAX besonders treffen würde. Und wir haben in Deutschland eine grosse Koalition, die in Selbstgefälligkeit Wohltaten verteilt und die Lehren völlig vergessen hat, die andere Länder wie Frankreich gerade schmerzhaft lernen müssen.

In Summe steht es um die Weltwirtschaft und die weltweiten Aktienmärkte gar nicht so schlecht und der Leitindex S&P500 befindet sich nach wie vor in einem etablierten Aufwärtstrend. Insofern muss der DAX nun keineswegs zwingend einbrechen und die aktuelle Schwächephase kann in Summe an den Weltmärkten eine gute Kaufgelegenheit sein. In Anbetracht der unveränderten Politik der Notenbanken, spricht viel für eine Fortsetzung des Bullenmarktes.

Aber ob man sein Kapital in den kommenden Woche und Monaten nun unbedingt gerade im DAX arbeiten lassen muss, darf aufgrund der drei genannten Parameter durchaus bezweifelt werden.

Relativ gesehen, gibt es für mich auf der Welt derzeit bessere Opportunitäten als den DAX. Wenn Sie diese kennenlernen wollen, stossen Sie zur surveybuilder.info Community dazu ! Denn die Anlagewelt ist gross, nutzen wir ihre Möglichkeiten !

Ihr Hari

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Die Ukraine und die Märkte. Haben politische Börsen kurze Beine ?

Ja, das haben sie - in der Regel. Und wir haben nun wieder eine politische Börse, nachdem das Erschrecken über die russische Intervention auf der Krim, nun auch weitere Kreise und wohl auch wirtschaftliche Konsequenzen nach sich zieht.

Und das der DAX heute deutlich korrigiert und Gold fast 1350 USD erreicht, ist selbstverständlich zu einem guten Teil die Folge der Geschehnisse in der Ukraine. Auch andere Faktoren machten eine Korrektur durchaus möglich, die heutigen Reaktionen von Gold und Öl zeigen aber überdeutlich, dass hier kurzfristig vom Markt die Krise gespielt wird und wir es nicht nur mit simplen Gewinnmitnahmen in einem überkauften Markt zu tun haben.

Der Grund warum politische Börsen kurze Beine haben, liegt darin begründet, dass politische Krisen aufflackern und dann wieder vergehen. Die Börse interessiert aber nur, was Auswirkungen auf die Unternehmen und ihre wirtschaftliche Entwicklung hat.

Und da die Ukraine keine relevanten Bodenschätze besitzt und auch ansonsten im weltweiten Handel irrelevant ist, wird der Markt kurz zucken und dann wieder zur Tagesordnung übergehen, solange sich das jetzige Szenario nicht ausweitet und es nicht zu offenem Krieg kommt.

Einzig der Aktienmarkt Russlands dürfte nun dauerhaft einen Schlag bekommen, der RTX ist aktuell folgerichtig auch 10% im Minus. Denn Russland ist auf dem besten Weg damit dauerhaft zum "Paria" zu werden und gerade die von Oligarchen geführten Unternehmen Russlands, werden das sehr schmerzhaft zu spüren bekommen.

Wirtschaftssanktionen wirken auf den ersten Blick nicht so eindrucksvoll wie einmarschierende Soldaten. Sind am Ende aber auch sehr schmerzhaft. Denn wenn den russischen Oligarchen der Zugang zum Westen beschnitten wird, wird der innenpolitische Druck auf Putin schnell stark wachsen, eine kooperative Linie einzuschlagen.

Im russischen Aktienmarkt muss man nun also wirklich nicht sein und da die Gegenreaktion des Westens gerade erst anläuft, könnten auch die 10% Minus heute erst der Anfang sein. Und auch der russische Rubel dürfte nun in Schwierigkeiten geraten. Und natürlich werden auch im Westen Unternehmen leiden, die auf die eine oder andere Art und Weise mit Russland verflochten sind oder von Rohstofflieferungen aus Russland abhängen. Darüber hinaus sind die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts um die Ukraine erst einmal gering.

Diese Aussage - und auch die zu den kurzen Beinen politischer Börsen - gilt aber nur für den Fall, dass sich der Konflikt nun nicht ausweitet. Und gilt unter der Annahme, dass die Ukraine - ob mit oder ohne Krim - nun politisch stabilisiert werden kann. Kommt es dagegen nun zu einem offenen Bürgerkrieg, in dem schlimmstenfalls auch noch Russland mit Truppen ohne Hoheitszeichen mitmischt, kann dieses Pulverfass schnell zu einer kompletten Destabilisierung Europas Osten führen und auf andere Randstaaten übergreifen. Und die Nato steht an der polnisch-ukrainischen Grenze und ist dann schnell Teil des Spiels. Übrigens hat Huntington in seinem Buch genau solche Szenarien entlang kultureller Bruchlinien - auch in der Ukraine - skizziert.

So ein Szenario würde grosse Risiken für Europa herauf beschwören und würden die Börsen mit hoher Sicherheit mit einer Korrektur beantworten, gegen die das heutige Minus ein kleiner "Fliegenschiss" ist.

Es ist aber völlig unvorhersehbar, ob es dazu kommt oder ob die Krise nun bald wieder abflaut und sich alles mit einer russischen Krim abfindet und die Ukraine sich politisch stabilisieren kann. Denn auch wenn es aufgrund der aktuellen Grenzen natürlich ein Bruch des Völkerrechtes ist, ist eine russische Krim historisch ja nun gar nicht mal so illegitim.

Und weil wir alle nicht wissen, wie sich das nun weiter entwickelt, ist Panik und hektische Aktivität kein guter Ratgeber.

In so einer Lage muss man seine Risiken reduzieren und einen klaren Plan entwickeln, unter welchen Umständen man die Reissleine ziehen wird. Darüber hinaus ist nun aber Ruhe und Abwarten angesagt und keine hektischen Aktivitäten.

Denn in der Mehrzahl der Fälle haben politische Börsen eben kurze Beine und dann ist dieser Dip sogar wieder ein Kaufgelegenheit. Und über die wenigen Fälle in denen das nicht so ist, möchte ich als europäischer Bürger im Moment lieber noch nicht nachdenken. So nahe wollte ich den Krieg eigentlich nicht mehr haben.

Ihr Hari

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DAX-Betrachtung: Bleibt alles anders

DAX-Betrachtung: Bleibt alles anders

Ein Gastkommentar von Tokay

Der seit der Doppelkrise vom Sommer 2011(Eurokrise, Fiscal Cliff in den USA) laufende Bullenmarkt besteht weiterhin fort. Naturgemäß wird nun vermehrt die Frage gestellt, wie lange die Sache noch gut gehen könne. Einerseits steht das Thema „DAX 10000“ einmal mehr auf der Agenda, auf der anderen Seite machen diverse Crash-Szenarien die Runde, was dann mit der Höhe der Börsenkredite oder den Aktivitäten der einschlägigen Gurus(George Soros, Warren Buffett) begründet wird.

Schauen wir uns dazu das nachfolgende Langfristchart an. Der Bullenmarkt wird nach wie vor durch zwei große Linien geprägt:

  • einmal durch die Linie DE, die die obere Begrenzung des seit 2009 gültigen Aufwärtstrends markiert;
  • dann durch die Linie ABC, die die untere Begrenzung des seit 2011 gültigen Aufwärtstrends bezeichnet;
  • relevant ist außerdem die „innere Linie“(fein gestrichelt), die ein Maximum an Hoch- und Tiefpunkten seit 2009 miteinander verbindet und daher den mittleren Trend seit 2009 am besten wiedergibt.

DAX 21.02.14

Wir erkennen, dass der DAX momentan ziemlich deutlich nach oben gelaufen ist, ohne dass man aber von einem „überhitzten“ Zustand sprechen kann. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder der DAX setzt seinen Anstieg entlang der oberen langfristigen Begrenzungslinie DE fort mit dem Ziel 10700 Punkte oder er sinkt weiter ab bis zur Untergrenze des 2011er Trends, der ABC-Linie. Diese liegt derzeit bei ca. 9100 Punkten.

Bei letzterer wiederum gibt es zwei Alternativen: Anstieg entlang der Linie ABC(Ziel wären auch hier wieder die 10700 Punkte) oder weiteres Absinken bis zur „inneren Linie“, welche derzeit bei ca. 8750 Punkten markiert. Bis hierhin könnten die Kurse fallen, ohne dass man von einem Ende des Bullenmarktes sprechen müsste. Wird diese Grenze allerdings unterschritten, wird es kritisch. Wichtig jedoch ist vor allem, dass Rückgänge vom heutigen Niveau aus vorerst nur als Korrekturen zu betrachten sind.

Tritt keine dieser Möglichkeiten ein, sollten die Kurse weiter nach oben laufen. Die gezeigten Linien hätten dann bis spät ins Jahr 2014 hinein Bestand, sollten sie nicht vorher invalide werden. Erst bei Punkt F bzw. bei 10500 Punkten, würde eine Entscheidung darüber fallen, ob die Kurse weiter entlang der ABC-Linie steigen oder ob sie sich dann endgültig Richtung „innere Linie“ oder Richtung untere Begrenzung des langfristigen Aufwärtstrends zurückentwickeln. Jedoch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Die Kursanstiege seit 2011, das wissen wir, beruhen vor allem auf der expansiven Geldpolitik der Notenbanken. Der Markt agiert nicht gegen die Notenbank. Da die Unternehmensgewinne weniger stark gestiegen sind, sind vor allem die Bewertungen der Unternehmen gestiegen. Das war auch möglich aufgrund deren verbesserter Perspektiven. Somit müsste es zu weiteren Kursanstiegen kommen, sofern die oben genannten Gründe auch in diesem Jahr überwiegend fortbestehen.

Da Zinsen und Gewinne sich nicht sehr stark ändern dürften, gibt es wenig Anhaltspunkte für eine massive Überbewertung, um das mindeste zu sagen. Auch liegen die Bewertungen kaum über denen früherer Jahre, so dass wenig Anlass für eine „Mean Reversion“ besteht. Unter Druck dürften die Kurse allerdings dann kommen, wenn das Fed früher oder entschiedener als erwartet zu einer Politik der Zinserhöhungen überginge oder wenn die Gewinndynamik der Unternehmen entschieden nachließe. Dann kämen nicht nur die Kurse an den US-Börsen unter Druck, sondern auch bei uns. Aber solange die Rahmenbedingungen so bleiben wie bislang, sollten die Kurse weiterhin ansteigen. Der Markt antizipiert im Moment noch dieses positive Szenario. Wir wissen allerdings, wie schnell sich die Meinung des Marktes ändern kann.

Tokay

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Hari´s Märkte am Abend – 06.02.14 – Marktlage DAX in drei Charts

Ein kurzer Blick auf die Marktlage im DAX nach Handelsschluss an der Wallstreet. Sozusagen als einmalige, kleine Reminiszenz an die "Märkte am Abend", die es hier in den Anfängen mal jeden Abend gab. 🙂

Sie sehen drei Charts, die hoffentlich ausdruckstark und in Beschränkung auf das Wesentliche, für Sie die Lage auf den Punkt bringen.

Erstens erinnern Sie sich ja sicher an das Chart des S&P500 Volatility Index, den ich Ihnen gestern gezeigt habe und an dem ich die Wahrscheinlichkeit festgemacht hatte, dass eine Gegenbewegung ansteht.

Hier ist der VIX heute erneut. Der VIX ist genau an der antizipierten Stelle wieder um 11% eingebrochen und die Aktienmärkte steigen im Gegenzug.

VIX 06.02.14

Zweitens sehen Sie hier den DAX Future in seiner Abwärtsbewegung seit Mitte Januar. Heute ist der erste Tag seit dem 22.01., an dem der DAX Future die Abwärtstrendlinie hinter sich lassen konnte. Das erste belastbare Indiz, dass die Korrektur zum Ende kommen könnte. Könnte, nicht muss. Erst neue Verlaufshochs, würden dieses erste klare Indiz belastbarer machen. Einziger dicker Wehrmutstropfen heute, ist dieser Flash Crash im blauen Kreis.

DAX Future 06.02.14 3

Drittens haben wir es im langfristigen Bild des DAX seit 2011 mit Wochenkerzen, immer noch nur mit einer ganz normalen Korrektur im Aufwärtstrend zu tun. Die wichtigsten Unterstützungszonen sind eingezeichnet, die eine normale Korrektur von "mehr" trennen würden.

DAX Woche 06.02.14

Wie geht es weiter ?

Die Reaktion des Marktes auf die Morgen um 14.30 Uhr veröffentlichten US Arbeitsmarktdaten, dürfte die Entscheidung darüber bringen, ob diese Korrektur nun abgeschlossen ist und es weiter hoch geht, oder ob wir gerade nur eine Gegenbewegung im neuen Abwärtstrend sehen und es nächste Woche weiter runter geht. Und aus der bisher normalen Korrektur vielleicht etwas Grösseres wird.

Beides ist möglich, ich wage keine Prognosen. Lassen wir einfach den Markt entscheiden. Solange aber der übergeordnete Aufwärtstrend weiter so überzeugend da ist, wie im dritten Chart klar zu sehen, hat er auf der langfristigen Anlageebene auch unser Vertrauen verdient !

Viel Erfolg und gute Nacht !

Ihr Hari

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DAX Future Flash Crash

06.02.14 15:15 Uhr

Wenige Minuten nach dem Ereignis, heute um 13.50 Uhr, habe ich meinen Lesern im Premium-Bereich das folgende Chart gepostet:

Flash Crash 06.02.14

Lange war ich im Zweifel, ob der DAX Future wirklich einen Flash-Crash hatte, oder nur meine Datenversorgung einer Anomalie unterlag.

Nun endlich, kommt nach über einer Stunde über einen Artikel des Wall Street Journals die Bestätigung:
.
Meine Datenversorgung war also intakt und der Flash Crash real.

Das bei so einer Bewegung der Computerhandel eine zentrale Rolle spielt, ist nach meiner Ansicht ziemlich sicher. Der beliebte "Fat Finger" als Begründung genügt mir dabei nicht.

Wie mir überhaupt die im obigen Artikel zitierte Reaktion der Deutschen Börse zu nonchalant am wirklichen Problem vorbei geht. Unzählige Anleger, egal ob privat oder institutionell, sitzen nun auf ungerechtfertigten Verlusten, weil Stops und Barrieren gezogen wurden. Gleichzeitig sehe ich aber an den diversen Derivaten, das die Volatilität nicht nach oben angepasst wurde. So, als ob nichts gewesen wäre.

Das eine passt aber nach meiner Ansicht nicht zum anderen. Entweder war das ein normaler Marktverlauf, dann müsste sich so ein Swing auf die Volatilität auswirken. Oder es war eben eine Anomalie und danach sieht es für mich aus. Dann hat mir die Deutsche Börse aber mehr zu erklären, als ich bisher lesen kann.

Klar ist auf jeden Fall, dass ohne den Computerhandel so etwas nicht möglich wäre. Einem Computerhandel, von dem auch die Deutsche Börse profitiert. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an meinen fast 1,5 Jahre alten Artikel zur -> Co-Location <-

Eine Stopkaskade, wie in dem Artikel des WSJ gemutmasst wird, ist immer möglich und ist auch völlig normales Marktverhalten. Nur kommt dann der Kurs nicht sofort wieder wie ein Strich auf das Ausgangsniveau zurück. Das passt als Begründung nach meiner Ansicht eher nicht zusammen und die Deutsche Börse schuldet uns in meinen Augen eine bessere Erklärung, als diese paar dürren Worte, die ich bisher finden kann.

Laut wird schon eingeräumt, dass Anträge auf "Misstrades" vorliegen. Insofern ist das Thema ganz bestimmt noch nicht abgeschlossen.

Insofern hoffe ich, dass Deutsche Börse und die Börsenaufsicht, hier bald mehr Licht ins Dunkel bringen. Und vor allem auch Konsequenzen daraus ziehen !

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Volatilität am Beispiel des VIX – Ein Chart zur Lage am Markt

Die Sorge um einen einbrechenden Markt hat nun auch den Mainstream erreicht, der zunächst mit klassischem -> Recency Bias <- dem "Buy the Dip" huldigte und nun schmerzhaft erlebt hat, wie alle neu eingegangenen Positionen tiefrot im Depot stehen. Eine Erfahrung, die die Markteilnehmer zuletzt 2012 gemacht und daher wohl vergessen haben.

Dummerweise läuft der Markt der Wahrnehmung des Mainstreams immer voraus, weswegen Anleger, die sich nach den medialen Stimmungen richten, immer wieder feststellen, dass sie im genau falschen Zeitpunkt handeln und der Markt kurz danach dreht. Man könnte fast meinen, der "fiese Mr. Market" würde einem über die Schulter schauen und dann genau das Gegenteil machen. Und das ist auch tatsächlich so, wenn man den medialen Stimmungen nachläuft, denn genau die machen die Kurse und die Kurse sind genau da, wo sie sind, weil die Stimmung ist, wie sie ist.

Wer also noch keine objektiven Indikatoren hat und nun über die Zukunft rätselt, dem will ich heute mal einen der vielen möglichen Indikatoren zeigen.

Es ist der VIX, der die Schwankungsbreite des Leitindex S&P500 darstellt, hier in einer kontinuierlichen Darstellung des Futures:

VIX 05.02.14

Was wir sehen, sticht sofort ins Auge. Der Markt ist schon auf den Zehenspitzen. Die Volatilität ist stark gestiegen. Und sie ist nun genau in den Bereich gestiegen, der zuletzt immer wieder für eine Beruhigung und Gegenbewegung gut war.

Wird es dieses mal anders sein ? Vielleicht, es ist nicht ausgeschlossen, dass der Markt nun crash-artig zusammen bricht und dann wird der VIX noch weit höher steigen. Und es spricht nichts dagegen, dass der VIX auch wieder in die Regionen der Eurokrise 2011 steigt. Aber es ist nicht das wahrscheinlichste Szenario und mehr als Wahrscheinlichkeiten haben wir nicht am Markt.

Wahrscheinlich ist eher, das schon bald eine Beruhigung ansteht, die den VIX wieder fallen lässt und typischerweise wieder mit steigenden Kurse korreliert. Auf jeden Fall ist das im Moment nicht der optimale Zeitpunkt, um als Letzter auch noch in Panik zu verfallen.

Und gegen die zwar geringe, aber fraglos vorhandene Wahrscheinlichkeit eines nun bevor stehenden massiven Einbruches an den Märkten, haben wir Stops. Diese schützen uns zuverlässig, wenn wir sie mit Überlegung unter die wichtigen Unterstützungen legen.

Ich möchte betonen, dass sich aus diesem Chart des VIX keine Aussagen über die mittelfristige Kursentwicklung ableiten lassen. Es kann sehr wohl sein, dass der Markt sich nun in einem Prozess einer langfristigen Topbildung befindet. Und dann wird der VIX irgendwann weit höher stehen.

Dieses Chart sagt uns nur, dass in der nahen Zukunft der kommenden Tage in den Märkten sehr wohl die Chance auf eine Überraschung nach oben existiert. Die Stimmung und Nervosität ist dafür nun gross genug geworden. Über diese wenigen Tage hinaus, hat dieses Chart des VIX keine weitere Botschaft.

Aber so ein objektiver Indikator ist alle mal aussagekräftiger und besser, als nur den medialen Stimmungen hinterher zu laufen und damit zwangsläufig immer zu spät auf die Party zu kommen.

Ihr Hari

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