Die Lage im LED Anlagenbau: Aixtron, Veeco und Cree

Treue Leser wissen ja, wie bissig ich mich schon vor fast 1,5 Jahren -> hier <- zum Aixtron Management und seinen "Prognosen" geäussert hatte. Ein Artikel der vielleicht gerade heute lesenswert ist um zu schauen, was daraus nun geworden ist.

Nun schreiben wir den Sommer 2013 und meine Bissigkeit war mehr als berechtigt, zeitweise ist der Kurs bis 8,4€ abgetaucht. Das alte Management ist seit ein paar Monaten weg und was lesen wir nun aktuell zum 2. Quartal ? Dieses mal keine Prognose wegen geringer Visibilität....

Nun gut, keine Prognose ist zwar besser als eine völlig falsche, aber ich finde das persönlich doch eher irritierend. Aixtron ist beileibe nicht das einzige Unternehmen im Anlagenbau/Maschinenbau, dass von wenigen Grossaufträgen abhängt. Und Grossaufträge sind per Definitionem immer wackelig. Andere Unternehmen bekommen aber trotzdem eine Prognose hin, im Zweifel halt mit grosser Bandbreite und sehr konservativ gerechnet.

Die Logik der mangelnden Visibilität ist schon alleine deshalb für mich fragwürdig, weil Grossaufträge per Definitionem lange in der Sales Pipeline hängen und nicht mal eben über Nacht auftauchen. Die werden eher verhandelt und verhandelt und .... dann nochmal verhandelt. All das kostet Zeit. Sprich das was man im 3. Quartal abschliessen möchte, kennt man schon Monate vorher als "Sales Prospect".

Ein Management, das also überhaupt keine Prognose für Umsatz und EBIT liefern kann, lässt mich persönlich vermuten, dass es entweder das Geschäft nicht im Griff hat und seine Sales Pipeline nicht kennt. Also reagiert statt zu agieren. Oder das es die interne, defensiv gerechnete Prognose - denn jeder Finanzvorstand muss eine für das Liquiditätsmanagement haben - lieber nicht kommunizieren will. Muss ich als Anleger in so einem Unternehmen investiert sein ? Wohl eher nicht !

Ins Bild passt dabei auch das in der Mitteilung enthaltene 5-Punkte-Programm, das für mich die Lehrbuch Sätze einer defensiv orientierten Konsolidierung bzw Sanierung durchdekliniert. Könnte aus dem Grundkurs für angehende McKinsey Berater stammen, die Mitarbeiter hat das bestimmt toll motiviert. Sorry für den Sarkasmus. 😉

Ernsthaft, die konsolidierenden Massnahmen als solche, sind in der schwierigen Lage in der sich der MOCVD Markt befindet, sicherlich notwendig und ohne Alternative. Aber Wirtschaft ist zu 50% Psychologie und Mitarbeiter wie Investoren brauchen eine (realistische) Perspektive. Wie man das richtig macht, macht uns Elon Musk mit seinen Unternehmungen vor. Erst die Perspektive schafft die Energie um Höchstleistungen zu produzieren. Und so entsteht ein positiver Feedback-Zyklus.

Was ein Unternehmen wie Aixtron also langfristig braucht - technologischen Fortschritt der neue Umsatzpotentiale ermöglicht und damit eine Perspektive - scheint zu fehlen oder wird zumindest nicht kommuniziert. Und die Kraft überhaupt in Innovation zu investieren, ist für mich auch nicht sichtbar. Zumindest wird mir das in dieser Mitteilung nicht vermittelt. Und für ein Unternehmen, das an der Börse noch als Wachstumswert gehandelt wird, ist eine solche Perspektive Pflicht !

Passend dazu empfehle ich einen Blick auf den direkten Mitbewerber und Marktführer Veeco Instruments (WKN: 896007). Veeco hat natürlich die identischen Probleme im Markt wie Aixtron. Veeco gewinnt aber scheinbar zunehmend Marktanteile, ist deutlich grösser als Aixtron (wenn auch breiter aufgestellt) und der CEO John R. Peeler hat sich im letzten Quartal zum groben Ausblick geäussert.

Bei dem fehlenden Fokus auf Innovation muss man sich auch die Frage stellen, ob Aixtron nicht schon technologisch zurück gefallen ist, eine Frage die ich mangels Fachkenntnissen aber nicht beantworten kann. Zumindest was von Peeler zu den Marktanteilen gesagt wird, deutet in diese Richtung. Und vergleichen Sie mal die Margen, das ist ein Indikator wer hier den Preis benutzen muss um zu verkaufen. Und wer den Preis als Argument braucht, hat inhaltlich und technologisch weniger zu bieten.

Wenn man in dem Sektor investiert sein will, erscheint mir persönlich Veeco also als das attraktivere Investment. Nach einer Schwächephase seit Anfang Juni ist Veeco massiv überverkauft und sitzt nun auf einer Aufwärtstrendlinie auf. Auch taktisch könnte da also was gehen, achten Sie aber auf die Zahlen am 29.07. in wenigen Tagen, die ich abwarten würde !

Veeco 25.07.13

Übrigens, dass der Markt keineswegs tot ist, sondern es sich hier eher um einen Investitionsstau handelt, können Sie leicht am Chart des LED Marktführers Cree (WKN: 891466) erkennen. Das ist einfach ein wunderschön bullisher Chart:

Cree 25.07.13

Fazit: Der LED Markt lebt und bleibt auch für Investoren attraktiv. Ob Aixtron aber das Unternehmen ist, mit dem man diesen Markt in den kommenden Jahren spielen sollte, wage ich mal zu bezweifeln.

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 10.04.12 – Vom Tag der Abrechnung

22 Uhr - Handelsschluss

Mein "Red Alert" von Freitag war offensichtlich mehr als gerechtfertigt. Und erneut war völlig irrelevant, was am Vormittag im DAX passiert ist. Das Hin und Her des DAX am Vormittag ist an so bewegten Tagen dem Spielen kleiner Kinder vergleichbar, bevor dann am Nachmittag endlich die Erwachsenen in Form der Wallstreet kommen, die die ernsten Dinge des Lebens angehen.

Denn der DAX machte heute Vormittag oberhalb 6700 erste Stabilisierungs-Versuche und erste Käufer steckten ihren Kopf aus ihren Verstecken. Aber dann kam die Leitbörse Wallstreet und die riss den DAX dann bis fast 6600 herunter. Im S&P 500 haben wir nun eine Reihe von Marken durchschlagen und haben die 1351 als nächstes Ziel vor Augen.

Dabei kaschieren die Indizes noch die Stärke der Abwärtsbewegung, denn in den meisten Depots dürfte es wesentlich schlimmer als in den Indizes aussehen. Grund ist, das die gross kapitalisierten Titel noch vergleichsweise stabil bleiben und so die Indizes zusammen halten, während in der zweiten Reihe teilweise massiv abverkauft wird. Viele Aktien notieren nun wieder auf den Niveaus des letzten Herbst, so als ob es nie eine Erholung gegeben hätte.

Besonders übel für uns deutsche Anleger ist an der Situation, dass in den US Indizes noch gar nicht viel passiert ist und diese noch jede Menge Fallhöhe besitzen, während wir im DAX heute schon bei 6600 stehen.

Trotzdem sollten wir nach meiner Ansicht nun nicht zu sehr in Trübsal verfallen. Denn zumindest der DAX ist nun klar überverkauft und sitzt bei 6600 auf einer Unterstützung. Auch wenn noch ein Schwall bis 6400 herunter sehr gut vorstellbar ist, glaube ich, dass wir uns nun langsam wieder Kaufkursen bei deutschen Aktien nähern.

Es gibt in meinen Augen nur ein Szenario, in dem das aktuelle Niveau keine mittelfristigen Kaufkurse wären. Und das wäre der Fall, wenn der Markt dann trotz Notenbank-Intervention immer weiter fällt und damit die letzten Bastionen - die Notenbanken als "Lender of the last Resort" - auch ausfallen. Wenn dieser Tag kommt, dürfte das an den Börsen einem Armageddon gleichen, gefolgt von dem Reset des Währungssystems, den ich sowieso irgendwann in den kommenden Jahren erwarte.

Aber ich glaube wirklich nicht, dass dieser "Tag der Abrechnung" schon so nahe ist und schon dieses Jahr ansteht. Vorher werden wir die Methode "Dicke Bertha" wohl noch mehrfach mit steigender Verzweiflung der Handelnden beobachten dürfen, bevor dann auch die Wirkung des stärksten Medikaments nachlässt und das Unvermeidliche naht. Schon im ersten Weltkrieg konnte die "Dicke Bertha" den Deutschen letztlich auch nicht zum Sieg verhelfen. Und ich glaube nicht, dass man durch einen Papiergeld-Regen, die substantiellen Probleme grosser Teile der Eurozone wird lösen können - weder die Überschuldung, noch den Mangel an Wettbewerbsfähigkeit. Bis dahin werden wir aber wohl noch viele Rallys erleben und deshalb habe ich heute leicht zugekauft und werde das bei weiterer Schwäche in den nächsten Tagen auch weiterhin Zug um Zug tun.

Wer nun aber auf Verlusten sitzt weil er zu spät eingestiegen ist, sollte sich aber auch nicht der Hoffnung hingeben, dass diese aktuelle Schwäche ganz schnell wieder vorbei ist. Natürlich ist das möglich, aber eher unwahrscheinlich. Denn nun ist viel technischer Schaden entstanden, und ich rechne ja seit Ende März sowieso damit, dass das ganze 2. Quartal eher schwierig wird und wir uns noch mehrfach in diesen Kurs-Regionen bewegen werden.

Das von mir hier Ende März skizzierte Szenario einer sehr volatilen Seitwärtsbewegung, die sich aber wie eine ausgewachsene Korrektur anfühlt, ist offensichtlich voll in Kraft. Und in Anbetracht der bevorstehenden Frankreich-Wahl sowie der Unsicherheit um die weiteren Massnahmen der FED rechne ich nicht damit, dass sich die Volatilität schnell wieder legt, sondern rechne mit ihr bis in den Juni hinein. Dann besteht aber eine Chance auf einen schönen, ruhigen Börsensommer.

Kurzfristig sehe ich gute Chancen für einen "Bounce", der uns im DAX dann wieder über 6700 führen könnte. Allerdings dürfte der DAX morgen Vormittag erst einmal in Schockstarre verharren und am frühen Nachmittag ist mit erneuter Schwäche zu rechnen, da die Wallstreet wohl noch die 1351 abzuarbeiten hat. Danach, im morgigen späten Handel der Wallstreet könnte aber vielleicht auch dort eine Gegenbewegung einsetzen. Verändert könnte das Szenario werden, wenn Alcoa (WKN 850206) heute nach Börsenschluss überraschend gute Zahlen und vor allem einen optimistischen Ausblick liefern würde. Wie es um Alcoas Zahlen steht, werden wir bald wissen.

[Nachtrag 22:15 Uhr: Alcoa hat mit 94 Millionen USD Gewinn gute Zahlen für das Q1 geliefert und einen positiven Ausblick abgegeben. Nachbörslich ist die Aktie im Moment 5% im Plus. Dem sowieso verprügelten "Materials" Sektor sollte das Morgen Auftrieb geben. In wie weit es dem gesamten Markt hilft, werden wir sehen.]

Nach den Verlusten der letzten Tage bekam heute ST Microelectronics (WKN 893438) mit 7% Minus noch einmal richtig einen "auf den Deckel", nachdem in einem Rechtsstreit mit NXP Semiconductors nicht nur 59 Millionen € zu zahlen sind, sondern das Ergebnis auch die Marge schmälert. Ich habe zu Kursen unter 5,4€ nun zugekauft, da für mich ST Micro nach wie vor eine mittel- und langfristig attraktive Aktie ist. Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, dass man mit ST Micro defacto eine indirekte Wette auf den Erfolg der grössten Kunden Ericsson, Nokia und HP eingeht, die ja alle derzeit Probleme haben.

LED Marktführer Cree (WKN 891466) war heute mitten im schwachen Markt zeitweise 5% im Plus, am Ende standen immer noch 3,5% Plus auf dem Kurszettel ! Und das nachdem Cree bekannt gab, dass die Preise für die Strassenlicht-LEDs halbiert werden. Ja, Sie haben richtig gehört, eine Preissenkung führt bei Mr. Market zu Begeisterung. Offensichtlich erhofft man sich nun wesentlich höhere Absatzzahlen, weil LEDs nun direkt mit den normalen Leuchten konkurrieren können. Und höherer LED-Absatz ist natürlich auch gut für Aixtron (WKN A0WMPJ), die heute relative Stärke zeigten.

Nicht zu übersehen war auch, was heute bei Gold (XAUUSD) um 18.30 Uhr herum passierte. Der Kurs schien Richtung 1630 USD abzukippen und in dem Moment kamen grosse Käufe in den Markt, die den Goldpreis in wenigen Minuten bis 1660 USD hochschoben. Ich bin noch nicht in der Lage das zu werten, beobachte es aber mit Aufmerksamkeit. Denn in den letzten Monaten, während der Abwärtsbewegung, war es genau umgekehrt: die schnellen Bewegungen kamen nach unten. Dann robbte sich der Kurs wieder etwas nach oben, bevor es wieder *bamm* nach unten ging. Zuletzt am 03.04.12.

Wenn sich dieses Muster nun ins Gegenteil wandelt, könnte das einen Trendwechsel einläuten. Natürlich liegt die Erklärung nahe, dass es sich einfach um eine Verlagerung in den "Safe Haven" in Anbetracht des abstürzenden Marktes handelt. Ich halte diese Erklärung aber nicht für zutreffend. Dafür war die Bewegung zu schnell und zu stark und die Märkte hatten auch schon vorher abgegeben, ohne das Gold profitieren konnte.

Das Apple (WKN 865985) auch heute lange wieder im Plus war und am Ende nur 1% abgab, muss man ja wohl nicht weiter erwähnen. Wer in den letzten 12 Monaten sichere Gewinne wollte, hätte nur Apple und Staatsanleihen kaufen müssen. So einfach kann Börse sein, hinterher ist man halt immer klüger. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was in den Indizes passiert, wenn diese Apple Parabola mal brechen sollte .....

Wenn Sie meinen Markteinschätzungen hier auf surveybuilder.info.de in den letzten Wochen gefolgt sind, dürften Sie wie ich nun einigen freien Cash an der Seitenlinie haben. Ich werde mich von der nun zwangsläufig folgenden medialen Weltuntergangslyrik nicht verrückt machen lassen und habe mir Kauflisten zusammen gestellt, die ich bei weiter fallenden Kursen Zug um Zug umsetzen werde. Was immer Sie nun mit ihrem Geld vorhaben, ich kann nur dazu raten sich einen schriftlichen Plan zu machen. Denn sonst läuft man Gefahr durch die Medien so emotional beeinflusst zu werden, dass man nicht mehr in der Lage die notwendigen Schritte konsequent umzusetzen.

Ich wünsche Ihnen (trotzdem) einen schönen Abend !

Ihr Hari

Aixtron – ein Management im Blindflug

Bei Aixtron (WKN A0WMPJ) wurde meine hier schon mehrfach kommunizierte, fundamental skeptische Haltung heute massiv bestätigt. Nach einem überraschenden Verlust und dem Fehlen eines klaren Ausblicks durch das Management, war bei der Aktie heute "Land unter" und zeitweise 10% Minus zu verzeichnen. Mein Investmentansatz, nach dem ich nur Titel trade, von denen ich fundamental überzeugt bin und nur bei diesen Titeln dann auf die Markttechnik schaue um den richtigen Zeitpunkt zu treffen, wurde erneut bestätigt. Auch wenn ich dabei manchmal Chancen verpasse, hat sich dieser Ansatz für mich persönlich bewährt und mich vor einigen herben Einbrüchen bewahrt. Denn vom Chart her sah Aixtron lange sehr gut aus und schien schon nach oben ausgebrochen zu sein, was sich nun als massives Fehlsignal heraus stellt.

Schaut man sich an, was bisher bullishe Kommentatoren nun zu Aixtron sagen, versuchen sich einige nun an den Hoffnung stiftenden Formulierungen des Managements festzuhalten, dass in der zweiten Jahreshälfte ja vielleicht alles besser wird und ein neuer Investitionszyklus im LED Bereich ansteht. Ich halte davon ehrlich gesagt gar nichts, denn deutlicher kann man in meinen Augen nicht ausdrücken, dass man sich im kompletten Blindflug befindet. Welchen inhaltlichen Wert hat auch eine solche Aussage von einem Management, das für die nächsten Monate keine konkrete Prognose abgeben kann, dafür aber verkündet, wie danach alles besser werden soll ? Für mich ist das nichts anderes als "weisse Salbe" um die Anleger zu beruhigen, ohne inhaltlichen Wert. Und ich kann das nicht ernst nehmen.

Denn wäre das "Hoffnungsgerede" durch eine konkrete Abschlusspipeline für das zweite Halbjahr unterlegt, wäre man wohl auch in der Lage eine konkrete Prognose für 2012 abzuliefern. Und im übrigen, wenn der neue LED-Investitionszyklus im zweiten Halbjahr so wahrscheinlich ist, könnte das Management die Ernsthaftigkeit derartiger Aussagen ja unterstreichen, in dem es jetzt massiv die eigene Aktie kauft. Davon ist aber bisher weit und breit nichts zu sehen. Dass man überhaupt zu solchen Hoffnung stiftenden Formulierungen greifen muss, zeigt mir persönlich eher wie trüb die Lage tatsächlich ist und dass man den Aktionären nichts konkret Positives anzubieten hat.

Aixtron kann man in meinen Augen daher nun erst einmal von der Watchlist streichen und ich werde den Titel hier auch bis auf weiteres nicht mehr besprechen. Erst wenn, bzw falls überhaupt, sich:
- zur Auftragslage konkrete Besserung zeigt oder
- bei Mitbewerbern wie Veeco Besserung sichtbar wird oder
- das Aixtron Management durch deutliche Insiderkäufe zeigt, dass es seine eigenen Worte ernst meint
erst dann lohnt sich für mich eine erneute Position.

Was das angeht, bin ich persönlich aber durchaus skeptisch, denn im Gegensatz zur reinen Hoffnung auf Besserung kann ich mir gut vorstellen, dass Chinas Förderung für noch mehr Wettbewerb und damit noch mehr Preisdruck sorgt und nicht für weniger. Denn Aixtrons Margen waren einfach zu verlockend, als dass nicht auch chinesische Anbieter nun in dieses Segment der Fertigungsanlagen drängen würden. Insofern kann es schon sein, dass ein neuer Investitionszyklus kommt, dass Aixtron davon aber wie bisher profitiert ist keineswegs ausgemacht. Und wenn die alten Margen schwinden, sind auch die alten Kurse oberhalb 20€ auf lange Zeit illusorisch.

Anders sieht für mich dagegen die Lage beim LED Marktführer Cree (WKN 891466) aus, denn Cree stellt die ganze Kette der LED Komponenten selber her und nicht nur Depositionsanlagen wie Aixtron und ist insofern auch mit Aixtron nicht zu vergleichen, ebenso wenig wie ein Produktions-Roboter-Bauer wie Kuka mit einem Autobauer zu vergleichen ist. Und Cree muss sich schon lange mit dem Kostendruck der chinesischen LED-Produzenten auseinander setzen, was auch für die schwache Kursentwicklung ausschlaggebend war. Cree kann aber aufgrund seiner Grösse und der Abdeckung der ganzen Wertschöpfungskette diesem Druck nach meiner Erwartung eher stand halten, wie ja andere Halbleiterunternehmen in den USA auch, während Aixtron nach meiner Einschätzung wohl erst noch bitter lernen muss, was passiert wenn chinesische Konkurrenten die eigenen Margen zusammen pressen und die eigene Technologie kopieren.

Wer auf den ohne Frage zukunftsträchtigen LED Markt wetten will und dabei keine undurchsichtigen chinesischen Aktien kaufen will, könnte daher vielleicht einmal Cree in Augenschein nehmen.

Hari´s Märkte am Abend – 28.02.12 – Vom ultimativen Geld: Gold

22 Uhr - Handelsschluss

Der Markt setzte heute früh zum Sprung nach oben an, wurde aber von ziemlich schwachen US-Konjunktur-Daten abgeschossen. Trotzdem waren die Märkte erstaunlich stabil und die Schwäche hielt nicht lange vor, was wieder zeigt was an den Börsen der wichtigste Faktor ist: Liquidität. Und davon ist Dank der "Geldschöpfungspolitik" der Notenbanken weltweit mehr als genug vorhanden. Gute Daten zum Verbrauchervertrauen, sorgten dann für Pluszeichen in den Depots.

Viel passiert ist dadurch am Ende nicht. Und ich tue mich schwer Ihnen heute etwas Neues oder Intelligentes zum Markt zu schreiben. Insofern will ich nur an mein Credo der letzten Tage erinnern, dass all das was wir bisher sehen kein Zeichen von Schwäche ist, sondern in meinen Augen eher dafür spricht, dass der Markt Kraft für einen Sprung nach oben holt. Machen wir es daher heute kurz und kommen gleich zu einzelnen Titeln.

Der gestern skizzierte kurzfristige Nordex-Trade (WKN A0D655) hat heute früh funktioniert. Die Zahlen waren wie erwartet schlecht und der Ausblick wie erwartet verhalten positiv. Da all das schon in den Kursen war, war Nordex am heutigen Vormittag um ca. 2,5% im Plus, bevor die allgemeine Marktschwäche dann zuschlug. Ich habe diese 2% mitgenommen und bin nun aber wieder draussen. Für ein langfristiges Investment ist mir das ganze Thema aber zu undurchsichtig und der aus China kommende Kostendruck zu stark. Ein klarer Trend ist bei Nordex nun auch nicht mehr sichtbar. Noch vor 3 Wochen sah das auf dem Chart alles viel positiver aus, das Bild hat sich nun aber eingetrübt und mit etwas Phantasie kann man auf dem Chart sogar eine bärische Schulter-Kopf-Schulter Formation ausmachen, die eine erneute Bewegung herunter bis 4€ implizieren würde. Genügend Gründe für mich, bei Nordex nun erst einmal an der Seitenlinie zu bleiben.

Die gestern sehr schwache Aixtron (WKN A0WMPJ) war heute mit über 5% wieder deutlich im Plus und das alles ohne jede Nachricht. Ein klarer Trend ist nicht erkennbar und belastbare Nachrichten gibt es auch nicht. Insofern ist dem hier schon mehrfach gesagten nichts hinzufügen. Auffällig war aber heute, wie der Marktführer Cree (WKN 891466) im späten Handel und auch ohne sichtbare Nachricht mit über 9% Plus abhob ! Das dürfte Aixtron Morgen wohl zunächst beflügeln.

Die hier schon mehrfach besprochene ST Microelectronics (WKN 893438) steht kurz davor den Abwärtstrend nun doch hinter sich zu lassen. Seit Wochen kämpft die Aktie mit der Barriere um 5,70€, der erste Versuch scheitert noch im Januar, der zweite vor ein paar Tagen. Nun hat ST Micro die erneute Chance die Schwächephase hinter sich zu lassen. Ein Anstieg von fast 7% heute spricht eine klare Sprache, die durch das Chartbild bestätigt wird. Wer sicher gehen will, sollte aber wohl warten, bis die Aktie über 5,8€ steht - dann ist der Weg nach oben aus reiner Chartsicht frei. Das ich die Aktie fundamental und vom Produktportfolio her für mittelfristig interessant halte, hatte ich ja schon mehrfach dargestellt.

Bei Silber (XAGUSD) ist nun - wie schon am 21.02. antizipiert - nach oben der Deckel weggeflogen. Meine Nase hatte also den richtigen Riecher als sie Witterung aufgenommen hat. Über 4% Plus heute sind sensationell, nächstes Ziel ist 40 USD !

Auch Gold (XAUUSD) sieht weiter gut aus, ich denke im Edelmetallbereich liegen noch ein paar gute Tage vor uns, bevor dann irgendwann im März im Bereich um 1800 USD wieder eine kleine Korrektur kommt, die möglicherweise 1700 USD noch einmal von oben testet. Gerade Gold schwingt langfristig relativ zuverlässig in Zyklen, schauen Sie sich mal den langfristigen Chart seit 2008 an, den ich Ihnen mitgebracht habe. Und achten Sie nun auf die Abstände, in denen Korrekturen auftreten ! Bis auf eine unklaren Fall im Herbst 2009 hatten wir recht zuverlässig ca. alle halbes Jahr einen signifikanten Tiefpunkt. Und jedes Tief lag höher als das vorherige, die exakte Definition eines Bullenmarktes ! Würde sich das fortsetzen, wäre der nächste Tiefpunkt erst im Sommer zu erwarten und sollte 1500 USD nicht mehr erreichen.

Der Ausschlag vom August 2011 war in meinen Augen eine durch die Euro-Krise verursachte Anomalie. Man sieht sehr schön, wie der Kurs nach diese Übertreibung nach oben mit einer Übertreibung nach unten letztlich wieder in den alten Trend zurückgekehrt ist. Ignorieren Sie also das Hoch vom August und das Tief vom September, damit wurde nur die Gültigkeit der Gummiband-Theorie erneut bewiesen. Davon abgesehen davon, haben wir bei Gold einen langfristigen, extrem bullishen Trend, wie er schöner auf einem Chart gar nicht aussehen könnte. Und ich sehe im Moment absolut nichts auf dem Radar, dass diesen Trend irgendwie in Frage stellen würde.

Genau genommen ist Gold der einzige langfristige Bullenmarkt, den wir seit Jahren haben. Ich habe auf jeden Fall nicht vor, solche Chancen zu verpassen, weswegen ich wie Sie wissen schon seit Jahren immer bullish für Gold bin, mal mehr, mal weniger - je nachdem wie stark das Gummiband gedehnt ist. Dieser Trend bei Gold ist auf jeden Fall ganz eindeutig mein Freund und erst ein Bruch dieser beeindruckenden Reihe von immer höheren Tiefs würde meine Sicht verdüstern.

An dieser Stelle möchte ich mir auch erlauben, der Legende Warren Buffett zu widersprechen. Buffet hat sich ja verschiedentlich despektierlich zu Gold geäussert. Ich versuche den Tenor seiner umfangreichen Aussagen über Jahrzehnte hier mit meinen eigenen Worten wiederzugeben: Gold sei ein totes Metall, das keine produktive Verwendung habe, keinen inneren Wert besitze, keinen Mehrwert schaffe und keine Zinsen oder Dividende abwerfe. Er verstehe nicht, warum man sich dergleichen in den Tresor lege, wenn man statt dessen eine Firma kaufen könne, die echten Mehrwert schaffe.

Das Witzige ist, ich habe zu diesen Aussagen Buffetts gar keinen Widerspruch. Er hat völlig Recht !

Allerdings nur unter einer ganz wichtigen Annahme, die er implizit macht: das der "Mehrwert" der von Firmen geschaffen wird und sich in Form von steigendem Depotwert manifestiert real ist, sprich das eine höhere Zahl auch wirklich realen Mehrwert bedeutet ! Oder in anderen Worten, dass das (Papier-) Geld in dem dieser Mehrwert gemessen wird, seinen realen Wert erhält.

Und hier genau liegt doch der Hase im Pfeffer und da hat Warren Buffet in meinen Augen einen blinden Fleck. Denn in einer Welt in der die Notenbanken wie wahnsinnig Geld schöpfen, ist genau das nicht der Fall. Und Buffetts Vergleich von Gold mit anderen Anlageklassen hat den Haken, dass Gold gar keine Anlage ist, denn :

Gold ist Geld ! Und zwar das ultimative Geld, das:

      -> seit tausenden von Jahren in jeder Kultur auf der ganzen Welt akzeptiert wird.

-> sich den Versuchen es aus dem Nichts zu "schöpfen" hartnäckig widersetzt - ebenso den Alchemisten des Mittelalters, wie den Notenbankern von Heute.

-> nie seinen Wert verloren hat und immer recht wertstabil war. So kostet ein Massanzug vom Schneider heute immer noch ungefähr so viel Gold wie vor 100 Jahren.

-> weder verdirbt, noch verloren geht noch beliebig vermehrbar ist.

Gold ist also das ultimative Geld, sozusagen der "Urmeter" der Finanzwelt und daran muss sich alles langfristig messen, was von sich behauptet "mehr" Wert geworden zu sein. Denn nur weil eine Zahl höher ist, heisst es noch lange nicht das realer Wert geschaffen wurde. Auch Gold schwankt natürlich in Moden und wird mal höher und mal niedriger bewertet, aber langfristig ist Gold der einzige objektive Massstab für Wert.

Wer Gold heute erwirbt, erwartet daher auch gar keinen Wertgewinn, es geht vielmehr nur darum, der Entwertung des Papiergeldes entgegen zu wirken. Gold steigt nicht wirklich, vielmehr verliert das Papiergeld an Wert - so herum ist es richtig. Und wer diese permanente Entwertung mal nachvollziehen will, der sollte sich mal einen Chart über 100 Jahre anschauen, der den inflationsbereinigten Wert des USD dem Goldpreis gegenüber stellt. Danach ist man nachhaltig kuriert.

Warren Buffet hat also durchaus Recht, reich werden kann man mit Gold nicht. Und Werte werden so auch nicht geschaffen. Das kann man nur mit dem richtigen Unternehmen im Depot, dass ala Apple die Welt erobert. Aber arm werden kann man mit Gold auch nicht und das ist mehr, als einem alle Zinsen und Dividenden versprechen können !

Aber selbst wenn Warren Buffet an dieser einen Stelle in meinen Augen einen kleinen blinden Fleck hat, ist doch sein jährlicher Berkshire Hathaway Aktionärsbrief immer höchst interessant zu lesen und für börseninteressierte wie uns eigentlich Pflichtlektüre. Sein aktueller Aktionärsbrief ist gerade heraus gekommen und kann nachgelesen werden. Buffetts Teil ist der "Chairmans Letter" und wie immer von sehr persönlichen und ehrlich formulierten Ansichten durchzogen.

Auch das macht diesen Aktionärsbrief so lesenswert, denn nichts sagende Formulierungen die sich hinter Floskeln verstecken um nicht angreifbar zu sein, kennen wir ja aus Geschäftsberichten und Analystenkommentaren zu Genüge. Bei Warren Buffet merkt man aber immer, dass hier jemand seine eigene Meinung kommuniziert und auch den Mumm, die Kompetenz und das Selbstbewusstsein besitzt dafür einzustehen - eine erfrischend persönliche Note, in einem traurigen Meer dürrer Verlautbarungen.

In diesem Sinne nehmen Sie sich doch mal die Zeit und folgen Sie Warren Buffett durch seinen Chairman´s Letter. Hier erklärt Ihnen einer der erfolgreichsten Investoren der Menschheits-Geschichte jedes Jahr kostenlos, wie er die Welt sieht. Eine Chance, die man in meinen Augen nicht verpassen sollte.

Und wenn Ihnen das zu lang oder zu mühsam ist, dann bitte tun Sie sich den Gefallen und lesen wenigstens den Abschnitt "The Basic Choices for Investors and the One We Strongly Prefer". Hier äussert er sich explizit zu seiner Investmentphilosophie und wie oben beschrieben zu Gold. Sehr lesenswert und gut investierte Zeit !

Viel Spass beim Lesen, ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Hari´s Märkte am Abend – 17.02.12 – Wochenabschluss – Rosenmontag und das grosse G

22 Uhr Handelsschluss - Ausklang einer sehr bewegten Woche an den Börsen.

Eigentlich ein toller Tag für alle, die wie ich den Markt eher bullish sehen. Aber das war fies von Mr. Market. Richtig fies. Ein bischen Ausbruch bis DAX 6870 - aber nur ein bischen um dann mit DAX 6848 zu schliessen - damit man sich nun bei gar nichts richtig sicher sein kann.

Denn der DAX selber hatte schon volle Fahrt Richtung 7000 aufgenommen. Nur kam von den Amerikaner nichts. Die hingen um die 1360 im S&P500 herum. Und so konnte auch der DAX nicht mehr nachlegen, obwohl er eigentlich wollte. Ich bin bei diesen Ausbrüchen immer etwas zögerlich und warte lange ab, bis ich mir sicher bin, dass es nach oben durchläuft. Denn ich habe schon zu viele Fehlsignale erlebt, die nur dazu dienten, die Marktteilnehmer abzufischen, die dem vermeintlichen Ausbruch hinterher rannten. So hatte ich auch heute um die DAX 6850 herum immer noch die Hände unter dem Hintern.

Aber auch ich war knapp davor nachzulegen. Aber noch habe ich es nicht getan und bin unverändert nur mit halber Kraft Long positioniert. Formal sind wir nun aus der gestern gezeichneten Konsolidierung ausgebrochen und nachbörslich hatten wir erneut leichte Stärke. Von Schwäche keine Spur. Auch im S&P 500 liegen wir nun über der Konsolidierungszone - also eigentlich alles in Butter mit dem Ausbruch, oder ?

Aber ich bin noch nicht endgültig überzeugt, dafür haben wir uns heute nicht dynamisch genug von der Konsolidierungszone weg bewegt. Ob meine Passivität heute nun gut war, oder mich nun kurzfristig für einen Tag additive Gewinne kostet, wird erst der Montag zeigen. Das war heute mal wieder so eine Situation, bei der auch ich mir unsicher bin.

Grund für den mangelnden Enthusiasmus der Wallstreet war wohl der US Feiertag "Presidents Day" am Montag. Vor diesem langen Wochenende wollte sich niemand mehr so richtig positionieren. Und letztlich kein Wunder, denn da ist doch wieder diese vermaledeite Sache mit dem grossen "G" - wie könnte es auch anders sein, es würde uns ansonsten doch auch viel zu gut gehen.

Wohl niemand möchte dieses verfluchte Thema noch hören, aber wir haben keine Wahl. Denn "G" wie "Grausig" oder "Gewürge" oder eben "Griechenland" steht am Montag wieder an. Und zwar genau am Rosenmontag, an einem Tag an dem auch noch die Amerikaner zufällig Feiertag haben und rund um die Frankfurter Börse die Jecken rumhopsen. Na Bravo, das wird was werden - Helau, Alaaf oder was auch immer kann ich da nur sagen 😉 Eine innere Stimme sagt mir, dass wir am Montag von Mr. Market alle eine Narrenkappe aufgesetzt bekommen.....

Denn wenn man den US amerikanischen Medien und Bloggern folgt, dann merkt man schon, dass es da an grundlegendem Verständnis für die konsens-orientierten, komplexen europäischen Abläufe fehlt. Ist ja auch kein Wunder, selbst wir reiben uns ja über Brüssel die Augen und die Amerikaner kennen halt nichts anderes als einen Staat mit einem mächtigen Präsidenten an der Spitze, der einfach das rote Telefon nehmen könnte um die Welt in die Steinzeit zurück schicken. Das Gewürge in Brüssel läuft da halt ganz anders ab.

Und die Meinung auf der anderen Seite des Atlantiks scheint nun zu sein: Griechenland wird sowieso gerettet. Genau diese Sicht wurde gestern bzw. heute bei dem halben Ausbruch in den Markt eingearbeitet. Nur ich erlebe die Signale aus Brüssel leider nicht ganz so eindeutig und ich sehe eine nicht zu kleine Wahrscheinlichkeit, dass man Griechenland schon fallen gelassen hat und nur noch auf Zeit spielt. Sollte das der Fall sein, würde auch der Montag kein Ergebnis bringen, sondern die Entscheidung würde dann auf März verschoben usw. usw. Solange bis die Griechen endlich von alleine den Exit vollziehen, womit niemand sich als "Rauswerfer aus Europa" beschimpfen lassen muss.

Und das ist mein grosses Problem heute bei der Einschätzung, denn für diesen Fall hätten wir möglicherweise nun einiges Überraschungs- bzw Enttäuschungspotential im Markt - nachdem wir heute die Rettung schon etwas verfrüht gefeiert haben. Ich tue mich sehr schwer bei der Frage, ob dieses Downside wirklich noch da ist, oder ob der Markt auch eine richtige Pleite schon verarbeitet hat. Aber ich tendiere zur Sicht, dass die richtige Pleite die Märkte doch noch einmal kurz durchschütteln würde.

Und das, zusammen mit der "Bombe" Iran über unseren Köpfen, ist der einzige Wehrmutstropfen, der mich nun davon abhält voller Überzeugung Kursziele von DAX 7500 oder sogar mehr auszufen. Denn ansonsten könnte es im Markt kaum besser aussehen als derzeit und die Bullen haben eindeutig die volle Kontrolle.

Mich würde interessieren welches "G"-Szenario nach Ihrer Ansicht nun schon im Markt verarbeitet ist und welches eben noch nicht. Denn gerade die Letzteren sind es ja, die die Kurse massiv bewegen.

Was einzelne Aktien angeht, wurden heute wenig überraschend genau die Aktien am stärksten gekauft, die gestern am stärksten verprügelt wurden - so zum Beispiel der Stahlsektor. Interessant ist aber auch zu sehen, wie Salzgitter (WKN 620200) und Klöckner (KC0100) mit dem ganzen Stahl-Sektor mit 3% bzw. 6% nach oben schiessen, während ThyssenKrupp (WKN 750000) sogar im Minus vor sich hin dümpelt. Wer den Grund verstehen will, der sollte meinen Artikel "Vom Donnerhall zum Anlagenbauer" nicht übersehen. Denn ThyssenKrupp=Stahl ist eine Gleichung, die möglicherweise nicht mehr lange Bestand hat.

Im LED Sektor geht es nach den Nachrichten aus China zur LED Förderung nun massiv aufwärts, der Marktführer CREE (WKN 891466) stieg gestern fast 8% und Aixtron (WKN A0WMPJ) schaffte heute mit ebenso 8% Plus den Ausbruch über die Zone um 12,6€. Mein fundamentale Sicht auf das Thema LED hatte ich zuletzt vorgestern hier erläutert und ich rechne mittelfristig eher damit, dass der Preisdruck durch die Förderung sogar steigt, weil das den Wettbewerb weiter anheizt und neue Marktteilnehmer in Spiel holt. Aber rein von der Markttechnik her, ist nun bei Aixtron kurzfristig viel, viel Luft nach oben und wer in der Lage ist schnell am Markt zu agieren, könnte diese Bewegung nun mitgehen. Ein sinnvoller kurzfristiger Stop bei Aixtron läge für mich unter dem Tief vom 14.02. bei ca. 11,4€. Wer ganz eng absichern will - dann natürlich mit dem grösseren Risiko dumm ausgestoppt zu werden - könnte auch das Tief von gestern bei 12,1€ als Stopmarke ins Auge fassen.

Sehr stark ist auch erneut die hier schon erwähnte DIC Asset (WKN 509840) mit heute 6% Plus. Auch dieses Immobilienunternehmen hat in meinen Augen noch einige Luft nach oben, um mit der Marktkapitalisierung überhaupt erst wieder den Nettoinventarwert der Immobilien zu erreichen.

Auffällig ist auch, wie seit Tagen der US Shale-Gas Pionier Chesapeake Energy (WKN 85725) steigt, heute wieder um 4%. Ursache sind wohl die diversen Produktionsreduktionen, mit denen man versucht dem Verfall des Gaspreises aufgrund Überangebot entgegen zu wirken, verbunden mit nun kälterem Winterwetter auch in den US. Und der Markt scheint von höheren Gaspreisen überzeugt zu sein, wie man dem Chart gut entnehmen kann:


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Sollte sich die Tendenz höherer Gaspreise bewahrheiten, dürfte auch bald der Kohlepreis und damit die Kohleförderer wie Arch Coal (WKN 908011) profitieren, die ja im Moment ziemlich ausgebombt am Boden liegen.

So weit zu aktuellen Aktienbewegungen. Nun zum Wochenende noch ein Aktientip für einen längeren Anlagehorizont. Wenn Sie sich für Versorger interessieren, schauen Sie sich doch mal die österreichische Verbund AG (WKN 877738) an. Sie kennen vielleicht schon aus dem Urlaub die riesigen Wasserkraftwerke und Stauseen in den österreichischen Alpen, wenn ja kennen Sie auch ohne es zu wissen die Verbund AG. Denn Verbund produziert Strom fast ausschliesslich aus Wasserkraft. Und wenn in Süddeutschland mal nach der "Energiewende" der Strom knapp wird, dann wird auch auf Kraftwerkskapazität von Verbund zurück gegriffen.

Jetzt ist ein Stromversorger sicher keine Aktie, bei der man eine schnelle Verdoppelung erwarten kann, aber zweistellige Kursgewinne und saubere 3% Dividendenrendite sind bei Verbund auch drin. Und das Schöne ist, dass der Kurs von Verbund durch Abgaben im letzten Jahr noch gedrückt ist. Denn der starke Kursrückgang hatte nach meiner Erkenntnis nichts mit operativen Problemen des Unternehmens zu tun, sondern nur damit, dass der österreichische Staat mit 51% Hautpaktionär ist und dieser steht und stand ja auch im Feuer von Herabstufung etc. Abgesehen davon waren ja die Strompreise generell unter Druck, was sicher auch seinen Einfluss auf die Kursentwicklung hatte.

Die deutsche "Energiewende" führt nun aber zur Knappheit von Strom, weswegen weiter steigende Preise an den Strommärkten wahrscheinlich sind. Und der Chart der Aktie sieht sehr vielversprechend aus. Im Gegensatz zu den deutschen Versorgern ist bei Verbund auch das Geschäftsmodell völlig intakt. Wer also auch mal was nach dem Motto "Buy and Hold" im Depot haben möchte, für den könnte die Verbund AG ja mal einen Blick wert sein. Denn weniger inhärente Risiken als bei einem Stromversorger im Staatsbesitz, der seine Geschäfte fast ausschliesslich mit der vergleichsweise umweltfreundlichen und risikoarmen Wasserkraft macht, wird man bei einer Aktie nach meiner Ansicht wohl schwerlich finden.

Falls Sie sich für Verbund interessieren, sollten Sie den Titel am besten direkt in Wien kaufen - vorausgesetzt Ihre Bank bietet für Wien erträgliche Gebühren. Denn dort ist Verbund mit Abstand am liquidesten.

So weit für heute Abend. Der kommende Montag dürfte auf jeden Fall spannend werden. Hinzu kommt, dass wegen des "Presidents Day" das Handelsvolumen im DAX eher gering sein dürfte. Was die Situation nicht besser macht, sondern das Risiko erheblicher Bewegungen wegen des grossen "G" verschärft.

"Hari´s Märkte am Abend" erscheinen kommenden Montag wesentlich früher, schon nach dem deutschen Handelsschluss. Mal schauen wen Mr. Market am Montag zum Narren macht ...

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Haris Märkte am Abend – 20.01.12 – Wochenabschluss

Wie kann ein Bullen-Markt eine überkaufte Markttechnik abbauen ? Auf zwei Arten, entweder durch eine kurze, scharfe Korrektur oder durch eine etwas längere Seitwärts-Konsolidierung.

Und auch wenn Sie es heute vielleicht nicht bemerkt haben, weil der DAX nach wie vor um die 6400 schwankt: wir hatten heute eine Konsolidierung und in einigen Aktien auch eine kleine Korrektur. Gerade gut gelaufene Titel sind heute 1-2% Intraday zurück gekommen.

So hatte Salzgitter (WKN 620200) heute Intraday ein Tief von 44,6€ - gar nicht so weit weg von den gestern genannten 44€, Daimler (WKN 710000) war kurz bei 40,6€, Klöckner (WKN KC0100) bei 11,6€ usw. Das war heute eine kleine Korrektur bzw. Konsolidierung, die aber sofort wieder gekauft wurde. Besonders bemerkenswert ist die Stabilität des Marktes, wenn man berücksichtigt dass die Griechenland-Problematik nun auf die Zielgerade zu steuert und heute mit General Electric (WKN 851144) ein echtes Schwergewicht nicht gerade berauschende Quartalszahlen vorgelegt hat.

Und jetzt habe ich eine irritierende Nachricht für alle, die noch an der Seitenlinie sind: es ist für mich nicht ausgeschlossen, dass das heute im DAX schon die antizipierte (Mini-) Korrektur war und mehr kurzfristig nicht kommt. Das ist ausdrücklich nur eine Möglichkeit und für mich nicht die wahrscheinlichste, ich halte eine etwas umfassendere Korrektur nach wie vor für wahrscheinlicher. Aber man sollte sich dieser Möglichkeit bewusst sein. Ich würde den Anfang kommender Woche vielleicht noch abwarten, aber wenn wir auch dann nur leicht konsolidieren und jeder kleine Rückgang sofort wieder gekauft wird, dann steigt für mich die Wahrscheinlichkeit, dass die Reise schon nächste Woche Richtung DAX 6600 weiter hoch geht. So ist das halt am Beginn von Bullenmärkten, wenn die Bewegung nach oben einmal richtig in Gang ist, dann sorgt das Geld von der Seitenlienie dafür, dass Korrekturen nur klein ausfallen.

Vielleicht noch einen Tip für die, die jetzt an der Seitenlinie stehen, sich ärgern und überlegen ob sie nun noch aufspringen sollen: lösen Sie sich schnell von dem Ärger und dem Gefühl, dass Ihnen etwas weg gelaufen ist oder Sie etwas verpasst haben ! Denn dieses Gefühl paralysiert Sie. Und die Vergangenheit können Sie nicht mehr ändern, die Zukunft aber schon ! Schauen Sie sich also lieber die Kurse Ihrer Lieblings-Aktien mit einem längerfristigen Blickwinkel an. Nehmen wir mal Klöckner als Beispiel:

Und jetzt sagen Sie mir, wenn Sie davon ausgehen, dass der Markt nun vor einer längeren Erholungsbewegung steht und wenn Sie daran glauben, dass die Eurokrise dieses Jahr überwunden wird, macht es dann wirklich einen riesigen Unterschied ob Sie Klöckner bei 11,5 oder 10,5 gekauft haben ? Wäre es nicht viel schlimmer Ende des Jahres zu sehen wie Klöckner vielleicht theoretisch bei 20 € steht und Sie nicht dabei waren, weil Sie sich wegen ein paar verpasster Prozent geärgert haben ?

Ich will Sie damit keinesfalls in Klöckner treiben, das ist nur ein Beispiel weil der Chart so eindrucksvoll ist, und vielleicht ist Klöckner am Montag doch 4% tiefer. Denn wer sieht wo der RSI im Moment bei Klöckner steht, muss eigentlich erst eine Korrektur abwarten. Ich will Ihnen mit diesem Beispiel nur eine andere Perspektive geben. Denn falls der Markt so stark bleibt wie aktuell, dann bietet er noch unzählige Chancen für grosse Gewinne, verpasst haben Sie dann wenig !

Nächste Woche wird auf jeden Fall der ultimative Test für die Bullen kommen. Überkaufte Markttechnik trifft auf Pleite-Griechen sozusagen 😉 Wenn das den Markt auch nicht aus der Spur bringen kann, dann dürfte man wohl mit Fug und Recht einen neuen Bullenmarkt 2012 ausrufen !

Abschliessend möchte ich Sie - ohne weitere Analyse oder Charts - mit ein paar Aktien abseits der deutschen Standardwerte auf Ideen bringen. Vielleicht ist da ja Ihr persönlicher Gewinner des Jahres 2012 dabei. Schauen Sie sich die Aktien genau an und bilden Sie sich Ihre eigene Meinung. Über Kommentare, Meinungen und Analysen zu diesen Aktien freue ich mich, ebenso wie wahrscheinlich die anderen Leser.

1. Cree (WKN 891466) der Marktführer für LEDs, wurde im letzten Jahr brutal verprügelt, weil der Markt unter Preisdruck und Überkapazitäten litt. Nun ist seit einigen Tagen massiv Bewegung in den Kurs gekommen und Cree steigt 3-5% pro Tag.

2. Wenig überraschend zeigt natürlich auch Aixtron (WKN A0WMPJ) entsprechende Lebenszeichen, kein Wunder wenn der Marktführer zu laufen beginnt.

3. An ST Microelectronics (WKN 893438) den europäischen Marktführer für Spezialchips, möchte ich erneut erinnern. Wo finden man schon eine Tech-Aktie mit grossem Upside und 5% Dividenden-Rendite ?

4. Für die defensiveren Anleger unter uns bietet Hamborner Reit (WKN 601300) aus meiner Sicht nicht nur fast 7% Dividendenrendite, sondern hat scheinbar auch eine Bilanz mit einer Eigenkapitalquote von über 50% und als Sahnehäubchen einen Chart, der gerade nach oben dreht.

5. Und zu guter Letzt bietet die von mir ->hier<- schon vorgestellte Qiagen (WKN 901626) in meinen Augen ein gutes Management, attraktive Wachstumsaussichten in einem Segment, das von Finanzkrisen wenig betroffen ist und einen herrlich aussehenden, nach oben strebenden Chart.

Ich wünsche Ihnen ein schönes, erholsames Wochenende. Auf Fragen oder Kommentare reagiere ich auch am Wochenende, der nächste Artikel von mir erscheint kommenden Montag.