Gold Crash – wie tief geht der Absturz ?

Wie von mir erwartet und verschiedentlich vorhergesagt, hat Gold nach dem durch Euro-Panik getriebenen Anstieg bis 1900 USD zur scharfen Korrektur angesetzt. Erstaunlich daran ist nur, wie viele nun wieder "überrascht" über Zeitpunkt und Schärfe der Korrektur sind. Mit Übertreibungen ist es scheinbar jedes Mal das Gleiche. Schon wird nach Begründungen gesucht und die immer gleichen Verschwörungstheorien über Manipulationen des Goldpreises verbreitet, ebenso wie Gerüchte grosse Marktteilnehmer würden Gold ala Herbst 2008 verkaufen müssen um Margin-Calls zu decken.

Dabei ist die Wahrheit wahrscheinlich viel einfacher und braucht keine wilden Theorien, wie ein Blick auf den Tageschart von Gold in US Dollar schnell offenbart. Denn Gold war schlicht in einem parabolischen Top und war viel zu weit nach oben vom 200er gleitenden Durchschnitt entfernt. Eine derartige Überdehnung führt nahezu immer zu einer "Mean Reversion". Dabei ist nicht das ob, sondern nur das wann wirklich fraglich. Kein Gummiband kann unendlich gedehnt werden. Und dieser Absturz ging nach den Marktdaten eindeutig von "Big Money" aus, dass nun halt endlich den Stöpsel gezogen hat. Im übrigen hat sich diese Wende schon lange durch diverse Signale und ein klares Doppeltop angekündigt. Gold hatte Anfang September die Chance nach oben auszubrechen und hat statt dessen trotz optimaler Nachrichtenlage aus Europa das Doppletop gebildet. Ab diesem Moment musste jeder aufmerksame Beobachter vorsichtig werden.

Wie wichtig dabei der 200er Moving Average in unserer von automatischen Programmen (Algos) bestimmten Börsenwelt geworden ist, kann man auch im Chart wunderschön bewundern. Der Gold Preis hat heute am frühen Morgen des 26.09. einen gewaltigen Swing hingelegt (die lange Fahne unten an der Kerze) und hat Intraday knapp oberhalb des 200er Moving Average gedreht. Und schon springen die ersten Privatleute wieder in den Markt und versuchen nach dem Motto "buy the dip" Gold zu kaufen.

Ich kann davor nur in vielerlei Hinsicht warnen ! Denn das ist zwar grundsätzlich nicht falsch, aber wahrscheinlich deutlich zu früh ! Da ein solcher Blogeintrag nur beschränkten Raum bietet, will ich mich im Folgenden nur auf den Chart konzentrieren.

Nach allen Erfahrungen ist ein derartig ausgeprägter Top und Trendbruch nie mit einem oder zwei Tagen erledigt. Denn ganz typisch ist bei der Hälfte des Absturzes eine Gegenbewegung, die den Kurs wieder bis kurz unter die Ausbruchszone (hier 1700 USD) führt. Es besteht also eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das auch bei Gold passiert. Möglicherweise ist diese Bewegung schon im Gange, denn zwischen den knapp über 1530 USD die Gold heute früh im Tiefpunkt erreicht hat und den rund 1620 USD am heutigen Abend, hat Gold Intraday schon wieder ca. 6% aufgeholt !

Diese kleine Rally mitten im Absturz wird dann typischerweise von den Marktteilnehmern gekauft, die sich emotional im "Denial"-Modus befinden und die mittelfristigen Konsequenzen des Absturzes auf ihre bullische Sicht noch leugen. In der Regel endet aber eine solche Gegenrally mit einem Blutbad, dessen Fallhöhe typischerweise in der Grössenordnung des ersten Teiles des Absturzes liegt.

Jeder stärker die Überdehnung aber nach oben war, desto grösser wird auch eine mögliche Überdehnung nach unten sein. Die Regeln von Aktion und Reaktion gelten auch an den Börsen ! Es ist deshalb wahrscheinlich, dass Gold auch bald den 200er gleitenden Durchschnitt durchschlägt und in die Unterstützungszone eintaucht, die durch diverse Hochs und Tiefs aus Ende 2010 und Anfang 2011 bestimmt ist.

In dieser Zone, irgendwo zwischen 1300 und 1500, wird Gold wohl seinen Boden finden und alle schwachen Hände heraus geschüttelt haben. Dann kann Gold erneut zu einem langfristigen Anstieg ansetzen. Denn die fundamentalen Treiber die für Gold sprechen, sind auf Jahre unverändert und werden sich nach meiner Ansicht eher verschärfen als abschwächen. Die strukturelle Überschuldung der westlichen Welt und daraus resultierend der fragwürdige Werterhalt aller Papierwährungen, lässt sich halt nicht so einfach durch einen "Bailout" lösen.

Für starke Hände mit Geduld, freier Liquidität und starken Nerven, bieten sich daher nach meiner Ansicht bald aussergewöhnliche Chancen !

Crash und Panik an den Rohstoffmärkten

Ein Bounce, wie von mir gestern Abend für heute oder Freitag als gut möglich erachtet, sieht wirklich anders aus. Eine Mischung aus Enttäuschung über die FED, Ratingabstufungen bei Banken und vor allem grosse Ängste vor einem Konjunkturabriss in den Emerging Markets und insbesondere China, haben die Märkte in einen Sturzflug versetzt, dessen brachiale Dynamik ich so nicht erwartet hatte.

Über 3% Minus im S&P500 sind schon übel, aber besonders schlimm wurden nahezu alle Rohstoffe getroffen. Der rohstoffreiche russische Aktienmarkt fiel heute 10% ! Silber -10% ! Öl -6% ! Goldminen, Kupferminen ganz egal – alles was mit Rohstoff zu tun hat, wurde heute brutal abverkauft. Ehrlich gesagt, kann ich heute Abend mitten im Gefechtslärm der Märkte ausser diffusen Ängsten auch noch keine Gründe erkennen, warum gerade heute die Rohstoffe so abgestürzt sind. Denn diese Faktoren gibt es ja nun schon seit Wochen und sind nichts Neues.

Eine mögliche Erklärung und ganz typisch für Mr. Market ist, dass nun schlicht die Zeit dafür reif ist. Denn bei jeder grösseren Baisse werden am Ende auch die bisherigen sicheren Häfen zerlegt. Und die Rohstofftitel hatten sich bisher ganz passabel gehalten. Die Baisse scheint nun also in die entscheidende Phase zu treten, die typischerweise noch einmal von massiven Verlusten geprägt ist.

Kurzfristig sind wir nun aber technisch so nach unten überdehnt, dass Morgen Freitag oder nächste Woche durchaus noch die eine oder andere Gegenbewegung kommen kann, zumal das Window-Dressing zum Quartalsende sicher stützen wird. Ausserdem gab es heute wenigstens den Lichtblick, dass wir die 1120 im S&P500 verteidigt haben. Aber für Oktober sind nun Zielkurse von 1000 im S&P500 und 4500 im DAX im Visier. Schon faszinierend, wenn man sich vor Augen hält, wo wir vor 2 Monaten noch standen.

Wer so klug war sein Pulver trocken zu halten, kann sich nun zunehmend die Hände reiben. Denn wenn diese Phase durch die Märkte gelaufen ist, werden wir bei vielen Titeln wieder Niveaus erreicht haben, die höchst attraktive Einstiegskurse darstellen. Auch wenn es sich heute Abend verrückt anhört, es wird auch wieder die Sonne scheinen. Das gilt insbesondere für die Rohstofftitel, denn die grundlegenden Treiber bleiben intakt. Es kann gut sein, dass wir nach einem schwierigen Oktober deswegen noch eine mächtige Jahresendrally erleben, so fern sich das heute auch anhören mag.

Und vielleicht lernen unsere europäischen Politiker ja auch irgendwann, dass man Griechenland in die Insolvenz schicken und gleichzeitig die Reihen der verbleibenden Euro-Mitglieder kompromisslos schliessen muss. Dann sehen wir auch schnell wieder eine Stabilisierung der Euro-Zone. Jeder Mediziner weiss schliesslich auch, dass man infiziertes Fleisch heraus schneiden muss, wenn man vermeiden will das der ganze Körper infiziert wird.

Bis die Politik zu dieser Erkenntnis kommt und der EFSF endlich steht, haben wir aber wohl noch turbulente Wochen vor uns. Sollte zum Quartalsende noch ein kleiner Bounce kommen, ist das möglicherweise der letzte Exit vor dem Tunnel. Mal schauen wo wir auf der anderen Seite des Tunnels dann im Oktober rauskommen.

Noch ein Wort zum Gold. Sollte Gold jetzt endlich korrigieren, würde ich mich darüber freuen. Bei 1400-1500 USD liegen starke Unterstützungen und spätestens da ist Gold dann wieder ein hoch attraktiver Kauf. Denn die Probleme der Staaten mit ihren Schulden werden uns auf Jahr begleiten und letztlich gibt es neben dem kompletten Zusammenbruch des Weltfinanzsystems nur eine Lösung für die Schulden: diese durch Drucken von Geld weg zu inflationieren - so wie die USA das auch nach dem zweiten Weltkrieg schon gemacht haben. Das ist ein ideales Umfeld für Gold auf Jahre. Sollten die schwachen Hände Gold jetzt panisch verlassen, ist das wahrscheinlich eine grosse Chance.

Auf jeden Fall wünsche ich uns allen einen goldenen Herbst und insbesondere Oktober … zumindest beim Wetter haben wir da ja auch Chancen …

Flash Crash im DAX

Oh Mann, was ein Tag.

Die Erwartung von ruhigem Fahrwasser bis Freitag können wir ja wohl erst einmal ad acta legen.

Bis ca. 16 Uhr verlief auch alles nach Plan. Den überraschenden Abgang von Steve Jobs hatte der Markt ja noch gut verdaut, die Indizes waren wie erwartet leicht im Minus, die Banken wegen des Einstiegs von Warren Buffet bei Bank of America im Plus und alles sah immer noch sehr gut und nach einer Fortsetzung der Rally aus. Die Marktmechanik war
völlig in Ordnung und Positiv. Die sicheren Häfen in Gold und Silber wurden weiter verkauft.

Und dann kam dieses „Ding“ im Dax.

Ich hatte hier schon einen Beitrag vorbereitet, in dem ich mich insbesondere mit dieser in meinen Augen unsinnigen und bewusst zur Ablenkung in die Welt gesetzten Theorie es sei „Schäuble“ auseinander setze. Seit wann führt auch die Angst vor einem ShortSell Bann zu etwas anderem als Short Covering = steigenden Kursen ? Seit wann stürzt wegen so etwas nur der DAX ab und alle anderen Indizes Weltweit erst mit Zeitverzögerung ? Aber ich habe mich dazu entschlossen das nicht zu veröffentlichen, weil es ist vergossene Milch und lenkt uns nur vom Wesentlichen ab: Morgen wieder Geld an den Märkten zu verdienen und nicht zu verlieren. Und wenn unsere glorreiche Behörde Bafin es nicht für nötig befindet sich damit zu befassen, werde ich sie nicht zwingen können. Also Schwamm drüber.

Danach war schlicht Chaos, plötzlich waren die wilden Swings wie letzte Woche wieder da. Gold und Silber wurden wieder gekauft und das alte Angstmuster der letzten Woche war wieder an allen Märkten. Wer immer dieses Ding inszeniert hat, er hat die Märkte wunderbar abgeschossen und ins Schneckenhaus zurück gebracht, genau in dem Moment wo sie Vertrauen schöpften. Ich war glücklicherweise in diesem Moment des Absturzes
aus dem Markt, aber das war reines Glück, sonst hätte es mich auch erwischt und ich wäre einige Prozent tiefer böse ausgestoppt worden.

Im Ergebnis sieht es im DAX zwar böse aus, in allen anderen Indizes aber lange nicht so schlimm. Die amerikanischen Indizes konnten ihre kurzfristigen Kaufsignale halten, wenn auch nur knapp. Wenn Morgen alles wie bis heute Vormittag weiter geht, war es nur ein halbtägiger Spuk was wir ab 16 Uhr erlebt haben. Wenn …

Wir sind damit in jeder Hinsicht im Niemandsland. Es gibt keinen klaren Trend, weder nach oben noch nach unten. Und es gibt keine mir bekannte Daten, die in irgend einer Weise einen Edge verschaffen. Und so gehen wir nun in die Rede des grossen Meisters des Quantitative Easing – seiner Eminenz Professor Ben Bernanke Morgen 16 Uhr.

Da es keinen Trend und keinen sonstigen sichtbaren Edge gibt, gibt es auch keinen Grund sich dem Risiko auszusetzen. Ich werde mir die Rede Morgen also im TradingDepot völlig an der Seitenlinie anschauen und erst danach entscheiden, ob und was zu tun ist. Im Investmentdepot bin ich immer mit einigen gross kapitalisierten Titeln Long und werde das auch frühestens am Montag in Ruhe anpassen.

In diesem Sinne gute Nacht. Bis Morgen hoffentlich in alter Frische.

Der Intraday – Crash

Was für ein Tag, das war mal wieder Börsengeschichte ! Ich habe schon viel erlebt, aber dass wir heute im DAX Intraday über 8% verloren haben ! (6250-5710 X-DAX 22 Uhr) hat selbst meine Vorstellungskraft überstiegen.

8% Intraday, das ist ein Crash. Zumal nachdem in der Woche vorher schon weit über 10% verloren wurden und wir schon am Freitag brutal überverkauft waren.

Auf jeden Fall wurde mein erst letzte Woche als möglich genanntes Kursziel von DAX 5700 schon heute Abend nahezu erreicht. Unglaublich.

Was mich am meisten überrascht hat ist dieses Abrutschen Intraday. Eigentlich gab es ja keine Neuigkeiten, um 9 Uhr lag alles auf dem Tisch was man wissen musste und nach mässigen Verlusten in Asien eröffnete der DAX eben sehr stabil. Und dann ging es nur noch abwärts. Das ist nur dadurch zu erklären, dass nun Stop nach Stop gezogen wurde und erste Marktteilnehmer in Panik alles rauswarfen. Ein Dominoeffekt eben. Der Verkaufsdruck war den ganzen Tag brutal.

Morgen wird alles auf die FED starren. Wehe wenn die FED nicht liefert, was der kokainsüchtige Markt jetzt braucht. Dann war der heutige Tag noch ein laues Lüftchen und die Circuit Braker die erst ab 10% greifen werden zum Einsatz kommen.

Das ist auch das perverse an der jetzigen Situation. Eigentlich, in einem normalen Markt ohne externe Intervention, könnte man nun mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit massiv long gehen. Wir sind so überkauft, dass hat schon historische Dimensionen. Mit der politischen Intervention auf der Agenda ist aber alles möglich, denn wenn sie nicht so kommt wie jetzt gewünscht, dann wird das Morgen ein Black Tuesday. Denn ein wirklicher Crash kommt nie aus dem nichts, er kommt immer aus einer extrem überkaufen Situation – wie heute.

Dieses Restrisiko lässt einen schaudern und vorsichtig sein, auch wenn eigentlich alles nun für eine Relief-Rally spricht. Gleichzeitig ist es Harakiri diesen Markt nun noch zu shorten. Eine sehr schwierige Situation, die einem Pokerspiel auf einer Rasierklinge gleicht. Ich hoffe die Leser haben ihre Stops wirklich respektiert, sind nicht aus Angst einen Bounce zu verpassen wieder eingestiegen und sind nun entspannt an der Seitenlinie.

Mich hat es heute auch erwischt. Da ich ab Freitag in Erwartung des Bounce selektiv in den Markt gegangen bin, war ich heute auch mit 2.5% Minus dabei. Es gibt schönere Tage.

Jetzt tief durchatmen und Kraft für Morgen sammeln ….