Hari´s Märkte am Abend – 30.04.12 – Konsolidierung – Nokia, Metro, US Gas

22 Uhr - Handelsschluss

Ein ruhiger Tag an den Börsen geht zu Ende. In Anbetracht der positiven Bewegung der letzten Woche, die viele auf dem falschen Fuss erwischt hatte, ist die heutige, ruhige Konsolidierung positiv zu werten. Wir haben daher gute Chancen, morgen an der Wallstreet einen "first of month jumper" zu erleben.

Insofern wird auch dieser Marktbericht heute etwas kürzer, es ist doch auch einmal schön, wenn es etwas ruhiger zugeht, zumal das herrliche Wetter bei uns in der Nähe der Alpen, heute sowieso nach draussen lockte.

Nokia (WKN 870737) zeigte uns erneut, wie finster es scheinbar um die wirtschaftliche Lage aussieht. Denn nach einem Bericht der will Nokia nun seine Edelmarke Vertu verkaufen, um damit ca. 200 Millionen USD zu erlösen. Dieser Bericht ist seitens Nokia nicht bestätigt, passt aber ins Bild.

Schlimm genug ist es für mich, dass es eine Nokia scheinbar nötig hat, um die vergleichsweise kleine Summe von 200 Millionen USD Liquidität zu kämpfen. Erinnern Sie sich daran, dass Apple einen Quartalsgewinn von 11,6 Milliarden USD hatte, aufs Jahr hochgerechnet, kann man da also mit 40 Milliarden USD Gewinn rechnen !

Aber für mich noch schlimmer, mit Vertu gibt Nokia vielleicht einen der wenigen Bereiche ab, in denen Nokia noch führend war und eine starke Marke hatte. Denn Vertu ist scheinbar ganz gut gelaufen, was ja auch das kolportierte Interesse des Finanzinvestors Permira zeigt. Luxus geht halt immer und andere Luxuskonzerne wie LVMH (WKN 853292) oder Richemont (WKN A0Q9J3) sind an der Börse hoch bewertet und reihen ein Rekordergebnis an das nächste. Die Marke Vertu war also scheinbar durchaus ein Erfolg und aus der etablierten Marke hätte man vielleicht noch mehr machen können, wenn man die Marke nach unten etwas weiter gedehnt und so den Kundenstamm erweitert hätte. Hohe Margen sind in diesem Geschäft auf jeden Fall möglich, wenn man es richtig macht. Und hohe Margen sind ja nun nicht gerade etwas, womit Nokia im Moment in den anderen Segmenten im Überfluss gesegnet scheint.

Ich persönlich würde den möglichen Verkauf von Vertu daher nicht als logischen Schritt werten, sondern als Zeichen der schwierigen Lage und Ausdruck von Schwäche - nun müssen scheinbar auch die wenigen verbleibenden Kronjuwelen raus, um dringend benötigte Liquidität zu generieren. Ein Indiz mehr für mich, von Nokia nun weiten Abstand zu halten.

Metro (WKN 725750) war heute stark, nachdem Meldungen über den Ticker liefen, dass Haniel an der Beteiligung zumindest kurzfristig festhalten soll. Mir erschliesst sich diese Logik ehrlich gesagt nicht so recht, denn unter der Ägide von Haniel hat sich Metro so schlecht entwickelt wie erlebt und neue Gesellschafter würden dem Konzern daher möglicherweise gut tun. Für mich ist die heutige Stärke eher ein Signal, wie ausgebombt der Titel ist, so dass selbst solche Nachrichten für 3% Plus gut sind.

Trotzdem, und trotz der mehrfachen signifikanten Insiderkäufe der letzten Wochen, ist der Zeitpunkt zum Einstieg möglicherweise noch nicht gekommen. Denn noch ist der Metro-Kurs ein "fallendes Messer", in das man tunlichst nicht greifen sollte und ein erreichen der 20€ Marke ist für mich durchaus denkbar.

Allerdings liefert die Metro am 03.05.12 Quartalszahlen - und sollten diese überraschend gut ausfallen, könnte es einen gewaltigen Short-Squeeze geben. Ich persönlich rechne aber eher nicht damit, weil das die ersten Quartalszahlen sind, die alleine vom neuen Management zu verantworten sind. Es ist ganz typisch und durchaus üblich, dass ein neues Management alle Verluste und "Bilanz-Leichen" in die erste Bilanz hinein packt, weil diese noch dem alten Management zugerechnet werden. So entledigt man sich elegant bilanzieller Risiken und schafft die Grundlage dafür, in den folgenden Quartalen - die einem selber zugerechnet werden - dann eine positive Entwicklung zeigen können.

Insofern gebe ich diesem Szenario bei Metro eine leicht höhere Wahrscheinlichkeit, als dem Short-Squeeze nach den Zahlen. Sollte das so kommen und Metro am 03.05.12 noch einmal deutlich Richtung 20€ abgeben, könnte das dann aber möglicherweise ein guter Zeitpunkt für einen Einstieg sein.

Bei Rheinmetall (WKN 703000) gab es heute unbestätigte Berichte, nach denen der Börsengang des Automobilzulieferers "Kolbenschmidt Pierburg" schon im Juni stattfinden soll. Gleichzeitig gab es heute ein Kursziel 51€ seitens BNP Paribas. Ich bleibe ganz ruhig investiert und bin zuversichtlich, dass ein erfolgreicher Börsengang von Kolbenschmidt Pierburg, dem Kurs der Aktie deutlich nach oben helfen wird.

Das bei Daimler (WKN 710000) im Bereich der Hauptaktionäre etwas in Bewegung ist, wird immer wahrscheinlicher. Heute geisterten durch die Presse, dass Daimler an sogenannten "Giftpillen" arbeitet um eine mögliche feindliche Übernahme abzuwehren. Die Meldung ist erneut unbestätigt, die Summe der Gerüchte und Indizien wie die Call-Optionen der Investmentbanken, legen aber die Vermutung nahe, dass hier mehr als ein Korn Wahrheit an den Gerüchten ist. Ich denke nach wie vor, dass in dieser Thematik mehr Chance als Risiko für den Kurs liegt und warte gespannt ab, was uns in den kommenden Wochen an Nachrichten zum Thema erreichen wird.

Etwas Bemerkenswertes scheint bei US Gas zu passieren. Der Kurs (hier dargestellt am ETF "UNG"), hat eine Abwärts-Trendlinie gebrochen, die aus letztem Herbst stammt und hat gleichzeitig ein ATR Kaufsignal gegeben. Für die, die mit dem Begriff ATR nichts anfangen können, das steht für "Average True Range", ist ein Konzept um die normale Schwankungsbreite eines Titels zu definieren und kann für eine Art von Stops verwendet werden, bei denen die Volatilität der Aktie (die True Range) mit in den Abstand zum Kurs einfliesst. Ein ATR Kaufsignal bedeutet also stark trivialisiert, dass ein Kurs aus seinem bisherigen Verhalten (seiner True Range) nach oben ausgebrochen ist. Das ist ganz typisch für Wendepunkte im Markt. Wenn Sie das Thema "ATR" interessiert, finden Sie ausführliche Erklärungen im Web.

Zurück zum US Gaspreis, den Ausbruch kann man auch Anhand des RSIs nachvollziehen, der nun im Tageschart auf Höhen ist, die wir bei US Gas nicht mehr seit letzten Sommer gesehen haben. Es könnte sich hier möglicherweise um eine bedeutende Trendwende halten. Eine Trendwende die sich heute auch sofort in den Kursen von Chesapeake Energy (WKN 885725), aber auch in den US Kohlewerten wie Peabody Energy (WKN 675266) oder Arch Coal (WKN 908011) gezeigt hat. Wir haben nun also einen weiteren Baustein, der für eine Bodenbildung im Sektor spricht. Ich kann nur wiederholen, dass ich diesen Sektor nun unter intensivster Beobachtung habe, denn das Upside ist gewaltig, wenn der Schweinezyklus endlich drehen sollte ! Die endgültige Entscheidung ist aber noch nicht gefallen, insofern ist Vorsicht weiter nötig, aber die Markttechnik in diesem Segment bessert sich nach meiner Ansicht nun zunehmend.

Morgen, am Tag der Arbeit, ist in Deutschland und einigen europäischen Ländern Börsenfeiertag. Die Wallstreet arbeitet aber und deswegen auch ich. Morgen Abend kommt dann ein kurzes Marktupdate wie immer gegen 22 Uhr.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 18.04.12 – Kurzbericht

22 Uhr - Handelsschluss

Mangels Zeit für schöne Formulierungen, heute nur ein kurzes Marktupdate und ein paar Meinungen zum Euro in Kurzform:

(1) Die Konsolidierung nach dem gestrigem Anstieg bewegt sich im DAX im normalen Rahmen. Das ist kurzfristig leicht positiv zu werten, mittelfristig spricht alles dafür, dass uns die Phase wilder Swings erhalten bleibt - und zwar in beide Richtungen.

(2) Ähnlich ist die Lage im S&P 500. Wir konnten das gestrige Niveau zwar nicht ganz halten, haben aber nur wenig abgegeben. Das war heute zwar keine Bestätigung des gestrigen Tages, aber auch keine völlige Negierung. Geduld ist gefragt, an dieser wichtigen Wegscheide.

(3) Nur die Schwäche der letzten Minuten in den US Indizes war unschön, mit der wir auch die Trading-Range wieder verloren haben. Von einem schwachen Auftakt im DAX ist also Morgen auszugehen, dann könnte es im Laufe des morgigen Tages wieder drehen, falls die erneute spanische Anleihen-Auktion gut läuft.

(4) Chesapeake Energy (WKN 885725) stürzt heute zeitweise um 10% ab, bevor sich die Verluste etwas verringern, nachdem durch Reuters dubiose Finanzierungen des CEOs und Gründers Aubrey McClendon in Milliardenhöhe bekannt werden. Nach meiner Einschätzung reagiert der Markt so negativ, weil die Lage völlig undurchsichtig ist, Auswirkungen auf die Finanzierung von Chesapeake selber und einen anstehenden Börsengang einer Tochter befürchtet werden und keiner in eine Art "Enron II" Szenario geraten will. "Sell first, think later" lautet das Motto. Lesen Sie . Ich kann Ihnen auch nicht sagen, was da richtig ist und ob man Chesapeake nun kaufen sollte oder nicht. Rein technisch ist die Aktie brutal überverkauft und schon lange für einen Bounce fällig. Aber ich nutze diese Schwäche trotzdem definitiv nicht zum Kauf, weil auch ich finde, dass das Thema richtig "stinkt". Auf jeden Fall zeigt es mir persönlich, dass Aubrey McClendon vor allem an die eigene Brieftasche und weniger an die Aktionäre denkt.

(5) Freeport McMoran (WKN 896476) (Kupfer) zieht in der sonstigen leichten Schwäche an, ein gutes Zeichen für Kupfer, die Konjunktur und den Rohstoffsektor. Und eine Aktie bei der ich optimistisch bin, obwohl erst Morgen die Quartalszahlen kommen. Selbst eine Übernahme von Freeport durch einen der ganz Grossen wie BHP Billiton ist denkbar. Lesen Sie zum Beispiel mal und

(6) Die Spanien-Krise schwelt weiter und ich sehe nicht, wie das Thema schnell verschwinden soll. Wir erleben in meinen Augen wieder alle Inkredenzien einer schwelenden Krise, wie wir es zuletzt im Herbst letzten Jahres hatten. Gelddrucken ist eben keine Lösung, Sparen alleine auch nicht. Politisch verordnete Wachstumspakete ala Hollande aber auch nicht. Wettbewerbsfähigkeit muss sich hart und mühsam erarbeitet werden, wie jeder Mittelständler weiss und kann nicht politisch verordnet werden. Aufgabe der Politik ist es, dafür die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen und nicht sich selber via Fördermittel als Investor zu betätigen.

(7) Trotzdem wird auch diese Eskalation immer wieder von Erleichterungsphasen durchbrochen werden und ich kann mir durchaus vorstellen, dass so eine Phase im Falle Spanien nun ab Morgen mal wieder ansteht, denn am Donnerstag steht eine erneute Auktion spanischer längerlaufender Anleihen bevor. Insofern macht es für mich kurzfristig wohl wenig Sinn, nun als Letzter auch noch in die Untergangsgedanken zum Euro einzustimmen. Am Wochenende ist darüber hinaus IWF Sitzung und da dürfte es auch wieder wohl klingende Aussagen geben, die ein dürstender Markt wohl gerne aufgreifen wird.

(8) Mittelfristig wäre ich aber überrascht, wenn es die Euro-Währungsunion in der jetzigen Form in ein paar Jahren so noch gibt. Denn der fehlkonstruierte Euro beraubt die schwachen Volkswirtschaften des entscheidenden Stellhebels, um ihre mangelnde Wettbewerbsfähigkeit am Weltmarkt auszugleichen - den Wechselkurs. Ich sehe keine konventionelle Lösung im Rahmen des jetzigen Euros, die das Problem grundlegend behebt. Alle Aktionen der EZB verzögern das Unvermeidliche in meinen Augen nur und schaffen kurze Phasen der Ruhe, bevor die fundamentalen Realitäten wieder zuschlagen. Eine gemeinsame Währung ohne gemeinsame Regierung, Gesetzgebung und Wirtschaftsraum kann einfach nicht dauerhaft funktionieren. Und für eine wirklich einheitliche Regierung und Union ist Europa (noch) nicht reif. Keine schönen Aussichten für unser unmittelbares Lebensumfeld !

Ich wünsche trotzdem einen schönen Abend. Die Kunst ist, trotz dieser Aussichten, im "Hier und Jetzt" das Leben zu geniessen - eine Fähigkeit, an der auch ich immer mal wieder scheitere !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 17.02.12 – Wochenabschluss – Rosenmontag und das grosse G

22 Uhr Handelsschluss - Ausklang einer sehr bewegten Woche an den Börsen.

Eigentlich ein toller Tag für alle, die wie ich den Markt eher bullish sehen. Aber das war fies von Mr. Market. Richtig fies. Ein bischen Ausbruch bis DAX 6870 - aber nur ein bischen um dann mit DAX 6848 zu schliessen - damit man sich nun bei gar nichts richtig sicher sein kann.

Denn der DAX selber hatte schon volle Fahrt Richtung 7000 aufgenommen. Nur kam von den Amerikaner nichts. Die hingen um die 1360 im S&P500 herum. Und so konnte auch der DAX nicht mehr nachlegen, obwohl er eigentlich wollte. Ich bin bei diesen Ausbrüchen immer etwas zögerlich und warte lange ab, bis ich mir sicher bin, dass es nach oben durchläuft. Denn ich habe schon zu viele Fehlsignale erlebt, die nur dazu dienten, die Marktteilnehmer abzufischen, die dem vermeintlichen Ausbruch hinterher rannten. So hatte ich auch heute um die DAX 6850 herum immer noch die Hände unter dem Hintern.

Aber auch ich war knapp davor nachzulegen. Aber noch habe ich es nicht getan und bin unverändert nur mit halber Kraft Long positioniert. Formal sind wir nun aus der gestern gezeichneten Konsolidierung ausgebrochen und nachbörslich hatten wir erneut leichte Stärke. Von Schwäche keine Spur. Auch im S&P 500 liegen wir nun über der Konsolidierungszone - also eigentlich alles in Butter mit dem Ausbruch, oder ?

Aber ich bin noch nicht endgültig überzeugt, dafür haben wir uns heute nicht dynamisch genug von der Konsolidierungszone weg bewegt. Ob meine Passivität heute nun gut war, oder mich nun kurzfristig für einen Tag additive Gewinne kostet, wird erst der Montag zeigen. Das war heute mal wieder so eine Situation, bei der auch ich mir unsicher bin.

Grund für den mangelnden Enthusiasmus der Wallstreet war wohl der US Feiertag "Presidents Day" am Montag. Vor diesem langen Wochenende wollte sich niemand mehr so richtig positionieren. Und letztlich kein Wunder, denn da ist doch wieder diese vermaledeite Sache mit dem grossen "G" - wie könnte es auch anders sein, es würde uns ansonsten doch auch viel zu gut gehen.

Wohl niemand möchte dieses verfluchte Thema noch hören, aber wir haben keine Wahl. Denn "G" wie "Grausig" oder "Gewürge" oder eben "Griechenland" steht am Montag wieder an. Und zwar genau am Rosenmontag, an einem Tag an dem auch noch die Amerikaner zufällig Feiertag haben und rund um die Frankfurter Börse die Jecken rumhopsen. Na Bravo, das wird was werden - Helau, Alaaf oder was auch immer kann ich da nur sagen 😉 Eine innere Stimme sagt mir, dass wir am Montag von Mr. Market alle eine Narrenkappe aufgesetzt bekommen.....

Denn wenn man den US amerikanischen Medien und Bloggern folgt, dann merkt man schon, dass es da an grundlegendem Verständnis für die konsens-orientierten, komplexen europäischen Abläufe fehlt. Ist ja auch kein Wunder, selbst wir reiben uns ja über Brüssel die Augen und die Amerikaner kennen halt nichts anderes als einen Staat mit einem mächtigen Präsidenten an der Spitze, der einfach das rote Telefon nehmen könnte um die Welt in die Steinzeit zurück schicken. Das Gewürge in Brüssel läuft da halt ganz anders ab.

Und die Meinung auf der anderen Seite des Atlantiks scheint nun zu sein: Griechenland wird sowieso gerettet. Genau diese Sicht wurde gestern bzw. heute bei dem halben Ausbruch in den Markt eingearbeitet. Nur ich erlebe die Signale aus Brüssel leider nicht ganz so eindeutig und ich sehe eine nicht zu kleine Wahrscheinlichkeit, dass man Griechenland schon fallen gelassen hat und nur noch auf Zeit spielt. Sollte das der Fall sein, würde auch der Montag kein Ergebnis bringen, sondern die Entscheidung würde dann auf März verschoben usw. usw. Solange bis die Griechen endlich von alleine den Exit vollziehen, womit niemand sich als "Rauswerfer aus Europa" beschimpfen lassen muss.

Und das ist mein grosses Problem heute bei der Einschätzung, denn für diesen Fall hätten wir möglicherweise nun einiges Überraschungs- bzw Enttäuschungspotential im Markt - nachdem wir heute die Rettung schon etwas verfrüht gefeiert haben. Ich tue mich sehr schwer bei der Frage, ob dieses Downside wirklich noch da ist, oder ob der Markt auch eine richtige Pleite schon verarbeitet hat. Aber ich tendiere zur Sicht, dass die richtige Pleite die Märkte doch noch einmal kurz durchschütteln würde.

Und das, zusammen mit der "Bombe" Iran über unseren Köpfen, ist der einzige Wehrmutstropfen, der mich nun davon abhält voller Überzeugung Kursziele von DAX 7500 oder sogar mehr auszufen. Denn ansonsten könnte es im Markt kaum besser aussehen als derzeit und die Bullen haben eindeutig die volle Kontrolle.

Mich würde interessieren welches "G"-Szenario nach Ihrer Ansicht nun schon im Markt verarbeitet ist und welches eben noch nicht. Denn gerade die Letzteren sind es ja, die die Kurse massiv bewegen.

Was einzelne Aktien angeht, wurden heute wenig überraschend genau die Aktien am stärksten gekauft, die gestern am stärksten verprügelt wurden - so zum Beispiel der Stahlsektor. Interessant ist aber auch zu sehen, wie Salzgitter (WKN 620200) und Klöckner (KC0100) mit dem ganzen Stahl-Sektor mit 3% bzw. 6% nach oben schiessen, während ThyssenKrupp (WKN 750000) sogar im Minus vor sich hin dümpelt. Wer den Grund verstehen will, der sollte meinen Artikel "Vom Donnerhall zum Anlagenbauer" nicht übersehen. Denn ThyssenKrupp=Stahl ist eine Gleichung, die möglicherweise nicht mehr lange Bestand hat.

Im LED Sektor geht es nach den Nachrichten aus China zur LED Förderung nun massiv aufwärts, der Marktführer CREE (WKN 891466) stieg gestern fast 8% und Aixtron (WKN A0WMPJ) schaffte heute mit ebenso 8% Plus den Ausbruch über die Zone um 12,6€. Mein fundamentale Sicht auf das Thema LED hatte ich zuletzt vorgestern hier erläutert und ich rechne mittelfristig eher damit, dass der Preisdruck durch die Förderung sogar steigt, weil das den Wettbewerb weiter anheizt und neue Marktteilnehmer in Spiel holt. Aber rein von der Markttechnik her, ist nun bei Aixtron kurzfristig viel, viel Luft nach oben und wer in der Lage ist schnell am Markt zu agieren, könnte diese Bewegung nun mitgehen. Ein sinnvoller kurzfristiger Stop bei Aixtron läge für mich unter dem Tief vom 14.02. bei ca. 11,4€. Wer ganz eng absichern will - dann natürlich mit dem grösseren Risiko dumm ausgestoppt zu werden - könnte auch das Tief von gestern bei 12,1€ als Stopmarke ins Auge fassen.

Sehr stark ist auch erneut die hier schon erwähnte DIC Asset (WKN 509840) mit heute 6% Plus. Auch dieses Immobilienunternehmen hat in meinen Augen noch einige Luft nach oben, um mit der Marktkapitalisierung überhaupt erst wieder den Nettoinventarwert der Immobilien zu erreichen.

Auffällig ist auch, wie seit Tagen der US Shale-Gas Pionier Chesapeake Energy (WKN 85725) steigt, heute wieder um 4%. Ursache sind wohl die diversen Produktionsreduktionen, mit denen man versucht dem Verfall des Gaspreises aufgrund Überangebot entgegen zu wirken, verbunden mit nun kälterem Winterwetter auch in den US. Und der Markt scheint von höheren Gaspreisen überzeugt zu sein, wie man dem Chart gut entnehmen kann:


Source:

Sollte sich die Tendenz höherer Gaspreise bewahrheiten, dürfte auch bald der Kohlepreis und damit die Kohleförderer wie Arch Coal (WKN 908011) profitieren, die ja im Moment ziemlich ausgebombt am Boden liegen.

So weit zu aktuellen Aktienbewegungen. Nun zum Wochenende noch ein Aktientip für einen längeren Anlagehorizont. Wenn Sie sich für Versorger interessieren, schauen Sie sich doch mal die österreichische Verbund AG (WKN 877738) an. Sie kennen vielleicht schon aus dem Urlaub die riesigen Wasserkraftwerke und Stauseen in den österreichischen Alpen, wenn ja kennen Sie auch ohne es zu wissen die Verbund AG. Denn Verbund produziert Strom fast ausschliesslich aus Wasserkraft. Und wenn in Süddeutschland mal nach der "Energiewende" der Strom knapp wird, dann wird auch auf Kraftwerkskapazität von Verbund zurück gegriffen.

Jetzt ist ein Stromversorger sicher keine Aktie, bei der man eine schnelle Verdoppelung erwarten kann, aber zweistellige Kursgewinne und saubere 3% Dividendenrendite sind bei Verbund auch drin. Und das Schöne ist, dass der Kurs von Verbund durch Abgaben im letzten Jahr noch gedrückt ist. Denn der starke Kursrückgang hatte nach meiner Erkenntnis nichts mit operativen Problemen des Unternehmens zu tun, sondern nur damit, dass der österreichische Staat mit 51% Hautpaktionär ist und dieser steht und stand ja auch im Feuer von Herabstufung etc. Abgesehen davon waren ja die Strompreise generell unter Druck, was sicher auch seinen Einfluss auf die Kursentwicklung hatte.

Die deutsche "Energiewende" führt nun aber zur Knappheit von Strom, weswegen weiter steigende Preise an den Strommärkten wahrscheinlich sind. Und der Chart der Aktie sieht sehr vielversprechend aus. Im Gegensatz zu den deutschen Versorgern ist bei Verbund auch das Geschäftsmodell völlig intakt. Wer also auch mal was nach dem Motto "Buy and Hold" im Depot haben möchte, für den könnte die Verbund AG ja mal einen Blick wert sein. Denn weniger inhärente Risiken als bei einem Stromversorger im Staatsbesitz, der seine Geschäfte fast ausschliesslich mit der vergleichsweise umweltfreundlichen und risikoarmen Wasserkraft macht, wird man bei einer Aktie nach meiner Ansicht wohl schwerlich finden.

Falls Sie sich für Verbund interessieren, sollten Sie den Titel am besten direkt in Wien kaufen - vorausgesetzt Ihre Bank bietet für Wien erträgliche Gebühren. Denn dort ist Verbund mit Abstand am liquidesten.

So weit für heute Abend. Der kommende Montag dürfte auf jeden Fall spannend werden. Hinzu kommt, dass wegen des "Presidents Day" das Handelsvolumen im DAX eher gering sein dürfte. Was die Situation nicht besser macht, sondern das Risiko erheblicher Bewegungen wegen des grossen "G" verschärft.

"Hari´s Märkte am Abend" erscheinen kommenden Montag wesentlich früher, schon nach dem deutschen Handelsschluss. Mal schauen wen Mr. Market am Montag zum Narren macht ...

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !