Von Genies in Bullenmärkten

Es gibt ein Börsen-Bonmot, in dem extrem viel Wahrheit liegt: "Everyone is a genius in a bull market !"

In einem Bullenmarkt ist es leicht Geld zu verdienen. Denn solange man im Markt auf der Long-Seite investiert ist - was der Normalfall ist - bügelt der Bullenmarkt die Fehlentscheidungen im Laufe der Zeit aus. Bullenmärkte basieren auch immer auf starken Trends und die laufen sowieso eher länger, als wir uns gemeinhin vorstellen können.

Und letztes Jahr war das besonders interessant, weil es im Markt ein paar "heisse" Momentum-Sektoren wie Solar, Biotech oder 3D Druck gab, in denen man fast nichts falsch machen konnte. Einfach die Augen zu machen, die Nase zu halten und die heissesten Titel bei jedem verfluchten Dip kaufen und *schwupps* hatte man 2013 riesige Gewinne im Depot. Hätte man einem Affen nur diese Sektoren zur Auswahl gegeben und ihn ansonsten Dart-Pfeile werfen lassen, hätte er auch eine sensationelle Performance generiert.

Jetzt will ich die Leistung nicht verniedlichen oder schlecht machen, denn auch das muss man ja erst einmal tun. Man muss das Verständnis und die emotionale Kraft haben, eine extrem überbewertete Aktie trotzdem nach Markttechnik zu kaufen, weil man Markttechnik versteht. Und man muss die emotionale Kraft haben, solche Gewinne dann auch mal laufen zu lassen, statt zu früh zu kappen.

Insofern ist es eine echte Leitung, die die erbracht haben, die in 2013 in den Sektoren abgeräumt haben. Und darauf kann man stolz sein, denn das hat nur eine Minderheit hinbekommen. Ich will mit den Zeilen oben aber klar machen, es war eben nur deshalb so erfolgreich, weil der Markt beliebte das ganze Jahr ohne grosse Korrektur hoch zu laufen und jeder Dip eine Kaufgelegenheit war. Und das ist nicht normal, das ist die grosse Ausnahme in Börsenjahren !

Nun haben wir aber schon sehr lange einen Bullenmarkt und irgendwann wird der zu Ende gehen. Passiert das gerade ? Dafür gibt es noch keinen Indikator, aber möglich ist vieles, hinterher sind wir klüger. Auf jeden Fall wird der Bullenmarkt irgendwann vorbei sein und dass 2014 wahrscheinlich nicht so gleichmässig und permanent steigen wird wie 2013, ist nun offensichtlich und selbsterklärend.

Und dann haben wir entweder eine volatile Seitwärtsbewegung, in der es nur wenige stabile Trends gibt, oder wir haben sogar einen Bärenmarkt.

In beiden Fällen werden die Marktteilnehmer, die im Bullenmarkt sich zu viel zu schnell auf ihre Gewinne eingebildet haben, ganz deutlich auf die Nase fallen. Denn in solchen Märkten hilft einem nur eins dabei zu überleben: klare Strategie, klares Risikomanagement, klares Moneymanagement. Übersetzt also das Denken in Setups mit definiertem, bewusstem Plan, vorher überlegte Exit-Positionen und eine Vorstellung vom Risiko, dem man sich aussetzen will. Und die Adjustierung dieses Risikos, durch die Positionsgrössen oder durch Hedging.

Denn wenn die Trends nicht mehr klar sind und der Markt permanent die Richtung wechselt - und solche Phasen können auch mal ein Jahr dauern - wird jeder ohne Risiko- und Moneymanagement in seine Bestandteile zerlegt. Ich garantiere Ihnen das !

Ich habe zu diesen Themen hier im Blog schon viel geschrieben. Für den normalen Anleger genügen zum Start ganz einfache Techniken, die ich unter dem Obernbegriff "Setups" hier immer propagiert habe. Diese mit einer konkreten Regel zu den Positionsgrössen ergänzt, so dass man sich nicht zu grosse Klumpenrisiken im Depot schafft, ist schon ein grosser Schritt nach vorne und für viele normale Anleger erst einmal als Basis für das Risikomanagement ausreichend.

Ich kann Ihnen nur dringend raten, wenn Sie so etwas noch nicht haben, tun Sie es ! Besser gestern als heute ! Ohne eine systematische Herangehensweise an das was Sie tun, werden Sie keinen dauerhaften Erfolg an den Märkten haben. Überschätzen Sie also nicht die leichten Gewinne in 2013, wenn Profis einen Neuling an den Pokertisch holen, lassen Sie den auch erst einmal gewinnen. 😉

Denn der nächste Seitwärts- oder Bärenmarkt kommt bestimmt. Wenn nicht heute, dann morgen. Und in dem trennt sich an der Börse die Spreu vom Weizen und die Jungs von den Männern. Und wir sind hier doch alle Weizen, oder ? 😉

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Vom Hier und Jetzt und dem sinnlosen Kampf gegen den Markt

Derzeit erleben wir im Marktsentiment der Aktienmärkte so etwas wie eine "Kapitulation" der verbliebenen Bären und Skeptiker. Viele Marktteilnehmer haben seit 2009 nicht an diesen Markt geglaubt, standen mit ihrem Depot im Abseits und haben die Anstiege emotional bekämpft. Wir erleben einen der meist gehassten Bullenmärkte der Geschichte.

Und nun nähert sich das Jahresende, die Indizes sind auf historischen Höchstständen und es geht trotzdem einfach immer weiter aufwärts und aufwärts. Diverse Auswertungen der Sentimentdaten zeigen, dass das Bullenlager zuletzt drastisch gewachsen ist, die erwähnte Kapitulation der Bären scheint also nun im Gange.

Nun wissen erfahrene Leser, dass genau dieser Moment der Kapitulation der letzten Bären, mit erhöhten Risiken verbunden ist, denn er steht gerne am Ende einer Aufwärtsbewegung und nicht am Anfang. Und nach 5 Jahren des Anstiegs, wäre dafür ja auch mal langsam Zeit. Aber das ist so offensichtlich, dass es fast schon wieder unwahrscheinlich wird und darüber will ich heute auch gar nicht schreiben.

Ich will heute über die vergangenen 5 Jahre schreiben, in denen so viele, so immens viel von dieser sensationellen Aufwärtsbewegung verpasst haben. Und ich will aufzeigen, woran das liegt. Denn zu viele haben zu oft emotional gegen den Markt gekämpft.

Wenn Sie des Englischen mächtig sind, lesen Sie bitte mal zur Einstimmung die ehrlichen Gedanken und Gefühle vom jemandem, der nun seit mehr oder weniger 5 Jahren emotional gegen den Markt und die Notenbanken kämpft:

Das gibt Ihnen einen guten Eindruck davon, was in so Menschen aktuell vorgeht. Und ich habe es meinen Lesern schon oft gesagt und kann es nur wiederholen: vermeiden Sie unbedingt solche psychologischen Fallen ! Trennen Sie unbedingt Ihre Sicht auf die Welt und Ihre Überzeugungen, von den Handlungen, mit denen Sie versuchen Ihr Depot zu füllen.

Sie wissen, wie kritisch ich vieles sehe, was da im Bereich der Notenbanken in der Gegenwart abgeht und das ich am Ende auch an ein „dickes Ende“ der Geschichte glaube. Vielleicht kommt ein Zeitpunkt, an dem wieder ein wütender Mob vor den Regierungs-Gebäuden und Notenbank-Kathedralen stehen wird und die Verantwortlichen lynchen will. Alles schon mal dagewesen und es gibt keine Sicherheit, dass es nicht wiederkommt. Und wenn dieser Moment kommt, werden Leute wie unser Autor oben dann völlig zu Recht "siehste" sagen. Nur wird sich auch dann die Masse nicht an die Warner der Gegenwart erinnern – bestenfalls in akademischen Zirkeln. Die Anführer des Mobs werden aber andere sein, Populisten die den neuen „Trend“ rechtzeitig erkannt haben und sich als Protagonisten an die Spitze setzen konnten. Populisten, die heute vielleicht eine ganz andere Sau durchs Dorf treiben.

Ich kann auch ein anderes hypothetisches Beispiel bemühen. Nehmen wir an, Sie als ein fähiger Astronom wissen heute, dass in 5 Jahren von jetzt ein riesiger Asteroid die Erde treffen wird. Von totaler Vernichtung des Lebens ausserhalb der Ozeane, bis zumindest kontinentalem Genozid ist alles drin. Und Sie wissen, dass Sie es nicht ändern können. Macht es dann Sinn, sich heute schon unter der Erde zu verkriechen ? Sich vielleicht einen Monat vorher ihre Familie zu schnappen und an den relativ sichersten Ort der Welt zu gehen und dort Vorräte anzulegen, mag ja noch Sinn machen. Aber heute ? Man muss sich sogar fragen, will man so ein Wissen überhaupt haben ? Denn es verhindert vielleicht noch 5 glücklich gelebte Jahre ?

Der Punkt ist: unsere Leben findet im Hier und Jetzt statt. Die Zukunft ist die Zukunft und unbestimmt. Es macht natürlich Sinn, über die Zukunft nachzudenken. Und es macht auch Sinn, sich im vernünftigen Rahmen auf die Zukunft vorzubereiten. Es ist aber unsinnig und völlig kontraproduktiv, das eigene Handeln im Hier und Jetzt ausschliesslich von Ängsten um eine mögliche, aber nicht sichere, Zukunft bestimmen und beherrschen zu lassen.

Und so ist es auch bei der Geldanlage. Man mag über die aktuelle Notenbankpolitik denken was man will. Und wer dabei nicht zumindest ein flaues Gefühl der Unsicherheit im Magen hat, der hat mit Verlaub keinen Verstand – die Notenbanker haben dieses flaue Gefühl doch auch, auch wenn sie darüber nicht reden. Alle mit Verstand wissen, dass wir uns in einem historisch einmaligen Experiment befinden und der Einsatz immens hoch ist.

Und trotzdem, das Geld im Depot wird im Hier und Jetzt verdient. Und im Hier und Jetzt steigt dieser Markt. Im Hier und Jetzt, haben wir einen offensichtlichen, gewaltigen Bullenmarkt. Sich permanent emotional dagegen zu stellen, macht das Leben zur Hölle, frustriert und generiert am Ende nur rote Zahlen im Depot.

Und es gibt auch einen Weg, wie man die objektive, rationale Skepsis und das Handeln mit dem Trend, wieder in Einklang bringen kann. Und das ist, das hier im Blog immer wieder beschriebene Denken in konkreten Setups und Handeln mit "Reissleine", also mit - zumindest gedanklichen - Stops.

Denn das Denken in definierten Setups, mit definierten Exit-Marken, befreit von der Angst, wenn man es konsequent betreibt. Bevor man die Position überhaupt eingeht, überlegt man sich, wie viel man maximal in diesem Trade riskieren – also verlieren - will und schreibt den Betrag gedanklich ab.

Die „Trauerarbeit“ um den Verlust findet also schon vorher statt, zu dem Zeitpunkt wo man den Trade eingeht. Hat man das geschafft, kann man von da an nur noch gewinnen. Und das befreit emotional enorm und ermöglicht Ihnen Trends mitzugehen, die Sie nie anfassen würden, wenn Sie eine Entscheidung für etwas treffen müssten, woran Sie gar nicht glauben. Mit einem Setup aber, stellen Sie emotional nur einen Zeh ins Wasser und Ihr Stop definiert, wie schnell der Zeh wieder draussen ist. Und Sie wissen ja, starke Trends dauern oft länger, als wir uns alle vorstellen können. Wenn ein Trend mit Macht begonnen hat, kann man oft immer noch mit gutem Gewissen aufspringen, die letzten 5 Jahre an den Märkten sind auch dafür erneut Beleg.

Mit dieser Denkstruktur wäre man schon 2009 Long eingestiegen und wäre immer noch - oder mit einer Pause 2011 wieder - dabei, statt dem Markt zu misstrauen und klüger als der Markt sein zu wollen. Aber im Herzen könnte man immer noch ein Skeptiker sein, der den Tag der Abrechnung kommen sieht. Bis dieser Tag aber kommt, hat man gut verdient. Und wenn der Tag der Abrechnung kommt, kegeln einen die Stops raus und es ist dann immer noch früh genug, die Bärenkrallen in das Fleisch all der auf der Party zu spät angekommenen und nun panischen Kühe zu schlagen – die ehedem mal röhrende Bullen waren.

Für unser konkretes Handeln an den Märkten ist also wichtig:

(1) Gewinne werden im Hier und Jetzt mit dem Markt erzielt und nicht gegen ihn.

(2) Zukunftserwartungen, Vorsicht und ein Blick auf mögliche Entwicklungen sind wichtige Fähigkeiten um sich rechtzeitig einzustellen, aufmerksam zu bleiben und wenn nötig schnell „die Kurve“ zu kriegen.

(3) Eine mögliche Zukunft darf aber nicht unser Handeln im Hier und Jetzt überlagern und verzerren. Die Zukunft ist nicht gewiss, wir bilden uns nur manchmal ein, sie wäre es.

(4) Vorsicht und Handeln sind verschiedenen Dinge. Vorsicht kann zu Handeln führen, wenn die gefürchteten Bedingungen eintreten. Wer aber nur auf Verdacht handelt, holt sich in der Regel eine blutige Nase.

(5) Wir sollten unsere Energie auf die Dinge konzentrieren, die wir selber beeinflussen können. Die aber besonders gut machen. Was wir nicht beeinflussen können, müssen wir dagegen hinnehmen und uns anpassen.

Lamentieren Sie also gerne über einen überzogenen Markt und "verrückt" gewordene Notenbanker so viel Sie wollen, alles kein Problem - das kann sogar der Seele gut tun, mal den Frust abzulassen. Aber handeln Sie an den Märkten nicht danach !

Real ist nur das, was der Markt wirklich tut und nicht das, was Sie gerne hätten, das er tut. Und dieser Markt steigt. Und zwar so lange, bis er nicht mehr steigt. Und diesen Moment des Trend-Wechsels kann man auch erkennen, wenn man mit klaren, gut durchdachten Marken operiert, die einem das Ende des Bullenmarkets indizieren.

Der Preis dafür ? Das man vielleicht ein paar Prozent von den Höchstständen wieder abgegeben wird, wenn die Stops dann Triggern und "Exit" signalisieren. Aber was sind schon 10%, wenn man vorher zum Beispiel im DAX den Weg von 3589 am 09.03.2009 bis zu 9254 gestern mitgegangen ist ? Übrigens, zum Mitschreiben, das waren 158% Anstieg vom Tief am 09.03.2009 ! Hat es sich also wirklich gelohnt, den Markt jahrelang zu bekämpfen ?

Übrigens wirkt dieser Mechanismus in beide Richtungen. Denn irgendwann wird die grosse Korrektur ohne jeden Zweifel einsetzen. Vielleicht heute, vielleicht erst 2015. Und es wird über Wochen und Monate nervenzehrend nach unten gehen. Und genau die gleichen Menschen, die nun jahrelang gegen den Markt gekämpft haben, werden dann viel zu früh schon wieder einsteigen, weil jetzt ist der Markt für sie ja vermeintlich "billig genug". Ist er aber erneut nicht und es geht auch in der Abwärtsbewegung oft weiter runter als man erwartet. Erneut kämpfen die gleichen Menschen dann gegen den Markt, weil sie erneut klüger sein wollen, als alle anderen Marktteilnehmer zusammen. Das pflegt das eigene Ego, machen Sie sich aber klar, dass das Ego an den Börsen unser grösster Feind ist und unglaublich viele Verluste in Depots auf dem Gewissen hat.

Merken Sie sich also unbedingt für den nächsten Börsenzyklus, dass Sie dem Markt folgen und sich dabei mit guter Entfernung absichern. Die Absicherung darf nicht zu nahe sein und dient nur der "Katastrophen-Prävention". Und das Sie am Ende einiges von den letzten Gewinnen wieder abgeben, liegt dabei im System. Und trotzdem funktioniert es und ist einfacher und profitabler, als gegen den Markt zu kämpfen.

Ob Sie auf diesen aktuellen und langsam alternden Trend noch aufspringen wollen, können Sie nur selber entscheiden. Klar ist, es kann durchaus noch eine Zeit lang so weiter gehen. Klar ist aber auch, eine deutliche Korrektur ist nun langsam mal fällig.

Ihr Hari

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DAX: Droht 2014 ein Crash?

Droht 2014 ein Crash?

Ein Gastkommentar von Tokay

Immer wieder liest man in jüngster Zeit davon, dass die letzte Phase im gegenwärtigen Börsenzyklus angebrochen sei. Zum Beweis dessen werden dann Sentimentanalysen, Börsenkreditstatistiken, Rohstoffpreise und dergleichen mehr bemüht. Mehrere Fragen stellen sich bei alledem: Was ist ein Börsenzyklus überhaupt? Woran kann man ihn erkennen? Und können wir erkennen, wo ungefähr wir uns im Börsenzyklus befinden? Droht womöglich nächstes Jahr ein Crash?

Also: Was ist ein Börsenzyklus? Wenn man sich den DAX, den S&P 500 und praktisch jeden anderen großen Index der Welt anschaut, dann wird man feststellen, dass sich diese Indizes in einer gewissen Abfolge von Hochs und Tiefs bewegen, also im Wechsel von Hausse und Baisse. Unter einem Börsenzyklus versteht man folglich eine Abfolge von einer Hausse und einer Baisse.

Wie lange dauert eigentlich ein solcher Börsenzyklus? Das ist nicht so ganz eindeutig. Schaut man sich die Entwicklung des DAX bzw. seines Vorläuferindex an(oder auch einen vergleichbaren Index), dann stellt man fest, dass zwischen zwei Hoch- oder zwei Tiefpunkten zwei bis acht Jahre liegen können. Im Mittel sind es gut vier Jahre.

So gab es offensichtlich in den letzten Jahren Hochs in den Jahren 2000, 2007 und 2011. Tiefs hatten wir 2003, 2009 und 2011. Somit haben wir einen Zyklus, der von 2000 bis 2003 dauerte, also etwa drei Jahre. Der Folgezyklus von 2003 bis 2009 dauerte sechs Jahre. Der zuletzt abgeschlossene Zyklus 2009 bis 2011 dauerte ca. 2 ½ Jahre, da der DAX sein letztes größeres Tief im September 2011 erreichte. Der momentan laufende Zyklus dauert bisher über zwei Jahre. Es gibt keine mathematische Gesetzmäßigkeit, anhand derer wir über die Länge des Zyklus urteilen können, noch darüber, in welche Höhen er führen wird.

Es gibt aber allgemein anerkannte Maßstäbe, anhand derer man über die Angemessenheit der Aktienbewertung urteilen kann. Ein solcher Maßstab ist das Dividendendiskontierungsmodell(Wer sich an der Dividende stört, mag sich damit behelfen, dass er von einem gewissen Teil des Jahresgewinns ausgeht, ob dieser nun ausgeschüttet wird oder nicht). Demnach gibt der Wert des DAX den Gegenwartswert der künftigen zinsadjustierten Gewinne wieder, so wie diese per heute von den Marktteilnehmern erwartet werden.

Die Entwicklung des DAX bzw. des Aktienmarktes generell hängt somit ab von

  • den Gewinnerwartungen, damit von der konjunkturellen Entwicklung im In- und Ausland im weitesten Sinn;
  • von den Zinserwartungen, damit von der Entwicklung an den Geld- und Kapitalmärkten;
  • von den Risikoerwartungen, damit von all jenen Akteuren, die die Gewinn- und Zinsentwicklung beeinflussen. Das kann die Politik der Notenbanken sein, die Politik der nationalen Regierungen, aber auch exogene Ereignisse, die sich im Zeitalter der Globalisierung unter Umständen in entlegenen Regionen der Welt abspielen können. Ob diese Erwartungen den Aktienmarkt in zyklischer Art beeinflussen, darüber können wir nur mutmaßen.

Für den Aktienmarkt wissen wir, dass dieser der Konjunktur bzw. der Gewinnentwicklung um etwa ein halbes Jahr vorausgeht. Der Konjunkturzyklus ist folglich ein Element eines Börsenzyklus. In der folgenden Grafik erkennt man den Zusammenhang:

Schaubild DAX und Industrieproduktion

Und zwischen den Zinsmärkten und dem DAX gibt es ebenfalls einen Zusammenhang. Ein hoher Anleihenzins, so sagt man, sei „Gift für Aktien“. Am Anfang einer Baisse gilt das zweifelsohne. Die deutschen Unternehmen finanzieren sich vornehmlich über ihre Banken, und diese wiederum über Inhaberschuldverschreibungen. Nun sind die die Zinsen für Inhaberschuldverschreibungen über den längsten Teil einer Baisse rückläufig. Schauen wir auf das nachfolgende Chart:

DAX Umlaufsrendite 10jährige und Leitzins ab September 1959.ods

Auch hier kann man eine zyklische Entwicklung beobachten. Wie wir sehen, ging einer Baisse im DAX zumeist ein Anstieg am Anleihemarkt voraus. Ein solcher Anstieg war in der Regel, das kann man für die letzten Bärenmärkten 2000, 2007 und 2011 feststellen, mit einer Erhöhung des Leitzinses verbunden bzw. mit einer Inversion der Zinsstruktur, welche jeweils die bis dorthin andauernde Hausse zum Erliegen brachte. Die kurzfristigen Zinsen kamen in den genannten Fällen etwa so hoch wie die Langfristzinsen zum Liegen. Interessanterweise haben die Bundesbank wie auch später die EZB nie den Leitzins erhöht, bevor nicht schon bei den Anleihen der Marktzins angestiegen war. Und damit haben wir einen sehr aufschlussreichen Indikator, anhand dessen wir feststellen können, ob demnächst eine Baisse ins Haus steht und der seit 2011 laufende Zyklus sich etwa dem Ende nähert. Die Mutmaßungen über das Ende des „Tapering“ in diesem Sommer wurden übrigens nicht zuletzt aus dem Umstand genährt, dass die amerikanischen Zinsen angezogen haben.

Wo wir im Börsenzyklus stehen, ergibt sich also gesamthaft aus einer Kombination von Konjunktur-/Gewinnzyklus und Zinszyklus. Wo stehen wir also? Während es gewisse Anhaltspunkte für eine konjunkturelle Belebung in Euroland gibt, haben wir zugleich gewisse Anzeichen, dass es mit den Anleihezinsen wieder nach oben geht. Bei einem Zinsniveau von unter zwei Prozent für zehnjährige Papiere besteht gewiss kein Grund zu übertriebener Sorge. Doch mit einer gewissen Vorsicht sollte man langsam schon auf den DAX schauen.

Hinzu kommt ein marktpsychologischer Aspekt: Unternehmensgewinne entwickeln sich überproportional zur Konjunktur. Gewinnerwartungen entwickeln sich überproportional zu den Gewinnen. Und in Baissephasen fällt die Korrektur der Gewinnerwartungen heftiger aus als in Haussephasen. Auch das sollte einem für 2014 Anlass zur Vorsicht geben.

Tokay

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Aktienmärkte von 1896 bis heute – Steht ein neuer, säkularer Bullenmarkt bevor ?

Wir sorgen uns zu Recht um 10% Gewinn oder Verlust. Wir reden vom "Crash" und verfallen in Panik, wenn der DAX mal wieder auf 5000 Punkte fällt. Im grossen, langfristigen Bild der Märkte ist das aber alles nur Rauschen. Und es ergibt sich eine höchst interessante Perspektive, mit langfristig sehr bullischen Implikationen, wenn man sich mal die Mühe macht, das ganz grosse Bild zu betrachten.

Und deshalb habe ich mir die Daten des Dow Jones Index seit 1896 besorgt. Ja, Sie lesen richtig, seit nun fast 117 Jahren in der Vergangenheit ! Die Quelle ist dabei die St. Louis FED gewesen, Sie können die Daten selber nachvollziehen.

In normalen Charttools bekommt man dergleichen historische Darstellungen in der Regel nicht, da ist irgendwann in den 80ern oder 90ern Schluss, weswegen ich auch Excel bemühen musste. Und natürlich arbeite ich hier mit einer logarithmischen Achse, um die prozentualen Steigerungen richtig darzustellen. Immer wieder sieht man auch bei so Langfristcharts lineare Achsen, die völlig blödsinnige Darstellungen produzieren, so als ob Börse überhaupt erst in den 80er Jahren los gegangen wäre und es vorher nur um die Nulllinie schwankte.

Und nun schauen Sie mit mir auf dieses Langfristchart des Dow Jones Index seit 1896:

Dow Historisch

Was wir sehen ist höchst beeindruckend. Es gab drei übergeordnete säkulare Bullenmärkte, der Erste endete mit dem 1929er Crash, der Zweite endete Mitte der 60er Jahre und der Dritte mit der Internet-Blase im Jahr 2000. Dazwischen lagen drei säkulare Bärenmärkte und ja, wir sind aktuell immer noch in einem säkularen Bärenmarkt bzw. zumindest in einer 10 Jahre andauernden Konsolidierung.

Jetzt darf man bei so einem langfristigen Bild natürlich auch die Inflation nicht übersehen, es ist mir mit meinen begrenzten Mitteln aber nicht möglich, diese hier korrekt einzuarbeiten. Würde man es aber tun, würde man die säkularen Bärenmärkte weit deutlicher als hier, als Bärenmärkte erkennen, denn die Menschen haben in diesen Phasen nach Inflation effektiv Geld verloren. Das ist auch für die Phase seit 2000 richtig, obwohl rein von den nominellen Zahlen her, schon wieder neue Höchststände erreicht wurden. Und die Steigung der säkularen Bullenmärkte wäre dann optisch nicht so hoch, wie es hier aussieht. An der prinzipiellen Abfolge der Marktphasen ändert das aber nichts. Und auch nicht daran, dass die säkularen Bärenmärkte irgendwann nach 15 Jahre vorbei waren.

Auch falls Sie denken, da sei ja zum Beispiel in den 70ern an den Börsen fast gar nichts passiert, lassen Sie sich nicht durch die logarithmische Skalierung täuschen. Objektiv schwankte der Dow in den 70ern zwischen 500 und 1000, also immer noch um 50% ! Sie sehen ja auch, wie im langfristigen Massstab die grossen Korrekturen im letzten Jahrzehnt aussehen - es sind in dieser Darstellung eher Petitessen und nur Konsolidierungen auf hohem Niveau. Angefühlt hat sich 2008 für uns aber anders. Und wer objektiv 50% des eingesetzten Kapitals verliert, hat die Hälfte seines Vermögens verloren, was keine Petitesse ist.

Die wichtige Schlußfolgerung dieses grossen Bildes ist aber, dass wir möglicherweise am Beginn eines neues jahrzehntelangen Bullenmarkets stehen könnten. Damit das passiert, braucht es aber Katalysatoren, die die Produktivität der Weltwirtschaft massiv anschieben und damit höhere Bewertungen rechtfertigen. In den 90er Jahren war das der Siegeszug der Computer und des Internets, verbunden mit der Friedensdividende aus dem Fall des eisernen Vorhangs.

Was könnte es in Zukunft sein ? Die Ergebnisse einer Biotechnologie vielleicht, die das Leben massiv verlängert, die Intelligenz der Menschen steigert und so die ganze Welt umkrempelt ?

Ich weiss es nicht. Und im grossen Bild können wir vorher auch problemlos noch einmal um 40% korrigieren. Für uns sehr schmerzhaft, im grossen Bild aber einfach nur ein paar weitere Jahre im säkularen Bärenmarkt seit 2000.

Der grosse neue Bullenmarkt kommt also noch. Und wahrscheinlich dauert es weniger als 10 Jahre, bis es wieder so weit ist. Das sagt uns dieses Chart. Vielleicht hat er auch schon mit dem Ausbruch zu neuen Hochs begonnen. Oder er beginnt vielleicht 2016, nach einem erneuten bösartigen Taucher um 40%, in dem die Verzerrungen durch die Notenbanken abgebaut werden.

Lassen Sie uns diesen säkularen Bullenmarkt aber nicht vergessen, wenn wir uns mal wieder über das Klein-Klein des Momentes sorgen. Und wenn wir zu Recht sagen, dass die aktuellen Kurse durch den Einfluss der Notenbanken zu weit gelaufen sind. Kurzfristig sind sie das wohl. Langfristig stehen uns die grossen Kursgewinne erst noch bevor.

Ihr Hari

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S&P500, Dollar und DAX – Die grosse Marktlage auf einen Blick

Das Debt Limit Debakel in den USA liegt hinter uns und das Jahresende vor uns. Die FED drückt weiter monetären Stimulus in den Markt und der Begriff "Tapering" dürfte bis auf weiteres zu den bedrohten Arten gehören. Die Marktteilnehmer wetten schon jetzt auf die grosse Jahresendrally und treiben die Kurse nach oben.

Grund genug, mal wieder das grosse Bild der Märkte in den Blick zu nehmen. Denn das die breiten Indizes der Aktienmärkte nun auf kurzfristiger Zeitebene nach oben überdehnt sind, erfordert keinen Raketenwissenschaftler und kann jeder erkennen - das ist so offensichtlich, das es schon weh tut. Wären wir in einem Markt ohne den Einfluss der Notenbanken, könnte man nun mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine bald bevorstehende Korrektur setzen.

Nur ist das nicht die Realität und es führt deswegen auch nicht weiter, den Markt so zu betrachten, als ob dieser Faktor nicht im Spiel wäre. Denn der Feuerschutz der Notenbanken ist so etwas wie eine massive Unterstützung für die Bullen. Der Markt weiss, dass jeder grössere Absturz sofort mit noch mehr Stimulus von den Notenbanken beantwortet wird. Und weil das so ist, gehen die Marktteilnehmer heute weit höhere Risiken auf der Long-Seite ein, als sie es ohne den Feuerschutz der Notenbanken tun würden.

Das ist weniger ein monetärer, als ein psychologischer Faktor. Und dieser Faktor führt dazu, dass die Märkte nun bezogen auf die reale Wirtschaft da draussen eher überbewertet sind - Ausnahmen in bestimmten Segmenten vorbehalten. Daraus aber nun den Schluss zu ziehen, dass der Bulle zwangsläufig bald vorbei ist, ist verfehlt. Und noch schlimmer, darauf nun blind zu wetten und die Indizes zu shorten, kann ins Desaster führen. Denn eine Überdehnung kann weit länger andauern, als es ihr Depot und ihre Nerven aushalten.

Und objektiv hängt alles am Vertrauen in die Fähigkeit der Notenbanken, diesen Markt abzusichern. Solange die Marktteilnehmer davon überzeugt sind, werden sie weiter hohe Risiken eingehen und jeden Dip als Kaufgelegenheit betrachten. Und erst wenn dieses Vertrauen beschädigt wird, wird es wohl so richtig ungemütlich am Aktienmarkt. Wann dieser Tag kommt, kann Ihnen niemand sagen. Und alle die heute mit konkreten Daten vom "grossen Crash" fabulieren, sind nicht ernst zu nehmen. Einige reden seit 2009 davon und haben so einen der grössten Bullenmärkte überhaupt verpasst.

Statt zu raten und zu fabulieren, sollten wir uns daher mal emotionslos an der Realiät orientieren, wie sie uns aus den Charts entgegen schaut. Fangen wir mit dem weltweiten Leitindex S&P500 ín Darstellung mit Tageskerzen an:

S&P500 25.10.13

Sie sehen die gesamte, eindrucksvolle Aufwärtsbewegung seit November 2012. Ein perfekter Aufwärtstrend mit immer neuen, höheren Hochs. Sie sehen auch den Trendkanal, in dem sich der S&P500 bewegt und an dessen oberer Grenze wir uns wieder befinden. Dieser Trendkanal hat bisher zuverlässig funktioniert. Und es gibt bisher keinen - absolut keinen - belastbaren Indikator, warum er nicht weiter funktionieren soll. Ausser raten und fabulieren, aber das sind keine belastbaren Indikatoren.

Auch wenn sich das auf den ersten Blick verrückt anhört, wer nun einen Crash auf dem Radar hat, sollte hoffen, dass der S&P500 nun aus diesem Trendkanal dynamisch nach oben ausbricht und die 2000er Marke ins Visier nimmt. Wenn das passiert, hat das ganz klar den Charakter einen euphorischen "Runaway-Moves", der typischerweise später in einem euphorischen Top mit folgendem Kater endet. Solche Bewegungen enden selten gut und der Abbruch kommt völlig überraschend und ohne Vorwarnung. Wenn das passiert, wird erst massiv Geld dem Momentum des Marktes hinterher laufen und es wird ein Feuerwerk zum Jahresende geben. Der Kater folgt dann spätestens 2014.

Anders herum, wenn der Markt nun aber den Trendkanal respektiert und zur Gegenbewegung ansetzt, ist das völlig normal und es gibt keinen Grund, warum dieser Bullenmarkt dann nicht noch erheblich länger leben soll. Und mit gesunden Korrekturen kann dieser Bullenmarkt auch DAX 10.000 und S&P500 2000 erreichen, ohne in den Crash-Modus zu wechseln. Wie oben gesagt, entscheidend ist dafür das Vertrauen in den Feuerschutz der Notenbanken. So lange der da ist, werden die Marktteilnehmer massive Risiken an den Asset-Märkten eingehen. Und ein Ende dieses Feuerschutzes ist nicht absehbar, ausser eben in der Phantasie einiger Crash-Propheten.

Wie die Methode der "Crash-Propheten" funktioniert, sollten aufmerksam Leser bemerkt haben. Man "prognostiziert" irgend etwas Extremes und Eindrucksvolles. Glatte Kursmarken sind dafür besonders geeignet. Man hat zwar keine Ahnung von der Zukunft wie wir alle, diese geistige Leere ersetzt man aber durch argumentative Bugwelle und religiös anmutende Überzeugung. Wenn dann in der Regel der Fall nicht eintritt, redet man nicht mehr darüber und die Leser vergessen es. Im folgenden Jahr kommt man mit der gleichen Logik um die Ecke, hat nur den Crash um ein Jahr verschoben. Auf die Vergesslichkeit der Menschen zu setzen ist einfach erfolgsträchtig. Und wenn der reine Zufall mal irgendwann eine der Prognosen eintreten lässt - und irgendwann wird das definitiv geschehen - dann macht man natürlich viel Lärm um die "tolle Prognose" und lässt sich als Guru feiern. Früher nannte man diese Leute auf dem Jahrmarkt: Gaukler.;-)

Aber zurück zum Markt. Entscheidenden Einfluss auf die Frage, ob wir in eine euphorische Übertreibung eintreten oder nun eine Korrektur folgt, dürfte die Welt-Leitwährung Dollar haben. Im US Dollar Index stellt man das Verhältnis des Dollar zu einem Korb anderer Währung dar und den wollen wir uns nun mal im Chart mit Wochenkerzen anschauen:

US Dollar Index 25.10.13

Sie sehen, dass sich der US Dollar Index einer wichtigen Unterstützung nähert und für eine Gegenbewegung reif ist. Wenn diese Gegenbewegung bald kommt, dürfte das Druck auf die Aktienmärkte ausüben und die oben skizzierte, gesunde Korrektur auslösen. Besonders davon gefährdet dürfte unser DAX sein, dazu aber weiter unten mehr.

Wenn diese Unterstützung aber nicht hält, dürfte der Dollar dynamisch an Wert verlieren. Diese dynamische Bewegung wird zunächst die Indizes weiter befeuern und das Szenario des euphorischen Schubs wahrscheinlicher machen. Nach einiger Zeit könnte das aber den Charakter einer Währungskrise annehmen und dann drehen sich die Geldströme um. Die Folge ist dann das oben skizzierte euphorische Top mit dem nachfolgenden bösen Kater. Auch hier ist Europa besonders gefährdet, denn ein immer teurerer Euro schadet massiv der deutschen Exportindustrie, ein Faktor, über den der Markt im Moment hinweg schaut.

Und warum ist das so ? Warum schaut der Markt im Moment darüber hinweg ? Ganz einfach, weil der DAX im wesentlichen von Zuflüssen aus den US getrieben wird. Und nicht von deutschen Anlegern, die diesen Zusammenhang eher sehen. Aus Sicht der US amerikanischen institutionellen Investoren verliert der Dollar aktuell an Wert. Und sie sichern sich dagegen ab, in dem sie ihre Gelder in den Euro leiten, insbesondere in die europäischen Aktienmärkte, die entweder wie der DAX mit guten, profitablen Unternehmen versehen sind oder wie Spaniens IBEX35 auch noch massiven Nachholbedarf haben.

Deswegen steigt der DAX trotz des negativen Währungseffektes. Es sind die Geldströme vom Dollar in den Euro. Und wenn diese sich umdrehen, ist es mir der Herrlichkeit des DAX ganz schnell vorbei. Und deshalb ist es auch für die mittelfristige Marktsicht völlig unzureichend, den DAX rein vom Chart her zu betrachten. Man unterschlägt damit, was die Hausse wirklich treibt - ein Verständnis der Geldströme und des Dollar ist zwingend nötig, wenn man die Märkte im grossen Makrobild betrachten will.

Schauen wir auf das Chart des DAX mit Wochenkerzen, um das oben gesagte einzuordnen:

DAX 25.10.13

Sie sehen seit 2011 den massiven, zulaufenden Trendkanal. Und Sie sehen, dass der Index ganz am oberen Ende dieses Kanals ist. Wenn es von hier direkt weiter nach oben geht, hat das ganz klar den Charakter eines euphorischen Schubes. Und dieser Schub kann nur stattfinden, wenn US Geld weiter massiv in den DAX fliesst, er korreliert also mit einem schwachen Dollar und einem starken Euro.

Bis dann irgendwann die ersten Wirtschaftsdaten aufzeigen, dass der starke Euro hier die sowieso zweifelhafte Konjunktur wieder abwürgt. Dann wird der Markt mit einem Ruck aufwachen und dieser Ruck ist dann das Top und die folgenden, brutale Korrektur mit realer Crash-Gefahr setzt ein.

Wenn dagegen das Wünschenswerte passiert und der Dollar nun bald dreht, wird auch im DAX endlich eine Korrektur einsetzen, die nur zu begrüssen ist. Denn diese Korrektur ist zwingend notwendig, damit der DAX die reale Chance hat, ohne folgenden Kater, ruhig weiter hoch zu laufen.

Fazit:

Die wesentlichen Aussagen sind also:

(1) Wer sich ein stabiles Finanzsystem und einen gesunden, weiter andauernden Bullenmarkt wünscht, sollte auf eine baldige Korrektur hoffen, die wahrscheinlich einen steigenden Dollar als Katalysator braucht.

(2) Kommt diese Korrektur, gibt es aus heutiger Sicht keinerlei Grund, einen Crash an die Wand zu malen. Sicher ist immer alles möglich, aber dieser Bullenmarkt kann noch lange laufen und es gibt aktuell keinerlei ernst zu nehmende Indikatoren, die das Gegenteil anzeigen.

(3) Wenn der Markt nun aber nicht korrigiert, sondern weiter hoch läuft und dabei sogar noch an Steigung zulegt, steigt die Crash-Gefahr zunehmend. Auch diese euphorische Überdehnung kann noch Monate andauern und die Indizes in ungeahnte Höhen bringen, es wird dann aber immer schwieriger, diese Bewegung als rational denkender Mensch mitzugehen.

Ich wünsche mir Szenario (3) deshalb nicht. Auch wenn auf dem Papier hohe Kurse stehen würden, gleicht das die Risiken und damit verbundenen Probleme nicht auf.

Aber der Markt macht nicht, was ich will. Er macht, was er will - so ist er halt unser Mr. Market. Und in der Epoche der Notenbank-Bomber mit Geldsäcken sowieso .... 😉

Ihr Hari

PS: Für die Premium-Mitglieder sind obige Erkenntnisse nichts Neues. Auf diesem Niveau besprechen wir die Märkte jeden Tag. Und viele profitable Einzelaktien und ETFs dazu. "Hari Live" begleitet die Mitglieder intensiv durch den Börsentag.

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Charts des Sommers – US Biotechnologie – Von einer anderen Welt

Heute werfen wir bei den Charts des Sommers einen Blick auf das US Biotechnologie Segment. Während hier in Deutschland die viel zu kleinen und eher unterkapitalisierten Unternehmen eher vor sich hin krebsen, wurde in den US der grosse Kursturbo gezündet, angeführt von Schwergewichten wie Gilead Sciences (WKN 885823).

Ich zeige Ihnen die Entwicklung des Sektors anhand des US ETFs IBB. "The Sky is (not) the Limit" kann man da nur sagen:

IBB 16.07.13

Auch diese Entwicklung ist an den meisten deutschen Anlegern vorbei gegangen, die sich in der Zeit lieber mit der Commerzbank-Aktie und anderen "Fallen Angels" mit ihren vergangenen Geschäftsmodellen vergnügt haben.

Dabei existiert da direkt vor unserer Nase ein neuer langfristiger Bullenmarkt, der das Potential hat "der" Bullenmarkt des 21. Jahrhunderts zu werden. Denn die Fortschritte die im Bereich Biotech gemacht werden, sind teilweise beeindruckend und ich versteige mich hier sogar zu der Vermutung, dass ich zu der letzten Generation der Menschheit gehöre, die noch regulär im normalen hohen Alter sterben wird.

Wer es sich leisten kann, wird vielleicht schon in wenigen Jahrzehnten weitgehend gesund ein dreistelliges Alter erreichen können. Und das wird die Welt umkrempeln. Es wird neue Chancen und neue Risiken generieren. Es werden daraus grosse Vorteile und grosse Nachteile erwachsen. Die Logik des alten "Erwerbslebens" wird in Folge nicht mehr funktionieren. Und es wird deswegen soziale Verwerfungen geben und möglicherweise auch bewaffnete Konflikte um den Zugang zu lebensverlängernden Methoden. Das Zeitalter des technologisch "verbesserten" Menschen steht auf jeden Fall kurz bevor. Und auch wenn es mit Sicherheit eine grosse, emotionale Ablehnungsfront dagegen geben wird - jeder denkt dann direkt an Frankenstein - werden sich die Vorteile, die das Individuum daraus generiert, letztlich durchsetzen.

Ist das eine "schöne" oder "bessere" Welt als heute ? Nein, nicht notwendigerweise, weder das eine noch das andere, einfach eine "andere". So war es mit dem Fortschritt schon immer. Ich kenne das Frösteln, das viele zB bei dem Gedanken an "Human Enhancement" empfinden und ich kann das gut nachempfinden, auch ich habe da ein komisches Gefühl und denke direkt an StarTrek und Khan Noonien Singh. Aber dieses Frösteln und die Angst vor einer anderen Welt als der, die man selber versteht, haben die Menschen ebenso empfunden als das "Feuerross" durch die Prärie fuhr, wie es heute auch ältere Menschen empfinden, die in der Welt der Apps und Gadgets nicht mehr zurecht kommen. Und auch heute gilt, die heutige Welt ist nicht notwendigerweise besser als die unserer Grosseltern, sie ist aber auch nicht perse schlechter, sie ist anders. Die moralische Integrität der handelnden Menschen ist sowieso der weit wichtigere Faktor für eine lebenswerte Welt, als die Frage mit welcher Technologie sie das tun.

Und mitten drin in dieser Entwicklung stehen auf der einen Seite die Biotech Firmen. Und auf der anderen Seite die Unternehmen, die im Sinne Cyborg, elektronische Tools mit dem menschlichen Körper verbinden. Auch diese Entwicklung ist schon im Gange und gerade in der jungen Generation gibt es vielfach eher wenig Ablehnung beim Gedanken an nützliche Implantante, es hat sich sogar schon so etwas wie eine Ästhetik für diese Art "verbesserter" Menschen entwickelt.

Aber wie auch immer man dazu steht - ich gehöre mit meiner vorsichtig, skeptischen Offenheit da sicher eher zu einer Minderheit, der Konsens gerade in Deutschland dürfte totale Ablehnung sein - diese Entwicklung wird in meinen Augen mit hoher Sicherheit einer der bedeutendsten Trends des laufenden Jahrhunderts werden. Am Ende wird wohl eine andere gesellschaftliche Definition von "Mensch" stehen, als wir sie heute haben. Und die Biotech Industrie wird auch ihren Anteil an dieser Entwicklung haben und dabei jede Menge Geld verdienen.

Jetzt ist das eher noch Zukunftsmusik und die heutige Biotech-Industrie kann man eher noch als klassische "Arzneimittel-Industrie" beschreiben. Ich wollte mit den obigen Gedanken auch nur klar machen, welche massiven, lang laufenden Trends hinter diesem Thema stehen. Ein Thema, dem sich die Menschheit so oder so in diesem Jahrhundert wird stellen müssen.

Wer aber heute in einem langfristigen Bullenmarkt sein will, in dem es noch primär um die Heilung von Krankheiten geht und der insofern moralisch unbedenklich ist, kommt um den Biotech-Sektor einfach nicht herum. Natürlich wird es immer wieder scharfe Korrekturen geben, vielleicht schon morgen. Und ob heute der ideale Zeitpunkt ist um in den Markt einzusteigen, darf nach diesem Anstieg bezweifelt werden. Aber irgendwann sollte man wohl den Einstieg finden.

Da es in Deutschland (noch) keine spezialisierten ETFs gibt, erscheint mir dabei die Aktie von BB Biotech (WKN: A0NFN3) noch die sinnvollste Alternative, letztlich handelt es sich bei der Aktie vom Charakter her um einen von Branchenspezialisten aktiv gemanagten Fond.

Wert beobachtet zu werden ist dieser Sektor aber allemal. Da spielt die Zukunft und wir hier im Premium-Bereich von surveybuilder.info, werden uns dem Thema regelmässig widmen.

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surveybuilder.info Tops und Flops 2012

Liebe surveybuilder.info Community,

ich will mich nun zu einem Jahresrückblick auf die Tops und Flops dieses Blogs im Jahr 2012 hinreissen lassen. Es gehört ja zu den eher fragwürdigen Gepflogenheiten vieler die wirtschaftlich von Aktienempfehlungen leben, sich am Ende des Jahres selber zu loben ob der vermeintlich so perfekten Voraussagen. Ist ja auch verständlich, der Anschein guter Prognosen ist Grundlage des Geschäftsmodells.

Das funktioniert auch ganz gut, weil man dabei auf die Vergesslichkeit der Menschen setzen kann, denn wer macht sich die Mühe mal das Vergangene zu lesen und zu überprüfen, ob da die Welt mit dem Marketingpinsel nicht arg zu rosa gepinselt wurde ? Was ich grundsätzlich von der Prognoseindustrie halte, habe ich ja schon in meiner -> Anlagephilosophie <- deutlich gemacht.

Auch empririsch dürfte schnell klar sein, dass wir es hier eher mit einer rosa gefärbten Marketing-Veranstaltung zu tun haben. Denn wir haben ja auf der einen Seite die öffentlichen Fonds, deren Performance für jederman eindeutig nachzulesen ist. Die weit überwiegende Mehrheit dieser Fonds - durchweg geführt von Profis, denen weit bessere Daten- und Nachrichtenquellen zur Verfügung stehen als uns - schafft es nicht das relevante Marktsegment zu schlagen. Auf der anderen Seite haben wir die "Prognoseindustrie", die nach eigenen Angaben im Nachhinein natürlich immer ganz tolle Performance mit ihren "Empfehlungen" erzielt. Kann man ja auch leicht behaupten, weil es sowieso niemand überprüfen kann.

Beides könnte nur dann zusammen passen, wenn in den öffentlichen Fonds alle Idioten versammelt sind und in der "Prognoseindustrie" dagegen die ganz grossen Marktempathiker. Entscheiden Sie selber, ob das eine realistische Annahme ist. 😉

Ich möchte mich daher so weit das geht mal an einen einigermassen objektiven Jahresrückblick heran wagen. Ich bin durch die Titel aller meiner Artikel des Jahres 2012 durchgegangen und habe die heraus gepickt, in denen ich mich im Titel zu einer Aktie oder dem Markt mit deutlicher Tendenz geäussert habe. Um diesen Jahresrückblick nicht ausufern zu lassen, beschränke ich mich auf die Themen die mir einen eigenen, vollen Artikel wert waren und gehe über Teilanalysen innerhalb grösserer Artikel oder über die Livetips hinweg. Eine Berücksichtigung dieser Menge an Detail-Informationen würde den Rahmen sprengen.

Aber auch alleine mit dieser Selektion bekommt man ein ganz gutes Bild darüber, was im Nachhinein auf surveybuilder.info treffend war und was nicht. Ich habe daher jeden Fall in die Kategorie TOP oder FLOP eingeordnet, je nachdem ob die Aussagen des Artikels im nachhinein treffend waren oder nicht. Die Fälle im Graubereich die weder eindeutig in die eine oder andere Richtung ausschlugen, habe ich der Übersichtlichkeit wegen weggelassen. Und anhand der von mir genannten Daten, können Sie die alten Artikel aus dem Archiv ziehen und selber überprüfen, ob Sie meine Einschätzung teilen oder nicht. Insofern ist der folgende Rückblick wenigstens halbwegs objektiv.

Soweit der Vorrede, hier kommen die wesentlichen Tops und Flops dieses Blogs in 2012:

FLOP 16.01.12 "Cameco Weltmarktführer in Uran": Ich hatte Ihnen Cameco vorgestellt, verbunden mit der Erwartung, dass sich der Uranpreis in 2012 nachhaltig erholt. Auch wenn der Trade kurzfristig für ein paar Wochen gut funktioniert hat, hat sich die generelle Annahme als unzutreffend heraus gestellt. Der Kurs von Cameco war das ganze Jahr in einer Seitwärtsrange und dümpelt heute auf ähnlichem Niveau wie vor fast einem Jahr herum.

TOP 17.01.12 ff "Zur Taktik in Bullenmärkten": Einer der bedeutendsten Treffer diesen Jahres war es, die Tendenz der ersten drei Quartale frühzeitig und eindeutig zu erkennen, lange bevor die Mehrheit auf den Zug aufgesprungen ist. Nur mit dem 4. Quartal konnte ich nie so richtig "warm" werden, hier fehlte mir zuletzt die klare Tendenz. So habe ich schon am 17.01.12, mitten in der anhaltenden Depression nach dem 2011er Absturz, von einem Bullenmarkt gesprochen und Sie erinnern sich sicher an die zahllosen Artikel im ersten Quartal zum laufenden "Runaway Move", eine Sicht die in der breiten Presse erst sickerte, als die Bewegung im März schon wieder dem Ende zu ging.

TOP und FLOP 24.01.12 "Temenos - Chancen mit Bankensoftware": TOP war das insofern, als die Aktie kurz nach der Besprechung durch die Übernahmegespräche mit Misys zu einem gewaltigen Höhenflug ansetzte. Wer drin war und mit Stop absicherte, konnte schnelle und schöne Gewinne mitnehmen. FLOP insofern, als es danach nicht weiterging und die Aktie nach Scheitern der Fusion für den Rest des Jahres nicht mehr richtig ans Laufen kam.

TOP 26.01.12 "Kaufpanik oder das Reh im Scheinwerferlicht"und 01.02.02 "Zur Technik eines "Runaway Move": Weitere Beispiele für die klar erkannte Richtung des ersten Quartals. Weitere Zitate der zahllosen Artikel zum Thema übergehe ich im folgenden.

TOP 30.01.12 "Hecla Mining - Seriosität in Silber": Das ist ein Top mit Einschränkung. Das Timing war nicht ganz perfekt und es ging nach dem Artikel noch etwas weiter runter. Aber die Tendenz und grundlegende Sicht war richtig und ist es heute fast ein Jahr später immer noch.

TOP 02.02.12 "Vom Elend der Charttechnik und der Börsenkultur - Eine Wutrede": Hier habe ich mich mit spitzer Zunge über die vier Chartisten mokiert, die zum Frankfurter Gespräch beim Handelsblatt zusammen kamen. Meine Erwartung, dass die Aussagen der Herren eher Kontraindikatoren sein werden, hat sich in den folgenden 2 Monaten perfekt bewahrheitet. Auch 2013 freue ich mich schon wieder auf diesen recht zuverlässigen Kontraindikator. 😉

06.02.12 "Das Beste für Griechenland - ein Kommentar aus tiefstem Herzen": Tja, Top oder Flop ? Eigentlich bin ich immer noch dieser Ansicht und die seitdem vergangenen 10 Monate haben die Sicht auf Griechenland ja wiederholt bestätigt. Da die Politik den von mir gewünschten Weg aber nicht eingeschlagen hat, ist es müssig zu spekulieren ob das wirklich der bessere Weg gewesen wäre. Ich glaube es noch immer.

TOP 13.02.12 "Tesla Motors - die Zukunft des Automobils": Ein Top mit Einschränkung. Tesla setzte nach dem Artikel zu einer gewaltigen Rally an, die schnell 20% Plus brachte. Der Rest des Jahres war dann aber eher volatile Seitwärtsbewegung und aktuell steht Tesla einige Prozent höher als Anfang diesen Jahres.

TOP 14.02.12 "ThyssenKrupp - Vom Donnerhall zum Anlagenbauer": Die deutlich artikulierte sehr negative Sicht auf die Aktie und insbesondere auf die verantwortlichen Organe rund um Gerhard Cromme war mehr als treffend, wie der weitere Verlauf des Jahres ja nachhaltig bewiesen hat.

TOP 01.03.12 "Aixtron - ein Management im Blindflug": Während die diversen Medien noch der Hoffnung bei Aixtron das Wort redeten, habe ich mich in deutlichen Worten über ein Management mokiert, das öffentlich über Hoffnung für die zweite Jahreshälfte daherredet, gleichzeitig aber mit dem eigenen Geld nicht bereit ist auf das eigene Unternehmen zu setzen. Die weitere Entwicklung des Jahres hat dieser negativen Sicht mehr als Recht gegeben. Nun redet keiner mehr über Aixtron. Sollten jetzt Insiderkäufe kommen, dürfte das ein Einstiegssignal sein.

"05.03.12 "Salzgitter – Kaufgelegenheit ?": Auch wenn die grundlegende Erwartung bei Salzgitter sehr treffend war und eher unter die Kategorie "Top" fallen würde, war das folgende Kurs-Loch, obwohl prinzipiell antizipiert, dann doch tiefer als erwartet. Kurse unter 30€ konnte ich mir damals nicht vorstellen. Insofern keine eindeutige Bewertung für diesen Punkt.

FLOP 05.03.12 "China und die Rohstoffe": Auch wenn vieles in dem Artikel treffend war, hat sich die grundlegende Annahme, dass die Rohstoffnachfrage aus China wieder ans Laufen kommt doch als unzutreffend heraus gestellt. Mit den im Artikel genannten Aktien liess sich in 2012 kaum Geld verdienen und Rio Tinto notiert zum Beispiel aktuell wieder auf dem Niveau von Anfang März. Es spricht zwar viel dafür, dass sich das in den kommenden Monaten ändert, weil China endlich in Bewegung gerät. Für das letzte Jahr war das aber eindeutig ein Flop.

TOP 08.03.12 "Deutsche Bank - zerschlagt sie endlich !": Das Thema ist ja wohl aktueller denn je. Ich kann es nur wiederholen: zerschlagt sie endlich !!

TOP 27.03.12 "Vom Aufhören, wenn es am schönsten ist ...": Mit diesem Artikel habe ich mit perfektem Timing die Korrektur des zweiten Quartals ins Auge genommen, genau zu dem Zeitpunkt, als die bekannten Verdächtigen anfingen über DAX 8000 zu schwadronieren. Und hatte auch schon die Sommerrally im Auge. Lesen Sie doch einfach noch einmal. 🙂 Eine derartige Marktsicht war zu dem Zeitpunkt für mich woanders weit und breit nicht zu sehen. Erinnern Sie sich auch an die Umfrage am 28.03. ? Die Hälfte der Leser von surveybuilder.info wollte dieser Sicht auf das 2. Quartal auch nicht folgen, ein Quartal, in dem der DAX dann über 1000 Punkte gegenüber Ende März verlor.

TOP 30.03.12 "Warum ich Microsoft nun aus meinem Depot verbanne": Volltreffer. Der Artikel ist auch 9 Monate später unverändert gültig und auch das war eine Sicht, die man damals kaum irgendwo hören konnte. Seitdem ist Microsoft um 16% gefallen (32,4 -> 27) und die Verkäufe von Windows 8 sind genau so wie erwartet: schlecht. An so Themen sieht man dann doch, dass es einen Unterschied macht, wenn man sich in einem Segment sehr gut auskennt, was im Bereich Software bei mir durch berufliche Historie der Fall ist.

FLOP 17.04.12 "Daimler im Visier der Investmentbanken": Die von mir gesehenen Kaufoptionen bei den Investmentbanken hatten im Nachhinein keine Auswirkung. Keine Ahnung was damit passiert ist und wofür sie letztlich da waren. Die antizipierte Bewegung durch einen Einstieg eines Investors hat sich auf jeden Fall nicht realisiert, insofern klarer Flop.

TOP 09.05.12 "Bedeutende Wende bei den Goldminen": Am 16.05. - 5 Handelstage nach dem Artikel - markierte der GDX sein absolutes Tief bei 39,08 USD. Am 18.05. habe ich das unter der Überschrift "Gold und Goldminen bestätigen Wende !" noch einmal deutlich gemacht. Danach setzte der GDX langsam aber gewaltig zu einer Sommerrally an, die den GDX bis zum 21.09. auf 55,25 USD brachte, ein Anstieg von 41% in 4 Monaten, das darf man wohl Top nennen. 😉

TOP 12.06.12 "Kursziel 1400 im S&P500 ?": Mit einer technischen Betrachtung habe ich meine positive Sicht auf das dritte Quartal und die Sommerrally eingeläutet und am 15.06. mit "Cup&Handle im S&P500 kurz vor Aktivierung" verstärkt. Im Nachhinein war es tatsächlich so, dass der S&P500 sein absolutes Tief am 04.06. erreicht hatte. Diese Betrachtung, die auch schon DAX 7000 erwähnte während der DAX bei 6100 stand, war also sehr treffend.

29.06.12 "Ein historischer Tag - Das Ende Deutschlands, wie wir es kennen.": Top oder Flop ? Ich überlasse das Ihnen. Ich befürchte aber nach wie vor, dass ich völlig Recht hatte.

TOP 02.07.12 "US Kohlesektor - Monatelanger Abwärtstrend bald durchbrochen ?": Eher Top, aber nicht so eindeutig. Der Sektor definierte seinen absoluten Tiefpunkt am 26.07., insofern war die Annahme des Artikels grundlegend richtig. Seitdem ist der Sektor im Aufwärtstrend. Allerdings verläuft der Gegenanstieg bisher nicht so richtig überzeugend. Insofern ein verhaltenes Top.

FLOP 05.07.12 "Warum man die Porsche Aktie nun nicht mehr haben muss": Nach dem Artikel setzte der Kurs von Porsche zu einer massiven Rally an, insofern klarer Flop. Andererseits bin ich weiter von der inhaltlichen Sicht überzeugt, dass man in VW sein muss und nicht in Porsche, weil die Entwicklung des Porsche Kurses ein reines Lotteriespiel ist, auf das nur Herr Piech wirklich Einfluss hat. Als Aktionär sitzt man da sozusagen an einem gezinkten Kartentisch. Ich gebe mich nicht der Illusion hin zu durchdringen, was in der Porsche Bilanz alles passiert und nicht passiert. Und mit VW konnte man ja dann auch gutes Geld verdienen. Trotzdem, rein vom Kursverlauf her klarer Flop.

TOP 10.07.12 "Linde, SAP, ABB - drei substanzstarke Aktien, die ich nun für Buy&Hold interessant finde": Volltreffer. SAP seitdem 36% Plus. Linde 20% Plus. ABB 21% Plus. Und das alles in einem halben Jahr und ohne grosses Risiko bei sehr geringer Volatilität. Besser gehts kaum. Und ich halte alle drei Aktien auch für 2013 weiter für aussichtsreich.

TOP 18.07.12 "Wohin uns die Sommerrally führen könnte" und 19.07.12 "Dieser Bulle hat noch Kraft in den Lenden !": Eine im Nachhinein sehr treffende Sicht auf das 3. Quartal, inklusive der schon formulierten Erwartung der Herbststürme, die dann auch ab Ende September einsetzten.

TOP 31.07.12 "Aufbau eines Trades – Am Beispiel Silber": Zwischen dem Artikel und dem Hoch Ende September legte Silber eine 25% Rally hin.

TOP 08.08.12 "Goldminen – Erneut mit relativer Stärke gegenüber Gold": Nach dem Artikel legte der GDX innerhalb 6 Wochen eine 24% Rally hin.

TOP 28.08.12 "Chart der Woche – Hecla Mining": Nach dem Artikel legte HL innerhalb von nur 4 Wochen eine Rally von knapp 30% hin !

TOP 29.08.12 "Kurztipp – Kinross Gold": Nach dem Artikel legte Kinross innerhalb von nur 5 Wochen eine Rally von über 30% hin !

10.09.12 "Bijou Brigitte (522950) - Modeschmuck im Strudel der Eurokrise": Der mittelfristig angelegte Trade scheint zu funktionieren die Aktie steht nun über 10% höher als beim Artikel. Ein endgültiges Urteil will ich mir aber noch nicht erlauben.

FLOP 18.09.12 "Gold – Das für mich wahrscheinlichste Szenario der nächsten Wochen": Meine Leiden an Gold im 4. Quartal wurden hiermit eingeläutet. Und bis heute ist es so, dass ich auch im Nachhinein - auf Basis der damals vorhandenen Daten - an meiner Einschätzung keinen grundlegenden Fehler erkennen kann. Es ist trotzdem völlig anders gekommen und was mich am meisten irritiert ist, dass ich bis heute nicht verstehe warum. Insofern ist mein Edelmetall Trade des 4. Quartals für mich nach wie vor mein "Flop des Jahres !" Zwar habe ich dank gutem Risikomanagement da nur minimal Geld verloren, frustrierend waren die letzten 2 Monate aber schon.

21.09.12 "Marktanalyse - Wie wird das vierte Quartal für DAX, S&P500 und Co. ?": In dieser Marktanalyse scheinen die Schwierigkeiten des kommenden Quartals schon auf. Der Artikel ist auch Indikator dafür, dass ich mich im 4. Quartal nun schwerer tue den Markt "zu greifen".

FLOP 11.10.12 "Silber – Warum die Markttechnik nach einem bullischen Ausbruch riecht !": Auch hier setzt sich mein schlechter Edelmetall-Trade fort, der Kommentar zum 18.09.12 gilt auch hier. Da hat mich Mr. Market einmal kräftig an der Nase herum geführt.

TOP 14.10.12 "Marktupdate - DAX & Co.: Vom Weg des maximalen Schmerzes": Das war schon sehr prophetisch und die ersten zwei Phasen, inklusive des Tauchers unter 7000 im DAX, traten auch perfekt ein. Nur die ganz grosse Rally am Schluss über 8000 wurde uns verwehrt, ich bin aber recht sicher, ohne die Fiscal Cliff Verwirrung wäre die drin gewesen.

Mit Mitte Oktober will ich meinen Rückblick auch schliessen. Die weiteren Artikel sind in der Regel zu nahe an der Gegenwart um schon ein Urteil fällen zu können.

Abgesehen davon verschafft diese Liste auch so schon einen ganz treffenden Eindruck über das, was im Jahr 2012 auf surveybuilder.info.de gelaufen ist. Sicher musste ich vieles weglassen, insbesondere wichtige kleine Kommentare und Tips, um diesen Artikel nicht endgültig zu lang werden zu lassen. Trotzdem kann man nachvollziehbar sagen, dass das Jahr 2012 von vielen sehr guten Treffern geprägt war, die erhebliche Gewinne ermöglichten.

Insbesondere die in x Artikeln immer wieder konsistent thematisierte Marktsicht auf die grossen Entwicklungen der drei Quartale (Q1 bullisch, Q2 bärisch, Q3 bullisch), hat denen schöne Gewinne ermöglicht, die das verstanden haben. Dazwischen tummelten sich aber auch ein paar Flops, nobody is perfect. Würde mir jemand einen fehlerlosen Trackrecord präsentieren, würde ich es auch nicht glauben. Wir alle haben Fehleinschätzungen und niemand hat eine Kristallkugel. Der Unterschied ist, ob man daraus lernt und ob man in der Lage ist, die Risiken zu begrenzen.

Ich wünsche Ihnen allen einen guten Rutsch und uns weiter so viele Treffer in 2013 !

Ihr Hari

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Sentimentcheck DAX und Co. – 19.07.12 – Dieser Bulle hat noch Kraft in den Lenden !

Heute sehe ich im kostenpflichtigen Bereich eines meiner Börsen-Dienste die aktuellen Sentimentdaten der American Association of Individual Investors (AAII) und die lassen mich fast vom Stuhl kippen.

Das bullische Sentiment fiel in dieser Woche um absolut 8 Prozentpunkte von 30.2% auf 22.19% und erzeugte damit den grössten Rückgang seit Anfang April ! Absolut gesehen liegt das bullische Sentiment an der Wallstreet damit in der Nähe der Tiefststände seit 2009 und das in einer Woche, die eine beeindruckende Rally brachte.

Daraus lässt sich nur eine Schlussfolgerung ziehen: der Markt traut dem Braten nicht ! Und das ist aus Sentimentsicht sehr positiv für den Markt zu werten, denn eine Rally endet typischerweise in Euphorie und nicht mitten in grosser Skepsis. Wir klettern offensichtlich wieder eine steile "Wall of Worry".

Unterstrichen wird das positive Bild durch die Statistik. In den 6 Fällen in denen seit Beginn des Bullenmarktes im März 2009 das AAII bullische Sentiment unter 25% fiel, stieg der Markt im folgenden Monat um im Schnitt fast 5% ! Das ist ein Gewinner-Quote von 100% !

Ist diesmal alles anders ? Wir werden sehen. Aber es spricht aus Sicht des Sentiments viel für eine Wiederholung der 6 anderen Fälle seit 2009 und weiter steigende Kurse.

Unterstrichen wird das Bild auch vom Sentiment in Deutschland. Lesen Sie was Cognitrend dazu gestern zu sagen hatte. Das Fazit lautet: "Von Risikohunger keine Spur" und deckt sich damit mit den Sentimentdaten der Wallstreet.

Alles in allem haben wir vom Sentiment her also eine starke Indikation dafür, dass der Bulle der Sommerrally uns nach oben überraschen könnte. Kurzfristig gesehen, besteht eine Chance für einsetzende Gewinnmitnahmen am morgigen Freitag oder Montag. Wenn das Sentiment richtig liegt, wofür in meinen Augen viel spricht, wäre diese Korrektur aber eine Kaufgelegenheit mit Horizont von ein paar Wochen !

Schaut man aber über die nächsten Sommerwochen hinweg in den Herbst hinein, sollte einen die fallende Marktbreite, die im schon eine negative Divergenz zum S&P500 zeigt, nachdenklich machen. Insofern sollt man wohl auf der aktuellen Sommerparty tanzen, so lange sie dauert. Kürzere Tage, fallende Blätter und Herbststürme kommen garantiert, auch an der Börse !

Ich wünsche viel Erfolg und geniessen Sie den Sommer und die Sommerrally !

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