Macht eine langfristig passive Bluechip Strategie Sinn?

Der folgende Artikel erschien schon Donnerstag 11.12.14 15:20 in Hari Live und wurde zwecks Anonymisierung und Verständlichkeit für den freien Bereich überarbeitet

Im Forum gab es eine Frage, die ich hier ausführlich als Artikel beantworten will, weil mir das Thema von so allgemeinem Interesse zu sein scheint, dass es jeder wahrnehmen sollte.

Es ist die Frage eines Mitglieds, ob eine langfristig passive Bluechip Strategie Sinn macht, also sozusagen "Buy and Hold" mit Bluechips a la 3M, Johnson&Johnson, MC Donalds, Kellogg, Procter&Gamble und Co.

Die Anlage in solchen Werten wird ja in Deutschland von interessierter Seite gerne als "Value-Strategie" verkauft und erfreut sich grosser Beliebtheit. Kaum fängt jemand an sich mit Börse zu beschäftigen, hat er schon "Warren Buffett" und "Value" im Mund, es hört sich ja auch zu einfach und überzeugend an. So wie ein Baby als erste Worte typischerweise "Mama" und "Papa" sagen kann, sind "Warren Buffett" und "Value" die ersten Worte deutscher Anleger. 😉

Komisch nur, dass trotz dieses überzeugenden Konsens, nur die wenigsten an der Börse wirklich erfolgreich sind. Diese Divergenz zwischen eingängigem Erklärungsmodell und mangelndem Erfolg, sollte ja zum Nachdenken anregen, tut es aber erstaunlicherweise in der Regel nicht.

Wie ich darüber denke, habe ich im Artikel -> Gedanken zum langfristigen Vermögensaufbau und zum Zerrbild des Value-Investing <-
ausführlich dargestellt - ein Artikel, den ich Ihnen auch heute zum Lesen empfehle, falls sie ihn noch nicht kennen.

Nun also meine Antwort auf die Frage des Mitglieds:

Theoretisch (zu dem Begriff komme ich noch) ist es für 80-90% der Anleger tatsächlich am Besten, sich Bluechip-ETFs wie beispielsweise den iShares Global Titans (WKN: 628938) passiv ins Depot zu legen, diese dann unter Ausnutzung des Cost Average Effektes langfristig zu akkumulieren und gut ist es!

Denn Markt-Timing bekommt nur eine Minderheit hin, erfordert viel Wissen und vor allem Disziplin und Kenntnis der eigenen Psychologie. Und wir erleben ja hier auch immer wieder, dass es trotz meiner Hinweise und meiner offensichtlich brauchbaren "Glaskugel", trotzdem immer noch nicht einfach ist. Was soll da erst "Otto Normalanleger" sagen, der nur den Mainstream Nachrichten hinterher läuft und damit sowieso immer im falschen Moment agiert, wenn der Käse schon längst gegessen ist?

Bevor ich aber zum "theoretisch" komme, noch der Hinweis, dass die Annahme, dass immer die grossen Bluechips die Besten seien, in meinen Augen ein unzulässige Annahme ist. Unzulässig ist sie deshalb, weil selbst ein Betrachtungszeitraum von 20 Jahre für die generelle Aussage zu kurz ist.

Es waren in den letzten 20 Jahren diverse Entwicklungen, wie zuletzt die finanzielle Repression, die das Geld in Bluechips als Anleihenersatz getrieben haben und daher für eine Überperformance der "grossen Brummer" zum Gesamtmarkt gesorgt haben. Ich kann mir gut Szenarien vorstellen, in denen das in Zukunft anders sein würde.

Stellen wir uns zB mal einen massiven Umbruch wie das Aufkommen der Computer vor. Ich habe das jetzt nicht historisch überprüft, kann mir aber gut vorstellen, dass ein 20 Jahre gehaltener Korb der 1970er Bluechips aus der Vor-Computer-Ära, bis 1990 keineswegs eine Überperformance gegenüber einem Wachstums-orientierten Depot gebracht haben dürfte. Im Gegenteil, einige dieser Bluechips von 1970 waren in den 90ern aus dem Geschäft. So etwas machen halt Umbrüche.

"Past Performance is no indication for future results" - diese Weisheit gilt auch für die Überperformance der grossen Adressen an der Börse, die gerade in den letzten 5 Jahren eklatant gewesen ist. Wir wissen aber auch, warum das so war, das hat mit der Notenbank-Politik zu tun.

Und dass die 2008er Krise, die Bluechips nicht im Kern erschüttert hat und diese gestählt daraus hervor gingen, liegt eben am Charakter der Krise und kann nicht verallgemeinert werden. Ich kann mir auch ganz andere Umbrüche vorstellen, die die Geschäftsmodelle einiger der grossen Namen komplett in Frage stellen und einen "Game Changer" darstellen.

Kommen wir nun aber zu dem wichtigen Wort "theoretisch". Denn die Strategie funktioniert für Otto Normalanleger nur dann besser als jeder Timing-Versuch, wenn er dann aber wirklich durch dick und dünn dabei bleiben würde.

Genau das passiert aber fast nie! Theoretisch ist das alles immer ganz einfach, aber wer noch eine Erinnerung daran hat, wie sich das alles im 4. Quartal 2008 angefühlt hat, weiss was ich meine.

Der mediale Druck war immens. Alles schien zusammen zu brechen und tiefer ging an der Börse immer. "Otto Normalanleger" mit der Strategie einfach dabei zu bleiben, hat dann ganz lange durchgehalten aber irgendwann wurde der Druck zu gross und nachdem sich 50% der angesparten Alterversorgung in Luft aufgelöst hatte, hat er dann doch entnervt verkauft - wahrscheinlich Anfang 2009 auf dem Tiefpunkt.

So ist das immer bei den grossen Einbrüchen. Theoretisch ist "Buy and Hold" immer ganz einfach. Praktisch aber brutal schwierig, ausser man zieht sich in eine Holzhütte im Wald zurück, ohne Internet-Zugang und ohne Zeitung.

Das Verrückte dabei ist, um so eine Phase mit "Buy and Hold" durchzustehen, braucht es einen erfahrenen Anleger, der so etwas schon erlebt hat. Es braucht also einen börsengestählten Geist, der ein Gefühl für Marktschwingungen hat. Denn erst aus der Erkenntnis dieser Mechanismen, erwächst das Selbstbewusstsein und die Ruhe, solche Phasen durchzustehen. Ein Anfänger hat gar keine Chance, er wird immer im falschen Moment in Panik geraten und das Falsche tun.

Heisst mit anderen Worten, wer Buy-and-Hold nicht mit einem monetären Pipifax, sondern mit seiner für das weitere Leben eminent wichtigen Alteicherung!!! durchstehen will, muss entweder die Aussenwelt komplett aussperren können oder er muss das Wissen zu den Märkten aufgesammelt haben, das ich hier vermittele. Ohne die Sicherheit, die aus dem Wissen kommt, wird der durchschnittliche Anleger genau am Tiefpunkt die Nerven verlieren - das ist die zwangsläufige Folge der Reflexivität der Märkte.

Wenn man aber das Wissen um so Zyklen und um Risikomanagement sowieso aufgesammelt hat, fährt man emotional besser damit, wenn man sein "Blue Chip Buy and Hold" mit einem ganz trivialen Risikomanagement unterlegt, wie zum Beispiel die 200-Tage-Linie zu benutzen. Womit es eben kein "Buy and Hold" mehr ist, sondern aktives Markt-Timing, wenn auch ein sehr langfristiges und ruhiges.

Selbst wenn diese Risikomanagement-Strategie langfristig mal keine echte Überperformance gegenüber sturem Buy-and-Hold generieren sollte, ist sie für die menschlichen Anleger trotzdem besser, weil sie das emotionale Kapital schont. Es ist fühlt sich einfach besser an, wenn man sich in den Zeiten der schlimmsten Ängste der Welt einfach zurück lehnen kann, weil man seine Schäflein ins Trockene gebracht hat.

Fazit:

Ja, die grosse Mehrheit der normalen Anleger, fährt mit einer langfristigen Basis-Strategie, die mehr oder weniger dem Markt folgt, wahrscheinlich besser, als mit dem Versuch den Markt intensiv zu timen. Damit das überhaupt gelingen kann und damit man nicht im falschen Moment genau das Falsche tut, braucht es aber zwingend die Sicherheit, die nur aus einem Verständnis des Marktgeschehens resultieren kann.

Es führt in meinen Augen also kein Weg daran vorbei, sich mit den Mechanismen des Marktes zu beschäftigen, sonst hält man die grossen Krisen in der Regel schlicht nicht aus. Das ist der Unterschied zwischen Theorie und langfristiger Praxis.

Ich kann es auch etwas flapsiger formulieren: Eine schwere Weltkrise mit der immens wichtigen, grossen Alteicherung auszusitzen, schafft in der Regel nur ein Autist, oder ein sehr erfahrener Anleger mit guten Nerven und viel innerer Sicherheit, die aus Erfahrung resultiert.

Letzter, der sehr erfahrene Anleger, kann es sich aber leichter machen, denn mit der Erfahrung hat er dann auch das Wissen um ein zumindest rudimentäres Risikomanagement. Und selbst wenn das am Ende keinen monetären Vorteil bringen sollte, lebt es sich mitten in der Krise beschwingter und glücklicher, wenn man mit seiner Alteicherung an der Seitenlinie steht.

Es führt also kein Weg daran vorbei, nur wer den Markt wirklich versteht und das Geschehen einordnen kann, hat eine Chance - egal mit welcher Strategie, ob kurzfristige Trades oder langfristige Anlage. Alle anderen werden von ihren Emotionen in Verluste getrieben.

Und "den Markt zu verstehen" erfordert Zeit und Engagement. Mal schnell was lesen und sich zusammen reimen, reicht einfach nicht aus, dafür sorgt alleine schon die -> Reflexivität <-.

So weit meine Sicht auf die Dinge.

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General Electric – Ruhige Trendfolge mit grossen Chancen

Der Markt ist schon weit gelaufen und es wird immer schwerer, noch Bluechips mit attraktiver Bewertung und Potential zu finden. Viele fangen dann an, bei den Nebenwerten zu graben und da findet sich ja manchmal auch ein unerkanntes Juwel. Dummerweise kann es gerade bei Nebenwerten aber auch immer sein, dass sich das vermeintliche Juwel als Absturzkandidat herausstellt - wenige Tage vor einer katastrophalen Adhoc-Meldung. Je kleiner die Unternehmen, desto grösser sind diese unwägbaren Risiken.

Da wäre es doch schön, wenn es noch klassische Bluechips gäbe, die faire Bewertung mit langfristigem Potential verbinden. Und ich glaube, so ein Aktie könnte man vielleicht mit dem US Industrieriesen General Electric (WKN: 851144, GE) finden.

Über GE viel zu erzählen, wäre Eulen nach Athen zu tragen. Klar ist auf jeden Fall, dass man damit eine Wette auf die amerikanische Konjunktur kauft und nebenbei bei unzähligen Infrastruktur-Projekten in der Welt verdient. Seine Abhängigkeit von den Finanzgeschäften bei GE Capital - die GE 2008 in das tiefe Loch zogen - hat der Konzern auf jeden Fall konsequent verringert. Und die Bewertung ist weiterhion nicht übertrieben und bietet eine Menge Potential nach oben.

Besonders attraktiv ist aber auch das Chart, das ich Ihnen hier mit Wochenkerzen zeige:

GE 17.03.14

Sie sehen perfekte Aufwärtstrends seit 2009 bzw 2011 und ein Trade im Sinne der Trendfolge, könnte bei GE vielleicht nun mittelfristig schöne Chancen ins sich bergen.

Das OBV Volumen bestätigt den Trend auf jeden Fall und im Chart ist kein Indiz dafür zu sehen, dass der Trend nun gerade jetzt brechen wird. Im Gegenteil, die Chancen, dass die aktuelle Konsolidierung eine Kaufgelegenheit ist, sind klar vorhanden.

Wer davon ausgeht, dass die Weltwirtschaft keinen grossen Einbruch erleidet, sondern sich eher langsam wieder nach oben bewegt, findet in GE eine Gelegenheit, diesem Trend mit ruhiger Hand zu folgen.

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Aufwärtstrend bei chinesischen Bluechips – Update

Vor drei Wochen hatte ich Sie hier unter dem Titel -> Die kaum beachtete Rally in China <- auf die Geschehnisse in China hingewiesen, die hier in Deutschland kaum bemerkt werden und sich besonders an den in Hongkong notierenden, grossen chinesischen Bluechips manifestieren.

In dem Artikel hatte ich es für wahrscheinlich erklärt, dass sich zunächst eine Korrektur im Hang Seng China Enterprise Index (HSCE) bis zur Trendlinie anschliessen würde, bevor eine Chance auf Trendfortsetzung besteht.

Genau das ist nun passiert und der HSCE sitzt nach einigen schwachen Tagen nun bald auf der Trendlinie auf.

Womit sich nun attraktive Szenarien für einen Trade ergeben, je nach Wahl in Richtung des Trends oder mit einer Wette dagegen. Ich persönlich gebe der Trendfortsetzung deutlich grössere Chancen.

Allerdings wissen wir ja, dass uns Mr. Market das Leben gerne schwer macht. Insofern hat ein Szenario gute Chancen, nachdem der HSCE zunächst zur 50-Tage-Linie (blau) durchtaucht und einen Bruch der gezeichneten Trendlinie simuliert, bevor er dann doch wieder nach oben dreht. Defacto würde das einen erneuten Retest von oben der Ausbruchszone aus dem fallenden Abwärtstrend bedeuten. Denn genau dort liegt auch aktuell die 50-Tage-Linie. Dieser Retest von oben ist auch etwas, was Kurse gerne noch einmal machen, bevor sie dann endgültig nach oben wegdrehen.

Deshalb möchte ich daran erinnern, dass Trendlinien nur einen Trend visualisieren, ihn aber nicht definieren. Definiert wird ein Trend durch immer höhere Tiefs und höhere Hochs. Und endgültig gebrochen wäre der neue Aufwärtstrend deshalb auch erst dann, wenn die Tiefs von Ende August unterschritten würden - und die sind noch weit entfernt.

Ein erstes Warnsignal wäre es aber trotzdem, wenn der HSCE nun nicht die Kraft findet, bald wieder nach oben zu drehen. Geschieht das aber nun "auf den Punkt" im Bereich zwischen Trendlinie und 50-Tage-Linie, dürfte ein neues Verlaufshoch ganz schnell auf der Agenda stehen. Ich werde deshalb nun aufmerksam nach einem Swing Low Ausschau halten, das eine Trendfortsetzung indizieren würde.

HSCE 01.10.2013

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Charts des Sommers – Apple mit langfristiger Bodenbildung ?

Inhaltlich etwas zu Apple (WKN: 865985) zu sagen, ist der Versuch Eulen nach Athen zu tragen. Das Unternehmen gehört immer noch zu den best beobachteten der Welt und es gibt nichts, absolut nichts, was man da als aussen stehender Beobachter Sinnvolles hinzu fügen könnte, das nicht schon geschrieben worden wäre. Deswegen lasse ich es auch, das langweilt nur.

Aber es macht Sinn auf den Chart zu schauen, denn der subsummiert die Erwartungen, Wünsche und Hoffnungen all dieser Marktteilnehmer.

Und dieser Chart signalisiert gute Chancen dafür, dass Apple nun etwas unter 400 USD im zweiten Quartal einen Boden gefunden hat. Sehen Sie selbst im Chart seit Mitte 2012 mit Tageskerzen:

Apple 30.07.13

Sie sehen auch, dass der Kurs um die Bodenbildung abzuschliessen und die Wende zu bestätigen, bis nahe an 500 USD heran, also zum grünen Stern, laufen sollte. Solange das nicht geschieht, ist auch eine Seitwärtsbewegung ebenso wahrscheinlich.

Aber trotz dieser Unsicherheit könnte die Aktie wieder einen Blick wert sein. Denn der entscheidende Mitbewerber Samsung hat ja zuletzt gezeigt, dass auch er nur mit Wasser kocht und Microsoft/Nokia kommen auch nicht so richtig vom Fleck.

Und die Sorgen über potentiell sinkende Margen, nachlassende Innovationskraft und einen Smartphone-Markt der seinen Zenit überschritten hat, sind ja nun teilweise im Kurs - deshalb steht Apple da, wo es aktuell steht.

Der nächste grosse Markt wird mit Sicherheit die Integration "smarter Geräte" in Kleidung und auch Körper. Das was wir heute als Smartphone in der Hand halten, wird in 10 Jahren in Form spezialisierter Geräte Teil unserer "intelligenten" Kleidung oder angeflanscht an unseren Körper sein. Und Apple hat mit seinem Ruf und seiner Qualität die allerbesten Chancen auch diesen Markt zu dominieren. Eine "iWatch" ist da nur ein klitzekleiner Startpunkt in diese Richtung. Denn je näher die technischen Geräte unserem Körper kommen und je mehr diese mit uns integriert agieren, desto stärker werden wir Menschen dabei auf Qualität und Design wert legen, genau die Bereiche, in denen Apple unangefochten führt.

Und wer heute noch von dem K+S Desaster geschockt ist, dem möchte ich sagen: lassen Sie sich davon nicht den Blick verstellen und hinter jedem Baumstamm ein K+S Szenario erwarten. Solche Situationen wie heute sind die absolute Ausnahme bei Bluechips in den grossen Indizes. Es gibt sie ebenso, wie es scharze Schwäne gibt, aber man sollte die Ausnahme nicht zum Massstab der Wahrscheinlichkeiten machen, dann sollte man sowieso besser den Tag im Bett bleiben. 😉

Ganz rational sieht dieser Chart für mich durchaus chancenreich aus. Und auch hier sind die Stops ganz klar definiert und falls Apple mal wie K+S zum Handelsstart um 20% fallen sollte, dann hat es wahrscheinlich irgendwo einen Atomkrieg gegeben, denn selbst der Tod von Steve Jobs hat das nicht vermocht. Das ist das Restrisiko, mit dem wir halt leben müssen, wenn wir uns im Aktienmarkt bewegen.

Allerdings ist auch klar, dass grosse Gewinne bei Apple wahrscheinlich nur dann drin sind, wenn Tim Cook beweisen kann, dass dem Konzern auch ohne Steve Jobs die Innovationskraft erhalten geblieben ist. Wird dieser Beweis nicht endlich diesen Herbst angetreten, hat man zwar immer noch keine grossen Risiken nach unten, aber wohl auch begrenzte Chancen nach oben.

Ihr Hari

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Zeitenwende an den Märkten ? Von steigendem Gold und fallenden Bonds und Bluechips

Monatelang haben sich die Märkte - befeuert durch die Liquidität der Notenbanken - immer weiter nach oben bewegt. Der Trade war immer der gleiche, Long weltweite Bluechips insbesondere Nahrung und Healthcare, Long Nikkei, Short Gold.

Nun passieren aber seit einigen Tagen bemerkenswerte Dinge unter der Oberfläche der Märkte. Wir haben steigende Bondrenditen, in Japan wie in den USA. Gerade die langlaufenden US Bonds haben nun Chartstrukturen, die dazu verleiten den Hinterkopf zu kratzen und sich zu fragen, ob die "Great Rotation" nicht schon längst begonnen hat.

Und wir hatten nun erste Einbrüche bei den oben genannten Bluechips. Coca-Cola oder Procter & Gamble waren gestern über 2% im Minus. Das passiert nicht alle Tage und das der S&P500 sich trotzdem gut hielt, verbirgt nur hinter einer Fassade, dass unter der Oberfläche massive Umschichtungen im Gange sind.

Aber auch der Nikkei hat erste Einbrüche erlebt und der Rebound wurde an den beiden letzten Handelstagen wieder verkauft, was für eine grössere Topbildung spricht.

Passend dazu haben die Gold- und Silberminen gestern eine gewaltige Rally hingelegt. Hecla Mining (WKN: 854693) stieg alleine 11%, der GDX um 4,6%. Und Gold zieht heute in der Frühe nach, über Nacht wurde die hart umkämpfte 1400 USD Marke geknackt, über die ich hier so viel geschrieben habe.

All das sind Indizien, dass eine Zeitenwende an den Märkten bevor stehen könnte. Zeit dafür wäre es ja allemal ! Man beachte dabei aber auch bitte den Konjunktiv. 😉

Denn ich warne davor, zu schnell und zu überzeugt auf den Zug der Wende aufzuspringen. Ein derart starker Bulle wie wir ihn nun hatten stirbt nicht einfach mal "so eben". Das ist eher ein langwieriger, quälender Prozess der immer wieder von Gegenbewegungen unterbrochen wird. Solange aber die tieferen Hochs von Vorgestern nicht nach oben geknackt werden, bleibt die Topformation auf der Agenda und der Markt nervös. Anders herum ist aber nicht wirklich etwas passiert, solange der Leitindex S&P500 die 1600er Marke nicht nachhaltig nach unten durchschlägt. Ich hatte das ja -> hier < - ausführlich dargestellt warum und wieso.

Auch Markt- und Charttechnisch gibt es eine Reihe von Indikatoren, die zur Vorsicht mahnen. So wird im Moment im Markt viel über das "Island Reversal" geredet, das Vorgestern auftrat und das oft einen Top indiziert. Aber eben nur oft und wir wissen ja, wieviel diese technischen Parameter in den letzten 6 Monaten im Lichte der Steroide der Notenbanken wert waren: wenig bis nichts ! Hierzu gibt es im amerikanischen ein Sprichwort, das es gut trifft: "It doesn´t matter, until it matters." 😉

Auch hier lassen Sie sich also nicht von den ganzen Meinungsverkäufern mit Glaskugeln ins Boxhorn jagen, die vermeintliche Sicherheit in eine Richtung verbreiten. Das ist eine opportunistische Masche und die wissen es selber nicht und sind auch nur hinterher mit klugen Sätzen da. Mitten im Schlachtengetümmel ist da nur das grosse Schweigen.

Tatsache ist, dass die Märkte Signale senden die eine Zeitenwende nun möglich erscheinen lassen und zur Vorsicht mahnen. Tatsache ist aber auch, dass diese Zeitenwende erst vollzogen ist, wenn sie vollzogen ist. Und dafür braucht es mehr als ein gehyptes Island Reversal und ein paar Tage an denen die alten Trends in die Gegenrichtung laufen.

Denn Tatsache ist auch, dass die Notenbanken weiter drucken und dass der Markt voll ist mit Marktteilnehmern, die diese Rally verpasst haben und nur deshalb nun bärische Weissagungen produzieren, weil sie sich nichts sehnlicher wünschen, als das die Kurse Ihnen noch einmal einen Einstieg ermöglichen. Genau aus dieser Ecke kommt dann aber auch das Futter, dass jeden Dip kaufen lässt und so jede Korrektur sehr flach hält. Deutlich wird das erneut von den Erhebungen von unterstrichen, denn das Bärenlager ist erstaunlich gross und der Markt damit weit von einer euphorischen Überdehnung entfernt.

Die Zeitenwende ist also erst dann vollzogen, wenn dieses "Buy the Dip" aufhört. Im Moment ist das nicht der Fall, wie erst gestern erneut der S&P500 gezeigt hat. Und wie wir wissen, zählt im Markt das was ist und nicht das, was man sich wünscht oder erwartet.

Im Moment ist es also primär unsere Aufgabe wachsam und neutral zu sein. Statt uns von "Gurus" einen Bias in die eine oder andere Richtung aufdrücken zu lassen, müssen wir unsere Energie darauf verwenden zu beobachten. Was macht der Markt, kommt "Buy the Dip" wieder und wann ist die Wende vollzogen ?

Was wichtige Marken und Indikatoren sind, um die Lage bei S&P500, DAX, Bonds, Gold und Goldminen zu beurteilen, will ich im Folgenden mit den Premium-Mitglieder besprechen.

Und als Folge der neuen Lage auch Änderungen im Setup-Monitor vornehmen und zwei neue, erfolgsversprechende Setups aufnehmen:

Weiterlesen ...Zeitenwende an den Märkten ? Von steigendem Gold und fallenden Bonds und Bluechips

DAX Marktanalyse – Geht die Rally weiter ? – DAX 8000 bald erreicht ?

Heute Abend im späten Handel der Wallstreet und nach Handelsschluss im DAX, möchte ich mit Ihnen meine aktuelle Sicht auf das grosse Bild der Märkte teilen.

Gehen wir die wesentlichen Punkte doch einmal Punkt für Punkt durch:

(1)

Kurzfristig ist der Markt überkauft und muss konsolidieren oder korrigieren. Wie der Markt auf einen überkauften Zustand reagiert, sagt viel über dessen innere Stärke aus. Und dieses Bild ist bisher positiv. Alles was bisher diese Woche passiert ist, ist bestenfalls eine milde Konsoliderung, die bullisch zu werten ist. Wir wissen alle, das sich das jede Minute ins Negative ändern kann, aber herum zu raten hat keinen Wert und bis jetzt ist es, wie es ist.

(2)

Mittelfristig hat der DAX die Hochs von 2011 hinter sich gelassen und es fehlt nicht mehr viel, um auch die historischen Hochs von 2007 bei über 8000 zu erreichen. All zu schwierig sollte das sowieso nicht sein, da der DAX ein Performance-Index ist und also selbst auf den historischen Hochs defacto noch 10-15% weniger Wert besitzt als 2007, nämlich genau in der Höhe der seitdem geflossenen und in den DAX eingerechneten Dividenden.

Ich kann im langfristigen Wochen-Chart des DAX im Moment nichts erkennen, was zwingend eine Topbildung indiziert. Sicher haben wir eine kleine negative Divergenz im RSI, die man aber in dieser Höhe des RSI nicht überwerten muss. Auch 2011 erreichte der RSI seinen Höchststand Monate vor dem endgültigen Top des DAX.

Schauen Sie mit mir doch mal auf das langfristige Wochenchart des DAX seit 2006, um dieses Bild zu unterstreichen:

DAX 10.01.13 master

Das für mich aus dem Chart heraus wahrscheinlichste Szenario habe ich eingezeichnet. Und das ist ein erneuter Anlauf auf die 8000er Marke, nachdem diese Konsolidierung abgeschlossen ist. Dann aber sind wir möglicherweise für eine grössere Korrektur reif.

(3)

Ein weiteres Indiz dafür, dass diese Rally noch Beine hat, ist das Verhalten der Aktien der zweiten Reihe. Dort gab es in den letzten Monaten viele, die die Rally der Indizes und damit der grossen Bluechips nicht mitgemacht hatten. Nun wechseln auch diese Aktien in den Rally-Modus und das spricht dafür, dass dieser Bulle noch nicht am Ende ist. Nehmen Sie Aktien wie Wacker Chemie, SGL Carbon, Klöckner usw., alles klassische MDAX oder SDAX Werte, die nun grosse Sprünge von teilweise 5 und mehr Prozent pro Tag vollführen. Auch die konsistente Stärke des MIB40 und des IBEX35 ausserhalb Deutschlands zeigen, dass die Erholungsbewegung in der Eurozone wohl noch nicht zu Ende ist.

(4)

Zusätzliches Feuer bekommt diese Rally aus Asien, von der wieder anziehenden chinesischen Konjunktur und der aggressiven Schwächung des Yens. Auch diese Trades laufen weiter und geben keine Signale einer Trendwende.

(5)

Die grösste Gefahr dieser Rally geht im Moment ohne Frage von den USA aus. Denn die Diskussionen um das Debt Limit werden hart werden und die Verwirrung gross. Ich gehe fest von einer weit gefährlicheren Eskalation aus, als zum Thema "Fiscal Cliff", weil nun möglicherweise auch persönliche und politische Rechnungen beglichen werden, die aus den Verhandlungen um die Fiskalklippe resultieren. Und dieses Thema ist für die Weltwirtschaft auch weit gefährlicher, schon der August 2011 hat ja gezeigt was passiert, wenn die Kreditwürdigkeit der USA in Frage steht.

Aufgrund dieser absehbaren Entwicklung treten viele professionelle Marktteilnehmer nun zunehmend auf die Seitenlinie. Auch wenn ich das für eine prinzipiell richtige Annahme halte, könnte der Zeitpunkt zu früh sein. Denn Mr. Market geniesst es einfach zu sehr, so ein positives Gefühl wie im Moment haben zu können. Und die Rally zieht im Moment noch frisches Geld in den Markt hinein. Für Sorgen und für Panik ist dann ab Februar noch genug Zeit.

(6)

Auch die Notenbanken geben im Januar Gas, nicht nur das die japanische Notenbank nun massiv Geld druckt, auch die FED hat im Januar keine einzige POMO-Sell Operation auf der Agenda, was gegenüber letztem Jahr ein Novum ist. Für genügend Liquidität ist also definitiv gesorgt und Liquidität ist immer noch der entscheidende Treibsatz der Börsen.

(7)

Unterstützt wird meine kurzfristig nach wie vor optimistische Sicht erneut von der aktuellen Analyse von , die ich Ihnen zum Studium empfehle.

Fazit:

Ich halte es für das wahrscheinlichere Szenario, dass diese Rally nach der derzeitigen Pause noch einmal einen kräftigen Schluck aus der "Kurspulle" nimmt. Sollten danach die Rahmenbedingungen immer noch die gleichen sein wie aktuell, werde ich diesen Schub dann aber wahrscheinlich verkaufen und in die Stärke hinein langsam aussteigen. Ich möchte mir das Spektakel im März dann lieber von der Seitenlinie anschauen.

Sollte es in den kommenden Wochen dazu aber positive Nachrichten geben, die auf eine schnelle Einigung oder Lösung hindeuten, könnte diese Rally sogar weit ins Frühjahr hinein weiter laufen und ich würde meinen Ausstieg dann abblasen.

Als Stop - für den unwahrscheinlicheren aber doch möglichen Fall, dass wir uns doch gerade in einer Topbildung befinden - bieten sich mir aktuell die Tiefs der "Fiscal Cliff" Verwirrung von kurz vor Weihnachten an. Sollten wir diese demnächst unterbieten, muss man die Rally massiv in Frage stellen.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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Haris Märkte am Abend – 18.01.12

Handelsschluss 22 Uhr. Heute ist wenig Neues passiert. Der Markt ist weiter sehr stark und will hoch, eine kleine Schwäche nach Eröffnung wurde gleich wieder gekauft. Mr. Market befindet sich aktuell in freudiger Erwartungshaltung auf den morgigen Donnerstag, an dem eine Reihe von Bluechips an der Wallstreet ihre Quartalszahlen bekannt geben werden, so Intel, IBM, Microsoft und Google. Am Freitag ist dann unter anderem General Electric dran. Die Käufe an der Wallstreet zum Handelschluss, deuten auf jeden Fall auf positive Erwartungen hin.

Mit der starken Bewegung im DAX heute gegen 11 Uhr bis fast 6400, wurden elegant ein paar Shorts aus dem Markt gesqueezed die auf eine Korrektur gewettet hatten, nur um danach dann doch wieder abzusacken, bevor der Markt dann später in Folge der Wallstreet wieder nach oben Fahrt aufnahm. Das war ganz typisches Abfischen der Algos, man tut gut daran sich diese Algorithmen wie Raubtiere vorzustellen, die im Urwald auf schnelle Beute lauern. Und eine Menge Shorts mit Stops oberhalb alter Höchststände sind halt schnelle Beute. Deswegen macht es auch Sinn über Systeme zu handeln, die einen Stop im eigenen System halten und erst dann in den Markt geben, wenn die Marke erreicht ist. Denn einen Stop direkt an der Börse einzugeben und damit die Absicht für andere sichtbar zu machen, ist nichts weiter als eine Einladung an die Raubtiere: friss mich !

Das bullische Verhalten des Marktes heute bestärkt mich aber in meiner Sicht, dass der Markt seinen Ton geändert hat. Trotz technisch überkauftem Zustand weiter hoch zu schieben und keinen Jota vom gewonnenen Terrain abzugeben ist bemerkenswert und eher die Charakteristik eines Bullenmarktes. Sicher hat das Thema um den IWF und damit die Eurostärke heute dem Markt geholfen, eine starke Performance ist es aber allemal.

Ich kann nur erneut widerholen, dass man in meinen Augen gut beraten ist, diese Änderung im Ton ernst zu nehmen. Derartiges Marktverhalten habe ich zuletzt 2010 erlebt, das erste Halbjahr 2011 schob der Markt zwar auch hoch, fühlte sich aber viel wackeliger an als heute. Wer zu lange braucht um sich an derartig grundlegende Änderungen der Marktstimmung anzupassen, verliert nach meiner Erfahrung viel Geld und muss später aus weit schlechterer Ausgangslage hinterher rennen.

Es ist allerdings für mich zu früh, aktuell nun "den" Bullenmarkt auszurufen. Ich bin überzeugt, wir werden im ersten Quartal noch Einschläge erleben, die uns zweifeln lassen ob da wirklich ein Bulle um die Ecke wartet. Und einen erneuten Test der Zone um 5700 im DAX halte ich durchaus im ersten Quartal noch für möglich, auch wenn sich das im Moment unwahrscheinlich anfühlt. Das ändert aber nichts daran, dass wir es in meiner Wahrnehmung nun mit einem weit positiveren Markt als 2011 zu tun haben und Rücksetzer für mich persönlich eher Kaufgelegenheiten sind.

Zur kurzfristigen Sicht habe ich auch wenig hinzu zu fügen. Den Moment einer Korrektur auf den Tag zu treffen ist reines Glück und man ist in der Regel zu früh dran, zumal positive Nachrichten wie heute zum IWF dann den Markt weiter nach oben schieben. Vielleicht steigt der Markt auch noch ein paar Tage, bevor die Korrektur kommt. Aber ich bin fest überzeugt sie kommt oder der Markt bewegt sich für längere Zeit seitwärts. Denn letztlich fordert die Markttechnik immer ihren Tribut und ein überkaufter Zustand muss abgebaut werden, entweder schnell per Korrektur oder langsam per Konsolidierung. Ich werde daher oberhalb DAX 6300 oder S&P500 1300 kurzfristig nicht mehr mit additivem Geld hinterher rennen, sondern eher meine Positionen konsolidieren. Ich bleibe aber weiterhin "Long" - wenn auch mit Vorsicht - und werde den Markt definitiv nicht shorten, dafür ist er zu stark.

Verhaltene, vorsichtige Offensive ist für mich also weiterhin das Gebot der Stunde. Teilgewinne werden mal mitgenommen oder diese besser abgesichert - dann warte ich, bis Mr. Market bessere Kurse liefert um in meine Favoriten wieder hinein zu springen bzw erneut zu verdoppeln. Aber wenn es so weit ist und ein Rücksetzer kommt, werde ich auch nicht zögern wieder hinein zu springen, denn 2012 sieht in meiner Analyse bisher so aus, als ob "Buy the Dip" wieder zu guten Gewinnen führen könnte.

Abschliessend möchte ich noch eine Idee mit Ihnen teilen, die für mich im Moment mehr als einen Blick wert ist: den europäischen Markt für Spezialchips. Schauen Sie sich mal den Marktführer ST Microelectronics (WKN 893438) an - mit 5 Milliarden Marktkapitalisierung durchaus ein Bluechip - und ziehen Sie ihre eigenen Schlüsse aus dem Chart ! Und 5% Dividendenrendite sind für einen Wert mit so viel Upside ja auch nicht zu verachten oder ? Ich selber bin aktuell Long ST Micro mit Einstand bei ca. 5€ und Stop bei 4€.

Ach ja, und Uran läuft und läuft. Cameco (WKN 882017) heute erneut über 5% Plus !

In diesem Sinne wünsche ich erfolgreiches Handeln !