Gold und Goldminen (ETF GDX) – Phönix aus der Asche ? – 07.03.13

Oh je Goldminen und der GDX. Die Gurken des letzten halben Jahres !

Ja, gerade bei Gurken sollte man mal schauen, ob sie dann nicht doch zur Ernte reif sind. 😉 Denn es gibt zwei Arten von schlecht laufenden Aktien oder Sektoren:

Die einen sind die, denen das Geschäftsmodell wegbricht. So wie zuletzt dem Solarsektor in Deutschland. Bei diesen Aktien gilt einfach nur "Finger weg". Gegen ein fundamental kaputtes Geschäftsmodell hilft auch keine Markttechnik und keine Zyklen. Ganz anders aber bei Aktien und Sektoren, die sich in einem zyklischen Tief befinden und ansonsten aber ein dauerhaft tragfähiges Geschäftsmodell haben. So unter anderem bei den Gold- und Silberminen.

Schon vor 6 Wochen hatte ich ja in -> diesem <- Artikel mal geschaut, ob sich da die Zeit der Ernte anbahnt. Das war aber noch zu früh, die Gurken waren noch nicht richtig grün und das Dreieck wurde schmerzhaft nach unten aufgelöst.

Nun zeigt der Markt aber weitere Signale, die eine mögliche Wende indizieren. Wir haben:

  • Einen Goldpreis, den die Bären scheinbar nicht mehr so richtig nach unten bringen, obwohl im Markt "Risk On" Modus herrscht. Bei Gold besteht die Chance eines Doppelboden.
  • Zum ersten Mal seit Herbst 2012 klare "Buying on Weakness" Käufe für den GLD.
  • Ein Management der Goldminen, das nun den Hebel zu mehr Profitabilität statt maximalem Output umgelegt hat und rigoros unprofitable Projekte zusammen streicht. Und damit in den kommenden Jahren die Profitabilität und Kostenstruktur deutlich verbessern wird, bei gleichzeitiger Verknappung des Angebotes.
  • Gestern den grössten Hub im GDX seit Oktober 2012 - und niemand nimmt davon Notiz !
  • Einen Hub im GDX, ohne dass sich der Goldpreis relevant bewegte.
  • Zuletzt deutlich höheres Volumen im GDX an den starken Tagen als umgekehrt.
  • Ein extrem negatives Sentiment, unter anderem sichtbar in einem Blees Rating (abgleitet aus dem COT Report) von 100.
  • Eine Minen/Gold Ratio auf historisch niedrigen Extremen !

Und von all dem will nun niemand mehr so richtig Notiz nehmen. Zu oft und schmerzhaft wurde reine Hoffnung in den letzten Monaten enttäuscht. Dieses Verhalten ist ganz typisch und in der menschlichen Psychologie begründet. Wenn ein Sektor so viel Schmerzen verursacht hat, dass es keiner mehr aushalten kann, beginnen sich die Menschen abzuwenden und nicht mehr hinzuschauen. Und bemerken dann nicht mehr, wenn die Wende doch einsetzt. Ein Rally stirbt in der Euphorie, sie beginnt aber in der Ignoranz und Ablehnung !

Schauen wir doch mal auf das grosse Bild, den GDX im Wochenchart seit 2008:

GDX Wochenchart 07.03.13

  • Sie sehen die gigantische Top-Formation in Form eines "rounded Top".
  • Sie sehen die gigantische Schulter-Mehrfachkopf-Schulter Formation mit einer Nackenlinie die nun durchschlagen wurde und ein Kursziel bei den historischen Tiefstständen bei 20 USD von 2008 impliziert.
  • Sie sehen auch den perfekten Doppelboden von letztem Sommer, der ein wunscherschönes Umkehr-W produzierte und die Vermutung einer Bullenflagge im Herbst 2012 sehr wahrscheinlich machte, was dann ja übel negiert wurde.
  • Sie sehen aber auch, dass wir nun extrem nach unten überdehnt sind und so überverkauft, wie zuletzt 2008 !
  • Sie sehen, dass wir nun auf dem Niveau der Nackenlinie der Umkehrformation von 2008 notieren.
  • Und sie sehen, dass wir die Nackenlinie der gigantischen SKS zwar durchschlagen haben, aber noch nicht so weit entfernt sind, dass ein Fehlsignal unmöglich wäre. Im Gegenteil, aus der grösseren Perspektive ist das gerade der perfekte Punkt, um den Big Money einen Titel gerne unter wesentliche Marken treibt um alle Stops abzufischen und dann sehr böse zu drehen.

Was ist also nun richtig ? Fundamental hatte ich schon im letzten Artikel darauf hingewiesen, dass die im Moment überall wiederholte Geschichte von den immer weiter überproportional steigenden Förderkosten der Minen Unfug ist, weil viel zu statisch gedacht. Ich zitiere:

--> "Dort wird mit zweidimensionaler Primitiv-Logik einfach die Vergangenheit in die Zukunft fortgeschrieben. Nicht verstanden wird, dass die Förderkosten vor allem deshalb im Schnitt stiegen, weil die Minen immer mehr Projekte um jeden Preis eröffneten, auch eher unprofitable mit geringem Goldgehalt oder schwierigen geologischen Verhältnissen. Die Förderkosten der bestehenden Minen steigen zwar auch, aber lange nicht in dem Umfang wie das dargestellt wird. Der Mix über alle Projekte hinweg ist aber stark gestiegen, weil eben immer mehr unprofitable Projekte begonnen wurden.

Das ist das typische Verhalten eines zyklischen Sektors im Schweinezyklus und hat seinen Höhepunkt schon überschritten. CEOs wurden entlassen, Projekte wurden und werden eingemottet. Die Minen schwenken von einem Fokus auf Output um jeden Preis, hin zu einem Fokus auf Profitabilität. Und das wird zwei wichtige Dinge bewirken:

Erstens werden damit die Förderkosten wieder sinken oder sich zumindest normalisieren, weil der Mix der Projekte wieder stimmt. Zweitens wird aber damit der Output an Gold sinken. Und das bewirkt eine Verknappung beim Edelmetall. Die Folge davon ist ein höherer Goldpreis und davon die Folge sind weit höhere Gewinne bei den Minen. Dieser Mechnismus ist auch wieder typisch für den Schweinezyklus, nur dieses mal in die aufsteigende Richtung." <-- Fundamental spricht also viel dafür, dass eine Wende nahe ist. Schauen wir daher nun mal auf das kürzerfristige Stundenchart des GDX seit Jahresanfang, vielleicht macht uns das ja klüger: GDX Stundechart 07.03.13

Sie sehen, dass wir gestern den grössten Hub des betrachteten Zeitraumes hatten. Genau genommen war es sogar der grösste Hub seit Oktober 2012. Viel wichtiger ist aber zu sehen, wie sich der Charakter des Marktes geändert hat. Die grossen Volumina kommen nun an den Tagen, an denen der GDX steigt. Das ist klares Signal für Distribution und typisches Anzeichen einer bevorstehenden Wende.

Alles in allem genügend rational vernünftige Argument, um da nun ganz genau hinzuschauen.

Steige ich nun sofort wieder voll in den Sektor ein ? Nein bestimmt nicht und das ist auch nicht zu raten. Eine Trendwende ist noch nicht vollzogen und ich habe hier oft genug gepredigt, dass man nicht gegen einen Trend spekulieren sollte, sondern abwarten, bis er wirklich gedreht hat. Auch Gold und der GDX können durchaus erneut die Signale für eine Wende missachten und erneut nach unten wegbrechen. Ein Trend ist mächtig und der Abwärtstrend ist voll intakt. Und die durchbrochene Nackenlinie indiziert eine relevante Wahrscheinlichkeit dafür, dass es nun massiv weiter nach unten geht und wir die Ziel-Zone der SKS um 20USD herum noch erreichen.

Im übrigen habe ich ja oft genug gesagt, wie wichtig eine Bestätigung ist. Der gestrige Tag ist vielversprechend. Aber erst wenn sich heute erneut ein starker, positiver Tag im GDX anschliesst, kann man beginnen einen "Change of Character" im Sektor zu konstantieren.

Mit diesem Artikel will ich Sie aber aufmerksam machen. Wenden Sie den Blick nicht ab, sondern beobachten Sie nun genau. Denn wenn dieses Baby tatsächlich nach oben dreht, dann können wir uns auf ein Feuerwerk gefasst machen. Phönix aus der Asche eben. Und wenn Sie nun genau hinschauen, haben Sie dann die Chance mit dem Phönix mitzufliegen, bevor die bekannten Magazine dann auch wieder dafür trommeln und ein gutes Stück des Kuchens schon verfrühstückt wurde.

Ein gewichtiger Indikator den ich ernst nehme wird sein, wenn der GDX die Nackenlinie der riesigen SKS wieder von unten durchschlagen sollte. Dann dürfte das "Abfisch-Szenario" für jedermann sichtbar werden und sich eine dynamische Bewegung nach oben anschliessen.

Aufmerksamkeit und Wachsamkeit ist nun in meinen Augen angesagt. Für Handlungen ist es (noch) zu früh.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen.

Ihr Hari

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