Ben Bernanke – der vermeintliche Nabel der Welt

Update 20:10 Uhr:

Keine Änderung, kein aktuelles "Tapering", alles wie gehabt. Aufregung umsonst. Leser dieses Blogs dürften nicht überrascht sein, siehe unten. 😉

Spannend ist nun, was der Markt daraus macht, gerade während und nach der Pressekonferenz um 20.30 Uhr.

Wer die Live sehen will, bemüht bitte den FED Link in meinen hilfreichen Links. Dort ist auch eine Präsentation der FED, aus der hervor geht, dass es selbst für 2014 keine absehbare Mehrheit für ein Ende der "Nahe Null" Zinspolitik gibt.

Update 20:39 Uhr Pressekonferenz: Tapering (Reduktion der Asset Käufe von derzeit 85 Milliarden USD pro Monat) unter der Voraussetzung positiver ökonomischen Bedingungen vielleicht ab Ende 2013 bis Mitte 2014. Auch das war erwartet. Der Markt wird es trotzdem nicht so recht mögen. Entzug ist immer schwierig, auch nur angedeuteter möglicher Entzug.

----------------

Guten Morgen. An diesem letzten grossen "FED-Tag" vor der Sommerpause, möchte ich mich kurz aus dem Urlaub zur Lage an den Märkten melden.

Vielleicht liegt es daran, dass ich im Urlaub etwas Abstand habe, aber ich beobachte mit Faszination und leichtem Schmunzeln, wie die Medien den grossen Spannungsbogen vor der FED Entscheidung heute Abend um 20 Uhr und der Bernanke Pressekonferenz kurz danach, herbei zu reden versuchen. Da wird getitelt, dass Bernanke "die Märkte in Atem halte" und ähnliches.

Diese mediale Welle generiert für das "Hot Money" grossartige Gelegenheiten, mal schnell ein paar Milliarden in ihre Taschen zu lenken. Wunderbar zu beobachten am Montag, als ein Autor der FT mit einer rein spekulativen Sicht auf den heutigen Tag den Markt mal eben mächtig drückte, nur um ihn dann zurück schnappen zu lassen, als bekannt wurde, dass hinter der Spekulation keinerlei konkrete Kontakte zu FED Offiziellen stehen. Alles nur Schall und Rauch sozusagen. "Well done", kann ich da nur sagen. 😉

Ich persönlich halte das, was Bernanke heute sagt, für wenig spannend. Es ist relativ wahrscheinlich, dass das inoffizielle FED Sprachrohr Hilsenrath uns den Inhalt schon angekündigt hat und es wird wohl wieder auf ein Statement ala "wir reduzieren den Stimulus, wenn es die ökonomischen Bedingungen zulassen, der Tag ist aber nicht heute" hinaus laufen.

Dieses Statement deckt sich mit der bisherigen Linie der FED, es deckt sich mit dem was Hilsenrath vorab verlauten lässt und es passt auch logisch zur wirtschaftlichen Lage. Hinzu kommt, dass nun Obama höchst offiziell bekannt gegeben hat, dass Bernanke wohl keine weitere Amtszeit an der Spitze der FED verbleiben wird. Und Bernanke wird den Teufel tun, und auf seine letzten Monate im Amt seine bisherige jahrelange Politik mal eben auf den Kopf zu stellen.

Etwas Anderes als sinngemäß der oben genannte Satz, wäre seitens Bernanke heute Abend also eine riesige, faustdicke Überraschung. Eine derart riesige Überraschung, dass die Wahrscheinlichkeit dafür sehr klein ist und man nicht sinnvoll darauf wetten kann.

Spannend ist imho etwas anderes. Spannend ist, wie der Markt auf diese absehbaren Aussagen reagiert. Und auch hier ist es wieder klar, dass kurzfristig für den Rest der Woche die Algos den Trend vorgeben werden, dem man einfach folgen sollte. Hier fundamentale Logik anzuwenden ist verfehlt, wir haben keine Wahl als dem demütig zu folgen, was "Big Money" uns vorgibt.

Insofern ist eine "Sell the News" Reaktion ebenso möglich, wie eine starke Rally Richtung 1700 im S&P500. Es macht in meinen Augen wenig Sinn, diese Richtung antizipieren zu wollen. Richtig ist aber, dass je stärker der Markt vor der FED schon ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer "Sell the News" Reaktion wird.

Schaut man über diese Woche hinaus, ist aber klar, dass damit die Sommerphase beginnt, in der die "Pros" eher in den "Hamptons" weilen und an der Wallstreet die 2. und 3. Reihe die Stellung hält.

In dieser Phase wird wohl nicht all zu viel passieren (exogene "graue und schwarze Schwäne" natürlich vorbehalten) und die Sicht auf eine Tradingrange von ca. 1600-1700 im S&P500, bzw ca. 8000-8500 im DAX respektive hat eine gute Wahrscheinlichkeit. So eine Range kann man entweder ignorieren und mal Pause machen, oder man kann sie stoisch und ohne grosses emotionales Engagement spielen und die Swings des Sommers mitnehmen, in dem man an der oberen Grenze verkauft und an der unteren Grenze kauft.

Insofern meine Sicht aus dem Urlaub: Wir sollten heute Abend und Morgen so wenig wie möglich auf die Schlagzeilen rund um die FED hören. Die treiben uns als Teil der Herde nur in eine Ecke, wie zuletzt am Montag zu beobachten. Folgen wir statt dessen lieber dem Markt und schauen genau, was er wirklich tut. Denn reden kann man viel, wenn sich "Big Money" aber wirklich positionieren will, muss es Geld in Bewegung setzen und das kann man dann in den Kursen und den bekannten Indikatoren zumindest erahnen. Oder betrachten wir das Spektakel heute Abend einfach von der Seitenlinie. Die Wahrheit liegt in jedem Fall auf dem Platz und nicht in dem, was medial dazu geschrieben wird !

Ich persönlich würde mir auch eine andere Börsenwelt wünschen, in der Wirtschaftsdaten wieder Relevanz haben und nicht alles von den Worten einer kleinen Gruppe von Politikern und Notenbankern abhängt, die irgendwo, irgendwas auskungeln. Aber darüber zu lamentieren ist nicht nur unprofessionell, sondern auch unproduktiv. Denn wir haben den Markt den wir haben. Und wenn wir darin Geld verdienen wollen, müssen wir uns anpassen oder aus dem Markt gehen. Im Markt zu sein und sich gegen die Wirklichkeit der massiv manipulierten und verzerrten Märkte zu stellen, ist aber das Dümmste was man machen kann.

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Marktupdate – 03.11.12 – Gold und Silber im Zeichen der US Wahl

Guten Morgen allerseits, wie Sie sehen bin ich auch Samstags früh aktiv und möchte mich zu Gold und Silber äussern. 😉

Ja das war wirklich ein komischer und denkwürdiger Börsen-Tag gestern. Der Abverkauf der frühen Gewinne der Indizes aus den Arbeitsmarktdaten und der damit verbundene Gapfill war ja noch normal. Der brutale Abverkauf im Bereich Energie und Edelmetalle, kam in seinem Umfang dann aber sehr überraschend. Auch für mich.

Aber solche Tage gibt es und jeder - wirklich jeder, egal wie erfahren - kann von Mr. Market auf dem falschen Fuss erwischt werden. Der Unterschied ist eher, wie man damit umgeht, ob man als letzter auch noch in Panik verkauft oder das grosse Bild nicht vergisst. Und ob man die Chancen sehen kann, die in so einem "Wash-Out" liegen.

Was gestern im Markt im Bereich Energie und Edelmetalle passiert ist, kam auf jeden Fall auch für viele Pros der Wallstreet überraschend. Das war tatsächlich zunächst merkwürdig. Ich habe die Diskussionen in den amerikanischen Boards nach Handelsschluss noch intensiv verfolgt.

Die einen sagen, das war schlicht Vorsicht und "Risk Off" vor der Wahl am Dienstag und der Employment-Report war dafür die Entschuldigung. Mir ist das etwas zu einfach. Interessanter finde ich das andere Erklärungsmuster:

Nach der Theorie war der Employment-Report schon der Auslöser, aber vor allem deshalb, weil er von der Obama-Administration "aufgehübscht" wurde, um bei der Wahl gut auszusehen. Dieser (zu) gute Report hat den Dollar überraschend aufwerten lassen und was wir dann bei Energie und den Edelmetallen erlebt haben, war dann die logische Konsequenz auf die unerwartete Dollar-Stärke. Insbesondere verbunden mit den neuen Aussagen von FED-Mitgliedern, die ich im letzten Artikel ja schon thematisiert hatte, erzeugte dieser Report massiven Druck auf die Edelmetalle.

Nun kam bei den Edelmetallen die Sondersituation dazu, dass wir nach jeder mir bekannten technischen Betrachtung den Boden (den SwingLow) schon drin hatten. Was dazu führte, das in dem Bereich (bei den Tiefstständen vom 24.10.) jede Menge Stops lagen. Als Gold dann plötzlich doch die 1700 erneut testete, passierte bei fast allen Marktteilnehmern das, was auch wir hier gestern am eigenen Leib erlebt haben. Alle versuchten hektisch mit der Situation umzugehen, Stops wurden gezogen etc. Am Ende ist das Gleiche bei den Minen passiert, der GDX hat ja am Ende auch noch ein neues Tief generiert und jede Menge Stops wurden gezogen.

Wenn diese Theorie des starken Dollars richtig ist, dann ist der Markt nun aber bereinigt und der Verkaufsdruck bei den PMs sollte nun abebben. Ich habe dazu einen sehr von sich selbst überzeugten Artikel unter der Überschrift "Time to buy, buy, buy" gefunden, den ich Ihnen zum Lesen empfehle und dessen Kernaussagen sich mit meiner Marktsicht auf Energie und die Edelmetalle decken, auch wenn ich mir nicht so einseitig 100% sicher bin, wie es der Artikel vermittelt. Mir fehlt im Artikel die "Romney-Wildcard".

Womit wir wieder beim Unterschied zwischen einem Anfänger und einem erfahrenen Marktteilnehmer sind, der sich gerade im Verhalten in Unsicherheit zeigt. Der Anfänger gerät nun in Panik und verkauft - wahrscheinlich genau auf dem Tief. Der Pro sieht die grosse Chance, die in so einem überraschenden "Wash-Out" wie gestern liegt.

Die Chance zu sehen, darf man aber nicht mit mangelnder Vorsicht und Demut vor den Volten Mr. Markets verwechseln. Auch ich bin nun wieder mit Stops drin. Und die Stops die ich nun habe, werde ich definitiv nicht mehr verschieben, sondern hart respektieren. Ich werde die konkreten Marken jetzt hier nicht nennen, aber wer meinen Kommentaren gefolgt ist, weiss nun wie ich die Lage sehe:

(1) Ich halte es immer noch für weit wahrscheinlicher, dass eine grosse Long-Chance vor uns liegt, die ich nicht verpassen will. Meine Überzeugung ist nach diesem "Wash-Out" sogar noch grösser geworden.

(2) Ich gebe dem Trade nun etwas zum atmen, um bei weiterer Schwäche am Montag nicht gleich rauszufliegen. Ich nehme damit bewusst in Kauf, mit ein paar Prozent Verlust aussteigen zu müssen.

(3) Mir ist bewusst, dass ein überraschender Sieg von Romney am Dienstag/Mittwoch die berühmte Wildcard ist, die alle obigen Überlegungen invalidiert. Denn ein Sieg Romneys dürfte aufgrund der damit verbundenen Spekulationen um eine (wieder) straffere Geldpolitik die Edelmetalle massiv treffen. Weitere 10% Minus sind dann locker drin, wenn Helikopter-Ben seinen Job verliert.

(4) Schwäche über die Wahl hinaus, werde ich daher bei den PMs nicht mehr tolerieren. Die jetzt gesetzten Stops werde ich also hart respektieren.

(5) Sollten wir aber nun nach diesem "Wash-Out" und nach der Wahl dynamisch nach oben drehen, ist das mit hoher Wahrscheinlichkeit der Start einer sehr starken Bewegung, die mindestens bis Jahresende andauern dürfte. Und aus der ich auf keinen Fall zu früh aussteigen werde, sondern die Gewinne dann laufen lasse.

So weit meine Strategie für nächste Woche in Sachen Edelmetalle. Es wird sehr spannend !

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

* Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- und unsere Gedanken zur -> Fairness <- ! *

Hari´s Märkte am Abend – wohin uns die Sommerrally führen könnte

22 Uhr - Handelsschluss

Heute Abend mal wieder ein paar Worte zum Markt. Sozusagen aus der Sicht eines entspannten "Urlaubers", der die Märkte mit mehr Entfernung (und damit weniger Präzision) als sonst durch eine Sonnenbrille betrachtet. 😉

Es ist mit oder ohne Sonnenbrille offensichtlich, dass die Sommerrally ins Laufen gekommen ist. Was sind die Auslöser dieser Entwicklung ? In meinen Augen zwei wesentliche Parameter:

(1)

Psychologisch primär eine Form von Entspannung, die wir alle spüren. Denn obwohl sich in Europa substantiell nichts geändert hat, sind die Schlagzeilen und Horrornachrichten etwas von den Titelseiten verschwunden. Wir sorgen uns einfach nicht mehr so sehr, wie noch vor Wochen. Das ist eine ganz typische menschliche Verhaltensweise, wir können Hochspannung einfach nicht unbegrenzt aushalten. Und so sorgt unser eigener Körper ganz natürlich dafür, dass bei jedem Thema, gleich wie schwierig, im Laufe der Zeit eine Gewöhnung eintritt. Und dafür reicht es, dass einfach der permanente "Alarm" fehlt, der Mensch vergisst - so war er schon immer. 😉

Und wenn man mal nicht mehr jeden Tag auf Europa und den fiskalischen Weltuntergang starrt, dann treten halt auch die einzelnen Aktien wieder in den Vordergrund. Und dann entdeckt man, dass an einigen Stellen doch ganz attraktive Einstiegskurse vorhanden sind. Und so setzt sich nach dem katastrophalen 2. Quartal nun das langsame Hochschieben des Sommers in Gang. Leser die länger dabei sind wissen, dass ich genau diese Entwicklung für den Sommer schon mehrfach, seit Ende März immer wieder, prognostiziert hatte. Schwieriges 2. Quartal und ruhiges Hochschieben im Sommer war seit Monaten mein Mantra, wenn ich das mittelfristige Bild betrachtete.

(2)

Der zweite wesentliche Faktor ist, dass ein konstanter Bid im Markt ist, der es den Bären nahezu unmöglich macht grosse Geländegewinne in den Indizes zu verzeichen. Dieser Bid speist sich wiederum aus zwei Quellen:

Einerseits hält Ben Bernanke die Hoffnung hoch. Er hat zwar nichts Konkretes gesagt und die Aussagen der FED sind eigentlich unverändert und es gibt kein konkretes Anzeichen einer bevorstehenden weiteren Geldpolitische Lockerung. Aber Hoffnung ist ein mächtiges Werkzeug, nicht umsonst gilt die Regel "buy the rumor, sell the news". Und diese Hoffnung verschafft dem Markt Sicherheit nach unten.

Darüber hinaus ist wirklich bemerkenswert, wie die grossen defensiven Titel seit Monaten steigen und steigen. Schauen Sie sich mal an, wie sich eine Johnson&Johnson (WKN 853260) oder Merck & Co. (WKN A0YD8Q) entwickelt. Und das sind nur Beispiele, das ganze Segment der defensiven Bluechips sieht im Moment fast wie "Growth"-Werte aus. Ich kann mich lange nicht erinnern, bei Aktien wie oben solche dynamisch ansteigenden Charts gesehen zu haben. Für mich ist daher ganz klar, dass hier massiv Kapital in diese Titel fliesst. Hier positionieren sich die institutionellen Anleger, die Ihre Cash Bestände zu Recht lieber in derartigen Bluechips sichern, als der nächsten Phase der Krise auszusetzen. Die permanenten "Buying on Weekness" Tage der letzten Wochen in diesen Titeln, bestätigen das Bild institutioneller Zuflüsse in die defensiven Werte. Diese Entwicklung zeigt aber auch, dass die Währungs- und Staatsschulden-Krise keineswegs als beendet betrachtet wird, sie hat nur ein Pause eingelegt, diesen Sommer dürfen wir mal endlich durchschnaufen.

Deswegen muss man auch unbedingt zwischen den Indizes und den einzelnen Aktien unterscheiden. Die defensive Bluechips steigen und da sie in den Indizes eine hohe Gewichtung haben, laufen die Indizes nach oben und sehen recht gut aus. Schaut man aber abseits der defensiven Bluechips in den konjunktursensiblen Segmenten des Marktes, sieht es zum Teil ziemlich finster aus. Wer diese defensiven Bluechips nicht in seinem Depot hat, dürfte bei einem Performance-Vergleich zu den Indizes daher im Moment in der Regel blass aussehen.

Man kann es also auch so sagen: Es gibt einen "Flight to Safety" im Aktienbereich, der die Indizes besser aussehen lässt, als der breite Markt in Wirklichkeit ist. Bei aller Freude über die Sommerrally, sollten Sie also das grosse Bild nicht aus dem Auge verlieren.

Was bedeutet das nun für die kommenden Wochen ?

Schauen wir mal auf das Tages-Chart des S&P500 Futures.

Man sieht sehr leicht den Aufwärtstrend. Man sieht aber auch, dass wir nun an einer wichtigen Wegscheide sind. Wir müssen nun unbedingt die Juli-Hochs übersteigen, ansonsten laufen wir grosse Gefahr eine Art "Doppeltop" auszubilden und zumindest bis zum unteren Ende des Trendkanals herunter zu fallen, hier bei ca. 1344, dem 50er Fibo-Retracement. Das haben wir heute aber noch nicht geschafft, wir brauchen Morgen also den "follow-through". Das negative Szenario ist als b) eingezeichnet.

Bekommen wir aber Morgen den "follow-through", sollten wir bis in den Bereich um 1387 laufen, bevor wir dann etwas Luft holen, ideal die 1363 noch einmal testen um dann endgültig die 1400 in Angriff zu nehmen. Das ist Szenario a) im Bild.

Es gibt noch ein Abart von Szenario a) in der wir Morgen erst einmal bis zum 62er Retracement bei 1363 Luft holen, bevor wir dann doch weiter hoch drehen. Ich bin mir bei diesem Szenario aber nicht so sicher, da ich vermute, dass der vermeintliche "Doppeltop" dann eher zu stärkeren Abgaben führen würde.

Meine Präferenz aus Urlaubersicht, also mit etwas Abstand und nicht ganz der tiefen Analyse wie sonst:

Ich präferiere Szenario a). Die zunehmende Breite der aktuellen Bewegung, die wiederholt starke Price-Action in der letzten Handelsstunde, die absehbare Nachrichtenruhe der nächsten Wochen, sowie die Unfähigkeit der Bären nennenswertes Momentum aufzunehmen, sprechen für mich für eine der Varianten des Szenario a), das uns noch diesen Sommer bis 1400 im S&P500 und im DAX bis knapp unter 6900 bringen könnte. Szenario b) wird erst dann ernst, wenn wir nach einer für morgen oder übermorgen zu erwartenden kleinen Korrektur die 1363 nachhaltig verlieren.

Insofern geniessen Sie den Sommer. Ich verspreche Ihnen, die Krise kommt im Herbst wieder. Damit ich diese Meinung ändere, müssten die konjunktursensiblen Aktien beginnen Stärke zu zeigen und damit eine Wende bei der Weltkonjunktur "wittern". Davon sind wir aber weit entfernt und um das zu erkennen, reicht es eine Aktie wie Klöckner (WKN KC0100) anzuschauen.

Insofern kann es im Moment wohl nicht schaden, das zu tun, was das institutionelle "Smart Money" im Moment auch tut: die grossen, defensiven Bluechips bei einer Korrektur einzusammeln. Unsere gemeinsam -> hier <- erstellte Aktienauswahl, bietet da einige interessante Kandidaten.

Gute Nacht allerseits !

Ihr Hari

** Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- ! **

Marktupdate – 12.07.12 – Ich muss gähnen !

08:45 Uhr

Seien Sie mir nicht böse, aber ich muss in Anbetracht dieses Marktes gähnen.

Der Markt hat einfach nicht genug Kraft um nach oben zu laufen. Ist ja auch kein Wunder im Anblick der Nachrichtenlage und der bisher sehr durchwachsenen Quartalsergebnisse.

Im DAX Future ist die kleine Aufwärtstrendlinie nun auch schon wieder gebrochen und wir bleiben Rangebound zwischen 6300 und 6600.

Wirklich nach unten will der Markt scheinbar aber auch nicht, die Hoffnung stirbt halt zuletzt und die Bären fürchten sich gewaltig, in eine Falle der FED hinein zu laufen und mit massiven Shorts im Markt die Ankündigung eines neuen Stimulus hören zu müssen. Bens "Kernwaffenarsenal" jagt den Bären nach wie vor gewaltigen Schrecken ein.

Zu allem Überfluss ist nun auch eine Art Erschöpfung und Überreizung der Marktteilnehmer eingetreten, die auch ich spüre. Was hatten wir in den letzten Wochen nicht alles an extrem wichtigen Terminen, die uns permanent und ohne Pause auf den Zehenspitzen gehalten haben. Kein Wunder, dass nun die Luft etwas heraus ist.

So halte ich das aktuelle, richtungslose Geschehen am Markt für ein gutes Abbild der allgemeinen Stimmungslage. Und wir tun in meinen Augen gut daran, uns auch selber etwas Luft und Entspannung zu verschaffen, solange die Marktlage so ist wie sie ist.

Ich habe daher meine Positionen deutlich zurück gefahren und werde die nächsten Wochen des Hochsommers mit etwas weniger Präsenz unterwegs sein. Dafür habe ich dann mehr Zeit für Familie und kann meinen Bauch auch mal in die Sonne halten. 😉

Wundern Sie sich also nicht, wenn die Updatefrequenz des Blogs temporär etwas geringer wird. Wenn es nichts zu sagen gibt, muss man sich auch nichts aus den Fingern quetschen. Ich bin aber permanent im Blog präsent, freue mich über jede Diskussion im Kommentarbereich und werde sicher auch Artikel schreiben, wenn ich dafür einen Anlass sehe.

Und sollte sich diesen Juli doch noch ein bedeutender Trend an den Märkten etablieren, werde ich meine Präsenz sofort wieder hochfahren, da können Sie sicher sein. Denn ich bin nun den ganzen Sommer "im Lande".

Spätestens ab Ende August, Anfang September, sollte das Volumen dann von alleine wieder anziehen und dann will auch ich ausgeruht und voller Energie wieder mit aller Kraft mit Mr. Market ringen.

Schauen wir einfach, wie sich der Sommer entwickelt. Vielleicht beschliesst ja Mr. Market schon morgen zum grossen Sprung anzusetzen, ihm ist alles zuzutrauen. Solange er uns aber eine dringend nötige Verschnaufpause gewährt, sollten wir diese nutzen.

In diesem Sinne auf bald !

Ihr Hari

** Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- ! **

Marktupdate – 20.06.12 – Post FED Wrap Up

20:40 Uhr

Ben Bernanke spricht noch in der Pressekonferenz, CNBC läuft bei mir im Hintergrund und ich höre mit einem Ohr zu. 😉 Ein paar Gedanken zum Thema in looser Folge:

(1)

Die FED verlängert Operation Twist bis Ende des Jahres und trifft damit die Erwartungen des Marktes. Als unmittelbare Reaktion gab es leichte Schwäche, die den S&P500 bis 1345 herab brachte und damit nahe an die Nackenlinie der Cup&Handle Formation heran. Dann setzten Kaufprogramme ein, die den Index über 1360 bis fast zu den gestrigen Hochs brachten. Während der Pressekonferenz schwang sich der Index dann mit minimaler Schwäche wieder in der Nähe der Eröffnung um die 1350 ein. Bernanke hat damit wieder gezeigt, dass er in der Lage ist, die Erwartungen des Marktes im Vorfeld zu managen. So bleibt der heutige Tag bisher weit ruhiger als erwartet.

(2)

Die bullischen Marktstrukturen bleiben damit erhalten und technisch steht einem Lauf des S&P500 bis 1400 nach meiner Ansicht nun nichts mehr im Wege. Der DAX sollte im Zuge dieser Bewegung mindestens die 6600 testen. Damit der DAX auch einen Teil seiner Unterperformance aufholt - denn bei S&P500 1400 sollte der DAX eher bei 7000 stehen - dürften überzeugende Beschlüsse beim EU Gipfel Ende des Monats nötig sein. Bis dahin, bis zum Gipfel, stehen die Chancen nun von der Markttechnik her gut für weiter positives Börsenwetter. Wobei Europa und auch der DAX nach wie vor relativ schwach gegenüber den US Indizes bleiben dürften, solange keine grössere Sicherheit über die Zukunft der Euro-Zone herrscht. Auch das "End of Quarter Window Dressing" könnte den Markt bis Ende kommender Woche weiter stützen.

(3)

Mein Eindruck aus den politischen Nachrichten ist, dass sich die Euro-Zone tatsächlich in die Denkrichtung einer "Banken-Union", also einer Vergemeinschaftung der Banken-Risiken und Kontrolle bewegt. Auch aktuellen Statements bestätigen mir diese Sicht. Sollte dergleichen beim EU Gipfel beschlossen werden, könnte das die Grundlage für eine Sommerrally legen, die dann durchaus bis September laufen könnte.

(4)

Spätestens ab September dürfte sich der immer vorausschauende Markt aber verstärkt mit der US Präsidenten-Wahl beschäftigen und sich zunehmend um den "Fiscal-Cliff" im US Budget Anfang kommenden Jahres sorgen.

(5)

Trotz dieser kurzfristig eher positiven Börsenaussichten, sollten wir nie vergessen, das wir immer noch Sklaven der Pirouetten der Euro-Krise bleiben. Wenn es Griechenland wie schon so oft schafft, uns auf dem falschen Fuss zu erwischen, kann alles ganz schnell anders aussehen.

** Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- ! **

Hari´s Märkte am Abend – 14.03.12 – Industrie oder Rohstoffe – wer liegt hier falsch ?

21 Uhr - Handelsschluss

Wie gestern nach der starken Bewegung der Wallstreet im späten Handel zu erwarten, hat der DAX heute noch eine Schippe drauf gelegt und ganz kurz sogar die 7100 touchiert. Dann reichte die Kraft nicht mehr und der DAX verharrte im oberen Bereich der alten Widerstandszone von 7000-7100, die von den diversen Tiefs und Wendepunkten des letzten Jahres herrührt. Ich wäre auch sehr überrascht gewesen, wenn wir durch diese Zone einfach so durchgelaufen wären, schon die Bewegung bis 7100 war Ausdruck grosser Stärke des Marktes.

Damit bestehen nun aber durchaus Chancen, das wir noch ein paar Tage in dieser Zone bleiben und auch die DAX 7000 noch einmal von oben testen. Sicher ist das in Anbetracht dieses Bullenmarktes aber definitiv nicht, insofern würde ich nicht allzu viel auf diese Möglichkeit wetten. Dennn der Bulle ist so unglaublich stark, dass es auch schon Morgen weiter nach oben gehen könnte.

Unabhängig von den kurzfristigen Erwägungen zum morgigen Tag, hat aber die heutige Stärke den gestrigen Ausbruch deutlich bestätigt. Die Bullen haben scheinbar die volle Kontrolle und viel spricht dafür, dass wir bis Ende März noch deutlich nach oben laufen, vielleicht sogar schon in die Nähe von DAX 7500 kommen.

Trotz allem ist nie alles perfekt und es gibt auch heute wieder Auffälligkeiten, die zumindest für ein sehr nervöses Kopfkratzen gut sind.

Denn es ist schon irritierend, wie stark die Marktentwicklung bei den Rohstoffaktien und den Industrieaktien divergiert.

Auch heute, während der DAX kurz die 7100 touchierte, waren fast alle Rohstoffaktien - auch die Industrierohstoffe - sehr schwach. Teilweise wurden die Aktien geradezu geschlachtet und fielen um 5 und mehr Prozent. Gleichzeitig stiegen heute aber die klassischen Autobauer, Maschinenbauer usw. um teilweise 3% und mehr. Wesentlicher Grund für die Schwäche der Rohstoffe, dürfte nach wie vor die Angst um die Nachfrage aus China und damit um die Weltkonjunktur sein. Aber auch unsere exportorientierte Wirtschaft mit ihren Auto- und Maschinenbauern ist ebenso massiv von dieser Nachfrage abhängig. Wie passt das zusammen ?

Man könnte also sagen, der normale Aktienmarkt rechnet nicht mehr mit einer Rezession, der Rohstoffmarkt aber sehr wohl. Einer dieser beiden Märkte muss also ziemlich falsch liegen, worin dann massive Chancen und Risiken für uns begründet sind. Ich kann die Frage natürlich auch nicht mit Sicherheit beantworten.

Ich habe aber eine leichte Tendenz und die schenkt den Industrieaktien mehr Vertrauen. Ich glaube einfach nicht an eine neue Rezession und auch nicht an einen Zusammenbruch in China. Und wenn das so ist, dann dürfte sich im Segment der Rohstoffaktien nun langsam eine Menge Nachholbedarf aufstauen. Leicht unterstützt wird diese Sicht, wenn man sich die Preisentwicklung eines klassischen Industrierohstoffes wie Kupfer direkt anschaut. Der Kupferpreis schwankt seit Mitte Januar in einem Seitwärtsband, von einem aktuellen, starken Abwärtstrend kann keine Rede sein. Bei Aluminium sieht es ähnlich aus.

Ein weiteres Erklärungsmodell könnte sein, dass bei den Rohstoffaktien generell nun die Inflations-Prämie aus den Kursen weicht, nachdem Ben Bernanke zuletzt die Hoffnung auf weiteren Stimulus zunichte gemacht hat. Sollte das der Fall sein, wären die derzeitigen Bewegungen wohl überzogen, denn die grossen Konzerne ala Rio Tinto (WKN 852147) oder BHP Billiton (WKN 908101) sind fundamental sauber bewertet, von einem "Inflations-Premium" kann ich in der Bewertung nichts erkennen.

Ich kann Ihnen also nicht sicher sagen, was diese Schwäche der Rohstoffaktien gerade auslöst, für mich sieht diese Schwäche aber etwas unlogischer und unberechtigter aus, als die DAX 7000, die in der Gewinnsituation der Unternehmen sauber begründet sind. Wirklich sicher bin ich mir aber bei dieser Einschätzung nicht, insofern sollten wir diese augenfällige Divergenz besser nicht aus den Augen verlieren, den dahinter könnten sich sehr unerfreuliche Wahrheiten verbergen !

Ganz besonders schlimm hat es heute die Edelmetalle getroffen, nachdem diese schon seit Tagen abbröseln, seit Ben Bernanke weiteren Gelddruck-Operationen erst einmal eine Absage erteilt hat. Eine kurze Gegenbewegung über 1700 USD bei Gold hat sich als Bullenfalle heraus gestellt und nun geht es richtig bergab. Selbst bei Schwergewichten wie Barrick (WKN 870450) war heute ein Minus von 5% auf dem Kurszettel.

Der prinzipielle Absturz des Edelmetall-Segments ist während einer solchen Hausse-Phase nicht verwunderlich, denn hier finden sicher Umschichtungen in den haussierenden Aktienmarkt statt. Der Ablauf der tagelangen Abwärtsbewegung mit einer Beschleunigung heute, erzeugt nun aber die Chance auf eine Gegenbewegung. Denn eine Beschleunigung eines Trends markiert nach meiner Erfahrung oft das nahende Ende einer Bewegung - denken Sie an das Gummiband. Aber wie immer ist keine Regel ohne Ausnahme, insofern sollte man auch hier erst wieder zugreifen, wenn sich tatsächlich erste Anzeichen einer Gegenbewegung zeigen.

Und noch etwas ist ebenso auffällig wie erfreulich: der Markt ist eindeutig wieder zu einem "Stockpicker" Markt geworden. Die Zeit in der alles mehr oder weniger parallel stieg oder abstürzte ist scheinbar vorbei. Das ist auch nicht so ganz überraschend, weil die Makro-Risiken und Themen wie zb die Euro-Krise nun etwas in den Hintergrund treten. So können sich die Börsianer wieder auf die Geschäftsentwicklung der einzelnen Unternehmen konzentrieren und so wird es wieder möglich, dass im gleichen Index eine Aktie heute +7% Plus produziert und andere im Minus liegen.

Ich begrüsse dieses Entwicklung sehr. Denn wenn es letztlich nur darum geht einzuschätzen was 27 Regierungschefs in Brüssel wieder auskochen, haben wir alle keinerlei Chance uns irgend einen Vorteil zu erarbeiten. Wir werden von den Nachrichten dann hin und her geworfen, wie alle anderen Marktteilnehmer auch. Die einzige Leistung die wir in solchen Phasen erbringen können, ist schnell zu reagieren und sich ohne zu zögern zu adaptieren. Wenn es jetzt aber an der Börse wieder auf die konkreten Geschäftsentwicklungen der einzelnen Unternehmen ankommt, dann zählt endlich wieder Wissen und Verständnis für die individuellen Geschäftsmodelle. Nur in einem solchen Markt haben wir als private Anleger wirklich eine Chance, uns durch Spezialisierung einen signifikanten Vorteil gegenüber den anderen Marktteilnehmern zu erarbeiten.

Aktie des Tages war heute natürlich die E.ON (WKN ENAG99) mit zeitweise 7% Plus. Was da heute passiert ist, ist ein Klassiker. Die Erwartungen vor den Zahlen waren so grottenschlecht und das Sentiment so negativ, dass trotz mieser Zahlen ein halbwegs optimistischer Ausblick des Managements ausreichte um dieses Feuerwerk heute zu zünden. Es war halt niemand mehr da, der noch verkaufen wollte. Ein Muster das ganz typisch für solche Wendepunkte ist.

Mit der Lufthansa (WKN 823312) und K+S (WKN KSAG88), die beide am morgigen Donnerstag Zahlen liefern, stehen zwei weitere stark verprügelte Aktien an, bei denen es einen ähnlichen Effekt geben könnte, falls der Ausblick des Managements positiv sein sollte. Die Lufthansa hat allerdings nach der gestrigen Stärke heute mit erneut über 3% Plus schon etwas vom negativen Sentiment abgebaut, insofern ist unklar wie stark der Effekt dort morgen noch sein kann.

Übrigens, zurück zu den Versorgern wie E.ON, rein vom Chart und von der Bewertung her, bestehen in meinen Augen gute Chancen, dass die Aktie in diesem Jahr ihren Kurs normalisiert und die 22€ Zone wieder erreicht - was immer noch rund 20% Plus bezogen auf Heute wären. Mittel- und langfristig müssen E.ON und RWE aber ihr Geschäftsmodell umstellen. Und solange das neue Geschäftsmodell nicht steht und sich nicht als ebenso profitabel wie das alte erweist, ist eine gesunde Skepsis bei den Versorgern wohl angebracht.

Denn die Annahme "Strom braucht man immer" ist in meinen Augen etwas zu kurz gedacht. Natürlich braucht man Strom immer, aber nicht notwendigerweise Strom von einem zentralen Versorger in 500km Entfernung. Denn dezentrale Stromerzeugung, zum Beispiel in Privathaushalten, ist nicht mehr sehr weit vom Durchbruch entfernt und ich rechne damit, dass Stromerzeugung in den nächsten 10 Jahren immer dezentraler und vielfältiger wird. Die grossen zentralen Stromversorger werden damit von unverzichtbaren Monopolisten mehr und mehr zu reinen Netzdienstleistern, die für Lastverteilung, Lastausgleich und die Versorgung grosser Industriebetriebe im Spitzenlastbereich benötigt werden. Und ob es vor dem Hintergrund so glücklich war, sich teilweise von den vermeintlich "lästigen" Netzen zu trennen, ist noch nicht endgültig sicher.

Auf jeden Fall wage ich es stark zu bezweifeln, das eine E.ON in dieser weit dezentraleren und wettbewerbsintensiveren Energiewelt des Jahres 2020 immer noch die Monopol-Renditen des Jahres 2007 erzielen kann. Die Computer-Mainframe Hersteller der 60er und 70er Jahre hat letztlich auch nicht gerettet, dass sie in einem Wachstumsmarkt waren, als die dezentralen Personal Computer in den 80ern die Welt eroberten. Sehr viel wird also bei den grossen Versorgern davon abhängen, wie gut es dem Management gelingt, sein Geschäftsmodell der sich verändernden Welt anzupassen und da werde ich persönlich erst einmal abwarten.

Ich wünsche Ihnen einen schöne Abend !

Hari´s Märkte am Abend – 08.03.12 – die Angst der FED

22 Uhr - Handelsschluss

Es scheint fast so, als hätte die gute FED eine Menge Angst davor, die Märkte auf Entzug zu setzen. Da hatte Ben Bernanke doch am 29.02. Aussagen gemacht, die man mit Phantasie so interpretieren konnte, dass ein QE3 nicht mehr beabsichtigt sei.

Und prompt hatte ihm der nach billigem Geld drogensüchtige Mr. Market die rote Karte gezeigt, am 29.02. sofort Gold und Silber abverkauft und in Folge dann zur Korrektur angesetzt. Und was passiert ? Kurz danach tauchen über das "Wall Street Journal" Gerüchte auf, nach denen doch ein neuartiges Programm zum Ankauf von Anleihen im Gespräch sein soll. Und es werden Details mitgeliefert, die in meinen Augen eigentlich nur aus der FED kommen können. Und was macht König Mr. Market ? Er nimmt das gnädig zur Kenntnis und bequemt sich wieder nach oben zu laufen.

Das zeigt mir erneut, dass die FED die Assetpreise auf jeden Fall und um jeden Preis hoch halten wird. Wer in diesem Jahr also auf grundlegend fallende Kurse setzt, wettet damit in meinen Augen gegen den erklärten Willen der FED. Wer das tun will, mag das tun, ich gehöre nicht dazu und ganz gleich wie ich über diese FED Massnahmen denke, ich sehe diese Hinweise neuer Massnahmen als erneuten Beweis, dass die Asset-Preise so oder so aufgeblasen werden.

In dem Zusammenhang schauen Sie auch mal in Blogeintrag von Joshua Brown, dessen lesenswerten Blog Sie bei mir unter "Hilfreiche Links" finden. Zitat: "The Fed is not playing games, guys, they want this market rolling higher. Fight it at your own peril."

Das beantwortet uns natürlich nicht die Frage, ob noch kurzfristig Teil 2 der Korrektur vor uns liegt. Aber es gibt zumindest einen klaren Hinweis, dass Korrekturen weiterhin wohl Kaufgelegenheiten sind !

Zusätzlich zu der unterstützenden Kommunikation der FED schoben dann die zunehmend positiven Aussagen rund um die Annahmequote des griechischen Schuldenschnitts heute den Markt an. Laut Nachrichten von heute Abend sollen schon mindestens 75% der Gläubiger beim Schuldenschnitt mitmachen. Damit sind gestern noch diskutierte Horroszenarien eines völlige Scheiterns wie erwartet vom Tisch und es geht nur noch um die Frage ob der Schuldenschnitt bei einer Annahmequote von 90% ganz sicher ist, oder bei bestimmten Gläubigern noch ein längeres "Armdrücken" statt finden wird. Das endgültige Ergebnis soll Freitag früh bekannt gegeben werden. Aber im heutigen späten Handel liefen schon Gerüchte um ein 90% Annahmequote durch den Markt. Wir werden sehen ....

Was den theoretischen zweiten Teil der Korrektur angeht, sieht es ja im Moment wirklich nicht danach aus. Vielleicht ist es dieser eine Korrektur-Tag am Dienstag wirklich schon wieder gewesen, ich würde das bedauern, weil die Luft noch nicht so richtig bereinigt wurde. Mir fehlt idealerweise noch die kurze Phase der Panik, in der die zu frühen "Buy-the-Dip"-Käufer noch einmal rasiert werden und alle sich fragen, ob das nicht doch die nachhaltige Wende nach unten ist. So eine Sentimentlage wäre dann ein ganz klares Kaufsignal, aber das haben wir leider nicht bekommen.

Aber was ich mir wünsche ist nicht relevant, relevant sind die Signale des Marktes und die sagen: "Verkaufsdruck nicht vorhanden, es geht wieder nach oben !" Nur einen kleinen Stachel des Zweifels habe ich doch noch in mir. Sie erinnern sich sicher daran, wie gerne Mr. Market den "Weg des maximalen Schmerzes" geht. Und was wäre der im Moment ?

Ich denke der würde ungefähr so ablaufen: der Markt läuft hoch, signalisiert die Korrektur ist schon zu Ende, zieht damit das zögernde Geld von der Seite in den Markt, ereicht marginal neue Höchststände und schaut kurz über 7000 ..... nur um genau dann richtig nach unten zu drehen, abzusacken und zur echten Korrektur anzusetzen, die Ben Bernanke dann ein paar Wochen später mit der Notenpresse beendet.

Ich betone, ich habe absolut Null objektive Indikatoren die auf diesen Ablauf hindeuten, es ist nur so ein komisches Gefühl in der Magengrube, nicht mehr aber auch nicht weniger. Ich werde also bestimmt aufmerksam und vorsichtig bleiben - sozusagen auf den Zehenspitzen - mein Handeln am Markt lasse ich aber von solchen Ahnungen nicht bestimmen.

Was Einzelaktien angeht, war für mich heute die Deutsche Post (WKN 555200) die Aktie des Tages. Gute Zahlen, guter Ausblick und Dividendenerhöhung sorgten für ein Kurs von 5%. Auch wenn die Geschäfte weiter gut aussehen, die Logistik ein Wachstumsmarkt bleibt und die Bewertung moderat ausschaut, drängt sich mir eine Investition gerade nicht auf. Denn ich würde nun erst einmal abwarten, ob es die Deutsche Post wirklich schafft die Zone um 14€ hinter sich zu lassen, die sich seit Jahren nun als obere Begrenzung heraus kristallisiert hat. Die Deutsche Post im Herbst letzten Jahres zu kaufen war weitsichtig, jetzt muss es in meinen Augen nicht mehr zwingend sein.

Sehr stark waren heute auch die hier schon mehrfach besprochenen ST Microelectronics (WKN 893438) , Daimler (WKN 710000) und Leoni (WKN 540888) - alle heute mit einem Anstieg um die 5% ! Aber auch "alte Verdächtige" wie Rheinmetall (WKN 703000), Continental (WKN 543900) oder Veolia (WKN 501451) haben heute mit stattlichen Gewinnen meine These bestätigt, dass noch keine Sektor-Rotation im Gange ist, sondern die Favoriten der Phase Januar bis Februar auch jetzt im März noch die Favoriten des Marktes sind.

Morgen haben wir um 14.30 Uhr die Arbeitsmarktdaten in den USA auf dem Radar, auf die der Markt nun schon positiv eingestimmt ist. Das eröffnet etwas Raum für eine negative Überraschung, aber nicht eindeutig genug, um darauf schon eine Positionierung einzugehen.

Für den weiteren Verlauf gelten die alten Aussagen, oberhalb DAX 7000 lauern eine Menge an Widerständen, die bestimmt nicht so schnell überwunden werden. Und ein erneuter Absacker macht den Weg Richtung DAX 6400 wohl frei.

Warten wir also demütig ab, was Mr. Market´s unermesslicher Ratschluss ergibt - ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Hari´s Märkte am Abend – 29.02.12 – was Apple uns zum Markt sagt

22 Uhr - Handelsschluss

Aufgrund anderweitiger Verpflichtungen habe ich heute etwas weniger Zeit zum Schreiben. Daher gibt es heute Abend nur eine Analyse zum Markt als Ganzes und bis auf Apple und Gold keine Kommentare zu einzelnen Titeln.

Sie erinnern sich, dass ich letzte Woche schrieb, dass der Markt noch ein paar Tage Konsolidierung braucht, um genug Kraft zu tanken.

Nun, diese Tage sind vergangen und langsam nähert sich diese Phase scheinbar dem Ende zu. Denn die heute zu beobachtende Volatilität ist nach meiner Erfahrung das Vorspiel zu einer stärkeren Bewegung - ganz so wie ein energiegeladenes Pferd, das unruhig an seiner Trense zerrt.

Schauen Sie sich an, was heute im NASDAQ passiert ist - nachdem er die glatte Zahl 3000 touchierte, wurde er sofort heftig abverkauft.

Und schauen Sie sich an, was heute passiert ist, nachdem die EZB im Rahmen der LTRO Operation die gewaltige Summe von über 500 Milliarden € in den Markt gekippt hatte - sofort wurde das zum Ausstieg genutzt, frei nach "Sell the News".

Und schauen Sie sich an, wie heute auf Ben Bernankes Rede reagiert wurde, mit massiven Abgaben, weil er - Überraschung 😉 - vor Euphorie warnte. Und weil er dem Wunsch des Marktes nach einem sofortigen QE3 noch nicht nachgab.

Und schauen Sie sich an, was heute bei Gold und Silber passiert ist. Das war bemerkenswert. Gestern sprach ich noch davon, dass wir noch ein paar positive Tage haben werden, bevor dann im März eine kleine Korrektur kommt, die möglicherweise 1700 USD noch einmal von oben testet. Nun, Mr. Market hatte es scheinbar eilig und hat nicht mal mehr bis März gewartet, denn heute waren wir am Ende sogar unter 1700 USD - so schnell geht es nach unten, wenn computerbasierte Tradingprogramme im Spiel sind.

Der Einschlag begann um 16.45 Uhr und hat auch mich erwischt, weil ich so schnell nicht reagieren konnte und damit nicht gerechnet hatte. Allerdings haben mich Trailing Stops bei meiner grossen Silberwette vor Schaden bewahrt und mir einen Gewinn gesichert, auch wenn dieser dann kleiner war als erhofft. Mit meinen Minenwerten habe ich die Tagesverluste aber voll mitgenommen, insofern bin auch ich Leidtragender dieses völlig überraschenden Absturzes.

Ich vermute einen Zusammenhang mit Bernankes Rede, ohne es genau festmachen zu können. Denn der Dollar stieg schon einige Zeit vorher und die Edelmetalle begannen danach einen gewaltigen Fall. 80 USD Verlust bei Gold an einem Tag, das sieht man nicht alle Tage. Nach meiner Einschätzung setzte sich irgendwann während der Rede bei Big-Money die Erkenntnis durch, dass QE3 nicht sofort kommt. Starke Abgaben trafen dann auf einen sowieso überkauften Markt bei Gold und Silber und die trendverstärkenden Algos taten ihr übriges. So bekamen wir eine Art "Mini-Crash" in den Edelmetallen. Der QE3 Aufschlag scheint damit endgültig aus dem Goldpreis gewichen zu sein.

Sollte meine Theorie richtig sein, könnte sich das Niveau von heute Abend mit 1694 USD aber vielleicht als Kaufgelegenheit heraus stellen. Denn wenn Sie sich den gestern dargestellten zyklischen Verlauf betrachten, steht eine grosse Korrektur noch nicht an. Allerdings sollte man den morgigen Tag abwarten, um diese Bewegung bestätigt oder negiert zu bekommen. So viel Geduld muss sein. Denn dieser Einschlag war nicht normal, das war schon aussergewöhnlich und ohne Vorwarnung. Und das hat auch allerlei Porzellan in Form von Vertrauen zerdeppert, was man schon leicht daran sehen kann, dass der Kurs von Gold im späteren Handel keinen Bounce mehr zusammen bekommen hat und sogar noch einmal unter 1700 USD abrutschte. Und deshalb wird sich Morgen erst einmal der ganze Markt schütteln und wird versuchen, sich in Sachen Edelmetalle neu zu sortieren und den Einschlag zu werten. Und erst wenn diese Neuorientierung abgeschlossen ist, wissen wir wohin die Reise kurzfristig weiter geht.

Mit Blick auf den Gesamtmarkt, halte ich es aber eher für einen Fehler, sich von diese volatilen Bewegungen schon jetzt verunsichern zu lassen. Denn ein grösserer Absturz beginnt höchst selten an solch klaren Marken wie NASDAQ 3000, das ist zu offensichtlich. Auch wenn sich das heute teilweise ganz schön Angst machend angefühlt hat, ist in den grossen Indizes defacto nicht viel passiert und einiges spricht dafür, dass es sich hier um typisch technische Reaktionen handelt, die primär von den Algos getrieben wird. Denn diese traden derartige Setups konsequent.

Diese Bewegungen sind aber auch das Zeichen steigender Nervosität, das typische Anzeichen vor einem grossen Sprung. Positiv ist, das von einer übertrieben bullishen und selbstgefälligen Stimmung im Markt nun in meinen Augen keine Rede mehr sein kann. Insofern war die Konsolidierung der letzten 1,5 Wochen sehr erfolgreich und der Boden für eine starke Bewegung ist bereitet, weil nun wieder genügend Skepsis im Umlauf ist.

Ich wäre also nicht überrascht, wenn wir in den nächsten Tagen mit Macht ausschlagen. Wohin ? Alles ist möglich, aber wenn man den Markt rational betrachtet, liegt der Vorteil in meinen Augen nach wie vor leicht bei den Bullen. Was nicht bedeutet, dass nicht auch eine stärkte Korrektur möglich ist, ich halte sie nur für weniger wahrscheinlich, weil der Markt bisher keine Signale sendet, die einen Vorteil für die Bären implizieren. Das kann natürlich noch kommen, aber man sollte abwarten bis der Markt diese Signale wirklich sendet.

Wer seine Gewinne sichern will, kann jetzt also aus dem Markt gehen, das ist eine sinnvolle Massnahme, wenn Sie sich nicht mehr wohl genug fühlen. Immerhin sind ja bis hier schöne Gewinne aufgelaufen und diese mitzunehmen, hat noch niemanden arm gemacht. Für einen Short gegen den Markt, gibt es aber für mich nach wie vor nicht genug Indizien, die aus Mr. Markets Verhalten ableitbar wären.

In diesem Zusammenhang möchte ich sie an Apple (WKN 865985) erinnern. Das ist ein Runaway-Move wie er perfekter nicht sein könnte. Lesen Sie noch einmal meinen Beitrag -> hier <- von vor 2 Wochen. Darin habe ich trotz des starken Rücksetzers auf damals wieder unter 500USD davor gewarnt, eine solche Aktie zu shorten, egal wie überzogen die Bewegung aussieht. Und nun werfen Sie eine Blick darauf, was danach passiert ist:


Source:

Beeindruckend oder ? Auch heute ist Apple wieder im Plus. Gut also, wenn Sie damals meine Warnung beachtet haben und das Wort "irgendwann" nach wie vor nicht unterschätzen. Und ich bin überzeugt, solange die Leitaktien wie Apple so stark sind, ist der Bulle intakt. Erst wenn sich bei diesen Leitaktien der Wind dreht, dann muss man über einen Short nachdenken. Ein möglicher Tag für eine Wende bei Apple könnte zum Beispiel der 07. März sein, an dem das iPad 3 vorgestellt wird. Es wäre nicht das erste Mal, dass im Sinne "buy the rumor, sell the news" genau dann der Kurs dreht, wenn das lange antizipierte Ereignis Realität wird.

Ich persönlich setze nach dem heutigen Tag, der sicher einige ängstliche Markteilnehmer rausgeschüttelt hat, eher auf einen "First of Month Jumper" am morgigen 1. März. Meine Stops würden dann auf dem Niveau der heutigen Tiefsstände bei DAX 6840 liegen, mit diesen Stops könnte ich einen solchen Trade Morgen ganz gelassen angehen. Ob ich den Trade wage, entscheide ich aber erst Morgen früh, je nach Lage kurz nach Handelsstart. Denn der frühe Vogel fängt zwar den Wurm - richtig. Aber der zu frühe Vogel kommt halt noch in einen verspäteten Wintereinbruch - auch das ist richtig. Morgen früh ist also früh genug, um eine solche Wette noch einzugehen. Aber ich werde Morgen intensiv Ausschau nach diesem Trade halten, mal sehen ob er sich realisiert.

Ich werde aber auch so flexibel sein sofort die Reissleine zu ziehen, wenn wir Morgen mit Volumen nach unten laufen. Denn wenn das nach dem heutigen volatilen Tag passiert, dann bin ich bereit den Bären ab Morgen wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Schnallen Sie sich also nun bitte an, es könnte die nächsten Tage einen holperigen Flug geben ! Aber genau in diesen Phasen wird das Geld gemacht, mit dem Offensichtlichen kann man nicht reich werden. Es wird also wieder spannend ......

Ich wünsche einen schönen Abend !