DAX Ausblick – Mein persönlicher Doppelbeschluss

Der folgende Artikel erschien schon Montag 08.06.15 14:20 in Hari Live

Die Vorsicht und der Zweifel ist nun überall im Markt zu spüren und ich bin sicher, dass auch das deutsche Marktsentiment am kommenden Mittwoch eine deutliche Eintrübung der zuvor deutlich zu bullischen Haltung zeigen wird.

In diesem Moment möchte ich mal einen Gedankengang mit Ihnen durchgehen, für den Sie mich wahrscheinlich für verrückt erklären werden. Denn ich weiss ganz genau, wie gerne der Markt genau den Weg geht, mit dem niemand rechnet - den Weg des maximalen Schmerzes.

Und ich weiss, welche langfristige Wirkung ein massives Quantitative Easing der Notenbank auslöst. Wir haben das doch gemeinsam erlebt, nur vergessen wir Menschen solche Erfahrungen zu gerne zu schnell.

Setzen wir uns also in die Zeitmaschine und kehren zurück in den Herbst 2012, als Ben Bernanke in Jackson Hole im September ein neues QE3 angekündigt hatte, nur dass dann am Markt erst einmal nichts so richtig passiert ist.

Am 11.11.12 - der Markt bröselte seit Wochen negativ vor sich hin - habe ich den folgenden Artikel geschrieben. Bitte lesen Sie den unbedingt noch einmal, es lohnt sich auch im Nachhinein: -> Warum QE3 erst ab 14.11.12 seine Wirkung entfaltet <-.

Zitat: "Bitte denken Sie daran: Liquidity Rules ! Das ist eine der Grundregeln, die immer gültig ist. Dewegen vermute ich auch, dass die Bären nun noch ein paar Tage ihre "feuchten Träume" geniessen können, bevor ihnen bald eine böse Überraschung bevor steht."

Dieser Artikel markierte auf den Tag zum 14.11.12 das Ende des Bröseln und den Beginn einer Aufwärtsbewegung, die bis heute getragen hat:

S&P500 08.06.15 2

Und ich habe schon in das Chart eingezeichnet, was der Gedankengang ist, für den Sie mich nun heute für verrückt erklären werden. 😉

Und klar, Sie müssen mir jetzt nicht schreiben, was heute alles anders ist als damals. Und dass die FED eben heute eher am Ende der QEs angekommen ist. Das weiss ich auch. Und Geschichte wiederholt sich nicht, sie reimt sich aber.

Und der Reim ist, dass wenn von Seiten der Notenbank ein massives Quantitative Easing in den Markt geschmissen wird, die erste Korrektur nicht das Ende der Bewegung darstellt. Draghi hat sich doch klar und deutlich zur Dauer und den Absichten bis Herbst 2016 geäussert, nur der Markt will es im Moment nicht glauben, genau so wie er im Herbst 2012 schon das Vertrauen in das QE3 verloren hatte und scheinbar übersehen hatte, dass es noch gar nicht wirksam war.

Jetzt besteht bei so einem Artikel, der ein Gedankenszenario skizziert, immer die Gefahr, dass Anleger nun zu ihrem Konto rennen und zu kaufen beginnen, weil sie ein Szenario unter vielen zur sicheren Zukunft machen.

FALSCH! Wir sind hoffentlich klüger. Wir rennen dann zu unseren Kauforders, wenn der Markt wieder zu steigen beginnt und im Moment ist die Lage wackelig und ich selber bin trotz solcher Gedankengänge wie oben weitgehend aus dem Markt und habe viel Cash.

Aber ..... es ist wichtig, dass wir einen klaren Blick für die Möglichkeiten behalten. Und dass wir uns klar machen, dass wir eine Notenbank mit einem frischen QE im europäischen Markt haben. Und ja, vielleicht ist dieses Mal hier alles anders, aber auf diesen Satz zu wetten, lohnt sich selten.

Was sich aber lohnt, ist sich an den Normalfall zu erinnern. Und der Normalfall ist, dass die erste Korrektur nach einem initialen QE Schub eben in der Regel *nicht* das Ende der Aufwärtsbewegung darstellt.

Und weil das so ist, werde ich bei aller berechtigen Vorsicht und aktuellen Abstinenz vom Markt, nun nicht zu negativ werden und werde mich den Schallmeienklägen des Crash-Geredes weiter konsequent verweigern.

Lesen Sie unbedingt im alten Artikel mal die letzten beiden Kommentare. Den Kommentar eines damaligen Mitglieds zu einem "Günter Hannich" und meine Antwort dazu. Nun, über 2 Jahre später, erst recht lesenswert. 😉

Nein, die Chancen sind nicht schlecht, dass dieser Markt erneut zu einer Rally ansetzt, sobald die Themen die ihn aktuell belasten - wie Griechenland, der starke Renditenanstieg bei Anleihen, der steigende Euro und die Angst vor einem frühzeitigem Ende des Notenbank-Stimulus - sich mal erschöpft haben.

Man könnte auch sagen, bisher passt alles zu dem prinzipiellen Ablauf, den ich im Artikel -> Sell in May und der Supervulkan <- bei damals noch DAX 11.980 am 14.04.15 dargestellt hatte.

Was wir aber nicht wissen ist, ob dieser Tiefpunkt heute erreicht wird oder vielleicht erst Ende des Sommers bei vielleicht sogar unter 10.000. Insofern ist Vorsicht nun kurzfristig die Mutter der Porzellan-Kiste. Aber für zu grossen Negativismus, ist mir persönlich das Environment immer noch deutlich zu bullisch für Aktien.

Das nur zur weiteren Erklärung meines persönlichen "Doppelbeschlusses", mit dem ich einerseits aktuell vorsichtig und weitgehend aus dem Markt bin, mittelfristig aber weiter chancenorientiert denke.

Und eine Änderung dieser Haltung ergibt sich dann, wenn mir der Markt klare Signale sendet, dass sich das für Aktien positive Environment grundlegened. Aber nicht im untauglichen Versuch, herum zu raten und eine Zukunft vorher sagen zu wollen, die sowieso keiner kennt, auch wenn viele so tun, als wäre es anders. Und viele Anleger sind leider immer noch auf der sinnlosen Suche nach dem "einen" Guru, der ihnen für 4€ 95 Cent - oder noch besser gleich kostenlos - die Zukunft weissagt. Wer hier Sarkasmus findet, liegt richtig. 😉

Der von mir geschätzte Josh Brown hatte dazu vor kurzem ein kurzes, brilliantes Essay. Wenn Sie des Englischen mächtig sind, sollten Sie da bitte unbedingt lesen und schmunzeln:

Ihr Hari

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Bernanke reloaded ? – S&P500 on stairway to heaven ?

Déjà-vu ! Da sind wir also wieder, wo wir seit November 2012 dank Ben Bernanke schon so oft waren. Denn es läuft immer gleich:

Der Markt steigt und ist auf Höchstständen. Dann kommt etwas Sorge hinein, dass es dieses mal "der" ultimative Top sein könnte. Auslöser für die Sorge kann alles mögliche sein, das ist letztlich egal. Denn das Ergebnis ist auch immer klar, um an ein Bonmot aus dem Fussball anzuknüpfen:

"Börse ist ein einfaches Spiel, tausende kluge Leute wetten auf die Kurse, und am Ende gewinnt immer die FED." 😉

Wir haben diese V-förmigen Wende durch Einfluss der FED jetzt seit dem November 2012 - als Bernanke seinen Stimulus auf 85 Milliarden pro Monat hochdrehte - geschlagene 5 mal immer identisch erlebt. Langsam sind wir alle wie pawlowsche Hunde darauf progammiert. Eine V-förmige Wende, wie es sie in den prähistorischen "Vor-Fed-Zeiten", also sozusagen in der Steinzeit der Börsen, höchst selten gegeben hat.

Schauen Sie doch einfach mal auf das Chart des weltweiten Leitindex S&P500 mit Tageskerzen:

S&P500 20.09.13

Beeindruckend dieser Trend oder ? Mit perfekter Zyklizität kommen diese V-Wenden, weswegen nun wahrscheinlich alle, inklusive Joe Sixpack und Max Müller, genau auf das identische Muster wetten werden. Was 5 mal klappt, wird doch auch 6 mal klappen, oder ? Und die Wahrheit ist: ja, die Wahrscheinlichkeit dafür ist ziemlich gross.

Und jetzt berücksichtigen Sie bitte, dass genau dieser Bernanke gerade hat verlauten lassen, dass sich die FED noch nicht traut, einen Abbau des Stimulus zu beginnen, weil die ökonomischen Daten noch zu schlecht seien.

Hallo ? Hatte Börse nicht früher - Sie wissen schon, in der Börsen-Steinzeit - genau mal was mit ökonomischen Daten zu tun ? Warum steigen die Börsen und steigen, wenn die ökonomische Entwicklung nach Ansicht der Notenbanken nicht ausreichend ist ? Wie passt dieses Chart mit der wirtschaftlichen Realität auch in den USA zusammen ?

Die Antwort ist offensichtlich: gar nicht. Das ist ein Markt auf Steroiden. Steroide, die vom Dealer "Notenbank" ausgegeben werden. Und alle fragen sich: kann das ewig so weiter gehen ?

Nein, natürlich nicht. Mit jedem weiteren Schub wird das böse Ende nur härter. Stellen Sie sich nun mal vor, die FED würde den Stimulus nun wegnehmen. Dann würden Sie aber einen Luftballon platzen hören ! Die Reaktionen auf vage Andeutungen eines Tapering waren ja schon ein Vorgeschmack und dieses Chart zeigt auch klar, was dann der S&P500 machen würde: zurück auf Los ! Was wohl kaum wirklich schlimm wäre, die 1350 von November 2012 spiegeln viel eher die wirtschaftliche Realität wieder und sind immer noch historisch gesehen "gute" Kurse.

Nur was nützt uns dieses Wissen ? Gar nichts, denn bis es so weit ist, kann der Markt noch 5 weitere solcher V-förmigen Rebounds vollziehen und bei 2000 stehen. Und bis dahin können noch Jahre vergehen. Es nützt einfach nichts zu wissen, dass es "irgendwann" mal ein böses Ende nimmt. Will man in der Gegenwart Geld verdienen, muss man mit dem Trend gehen, solange er existiert. Und der Trend ist offensichtlich - bis er irgendwann überraschend bricht. Vielleicht ist dieser Tag schon bald, vielleicht auch erst 2015 - wir wissen es nicht.

Übrigens habe ich bewusst die beiden blauen Kreise eingezeichnet. Sehen Sie die perfekte Parallelität der Bewegungen aus dem April Boden und aus dem August Boden heraus ? Selbst die kleinen Korrekturzonen sind identisch.

Was wir da sehen ist eine klassische 1-2-3-4-5 Bewegung im Aufwärtstrend, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass wir gerade in Konsolidierung 4 sind und uns der finale Schub dieses Zyklus noch bevor steht, bevor dann eine Korrektur einsetzt. Aber das nur am Rande.

Wenn Sie sich jetzt fragen, ob diese Entwicklung sich durch die/den neuen FED Chef ändern würde, habe ich einen vielleicht überraschenden Gedanken für Sie:

Wer hat den gesagt, dass Bernanke gehen will ? Er selber nie und ich bin sicher, er will bleiben und seine Strategie zu Ende bringen und so in die Geschichtsbücher der grössten Notenbankchefs aller Zeiten eingehen. Nein, es war Obama der einen anderen Kandidaten wollte. Und es war Obama, der die Andeutungen zum Ende der Amtszeit von Bernanke machte.

Dieser andere Kandidat mit Namen Larry Summers wurde Obama nun aber aus der Hand geschlagen. Und was bringt es Obama nun, Bernanke gegen Janet Yellen auszutauschen, die nicht nur eine identische Strategie wie Bernanke verfolgen dürfte, sondern mit der - nach dem was man hört - Obama ebenso wenig klar zu kommen scheint, wie mit Bernanke und vielen anderen Persönlichkeiten.

Vor diesem Hintergrund habe ich mit grosser Aufmerksamkeit die gestrige Bemerkung unseres weisen Freundes Warren Buffet gelesen, der bekanntermaßen einen exzellenten Draht zu Mr. Obama hat: .

Mit so etwas wagt sich der gute Warren nur dann öffentlich heraus, wenn die Frage tatsächlich auf der Agenda steht, so viel ist klar. Erstaunlich, dass es noch niemand auf dem Radar zu haben scheint, dass Bernanke vielleicht eine weitere Amtszeit bekommt. Mit Buffets Äusserung hat das für mich eine gute Wahrscheinlichkeit bekommen. Und den überraschenden Verzicht auf jedes Tapering gestern, kann man auch als Bewerbungsschreiben interpretieren, wenn man will.

Und was würde der Markt machen, wenn er hört, dass der gute Helikopter Ben bleibt ? Er würde es lieben, weil der Markt liebt Beständigkeit, zumal wenn diese Beständigkeit immer neue leckere Würstchen zum Fressen gibt. Womit wir bei Phase 5 der aktuellen Aufwärtsbewegung wären und der Kreis sich schliesst.

Schauen wir also mal, ob der alte, weise und gut vernetzte Mann mal wieder was hat läuten hören und der ewige Ben uns vielleicht erhalten bleibt. Und ob der Markt auf einer ewigen Leiter bis in den Himmel klettert.

In diesem Sinne wünsche ich weiter viel Spass dabei, gegen die FED zu wetten, wir sehen uns dann in der Suppenküche ! 😯

Ihr Hari

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FED: Die Geister die man rief ….

Heute ein persönlicher Kommentar zum gestrigen Geschehen rund um die FED. Ich muss gestehen, ich bin von der gestrigen Entscheidung und der damit verbundenen Inkonsequenz ebenso überrascht wie entsetzt.

Was hat FED-Chef Ben Bernanke nicht für Aufwand betrieben, um die Märkte auf ein langsames Ende des Stimulus vorzubereiten. Seit Ende Juni ging es nur um diese Frage und die Märkte hatten mit einer bevorstehenden Rückführung des Stimulus längst ihren Frieden gemacht.

Die Bondrenditen am langen Ende stiegen wieder, die Aktienmärkte konnten sich aber nach einem kurzen Erschrecken wieder stabilisieren. Und die Wirtschaftsdaten in den USA wiesen auf eine zwar langsame, aber doch real vorhandene Erholung hin.

Der Saal war also bestellt, die Musik stand bereit, jetzt hätte die FED nur noch tanzen müssen und der Einstieg in den Entzug wäre ohne weitere Schäden vollzogen gewesen.

Und was tut die FED ? Im letzten Moment bekommt sie kalte Füsse. Warum ? Keine Ahnung, ich kann keinen objektiven Grund sehen. Auch die Bondrenditen der 10-jährigen wären selbst mit einem mässigen Tapering wohl nicht weiter gestiegen, das war längst eingepreist.

Hinter der vordergründigen Begeisterung des Marktes über dieses unerwartete Geschenk lauern daher nun böse Geister, die nun möglicherweise freigelassen wurden.

Die Frage nämlich, ob die FED überhaupt noch einen Entzug hinbekommt, wenn sie es selbst nach so einer wunderbaren Vorbereitung nicht schafft.

Die damit verbundene Frage, ob wir nicht einen historischen Moment erlebt haben. Den Moment an dem die FED zu erkennen gegeben hat, dass sie ein Kaiser ohne Kleider ist. Der Moment in dem der Weg zu einer Währungskrise massiv Fahrt aufnahm.

Denn wir müssen uns unbedingt klar machen: die Macht der Notenbanken beruht nicht primär auf den monetären Entscheidungen die sie treffen, auch Geldpolitik ist nicht allmächtig. Sie beruht vielmehr auf dem Ruf wie Donnerhall, der sich im Sprichwort "Don´t fight the FED" wiederspiegelt.

Mit diesem Ruf kann die Notenbank mit wenigen Worten die Märkte bewegen. Was aber passiert nun, wo wir gesehen haben, das das Gerede der FED Spitze über Monate dann doch nicht ernst zu nehmen ist ?

Das der Markt sofort angefangen hat in diese Richtung zu denken, konnten wie am Dollar Index sehen, der massiv eingebrochen ist. Und am Edelmetallsektor, der in einem massiven Short-Squeeze dieses mal wahrscheinlich sogar die Goldmänner und JP Morgans dieser Welt überrollt hat. Denn wenn man eine Währungskrise und massive Abwertung erwartet, ist Gold die ultimative Alternativwährung, die man haben muss. Dieser Zusammenhang war zuletzt in Indien hervorragend zu bewundern, wo während der Abwertung der Rupie der Goldimport so hoch ging, dass die Regierung nun versucht mit Einfuhrsteuern gegen zu halten.

Es wird der indischen Regierung im übrigen nicht gelingen. Solange das Kernproblem - die brutale Schwäche der Papierwährung - nicht gelöst ist, macht jede Verteuerung und Erschwerung des Erwerb dessen, was man kaum mehr bekommen kann, nur noch attraktiver.

Insofern hat die Schwäche des Dollar nun auch etwas Gutes. Es gibt den Emerging Markets Luft und wird die Aktienmärkte von Brasilien bis Indonesien kurzfristig befeuern.

Umgedreht bin ich mir bei den langfristigen Bondrenditen aber nicht sicher, ob das Verhalten der FED nun nicht den gegenteiligen Effekt auslöst, als erwünscht. Hätte ich jetzt ein grosses Portfolio an US Staatsanleihen, würde ich jetzt erst richtig kalte Füsse bekommen. In dem Moment, wo mein Vertrauen in die FED schwindet, ob die die Lage im Griff hat. Ich würde nun jede temporäre Stärke zum Ausstieg nutzen.

Und wenn die institutionellen Anleger nun ähnliche Schlüsse ziehen, kann es der FED passieren, dass nach einem kurzen Bounce die Renditen nun richtig anziehen. Und dann sitzt die FED brutal in der Falle und der Markt wird das wittern und alles noch schlimmer machen, weil alle gleichzeitig zum Ausgang rennen.

Die Kernfrage bleibt also:

Macht sich der Dollar auf den Weg einer massiven Entwertung, weil die FED in der Sackgasse steckt ? Und wenn die FED dann doch die Zügel strafft, werden die Entzugserscheinungen der Märkte noch weit intensiver sein, als alles was wir im Sommer erlebt haben. Die FED spielt nun mit dem Feuer. Sie spielt mit ihrer Reputation und dem Glauben der Märkte, dass die FED alles im Griff hat. Diese Spiel ist brandgefährlich und ich kann einfach nicht verstehen, warum sich die FED Mitglieder darauf nun ohne zwingende Not eingelassen haben.

Insofern - mit Verlaub meine Damen und Herren im FOMC Ausschuss - war das für mich die dümmste und schlechteste Entscheidung, die sie hätten treffen können.

Und für uns als Anleger gilt: diese Entscheidung hat die Märkte nicht stabiler gemacht. Im Gegenteil, die Risiken sind weiter gestiegen, der Einsatz wird erhöht. Geht dieses historisch einmalige Experiment am Herzen des Weltwährungssystems gut aus ? Ich hoffe es sehr, weil ich mir die schlimmen Konsequenzen vorstellen kann, wenn nicht. Alleine mir fehlt zunehmend der Glaube.

Betrachten wir also die Gewinne die wir nun machen können, als Winterspeck, den wir uns auf die Rippen legen sollten. Die Winterstürme kommen, das erscheint mir sicher. Vorher dürfen wir aber vielleicht noch einen goldenen Herbst erleben, in dem die Natur typischerweise in einer letzten Aufwallung ihre Kraft verbraucht.

Ihr Hari

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Eine dramatische Börsenwoche – Teil 2: To Taper or not to Taper

Der für die Börsen wichtigste Moment der Woche dürfte der Mittwoch Abend sein. Um 20 Uhr kommt die FOMC Aussage, in der die Entscheidung zum potentiellen Tapering enthalten sein dürfte. Ab voraussichtlich 20.30 Uhr spricht dann Ben Bernanke in einer Pressekonferenz und zuletzt waren immer das die Momente gewesen, in denen ein paar Worte den Markt massiv bewegt haben.

Richten Sie sich als am Mittwoch Abend auf sehr hektische und volatile Bewegungen ein. Denn die Märkte wissen, dass die Reaktion auf den FED Entscheid mit hoher Wahrscheinlichkeit den Ton der Märkte zum Jahresende bestimmen wird.

Der Marktkonsens ist dabei ein "Alibi-Tapering" von 10-15 Milliarden USD. So dass am Ende immer noch ein gewaltiger monatlicher Stimulus von 70-75 Milliarden USD übrig bleibt. Kommt die Aussage so wie erwartet, werden die Märkte wohl zunächst leicht positiv - weil erleichtert - reagieren.

Überraschende Abweichungen von diesem erwarteten Alibi-Tapering, werden dagegen zu erheblichen Ausschlägen führen. Denn damit rechnet schon deshalb niemand, weil alle davon ausgehen, dass Bernanke seinem(r) Nachfolger(in) nicht die Politik präjudizieren will.

Bei der Frage wie der Markt auf diese Abweichungen reagiert, gibt es aber einen Konsens, der in meinen Augen verfehlt ist. Dieses Missverständnis findet sich auch in den immer wieder zu hörenden Annahmen wieder, dass die Liquiditätsversorgung der Notenbanken unmittelbar zu Inflation führen müsste und deshalb auch Gold stützen müsste. Erst recht verfehlt sind aber die platten Behauptungen der Gegenseite, dass die Tatsache, dass wir nun seit Jahren keine relevante Inflation haben, der Beweis sei, dass die Notenbankpolitik nicht inflationär wirke.

Denn völlig übersehen wird dabei die Funktion der Banken als Intermediäre zwischen der Notenbank und der realen Wirtschaft. Es ist schon richtig, eine deutliche Erhöhung der Geldmenge führt früher oder später zur Inflation - das aber nur, wenn die Geldmenge auch den Wirtschaftskreislauf erreicht. Genau das passiert aber nicht, denn die Multimilliarden der Notenbanken versickern (noch) primär in den Bilanzen der Grossbanken und werden eben nicht an die Realwirtschaft ausgereicht. Erst wenn sich das ändert, wird aus der Geldmenge auch Inflation entstehen. Und da die Banken beim richtigen Katalysator ihre Politik auch schnell umstellen werden, kann diese inflationäre Entwicklung auch ganz schnell kommen.

In dem komplexen Spiel der Refinanzierung der Banken, spielt Gold dabei die Rolle eines "Collateral" (eines Pfands bzw. einer Sicherheit). Ich kann jetzt aus Platzgründen hier nicht im Detail aufdröseln, wie bei den Grossbanken die Bewegungen in den Bilanzen aussehen und ich will auch auf keinen Fall behaupten, dass ich das alles verstehe. Wer tut das schon ? 😉 Aber ich habe ein paar Vermutungen und gedankliche Modelle, ohne sie beweisen zu können, zumal Bank sicher nicht gleich Bank ist. Und wenn Sie wissen wollen, in welche Richtung die gehen, dann sollten Sie diesen brillianten Blog Beitrag lesen, den ich den Premium-Mitgliedern schon am Sonntag gezeigt habe. Lesen Sie auch die voran gegangenen Beiträge mal, wobei die Beiträge schon hohe Anforderungen an das Verständnis stellen und nicht für jedermann geeignet sind.

Etwas pauschal zusammen gefasst kann man also sagen: Ein starkes Tapering am Mittwoch wäre möglicherweise eher gut für Gold. Also invers zu dem, was man gemeinhin erwarten würde. Dass das so ist, können Sie auch nachvollziehen, wenn Sie sich in den letzten Jahren anschauen, was wann in Folge der QEs stieg und welche Assets gefallen sind. Und was sich nun geändert hat.

Auch heute früh konnten Sie den inversen Zusammenhang schon beobachten. Der Goldpreis war auf dem Weg nach oben, als die Nachricht vom Rückzug Summers als FED Chef kam. Damit wird Yellen wahrscheinlicher, die den Weg Bernankes nach Meinung der Märkte noch aggressiver fortsetzen würde. In Folge schiessen die Indizes nach oben und der Goldpreis verliert seine temporäre Stärke wieder.

Was ich Ihnen mit diesem Beispiel sagen will ist, dass die Dinge nicht so simpel sind, wie sie von all denen verkauft werden, die die Rolle der Banken als zentrale Drehscheibe der Geldversorgung nicht verstehen. Der Markt wird defacto im Grossbankensystem gemacht und das ist seit Lehman nicht besser und transparenter, sondern noch schlimmer und mächtiger geworden. Glauben Sie mir, ich gehöre zu denen, die am meisten an der Unfähigkeit unserer Politik verzweifeln, dieses Geschwür endlich aus dem Körper der Welt heraus zu schneiden. Siehe auch mein Beitrag zur Legende von der "bösen" Spekulation.

Wichtig ist also weniger, wie viel Geld die FED in den Markt kippt. Wichtig ist, was die Grossbanken in ihren Bilanzen und in ihrer Geschäftspolitik daraus machen. Und das Ergebnis dieses Umformungsprozesses durch das Bankensystem erreicht dann die Realwirtschaft und die Finanzmärkte. Und bewegt dort die Kurse. Das ist die traurige Realität. Gelernt hat die Politik aus Lehman nichts, die unheilige Allianz und gegenseitige Abhängigkeit zwischen den Staaten und der Grossfinanz, die die Staatsanleihen erwirbt und damit die Staaten finanziert, ist durch die Politik der Notenbanken eher noch stärker geworden. Und es war genau diese unheilige Allianz zwischen Politik und Bankensystem - in dem Fall zum Thema Hypothekenkredite - die die Krise 2008 erst aufgebaut hat.

Richten Sie sich also am Mittwoch auf ein paar Überraschungen ein, die Dinge sind nicht so wie es oberflächlich scheint. Und wenn Sie wie ich die Hoffnung haben, irgendwann mal wieder "freie Märkte" zu erleben und endlich ein Ende dieses Marktes auf Steroiden zu erleben, dann müssen Sie wie ich auf ein grosses Tapering hoffen. Denn auch wenn es kurzfristig dann mal in den Indizes rumpelt, langfristig muss diese Droge raus aus dem System, nur so können die Märkte ihre wirkliche volkswirtschaftliche Aufgabe ausführen: die Preisfindung für Unternehmen und Anleihen.

Und nur so bleibt uns ein zweites Lehman oder Schlimmeres erspart.

So weit zu dieser extrem spannenden Woche. Schnallen wir uns also an und im amerikanischen würde man sagen: "Brace for Impact !"

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Eine dramatische Börsenwoche – Teil 1: Bernankes Nachfolge und die Bundestagswahl

Eine der wichtigsten Börsenwochen des Jahres hat begonnen.

Eröffnet wurde sie standesgemäß. Und zwar mit dem Paukenschlag, dass der Favorit auf die Bernanke Nachfolge Larry Summer zurück gezogen hat und das offensichtlich unter massivem öffentlichen Druck. Die Wallstreet liebt es, denn deren Favoritin ist Janet Yellen, von der man erwartet noch aggressiver auf Stimulus zu setzen, als das Bernanke schon tat. Und so finden wir logischerweise den DAX heute früh auf historischen Höchstständen oberhalb 8600 wieder.

Allerdings wird die Freude wohl nur dann andauern, wenn es Yellen dann auch wird. Wie vom Wall Street Journal kolportiert, soll Obama nach einem "dritten" Kandidaten suchen und das würde die Unsicherheit eher erhöhen, der Markt mag Unsicherheit einfach nicht.

Am Ende der Woche dräut dann auch noch die Bundestagswahl und auch diese hat es in sich, denn bedingt durch unsere Wahlrecht mit der 5-Prozent-Hürde, wird die Regierung der grössten Volkswirtschaft der Eurozone möglicherweise nur von sehr wenigen Stimmen abhängen und damit eher "ausgewürfelt", als nach dem exakten Volkswillen festgelegt werden.

Denn es gibt 3 Parteien in Form der FDP, den Piraten und der AfD, bei denen völlig unklar ist, ob sie die 5-Prozent Hürde überspringen werden. Und so lassen sich, abhängig vielleicht von nur ganz wenigen realen Stimmen, unterschiedlichste Regierungsszenarien kreieren. Gewiss ist nur eines: Sie sollten unbedingt zur Wahl gehen, denn selten war das Ergebnis so unbestimmt wie dieses mal.

Die 5 Prozent Hürde macht das möglich, die damals von den Verfassungsvätern gewählt wurde, um "Weimarer Verhältnisse" zu verhindern. Das ist auch gelungen, hat aber umgedreht die Politverdrossenheit gefördert, denn es hat die Macht der schon im Bundestag vertretenen Parteien zementiert und dauerhaft ist es nur der Öko-Bewegung durch die "Grünen" in der Geschichte der Republik gelungen, dieses Kartell der Etablierten ein einziges Mal aus eigener Kraft aufzubrechen. Die Linke kann man da nicht zählen, die hat ja ihre Wähler durch die Wiedervereinigung mitgebracht und war quasi sofort oberhalb der Schranke.

Ich persönlich würde eine Absenkung auf zum Beispiel 2-3% für demokratisch geboten halten, um im Bundestag wirklich den Volkswillen abzubilden und für ein lebendigeres Parlament zu sorgen. Mit einer Hürde von 2-3% kann man immer noch eine zu grosse Zersplitterung verhindern. Aber das ist nur meine Meinung, um unsere Demokratie lebendiger zu gestalten. Es wird kaum passieren, denn welches Interesse sollen die etablierten Parteien daran haben, die das Wahlrecht ändern müssten ?

Aber wie auch immer, die meisten der Szenarien der Bundestagswahl, werden die Märkte völlig unbeeindruckt lassen, da die aktuell im Bundestag vertretenen Parteien in ihrer Ausrichtung Richtung Europa und Aussenpolitik kaum zu unterscheiden sind. Und ob die aktuelle Koalition erhalten bleibt oder es eine grosse Koalition gibt, wird den Märkten bestenfalls ein Gähnen abringen.

Aber es gibt zwei Szenarien, über deren Folgen Sie sich im klaren sein sollten:

(1)

Falls Rot-Grün eine Mehrheit bekommt, zum Beispiel weil FDP und AfD gleichermassen an der 5-Prozent-Hürde scheitern - oder noch stärker, wenn es eine Rot-Grün-Linke Regierung gibt - sollten Sie nicht in deutschen Nebenwerten sein. Die internationalen Börsen wird das nicht weiter interessieren, im Gegenteil, den Südländern und ihren Renditen und damit dem Eurostoxx wird so ein Wahlergebnis eher gut tun, weil diese Parteien die Euro-Rettungspolitik der aktuellen Regierung monetär noch toppen wollen. Perse ist eine Rot-Grüne Regierung für die internationalen Märkte also auch eher "Schulterzucken" bzw. für Südeuropas Märkte positiv.

Aber bei der deutschen mittelständischen Exportindustrie, die man typischerweise in MDAX und SDAX wieder findet, dürfte das zu bösen Verkäufen führen. Und zwar neben der erwarteten Schwächung der Wettbewerbskraft, primär aus der von den Parteien verfolgten Vermögenssteuer heraus. Denn hier gibt es viele Familienunternehmen mit Ankeraktionären, die im Falle so einer Steuer Aktien verkaufen müssten, um die Steuer bedienen zu können und das wird der Markt sofort antizipieren. Das Musterbeispiel dieser Problematik unter den DAX Konzernen ist BMW, die Familie Quandt hält hier die Fäden in der Hand und die Börse würde die BMW Aktie in so einem Fall deshalb wohl erst einmal verkaufen und erst dann nachdenken.

(2)

Falls die AfD einen Überraschungserfolg gegen die Demoskopen Richtung 8-10% landet und - zum Beispiel weil FDP und Piraten draussen bleiben - defacto zum Zünglein an der Waage wird, könnte der einzige Fall eintreten, in dem die Bundestagswahl über den rein deutschen Aktienmarkt hinaus zu Verwerfungen führt. In diesem Fall darf man keine Aktien aus den europäischen Südländern haben und Bonds dieser Länder schon gar nicht. Die Märkte werden schnell die Frage stellen, ob sich durch die Existenz dieser Proteststimme im Parlament nicht sofort die Merkelsche "Rettungspolitik" ändert. Sich geänderten Strömungen anzupassen, darin hat die Bundeskanzlerin ja Meisterschaft entwickelt. 😉

Vordergründig würde es dann natürlich auf eine grosse Koalition hinaus laufen. Aber mit einer starken AfD im Nacken, wird entweder diese Koalition ihre Europa-Politik anpassen und schärfer deutsche Interessen vertreten. Oder es wird gar nicht zur grossen Koalition kommen, weil Merkel bewusst ist, dass die grossen Parteien dabei nur verlieren können. Wie man einen vermeintlichen Partner so umarmt, dass man ihn dann erdrückt, verdaut und ausspuckt - hat Merkel ja nicht nur mit der SPD vorgeführt, sondern eindrücklich auch an der FDP vorexerziert. Insofern werden sich die Märkte in dem Fall noch in der Wahlnacht die Frage stellen, ob wir hier eine erneute Wende der Regierungschefin ala "Energiewende" erleben, mit der sie sich der öffentlichen Stimmung anpasst. Und dieses Risiko würden die Aktienmärkte sofort in die Kurse der Aktien und Anleihen Südeuropas einpreisen. Ob es dann ein paar Wochen später tatsächlich eintritt, ist eine ganz andere Frage.

So weit meine Sicht auf die Bundestagswahl aus der Warte der Märkte. Das wahrscheinliche Szenario ist also ein grosses Gähnen und nur in den beiden obigen Szenarien sehe ich direkte Auswirkungen, die uns im Vorfeld bewusst sein sollten.

Das wichtigste Thema der Woche ist aber die FED Sitzung am Mittwoch mit der Frage des "Tapering". Dazu folgt heute noch ein zweiter Teil der Vorschau.

Ihr Hari

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Charts des Sommers – Rohstoffe und Freeport McMoran

Schon seit Anfang Juli verfolgen wir hier den Inflations-, China- und Rohstofftrade, der mit Bernankes Ausagen einsetzte und zuletzt Fahrt aufgenommen hat.

Quer durch den Sektor gab es zuletzt Ausbrüche aus lang laufenden Abwärtstrends. Und ganz typisch für Mr. Market ist, dass diese Ausbrüche dann noch einmal von oben getestet werden.

Auch das ist nun möglicherweise geschehen. Egal welches Chart Sie aus dem Sektor nehmen, Sie sehen einen Ausbruch und das folgende Retracement, das nun scheinbar gekauft wird.

Ich will Ihnen hier nur beispielhaft zwei Charts zeigen, das des ETFs iShares Basic Resources in Euro, in dem die grossen Bergbaukonzerne wie BHP Billiton oder Rio Tinto sind. Und das des Kupfer und Gold Miners Freeport McMoran in USD. Nehmen Sie andere Aktien des Sektors und Sie werden ähnliche Muster finden, die alle auf eine Bodenbildung und Wende hindeuten.

Die Chancen für den neuen Aufwärtstrend sind damit gut. Wer sicher gehen will, wartet noch ab, ob neue Hochs generiert werden. Damit wäre der neue Trend bestätigt. Und nach unten gilt wie bei jedem Trend: das letzte bedeutende Tief darf nicht mehr unterschritten werden. Entsprechend sind Stops einzuplanen. Denn: The Trend ist our friend - until it ends !

Im Premium-Bereich verfolgen wir diese Trades nahezu täglich und im Detail.

Basic Resources 23.08.13

Freeport 23.08.13

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Wende am Bondmarkt – oder die Angst der FED

Ich habe die potentielle Wende am Bondmarkt hier ja zuletzt immer wieder thematisiert. So zum Beispiel mit -> diesen <- Charts vom 15.07. diesen Sommer.

Nun scheint die Entwicklung weiter zu eskalieren, die Bondrenditen in den US steigen weiter und das trotz der Tatsache, dass die FED weiterhin pro Monat 85 Milliarden für Aufkäufe verwendet.

Man kann langsam den Eindruck gewinnen, dass der FED die Kontrolle der Bondmärkte entgleitet und das hätte für die Märkte weltweit erhebliche und zum Teil dramatische Konsequenzen.

Machen Sie sich bitte klar, dass die allermeisten Staaten der westlichen Welt - Deutschland eingeschlossen - strukturell gar nicht mehr in der Lage sind Zinsniveaus wie Anfang der 90er Jahre auszuhalten. Zu stark sind die Schulden seit dem angeschwollen.

Machen Sie sich bitte auch klar, dass höhere Renditen bei Staatsanleihen früher oder später auch in die anderen Kreditmärkte diffundieren und damit auch Kredite für Bürger und Unternehmen verteuern. Ist doch auch ganz klar, warum soll den ein Kreditgeber einem Bürger ein Darlehen für X Prozent gewähren, wenn er gleichzeitig zum identischen Zinssatz einem Staat das Geld leihen könnte. Steigende Zinsen sind also bestimmt keine Unterstützung für das gerade in den US nun zart und langsam wachsende Pflänzchen eines Aufschwungs.

Deshalb bin ich sicher, dass Charts wie die beiden, die ich Ihnen nun zeige, bei der FED aktuell grosse Sorge hervor rufen, auch wenn man sich nach aussen gelassen gibt. Und es könnte deshalb sein, dass es auch nicht mehr lange dauern wird, bis die Notenbanken erneut "zucken" und die FED wahrscheinlich einfach die Dosis der bekannten Medizin für den kranken Patienten erhöht - noch mehr Stimulus eben. Das Thema Tapering könnte so schnell wieder von der Agenda verschwinden.

Was passiert aber, wenn man bei einem Patienten, bei dem die ursprüngliche Medizin nicht wirklich zur Genesung geführt hat, einfach die Dosis weiter erhöht ? Wird eine höhere Dosis nun dazu führen, dass endlich "alles gut" wird ? Wohl kaum.

Mit den möglichen Folgen für die Märkte und wie man davon profitieren kann, beschäftigen wir uns täglich im Premium-Bereich. Hier zeige ich Ihnen nur zwei der eindrucksvollen Charts.

Zunächst den ETF TLT der langlaufenden US Staatsanleihen mit Wochenkerzen seit 2009. Man sieht, wie es Ben Bernanke im Juli trotz all seiner Reden als "Taube" nicht gelungen ist, die Lage zu stabilisieren. Der Abverkauf geht weiter und die Renditen steigen weiter.

Dann das ebenso "gruselige" Chart des ETF LQD mit Wochenkerzen seit 2009. Im LQD sind liquide Unternehmensanleihen grosser US Bluechips mit Investment Grade enthalten. Man sieht wie die Entwicklung am Corporate Bondmarkt den Staatsanleihen etwas nachläuft, die Richtung ist aber ebenso eindeutig wie erschreckend.

TLT 20.08.13

LQD 20.08.13

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Das Ungeheuer Devisenmarkt – Die wilden Swings des US Dollar

Viel wird über Aktien und Indizes geschrieben und wie oft wundern wir uns, wenn die Kurse plötzlich den Rückwärtsgang einlegen und in die Gegenrichtung laufen.

Manchmal verhalten wir uns dabei wie naive Urlauber, die am Strand sitzen und auf eine vermeintlich ruhige See schauen. Wir sehen die Möwen, die da geruhsam vor sich hin dümpeln, ahnen die Fische die unter der Oberfläche ihre Kreise ziehen und beobachten die friedliche Szene. Dann plötzlich kräuselt sich das Wasser und die Möwen fliegen auf. Ein Gurgeln ist hörbar und Wellen entstehen. Einen der Fische hat es scheinbar erwischt. Oder war es doch ein Taucher ? 😉 In jedem Fall war da etwas sehr Grosses, das aus den dunkleren Bereichen unter der Wasseroberfläche kam und offensichtlich auf Jagd ging. Wir Urlauber wollen lieber nicht darüber nachdenken, was das gewesen sein könnte, es könnte unseren ruhigen Schlaf stören ....

In den Märkten gibt es definitiv zwei so Ungeheuer, die weit grösser und mächtiger als der Aktienmarkt sind. Aber wie es sich für dunkle Ungeheuer gehört, sind diese in den populären Postillen eher weniger bekannt. Das eine Ungeheuer ist der Anleihenmarkt und das dieser Anzeichen grossen Stresses zeigt, haben wir hier ja schon anhand des ETFs der langlaufenden US Treasuries (TLT) im Detail besprochen. Die Implikationen dieses Stresses sind auf jeden Fall gewaltig und gehen bis in Existenzfragen von Währungen und Staaten hinein.

Das andere Ungeheuer ist aber noch grösser und noch mächtiger. Es ist grösser als alle anderen Märkte, auch grösser als der Anleihenmarkt und es bewegt am Tag 4 Billionen! USD - am Tag ! Es ist der grösste Finanzmarkt der Welt und dieses Ungeheuer hat mehrere Dompteure, mit denen es symbiotisch interagiert.

Das Ungeheuer ist der Devisenmarkt, der mit seinen Bewegungen weit mehr in den Aktienmärkten bewegt, als man ahnt, wenn man als Tourist am Strand sitzt und sich die Bewegungen der Möwen (= Kurse der Aktien) betrachtet. Und diese Dompteure sind die Notenbanken, wobei böse Zungen ja behaupten, dass diese neuerdings den gar nicht so gefährlichen Devisenmarkt erst zu einem richtigen Ungeheuer machen.

Wenn das Ungeheuer Devisenmarkt sich bewegt, werden sofort die Gewinne der Unternehmen massiv beeinflusst. Rohstoffe werden für den einen teurer und für die anderen weniger profitabel zu verkaufen. Gewinnmargen schrumpfen oder wachsen, Staatsschulden werden relativ grösser oder leichter abzubauen. Kaufkraft der Bürger steigt oder wächst. Wenn sich das Ungeheuer Devisenmarkt bewegt, schüttelt es die Welt durch.

Und das bedeutendste Körperteil des Ungeheuers ist die Weltleitwährung US Dollar. Und was der Dollar zuletzt für wahnsinnige Swings vollzogen hat, will ich Ihnen nun am Tageschart des US Dollar Index zeigen, der den Dollar im Verhältnis zu einem Korb anderer Währungen darstellt:

USD 10.07.13

Sie sehen den gigantischen "Megaphone Pattern" mit allerlei wichtigen Implikationen. Und Sie sehen, dass der US Dollar Index nun überkauft ist und bald (wahrscheinlich heute Abend zu den FOMC Minutes) die obere Begrenzung der Struktur erreichen wird.

Und falls Sie immer noch am Strand sitzen und glauben, dass das ja alles keine Bedeutung hätte, dann habe ich Ihnen unten mit einem dicken blauen Pfeil den Tag und Abend eingezeichnet, an dem Ben Bernanke seine "Tapering" Gedanken in den Markt gab. Es war der 19.06. und ich war zu dem Zeitpunkt im Urlaub.

Noch Fragen ? 😉

Achja, heute Abend nach US Börsenschluss redet der gute Ben wieder - siehe der kleine blaue Pfeil oben. 🙂 Noch jemand der Meinung, das sei eher unwichtig ? 😉

Ich hoffe ich konnte per "Schockeffekt" klar machen, welche Bedeutung die Bewegungen am Devisenmarkt auch für die Aktienmärkte haben. Und wie wenig man begreift, wenn man nur die Wasseroberfläche des Aktienmarktes betrachtet.

Im Detail gibt es dazu natürlich viel zu sagen und viel zu verstehen und lernen, das würde aber so einen Blogpost weit übersteigen. Diesen Zusammenhängen widmen wir uns aber immer wieder im Premium-Bereich von surveybuilder.info, neben vielen anderen aktuellen Themen auch, jeden Tag mit vielfachen Tips, Tricks, Links und Meinungen.

Wenn Sie verstehen wollen, wie die Märkte wirklich funktionieren, sollten Sie sich mal mit diesem Blog und seinen Angeboten befassen. Wenn Sie dagegen weiter "heisse Tips" zu Möwen an der Wasseroberfläche suchen, die sie ohne intellektuelle Energie einfach konsumieren können, sind sie hier aber an der falschen Stelle.

Glauben Sie bitte nur nicht, dass man reich werden kann, wenn man nur die Oberfläche wahrnimmt ..... 😉

Ihr Hari

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