Das Schweigen im Walde – Gold und Goldminen weiter im Bärenmarkt

Es ist für mich wirklich faszinierend zu beobachten, wie die medialen Erregungs-Mechanismen gerade bei Gold ablaufen. Waren noch vor 2 Wochen die Schlagzeilen voll mit "Kaufsignalen bei Barrick" und ähnlichen bullischen Kommentaren zu Gold, herrscht nun eher das grosse Schweigen.

Dabei war auffällig, dass gerade in den letzten Wochen, immer mehr auf den bullischen Bias aufsprangen, auch Marktteilnehmer, die wahrscheinlich die komplette zehnjährige Edelmetall-Rally des letzten Jahrzehntes verpasst hatten, wurden zu "Gold-Experten" und reihten sich in die endlose Reihe der immer gleichen Geschichten zum Thema ein.

Haben Sie aber schon einmal erlebt, dass der Markt genau das macht, was selbst das "Milchmädchen" mittlerweile als logisches Weltbild besitzt ? Die schöne Geschichte von den zwangsläufig kommenden hohen Goldpreisen, ist einfach zu oft erzählt und zu sehr Common Sense, um am Markt so einfach eintreten zu können. Ich persönlich bin sogar immer noch davon überzeugt, dass am Ende der Goldpreis viel höher stehen wird. Bevor das aber passieren kann, muss all den zu selbstsicheren Bullen wohl erst einmal das Rückrat gebrochen werden. Und dass das noch nicht passiert ist, zeigt das viel zu schnell und viel zu bullisch anziehende Sentiment der letzten Wochen.

Dabei ist es ja keine Schande, komplett neben der Spur zu liegen, das gehört zum Geschäft dazu und passiert jedem irgendwann. Statt Auseinandersetzung mit den Ursachen, haben wir nun aber weitgehend ein Schweigen im Blätterwald - sozusagen Schockstarre - und das macht dann die Stille im wahrsten Sinne des Wortes "beredt". Immerhin habe ich in der letzten Woche mal keine aggressiven Werbemails von Goldhändlern bekommen, in denen für Medien eines namhaften, medialen Gesichts zum Thema Börse geworben wird. Das ist ja mal ein Fortschritt.

Grund genug für uns, genau in diesem Moment des grossen Schweigens, auch mal im freien Bereich des Blogs einen Blick auf die Lage im Goldmarkt zu werfen. Im Premium-Bereich waren wir die ganze Zeit am Ball und haben auch nahe am Hoch - oberhalb 1380 USD - auf den Exitknopf gedrückt und die schönen Gewinne seit dem Ausbruch über 1270-1280 USD mitgenommen.

Für sehende Augen war diese Korrektur, die wir nun erlebt haben, zwangsläufig. Der COT Report hatte seinen negativen Überhang verloren, der Gold über Wochen in Form eines Short-Squeezes nach oben katapultiert hatte. Der Ukraine-Bonus, drohte zu entweichen. Von den Zyklen her, war der Aufwärtszyklus schon überdehnt. Das Sentiment war zu schnell über die Massen bullisch geworden und trotzdem war Gold immer noch klar im übergeordneten Abwärtstrend. Ein Abwärtstrend, der erst deutlich über 1400 USD langsam gebrochen würde.

Ich persönlich hatte aber eher damit gerechnet, dass Gold noch einmal die Nase über 1400 USD streckt und den Ausbruch ganz fies antäuscht, bevor es dann richtig nach unten los geht. Nun hat der Goldpreis aber schon direkt unter 1400 USD gedreht, was nicht unbedingt bullischer ist, um es mal vorsichtig zu formulieren.

Schauen Sie mit mir auf das Chart von XAUUSD mit Tageskerzen, mit dem ich die Lage verdeutlichen will:

Gold 27.03.14

Noch vor 2 Wochen, als ich die Korrektur erwartete und im Premium-Bereich mehrfach davor gewarnt habe, war ich für den weiteren Verlauf nach der Korrektur völlig offen, ohne klare Tendenz. Denn diese Korrektur hätte eine Art rechter Schulter, einer grossen inversen Schulter-Kopf-Schulter Formation werden können. Und damit der Vorbote des echten Ausbruches aus dem Abwärtstrend. Vor 2 Wochen hielt ich dieses Szenario für mindestens ebenso wahrscheinlich, wie den Fall, dass wir gerade nur eine Bärenmarkt-Rally sehen und Gold im Bärenmarkt bleibt.

Nun, nachdem wir diese Korrektur bis 1300 USD gesehen haben, hat die bärische Interpretation bei mir Übergewicht, wiewohl ich den bullischen Fall immer noch für denkbar halte. Denn der Charakter der Korrektur der letzten Tage ist massiv bärisch und zeigt, dass kein echter bullischer Bid im Markt war. Eine bullische Korrektur im Bullenmarkt sieht völlig anders aus, als dieses hochvolumige, fallende Messer, das wir die letzten Tage gesehen haben.

Für mich ist damit wahrscheinlich geworden, was kluge Marktbeobachter schon länger sagen: die Rally der letzten Wochen war primär ein Short-Squeeze und wurde nicht von wirklicher, langfristiger Akkumulation von Big Money getragen.

Erschwerend kommt die brutale Schwäche der Minen hinzu, bei denen sich die Anzeichen verdichten, dass das Management nun wieder massiv zum Hedging greift. Sprich das zukünftige geschürfte Gold wird nun schon zu festen Preisen verkauft. Das sichert das Überleben der Minen, falls es weiter runter geht und ist insofern aus Sicht des Managements eine notwendige Massnahme. Es zeigt aber auch, wie die Insider den Markt sehen und vor allem begrenzt es das Upside der Minen, wenn der Goldpreis doch steigt. Denn dann hängt man in seinen Festpreis-Verträgen und kann die Gewinnsteigerungen nicht mitnehmen.

Schauen wir auf die lokale Lage heute am Morgen des 27.03.14, spricht einiges dafür, dass sich die initiale Abwärtsbewegung nun schon bald erschöpft hat. Gestern hatte bei den Minen den Charakter einer Kapitulation. Die Chance ist also gross, dass es bald im Sektor temporär ein paar Tage wieder hoch geht. Bei einer typischen Korrektur ist der initiale Momentum-Schub aber nur die Phase 1 einer Bewegung, die typischerweise aus 3 oder 5 Phasen besteht und nur kurz durch eine Gegenbewegung in Phase 2 bzw 4 unterbrochen wird.

Wenn das eher bärische Gesamtbild von oben also stimmt, steht uns nun der Bounce bevor, der zwangsläufig auf so einen Absturz folgt. Wir hatten dazu auch im September letzten Jahres das perfekte Muster, wo auf den initalen Abverkauf eine Gegenbewegung bis ca. zum 50er Retracement folgte. Und dann ging es richtig runter.

Natürlich ist die Möglichkeit einer bullischen iSKS und eines folgenden Bruchs des Abwärtstrend immer noch da, aufgrund der Price-Action der letzten Tage nun aber etwas kleiner, als das bärische Szenario. Es gibt auch keinen Grund hier Angst zu haben, etwas zu verpassen. Wenn Gold wirklich den übergeordneten Abwärtstrend bricht und die Träume der Gold-Bugs vom Lauf zu historischen Hochs aufgehen, werden 14xx USD erst der Anfang sein. Insofern kann man gelassen warten, ob dieser Fall wirklich eintritt, bevor man sein sauer verdientes Kapital dem Risiko eines möglicherweise fortdauernden Bärenmarktes aussetzt.

Schauen wir auf das Goldchart mit Wochenkerzen, sehen wir auch schnell eine sehr realistische Möglichkeit für die Zukunft, die niemandem richtig schmecken wird und deshalb eine gar nicht mal geringe Eintrittswahrscheinlichkeit hat:

Gold Wochen 27.03.15

Eine volatile Seitwärtsbewegung bis weit in 2015 hinein, die alle frustriert und am Ende den nun hyperventilierenden Bullen durch pure Langeweile das Rückrat bricht. Wenn einige der Gold-Bug Seiten wegen Lesermangel schliessen und ich weniger Mails von Goldhändlern bekomme, die immer nur in die eine Richtung nach oben tröten, dann wird es wieder interessant und dann kann Gold seine langfristige Aufwärtsbewegung vielleicht wieder aufnehmen.

Lassen Sie sich also nicht von all den wohlfeilen Argumenten zu "Gold das nach Asien geht", einer "Comex mit leeren Depots" und Ähnlichem ins zeitliche Bockshorn jagen. Wahrscheinlich steckt in den Argumenten viel Wahres und wie ich schon sagte, glaube auch ich daran, dass wir aufgrund der Zwangsläufigkeiten des Weltfinanzsystems, früher oder später weit höhere Goldpreise sehen.

Nur kann man diese Überlegungen nicht zum Timing verwenden, denn es kann gut sein, dass erst in 2014/2015 dem Goldbullen der Nacken gebrochen wird, bevor es dann wirklich nach oben gehen kann und wird. "Zum falschen Zeitpunkt" ist halt auch nur eine andere Formulierung für "Verlust".

Wir tun also gut daran, das Thema ganz opportunistisch und gelassen anzugehen. Zunächst einmal ist Gold nach wie vor im übergeordneten Abwärtstrend und das ist zu respektieren. Wir können abwarten, ob es Gold da heraus schafft, bevor wir ins Hyperventilieren geraten. Und zwischen 1500 und 3000 USD ist immer noch genug zu verdienen.

Wer auch denkt, dass Gold früher oder später weit teurer wird, hat einen physischen Barren sozusagen unter dem Kopfkissen. Grund nun an den Märkten bei 1300 hinter all den reisserischen Artikeln her zu rennen, leitet sich daraus nicht ab.

Bleiben Sie also gelassen und lassen Sie Gold erst einmal selber den Beweis antreten, dass es reif für die nächste Phase des Bullenmarktes ist. Im Moment ist dieser Beweis nicht angetreten ! Ich bin überzeugt, der Tag wird kommen. Wenn er kommt, werde wir hier auf surveybuilder.info bereit sein.

Wie ich schon meinen Lesern sagte, verliebt bin ich in meine Frau und meinen Sohn, nicht aber in ein gelbes Metall, das mir in physischer Form als Notfall-Währung dient.

Ihr Hari

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Barrick Gold – Ausverkauf und Panik – 15.04.13

Einer geht noch, an diesem denkwürdigen Tag.

Ich zeige Ihnen einfach das Wochenchart vom weltgrössten Goldförderer Barrick Gold (WKN: 870450). Und zwar die Zeitspanne zwischen 2008 und heute.

Muss man da noch viele Worte verlieren ?

Wohl kaum. Nur ein Wort zu Warnung, wer meint, dass das fallende Messer aufgrund des Bildes hier stoppen muss, der irrt. Auch ein unterbieten der 2008er Stände ist im Panikmodus möglich.

Das wir es hier aber mit einem panikartigen Ausverkauf zu tun haben, ist wohl offensichtlich.

Barrick Panik 15.04.13

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Kurztipp – 29.08.12 – Kinross Gold (WKN A0DM94)

Kinross Gold (WKN A0DM94) gehörte lange zu meinen "Igitt"-Aktien. Sie wissen aus diversen Artikeln, wieviel Wert ich auf ein gutes, fähiges Management lege um eine Aktie in den Kern der von mir beobachteten Titeln aufzunehmen.

Bei Kinross war das bis vor Kurzem nicht gegeben. Der alte CEO Tye Burt hatte sich mit seiner Akquisitionsstrategie verhoben und bekam das Geschäft operativ nicht in den Griff. Die Auswirkungen dieser verfehlten Management-Leistung kann man wunderbar im Kurs im Wochenchart bewundern, der auf dem 2008er Tief angekommen ist, obwohl Gold ca. doppelt so hoch notiert wie damals.

Nun wurde am 01. August der alte CEO endlich vom Board ausgetauscht und J. Paul Rollinson trat seine Nachfolge an, mit dem klaren Auftrag endlich die operativen Probleme in den Griff zu bekommen.

Hinzu kommt, dass Kinross nun bei ca. 10 Milliarden Marktkapitalisierung nur noch bei ca. 80% des Buchwertes notiert. Damit ist Kinross ganz klar ein Übernahmekandidat für die ganz grossen Spieler im Goldminensektor wie Barrick, Goldcorp oder Newmont. Und der Chart von Kinross sieht sehr nach einem multiplen Boden aus.

Weitere Details finden Sie bei Finviz.

Nachdem diese Aktie lange in meiner "Igitt" - Liste war, scheint mir Kinross nun einen Blick wert und es könnte eine interessante Turnaround-Wette werden. Schauen Sie selber mal hin ! Ein sinnvoller Stop liegt direkt unter dem multiplen Boden.

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Marktupdate – 03.07.12 – Gedanken zu DAX, S&P500 & Co.

17:30 Uhr

Mitten im Handel möchte ich ein paar lose Gedanken zum Markt mit Ihnen teilen. Da morgen in den US "Independence Day" ist, dürfte der Handel zum Abend hin austrocknen und nichts Bedeutendes mehr passieren. Vorbehaltlich grosser Überraschungen, bleibt das heute daher der einzige Artikel des Tages.

1) Der Markt ist sehr stark und hat im S&P500 Future im Hoch die 1374 erreicht. Das gestern die 1362 zum Handelsschluss gehalten wurden, war also das erwartet positive Signal.

2) Relativ noch stärker ist der DAX, der aber wie erwartet Schwierigkeiten hatte die 6550 schnell zu überwinden, zum Handelsschluss ist es dann gelungen. Warum können Sie in meinem Artikel von gestern -> hier <- nachlesen.

3) In Anbetracht der relativen Stärke des DAX und des morgigen Fehlens von Einflüssen der Wallstreet, kann man morgen tendentiell mit einem ruhigen, aber erneut latent positiven Tag rechnen.

4) Der Rohstoffsektor ist heute "On Fire", egal ob Öl, Kupfer, Uran, Gold, Silber oder Agrar. Ich hatte in den vergangenen Tagen diverse Artikel und Meinungen verlinkt, die für eine grundlegende Wende im Rohstoffsektor sprechen. Dieses Szenario scheint nun möglicherweise einzutreten. Viele Aktien haben nun klare Wendeformationen ausgebildet. Ich rate dazu, sich selber mal einige Charts der bekannten Titel des Sektors zu Gemüte zu führen.

5) In Anbetracht der Geschwindigkeit, mit der die Rally nach oben läuft - bis 1400 fehlen im S&P500 gerade mal noch gut 2% - wird die Luft aber auch schon bald wieder dünn. Bedenken Sie, dass am 10.07.12 das BVG entscheidet und ich habe ja auch diverse Artikel verlinkt, die zeigen, dass nicht nur in Deutschland, sondern auch in Finnland und den Niederlanden die innenpolitische Luft für die fröhliche Geldschleuder nach Südeuropa nun dünn wird. Jegliche "Überraschung" aus dieser Ecke, hat das Potential die Rally auch schnell wieder zu beenden.

6) Ich werde daher in Sektoren mit extremem Nachholpotential - wie eben einigen Rohstofftiteln und selektiven Aktien aus Deutschland wie Leoni (WKN 540888) - durchaus weiter auf dem Gaspedal bleiben. Zu übergrosser Euphorie und einem wilden "nachhechten" nach den weglaufenden Kursen besteht aber bei S&P500 1370 in meinen Augen keine zwingende Notwendigkeit mehr.

7) Als Potential nach oben für diesen Sommer sehe ich im S&P500 durchaus noch neue Jahreshöchststände oberhalb 1420 als möglich an. Das wäre von heute noch ca. 4-5%. Viel mehr nach oben würde mich im breiten Index ehrlich gesagt überraschen. Im DAX und MDAX steckt etwas mehr Potential, das muss man aber selektiv sehen, nicht jede Aktie ist aktuell kaufenswert, besonders nicht im DAX.

8) Da vermutlich Fragen kommen, hier eine kleine Auswahl von weniger bekannten USA & Kanada Aktien im Rohstoffsektor, die ich persönlich nun prinzipiell für interessant erachte. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und dient nur dazu Ideen zu generieren. Die allseits bekannten Barrick, Rio Tinto, Cameco & Co. sowie europäische Titel ala K+S habe ich bewusst weggelassen, die dürfte jeder kennen. Ob die individuellen Aktien wirklich konkret kaufenswert sind und wenn ja warum, wann und zu welchem Kurs, müssen Sie selber heraus finden. 😉 Alle dieser Aktien sind aber zumindest auf meiner Watchlist, einige auch im Depot. Wenn Sie eine Meinung zu diesen Aktien haben, würden sich die anderen Leser sicher freuen, diese hier zu hören.

Apache (WKN 857530) - Öl und Gas
Devon Energy (WKN 925345) - Öl und Gas
Cliffs Natural Resources (WKN A0RBDY) - Eisen, Stahl und Kohle
Arch Coal (WKN 908011) - Kohle 😉
Freeport McMoran (WKN 896476) - Kupfer
Bunge (WKN 726269) - Agrar
Mosaic (WKN A1JFWK) - Dünger
Silver Wheaton (WKN A0DPA9) - Silber
Hecla Mining (WKN 854693) - Silber
Iamgold (WKN 899657) - Gold
Yamana Gold (WKN 357818) - Gold

Ich wünsche Ihnen immer gute (Anlage-) Entscheidungen !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 14.03.12 – Industrie oder Rohstoffe – wer liegt hier falsch ?

21 Uhr - Handelsschluss

Wie gestern nach der starken Bewegung der Wallstreet im späten Handel zu erwarten, hat der DAX heute noch eine Schippe drauf gelegt und ganz kurz sogar die 7100 touchiert. Dann reichte die Kraft nicht mehr und der DAX verharrte im oberen Bereich der alten Widerstandszone von 7000-7100, die von den diversen Tiefs und Wendepunkten des letzten Jahres herrührt. Ich wäre auch sehr überrascht gewesen, wenn wir durch diese Zone einfach so durchgelaufen wären, schon die Bewegung bis 7100 war Ausdruck grosser Stärke des Marktes.

Damit bestehen nun aber durchaus Chancen, das wir noch ein paar Tage in dieser Zone bleiben und auch die DAX 7000 noch einmal von oben testen. Sicher ist das in Anbetracht dieses Bullenmarktes aber definitiv nicht, insofern würde ich nicht allzu viel auf diese Möglichkeit wetten. Dennn der Bulle ist so unglaublich stark, dass es auch schon Morgen weiter nach oben gehen könnte.

Unabhängig von den kurzfristigen Erwägungen zum morgigen Tag, hat aber die heutige Stärke den gestrigen Ausbruch deutlich bestätigt. Die Bullen haben scheinbar die volle Kontrolle und viel spricht dafür, dass wir bis Ende März noch deutlich nach oben laufen, vielleicht sogar schon in die Nähe von DAX 7500 kommen.

Trotz allem ist nie alles perfekt und es gibt auch heute wieder Auffälligkeiten, die zumindest für ein sehr nervöses Kopfkratzen gut sind.

Denn es ist schon irritierend, wie stark die Marktentwicklung bei den Rohstoffaktien und den Industrieaktien divergiert.

Auch heute, während der DAX kurz die 7100 touchierte, waren fast alle Rohstoffaktien - auch die Industrierohstoffe - sehr schwach. Teilweise wurden die Aktien geradezu geschlachtet und fielen um 5 und mehr Prozent. Gleichzeitig stiegen heute aber die klassischen Autobauer, Maschinenbauer usw. um teilweise 3% und mehr. Wesentlicher Grund für die Schwäche der Rohstoffe, dürfte nach wie vor die Angst um die Nachfrage aus China und damit um die Weltkonjunktur sein. Aber auch unsere exportorientierte Wirtschaft mit ihren Auto- und Maschinenbauern ist ebenso massiv von dieser Nachfrage abhängig. Wie passt das zusammen ?

Man könnte also sagen, der normale Aktienmarkt rechnet nicht mehr mit einer Rezession, der Rohstoffmarkt aber sehr wohl. Einer dieser beiden Märkte muss also ziemlich falsch liegen, worin dann massive Chancen und Risiken für uns begründet sind. Ich kann die Frage natürlich auch nicht mit Sicherheit beantworten.

Ich habe aber eine leichte Tendenz und die schenkt den Industrieaktien mehr Vertrauen. Ich glaube einfach nicht an eine neue Rezession und auch nicht an einen Zusammenbruch in China. Und wenn das so ist, dann dürfte sich im Segment der Rohstoffaktien nun langsam eine Menge Nachholbedarf aufstauen. Leicht unterstützt wird diese Sicht, wenn man sich die Preisentwicklung eines klassischen Industrierohstoffes wie Kupfer direkt anschaut. Der Kupferpreis schwankt seit Mitte Januar in einem Seitwärtsband, von einem aktuellen, starken Abwärtstrend kann keine Rede sein. Bei Aluminium sieht es ähnlich aus.

Ein weiteres Erklärungsmodell könnte sein, dass bei den Rohstoffaktien generell nun die Inflations-Prämie aus den Kursen weicht, nachdem Ben Bernanke zuletzt die Hoffnung auf weiteren Stimulus zunichte gemacht hat. Sollte das der Fall sein, wären die derzeitigen Bewegungen wohl überzogen, denn die grossen Konzerne ala Rio Tinto (WKN 852147) oder BHP Billiton (WKN 908101) sind fundamental sauber bewertet, von einem "Inflations-Premium" kann ich in der Bewertung nichts erkennen.

Ich kann Ihnen also nicht sicher sagen, was diese Schwäche der Rohstoffaktien gerade auslöst, für mich sieht diese Schwäche aber etwas unlogischer und unberechtigter aus, als die DAX 7000, die in der Gewinnsituation der Unternehmen sauber begründet sind. Wirklich sicher bin ich mir aber bei dieser Einschätzung nicht, insofern sollten wir diese augenfällige Divergenz besser nicht aus den Augen verlieren, den dahinter könnten sich sehr unerfreuliche Wahrheiten verbergen !

Ganz besonders schlimm hat es heute die Edelmetalle getroffen, nachdem diese schon seit Tagen abbröseln, seit Ben Bernanke weiteren Gelddruck-Operationen erst einmal eine Absage erteilt hat. Eine kurze Gegenbewegung über 1700 USD bei Gold hat sich als Bullenfalle heraus gestellt und nun geht es richtig bergab. Selbst bei Schwergewichten wie Barrick (WKN 870450) war heute ein Minus von 5% auf dem Kurszettel.

Der prinzipielle Absturz des Edelmetall-Segments ist während einer solchen Hausse-Phase nicht verwunderlich, denn hier finden sicher Umschichtungen in den haussierenden Aktienmarkt statt. Der Ablauf der tagelangen Abwärtsbewegung mit einer Beschleunigung heute, erzeugt nun aber die Chance auf eine Gegenbewegung. Denn eine Beschleunigung eines Trends markiert nach meiner Erfahrung oft das nahende Ende einer Bewegung - denken Sie an das Gummiband. Aber wie immer ist keine Regel ohne Ausnahme, insofern sollte man auch hier erst wieder zugreifen, wenn sich tatsächlich erste Anzeichen einer Gegenbewegung zeigen.

Und noch etwas ist ebenso auffällig wie erfreulich: der Markt ist eindeutig wieder zu einem "Stockpicker" Markt geworden. Die Zeit in der alles mehr oder weniger parallel stieg oder abstürzte ist scheinbar vorbei. Das ist auch nicht so ganz überraschend, weil die Makro-Risiken und Themen wie zb die Euro-Krise nun etwas in den Hintergrund treten. So können sich die Börsianer wieder auf die Geschäftsentwicklung der einzelnen Unternehmen konzentrieren und so wird es wieder möglich, dass im gleichen Index eine Aktie heute +7% Plus produziert und andere im Minus liegen.

Ich begrüsse dieses Entwicklung sehr. Denn wenn es letztlich nur darum geht einzuschätzen was 27 Regierungschefs in Brüssel wieder auskochen, haben wir alle keinerlei Chance uns irgend einen Vorteil zu erarbeiten. Wir werden von den Nachrichten dann hin und her geworfen, wie alle anderen Marktteilnehmer auch. Die einzige Leistung die wir in solchen Phasen erbringen können, ist schnell zu reagieren und sich ohne zu zögern zu adaptieren. Wenn es jetzt aber an der Börse wieder auf die konkreten Geschäftsentwicklungen der einzelnen Unternehmen ankommt, dann zählt endlich wieder Wissen und Verständnis für die individuellen Geschäftsmodelle. Nur in einem solchen Markt haben wir als private Anleger wirklich eine Chance, uns durch Spezialisierung einen signifikanten Vorteil gegenüber den anderen Marktteilnehmern zu erarbeiten.

Aktie des Tages war heute natürlich die E.ON (WKN ENAG99) mit zeitweise 7% Plus. Was da heute passiert ist, ist ein Klassiker. Die Erwartungen vor den Zahlen waren so grottenschlecht und das Sentiment so negativ, dass trotz mieser Zahlen ein halbwegs optimistischer Ausblick des Managements ausreichte um dieses Feuerwerk heute zu zünden. Es war halt niemand mehr da, der noch verkaufen wollte. Ein Muster das ganz typisch für solche Wendepunkte ist.

Mit der Lufthansa (WKN 823312) und K+S (WKN KSAG88), die beide am morgigen Donnerstag Zahlen liefern, stehen zwei weitere stark verprügelte Aktien an, bei denen es einen ähnlichen Effekt geben könnte, falls der Ausblick des Managements positiv sein sollte. Die Lufthansa hat allerdings nach der gestrigen Stärke heute mit erneut über 3% Plus schon etwas vom negativen Sentiment abgebaut, insofern ist unklar wie stark der Effekt dort morgen noch sein kann.

Übrigens, zurück zu den Versorgern wie E.ON, rein vom Chart und von der Bewertung her, bestehen in meinen Augen gute Chancen, dass die Aktie in diesem Jahr ihren Kurs normalisiert und die 22€ Zone wieder erreicht - was immer noch rund 20% Plus bezogen auf Heute wären. Mittel- und langfristig müssen E.ON und RWE aber ihr Geschäftsmodell umstellen. Und solange das neue Geschäftsmodell nicht steht und sich nicht als ebenso profitabel wie das alte erweist, ist eine gesunde Skepsis bei den Versorgern wohl angebracht.

Denn die Annahme "Strom braucht man immer" ist in meinen Augen etwas zu kurz gedacht. Natürlich braucht man Strom immer, aber nicht notwendigerweise Strom von einem zentralen Versorger in 500km Entfernung. Denn dezentrale Stromerzeugung, zum Beispiel in Privathaushalten, ist nicht mehr sehr weit vom Durchbruch entfernt und ich rechne damit, dass Stromerzeugung in den nächsten 10 Jahren immer dezentraler und vielfältiger wird. Die grossen zentralen Stromversorger werden damit von unverzichtbaren Monopolisten mehr und mehr zu reinen Netzdienstleistern, die für Lastverteilung, Lastausgleich und die Versorgung grosser Industriebetriebe im Spitzenlastbereich benötigt werden. Und ob es vor dem Hintergrund so glücklich war, sich teilweise von den vermeintlich "lästigen" Netzen zu trennen, ist noch nicht endgültig sicher.

Auf jeden Fall wage ich es stark zu bezweifeln, das eine E.ON in dieser weit dezentraleren und wettbewerbsintensiveren Energiewelt des Jahres 2020 immer noch die Monopol-Renditen des Jahres 2007 erzielen kann. Die Computer-Mainframe Hersteller der 60er und 70er Jahre hat letztlich auch nicht gerettet, dass sie in einem Wachstumsmarkt waren, als die dezentralen Personal Computer in den 80ern die Welt eroberten. Sehr viel wird also bei den grossen Versorgern davon abhängen, wie gut es dem Management gelingt, sein Geschäftsmodell der sich verändernden Welt anzupassen und da werde ich persönlich erst einmal abwarten.

Ich wünsche Ihnen einen schöne Abend !