Syngenta als langfristiges Investment

Der folgende Beitrag erschien schon Freitag 14.11.14 11:05 in Hari Live

Ich habe ja schon mehrfach zum Agrarchemie-Riesen Syngenta geschrieben. Zuletzt am Montag 08.09.14 10:05.

Für mich ist das so eine Aktie, bei der ein sehr langfristiges Investment wirklich Sinn macht. Das Unternehmen hat eine starke Marktposition und ist in einem Segment breit aufgestellt, das nur dann nicht mehr benötigt würde, wenn die Menschheit vom Erdball verschwunden ist. Denn ohne Agrarchemie, lassen sich die bald 10 Milliarden Menschen auf diesem Planeten halt nicht ernähren. Das kann man mögen oder nicht, die Wahrheit ist es trotzdem.

Diese langfristige Stabilität bedeutet natürlich nicht, dass die Geschäfte immer perfekt laufen, auch solche Geschäfte schwanken. Es bedeutet aber, dass man Schwankungen sehr entspannt beobachten kann und einfach mit dem langfristigen Aufwärtstrend mitgeht.

Und wer nicht weiss, welchen Aufwärtstrend ich meine, braucht nur auf das langfristige Chart seit Anfang 2000 zu schauen, dann wird alles klar:

Syngenta 14.11.14

In diesem Chart sehen wir auch, dass die aktuelle Abwärtsbewegung, eigentlich nur eine Konsolidierung mit flaggenartigem Charakter ist, auch wenn sie schon seit Anfang 2013 andauert.

Und im Chart mit Wochenkerzen erkennen wir, wie sich Syngenta seit Anfang 2013 unter dieser Abwärtstrendlinie herab hangelt:

Syngenta 14.11.14 2

Im September hatte ich Ihnen dann das zulaufende Dreieck gezeigt, dass ich oben noch einmal eingezeichnet habe und das dann nach unten gebrochen wurde. Nach einem erneuten Swing befindet sich Syngenta nun mitten in einem erneuten Schub, der potentiell wieder die Abwärtstrendlinie attackieren wird.

Fazit:

Zwingender Handlungsbedarf besteht noch nicht, solange der Abwärtstrend andauert. Dafür aber um so mehr, falls Syngenta die fallende Trendlinie brechen würde.

Unter sehr langfristiger fundamentaler Sicht, erscheint mir aber auch ein Investment zum heutigen Zeitpunkt als legitim, weil Syngenta im grossen Bild genügend korrigiert hat und die Bedürfnisse der weltweiten Landwirtschaft hier früher oder später zu erneut steigenden Kursen führen werden. Wer diesen Weg gehen will, muss sich aber im Klaren sein, dass die Aktie auch noch einmal 10% fallen kann und der bestehende Abwärtstrend durchaus noch ein Jahr andauern kann.

Umgedreht ist aber Syngenta durchaus auch theoretisches Ziel eines Übernahmeversuches und ich halte den "Happen" schon heute für recht attraktiv. Und wenn so eine Nachricht in den Markt kommen sollte, dann würde die Aktie über Nacht zweistellig steigen.

Ich selber habe Syngenta nun im Investment-Depot und warte da die kommende Jahre ganz geduldig ab. Das ist zwar immer noch kein "Buy and Hold", was ich da mache - auch bei einer Syngenta muss man wissen, wo der Notausgang ist - aber es kommt "Buy and Hold" näher, als meine sonstigen, typischen Anlagen.

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DAX-Betrachtung extra: Die Lage am Abend des 1. August 2014

DAX-Betrachtung extra: Die Lage am Abend des 1. August 2014

Ein Gastkommentar von Tokay

Der 1. August 1914 war ein historischer Tag. Heute vor hundert Jahren, am Abend um 20 Uhr übergab der deutsche Botschafter Friedrich von Pourtalès dem russischen Außenminister Sergej Sasonow „unter Tränen“ die Kriegserklärung des Deutschen Reichs. „Dann fragte er diesen, so schreibt er in seinen Aufzeichnungen, angeblich dreimal, ob Russland nicht auf Berlins Forderung nach einem Stopp der Generalmobilmachung eingehen wolle. Nach dessen Verneinung las er die Kriegserklärung vor und verabschiedete sich unter Hinweis darauf, wie viel ihm stets an den deutsch-russischen Beziehungen gelegen habe“.(Preußische Allgemeine,01.08.2014). Deutschland und Russland waren im Krieg. Österreich-Ungarn und Serbien waren es bereits, Frankreich, Belgien und England sollten wenig später folgen.

Hundert Jahre später leben wir in Frieden, jedoch die Beziehungen mit Russland sind im Augenblick angespannt. Wir hoffen, dass der Wille zur Vernunft am Ende obsiegen wird, doch sind im Augenblick beide Seiten auf Konflikt gestimmt. Die USA und die EU haben Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt, die Russen haben eine Erhöhung der Energiepreise angedroht. Der Frieden ist somit nichts selbstverständliches. Die Gegensätze sind vorhanden und sie werden sich nicht so schnell auflösen.

Aus aktuellem Anlass heute eine Aktualisierung der DAX-Grafiken. Der von uns beobachtete langfristige Aufwärtstrend ABC ist heute bei Punkt G gebrochen und damit invalide geworden. Es hat sich zunächst ein kurzfristiger Trend herausgebildet, der auf Sicht von zwei Monaten die 8.500-Punkte-Marke ansteuert. Der neue Negativtrend könnte erst deutlich oberhalb von 9.500 Punkten wieder gebrochen werden. Andererseits könnte er eine größere Dynamik entfalten, so dass der Rückgang nicht auf 8.5000 Punkte beschränkt bleiben könnte. Das Abwärtsmomentum ist in jedem Fall beachtlich und es spricht wenig für eine baldige Erholung.

Grafik A - Die Lage am 1. August 2014

In der zweiten Grafik sehen wir, dass der Bruch des Aufwärtstrends sich etwa Mitte Juli ereignete. Insbesondere die Entwicklung der beiden letzten Handelstage verlief sehr dynamisch. Was ist als weiterer Verlauf denkbar?

Denkbar wäre eine Erholungsbewegung AB, die wieder auf 9.400 Punkte führte. Am Punkt B stünde dann eine Entscheidung an: Fortsetzung der Abwärtsbewegung unterhalb von BC, etwa in den Bereich von 8.900 Punkten, oder Fortsetzung einer Erholung oberhalb von BD in den Bereich von 9.700 Punkten.

Grafik B - Die Lage am 1. August 2014

Auf der anderen Seite ist die Makrosituation nicht dermaßen bedrohlich, wie es der Kursverlauf der letzten Tage nahelegt. Das Kursziel von 10.500 Punkten bleibt erreichbar, eine Wiederbelebung der Hausse im Herbst erscheint durchaus denkbar. Die 10.500 Punkte-Marke aber würde, wenn sie erreicht werden sollte, über sehr volatile Umwege erreicht werden.

Tokay

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Biotech Sektor in fortdauernder Konsolidierung

Der folgende kurze Hinweis, erschien Mittwoch 16.07.14 16:55 in Hari Live.

Zum Thema Biotech wissen Sie ja, dass ich schon länger etwas skeptisch bin, ob die Gegenbewegung nach der Korrektur von März/April diesen Jahres, nun wirklich zu einer Fortsetzung des Aufwärtstrends führt.

Nun sieht es fast so aus, als ob meine Zweifel berechtigt waren, denn wir scheinen nun ein niedrigeres Hoch im Sektor ETF IBB zu haben. Und heute ist der IBB trotz eines starken Gesamtmarktes wieder im Minus. Auch das ein Signal.

Zu allem Überfluss hat ja die gute Janet Yellen gestern ganz konkret Überbewertungen in dem Sektor angemahnt, auch das zieht natürlich Gewinnmitnahmen nach sich.

Schaut man auf das Chart des IBB, muss das nun aber nicht zwingend zu einer zweiten, massiven Korrektur führen. Eher noch wahrscheinlicher finde ich eine fortdauernde Konsolidierung des Sektors, wie ich sie hier im Chart andeute:

IBB 16.07.14

Auf jeden Fall sollten wir im Sektor nun nicht zu optimistisch sein und müssen uns wohl auf einige schwierigere Wochen und Monate einrichten. An der langfristig grundlegend positiven Perspektive, ändert das nach meiner Ansicht aber gar nichts.

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DAX-Betrachtung: Money for nothing

DAX-Betrachtung: Money for nothing

Ein Gastkommentar von Tokay

„Money for nothing“ war der Titel eines Songs von den Dire Straits aus den 80er Jahren. Der Titel kommt einem heute wieder in den Sinn. Einmal denkt man dabei möglicherweise an die mageren Zinsen, die man bekommt, wenn man Anleihen kauft. Zum anderen an die mageren Aktienrenditen, die seit Jahresanfang zu erzielen sind. Mark Knopfler hatte damals sicherlich anderes im Sinn, als er vom „Money for nothing“ sang. Heutzutage bekommt Wolfgang Schäuble „money for nothing“, was ganz erstaunlich ist. Noch am Jahresanfang hatten die Auguren unisono steigende Zinsen vorhergesagt. Eingetreten ist wieder einmal das Gegenteil. Zu einem Run auf Aktien hat das in diesem Jahr trotzdem noch nicht geführt. Aber das muss ja nicht so bleiben.

Schauen wir uns den DAX seit Anfang 2011 an. Diese Grafik habe ich an dieser Stelle schon einige Male gezeigt. Wir sehen, dass die Aufwärtsentwicklung nach wie vor intakt ist.Wir sehen aber auch, dass die obere Begrenzungslinie DE nun schon einige Male touchiert wurde. Und wir sehen, dass die untere und die obere Begrenzungslinie immer näher zusammenrücken. Die Entscheidung darüber, wie es weiter gehen wird, fällt also im Herbst. Denn eine dieser beiden Linien wird sehr wahrscheinlich gebrochen werden, und zwar nachhaltig. Welche von beiden es sein wird, wissen wir nicht. Noch nicht.

Grafik I

Schauen wir uns im weiteren den DAX-Verlauf des letzten halben Jahres an: Der Jahresanfang sehr volatil. Dann ein Aufwärtstrend ABC, auch er volatil. Dieser Aufwärtstrend wurde soeben gebrochen, aber dieser Bruch muß nicht notwendigerweise von Dauer sein, doch zu nachhaltig sollte er auch nicht verletzt werden, denn dann hätten wir eine Korrektur vielleicht über die nächsten Wochen und Monate zu gewärtigen. Wir befinden uns also an einem heiklen Punkt.

Grafik II

Bis Jahresende sollte einem dennoch nicht übermäßig bange sein. Solange Zinsen und Inflationserwartungen tief bleiben, bleibt das Risikopotential gering. Die Turbulenzen um die portugiesische Großbank Santo Spirito zeigen einem freilich, dass es ganz schnell wieder Richtung Krise gehen kann. Die Schwerfälligkeit, mit der die Erholung in der Eurozone voranschreitet, ist ein Hinweis darauf, dass die offizielle Krisenpolitik in ihrer Wirkung bislang begrenzt geblieben ist. In den südeuropäischen Firmen ist sie bislang noch nicht angekommen. Und so lange die Banken Staatsanleihen kaufen, anstatt Kredite auszureichen, wird das auch so schnell nicht passieren. Auch auf diesem Gebiet ist man in den USA wieder einmal viel weiter. Die Leistungen der deutschen Exportindustrie in allen Ehren, aber sie wird mit der derzeitigen Eurokurspolitik quasi subventioniert. Machte man es wie die Amerikaner, die Japaner, die Engländer, dann würde die deutsche Industrie noch stärker profitieren als ohnehin schon. Und das würde die Kluft zwischen Deutschland und dem Rest der Eurozone weiter vertiefen.

Abschließend noch ein Blick auf die Fußball-WM. Statistiker haben ausgerechnet, dass die deutsche Mannschaft die stärkste Leistung erbracht hat, die jemals ein Nationalteam bei einer Weltmeisterschaft erbracht hat(www.eloratings.net). „The Mannschaft“ zeigte dabei eine ungeheure mentale Stärke, mit der sie die équipe tricolore, die selecao und die albiceleste in die Knie zwang. Hundert Jahre nach dem schicksalhaften Sommer des Jahres 1914 fürchtet man die Deutschen aber nicht mehr, sondern gönnt ihnen ihren Erfolg. Das ist so, weil Deutschland ein weltoffenes Land geworden ist und diese Weltoffenheit von der deutschen Mannschaft verkörpert wird. Weltoffenheit ist eine gute Voraussetzung für die Zukunft im allgemeinen. Mentale Stärke ist eine gute Voraussetzung für Börsenerfolg. “Money for nothing“ gibt es nicht.

Tokay

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ThyssenKrupp mit neuen Abwärtszyklus im übergeordneten Aufwärtstrend

Der folgende kleine Hinweis erschien als einer von vielen Freitag 13.06. 09:35 in Hari Live. Im freien Bereich habe ich ThyssenKrupp zuletzt im Januar unter dem Titel -> ThyssenKrupp springt mit neuer Erholungsphantasie an <- thematisiert.

Etwas nervig verhält sich in den letzten Tagen die Aktie von ThyssenKrupp (750000), die heute um über 2% einbricht. Nervig deshalb, weil die Aktie lange grosse Stärke zeigte und das Gap vom 13.05. einfach nicht abgeben wollte. Lange war es daher wahrscheinlich, dass wir hier nur eine bullische Konsolidierung sehen.

Als dann aber immer wieder der Versuch des Ausbruches scheiterte, musste der Kurs irgendwann zwangsläufig in die Gegenrichtung fallen, als zunehmend bullische Marktteilnehmer aufgaben und glatt stellten. Sie kennen ja die Regel, was nicht mehr steigen kann, muss irgendwann fallen.

So kommt nun der Einbruch und trotzdem spricht das Chart eine klare Sprache:

TK 13.06.14

Wir sehen bisher nur einen typischen Zyklus im Aufwärtstrend. Der kann den Kurs jetzt auch noch unter 20€ in die Nähe der Trendlinie und 200-Tage-Linie treiben. Selbst das wäre aber nur eine Trendbestätigung, wenn es da wieder dreht.

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Healthcare Sektor durch Pfizer und Astrazeneca mit M&A Phantasie

Der potentielle, gigantische elektrisiert die Branche und zeigt zusammen mit dem aktuellen Kauf des Impfgeschäftes von Novartis durch Glaxo Smith Kline, dass die M&A Phantasie zurecht im Sektor aktiv ist.

Grund genug mal wieder einen Blick auf den zu werfen, in dem die europäischen Pharmariesen versammelt sind:

EXV4 22.04.14

Wir sehen im langfristigen Chart einen unglaublich starken, überzeugenden Aufwärtstrend. Und das, obwohl hier sogar noch Dividenden exkludiert sind. Hinter dem Trend stehen auch fundamentale Fakten, nämlich dass die Pharmariesen ihre Restrukturierungen hinter sich haben und nun auch zunehmend von der Entwicklung im Biotech Bereich profitieren. Und nichts, absolut nichts, spricht im Chart dafür, dass dieser Trend nun endet.

Auf der anderen Seite, ist dieses Chart herrliches Anschauungsmaterial, wie uns unser "Affenhirn" Streiche spielt. Denn es sieht diese lange Bewegung zu neuen Hochs sehr skeptisch und denkt "zu weit gelaufen, da warte ich mal". Nur hatte es - wenn wir ehrlich sind - den gleichen Reflex schon 2012 und 2013.

Wer hat nun also Recht, der Trend oder unser Affenhirn, das zu grosse Fallhöhe wittert ?

Ich kann Ihnen aus Erfahrung sagen: statistisch weit überwiegend der Trend. Auf den zu setzen, hat weit bessere Erfolgswahrscheinlichkeit, als unserem emotional, subjektiven Eindruck von "zu weit gelaufen" zu folgen.

Denn objektiv gibt es weder charttechnische noch fundamentale Faktoren, die ernsthaft ein Ende des Trends indizieren. Und das ist die wahre Realität im "Hier und Jetzt".

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Wird der DAX langsam müde ? Der Krim-Krimi und die Folgen

Wird der DAX langsam müde ? Der Krim-Krimi und die Folgen

Ein Gastkommentar von Tokay

Die letzten Tage und Wochen waren auf den Aktienmärkten von großer Unruhe geprägt, insbesondere der deutsche Aktienmarkt, insbesondere der DAX. Das war natürlich zu einem guten Teil bedingt durch die Großwetterlage im Osten, auf der Krim, in Russland, in der Ukraine. Die dortigen Entwicklungen ließen Befürchtungen hochkommen bezüglich eines neuen kalten Krieges.

Wir scheinen uns an einem Scheideweg der internationalen Politik zu befinden, wofür die Krim schon einmal der historische Ort war. Auch befinden wir uns im historischen Jahr 2014, in welchem sich der Erste Weltkrieg zum hundertsten Male jährt. Dass es zu einem solchen kommen würde, hatten die Zeitgenossen zwar befürchtet, aber nicht im Ernst für möglich gehalten . Auch dass Russland so ohne weiteres die Krim annektieren würde, hat man nicht für möglich gehalten. Man sollte die Parallelen nicht zu weit treiben, doch sieht man nur zu deutlich, dass eine nicht ausbalancierte Ausgangslage in der internationalen Politik eine hohe Dynamik in sich birgt. Wohin gehört die Ukraine? Zur EU ? Zu Russland? Es ist die Aufgabe kluger Politik, diese Dynamik entweichen zu lassen. Das wird allerdings nicht von heute auf morgen geschehen können.

Heftig hat der DAX auf die Ereignisse reagiert: Er brach in Folge der Krim-Krise kräftig ein, konnte sich zwischenzeitlich jedoch wieder etwas fangen. Doch hat in Folge der Krise die Nervosität auf dem Markt zugenommen.

Betrachten wir die Entwicklung des DAX seit 2009:

DAX 01.02.2009 bis heute

Die Krim-Krise hat letztlich dafür gesorgt, daß der langfristige Aufwärtstrend ABC des DAX ramponiert wurde. Ist er damit beendet? Es ist noch zu früh, das zu beurteilen. Denn nachhaltig wurde die Trendlinie bisher ja nicht gebrochen. Sollte es dynamisch unter die Aufwärtstrendlinie ABC gehen, oder gar unter die „innere Linie“(fein gestrichelt) dann wäre dies eindeutig der Fall. Soweit ist es aber vorerst noch nicht.

Wichtiger ist die Frage ob die obere Begrenzungslinie DEF touchiert oder überschritten werden kann. Wenn ja, könnte man die Abwärtsszenarien ad acta legen. Aber wehe, ein allfälliger Aufwärtstrend prallte an dieser Linie ab – dann könnte sich eine erhebliche Abwärtsdynamik entfalten, die erst eine „Etage“ tiefer zum Stillstand kommen könnte.

Man wundert sich natürlich etwas, weshalb so „ein bisschen“ Krim einen derartigen Einfluss ausüben kann. Die fundamentalen Bestimmungsfaktoren sind ja weiterhin nicht ungünstig. Und auf den Gang der Finanzmärkte hat Janet Yellen bestimmt erheblich mehr Einfluss als Wladimir Putin. In seiner ersten Sitzung unter Yellen hat das oberste Fed-Gremium beschlossen, die Anleihekäufe weiter wie geplant zurückzufahren. Das ist eigentlich eine gute Nachricht, denn mit anziehender Konjunktur ist eine monetäre Alimentierung der wirtschaftlichen Entwicklung nicht mehr erforderlich, zumal ja einige Fehlanreize gesetzt werden. Auch dokumentiert dies die Stetigkeit der Fed-Politik. Allerdings muss die Gewinnentwicklung dann halten, was die Gewinnerwartungen heute einpreisen, denn sonst stünde die Hausseentwicklung ernsthaft zur Disposition.

Wir wissen, dass für die Entwicklung der europäischen Indizes und damit auch des DAX die US-Börsen ein wesentlicher Bestimmungsfaktor sind. Wie sieht es hier also aus? Beginnen wir mit dem großen Leitindex, dem S&P 500:

SuP 500 2009 bis heute

Wir erkennen hier eine beeindruckende Aufwärtsentwicklung entlang der Linie ABC. Diese Linie ist in 2013 praktisch nie ernsthaft getestet worden. Schwächephasen wurden immer energisch gekauft. Die höher verlaufende „innere Linie“(fein gestrichelt, sie entspricht der exponentiellen Trendfunktion, also dem mittleren Trend) ist flacher, sie wird bei Fortschreibung der jetzigen Entwicklung die ABC-Linie gegen Ende 2014 schneiden(Punkt P). Ein baldiges Ende der Hausse ist also per heute nicht zu erkennen.

Und was macht die Hightechbörse NASDAQ, die im Ruf steht, empfindlicher zu reagieren, als der Marktdurchschnitt?

Nasdaq Composite 2009 bis heute

Hier ist der Aufwärtstrend noch weniger in Gefahr. Seit Beginn 2009 hat sich das Kursniveau fast verdreifacht und die heutigen Kurse kommen nicht auch nur ansatzweise in die Nähe der unteren Begrenzungslinie ABC. Erst bei einem Unterschreiten eines Kurslevels von 3870 Punkten wäre Gefahr im Verzug. Die untere Begrenzungslinie verläuft jedoch praktisch parallel zur „inneren Linie“; ein Unterschreiten der Untergrenze des Aufwärtstrend geschähe aus quasi heiterem Himmel.

Trotz alledem hinterlässt die Analyse den Betrachter mit gemischten Gefühlen. Die Aufwärtsentwicklung am deutschen Markt dauerte lange und sie war sehr dynamisch. Es ist nahezu zwangsläufig, dass eine solche Entwicklung nicht ewig dauern kann. Die internationalen Anleger sehen das auch so, sie wenden sich vermehrt anderen europäischen Märkten zu, wie die Kursverläufe im Zuge der Krim-Krise deutlich aufgezeigt haben. Der DAX wird also langsam müde, der Anleger indes sollte hellwach bleiben!

Tokay

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Vorsicht versus Handeln: Rising Wedge im S&P500

Ende letzter Woche, habe ich Ihnen ja -> hier <- noch einmal den wichtigen Unterschied zwischen Vorsicht und Handeln dargestellt. Nun möchte ich diesen Unterschied auch an einem konkreten und aktuellen Beispiel deutlich machen.

Der Leitindex S&P500 befindet sich nun am Ende eines ziemlich eindeutigen "Rising Wedge" - zu deutsch "steigender, zulaufender Keil". Eine solche Formation im Aufwärtstrend ist tendentiell bärisch - ausser in einer sehr starken, bullischen Bewegung wie aktuell, deren Momentum noch nicht nachlässt. In so Fällen ist sogar eine erneute Beschleunigung nach oben denkbar - so verrückt sich das anhört. Wie hatten aber erst vor ein paar Wochen im Solar ETF "TAN" so einen Fall, wo aus so einem "Rising Wedge" eine weitere Beschleunigung resultierte. Auch dort war das unterliegende Bid im Markt aber extrem stark, wie auch aktuell im S&P500. Weswegen so eine Ausnahme auch nun wieder denkbar ist.

S&P500 Rising Wedge 02.12.13

Aber selbst in so einer dynamischen Bewegung wie aktuell, generiert so eine Formation bei Markttechnikern trotzdem jede Menge Warnsignale - und das völlig zu Recht. Da stellen sich einem sozusagen die "Nackenhaare auf". Auf der anderen Seite, hat der Markt dieses Jahr ja oft bewiesen, dass die Einflüsse der Notenbanken die natürlichen Schwankungen verzerren. Insofern ist eine solche Formation Anlass zur Vorsicht, aber eben (noch) nicht zum Handeln !

Noch ist der Aufwärtstrend voll intakt und hat unser Vertrauen verdient. Insofern wäre Handeln - nur weil man so einen "Rising Wedge" sieht - zunächst verfehlt. Der Zeitpunkt zum Handeln kommt aber dann, wenn diese Formation klar gebrochen wird. Und dafür habe ich Ihnen die beiden naheliegenden Stopmarken eingezeichnet, die jeweils mit Tiefs im Aufwärtstrend korrelieren.

Mein eigenes Risikomanagement funktioniert dabei so, dass ich bei Erreichen der ersten Stopzone eine Reduktion des Exposures vornehme. Und erst bei der zweiten - bedeutenderen - Stopzone endgültig aussteige.

Bitte beachten Sie dabei aber auch, dass sich die Aussage oben nur auf den Zeithorizont der Trendbeschleunigung bezieht, die seit Mitte Oktober im S&P500 eingesetzt hat. Wer mit einem grösseren Zeithorizont agiert, muss noch gar nichts machen, denn der übergeordnete Aufwärtstrend ist völlig intakt, wie das Chart seit Ende 2012 eindeutig zeigt.

S&P500 Aufwärtstrend 021213

Sie erkennen an dem von mir eingezeichneten, theoretischen Verlauf auch leicht, dass ein möglicher Bruch des "Rising Wedge" nichts weiter sein könnte, als eine schon längst fällige Korrektur im bestehenden Aufwärtstrend, die diesen aber gar nicht in Frage stellt.

Bitte achten Sie bei Ihrem Agieren an den Märkten also unbedingt darauf, dass Sie.

(1) Vorsicht und Handeln auseinander halten

Die Formation, die ich Ihnen oben gezeigt habe, erzwingt Vorsicht - aber noch kein Handeln. Gehandelt wird erst, wenn der Markt real fällt und das erkennt man daran, dass wichtige Tiefs unterschritten werden.

(2) Den Zeithorizont Ihrer Geldanlage im Auge haben

Und Ihr Handeln mit Ihrem Zeithorizont in Einklang bringen. Denn ob ein Bruch einer solchen Struktur für Sie Bedeutung hat, ergibt sich erst aus Ihrem Anlagehorizont. Ein Ausstiegssignal auf einer niedrigeren Zeitebene muss kein Ausstiegssignal auf einer übergeordneten Zeitebene sein.

Das mangelnde Bewusstsein über den eigenen Zeithorizont, ist übrigens eine der grössten Fallen, in die Laien bei der Aktienanlage gerne gehen. Beim Einstieg fühlen sich viele gerne wie "Warren Buffet" und reden von "Value" und langfristiger Anlage. Wenige Wochen danach steht die Aktie vielleicht ein paar Prozent im Minus, während sich das mediale Grundrauschen ins Negative dreht. Und in diesem Moment verliert der vermeintliche Langfristanleger dann seine Geduld und verkauft aufgrund von kurzfristigen Schwankungen, die aber mit der eigentlichen Strategie der Anlage wenig zu tun haben.

Machen Sie sich also unbedingt vorher Ihren Zeithorizont klar und definieren Sie für sich im Vorfeld klare Ausstiegspunkte, die für diesen Zeithorizont logische Marken sind.

Wer also aktuell - mit Sicht auf Tagen und Wochen - versucht von dieser Rally noch zum Jahresende möglichst viel mitzunehmen, der sollte aufmerksam auf diesen "Rising Wedge" im S&P500 schauen. Denn wenn der richtig bricht, könnte das für alle Aktienindizes Bedeutung haben.

Wer dagegen langfristig den Aufwärtstrend im S&P500 spielen will, hat seine Stops viel tiefer und achtet vor allem auf den übergeordneten Aufwärtstrend. Ein Bruch des "Rising Wedge" wäre auf dieser Zeitebene vielleicht Anlass, das Exposure im Markt leicht zu reduzieren. Ein Ausstiegssignal käme auf dieser Zeitebene aber erst viel tiefer.

Ihr Hari

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