Das Schweigen im Walde – Gold und Goldminen weiter im Bärenmarkt

Es ist für mich wirklich faszinierend zu beobachten, wie die medialen Erregungs-Mechanismen gerade bei Gold ablaufen. Waren noch vor 2 Wochen die Schlagzeilen voll mit "Kaufsignalen bei Barrick" und ähnlichen bullischen Kommentaren zu Gold, herrscht nun eher das grosse Schweigen.

Dabei war auffällig, dass gerade in den letzten Wochen, immer mehr auf den bullischen Bias aufsprangen, auch Marktteilnehmer, die wahrscheinlich die komplette zehnjährige Edelmetall-Rally des letzten Jahrzehntes verpasst hatten, wurden zu "Gold-Experten" und reihten sich in die endlose Reihe der immer gleichen Geschichten zum Thema ein.

Haben Sie aber schon einmal erlebt, dass der Markt genau das macht, was selbst das "Milchmädchen" mittlerweile als logisches Weltbild besitzt ? Die schöne Geschichte von den zwangsläufig kommenden hohen Goldpreisen, ist einfach zu oft erzählt und zu sehr Common Sense, um am Markt so einfach eintreten zu können. Ich persönlich bin sogar immer noch davon überzeugt, dass am Ende der Goldpreis viel höher stehen wird. Bevor das aber passieren kann, muss all den zu selbstsicheren Bullen wohl erst einmal das Rückrat gebrochen werden. Und dass das noch nicht passiert ist, zeigt das viel zu schnell und viel zu bullisch anziehende Sentiment der letzten Wochen.

Dabei ist es ja keine Schande, komplett neben der Spur zu liegen, das gehört zum Geschäft dazu und passiert jedem irgendwann. Statt Auseinandersetzung mit den Ursachen, haben wir nun aber weitgehend ein Schweigen im Blätterwald - sozusagen Schockstarre - und das macht dann die Stille im wahrsten Sinne des Wortes "beredt". Immerhin habe ich in der letzten Woche mal keine aggressiven Werbemails von Goldhändlern bekommen, in denen für Medien eines namhaften, medialen Gesichts zum Thema Börse geworben wird. Das ist ja mal ein Fortschritt.

Grund genug für uns, genau in diesem Moment des grossen Schweigens, auch mal im freien Bereich des Blogs einen Blick auf die Lage im Goldmarkt zu werfen. Im Premium-Bereich waren wir die ganze Zeit am Ball und haben auch nahe am Hoch - oberhalb 1380 USD - auf den Exitknopf gedrückt und die schönen Gewinne seit dem Ausbruch über 1270-1280 USD mitgenommen.

Für sehende Augen war diese Korrektur, die wir nun erlebt haben, zwangsläufig. Der COT Report hatte seinen negativen Überhang verloren, der Gold über Wochen in Form eines Short-Squeezes nach oben katapultiert hatte. Der Ukraine-Bonus, drohte zu entweichen. Von den Zyklen her, war der Aufwärtszyklus schon überdehnt. Das Sentiment war zu schnell über die Massen bullisch geworden und trotzdem war Gold immer noch klar im übergeordneten Abwärtstrend. Ein Abwärtstrend, der erst deutlich über 1400 USD langsam gebrochen würde.

Ich persönlich hatte aber eher damit gerechnet, dass Gold noch einmal die Nase über 1400 USD streckt und den Ausbruch ganz fies antäuscht, bevor es dann richtig nach unten los geht. Nun hat der Goldpreis aber schon direkt unter 1400 USD gedreht, was nicht unbedingt bullischer ist, um es mal vorsichtig zu formulieren.

Schauen Sie mit mir auf das Chart von XAUUSD mit Tageskerzen, mit dem ich die Lage verdeutlichen will:

Gold 27.03.14

Noch vor 2 Wochen, als ich die Korrektur erwartete und im Premium-Bereich mehrfach davor gewarnt habe, war ich für den weiteren Verlauf nach der Korrektur völlig offen, ohne klare Tendenz. Denn diese Korrektur hätte eine Art rechter Schulter, einer grossen inversen Schulter-Kopf-Schulter Formation werden können. Und damit der Vorbote des echten Ausbruches aus dem Abwärtstrend. Vor 2 Wochen hielt ich dieses Szenario für mindestens ebenso wahrscheinlich, wie den Fall, dass wir gerade nur eine Bärenmarkt-Rally sehen und Gold im Bärenmarkt bleibt.

Nun, nachdem wir diese Korrektur bis 1300 USD gesehen haben, hat die bärische Interpretation bei mir Übergewicht, wiewohl ich den bullischen Fall immer noch für denkbar halte. Denn der Charakter der Korrektur der letzten Tage ist massiv bärisch und zeigt, dass kein echter bullischer Bid im Markt war. Eine bullische Korrektur im Bullenmarkt sieht völlig anders aus, als dieses hochvolumige, fallende Messer, das wir die letzten Tage gesehen haben.

Für mich ist damit wahrscheinlich geworden, was kluge Marktbeobachter schon länger sagen: die Rally der letzten Wochen war primär ein Short-Squeeze und wurde nicht von wirklicher, langfristiger Akkumulation von Big Money getragen.

Erschwerend kommt die brutale Schwäche der Minen hinzu, bei denen sich die Anzeichen verdichten, dass das Management nun wieder massiv zum Hedging greift. Sprich das zukünftige geschürfte Gold wird nun schon zu festen Preisen verkauft. Das sichert das Überleben der Minen, falls es weiter runter geht und ist insofern aus Sicht des Managements eine notwendige Massnahme. Es zeigt aber auch, wie die Insider den Markt sehen und vor allem begrenzt es das Upside der Minen, wenn der Goldpreis doch steigt. Denn dann hängt man in seinen Festpreis-Verträgen und kann die Gewinnsteigerungen nicht mitnehmen.

Schauen wir auf die lokale Lage heute am Morgen des 27.03.14, spricht einiges dafür, dass sich die initiale Abwärtsbewegung nun schon bald erschöpft hat. Gestern hatte bei den Minen den Charakter einer Kapitulation. Die Chance ist also gross, dass es bald im Sektor temporär ein paar Tage wieder hoch geht. Bei einer typischen Korrektur ist der initiale Momentum-Schub aber nur die Phase 1 einer Bewegung, die typischerweise aus 3 oder 5 Phasen besteht und nur kurz durch eine Gegenbewegung in Phase 2 bzw 4 unterbrochen wird.

Wenn das eher bärische Gesamtbild von oben also stimmt, steht uns nun der Bounce bevor, der zwangsläufig auf so einen Absturz folgt. Wir hatten dazu auch im September letzten Jahres das perfekte Muster, wo auf den initalen Abverkauf eine Gegenbewegung bis ca. zum 50er Retracement folgte. Und dann ging es richtig runter.

Natürlich ist die Möglichkeit einer bullischen iSKS und eines folgenden Bruchs des Abwärtstrend immer noch da, aufgrund der Price-Action der letzten Tage nun aber etwas kleiner, als das bärische Szenario. Es gibt auch keinen Grund hier Angst zu haben, etwas zu verpassen. Wenn Gold wirklich den übergeordneten Abwärtstrend bricht und die Träume der Gold-Bugs vom Lauf zu historischen Hochs aufgehen, werden 14xx USD erst der Anfang sein. Insofern kann man gelassen warten, ob dieser Fall wirklich eintritt, bevor man sein sauer verdientes Kapital dem Risiko eines möglicherweise fortdauernden Bärenmarktes aussetzt.

Schauen wir auf das Goldchart mit Wochenkerzen, sehen wir auch schnell eine sehr realistische Möglichkeit für die Zukunft, die niemandem richtig schmecken wird und deshalb eine gar nicht mal geringe Eintrittswahrscheinlichkeit hat:

Gold Wochen 27.03.15

Eine volatile Seitwärtsbewegung bis weit in 2015 hinein, die alle frustriert und am Ende den nun hyperventilierenden Bullen durch pure Langeweile das Rückrat bricht. Wenn einige der Gold-Bug Seiten wegen Lesermangel schliessen und ich weniger Mails von Goldhändlern bekomme, die immer nur in die eine Richtung nach oben tröten, dann wird es wieder interessant und dann kann Gold seine langfristige Aufwärtsbewegung vielleicht wieder aufnehmen.

Lassen Sie sich also nicht von all den wohlfeilen Argumenten zu "Gold das nach Asien geht", einer "Comex mit leeren Depots" und Ähnlichem ins zeitliche Bockshorn jagen. Wahrscheinlich steckt in den Argumenten viel Wahres und wie ich schon sagte, glaube auch ich daran, dass wir aufgrund der Zwangsläufigkeiten des Weltfinanzsystems, früher oder später weit höhere Goldpreise sehen.

Nur kann man diese Überlegungen nicht zum Timing verwenden, denn es kann gut sein, dass erst in 2014/2015 dem Goldbullen der Nacken gebrochen wird, bevor es dann wirklich nach oben gehen kann und wird. "Zum falschen Zeitpunkt" ist halt auch nur eine andere Formulierung für "Verlust".

Wir tun also gut daran, das Thema ganz opportunistisch und gelassen anzugehen. Zunächst einmal ist Gold nach wie vor im übergeordneten Abwärtstrend und das ist zu respektieren. Wir können abwarten, ob es Gold da heraus schafft, bevor wir ins Hyperventilieren geraten. Und zwischen 1500 und 3000 USD ist immer noch genug zu verdienen.

Wer auch denkt, dass Gold früher oder später weit teurer wird, hat einen physischen Barren sozusagen unter dem Kopfkissen. Grund nun an den Märkten bei 1300 hinter all den reisserischen Artikeln her zu rennen, leitet sich daraus nicht ab.

Bleiben Sie also gelassen und lassen Sie Gold erst einmal selber den Beweis antreten, dass es reif für die nächste Phase des Bullenmarktes ist. Im Moment ist dieser Beweis nicht angetreten ! Ich bin überzeugt, der Tag wird kommen. Wenn er kommt, werde wir hier auf surveybuilder.info bereit sein.

Wie ich schon meinen Lesern sagte, verliebt bin ich in meine Frau und meinen Sohn, nicht aber in ein gelbes Metall, das mir in physischer Form als Notfall-Währung dient.

Ihr Hari

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Silber und Hecla Mining – kann man diesem Braten trauen ?

Der Edelmetallsektor befindet sich aktuell im Ungewissen. Einerseits deutlich über den Tiefs von Ende Juni und grosser Abwärtsdruck ist aktuell nicht mehr zu verspüren. Andererseits aber ohne sichtbare Kraft nach oben. Wenn man so will, hängen die Edelmetalle derzeit schlaff in den Seilen. Man könnte auch sagen, zwischen "Baum und Borke". 😉

Gleichzeitig ist für den aufmerksamen Beobachter offensichtlich, dass bei den Edelmetallen grosse Markt-Adressen ihre Spielchen treiben. Anders sind die teilweise aberwitzigen Ordergrössen nicht zu erklären, die den Markt dann mal eben nach unten pressen.

Mit gesunder Preisfindung zwischen Angebot und Nachfrage, hat das insbesondere im Goldpreis nicht mehr viel zu tun. Die reale Nachfrage nach physischem Gold - insbesondere aus Asien - und die Preise an der Comex, scheinen aktuell aus zwei getrennten Welten zu kommen.

All das spricht für Privatanleger dafür, aktuell die Finger von den Edelmetallen zu lassen, soweit es um Trading und kurzfristige Spekulation geht. In so einer Situation ist man eher Fischfutter für die grossen Haie im Markt, die den Preis mal eben von rechts nach links schieben können. Man wartet dann besser ab, bis der Markt wieder eine klare Richtung zeigt, die auch vom "Big Money" unterstützt wird. Mit dem Kauf von physischem Gold hat diese Aussage natürlich nichts zu tun, das macht man auch aus ganz anderen Motivationen heraus, als die kurzfristige Spekulation auf den Goldpreis an der Comex. Aber aus spekulativer Sicht, sind die Edelmetalle aktuell eher indifferent und daher uninteressant.

Wenn, ja wenn, da nicht Silber wäre. Silber ist so etwas wie ein Zwitter. Einerseits Ersatzwährung wie Gold, Grundlage für Münzen und Schmuck und insofern in enger Korrelation zu Gold. Andererseits aber auch Industriemetall mit echtem Verbrauch. Während das Gold der Welt so gut wie nicht verbraucht wird, besitzt Silber echten "Verbrauch" aus den industriellen Anwendungen heraus.

Und so wird auch der Preis aus zwei Einflusssphären heraus hin und her geworfen. Einerseits schwingt Silber mit Gold und hat daher seit 2011 eine Phase der Schwäche. Anderseits scheint die industrielle Konjunktur weltweit wieder anzuziehen, was man auch an den Lebenszeichen anderer Rohstoffe erkennen kann. Und wenn die industrielle Konjunktur wieder ans Laufen kommt, dürfte das den Silberpreis deutlich stützen.

Schauen wir auf das Chart von Silber in US Dollar mit Tageskerzen (XAGUSD), sehen wir eine interessante Strukur, aus der eine Wende werden könnte. Nicht muss, aber könnte:

Silber 21.10.13

Ich habe bewusst auf der linken Seite keine Schulter eingezeichnet, weil das wäre etwas weit hergeholt. Eine Umkehrformation, die dem Charakter einer inversen Schulter-Kopf-Schulter Formation gegenüber Ähnlichkeiten hat, deutet sich aber an. Und zuletzt hat Silber oberhalb 20 USD immer wieder Unterstützung gefunden.

Wichtig ist hier wieder die angedeutete Nackenlinie, die wohl - je nachdem wie man sie zeichnet und sich der Silberpreis weiter entwickelt - im Bereich 24-25 USD liegen wird. Wenn diese Nackenlinie erreicht und durchschlagen würde, würde sich das Bild weit positiver darstellen und dann müsste man Silber auch wieder intensiv auf den Radar nehmen. Ein Durschlagen der Nackenlinie würde im übrigen bei Silber auch die 200-Tage-Linie zurück erobern.

Treue Leser wissen ja, dass im Edelmetallbereich die Minen gerne mal ein paar Tage dem Edelmetall selber voraus laufen und insofern frühzeitige Signale senden. Schauen wir daher doch mal auf meinen - aus Substanzgründen - langfristigen Favoriten im Sektor der Silberminen: Hecla Mining (WKN: 854693, HL). Hier zeige ich Ihnen das langfristige Chart mit Wochenkerzen seit 2010:

Hecla 21.10.13

Auch bei Hecla sehen wir einen bestätigten Abwärtstrend der respektiert werden will. Und dieser Abwärtstrend ist nicht gebrochen, für übergrosse Euphorie gibt es also keinen Anlass.

Aber ... auf der Habenseite sehen wir eine mustergültig abgelaufene Korrektur mit 1-2-3 Struktur. Und wir sehen, weit deutlicher als bei Silber selber, eine potentielle, inverse Schulter-Kopf-Schulter Formation.

Aber auch diese ist nicht mehr als eine potentielle Struktur. Eine Möglichkeit. Relevant und aktiv würde sie erst, wenn die Nackenlinie aktiviert würde, die hier bei ca. 4 USD liegen dürfte.

Fazit:

Es könnte sein, dass Silber sich in einer Bodenbildung befindet. Die weltweiten konjunkturellen Pflänzchen unterstützen diese Möglichkeit ebenso, wie die Chartstrukturen, die eine Umkehrformation in den Bereich des Möglichen bringen.

Aber es ist noch zu früh, eine Wende auszurufen und "es könnte sein", ist nicht mehr als eine Möglichkeit und noch keine vollzogene Wende. Noch dominiert klar der übergeordnete Abwärtstrend. Die angedeuteten Nackenlinie der möglichen Umkehrformationen kann man aber trotzdem im Auge behalten. Sollten diese ausgelöst werden, ist Silber dann wirklich einen Blick wert und in allen Charts dürfte dann eine klare Umkehrstruktur sichtbar sein.

Bis dahin lautet das Motto aber eher: abwarten und beobachten. Insbesondere auch den Dollarkurs, denn der hat auf Gold und Silber grosse Auswirkungen.

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Marktupdate – 19.06.12 – Bullische ETF Charts

18:00 Uhr

Ich mache heute mal ein kleines Experiment, ich zeige Ihnen aktuelle Charts Stand 18 Uhr mit bullischen Chartmustern, worum es sich handelt, sage ich erst hinterher. 😉

Es handelt sich durchweg um ETFs, die bullische Struktur ist also eine Aussage für ein ganzes Aktiensegment.

Weitere Kommentare meinerseits gibt es nicht, vielleicht bringt es Sie ja auf Ideen.

(1) Tageschart seit Jahresanfang in USD

Es handelt sich um den ETF XLE - Energy Select Sector SPDR - in dem die grossen US Energiewerte enthalten sind, also Chevron, Exxon & Co. Siehe .

(2) Tageschart seit Jahresanfang in USD

Das ist der S&P500 Future, mit seinem Kursziel 1400 ! Wenn die leichte FED Enttäuschung morgen kommen sollte, wäre das idealerweise ein Rücksetzer auf die Nackenlinie bei 1338, der das bullische Muster dann aber nicht ausser Kraft setzen würde.

(3) Wochenchart seit 2008 in EUR

Das ist der ETF "iShares MSCI Far East ex Japan" (WKN A0HGZS), der das süd-ost-asiatische Aktienuniversum der Bluechips - ohne Japan und Indien - abbildet. Grösste Einzelposition ist Samsung, siehe

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Serie Rohstoffaktien – Cameco – Weltmarktführer in Uran

Letzte Woche habe ich mit Archer Daniels Midland -> hier <- eine wöchentliche Serie begonnen, in der ich Ihnen interessante Rohstoffaktien vorstellen möchte.

Bei den ausgewählten Aktien handelt es sich dabei um gut kapitalisierte "Blue-Chips" der Rohstoffwelt, die trotzdem teilweise in Deutschland kaum bekannt sind. Bedingt durch das Format der Serie, werde ich Ihnen die Titel nicht immer zum perfekten Einstiegszeitpunkt vorstellen können. Ziel ist es statt dessen, Sie für zukünftige Anlagen auf Ideen zu bringen.

Heute will ich Ihnen mit Cameco (ISIN: CA13321L1085, Kürzel: CCJ) den Weltmarktführer bei der Uran Gewinnung nahe zu bringen. Und bei Cameco könnte möglicherweise auch das Timing für eine Anlage sprechen.

Wenn Ihnen die deutsche Aufregung rund um Fukujima noch präsent ist, werden Sie sich vielleicht nun fragen, ob denn Uran überhaupt noch gebraucht wird. Die Antwort ist darauf ein ganz klares JA !

Dabei will ich mit Ihnen die Diskussion um das "für" und "wieder" der Atomkraft hier nicht führen, die sowieso nur zum Glaubenskrieg ausartet. Jeder möge dazu seine eigene Meinung haben. Realität ist aber, dass es nach Fukujima nur in Deutschland zu unmittelbaren und signifikanten politischen Konsequenzen gekommen ist. Einige andere Länder haben neue AKWs zwar in Frage gestellt, wirkliche harte Entscheidungen sind aber meines Wissens bisher nicht gefallen. Die Realität ist, dass es laut World Nuclear Association (WNA) weltweit 443 Reaktoren gibt und sich aktuell 62 neue Reaktoren in Bau befinden, davon alleine 26 in China ! Und China, das den wirtschaftlichen Aufstieg von über einer Millarde Menschen organisiert, interessiert sich herzlich wenig für deutsche innenpolitische Befindlichkeiten. Geplant sind alleine in China über 100 neue Reaktoren.

Für die Zukunft der Atomkraft und für Cameco ist es daher auch weniger entscheidend, was im saturierten Westen passiert, als wie die aufstrebenden Volkswirtschaften in Asien ihren gewaltigen Energiebedarf decken wollen. Und da spricht vieles dafür, dass die Atomkraft im Energiemix einen signifikanten Anteil haben wird. Zumindest ist kein Indiz sichtbar, warum der weltweite Bedarf an Uran in den nächsten Jahren fallen sollte, möglicherweise ist sogar das Gegenteil der Fall.

Und für eine mittelfristige Investition in Cameco ist es auch nicht so entscheidend, was vielleicht in 10 Jahren passiert. Wichtiger ist, wie der Uranpreis mittelfristig zu sehen ist. Und da hat Fukujima in den letzten Monaten zu einem sehr negativen Sentiment für Uran Aktien geführt, dass sich natürlich auch im Kurs von Cameco niedergeschlagen hat. Aber ein nach unten überdehntes Sentiment ist zugleich immer auch Chance !

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch zu verstehen, dass die laut WNA im Jahr 2010 weltweit geförderten rund 54000 Tonnen Uran gar nicht ausreichen sollen, um den aktuellen weltweiten Bedarf zu decken. Die Lücke wurde wohl bislang unter anderem aus Altbeständen aus der alten Sowjetunion geschlossen, die seit Anfang der 90er Jahre nach dem "Highly Enriched Uranium Agreement" (HEU) in die USA geliefert wurden. Diese Abkommen läuft nun aber laut Camecos CEO Tim Gitzel möglicherweise in 2013 aus, was eine Angebotslücke hervor rufen könnte. Das Bloomberg Interview können Sie ->nachlesen.

Selbst wenn man also Gitzels Aussagen kritisch hinterfragt, der ja sicher ein Interesse daran hat, die Zukunft von Cameco positiv darzustellen, scheint Uran also auf Jahre einen stabilen und sogar wachsenden Absatzmarkt zu haben. Und mit Cameco haben wir den Weltmarktführer, der mit einer Marktkapitalisierung von 8 Milliarden USD weit vor allen Mitbewerbern liegt und eine entsprechende Preismacht besitzt.

Da verwundert es nicht, dass auch der Chart der Cameco Aktie nun das Fukujima Debakel scheinbar verarbeitet hat und massiv an einer Wende arbeitet. Während in den Medien Uran kein Thema mehr ist, scheinen institutionelle Marktteilnehmer nun wieder an den Cameco Kurs zu glauben. Kein Wunder, denn nicht nur die kleine Welt der Atomindustrie sieht die Zukunft des Rohstoffs Uran positiv, auch der grosse Minenkonzern Rio Tinto hat mit dem kürzlich gegen Cameco gewonnenen Übernahmekampf um den Uran-Miner "Hathor Exploration" bewiesen, dass mit Uran wohl auch weiterhin gutes Geld zu verdienen ist.

Insofern ist die Cameco Aktie wohl im Moment mehr als einen Blick wert und ich halte daher auch eine erste Position in dem Titel. Sehr kurzfristig ist die Aktie aber wohl etwas überkauft und man kann in meinen Augen durchaus einen Rücksetzer bis ca. 19,5 USD abwarten. Mein Stop liegt bei 17 USD im Bereich des multiplen Bodens, weil ein Rutscher unter 17 USD wohl die Wendeformation negieren würde. Mein Kursziel nach oben bis Ende 2012 beträgt aber mit 30 USD das untere Ende des Gaps von Fukujima und das wären alleine 50% Gewinn gegenüber dem heutigen Kurs. Schauen wir mal, was daraus wird.