Jahr der Entscheidungen

Ein neues Börsenjahr liegt vor uns und es hat so begonnen, wie wir das im alten Jahr schon erwartet haben: ruhig und mit bullischem Unterton.

Schon seit November sage ich, dass bis zur Amtseinführung Trumps am 20.01.17, der Markt noch in seinem "Buy the Rumor" Wohlgefühl verharren kann. Wobei man das nicht auf den Tag genau verstehen sollte, sondern eher im Sinne "um die Amtseinführung herum", der Markt neigt dazu, Dinge schon vorher in Gang zu setzen.

Erst danach, muss aus Twitter-Zeilen dann echte Politik werden, was erhebliches Enttäuschungspotential beinhaltet. Das bedeutet aber nicht, dass daraus zwingend eine Enttäuschung werden muss, diese Zukunft ist noch nicht geschrieben und liegt im Wesentlichen in der Hand des grössten Donald aller Zeiten. 😉

Mit den Wahlen in Frankreich im Mai und in Deutschland im Herbst, dürfte dann auch die vor sich hin schwärende Frage nach der Zukunft Europas und des Euros, endlich einer Entscheidung zugeführt werden.

Gerade Frankreich ist dabei von immenser Bedeutung, während es in Deutschland ja wahrscheinlich mal wieder "alternativlos" weiter geht. Der Wahlkampf hat ja offensichtlich in diesen Tagen schon begonnen, wenn man sieht, wie sich Parteien aller Coleur, nun seit Jahresanfang unisono einer klaren Sprache bedienen, für die man noch vor 15 Monaten im berüchtigten Herbst 2015, als Rechtsextremist beschimpft worden wäre.

Was davon zu halten ist, dürfte jedem halbwegs klar denkenden Menschen offensichtlich sein: Wahlkampf eben und was interessiert mich mein Geschwätz von Gestern? Egal woran wir politisch glauben, wir sollten bei der Wahl die Parteien nach ihrem Handeln beurteilen und nicht nach ihren wohlfeilen Worten.

Frankreich aber, dürfte schon im Mai der grosse Wendepunkt sein. Ein jeder Potenz beraubtes "weiter so" im Stile Hollandes, dürfte wohl nicht auf der Agenda stehen. Eher sind es zwei Alternativen, die wohl zur Wahl anstehen. Auf der einen Seite das Modell eines Europas der kulturellen Identität, dass den vielfältigen Regionen und Nationalitäten wieder Raum gewährt und diese als Stärke achtet, statt sie als Verstoss gegen die "EU-Norm" wegregulieren zu wollen. Andererseits das klare Ende des bekannten Europas und damit auch des Euros, mit unabsehbaren Konsequenzen und hoher Volatilität.

Wie das ausgeht und vor allem wie die Börse darauf reagieren wird, ist heute aber unmöglich vorher zu sehen, ebenso wenig wie im Oktober letzten Jahres, der Ausgang der US Wahl. Insofern sind alle Jahresprognosen mal wieder nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben wurden.

Uns hier bei surveybuilder.info, tangiert das bei unseren Börsenaktivitäten aber auch gar nicht, die grossen Prognosen überlassen wir denen, die ihr Geld mit Klicks verdienen.

Wir nehmen den Markt und das Geschehen in der Welt auch dieses Jahr wieder Schritt für Schritt und erzielen unsere Vorteil dadurch, dass wir uns schnell anpassen und von den Bewegungen profitieren, wohin sie uns auch immer führen mögen.

Als Staatsbürger aber, als Mütter und Väter von Kindern, denen wir eine positive, chancenreiche Welt hinterlassen wollen, ist 2017 wohl das Jahr der Entscheidungen, in dem wir unser ganzes Gewicht in die Waagschale werfen sollten, um dieses Land und diese Welt für unsere Kinder ein klein wenig zu einem besseren Ort zu machen.

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Pfingsten 2013 – Die Ruhe Europas vor dem heissen Herbst

Pfingsten steht vor der Tür und leitet an den Börsen langsam die ruhigere Sommerphase ein. Die Strassen sind heute hier schon halbleer, halb Bayern flieht in vorgezogene Sommerferien. Eine Gelegenheit die ich nutzen möchte, um mit Ihnen ein paar emotionale Gedanken meinerseits zur Lage in Europa zu teilen.

100 Jahre ist nun der Sommer 1913 her. Ein Sommer, den meine Grosseltern noch als Kinder erlebt haben. Ein Sommer der oberflächlichen Ruhe und Gelassenheit, die Welt schien damals an der Oberfläche noch in Ordnung und fest gefügt. Man hätte damals meinen können, Europa sei in Bernstein gegossen, alles war wie es sein sollte - so schien es zumindest. Dabei waren unter der Decke schon all die Spannungen spürbar, die sich ein Jahr später so furchtbar entladen würden.

Ein Jahr später zerplatzte Europas alte Welt wie ein Spiegel, in den man einen Backstein geworfen hatte. Was sich anschloss, waren zwei Weltkriege, unsägliches Leid und brutaler Umbruch, an dessen Ende im wahrsten Sinne des Wortes kein Stein mehr auf dem anderen stand. Die Folgen dessen, was nach diesem letzten Sommer des alten Europas passierte, beschäftigen uns noch heute. Und niemand, absolut niemand, konnte sich 1913 vorstellen, wo die Welt schon Jahre später stehen würde.

Heute, 100 Jahre später, beschleicht mich ein ähnliches Gefühl einer unwirklichen Ruhe, so wie wenn sich der Himmel schon gelb in Erwartung des kommenden Gewitters färbt, während die Luft noch warm und ruhig wirkt.

Dieses Gefühl einer untergehenden Welt, wird auch schön von Tolkien im "Herrn der Ringe" durch die Worte "Galadriels" vermittelt. Was kein Wunder ist, denn Tolkien (1892 geboren) war ein Kind dieser Zeit, in der das alte Europa unterging : "
Die Welt ist im Wandel
Ich spüre es im Wasser.
Ich spüre es in der Erde
Ich rieche es in der Luft.
Vieles, was einst war, ist verloren, da niemand mehr lebt, der sich erinnert.

Jetzt werden Sie denken: ja spinnt denn der Hari ? Ist er jetzt zum neuen Nostradamus geworden ?

Definitiv nein. Erstens steht uns in Europa kein neuer Krieg bevor, zumindest kann ich mir das nicht vorstellen. Und zweitens bin ich sehr optimistisch, was die Entwicklung der Welt als Ganzes angeht. Die Welt ist auf einem guten Weg und es gibt keinen Grund für Weltuntergangsromantik. Machen wir doch die Menschen und ihr Wohlergehen - ihr Leben in Freiheit und Wohlstand - zum Massstab und vergleichen 1913 mit 2013. Dann sehen wir schnell, wie positiv sich diese Welt verändert hat. Und ich bin voller Optimismus, dass die Welt das weiter tun wird. Dafür sorgt schon der technologische und kulturelle Fortschritt, der gerade in Deutschland immer gerne mit Skepsis betrachtet wird, ohne den wir aber noch Leibeigene eines Landvogtes wären.

Dieses voraus geschickt, beschleicht mich beim Blick auf Europa und Deutschland aber doch das Gefühl einer untergehenden Welt, die noch an der Oberfläche verzweifelt an ihrer Normalität festhält. Man könnte dazu viel schreiben, woher dieses Gefühl kommt, ich will nur zwei aktuelle Ereignisse beispielhaft heraus greifen.

Da haben wir auf der einen Seite den französischen Staatspräsidenten, der sich - wenn man den Medien glauben darf - nicht zu schade ist zu behaupten: "Die Finanzkrise ist hinter uns, die Ursachen sind behoben." Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich jetzt laut lachen.

Wir haben aber natürlich auch unsere Bundeskanzlerin, mit Ihrer ebenso verfehlten Logik der "Alternativlosigkeit". Und das bei einem Kernthema der Gestaltung unserer Zukunft, wirklich DER Frage unserer Generation. Und wir haben unzählige Parteisoldaten, die einfach nachplappern und damit gedankenlos das genaue Gegenteil von dem verkünden, was 50 Jahre lang seit Adenauer unter der Überschrift "eine starke Währung ist gut für Deutschland" das Mantra jeglicher bundesdeutscher Regierungspolitik war.

Wir haben also auf der einen Seite eine Politik, die sich den realen Problemen in eine Phantasiewelt entzieht und glaubt, wenn man nur immer wieder und ausreichend das eigene Mantra beschwört, würde ja alles gut. Gerade wir Deutschen haben ja eine traurige Tradition darin, über den rational vertretbaren Punkt hinaus an einer Überzeugung fest zu halten. Ich will dafür gar nicht die Reichskanzlei bemühen, sondern Honeckers "Vorwärts immer, Rückwärts nimmer" ist doch das viel schönere und passendere Zitat dieser Scheuklappenpolitik.

Und auf der andern Seite haben wir eine unglaubliche, unter der Decke brodelnde Wut im deutschen Bürgertum. Eine Wut, die medial nicht richtig an die Oberfläche tritt, weil ihr bisher das Vehikel fehlte, um sich zu artikulieren. Und weil die Presse in "diesem unserem Lande" eben doch eine teilweise Symbiose mit der Politik eingegangen ist - alleine der dominante öffentlich-rechtliche Rundfunk sorgt schon dafür. Das ist ja kein Wunder, wenn 65 Jahre lang letztlich die gleichen Parteien die Macht im Staate inne haben.

Diese Wut zeigte sich bisher eher in Resignation und in Form von immer weiter steigenden Nichtwählerzahlen. Mit der "Alternative für Deutschland" hat diese Wut nun aber einen Katalysator bekommen. Und einen treffenden Blick auf das Brodeln unter der scheinbar ruhigen Oberfläche erlaubt beispielsweise das, was aktuell im Handelsblatt passiert ist.

Da hat das Handelsblatt ein Interview mit Bernd Lucke, dem AfD-Chef gebracht und das unter eine - nunja, etwas populistisch überspitze - Überschrift gesetzt, die die AfD in Richtung NPD rückte. Nicht unüblich im "Kostenlos-Web", in dem man um Aufmerksamkeit ringen muss, aber deswegen keine hinreiche Entschuldigung. Insofern eigentlich geschenkt und nichts Überraschendes, der Artikel als solcher war aber überwiegend in Ordnung, da habe ich schon Schlechteres gelesen.

Darauf hin brach ein "Shitstorm" von Lesern des Handelsblatts los, den man teilweise hier nachlesen kann: . Und die Leser des Handelsblatts entstammen im Schnitt ja schon dem, was man gemeinhin "gebildetes Bürgertum" nennt.

Und es gab eine (für mich persönlich) kleinkarierte Reaktion des Handelsblatt Chefredakteurs, die man hier nachlesen kann:

Wäre ich der Verleger, würde ich den Mann sofort ablösen, denn auch wenn man inhaltlich schon seiner Meinung sein kann, ist es für eine Führungskraft ein absolutes "NoGo", den eigenen, nicht völlig grundlos empörten Kunden, mit einem beleidigten "you made my day" sozusagen den virtuellen Mittelfinger entgegen zu strecken.

Warum erzähle ich Ihnen diese Anekdote ? Weil sie bezeichnend für die wirkliche Stimmung in Deutschlands Bürgertum unter der Decke der "Alternativlosigkeit" ist. Und weil sie zeigt, wie offen die Nerven schon jetzt liegen. Schauen Sie einfach, was auch in anderen seriösen Publikationen wie der FAZ von gebildeten Bürgern geschrieben wird. Die unterdrückte Wut ist gewaltig. Und diese Wut sucht ein Ventil. Und nicht die Wut ist verwerflich, sondern die, die sie in einer für unser aller Zukunft entscheidenden Frage hervor rufen, weil sie sich einer ernsthaften Beschäftigung mit der Realität verweigern.

Zur Sache wissen Sie, dass ich kein Mitglied der AfD bin und auch keines werde. Wie ich auch kein Mitglied einer anderen Partei werde. Und das ich keineswegs alles gut und richtig finde, was die AfD vertritt. Das ich es aber massiv begrüsse, dass diese vermeintliche Alternativlosigkeit nun aufgebrochen wird und wir endlich über diese entscheidende Zukunftsfrage diskutieren. Dem Eindruck es mit "Blockparteien" zu tun zu haben, konnte man manchmal wirklich haben, wenn man von allen Parteien des Bundestages diese identischen Glaubenssätze zum Thema Euro hörte - einem Thema das hochkomplex und eben keineswegs "alternativlos" ist.

Und Sie wissen, dass es für mich persönlich offensichtlich ist, dass dieser Euro - so wie er ist - eine völlige Fehlkonstruktion ist und uns ökonomisch zwangsläufig um die Ohren fliegt. Die einzige Frage ist, wann das passiert und ob wir damit geordnet umgehen, oder ob die Realität eine ungeordnete, chaotische Auflösung erzwingt. Und mit jedem Monat der "Alternativlosigkeit", wird das Risiko der ungeordneten Krise erhöht. Insofern ja, dieser Euro ist für mich der Spaltpilz an Europa. Und insofern liege ich in dieser Frage nahe an dem, was die namhaften Ökonomen, die die AfD mitgegründet haben, auch vertreten.

Möchte ich deshalb die D-Mark zurück. Nein, nicht notwendigerweise. Und Deutschtümelei und einen Rückfall in rein nationalstaatliches Denken möchte ich schon gar nicht. Gerade auch deshalb muss dieser Euro weg, weil er nationalstaatliche Egoismen und die alten Schubladen des alten Europas der Weltkriege befördert. Nein, ich möchte gerne eine starke, stabile Währung - egal wie sie heisst - und würde es sehr begrüssen, wenn es ein "Taler" eines Kern- oder Nord-Europas wäre, das kulturell besser zueinander passt und sich wirklich als echter integrierter Wirtschaftsraum vereint. Was dann zwangsläufig auch die Aufgabe nationaler Souveränität bedeutet.

Wenn ich diesen "Taler" aber nicht bekommen kann - und es spricht viel dafür, dass im aktuellen Europa so eine Entwicklung ohne einen Bruch unmöglich ist (was wieder an Frankreich liegt) - dann leben wir in Deutschland nach meiner Überzeugung mit einer neuen D-Mark weit besser. Die Schweiz macht es uns doch als Antithese vor unseren Toren vor, was von der Rhetorik des "Untergangs der deutschen Wirtschaft" in diesem Fall zu halten ist. Der Schweizer Franken ist völlig überbewertet und lastet schwer auf der schweizer Wirtschaft. Und die vergleichsweise kleine Schweiz hat viel geringere Möglichkeiten als ein Deutschland, das durch Binnenkonjunktur zu kompensieren. Und trotzdem, vergleichen Sie mal Arbeitslosenraten oder eben den Wohlstand und die Vermögen der Bevölkerung. Haben Sie das Gefühl, man lebt schlecht in der Schweiz ? Muss man noch mehr dazu sagen ?

Womit wir wieder zu diesem Gefühl kommen, das ich aktuell in mir drin habe. Dem Gefühl eine Welt zu beobachten, die sich in einer trügerischen Ruhe sonnt, bevor sich die Zukunft wild und dynamisch Bahn bricht. Das Gefühl nun ein paar Wochen des Sommers vor mir zu haben, bevor uns Krise und Chaos wieder einholen.

Denken Sie an diese Wut, die da latent im Bürgertum brodelt. Die manchmal noch als Resignation daher kommt, eine Resignation die sich aber schnell in Aggressivität wandelt, wenn sich dafür ein Katalysator bietet.

Denken Sie an die kommende Bundestagswahl. Denken Sie daran, wie die Börsen der Welt auf die Umfragen starren werden. Denn in Deutschland entscheidet sich die Zukunft des Euros. Denken Sie daran, was die Handelsprogramme der Grossfinanz machen werden, wenn die AfD in den Umfragen steigt und steigt. Denken Sie daran, wie sich dadurch das Haupt der Eurokrise wieder erhebt und wie es ausgeschlachtet werden wird, um Sündenböcke zu suchen. Denken Sie daran, wie hier im Lande die Stimmung giftig werden wird, wenn die Pfründe der vorhandenen Parteien in Gefahr geraten.

Vor uns liegt ein heisser Herbst. So viel ist sicher. Und wenn in diesem Prozess etwas schief geht, dann kann es auch einen Knacks geben, der weit über Deutschland hinaus geht. Und die weltweiten Börsen werden darauf in einer Art und Weise reagieren, gegen die die Sorgen um Griechenland ein laues Lüftchen waren. Und die Notenbanken werden versuchen, die Dosis der Medizin zu erhöhen und noch aggressiver Geld aus dem Helikopter werfen.

Der Einsatz steigt auf jeden Fall. Für uns in Europa geht es in den kommenden Monaten und Jahren ums Ganze. Und wenn überhaupt etwas alternativlos ist, dann die Zwangsläufigkeit, mit der uns die ökonomische Realität in Europa in diese Entscheidung hinein treibt. Denn die Realität lässt sich eine Zeit lang mit Plakaten nach dem Motto "Vorwärts zum x-ten Parteitag" überkleistern, irgendwann bricht sie sich aber Bahn.

Womit ich mit dem absurdesten Satz enden möchte, den ich seit langem gelesen habe:

Die Finanzkrise ist hinter uns, die Ursachen sind behoben.

Amen !

Geniessen wir deshalb diesen Sommer 2013. Wir werden die Ruhe brauchen. Der Herbst kommt mit Stürmen. Denn die Welt ist im Wandel ...

Ihr Hari

PS: Und ich beginne mit dem "Geniessen" am Pfingstmontag. Das ist ein normaler Handelstag, aber ich werde ihn überwiegend als Feiertag geniessen. Rechnen Sie also mit einer Meldung in "Hari Live", aber nicht mit einem Artikel. Am Dienstag bin ich wieder voll da. Wir sprechen uns auf jeden Fall vorher am Sonntag im Premium Bereich bei den "Sonntag Links".

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Marktupdate – Vorwärts immer, Rückwärts nimmer !

13:00 Uhr

Was wir heute bis zum Mittag am Markt erleben, ist so typisch, dass es mir ein Marktupdate wert ist. Und wie unsere Politik in der Illusion der "Alternativlosigkeit" gefangen ist, lässt mich so verzweifeln, dass ich einfach meine Stimme erheben muss !

(1)

Kaufe nie die Euphorie zum Handelsstart !

Diese Regel hat sich im DAX heute mal wieder bewahrheitet. Das institutionelle Geld (gerne auch "Smart Money" genannt) wartet erst einmal ab, während sich im frühen Handel die privaten Anleger (gerne auch wenig schmeichelhaft "Dumb Money" genannt) euphorisiert oder frustriert (je nach Nachrichtenlage vom Vortag) exponieren. Dabei spielt die Angst etwas zu verpassen eine grosse Rolle. Fragen Sie sich liebe Leser heute mal selber: wer von Ihnen hat heute früh, bei DAX über 6300, die Angst verspürt etwas zu verpassen und musste deshalb in den Markt springen ? Hmmm ? 😉

Merken Sie sich deshalb die Regel, erst ab ca. 10 Uhr in den Markt zu gehen und warten Sie einfach ab was vorher passiert. Ausnahmen sind möglich, dann sollte man aber genau wissen, warum es an dem Tag anders als sonst sein soll.

Übrigens gilt die Regel auch an der Wallstreet, erst ab ca. 17 Uhr kann man halbwegs sicher sein, dass der wirkliche Trend des Tages sich offenbart. Deswegen werden wir auch erst heute Abend wissen, wie Mr. Market wirklich über die "Spanien-Rettung" denkt.

Ich persönlich rechne für diese Woche nach wie vor mit einem Potential im DAX von ca. 6400. Nach unten könnte die 200 Tage Linie bei ca. DAX 6210 nun Unterstützung darstellen. Zum Positiven verändert würde meine Erwartung, wenn Umfragen schon diese Woche einen klaren Sieg der bürgerlichen Parteien in Griechenland prognostizieren sollten. Dann wäre das Potential da, auch die 6400 hinter sich zu lassen.

(2)

Nach der Rettung ist vor der Rettung !

Auch ganz typisch für Mr. Market ist, das er in der Sekunde in der ihm eine Sorge genommen wurde, sich sofort um den nächsten Stolperstein Sorgen macht. Die vermeintlichen Gründe warum unsere Politik glaubte, sie sei "alternativlos" gezwungen Spanien unter den Rettungsschirm zu zwingen, sind nämlich gar keine. Unsere Politik lässt sich von der angelsächsischen Finanzwelt vor sich her treiben, der es natürlich gefällt, wenn Geld in die Banken gepumpt wird. Lesen Sie dazu treffenden Artikel der Wirtschaftswoche oder einen Kommentar im Handelsblatt.

Was wäre denn so schlimm, wenn mal ein paar spanischen Regionalbanken Pleite gehen ? Und wäre es so schlimm, wenn der DAX mal wieder auf 4000 fällt ? Wenn sich dann endlich mal ein wirklicher, tragfähiger Boden bildet, weil der Moral Hazard der permanenten "Rettungsaktionen" aus dem Markt verschwindet, wäre ich unbedingt sehr dafür ! Denn nur so können wir wieder einen funktionierenden Markt und eine stabile, sich selbst tragende Wirtschaft bekommen.

Und wir "dummer" deutscher Michel zahlen fröhlich und übernehmen Risiken, weil wir einen historischen Schuldkomplex haben, der uns dazu zwingt immer die Muster-Europäer sein zu wollen, selbst wenn es unseren Interessen entgegen läuft. Viel schlimmer, wir verstehen unsere eigenen Interesse gar nicht mehr und glauben wirklich daran, dass die "Rettung" dieses fehlkonstruierten Euros in unserem eigenen Interesse läge. Vom Ausland wird das fröhlich gefördert, in dem Deutschland die Schuld am weltwirtschaftlichen Ungemach zugeschoben wird. "Haltet den Dieb" kann ich da nur sagen und bin wirklich entsetzt, wie blind unsere politische Kaste ist.

Und so kommt es wie es kommen muss, Mr. Market fängt sofort damit an, sich über den nächsten Kandidaten Sorgen zu machen. Und der lautet nicht Griechenland, sondern Italien ! Lesen Sie und weinen Sie mit mir. Wir lassen uns wie die Schweine durch Elektroschocks zur Schlachtbank treiben und merken es noch nicht einmal.

Dabei gäbe es einen einzigen Satz, der das ganze Spiel mit einem Schlag verändern würde. Und der müsste gar nicht mal öffentlich gesagt werden, sondern nur im Kreis der Regierungschefs der Eurozone. Und der lautet: Deutschland prüft die D-Mark wieder einzuführen.

Mit einem Schlag wäre das Machtgefüge ein anderes. Und wir wären nicht mehr erpressbar. Aber dieser historische Satz wird wohl nie gesagt werden, zu sehr ist unsere Politik in dem Netz der Propaganda gefangen, die uns einredet, dass ein derartiger Schritt nur mit Nachteilen und unkalkulierbaren Kosten verbunden sei. Deshalb wird dieser Satz nicht gesagt. Und deshalb kommt auch niemand auf die richtige Idee, die D-Mark zunächst parallel zum Euro als reine Referenzwährung und zur deutschen Staatsschuldfinanzierung einzuführen. Eine Rückkehr muss nämlich keineswegs auf einen Schlag erfolgen, man kann im Euro bleiben und trotzdem Schritt für Schritt die Alternative vorbereiten.

Selbst unser Bundesbankpräsident Weidmann redet den "unkalkulierbaren Risiken und Kosten" einer Rückkehr zu D-Mark ja nun das Wort und blendet dabei völlig all die massiven Vorteile und Vermögensgewinne für Deutschland und seine Bürger aus, die eine Rückkehr zu D-Mark mit sich bringen würde. Lesen Sie . Weidmann war wohl doch zu lange an der Seite von Merkel, wie kann man da eine abweichende Weltsicht erwarten....

Herr Weidmann, beantworten Sie dem deutschen Bürger doch mal eine Frage: Wenn die neue D-Mark sofort um 30% gegenüber dem Rest-Euro aufwerten würde - was auch ich für realistisch halte - ist das dann ja wohl das korrekte Abbild der in den letzten 10 Jahren erarbeiteten Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Was bedeutet 30% Aufwertung für die Zahlungkraft eines deutschen Bürgers mit D-Mark in der Brieftasche ? Wie würden sich unsere Importpreise entwickeln ? Wie stark würden unsere alten Schulden in Euro entwertet und wir damit entlastet, wenn wir neue Schulden nur noch in D-Mark aufnehmen ? Hmmm ?

Besonders absurd und peinlich ist für mich die Argumentation: "Ein Zerfall der Währungsunion wäre mit extrem hohen Kosten und Risiken verbunden, die niemand wirklich vorhersehen kann". Was im Umkehrschluss dann ja wohl bedeuten soll, dass der nun von der Politik eingeschlagene Weg der Dauerrettung sicher vorhersehbar und ohne Kosten und Risiken ist, oder ? Besser kann man in meinen Augen nicht offenbaren, wie hoffnungslos man gedanklich in dem vermeintlichen Automatismus der "Alternativlosigkeit" gefangen ist. Schlimm so etwas vom Chef der Bundesbank hören zu müssen !

Herr Weidmann, die Welt ist nicht schwarz/weiss und man hat immer die Wahl ! Richtig ist, dass beide Wege mit erheblichen Risiken, aber auch erheblichen Chancen verbunden sind. Es gibt keine einfache Antwort und auch die Rückkehr zur D-Mark ist ohne Frage mit Risiken und Nachteilen verbunden. Aber: WIR HABEN SEHR WOHL DIE WAHL ! Das mal argumentativ gegenüber zu stellen, wäre für mich ein Zeichen intellektueller Redlichkeit !

Wir durchleben wahrhaft historische Zeiten und die Mehrheit der Bevölkerung merkt es nicht. Mit jedem Monat sinken unsere Chancen, den fatalen Weg noch stoppen zu können, der nun eingeschlagen wurde. Es kann gut sein, dass uns unsere Kinder später mal fragen werden: Papa, warum hast Du damals geschwiegen, wenn sie in den Geschichtsbüchern über die Geschehnisse der Jahre 2010-2015 lesen. Meine Grosseltern kennen diese Frage auch noch.

Mir bleibt daher leider nur, traurig mit dem bekannten Motto zu schliessen, mit dem unsere politische Führung uns in eine Zukunft zwingt, die Deutschlands Bevölkerung mit hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht will und die wirklich voller "extrem hoher Kosten und Risiken" steckt :

Vorwärts immer, Rückwärts nimmer !

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